Fundstück: Oliver Kalkofe und die Knoppers-Werbung

Kalkofes Mattscheibe schätze ich seit vielen Jahren. Diesmal habe ich einen Beitrag gefunden, der mir sogar besonders gefällt:

Kalkofes Mattscheibe rekalked – Zuckerschock für Grundschüler

Es ist wirklich schön, wie man sich am Anfang über die Werbeparodie amüsieren kann, bevor einem das Lachen im Halse steckenbleibt, weil das, was Oliver Kalkofe erzählt, ganz ernst ist. Ja, ich habe sogar Mitleid mit dem von ihm gespielten fiktiven Jungen, weil das, was dargestellt wird, zwar übertrieben ist, die einzelnen Elemente aber durchaus realitätsnah sind: Die strengen Anforderungen und die entfallende Kindheit durch ein auf Leistung und Lernen optimiertes Leben…

Beim zweiten Nachdenken darüber fällt mir auf, dass Oliver Kalkofe hier mehr Mitgefühl mit einem Jungen zeigt als Plan, das „nur für Mädchen“ Geld sammelt oder Pädagogen, die den Jungs die Schuld in die Schuhe schieben für ihre Probleme in der Schule.

Aktualisierung: Um die anhaltenden Pingback-Probleme zu analysieren, hat ingwerlatte den Beitrag testweise bei sich veröffentlicht. Vielen Dank dafür! Schauen wir mal, ob der Pingback von hier aus ankommt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Vom ersten Album von U2 namens „Boy“…

U2: I Will Follow

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Fundstück: Las Balkanieras: „Warum Sabine?“ oder „Als Frau in der Friendzone“

Resolute Nuss weist in einem Kommentar auf die Gefahr hin, sich den Spaß an der Popkultur dadurch kaputtzumachen, dass man alles analysiert. Das halte ich für eine sehr gute Warnung – gerade, um sie auf sich selbst anzuwenden: Habe ich inzwischen schon so einen Tunnelblick, dass ich überall „mein Thema“ sehe? Muss ich ständig aufzeigen, dass hier „meine Theorie“ am Werk ist? Gilt nie „es ist, was es ist„, sondern muss alles eine versteckte Bedeutung haben, die in Richtung meines Weltbildes deutet? Ich möchte das mal an einem ganz konkreten Beispiel ausführen, das sowieso schon als Artikelidee vorgemerkt war.

Las Balkanieras: Warum Sabine?

Las Balkanieras besingen hier, ganz einfach ausgedrückt, das Thema „Als Frau in der Friendzone„. Ein völliges unverdächtiges Stück Popkultur, möchte man sagen. Mir fallen daran mindestens drei positive Aspekte auf:

  1. Wenn schon sich beklagen, dann wenigstens tanzbar!
  2. Mit all dem Aufgezählten wirkt es so übersteigert, dass es auch Unterhaltungswert hat.
  3. Den Frust kreativ zu verwenden, halte ich für gute Idee.

Dasselbe Lied – kaputtanalysiert

Eine so positive, schöne, unbeschwerte Welt kann man natürlich nicht so stehenlassen. Da muss doch irgendetwas ganz schreckliches dran sein, schließlich ist nichts „einfach so“ oder „unschuldig“! Wie müsste der Text des Liedes gedeutet werden, wenn hier ein Mann über eine Frau schmachten und man die Maßstäbe von poststrukturellen Feminismus anwenden würde?

„Du liebst mich nicht (…) und ich weiß, dass Du mich nicht siehst / Warum nicht ich?“ – Der Refrain enthält gleich mehrfach unbegründete Vorwürfe. Hier wird die Realität nicht akzeptiert.

„Vor jedem Tag küss ich Dein Bild auf meinem Nachttisch“ – Wenn das ein Mann über eine Frau singt, ist das „creepy“ und Objektifizierung.

„Jeden Morgen im Büro bring ich Dir Kaffee Latte“ – Hier beklagt sich jemand darüber, nicht geliebt zu werden, nur weil er irgendwelche Gefallen tut! Klarer Fall „ich mache soviel für Dich, da habe ich doch mehr verdient“!

„Zur Mittagspause plan‘ ich Essen beim Chinesen“ – ohne die Frau vorher zu fragen! Hier wird jemand gar nicht erst nach seinen Wünschen gefragt.

„[Er] ist doch farblos“ – Typisches Friendzone-Gejammer. Lernt endlich, die Wahl einer Frau zu akzeptieren!

Dann kommt noch verstärkend eine Zeile, die stark an eine Werbung aus den 1990ern erinnert:

Jade-Mascara-Werbung: „Was hat sie, was ich nicht habe?“

Also völlig von Neid zerfressen.

Durch das ganze Lied zieht sich eine Aufzählung, wie attraktiv die singende Person eigentlich ist und wieviel sie dafür tut. Auch das soll die Wahl der Frau delegitimieren.

„Ich weiß eines Tages kommt die Gelegenheit / Um Dich zu kriegen, zahl‘ ich jeden Preis“ – Das klingt erst recht creepy, so etwas könnte auch ein späterer Stalker oder Vergewaltiger singen (wobei Männer natürlich alle potentielle Vergewaltiger sind).

Sprich, kaum dreht man die Verteilung der Geschlechter in dem Lied um, kann man aus dem Text beliebig Belege dafür finden, in was für einer Hölle Frauen in der westlichen Welt leben und wie sie die ganze Zeit mit Propaganda beballert werden, um in Angst zu leben und ja nicht aufzumucken. Das hat natürlich mit der Realität, in der ich lebe, nichts zu tun. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie man quasi aus dem Nichts Vorwürfe und Betroffenheit generieren kann.

Las Balkanieras zum Lied

Um wieder in die normale Welt zurückzukommen und weil ich den Artikel mit etwas Positivem beenden möchte: Zwei Mitglieder der Band haben eigene Deutungen und Erklärungen aufgenommen.

Filozofija

Es gehe natürlich nicht um eine konkrete Person. Sabine sei ein Symbol für die Frauen, die sagten, sie seien besser als man selbst. Auch wenn man sich nicht „selbst optimiere“, habe man das Recht, glücklich zu sein.

Analyse: Sei kein Klaffi!

Sabine sei emanzipiert; eine unabhängige Frau, die wisse, was sie wolle. Solange man das ganze Schönheitsprogramm aber für den Mann mache und nicht für sich selbst, finde der Mann einen langweilig. Männer wollen keinen „Klaffi“ (also ein Schoßhündchen) – und Las Balkanieras auch nicht. Was immer man auch tun wolle, man tue es für sich. Auch in einer Beziehung sei das ständige Hinterhertelefonieren falsch. Eine gute Frau frage nicht, wo ihr Mann sei, sie wisse es.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mit demselben Beat (oder Riddim) von Mungo’s HiFi erschien bereits 2012 in Belgien das folgende Lied.

Lisa Bennett: Apple Tree

Nostalgie-Fundstück: Götz George in unprickelnder Sektwerbung

Dass er sich dafür nicht zu schade war! Andererseits: Ohne Götz George hätte ich diese Werbung schon längst vergessen.

Henkell Trocken 1992

Hier ist ein schönes Beispiel, wie man Frauen und Männer gleichzeitig so überzogen traditionell-klischeehaft darstellen kann, dass es einen anwidert: Zum einen die Damen, die außer gut aussehen nichts draufhaben und alleine nichts auf die Kette kriegen, sondern einen Mann anbetteln müssen, um sie von einem langweiligen Festvortrag zu erlösen. Zum anderen der Mann, der sofort springt und sich völlig unnötig in Lebensgefahr begibt, nur um für diese Frauen der Held zu sein. Am Ende hat er vielleicht den Abend gerettet – aber doch gezeigt, dass er sich extrem einfach fremdsteuern läßt. Souveränität sieht anders aus – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Aus den Schimanski-Zeiten sind ja einige Lieder bekannt…

Joe Cocker: Now That You’re Gone

Fundstück: Bianco-Werbung mit Frauengewalt und Männerhass

Gerade gesehen: Eine Schuhfima macht Werbung mit Frauengewalt und Männerhass, und zwar so, dass ich nicht wüsste, das schon einmal in dieser Unverfrorenheit gesehen zu haben. Mal stelle sich das nur mal andersrum vor. Und dann auch noch mit dem Slogan:

Equal pay is not enough! We need more!

It’s more expensive to be a woman than to be a man. Equal pay is not enough! #WomenNeedMore

Schöner kann man weibliche Anspruchshaltung wohl kaum ausdrücken.

Fundstück: Ahoi Polloi über kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung

Zu Ahoi Polloi gibt es nur eins zu sagen: Diese Comics gehen wirklich immer.

Die Themen kulturelle Aneignung („cultural appropriation“), rape culture und sexistische Werbung wurden auch in diesem Blog schon angesprochen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute mit einem Lied, das nicht ohne „kulturelle Aneignung“ möglich gewesen wäre.

Gentleman: Dem Gone

Warum ich geschlechtsspezifische Werbung durchaus positiv sehen kann

In dem Blog „Ich mach mir die Welt“, das das Blogstöckchen #Was wäre wenn („ich das andere Geschlecht hätte“) ins Leben gerufen hat, ist man gegen geschlechtsspezifische Werbung (für Jungen und Mädchen). Der Punkt, in dem wir offensichtlich grundverschiedene Ansichten haben, ist folgender: So, wie ich das Blog verstanden habe, steuern Medien/Werbung/Konzerne das Bild und damit auch die Präferenzen der Geschlechter, das heißt die Nachfrage wird erst durch das Angebot (so) erzeugt.

Völlig von der Hand zu weisen ist das nicht. Das Körnchen Wahrheit, das ich dabei erkenne, ist: Natürlich kann man mit millionenschwerer Werbung das Konsumverhalten beeinflussen. Klar kann ich den Leuten irgendwelchen Blödsinn als den letzten Schrei verkaufen und sie heiß darauf machen.

Alles in der Hand haben aber selbst Konzerne nicht. Das zeigen gigantische Flops, die völlig am Markt / Zielpublikum vorbeientwickelt wurden und sich einfach nicht verkaufen wollen.

Zwei Argumente sprechen aus meiner Sicht gegen die These eines von Herstellern erzeugten Rollenbildes: Zu verbreiten, dass ein bestimmtes Produkt nicht für mich ist, bringt der Industrie gar nichts. Im Gegenteil, für sie ist es vorteilhaft, wenn jeder alles kaufen kann (und denkt, dass er es braucht). Außerdem würde es eine Menge Geld sparen, wenn ich mit derselben Werbung alle gleichermaßen ansprechen könnte. Aus kapitalistischer Sicht wäre es also ideal, wenn ich jedem das gleiche Produkt auf dieselbe Art und Weise andrehen könnte. Das bringt Profit und nur das zählt. Irgendwelche politischen oder sozialen Rollenbilder halten mich da nur auf, wenn ihre Kenntnis und Beachtung mir nichts nützen.

Alles Evolution hatte vor einigen Wochen auf ein Video aufmerksam gemacht, in dem der Professor Gad Saad gegen die These von den „gesellschaftlich gesteuerten Spielzeugpräferenzen“ argumentiert und dabei zahlreiche Studien erwähnt. Das lohnt es sich durchaus anzusehen:

Kurz gesagt, es spricht sehr viel dafür, dass im Durchschnitt, tendenziell gewisse Präferenzen vorhanden sind und dies auch nicht durch soziale Prägung erklärt werden kann. Dies heißt natürlich nicht, dass man diese allgemeine Regel in jedem einzelnen Individuum finden kann (so funktioniert Statistik nicht), dass alle ihr Leben streng nach Geschlecht aufgeteilt gleich leben müssen oder dass man jede Werbung akzeptieren muss, die einem vorgesetzt wird.

Es bedeutet auch nicht, dass Werbung nicht erschreckend dumm sein kann. Kurzfristig kann alles mögliche vorkommen. Ein Großkonzern mag weniger Gewinn machen mit einer verfehlten Kampagne – er wird aber dafür nicht vom Markt gefegt. Und umgekehrt kommt es wohl nur im Idealbild der Marktwirtschaft vor, dass ein kleiner Tante-Emma-Laden mit einem neuen, besseren Produkt plötzlich (soweit er die Nachfrage befriedigen kann) gegen den bisherigen Marktführer antreten kann. Den „freien“ Markt, wie er im Modell der Marktwirtschaft beschrieben wird, gibt es in der Realität nur sehr selten. Wer den Markt einigermaßen beherrscht (z.B. als Oligopolist, also einer von wenigen Anbietern), der kommt vielleicht mit einem mittelmäßigen Massenprodukt durch, dass viele so naja finden, aber am Ende kaufen, weil es nichts besseres gibt (etwa weil es dafür eine breitere Angebotspalette bräuchte, die sich mangels Konkurrenz jedoch nicht entwickeln kann). Stark geschlechtsspezifische Produkte wären dann das Ergebnis von „die meisten wollen schon einen Unterschied haben, wenn auch nicht alle gleich stark“.

Gegen das völlige Aufpropfen von oben spricht zumindest meine schon vorher geäußerte Frage:

Zu der These der allmächtigen Medienbilder (oder wahlweise dem Patriarchat) habe ich immer die Frage der Initialbefreiung: Wenn ihre Macht so groß ist, dass sie uns in unserem Männer- und Frauenbild effektiv steuern, wie konnte es dann überhaupt jemals jemandem gelingen, daraus auszubrechen?

Mir ist bei der schnellen Suche zum Stichwort „Gendermarketing“ noch ein Artikel in die Hände gefallen, in dem sogar genau andersherum argumentiert wird: Ein Spiegel der Gesellschaft

Grundtenor ist dabei: Produkte sind heute seltener Mann oder Frau zugeordnet, es verkauft sich jedoch leichter mit einer Werbung, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Geschlechter zugeschnitten ist. Das Marketing reagiert auf Rollenbilder und ist letzten Endes das Ergebnis einer größeren Konsumfreiheit.

Ich finde das spannend, weil es mich an drei andere Erkenntnisse erinnert, in denen stärkere Ungleichheit ebenfalls Ausdruck von Freiheit ist. (Leider finde ich die Quellen nicht mehr wieder, es läuft also unter „meine vage Erinnerung“.)

  1. Je freier eine Gesellschaft, desto unterschiedlicher die Berufswahl zwischen den Geschlechtern.
  2. Menschen, die eine klar ausgeprägte eigene Geschlechterrolle haben und damit gut zurechtkommen, können eher mit Abweichungen von den Rollen umgehen.
  3. Gerade durch die Freiheit von alten Zwängen sind bei Jugendlichen / jungen Erwachsenen die Geschlechterrollen stärker ausgeprägt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? In den 1980ern gab es mal ein Lied, in dem sich ein Mann Sorgen machte über den Einfluss des Fernsehens auf seinen Sohn.

Karel Fialka: Hey Matthew

Warum mich solche Frauenfußballwerbung ärgert

„Dritte Plätze sind was für Männer!“ hieß es zur Fußball-WM der Frauen 2011. Und auch für die diesjährige WM ist es gelungen, eine selten dämliche Werbung zu finden:

#Titeltraum – Ein Kurzfilm mit Carolin Kebekus.

Warum stößt mich das so ab? Was haben beide Werbungen im negativen Sinne gemeinsam?

Wie die Stadtmensch-Chronicles 2011 berichteten: „Von Anfang an wurden die WM-Kampagnen als Kriegserklärung gegen die Männer designt.“

Ja, dieses Element „Wir sind besser als die Männer“ finde ich schon sehr verstörend, zumal es für mich nach „Wir müssen uns unbedingt mit Männern vergleichen!“ klingt. Dabei sollte die eigene Leistung doch einen eigenen Wert haben – unabhängig davon, was andere geschafft haben (außer natürlich, sie waren die direkten Konkurrenten).

Beim Fußball könnte das Bild nicht weiter von der Realität entfernt sein: 2003 verloren die damaligen Weltmeisterinnen gegen die B-Jugend des VfB Stuttgart, also gegen 14- bis 16-jährige (Quelle: taz).

Den Kurzfilm würde man mit vertauschten Rollen sofort als sexistische Werbung brandmarken. Man stelle sich vor, so wie Carolin Kebekus würde ein Mann über Frauen reden (und dabei als positive Figur dargestellt)! Manches geht eben nur mit Männern…

Es ist aber auch bezeichnend, dass die Schiedsrichterin, die eigentlich neutral über einen sportlichen Wettkampf wachen müsste, klar Partei ergreift und das Geschehen genüsslich kommentiert. Man fühlt sich an manche Debatten erinnert, wo einige Leute der Meinung sind, Sprüche dürften nur in eine (die politisch genehme Richtung nämlich) ausgeteilt werden. Stattdessen wäre hier ja eine weitere Chance, die Leistung einer Frau zu zeigen, die in ihrer Rolle als Schiedsrichterin aufgeht und das Spiel nüchtern und zurückgenommen beurteilt.

Der Film ist aber auch ansonsten von vorne bis hinten verkrampft und bemüht: Er wiederholt den alten Grabenkampf Männer gegen Frauen, am dem außer irgendwelchen Extremisten sowieso niemand Interesse hat. Die Männer spielen vorher fröhlich und entspannt und fangen erst gegen die Frauen mit peinlichen Patzern an. Die Botschaft für Männer lautet also: Spielt nie gegen Frauen, da könnt Ihr nichts gewinnen, sondern Euch nur blamieren! Das kollektive Gekicher der Frauen auf die abwertenden Sprüche gegenüber den Männern zeugt auch nicht gerade von einem Frauenbild, das im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Es ist schon traurig, dass der Frauenfußballnationalmannschaft ein Wert nur gegen die Männer zugestanden wird. Waren wir da nicht schon einmal weiter?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied aus dem Jahr, als den Männern bei der Fußball-WM ein dritter Platz zuwenig war.

Andreas Bourani: Auf uns