Toxic Journalism: Männerhass gegen Formel 1

Jan Freitag, Redakteur der bei Zeit Online, fordert wütend ein Verbot des Autorennens Formel 1. Sein Hauptargument: Zu viel Testosteron. Das zweite Argument: Klimawandel.

Wenn die Formel 1 Sonntag Halt am Hockenheimring macht, wiederholt sich ein reaktionärer, sexistischer, klimafeindlicher Kampf debilster Art. Abschaffen, bitte. Sofort.

Stellen wir uns also mal vor, Gladiatoren und Guillotinieren oder auch nur das dummdreiste Showcatchen steroidgestählter Muskelprotze wären auch hierzulande Publikumsmagneten: würde die Tagesschau davon berichten? Also nicht im Tonfall intellektueller Empörung, sondern als allgemein anerkannte, nüchtern distanzierte, kritiklos verlesene Nachricht? Wohl kaum! Oder doch? Womöglich schon. Denn das Äquivalent zum testosterongesättigten Amüsement meist männlicher Massen wird auch am Sonntag gegen 20.13 Uhr die wichtigste deutsche Informationssendung bestücken. Kurz nach der Weltpolitik, aber vorm Wetter kommt nämlich die Formel 1.

Die Formel 1 stammt ja aus einer Ära, als Männer nur dann Männer waren, wenn sie ihre Lieben zwar mitunter vermöbeln, aber auch behüten, umsorgen, ernähren.

Was vor allem Männern Spaß macht, kann ja gar nichts Gutes sein und darf nicht einfach so in Ruhe gelassen werden. Das Interesse für Formel 1 wird sogar auf wundersame Weise mit dem Interesse an öffentlichen Hinrichtungen verglichen, denn schließlich ist alles, was mit Potenz und Kraft zu tun hat, so böse und zerstörerisch wie blutrünstige Gewalt. Über zwei Seiten lässt Jan Freitag seinem gequälten Selbstbild freien Lauf und wettert ohne jede erkennbare Ironie aber mit umso gierigerer Lust gegen Penisse, Männer und Testosteron. Aber keine Sorge, das ist alles für einen guten Zweck. Es gilt nämlich den Klimawandel schnell noch aufzuhalten, und da darf dann ruhig ein bisschen auf die Kacke gehauen werden. Außerdem dient es – und hier gibt es einen großen unsichtbaren Zusammenhang – dem Kampf gegen „Sexismus“. Denn irgendwie leiden durch die Formel 1 nämlich nicht nur die CO2-Werte, sondern auch die armen, reinen, unschuldigen Frauen. Frauen und Klima hängen nämlich direkt kausal zusammen. Je heißer das Klima, desto heißer die Frauen. Nein, Moment..

Wenn die Jugend der Welt nämlich jeden Freitag für die Zukunft demonstriert, wenn Frauen aller Herren Länder gegen die Allmacht eben jener aufbegehren, wenn die Vernunftbegabten weltweit auf Tempo, Wachstum, Überfluss verzichten – dann wirkt ein intelligenzverachtender, ressourcenverschleudernder, zutiefst sexistischer Machismo à la F1 so fortschrittlich wie Donald Trumps Tweets oder die Stadion-Henker seiner arabischen Kumpels.

Männlichkeit ist in Freitags Weltbild untrennbar verbunden mit Frauenverachtung, Schweinerei, Rücksichtlosigkeit. Einer wie Freitag kann nicht anders. Er findet die Vorstellung eines hypermaskulinen barbarischen Frauenschänders einfach zu geil, kann sie nicht für sich behalten und muss sie jetzt unbedingt in einem Artikel in einer der größten deutschen Zeitungen allen präsentieren…

… um das grüne Gewinsel vom Klimawandel in einem teerschwarzen Cocktail aus Testosteron, Benzin und Bier zu ersaufen.

Völlig ungeniert betreiben Bildungsbürger, die sich selbst wahrscheinlich als „liberal“ und „humanistisch“ beschreiben würden, mit purer Verachtung von Männlichkeit billiges Clickbait.

Geistig schlichte Mannsbilder wie jene, die geliehene Boliden ungeachtet roter Ampeln und Tempolimits durch belebte Innenstädte jagen, sind ja nichts anderes als Sebastian Vettels in arm, der geliehene Boliden ungeachtet von Erderwärmung und Plastikmeeren über Parcours hetzt

Da es aber gegen Klimaerwärmung und „Seximus“ geht, sieht die geistige Vorbereitung der Diktatur schon ganz anders aus.

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Autor: Jonas

Student der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Fokus Nahost

8 Kommentare zu „Toxic Journalism: Männerhass gegen Formel 1“

    1. Naja, der Rauls zählt genüsslich die Nullen hinterm Komma, wenn es um CO2-Werte geht („Damit beträgt der Anteil des menschengemachten CO2 der Luft 4% von 0,04%. Das sind 0,0016%.“), um zu demonstrieren, dass der CO2-Anstieg unbedeutend gering ist. Soweit ich die Materie überblicken kann, geht es aber eigentlich um das Gleichgewicht des CO2-Ausstoßes. Soll heißen: Es wird mehr CO2 ausgestoßen, als absorbiert wird. Da er darauf nicht eingeht, finde ich seien Aufruf zur Besonnenheit nicht so überzeugend. Aber bin kein Klimaexperte (im Gegensatz zu tausenden Schülern :D)

      1. Eigentlich geht es nicht um Gleichgewichte oder Bilanzen, sondern um dynamische Systeme. Beispiel: Je mehr CO2 da ist, desto besser wachsen die Pflanzen. Natürlich kann man das nicht beliebig steigern, sondern irgendwann ist Schluß. Was dann passiert, ist die Frage, denn das Klima ändert sich immer – ob mit oder ohne Mensch und wie sich die lokalen Einflüsse global verteilen, weiß man noch nicht.

        Ich fürchte, ich werde nicht darum herumkommen, mich monatelang durch die Fachpublikationen zu nagen. Mal sehen, wann ich das schaffe.

  1. Vollkommen lächerlich finde ich, dass allen Ernstes versucht wird, Frauen als die Vernunftbegabten hinzustellen, die mit Blick auf denn Klimawandel persönlichen Verzicht üben. Exakt das Gegenteil ist der Fall, denn Frauen bestimmen über bis zu 80% der Ausgaben in einer Familie. Und wer hat eigentlich Berge von Klamotten, Schuhen und Kosmetik zu Hause? Wer kauft den ganzen Deko – Krempel, macht Männern in dicken Autos schöne Augen und treibt die überdimensionierten Immobilienprojekte beim Nestbau voran?

    Auch am Flughafen sehe ich immer massig Frauen, die sich innerlich empört und widerstrebend von ihren Männern in den Flieger auf die Malediven, zum Kreuzfahrtschiff oder sonst wo hin treiben lassen, obwohl sie doch viel lieber im Sauerland campen würden.

  2. Ich finde es lustig, wie Männer auf die Destruktivkräfte festgelegt werden sollen, während in der Realität die Männerdominanz im lösen der gesellschaftlichen Probleme offensichtlich ist.

    Als Beispiel die erneuerbaren Energien und ihr Frauenanteil:
    „In einer 2015 erschienenen umfangreichen Befragung durch mehrere wissenschaftliche Institute wird der Anteil weiblicher Beschäftigter in der deutschen Erneuerbaren-Branche auf 27 Prozent beziffert – gegenüber 20 Prozent in der Branche Energie, Wasser, Bergbau und Entsorgung. Zum Vergleich: Der Anteil der Frauen an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liegt bundesweit bei 46 Prozent. Aus der Erhebung geht auch hervor, dass Frauen in mehr als der Hälfte der Erneuerbaren-Firmen in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produkten deutlich unterrepräsentiert waren. “
    https://www.unendlich-viel-energie.de/erneuerbare-energie/wasser/erneuerbare-energien-motivieren-frauen-zu-technischen-berufen

    Richtig verwundern kann das nicht:
    „Mau sieht es auch in der Elektrotechnik (worunter auch IT fällt) und in der Mechatronik aus (13% und 9%). Ebenso unterrepräsentiert waren Frauen im Studienbereich Verkehrstechnik (12,5%), wozu die Studienfächer Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrt- sowie Schiffstechnik, Verkehrsingenieurwesen und Nautik zählen.“
    Man beachte den Titel des Artikels: https://www.ingenieur.de/karriere/arbeitsleben/frauen-erobern-den-ingenieurberuf/

    Hinzu kommt, dass nur ein Drittel der Ingenieurinnen tatsächlich im Sekundärbereich arbeiten. D.h. die 27% werden durch einen erheblichen Frauenanteil in den Bereichen Personal, Marketing und Finanzen erreicht worden sein.

    Macht euch einen heiteren Nachmittag und erkundet doch mal die Frauenanteile in allen „Zukunftsthemen“.
    Ihr werdet feststellen, dass im Schnitt der Frauenanteil geringer ist als in den klassischen Branchen.

    1. „wozu die Studienfächer Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrt- sowie Schiffstechnik, Verkehrsingenieurwesen und Nautik zählen.“

      Fällt mir zur Auflockerung ein, was dabei herauskommt, wenn man Frauen mittels Minderbemitteltenquote in Männerberufe korrumptiert. Nämlich die lieben diskordischen Kolleginnen Navigatorinnen der „Helge Ingstad“ ( die mit voller Fahrt mit dem gläsernen Fahrstuhl weit durch die Decke katapultiert wurden ).
      Das muß denen erstmal einer nachmachen! Eine unsinkbare Superhightechfregatte mit hunderten von Sicherheitssystemen und -sensoren in einem Fjord bei langsamer Verholfahrt UND praktisch OHNE Kollateralschaden zu versenken! Hätte kein Mann geschafft!
      Ich vermute mal, die Alarmeinrichtungen des Kahns ( und der damit kommunizierenden Gegenstationen an Land ) sind jetzt vollständig in PTBS-Therapie ….

      http://mannikosblog.blogspot.com/2018/11/achtung-feuer-frau-am-steuer.html

      Diesmal ging es nur teuer aus, wenn die Quotenprofs Mediziner ausbilden, sieht es für uns Menschen schon etwas ungesünder aus ……

      1. Der war richtig lustig! „Schwerter zu Korallenriffen!“ 🙂

        Aber wenn man sich die Entwicklung anschaut, passiert eigentlich zweierlei zur gleichen Zeit:
        1. Die klassischen Frauenberufe sind bis zum bersten gefüllt mit – nun ja – Frauen.
        Ab 85% Frauenanteil wird es sehr, sehr schwer zu erklären, wo eigentlich das Patriarchat ist, das doch herrschen soll…
        2. Alle zukunftsträchtigen Felder zeichnen sich durch eine „männliche Dominanz“ aus, die es seit der Industrialisierung nicht mehr gegeben hat.
        Ich möchte das Augenmerk kurz auf Industrie 4.0 (auch wenn es ein buzzword ist), KI, regenerative Energien, Elektromobilität richten (von Brennstoffzellen ganz zu schweigen).

        Es ist egal, welche Thematik wir behandeln, der Frauenanteil ist wesentlich geringer als der Schnitt der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

        Man hat das Phänomen, Frauen dringen verschärft in den Journalismus ein – just zu dem Zeitpunkt, wo Printmedien im Niedergang begriffen sind.
        Oder Frauen erobern den medizinischen Sektor und pochen auf Übereinstimmung mit ihren Vorstellungen zur work-life-balance.

        Es sind immer nachholende Entwicklungen, es ist nie innovativ.
        Es müssen sich immer bereits bestehende Sektoren frauenspezifischen Ansprüchen anpassen, aus frauenspezifischen Ansprüchen hat sich nie etwas Neues entwickelt.

        Wenn du die „soziale Medien“ einmal umfassend anschaust, wäre das eigentlich das Terrain gewesen, in den Frauen hätten neue Unternehmen gründen müssen.
        Sozial, Kommunikation, Austausch, Gossip, News – wie geschaffen für das „kommunikative Geschlecht“. Nicht eine einzige Frau unter den Firmengründern darunter.
        Deshalb m.E. auch der Kampf um den Frauenanteil im bereits gemachten Nest (z. B. Google).

        Was ich unter 2. beschreibe, ist hingegen verheerend, denn ab da wird es niedrig zweistellig bereits auf der Ebene der Ausbildung.
        Das Muster lässt sich nicht durchhalten.

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