Fundstück: Faschismus aus Angst vor den Nazis

Das Blog „Scheidende Geister“ verweist auf einen äußerst interessanten Artikel von Markus Somm in der Basler Zeitung. Nun mag die Überschrift „Die Faschisten kommen“ im ersten Augenblick etwas drastisch wirken; davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen.

Als Aufhänger dient der Auftritt von Heather Mac Donald, einer konservativen Wissenschaftlerin und Publizistin, an einer US-Uni. Wer hier öfters in der Blogblase mitliest, weiß natürlich schon, was passieren musste:

Kaum war Mac Donald auf dem Campus eingetroffen, wurde sie von der Polizei umstellt, um sie abzuschirmen, weil ein Mob von gut zweihundert Studenten sie am Reden hindern wollte. Es wurde getobt, gedroht, protestiert: «Stellt diese berüchtigte weisse Faschistin ab, die die Überlegenheit der weissen Rasse propagiert!», schrien zwanzigjährige weisse Kinder aus der oberen ­Mittelschicht.

Es lief das inzwischen übliche Programm ab: Studentenproteste, die Uni-Leitung knickte ein. Immerhin wurde die Rede nicht vollständig verhindert:

Was Mac Donald in Claremont erlebte, geschieht an Amerikas Universitäten inzwischen fast alle zwei Monate: Linke stören Vorträge von Leuten, die ihnen politisch nicht passen, sie schreien sie nieder oder wenden Gewalt an. (…) Es ist grotesk: Unter dem Vorwand, den Faschismus zu bekämpfen, wenden junge Leute Methoden an, die nichts anderes als faschistisch sind.

Damit ist der Kern des Problems wunderbar getroffen. Körperliche Gewalt gegen politische Gegner wird begrüßt. Anders als es der Artikel suggeriert, sind wir hier in Europa von solchen Zuständen nicht weit entfernt. Hier gibt es nicht nur für weltweit bekannt gewordene Ereignisse ähnlichen Applaus. Es wird auch ausgiebig die Chance genutzt, einen eigenen Beitrag zum Abbau der Zivilisation zu nutzen, indem man etwa inzwischen offen in der Zeitung Straftaten gegen politisch unliebsame Personen billigt. Und die Freiheit in der Debatte, sie war – je nach europäischem Land – keineswegs größer als die in Amerika; nur dass wir hier meistens nicht so stark auf zwei Extreme konzentriert sind.

Der Artikel wendet sich dann Jonathan Haidt und der Erforschung rechte rund linker Moral zu, was beides z.B. im Blog „Red Pill Berlin“ schon mehrmals Thema war. Die Basler Zeitung dazu:

Besonders verdienstvoll war Haidts Erkenntnis, dass beide, Linke wie Rechte, aus moralischen Motiven zu ihrer Position gelangen, (…) fest steht, beiden geht es nicht darum, den eigenen Egoismus auszuleben, sondern beiden liegt viel daran, die Welt so einzurichten und das Leben der Menschen so zu gestalten, dass es möglichst gut für alle ist.

Und das wäre ja tatsächlich mal eine Gesprächsbasis. Nicht ohne Grund habe ich sowohl Leszek als auch Lucas Schoppe zitiert, die als Linke Konservative würdigen und verteidigen. Genau das ist ein guter Lackmus-Test.

Wenn viele Linke sich heute so schwer damit tun, andere Positionen zu tolerieren, dann liegt es an diesem Missverständnis: Sie halten sich per se für moralisch gut, was sie fast zwangsläufig dazu verleitet, den politischen Gegner als schlecht anzusehen. Dass dieser genauso moralisch motiviert sein könnte, das übersehen sie gerne, umso mehr erlaubt ihnen diese Einstellung, alle Mittel anzuwenden, um einen vermeintlich moralisch so verwerflichen Gegner anzugreifen. Das macht es so gefährlich. Menschen, die sich immer für gut halten, sind das Gegenteil von jenen Leuten, die das Gute tun. Wer sich so sicher ist, dass er auf der richtigen Seite steht, verliert alle Hemmungen, sich durchzusetzen. Der Zweck heiligt die Mittel. Er wird böse, um dem Guten zum Durchbruch zu verhelfen – und merkt nicht mehr, dass er der ­Einzige ist, der böse handelt. Redefreiheit? Aber selbstverständlich, solange es dem entspricht, was gut ist – und was gut ist, wissen wir, nicht die andern.

Hier haben wir in einem einzigen Abschnitt das größte Problem für die politische und gesellschaftliche Debatte zusammengefasst. Es kann natürlich genausogut in die andere Richtung schiefgehen: Konservative, die meinen, die Linken wollten die Welt zerstören, und sich deswegen gar nicht erst anhören, was sie zu sagen haben. Ich habe das persönlich erlebt, ohne mich als besonders linken Menschen zu sehen – es reichte in diesem Fall aus, nicht konservativ zu sein (übrigens auch ein wunderbares Spiegelbild der heutigen Debatten!)…

Es mag keine neue Erkenntnis sein, was in besagtem Artikel steht, aber ich finde viele gute Gedanken so kurz und knapp ausgedrückt, dass ich ihn erwähnen wollte. Genießen wir die Freiheit und lassen wir uns nicht von Kulturpessimisten unterkriegen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Lebenslust und eine positive Einstellung: In diesem Lied von Pierre Attaingnant wird nur einer Flasche Wein „der Krieg erklärt“…

Tourdion

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11 Kommentare zu „Fundstück: Faschismus aus Angst vor den Nazis“

  1. Tja. Wenn ich dieser Tage nach Köln schaue und den Aufwand sehe, welcher betrieben wird, um einen demokratischen Parteitag einer Partei, von der man halten kann, was man will, zu beschützen (vor der SAntifa), dann komme ich ernsthaft ins Grübeln, wie weit wir noch vom Linksfaschismus entfernt sind.

    Aber wir haben ja schon mit der Kirche dort unser Kreuz, welches nicht ohne Haken und Ösen auszukommen scheint. Verdi noch unterstützt, dem helfe Maas und Schwesig …

  2. „Hassrede ist eine Form von Gewalt und deshalb nicht von #1A geschützt.
    Gewalt dagegen ist eine Form der freien Rede und deshalb von #1A geschützt.“

    #1A bedeutet Erster Zusatz zur US-amerikanischen Verfassung und damit das Recht zur freien Meinung…

  3. „Linke stören Vorträge von Leuten, die ihnen politisch nicht passen, sie schreien sie nieder oder wenden Gewalt an. (…) Es ist grotesk: Unter dem Vorwand, den Faschismus zu bekämpfen, wenden junge Leute Methoden an, die nichts anderes als faschistisch sind.“

    Hierzu habe ich gerade ein passendes Zitat zum Wert der Meinungsfreiheit von dem frühen Kritiker jeder Form von Political Correctness Theodor W. Adorno aus einer von Adornos Vorlesungen aus dem Jahre 1968.

    Vorausgegangen war, dass eine Gruppe von Studenten mit extremen Ansichten und geringer Wertschätzung für die Meinungsfreiheit (vermutlich Leninisten oder Maoisten, aber wohl eher keine Neomarxisten), die Lehrveranstaltung eines anderen Dozenten gestört hatte, den sie für politisch rechts hielten, indem sie diesen niederbrüllten und daran hinderten seine Vorlesung zu halten.

    Adorno nutzte daraufhin die nächste Gelegenheit um in seiner eigenen Vorlesung, bei der einige Leute dieser studentischen Gruppe anwesend waren, den Vorfall anzusprechen, dieses Verhalten zu kritisieren und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.

    Daraufhin begannen einige Studenten aus dieser Gruppe auch bei ihm Lärm zu machen.
    Adorno beharrte auf dem Prinzip der rationalen Diskussion und betonte, dass er mit den Ansichten von Jürgen Habermas (also herrschaftsfreier Diskurs auf Grundlage der zwanglosen Kraft des besseren Arguments) übereinstimme.

    Theodor W. Adorno:

    „Ich möchte aber doch noch ein Wort in einer akademischen Angelegenheit Ihnen sagen. Das bezieht sich auf die Vorgänge im Zusammenhang mit meinem Kollegen Stern. Ich möchte dem vorausschicken, dass Herr Stern vor Jahren mich selbst als marxistischen Literaturkritiker scharf angegriffen hat Ich möchte dem hinzufügen, dass dann Herr Stern in voller Freiwilligkeit sich für diese Angriffe bei mir entschuldigt hat (…). Ich möchte weiter sagen, dass selbstverständlich zwischen den Auffassungen von Herrn Stern und mir fundamentale Gegensätze bestehen, die völlig unverschleiert sind (…). Aber dies vorausgeschickt, finde ich doch dass die Methode dass man einem akademischen Lehrer nicht mehr die Möglichkeit gibt, ungestört seine Lehrmeinung zu vertreten und in Freiheit seine Gedanken auszudrücken, etwas ist, was mit Freiheit von Repression, mit Mündigkeit und mit Autonomie nicht zu vereinbaren ist. Und ich glaube, dass ich gerade wegen der sachlichen Differenzen, die in diesem Fall bestehen, besonders dazu legitimiert bin, Ihnen zu sagen, und (…) auch Sie darum zu bitten, dass diese Art des Kampfes in dem Kampf um die Reform der Universität und auch in dem Kampf um gesellschaftliche Veränderungen vermieden wird.
    (…) ich kann unmöglich mit diesen Dingen mich identifizieren, und mein Standpunkt ist darin mit dem ganz und gar identisch, wie Habermas ihn in seinen berühmt gewordenen Thesen auch entwickelt hat (starkes Zischen). Ich glaube, ich wäre…ja, meine Damen und Herren (anhaltendes, starkes Zischen), meine Damen und Herren, es tut mir…es tut mir außerordentlich leid, aber ich glaube, dass, wenn man Ansichten, die einem aus irgendeinem Grund nicht behagen, wenn man diese Ansichten niederzischt, dass das dem Begriff der Diskussion widerspricht, und ich glaube, immerhin mir ein Recht erworben zu haben, mit Ihnen über solche Dinge zu diskutieren und nicht mich solchen Mitteln des Protests auszusetzen. Sie wissen, dass ich mich – nun weiß Gott – der Diskussion über alle diese Dinge niemals entzogen habe, ich werde mich dem auch weiter nicht entziehen, aber dann muss man wirklich auch diskutieren und darf nicht versuchen, durch bloße Bekundungen der Mißbilligung diese Dinge abzuschneiden.“

    (aus: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp, 2015, S. 257 f.)

  4. Hier noch ein paar weitere Zitate von einigen bekannten linken (bzw. freiheitlich-sozialistischen) Autoren zum Thema Meinungsfreiheit. (Sicherlich gibt es noch viele mehr.)

    Es handelt sich um Autoren aus dem Spektrum des Anarchismus und des marxistischen Rätekommunismus.
    Die Zitate verdeutlichen – genau wie das Zitat von Adorno – das für die Strömungen des freiheitlichen Sozialismus eine entschiedene Bejahung der Meinungsfreiheit traditionellerweise typisch war.

    Ideologisierte Anhänger der zeitgenössischen politisch korrekten postmodernen Linken dürften mit solchen Zitaten zwar leider in der Regel nicht zu erreichen sein, da sie zu anarchistischen und marxistischen Theorien meist keinen Bezug haben, aber erfahrungsgemäß lassen sich Mitglieder der autonomen Szene und der Antifa-Szene, denen zuvor der Stellenwert der Meinungsfreiheit innerhalb der traditionellen freiheitlich-sozialistischen Theorie und Praxis zu wenig bewusst war, durch solche Zitate in manchen Fällen zum Nachdenken anregen, denn in der autonomen Szene/Antifa-Szene gibt es ja auch Gruppen und Personen, die sich positiv auf anarchistische und rätekommunistische Theorien beziehen (oft ohne tiefere Kenntnisse, denn bei großen Teilen der autonomen Szene/Antifa-Szene handelt es sich um ein linke Jugendsubkultur mit geringen theoretischen und historischen Kenntnissen freiheitlich-sozialistischer Traditionen).

    Des Weiteren sind solche Zitate m.E. auch manchmal geeignet, um Personen innerhalb der Linken, die alle Versuche der Einschränkung der Meinungsfreiheit zwar kritisch sehen, sich aber nicht trauen deutlich zu widersprechen und die Meinungsfreiheit zu verteidigen, Mut zu machen, dies zu tun.

    Der englische aufklärerische Schriftsteller und frühe anarchistische Sozialphilosoph William Godwin (1756–1836), Gatte der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, schrieb:

    „Die beste Garantie eines glücklichen Resultats liegt in freier, unbegrenzter Diskussion.“

    (aus: William Godwin – An Enquiry Concerning Political Justice and its Influence on General Virtue and Happiness (1793), 2. Bde., hg. von R.A. Preston, New York, 1926, Bd 1, S. 11)

    Der Philosoph und Hauptvertreter des kollektivistischen Anarchismus Michael Bakunin (1814–1876) befürwortete:

    “Unbegrenzte Freiheit jeder Art von Propaganda durch Reden, die Presse, in öffentlichen
    und privaten Versammlungen, ohne einen anderen Zügel für diese Freiheit als die
    heilsbringende natürliche Macht der öffentlichen Meinung.
    (….)
    Die Freiheit kann und soll sich nur durch die Freiheit verteidigen, und es ist ein
    gefährlicher Widersinn, sie zu beeinträchtigen unter dem durch den Schein blendenden
    Vorwand, sie zu beschützen (…).“

    (aus: Michael Bakunin – Revolutionärer Katechismus, in: Michael Bakunin – Gesammelte Werke Band 3, Karin Kramer, 1975, S. 11)

    Die Anarcho-Kommunistin, Antimilitaristin, Frauenrechtlerin und linke Nietzscheanerin Emma Goldman (1869–1940) schrieb:

    „Meiner Ansicht nach sollten Rede- und Pressefreiheit bedeuten, dass ich sagen und schreiben kann, was ich möchte. Dieses Recht wird zu einer Farce, wenn es durch Verfassungsbestimmungen, Gesetzeserlässe, allmächtige Entscheidungen der Zensurstelle oder der Polizei geregelt wird. Mir ist durchaus bewusst, dass man mich vor den Folgen warnen wird, die uns erwarten, wenn wir der Meinungsäußerung und der Presse die Fesseln abnehmen. Dennoch glaube ich, dass die Heilung dieser Folgen der unbegrenzten Ausübung der Meinungsfreiheit in noch mehr freien Meinungsäußerungen bestehen wird.“

    (aus: Emma Goldman – Was ich denke, in: Emma Goldman – Anarchismus & andere Essays, Unrast Verlag, 2013, S. 25)

    Der Sozialphilosoph und Community-Anarchist Paul Goodman (1911–1972) schrieb:

    “Das Verhältnis von Theorie und Praxis, von einer wissenschaftlichen Aussage zu ihrer
    praktischen Anwendung, ist eine schwierige Sache; jedoch muss die absolute Freiheit der
    Meinung und Presse in jedem Fall vorrangig berücksichtigt werden. Sonst kann man nicht
    leben und atmen.”

    (aus: Paul Goodman – Das Schicksal der Bücher von Dr. Reich, in: Paul Goodman – Natur
    heilt, EHP Verlag, 1989, S. 105)

    Der bekannte Sprachwissenschaftler und Anarcho-Syndikalist Noam Chomsky schrieb:

    “If you believe in freedom of speech, you believe in freedom of speech for views you don’t
    like. Stalin and Hitler, for example, were dictators in favor of freedom of speech for views
    they liked only. If you’re in favor of freedom of speech, that means you’re in favor of
    freedom of speech precisely for views you despise.”

    (aus: Noam Chomsky, Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media, 1992)

    Der Astronom, Astrophysiker und marxistische Rätekommunist Anton Pannekoek (1873–1960) schrieb:

    „Es gibt Gruppen und Parteien, die behaupten im ausschließlichen Besitz der Wahrheit zu sein, und die die Arbeiter, unter Ausschluss jeder anderen Meinung, durch ihre Propaganda zu gewinnen versuchen. Durch moralischen und, wenn sie die Macht haben, auch materiellen Druck, versuchen sie, den Massen ihre Ansichten aufzuzwingen. Es sollte klar sein, dass das einseitige Lehren eines bestimmten Systems von Doktrinen nur dazu dienen kann, und tatsächlich auch dienen soll, gehorsame Anhänger zu erziehen, um damit eine alte Herrschaft aufrecht zu erhalten oder eine neue vorzubereiten. Die Selbstbefreiung der arbeitenden Klasse erfordert Selbstdenken, Selbstwissen, erfordert das Erkennen von Wahrheit und Irrtum durch eigene geistige Anstrengung.
    (…)
    So ist unbegrenzte Freiheit der Meinungsäußerung und der Diskussion im Kampfe der Arbeiter so nötig wie die Luft zum atmen. Vor mehr als einem Jahrhundert verteidigte Shelley, Englands größter Dichter des 19. Jahrhunderts, das Recht und die Pflicht der freien Meinungsäußerung für Jedermann gegen eine despotische Regierung.

    „Der Mensch hat das Recht auf uneingeschränkte Diskussionsfreiheit.“ (…) „… es kann auch kein Gesetzesakt dieses Recht zerstören.“

    Shelley ging von philosophischen Überlegungen aus, als er die natürlichen Rechte des Menschen proklamierte. Für uns ergibt sich die Proklamierung der Freiheit von Rede und Presse aus ihrer Notwendigkeit für die Befreiung der Arbeiterklasse. Die Diskussionsfreiheit zu beschränken heißt, die Arbeiter daran zu hindern, dass von ihnen benötigte Wissen zu erwerben. Jede alte Despotie, jede neue Diktatur fing damit an, die Freiheit der Presse zu verfolgen und zu verbieten; jede Beschränkung dieser Freiheit ist der erste Schritt, die Arbeiter unter die Herrschaft irgendwelcher Herrscher zu bringen.
    Müssen die Massen dann nicht etwa gegen die Unwahrheiten, die falschen Darstellungen, die betrügerische Propaganda ihrer Feinde beschützt werden? Ebensowenig wie in aller Erziehung ein sorgfältiges Fernhalten übler Einflüsse die Fähigkeit entwickeln kann ihnen zu widerstehen und sie zu überwinden, ebenso wenig kann die Arbeiterklasse durch geistige Vormundschaft zur Freiheit erzogen werden. Wer soll entscheiden, wenn sich die Feinde in der Maske des Freundes zeigen und wenn in dem Gegensatz der Meinungen jede Partei dazu neigt, die anderen als eine Gefahr für die Klasse zu betrachten?
    Natürlich die Arbeiter selbst (…)“

    (aus: Anton Pannekoek – Arbeiterräte. Texte zur sozialen Revolution, Germinal, 2008, S. 113 f. )

  5. Nochmal Noam Chomsky zur Redefreiheit (diesmal auf deutsch und mit exakter Quellenangabe):

    „Wenn man an die Redefreiheit glaubt, dann ist das eine Redefreiheit für Meinungen, die einem nicht gefallen. Goebbels war auch für die Redefreiheit – bei Ansichten, die ihm passten. Stimmt´s? Stalin genauso. Wenn Sie also für Redefreiheit eintreten, dann bedeutet das die Freiheit, eine Meinung zu äußern, die Sie widerlich finden. Andernfalls wären Sie überhaupt nicht für Redefreiheit. Zur Redefreiheit kann man nur zwei Haltungen einnehmen, und jeder trifft seine Wahl.“

    (aus: Noam Chomsky – Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung. Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens, Marino, 1996, S. 184)

  6. Und noch ein Zitat zur Redefreiheit:

    Der Schriftsteller und Anarcho-Kommunist Alexander Berkman (1870-1936) schrieb:

    „There is free speech for those only who voice popular ideas – ideas approved of by the powers that be. But free speech has no significance whatever unless it means freedom to express unpopular ideas. (…) But in order that we may separate the chaff from the wheat, every idea must be sure of a hearing. That is the meaning of free speech and free press: absolute freedom of expression. (…) We urge those who believe in real, unconditional freedom of speech and press to manifest their attitude by helping us in this important fight. (…) We ask our friends to cooperate with us and thus aid our determination to fight for uncensored freedom of expression.”

    (aus: Alexander Berkman – Life of an Anarchist. The Alexander Berkman Reader, Seven Stories Press, 2004, S. 128)

  7. Der norwegische Schriftsteller und Anarchist Jens Björneboe (1920 – 1976) schilderte in einem Artikel aus dem Jahre 1970 seinen Eindruck eines Mangels an Wertschätzung für die Meinungsfreiheit in Deutschland, ein Zitat:

    „(…) diese Bundesrepublik muss da also Garant und Verteidiger der Geistesfreiheit sein.
    Ist dieser Eindruck richtig?
    Die Antwort kann sofort gegeben werden: nein, das ist schwachsinnig. Weder das deutsche Volk, noch die herrschenden Kreise in Wirtschaft und Politik sind im geringsten an Informations- und Ausdrucksfreiheit interessiert. So lange die Hochkonjunktur anhält, und das Land seine Ökonomie ausweiten und entwickeln kann, d.h. so lange es Gewerbe- und Bewegungsfreiheit hat, wird sich praktisch niemand um die Freiheit sorgen, die am unscheinbarsten ist, aber dennoch die Voraussetzung für ein einigermaßen gesichertes Rechtsleben und eine anständige Gesellschaft – um die freie Kritik und ihre Bedingungen.“

    (aus: Jens Björneboe – Informations- und Ausdrucksfreiheit in West-Deutschland, in: Jens Björneboe – Wider den Bevormundermenschen. Aufsätze und Pamphlete zu Kultur und Politik, Trotzdem Verlag, 1980, S. 61)

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