Fundstück: Oliver Kalkofe und die Knoppers-Werbung

Kalkofes Mattscheibe schätze ich seit vielen Jahren. Diesmal habe ich einen Beitrag gefunden, der mir sogar besonders gefällt:

Kalkofes Mattscheibe rekalked – Zuckerschock für Grundschüler

Es ist wirklich schön, wie man sich am Anfang über die Werbeparodie amüsieren kann, bevor einem das Lachen im Halse steckenbleibt, weil das, was Oliver Kalkofe erzählt, ganz ernst ist. Ja, ich habe sogar Mitleid mit dem von ihm gespielten fiktiven Jungen, weil das, was dargestellt wird, zwar übertrieben ist, die einzelnen Elemente aber durchaus realitätsnah sind: Die strengen Anforderungen und die entfallende Kindheit durch ein auf Leistung und Lernen optimiertes Leben…

Beim zweiten Nachdenken darüber fällt mir auf, dass Oliver Kalkofe hier mehr Mitgefühl mit einem Jungen zeigt als Plan, das „nur für Mädchen“ Geld sammelt oder Pädagogen, die den Jungs die Schuld in die Schuhe schieben für ihre Probleme in der Schule.

Aktualisierung: Um die anhaltenden Pingback-Probleme zu analysieren, hat ingwerlatte den Beitrag testweise bei sich veröffentlicht. Vielen Dank dafür! Schauen wir mal, ob der Pingback von hier aus ankommt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Vom ersten Album von U2 namens „Boy“…

U2: I Will Follow

Fundstück: Las Balkanieras: „Warum Sabine?“ oder „Als Frau in der Friendzone“

Resolute Nuss weist in einem Kommentar auf die Gefahr hin, sich den Spaß an der Popkultur dadurch kaputtzumachen, dass man alles analysiert. Das halte ich für eine sehr gute Warnung – gerade, um sie auf sich selbst anzuwenden: Habe ich inzwischen schon so einen Tunnelblick, dass ich überall „mein Thema“ sehe? Muss ich ständig aufzeigen, dass hier „meine Theorie“ am Werk ist? Gilt nie „es ist, was es ist„, sondern muss alles eine versteckte Bedeutung haben, die in Richtung meines Weltbildes deutet? Ich möchte das mal an einem ganz konkreten Beispiel ausführen, das sowieso schon als Artikelidee vorgemerkt war.

Las Balkanieras: Warum Sabine?

Las Balkanieras besingen hier, ganz einfach ausgedrückt, das Thema „Als Frau in der Friendzone„. Ein völliges unverdächtiges Stück Popkultur, möchte man sagen. Mir fallen daran mindestens drei positive Aspekte auf:

  1. Wenn schon sich beklagen, dann wenigstens tanzbar!
  2. Mit all dem Aufgezählten wirkt es so übersteigert, dass es auch Unterhaltungswert hat.
  3. Den Frust kreativ zu verwenden, halte ich für gute Idee.

Dasselbe Lied – kaputtanalysiert

Eine so positive, schöne, unbeschwerte Welt kann man natürlich nicht so stehenlassen. Da muss doch irgendetwas ganz schreckliches dran sein, schließlich ist nichts „einfach so“ oder „unschuldig“! Wie müsste der Text des Liedes gedeutet werden, wenn hier ein Mann über eine Frau schmachten und man die Maßstäbe von poststrukturellen Feminismus anwenden würde?

„Du liebst mich nicht (…) und ich weiß, dass Du mich nicht siehst / Warum nicht ich?“ – Der Refrain enthält gleich mehrfach unbegründete Vorwürfe. Hier wird die Realität nicht akzeptiert.

„Vor jedem Tag küss ich Dein Bild auf meinem Nachttisch“ – Wenn das ein Mann über eine Frau singt, ist das „creepy“ und Objektifizierung.

„Jeden Morgen im Büro bring ich Dir Kaffee Latte“ – Hier beklagt sich jemand darüber, nicht geliebt zu werden, nur weil er irgendwelche Gefallen tut! Klarer Fall „ich mache soviel für Dich, da habe ich doch mehr verdient“!

„Zur Mittagspause plan‘ ich Essen beim Chinesen“ – ohne die Frau vorher zu fragen! Hier wird jemand gar nicht erst nach seinen Wünschen gefragt.

„[Er] ist doch farblos“ – Typisches Friendzone-Gejammer. Lernt endlich, die Wahl einer Frau zu akzeptieren!

Dann kommt noch verstärkend eine Zeile, die stark an eine Werbung aus den 1990ern erinnert:

Jade-Mascara-Werbung: „Was hat sie, was ich nicht habe?“

Also völlig von Neid zerfressen.

Durch das ganze Lied zieht sich eine Aufzählung, wie attraktiv die singende Person eigentlich ist und wieviel sie dafür tut. Auch das soll die Wahl der Frau delegitimieren.

„Ich weiß eines Tages kommt die Gelegenheit / Um Dich zu kriegen, zahl‘ ich jeden Preis“ – Das klingt erst recht creepy, so etwas könnte auch ein späterer Stalker oder Vergewaltiger singen (wobei Männer natürlich alle potentielle Vergewaltiger sind).

Sprich, kaum dreht man die Verteilung der Geschlechter in dem Lied um, kann man aus dem Text beliebig Belege dafür finden, in was für einer Hölle Frauen in der westlichen Welt leben und wie sie die ganze Zeit mit Propaganda beballert werden, um in Angst zu leben und ja nicht aufzumucken. Das hat natürlich mit der Realität, in der ich lebe, nichts zu tun. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie man quasi aus dem Nichts Vorwürfe und Betroffenheit generieren kann.

Las Balkanieras zum Lied

Um wieder in die normale Welt zurückzukommen und weil ich den Artikel mit etwas Positivem beenden möchte: Zwei Mitglieder der Band haben eigene Deutungen und Erklärungen aufgenommen.

Filozofija

Es gehe natürlich nicht um eine konkrete Person. Sabine sei ein Symbol für die Frauen, die sagten, sie seien besser als man selbst. Auch wenn man sich nicht „selbst optimiere“, habe man das Recht, glücklich zu sein.

Analyse: Sei kein Klaffi!

Sabine sei emanzipiert; eine unabhängige Frau, die wisse, was sie wolle. Solange man das ganze Schönheitsprogramm aber für den Mann mache und nicht für sich selbst, finde der Mann einen langweilig. Männer wollen keinen „Klaffi“ (also ein Schoßhündchen) – und Las Balkanieras auch nicht. Was immer man auch tun wolle, man tue es für sich. Auch in einer Beziehung sei das ständige Hinterhertelefonieren falsch. Eine gute Frau frage nicht, wo ihr Mann sei, sie wisse es.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mit demselben Beat (oder Riddim) von Mungo’s HiFi erschien bereits 2012 in Belgien das folgende Lied.

Lisa Bennett: Apple Tree

Nostalgie-Fundstück: Götz George in unprickelnder Sektwerbung

Dass er sich dafür nicht zu schade war! Andererseits: Ohne Götz George hätte ich diese Werbung schon längst vergessen.

Henkell Trocken 1992

Hier ist ein schönes Beispiel, wie man Frauen und Männer gleichzeitig so überzogen traditionell-klischeehaft darstellen kann, dass es einen anwidert: Zum einen die Damen, die außer gut aussehen nichts draufhaben und alleine nichts auf die Kette kriegen, sondern einen Mann anbetteln müssen, um sie von einem langweiligen Festvortrag zu erlösen. Zum anderen der Mann, der sofort springt und sich völlig unnötig in Lebensgefahr begibt, nur um für diese Frauen der Held zu sein. Am Ende hat er vielleicht den Abend gerettet – aber doch gezeigt, dass er sich extrem einfach fremdsteuern läßt. Souveränität sieht anders aus – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Aus den Schimanski-Zeiten sind ja einige Lieder bekannt…

Joe Cocker: Now That You’re Gone

Fundstück: Bianco-Werbung mit Frauengewalt und Männerhass

Gerade gesehen: Eine Schuhfima macht Werbung mit Frauengewalt und Männerhass, und zwar so, dass ich nicht wüsste, das schon einmal in dieser Unverfrorenheit gesehen zu haben. Mal stelle sich das nur mal andersrum vor. Und dann auch noch mit dem Slogan:

Equal pay is not enough! We need more!

It’s more expensive to be a woman than to be a man. Equal pay is not enough! #WomenNeedMore

Schöner kann man weibliche Anspruchshaltung wohl kaum ausdrücken.

Fundstück: Ahoi Polloi über kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung

Zu Ahoi Polloi gibt es nur eins zu sagen: Diese Comics gehen wirklich immer.

Die Themen kulturelle Aneignung („cultural appropriation“), rape culture und sexistische Werbung wurden auch in diesem Blog schon angesprochen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute mit einem Lied, das nicht ohne „kulturelle Aneignung“ möglich gewesen wäre.

Gentleman: Dem Gone

Warum ich geschlechtsspezifische Werbung durchaus positiv sehen kann

In dem Blog „Ich mach mir die Welt“, das das Blogstöckchen #Was wäre wenn („ich das andere Geschlecht hätte“) ins Leben gerufen hat, ist man gegen geschlechtsspezifische Werbung (für Jungen und Mädchen). Der Punkt, in dem wir offensichtlich grundverschiedene Ansichten haben, ist folgender: So, wie ich das Blog verstanden habe, steuern Medien/Werbung/Konzerne das Bild und damit auch die Präferenzen der Geschlechter, das heißt die Nachfrage wird erst durch das Angebot (so) erzeugt.

Völlig von der Hand zu weisen ist das nicht. Das Körnchen Wahrheit, das ich dabei erkenne, ist: Natürlich kann man mit millionenschwerer Werbung das Konsumverhalten beeinflussen. Klar kann ich den Leuten irgendwelchen Blödsinn als den letzten Schrei verkaufen und sie heiß darauf machen.

Alles in der Hand haben aber selbst Konzerne nicht. Das zeigen gigantische Flops, die völlig am Markt / Zielpublikum vorbeientwickelt wurden und sich einfach nicht verkaufen wollen.

Zwei Argumente sprechen aus meiner Sicht gegen die These eines von Herstellern erzeugten Rollenbildes: Zu verbreiten, dass ein bestimmtes Produkt nicht für mich ist, bringt der Industrie gar nichts. Im Gegenteil, für sie ist es vorteilhaft, wenn jeder alles kaufen kann (und denkt, dass er es braucht). Außerdem würde es eine Menge Geld sparen, wenn ich mit derselben Werbung alle gleichermaßen ansprechen könnte. Aus kapitalistischer Sicht wäre es also ideal, wenn ich jedem das gleiche Produkt auf dieselbe Art und Weise andrehen könnte. Das bringt Profit und nur das zählt. Irgendwelche politischen oder sozialen Rollenbilder halten mich da nur auf, wenn ihre Kenntnis und Beachtung mir nichts nützen.

Alles Evolution hatte vor einigen Wochen auf ein Video aufmerksam gemacht, in dem der Professor Gad Saad gegen die These von den „gesellschaftlich gesteuerten Spielzeugpräferenzen“ argumentiert und dabei zahlreiche Studien erwähnt. Das lohnt es sich durchaus anzusehen:

Kurz gesagt, es spricht sehr viel dafür, dass im Durchschnitt, tendenziell gewisse Präferenzen vorhanden sind und dies auch nicht durch soziale Prägung erklärt werden kann. Dies heißt natürlich nicht, dass man diese allgemeine Regel in jedem einzelnen Individuum finden kann (so funktioniert Statistik nicht), dass alle ihr Leben streng nach Geschlecht aufgeteilt gleich leben müssen oder dass man jede Werbung akzeptieren muss, die einem vorgesetzt wird.

Es bedeutet auch nicht, dass Werbung nicht erschreckend dumm sein kann. Kurzfristig kann alles mögliche vorkommen. Ein Großkonzern mag weniger Gewinn machen mit einer verfehlten Kampagne – er wird aber dafür nicht vom Markt gefegt. Und umgekehrt kommt es wohl nur im Idealbild der Marktwirtschaft vor, dass ein kleiner Tante-Emma-Laden mit einem neuen, besseren Produkt plötzlich (soweit er die Nachfrage befriedigen kann) gegen den bisherigen Marktführer antreten kann. Den „freien“ Markt, wie er im Modell der Marktwirtschaft beschrieben wird, gibt es in der Realität nur sehr selten. Wer den Markt einigermaßen beherrscht (z.B. als Oligopolist, also einer von wenigen Anbietern), der kommt vielleicht mit einem mittelmäßigen Massenprodukt durch, dass viele so naja finden, aber am Ende kaufen, weil es nichts besseres gibt (etwa weil es dafür eine breitere Angebotspalette bräuchte, die sich mangels Konkurrenz jedoch nicht entwickeln kann). Stark geschlechtsspezifische Produkte wären dann das Ergebnis von „die meisten wollen schon einen Unterschied haben, wenn auch nicht alle gleich stark“.

Gegen das völlige Aufpropfen von oben spricht zumindest meine schon vorher geäußerte Frage:

Zu der These der allmächtigen Medienbilder (oder wahlweise dem Patriarchat) habe ich immer die Frage der Initialbefreiung: Wenn ihre Macht so groß ist, dass sie uns in unserem Männer- und Frauenbild effektiv steuern, wie konnte es dann überhaupt jemals jemandem gelingen, daraus auszubrechen?

Mir ist bei der schnellen Suche zum Stichwort „Gendermarketing“ noch ein Artikel in die Hände gefallen, in dem sogar genau andersherum argumentiert wird: Ein Spiegel der Gesellschaft

Grundtenor ist dabei: Produkte sind heute seltener Mann oder Frau zugeordnet, es verkauft sich jedoch leichter mit einer Werbung, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Geschlechter zugeschnitten ist. Das Marketing reagiert auf Rollenbilder und ist letzten Endes das Ergebnis einer größeren Konsumfreiheit.

Ich finde das spannend, weil es mich an drei andere Erkenntnisse erinnert, in denen stärkere Ungleichheit ebenfalls Ausdruck von Freiheit ist. (Leider finde ich die Quellen nicht mehr wieder, es läuft also unter „meine vage Erinnerung“.)

  1. Je freier eine Gesellschaft, desto unterschiedlicher die Berufswahl zwischen den Geschlechtern.
  2. Menschen, die eine klar ausgeprägte eigene Geschlechterrolle haben und damit gut zurechtkommen, können eher mit Abweichungen von den Rollen umgehen.
  3. Gerade durch die Freiheit von alten Zwängen sind bei Jugendlichen / jungen Erwachsenen die Geschlechterrollen stärker ausgeprägt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? In den 1980ern gab es mal ein Lied, in dem sich ein Mann Sorgen machte über den Einfluss des Fernsehens auf seinen Sohn.

Karel Fialka: Hey Matthew

Warum mich solche Frauenfußballwerbung ärgert

„Dritte Plätze sind was für Männer!“ hieß es zur Fußball-WM der Frauen 2011. Und auch für die diesjährige WM ist es gelungen, eine selten dämliche Werbung zu finden:

#Titeltraum – Ein Kurzfilm mit Carolin Kebekus.

Warum stößt mich das so ab? Was haben beide Werbungen im negativen Sinne gemeinsam?

Wie die Stadtmensch-Chronicles 2011 berichteten: „Von Anfang an wurden die WM-Kampagnen als Kriegserklärung gegen die Männer designt.“

Ja, dieses Element „Wir sind besser als die Männer“ finde ich schon sehr verstörend, zumal es für mich nach „Wir müssen uns unbedingt mit Männern vergleichen!“ klingt. Dabei sollte die eigene Leistung doch einen eigenen Wert haben – unabhängig davon, was andere geschafft haben (außer natürlich, sie waren die direkten Konkurrenten).

Beim Fußball könnte das Bild nicht weiter von der Realität entfernt sein: 2003 verloren die damaligen Weltmeisterinnen gegen die B-Jugend des VfB Stuttgart, also gegen 14- bis 16-jährige (Quelle: taz).

Den Kurzfilm würde man mit vertauschten Rollen sofort als sexistische Werbung brandmarken. Man stelle sich vor, so wie Carolin Kebekus würde ein Mann über Frauen reden (und dabei als positive Figur dargestellt)! Manches geht eben nur mit Männern…

Es ist aber auch bezeichnend, dass die Schiedsrichterin, die eigentlich neutral über einen sportlichen Wettkampf wachen müsste, klar Partei ergreift und das Geschehen genüsslich kommentiert. Man fühlt sich an manche Debatten erinnert, wo einige Leute der Meinung sind, Sprüche dürften nur in eine (die politisch genehme Richtung nämlich) ausgeteilt werden. Stattdessen wäre hier ja eine weitere Chance, die Leistung einer Frau zu zeigen, die in ihrer Rolle als Schiedsrichterin aufgeht und das Spiel nüchtern und zurückgenommen beurteilt.

Der Film ist aber auch ansonsten von vorne bis hinten verkrampft und bemüht: Er wiederholt den alten Grabenkampf Männer gegen Frauen, am dem außer irgendwelchen Extremisten sowieso niemand Interesse hat. Die Männer spielen vorher fröhlich und entspannt und fangen erst gegen die Frauen mit peinlichen Patzern an. Die Botschaft für Männer lautet also: Spielt nie gegen Frauen, da könnt Ihr nichts gewinnen, sondern Euch nur blamieren! Das kollektive Gekicher der Frauen auf die abwertenden Sprüche gegenüber den Männern zeugt auch nicht gerade von einem Frauenbild, das im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Es ist schon traurig, dass der Frauenfußballnationalmannschaft ein Wert nur gegen die Männer zugestanden wird. Waren wir da nicht schon einmal weiter?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied aus dem Jahr, als den Männern bei der Fußball-WM ein dritter Platz zuwenig war.

Andreas Bourani: Auf uns

Fundstücke: Gewalt am Frühstückstisch

Manchmal wirken zwei Videos noch einmal ganz anders, wenn man sie direkt nebeneinander stellt:

Gewalt gegen Frauen: TV-Spot für das Hilfetelefon (gefunden via Lucas Schoppe)

Müller® Joghurt mit der Schlemmer Ecke® (gefunden via emannzer, Video unter ursprünglicher Adresse nicht mehr ohne weiteres erhältlich)

Wie ich seinerzeit in einem Kommentar unter anderem schrieb:

  • Der Mann bleibt während der gesamten Aktion passiv; er reagiert auch eher unangenehm berührt darauf, hier von der Mutter wie Verfügungsmasse eingespannt zu werden. Er hat auch anscheinend gar nichts zu sagen in der Familie, was sich ja allein schon aus der Provokation der Tochter ergibt, die sich an die Mutter richtet.
  • Die ganze Szene – Gewalt in der Familie ist lustig, die freche Tochter kann schon mit einem Wortspiel als “so ein Früchtchen” bezeichnet werden, der man “eine schmiert” müsste eigentlich als gewaltverharmlosend verdammt werden.

Bonusfrage: Was wohl den anderen Personen am Tisch passiert, wenn sie mal etwas machen, das der Mutter nicht gefällt?

Bei zweiten Spot gab es (zu Recht) Proteste. Später erschien eine neue offizielle Version:

Wie schon Nivea zu Weihnachten 2014 zeigt sich, dass es problemlos möglich war, eine akzeptable Werbung zu produzieren – auch wenn sich in diesem Fall kein richtiger Schockeffekt ergeben will, der ja offensichtlich beabsichtigt war. Proteste gegen Werbung haben ihre Berechtigung, auch wenn man umgekehrt aufpassen muss, nicht völlig durchgeknallte Maßstäbe anzuwenden.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Lied aus den 1990ern, das nach einem Film benannt ist, der das Frühstück im Namen trägt.

Deep Blue Something: Breakfast at Tiffany’s

Warum ich finde, dass Lächeln und glücklich sein verboten gehört

Gestern ging es mir darum, wie die Maßstab für sexuelle Belästigung auf lächerliches Niveau herabgesenkt wird. Heute möchte ich auf das Thema Sexismus in der Werbung zu sprechen kommen.

Die Meldung machte bereits vor über einem Jahr die Runde: Im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain soll auf den vier Werbeflächen, die auf öffentlichem Gebiet stehen, keinerlei sexistische oder diskriminierende Werbung mehr erscheinen. Bereits damals befand Harald Martenstein: Wie bei den Taliban!

Ich habe mich damals tatsächlich mal aufgemacht, zumindest eine dieser Flächen zu sehen und zu begutachten, was denn dort überhaupt für Werbung erscheint. Vielleicht wäre es ja nur viel Lärm um nichts. Die erste ernüchternde Erkenntnis: In der Straße standen auf kurzer Strecke mehrere Werbeflächen – welche davon auf öffentlichem Boden, das konnte ich in der Kürze der Zeit nicht in Erfahrung bringen. Erinnern kann ich mich an Unterwäschewerbung von Calzedonia – aber ob die auf einer der vier Flächen war, weiß ich nicht.

Ende April ist das Thema wieder hochgekommen. Wer sich den Text von Jan Fleischhauer durchliest (gefunden via Prof. Dr. Günter Buchholz) oder gar Harald Martensteins „Über Frauenbilder in der Werbung„, der fasst sich an den Kopf: Es ist gelungen, die bereits absurden Forderungen noch auf die Spitze zu treiben!

Künftig ist bereits „grundlos lächeln“ ein Hinweis auf Sexismus und Diskriminierung – nur bei Frauen, wohlgemerkt. Das klingt logisch, denn Menschen nur aufgrund ihres Geschlechtes unterschiedlich zu behandeln ist natürlich nicht sexistisch oder diskriminierend. Gut, dass mir das noch einmal jemand sagt! Ich hätte es sonst nicht bemerkt.

„Aber… das ist Wahnsinn!“ „Nein! Das. ist. Kreuzberg-Friedrichshain.“

Wobei ich einwenden muss: Die Grundthese lautet ja, dass die Werbung uns dahingehend beeinflusst, was wir als normal empfinden. Nach dem Wegfall von Werbung mit anlasslos lächelnden Frauen müsste sich das Verhalten von Frauen in Berlin also dahingehend ändern, dass sie weniger anlasslos lächeln. Ganz provokant gefragt: Kann man weniger als gar nicht lächeln? Es ist ja jetzt nicht so, dass in Deutschland die Leute entsetzlich häufig lächeln würden. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich Klagen darüber noch nie gehört, wohl aber Feststellungen, die eher in die andere Richtung gehen.

Und damit sind wir bei einem Vorschlag vom Schwulemiker, auch bekannt als Adrian. Ihm gehen die Maßnahmen noch nicht weit genug:

Ein lobenswerter Schritt auf dem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung und Emanzipation von Frauen! Doch warum geht man nicht noch einen entscheidenden Schritt weiter und führt eine Mode- und Sittenpolizei für Frauen im Allgemeinen ein, so wie es in einigen islamischen Ländern Standard ist? Denn Werbung ist ja nur eine Seite des Schrecken, welches Frauen täglich ertragen müssen. Zuviele echte Frauen geben sich und anderen Frauen ein schlechtes Beispiel, indem sie sich falsch verhalten, ohne Anlass lächeln, sich körperbewusst kleiden, dem Konsum frönen. Einige Frauen sollen sogar verführerisch und schön sein! Kann man das tolerieren?

Nein! Aus diesem Grund unterstütze ich die Maßnahmen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg nachdrücklich und schlage außerdem vor, in der Werbung und in der Öffentlichkeit nur noch lächelnde, verführerische, schön Männer zu erlauben, die sich körperbewusst kleiden und Freude am Konsum haben. Ein solches Opfer ist mir das Wohl der Frauen wert.

Frauen zu verbieten ist weder legal noch moralisch richtig oder gar möglich, aber warum sie nicht tatsächlich aus der Werbung verbannen? Zwar stellt das einen Eingriff in den Markt dar (Frauen treffen einen Großteil der Konsumentscheidungen und ich erinnere mich an die Meldung, in einer Einkaufspassage sei ein Großteil der Geschäfte für Frauen), aber es geht um das Allgemeinwohl. Vergessen wir nicht, dass der ursprüngliche Plan darin bestand, im öffentlichen Stadtbild Werbung überhaupt zu verbieten!

„Die unsichtbare Frau“ wird uns noch viel Freude bereiten. Zeigen wir Männer, die fünfe gerade sein lassen und einfach mal so lächeln, die sich naiv einfach über den schönen Tag freuen, gut aussehen wollen und daher körperbetont gekleidet sind, fürsorglich sind (natürlich nur für ihre Söhne, Töchter kommen ja nicht mehr vor), mit großer Freude im Haushalt tätig, oder schlicht und ergreifend schön sind, weil sie auf ihr Erscheinungsbild achten.

Wie schon bei der Popkultur werden die Sittenwächter das nicht lange durchgehen lassen. Als nächstes wird der Mangel an Frauen beklagt, so dass sie wiederkommen, aber nur in „sicheren Rollen“, wo sie nur positiv dargestellt werden. Danach kommt die Kritik an den festgelegten Rollen und dass Frauen auf bestimmte Eigenschaften reduziert werden, womit beide Geschlechter gleich häufig auch negativ gezeigt werden. Dann sind wir wieder am Anfang der Schleife angelangt und die nächste Iteration geht los.

Aber zwischendurch haben die homosexuellen Männer ihre Freude und ich meine Ruhe. Das ist es mir wert.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal über einen Mann, der sich für einen Filmstar hält, obwohl er bisher nur in der Werbung vorkam.

Harpo: Moviestar

Fundstücke 2014: Nivea(u) mit Vätern

Pünktlich zum Nikolaus möchte ich eine Geschichte aufgreifen, die letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit für einigen Wirbel gesorgt hat. Nivea brachte einen Weihnachtsspot heraus, bei dem auffälligerweise der Vater der Familie vollkommen selbstverständlich ausgeblendet war. Weder tauchte er auf, noch wurden er oder sein Fehlen erwähnt. (Zu weiteren und genaueren Analysen verweise ich auf die Darstellung von Lucas Schoppe mit weiterführenden Links.)

Nivea: Weihnachten (2013)

Das wurde jedoch nicht nur in diversen Blogs auf die Tagesordnung gebracht, nein, es gab einen offenen Brief an die Firma Beiersdorf und einige Leute ließen nicht locker, trafen sich sogar mit einem Vertreter der Firma. Das erste Zwischenergebnis, über das auch hier im Blog berichtet wurde: Zum Vatertag kam ein eigener Spot heraus. (Emannzer hat darüber mehrfach geschrieben – auch hier mit weiterführenden Links.)

Nivea: Danke, Papa (zum Vatertag 2014)

Klar, einen endgültigen Beweis dafür, dass dieser Aktivismus letzten Endes zu diesem Ergebnis geführt hat, habe ich nicht. Dennoch gehe ich nach dem mir vorliegenden Informationsstand davon aus: Protest lohnt sich.

Da sind Leute aus ihrer Blogblase herausgegangen, wurden ungemütlich, blieben hartnäckig an der Sache. Man kann etwas erreichen – ich halte das für eine der wichtigsten Botschaften aus dem Jahr 2014, was Männerrechte angeht.

Über das Twitterkonto „Das Patriarchat“ wurde ich – ohne selbst Twitter zu benutzen, ich lese nur bei Alles Evolution und Ach Domina mit – auf einen Beitrag bei Agens e.V. aufmerksam. Nivea hat dazugelernt und zeigt dieses Jahr einen viel schöneren Spot:

Nivea – Weihnachten (2014)

Da fällt der Satz „Zusammen ist Weihnachten am schönsten“ – das ist doch schön gesagt. Leider werden dieses Jahr manche die Freude ihrer Kinder nicht mehr erleben, weil sie im Kampf um das Sorgerecht zermürbt wurden.

Ein wenig Medienanalyse

Es ist mir erst beim Anschauen der älteren Videos aufgefallen: Da wurde dasselbe Kleinkind verwendet und einige Szenen für den aktuellen Weihnachtsclip einfach wiederverwertet. Deswegen habe ich mir mal die Mühe gemacht und genauer hingesehen (Videos zu besprechen kann ja recht nützlich sein):

Nivea: Weihnachten (2014)
1. Szene: Kind auf Sofa mit Plätzchen: schon Weihnachten 2013, ab ca. 0:30
2. Szene: Kind tapert durch die Wohnung und weckt die Eltern: schon Vatertag, ab 0:00
3. Szene: Kind kommt mit Papa vom Einkaufen wieder: schon Vatertag, ab ca. 0:41
4. Szene: Mutter erwartet Vater und Kind: nicht in den zwei anderen Videos
5. Szene: Mutter schmückt Baum mit Kind: nicht in den zwei anderen Videos
6. Szene: Mutter mit Onkel und Kind: schon Weihnachten 2013, ab ca. 0:19
7. Szene: Kind guckt aus dem Fenster, die Großeltern kommen: schon Weihnachten 2013, ab ca. 0.36

Gesamtlänge: 0:49 Minuten, davon ca. 9 Sekunden Material, das nicht aus zwei konkreten älteren Videos stammt. So wenig kostete es, einen Weihnachtsspot zu drehen, in dem auch der Vater einen Platz hat. Klar, das musste noch richtig geschnitten und vertont werden, aber: Es brauchte anscheinend keine Neu- oder Nachdrehs, die Aufnahmen waren offensichtlich in weiser Voraussicht „auf Halde“ geschossen worden, um sie bei Bedarf neu zu kombinieren. Das Kind ist dasselbe vom letzten Jahr und in den neuen Szenen keinen Tag gealtert. Es gibt im Video 2013 eine etwas andere Baumschmückszene, in der die Mutter dieselben Sachen anhat.

Wir sehen denselben Hauseingang, wenn einmal Vater und Kind vom Einkauf zurückkehren und ein anderes Mal die Großeltern eintreffen. Vater und Kind sind dabei erstaunlich luftig angezogen für die Winterzeit – man beachte im Vergleich dazu die deutlich erkennbar auf Winter getrimmten Großeltern. Hingegen sind Kleidung und Frisur der Mutter in der darauffolgenden Szene, die die Einkaufsrückkehr abschließt und den Vater in denselben Sachen zeigt, anders als in ihren Weihnachtsszenen. Die Szene, in der das Kind ins Schlafzimmer der Eltern tappst, ist etwas zusammengeschnitten, weil die ursprüngliche Aussage „irgendetwas ist mit meinem Spielzeug, Papa bringt das wieder in Ordnung“ zum Vatertag-, aber nicht zum Weihnachtssetting passt. Und schließlich kommt der Vater in keiner eindeutig als Winter oder Weihnachten erkennbaren Szene auf.

Das alles könnte darauf hindeuten, dass man die Szenen mit dem Vater ursprünglich gar nicht für Weihnachten vorgesehen hatte. In der polnischen Version des Weihnachtsspots 2013 war angeblich ein anderer Text verwendet worden, in der der Onkel der deutschen Version der Vater war. Vielleicht wollte man auf Deutsch den etwas nerdig wirkenden und als „ungeschickt“ dargestellten Mann dann doch nicht als Vater verwenden, weil man damit gleich ins nächste Fettnäpfchen getappt wäre. Dass Väter angeblich nichts auf die Kette kriegen und nutzlos sind, wäre ja keine bessere Botschaft. (Einem Onkel, der zu Gast ist und offensichtlich keine eigenen Kinder hat, kann man zumindest verzeihen, dass er mit den praktischen Tagesabläufen einer Familie nicht vertraut ist.)

Wie auch immer es gewesen ist (das letzte war ja Spekulation meinerseits): Der neue Spot zeigt, dass man es besser machen kann!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ganz naheliegend ein Lied, in dem der Vater schon im Titel auftaucht.

Cat Stevens: Father and Son