Fundstücke: Fefes Füllhorn über Xing, Wikipedia, Computerspiele und Syrien

Eines muss man Fefe lassen: Was der für Sachen findet! Da sind in den letzten Tagen gleich vier interessante Fundstücke zusammengekommen:

Nummer 1: Xing ist erneut Zielscheibe der Empörungsmaschinerie geworden. Es ist ein schöner Fall von „manche Leute kann man eben nie zufriedenstellen„: Erst wird für extra weibliche Berufsbezeichnungen gekämpft, weil Frauen bei den bisherigen ja „nur mitgemeint“ seien oder sich nicht angesprochen fühlten. Jetzt stellt sich heraus: Oh, Moment, wenn sich Frauen stets anders bezeichnen, werden die über die bisherigen Stichworte gar nicht gefunden. Also damit konnte ja niemand rechnen!

Jetzt wo die Frauen endlich eigene Berufsbezeichnungen haben, stellt sich raus, dass wenn man beispielsweise bei Xing nach „Controller“, „Berater“ oder „Fotograf“ sucht, der lauter Männer findet. Denn die Frauen haben sich unter „Controllerin“ und „Fotografin“ eingetragen.

Die schlaue Frau von heute würde natürlich beide Bezeichnungen führen und damit sowohl über die normale Suche gefunden werden als auch, wenn jemand speziell nach einer Frau sucht. Aber das würde eben keine Opfergeschichte hergeben!

Nummer 2: Wikipedia hat Krebs. Einnahmen und Ausgaben wachsen exponentiell, wie Krebszellen. Wenn ich mir überlege, wie oft ich mich in den letzten Jahren über diese Riesenwerbeeinblendungen geärgert habe… dabei sind die offensichtlich völlig unnötig, weil soviel Kohle gar nicht benötigt wird und sich stattdessen anstaut.

Und so ein großer Geldstrom lädt natürlich zum haufenweise Verplempern ein. Dabei beachte man noch den Unterschied zwischen Wikipedia und Wikimedia. Hier wurde z.B. in Deutschland in der Vergangenheit ein fröhliches Bäumchen-wechsel-Dich gespielt: Geworben wurde mit der Wikipedia, das Geld sammelte aber Wikimedia Deutschland ein (das ging sonst nicht spendenrechtlich, wenn ich mich recht erinnere). Bei Kritik gegenüber der Wikipedia wurde dann aber betont, man sei Wikimedia, sei also nicht zuständig bzw. habe keinen Einfluss usw. – ganz große Nummer!

Derweil werden wissenschaftlich okaye, aber weltanschaulich unpassende Artikel gelöscht – denn für eine sachliche Diskussion bleibt trotz der massenweise vorhandenen Knete keine Zeit. Und wie der Nutzer unter dem Profil Guy Macon korrekt feststellte: Lass einen großen Skandal kommen und den Einnahmenstrom versiegen und Wikipedia ist in seiner freien Form am Ende – also nicht nur, was Neutralität angeht. Die ist ja jetzt schon längst über die Wupper gegangen.

Nummer 3: Junge Frauen bieten gegen Geld an, mit einem Computerspiele zu zocken. Gegen Geld! Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Gut, es passt ins Narrativ von der ungerechterweise unbezahlten Care-Arbeit, sprich, Frauen gehörten eigentlich bezahlt dafür, sich überhaupt mit so etwas wie Männern abzugeben.

Es ist aber ein schönes Indiz gegen die These, die auf der Gegenseite der Gamergate-Bewegung vertreten wurde: Dass nämlich Die Computerspiele-Szene eklatant frauenhassend sei und insbesondere Frauen nicht mitspielen lassen wolle. Wenn das grundsätzlich und überall so wäre, wie könnten dann solche Dienste entstehen? Dafür läßt sich ja mein kleiner Test ganz wunderbar anwenden: Angenommen, man würde den Computerspielern vorwerfen, sie hätten etwas gegen Ausländer/Schwarze/Juden in ihren Reihen. Jetzt werden Dienstleistungen angeboten, in denen Ausländer/Schwarze/Juden einem anbieten, gegen einen Betrag von 5-10 USD mit einem zu zocken. Würde das einen Sinn ergeben, wenn die Computerspieler doch diese Leute hassen würden und nicht dabeihaben wollten?

Nummer 4: Ein Syrer flieht vor dem Wehrdienst nach Deutschland. Das Gericht erkennt das nicht als politische Verfolgung an. Gut, über den Terminus kann man streiten. Aber mal ganz ehrlich: Leute, die vor dem Bürgerkrieg fliehen, sind ok, aber Männer, die vor dem Wehrdienst mit Einsatz im Bürgerkrieg fliehen, sind nicht ok? Ein Argument mehr für die Abschaffung des Wehrdienstes! Und dann noch so eine Formulierung wie „die völlig unpolitische Furcht Wehrpflichtiger vor einem Kriegseinsatz“ – *schäum*! Wir sollten uns freuen über jeden Mann mit gesundem Menschenverstand, der nicht in den Krieg ziehen will!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Von Bombe 20 drüben bei Tom174 erwähnt:

Erste Allgemeine Verunsicherung: Wir marschieren

Fundstück: Wikipedia gegen Gender-Biomedizin

In meiner Kritik des Interviews mit Ulrich Kutschera hatte ich folgendes geschrieben:

Gut, bei der Wikipedia gestehe ich zu, dass Argumentieren oft tatsächlich keinen Sinn hat. Da haben schon mehrere tatsächliche Wissenschaftler bei Artikeln aus ihrem Fachgebiet das Handtuch geworfen, weil da einfach die Masse über „die Wahrheit nach Wikipedia“ abstimmen können und die Meinung eines uninformierten, aber gut vernetzten Menschen mit viel Zeit locker mehr wiegt als die eines Studierten.

Dabei habe ich ganz vergessen zu erwähnen, dass vor inzwischen einem Jahr das Blog Gender-Diskurs vermeldete, bei der Wikipedia sei ein Artikel über Gender-Biomedizin ohne weitere Umschweife gelöscht wurden. Dabei ging es darum, dass man in der Medizin biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau berücksichtigt – also letzten Endes das Gegenteil der Annahme akzeptiert, dass es bis auf die Geschlechtsorgane keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gäbe. (Der Vorfall wurde seinerzeit hier im Blog in den Kurznachrichten erwähnt – dort mit einer anderen Quelle.)

Der Artikel ist als PDF noch verfügbar. Wie daraus ersichtlich wird, wurden in den Einzelnachweisen unter anderem die erwähnten Bücher von Kutschera und Axel Meyer verwendet.

Dass die Wikipedia in einigen Bereichen stramm ideologisch unterwegs ist, fällt in die Kategorie „schrecklicher Verdacht„. Hier ergibt sich der von mir schon vorher erwähnte AH-Effekt („Das habe ich doch schon bei Arne Hoffmann gelesen…“). Man schaue auf das Menü der Startseite von Genderama, Stichwort „Politische Manipulation der Wikipedia“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ok, eine ganz fürchterliche Assoziation zum Stichwort „Medizin“…

Bon Jovi: Bad Medicine