Warum ich diese drei Skandale bemerkenswert finde, Teil 2

Teil 1

(Die Einleitung zum ersten Teil lohnt es sich auf jeden Fall zu lesen. Hier soll es aber direkt weitergehen, es wird ja noch lang genug.)

Gamergate – und die Computerspieler

Dieses Thema hätte ich gerne schon früher angesprochen, aber es ist leider sehr verwoben mit anderen. Entweder man muss bewusst etwas auslassen (so dass man sich bewusst dem Vorwurf aussetzt, nicht das ganze Bild präsentiert zu haben) oder man kommt überhaupt nicht auf den Punkt. Es gibt beim Gamergate mindestens drei weitere Fässer, die man ebenfalls aufmachen muss:

Fass 1: Anita Sarkeesian
Fass 2: Quinnspiracy
Fass 3: Notyourshield
sowie diverse Nebenkriegsschauplätze (Comicgate, Metalgate usw.)

Anita Sarkeesian

Die Dame ist entweder die Heilsbringerin der neuen, modernen Weltordnung oder ihr Untergang – dazwischen gibt es eigentlich kaum eine Einschätzung. Gut, das war jetzt übertrieben.

Dirk M. Jürgens hat sich etwa bei Buddelfisch etwas nüchterner mit ihren Videos beschäftigt:

Ansonsten ist Anita Sarkeesian schon polarisierend: Für bestimmte feministische Kreise ist sie die Heldin, für manche andere Leute nur noch nervig. Ich erinnere mich an ihr erstes Video, bei dem sie kritisch über Computerspiele berichtete. Einige interessante Ideen, über die es sich zu diskutieren lohnen würde, aber mir war das alles zu schwarzweiß dargestellt.

Sarkeesians Ziel war es, Geld für eine Videoserie einzusammeln, was ihr mehr als gelungen ist, da ein Vielfaches der angezielten Summe zustandekam. Sie hat es geschafft, durch geschicktes Selbstmarketing inzwischen ihren Lebensunterhalt mit den Themen „Videospiele“ und „Feminismus“ zu bestreiten.

Das ruft natürlich Neider ebenso wie Kritiker auf den Plan. Erstere sind eine nervige Plage; letztere ein notwendiges Korrektiv, denn jeder, der Macht und Einfluss gewinnt (und das kann man Sarkeesian zumindest in den Medien nicht absprechen), muss sich auch kritisch beleuchten lassen. Da kam eine ganze Palette zusammen: Ihre Darstellung sei zu einseitig und wissenschaftlich unredlich, denn sie blende Beispiele aus, die ihr widersprechen würden. Sie sage in einem Video, sie habe Computerspiele seit ihrer Kindheit gespielt, in einem anderen, sie habe nie Computerspiele gespielt. Ihre Behauptung, die Darstellung der Welt in Computerspielen sei prägend für Handlungen und Denkweisen in der realen Welt, sei nicht bewiesen. Schließlich wurde ihr noch ein unsouveräner Umgang mit Kritik vorgeworfen: Natürlich gebe es bei einer hinreichend großen Zahl an Reaktionen immer einige, die vollkommen indiskutabel seien, aber so zu tun, als sei damit die gesamte Kritik wiedergegeben, sei verzerrend.

Der Wissenschaftler Thunderf00t (der übrigens – natürlich völlig überraschend! – zu den prominenten Fällen gehörte, die ohne vernünftigen Grund bei Twitter gesperrt wurden) hat in seinem Kanal eine ganze Reihe kritischer Videos zu Anita Sarkeesian gemacht. Erwähnen möchte ich jedoch etwas leichtere Kost, nämlich seine Persiflage auf die benannten Videos über Computerspiele:
Parodie (Teil 1)
Parodie (Teil 2)

Quinnspiracy

Es fing für mich an mit einem Youtube-Video namens „The Quinnspiracy Theory – The Five Guys Saga“ von jemandem namens „Internet Aristocrat“ (das Konto gibt es inzwischen nicht mehr; dasselbe Video an woanders). Ich kannte ihn bereits aus einem anderen Zusammenhang als jemanden, der lieber scharf austeilt, als undeutlich zu sein.

Der Beginn ist äußerst unappetitlich: Der Ex-Freund der Spieleentwicklerin Zoë Quinn hatte in einem Blog schmutzige Wäsche gewaschen und war mit allerlei Vorwürfen angekommen.

Was der Internet Aristocrat zu bieten hat, ist erst einmal nichts Neues: Die Mainstreammedien sind verkommen und einseitig, Blogs im Internet wären eine Hoffnung auf Besserung gewesen, aber sie seien inzwischen ebenfalls verlogen. Das klingt nach enttäuschter Liebe.

Er präsentiert Quinn als eine Person, die sich als Opfer darstellte, um ihre Karriere voranzubringen. (Der Fall „Wizardchan“ wäre noch ein Extrafass. Übrigens bekam sie daraufhin Unterstützung von Anita Sarkeesian.) Hinzu kommt im Video die Verdächtigung, mit fünf konkret benannten Spieleentwicklern / -journalisten ein privates Verhältnis zu haben bzw. gehabt zu haben. Ergänzend wird die Beschuldigung zitiert, ein feministisches Spieleentwicklungsprojekt sabotiert zu haben (Quinn hatte ein eigens Vorhaben in dieselbe Richtung).

Nüchtern betrachtet also erst einmal nichts Spektakuläres. Einige der Vorwürfe könnte man prüfen (Wizardchan, Spieleprojekt). Anderes gehört nicht an die Öffentlichkeit gezerrt (Privatleben).

Zur engen Verbandelung von Machern und Journalisten sei zudem gesagt, dass das ein grundlegendes Problem ist, das in andernsorts ebenso begegnet: Man denke an die Sportberichterstattung, bei der die Reporter natürlich auch Fans sind und zum Teil Ex-Profis, die „die Seiten gewechselt“ haben. In kleineren Popkulturszenen ist es ohnehin schwer, den Fan vom Schreiber zu trennen. Bei den Computerspielen kommt das zum Tragen, wie etwa der in der Branche tätige Tom in Mein Senf aufführt.

Das eigentliche Gamergate

Das alles wäre also keiner Aufregung wert bzw. hätte recht sachlich abgehandelt werden können. Zum Skandal wurde es erst, als verschiedene Internetmagazine anfingen, Computerspieler generell als frauenhassend, sexistisch und was weiß ich noch zu beschimpfen und zu behaupten, die Zeit der Gamer sei vorbei. Ob man dadurch dem Vorwurf entgehen wollte, selbst sexistisch und frauenverachtend zu sein, oder tatsächlich davon überzeugt war, das richtige im Dienst einer edlen Sache zu tun – es war so oder so eine dumme Idee, die umso dümmer erscheint, je mehr man es sich überlegt:

Wer irgendetwas mit Popkultur macht, muss doch wissen: Nichts ist rachsüchtiger als enttäuschte Fans.

Seine eigenen Kunden zu beschimpfen ist ein Geschäftsmodell, das generell nicht mit sehr viel Aussichten auf Erfolg versehen ist. Es dauerte auch nicht lange, und die Leser fragten bei diversen Unternehmen, die für gewöhnlich Anzeigen schalteten, mal ganz unverbindlich an, ob sie denn weiterhin dieses oder jenes Magazin unterstützen wollten. Ergebnis: Einnahmeausfälle im angeblich siebenstelligen Dollarbereich.

„Mit Kanonen nach Spatzen schießen“ geht leicht nach hinten los. Wenn ich berühmt und erfolgreich bin und irgendwelche Leute über mich im Internet sich einen abranten – was soll’s? Lasst sie doch reden. Je mehr ich mich ihnen widme, desto größer mache ich sie dabei und gebe ihren Aussagen mehr Gewicht, als sie ursprünglich hatten. Dementsprechend war es ebenso überzogen, die Kritiker-Videos mit fadenscheinigen Begründungen von angeblichen Urheberrechtsverletzungen aus dem Verkehr zu ziehen.

Man stelle sich vor, in der Kneipe um die Ecke sitzt seit Jahren ein Typ, der herumlästert, was die in der Regierung doch für Verbrecher seien. Eines Tages wird er vor aller Augen von der GSG9 abgeholt.

Die psychologische Wirkung ist doch klar: Plötzlich muss man annehmen, dass an seinen Aussagen etwas drangewesen sein muss.

Dabei beweist das alleine ja nichts. Dass nicht die eigentlichen Vorwürfe zum Skandal werden, sondern der unsouveräne Umgang mit ihnen, ist nicht neu. Das kann gleichermaßen dann eintreten, wenn man unschuldig ist (siehe Christian Wulff).

Plötzlich taten sich Gräben auf, die überhaupt nicht nötig gewesen wären und in denen die Welt zweigeteilt wurde in die guten Entwickler und Journalisten, die Opfer von bösen Trollen und Stalkern würden und die bösen Computerspieler, die alle weiß, männlich, heterosexuell und im richtigen Leben Versager sein müssten. Die Übereinstimmung dieses Feindbildes mit einem Zerrbild, das im Radikalfeminismus gezeichnet wird, war dabei nicht zufällig, schließlich bezeichnen sich mindestens einige der Protagonisten auf Seite der „Guten“ als feministisch.

Es hatte etwas Surreales: Man hatte sich der Mission verschrieben, das Klischee der bedrohten Frau zu überwinden, indem man dramatisierend die Geschichte bedrohter Frauen erzählte. Mit anderen Worten: Alkoholsucht überwinden durch ordentlich Saufen!

Dabei hätten wenige Minuten Lesen im Popkultur-Wiki „TV Tropes“ bereits ein vielfältigeres Bild ergeben, als es Anita Sarkeesian in ihren Videos verbreitet. Man beachte etwa den Artikel Damsel In Distress (etwa „Dame in Not“), ein Begriff, auf den sie oft zurückgreift. Da wird verwiesen auf dieselbe Situation mit vertauschten Geschlechtern oder die Negation dieses Erzählklischees.

Auch über Seximus kann man dort eine Menge lernen. Unter dem Schlagwort Double Standard (Doppelstandard) findet man die Unterkategorien „Sexistisch gegen Männer“, „Sexistisch gegen Frauen“, „Sexistisch gegen beide“, „Oft sexistisch in der Ausführung oder Umsetzung, aber nicht sexistisch in der Natur der Sache“ sowie „Nicht-geschlechtsbezogen / andere“ (jeweils meine Übersetzungen).

Und so ist ein kleines, aber beliebtes Wiki schlauer als so manches Internetmagazin mit seiner einseitigen Darstellung. Ich wage mal die These, dass nicht zuletzt deswegen die Vorwürfe, Computerspieler seien alle sexistisch und würden Frauen als Helden nicht akzeptieren, vielen so sauer aufgestoßen sind. Denn wer anderes als große Fans von Popkultur sammelt mit Feuereifer Beispiele für Erzählklischees und ihre Brechung? Und wer regt sich am meisten darüber auf, wenn die Geschichte zu einem Spiel mal wieder nach Schema F verläuft? Die Hardcore-Popkultur-Fans sind es doch meistens, die überhaupt dafür sorgen, dass ungewöhnliche Ideen (und dazu gehören auch Charaktere, Figurenkonstellationen, Plots) plötzlich unerwartete Erfolge feiern und massenkompatibel werden. Produkten, die von Anfang an für einen großen Markt konzipiert werden, fehlt oft die Innovation – das Ausgefallene, das experimentierfreudige Fans so lieben.

Notyourshield

Die Idee, alle Computerspieler sozial ächten zu können, ist insgesamt gescheitert. Zum einen hat man verkannt, welche demographische Zusammensetzung die Konsumenten inzwischen haben: Das sind nicht mehr irgendwelche Teenager, das ist die Mehrheit der Bevölkerung, und entsprechend bunt. Zum anderen hat man kurioserweise die Bedeutung des eigenen Berichtsgegenstandes unterschätzt.

Für Leute wie Jayd3Fox (deren Youtubekanal es inzwischen nicht mehr gibt), die Außenseiter waren, eventuell introvertiert und gemobbt, waren Computerspiele extrem wichtig. Wer in der Vergangenheit bereits ausgegrenzt wurde, der reagiert natürlich umso sensibler auf jeden Versuch, erneut stigmatisiert zu werden. „Die wollen uns etwas wegnehmen, was früher unser Rückzugsort war!“ – so etwa die Haltung verärgert Computerspieler, die dann wiederum aktiv wurden. So sammelten sich dann unter dem Motto „Notyourshield“ alle möglichen Leute, auf die nicht alle Kennzeichen der „Bösen“ zutrafen, um zu zeigen, dass Computerspieler in der Realität sehr unterschiedlich sind und dass sie, die Angehörigen angeblich bedrohter Minderheiten, sich nicht als Schutzschild für eine Kampagne gegen Computerspieler benutzen lassen würden.

Die stärkere Reichweite von Internetmagazinen und die größere Bekanntheit von Protagonisten wie Anita Sarkeesian war zunächst ein Vorteil für die „Guten“. Auf der anderen Seite hat man sich mit den Computerspielern eine Gruppe ausgesucht, die internetaffin ist, also zumindest teilweise versteht, das Medium für sich zu benutzen. Außerdem sind Gamer es gewohnt, sich gegen haltlose Unterstellungen zu wehren („Ballerspiele führen zu Amokläufen“).

Zwischenfazit

Gamergate ist nicht vorbei, die „Gamer“ haben nicht gewonnen. Man schaue sich etwa an, was derzeit Achdomina auf seinem Twitterkonto alles zitiert. Darum geht es aber nicht. Es geht darum, dass man nicht irgendwelche Gruppen kollektiv als böse brandmarken kann und damit durchkommt.

Dass es plötzlich überhaupt so ein Bohei um Computerspiele gibt, nachdem sie jahrelang als Hobby für Außenseiter und unattraktive Männer galten, hat wohl mit ihrem Erfolg zu tun und den Summen, die in der Branche inzwischen kursieren und das Budget so manches Films überschreiten. Überspitzt dargestellt ist dieser Wandel in einem Fundstück bei Meinungen und Deinungen. Arne Hoffmann hatte dasselbe Prinzip in anderem Zusammenhang einmal so zusammengefasst:

Generell beginnen Feministinnen sich dann für ein Projekt zu interessieren, sobald es erfolgreich zu werden scheint (…), um sich dann zu beklagen, dass es ein reines Männerprojekt sei, das Frauen ausgrenze – gefolgt von Forderungen, dass es von jetzt ab gefälligst nach dem Kopf der Feministinnen gehen solle.

Um jetzt nicht grandios dieselben Fehler zu machen, die ich bei anderen anprangere: Ich finde obiges Zitat bezogen auf alle, die oder auch nur die meisten Feministinnen grundfalsch. Ich schreibe dieses Vorgehen einer kleinen Grupppe von Radikalfeministinnen zu, deren Beweggründe nach meiner Wahrnehmung nichts mit Gleichberechtigung oder sich „für Frauen einsetzen“ und viel mit Macht zu tun haben.

Zum Vergleich: Dirk M. Jürgens über die ganze Angelegenheit:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Orchester, das Stücke aus Computerspielen aufführt. Besser hätte man das Eintauchen einer Randkultur in den Mainstream nicht demonstrieren können.

Chris Huelsbeck: Symphonic Shades (HQ)

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42 Kommentare zu „Warum ich diese drei Skandale bemerkenswert finde, Teil 2“

  1. „Ich finde obiges Zitat bezogen auf alle, die oder auch nur die meisten Feministinnen grundfalsch.“

    Dem würde ich erst zustimmen, wenn ich irgendwo von einer Feministin oder SJW lesen könnte, die so etwas sagt wie: „Diese Szene haben wir nicht erschaffen, wir sind zu Gast hier, die Spielregeln haben sich nicht nach unseren Befindlichkeiten zu richten. Wenn uns Details nicht gefallen, machen wir es besser und schaffen unsere eigene Subkultur und lassen die bestehende, wie sie ist.“

    Statt dessen nehme ich regelrecht konstituierend bei Feministinnen die Haltung „Die Gesellschaft muss sich ändern (nicht ich selbst)“ wahr.

    Zum Glück ist mein Eindruck leicht zu falsifizieren, es reicht eine Handvoll sonst überzeugter Feministinnen, die deutlich pro gamergate sind.
    Ich wette allerdings, die kommen dann alle aus demselben, kleinen Tortenstück aus leszecks Feminismus-Klassifizierung 😉

    1. Die Initiative „The Fine Young Capitalists“, deren Aktion ich im Artikel erwähnt, die ich aber nicht namentlich genannt habe, sind ein meines Wissens feministisches Projekt, das Computerspiele produzieren wollte. (Vgl. Feminismus, wer trägt die Kosten?)

      Diejenigen Feministinnen, die sich tatsächlich Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben haben, werden gar keine explizite Aussage zu irgendeiner Popkulturszene treffen (müssen) – warum auch? Im Sinne der Gleichberechtigung können sie teilnehmen, wenn sie wollen, oder es lassen, wenn sie es nicht wollen. Relevant für Feminismus wäre das nur als Thema, falls der Zugang zu so einer Szene Frauen aktiv verwehrt wird. Aber das ist nicht der Fall. Und da unterscheiden sich für mich Feminismus von Radikalfeminismus / Social Justice Warrios.

      Ich selbst habe nie gesagt „Ich bin für Gamergate!“ Ich finde alleine schon dieses „Seite einnehmen müssen“ falsch. Ich finde es jedoch ein legitimes Ziel, dass nicht eine Gruppe komplett als böse abgestempelt wird. Insofern wäre es falsch, von Leuten zu verlangen, dass sie sich „pro Gamergate“ positionieren. Nichts schreckt mich so sehr ab wie die Gegenseite, die vehement einfordert, dass man sich dagegenstellt.

    2. @onlyme
      “Diese Szene haben wir nicht erschaffen, wir sind zu Gast hier, die Spielregeln haben sich nicht nach unseren Befindlichkeiten zu richten. Wenn uns Details nicht gefallen, machen wir es besser und schaffen unsere eigene Subkultur und lassen die bestehende, wie sie ist.”

      Witzig ist, dass ich mich nicht erinnern könnte, bei Amazon oder Gamestop jemals nen Disclaimer gesehen zu haben der besagt: „Subkultur voraus, Frauen und andere Querulanten unerwünscht, sofern sie nicht die Klappe halten.“

      Jeder der ein Spiel kauft ist zuerst einmal Kunde, d.h. seine „Befindlichkeiten“ SIND wichtig. Wir reden hier ja nicht von Untergrundorganisationen sondern von Mainstream, Multimilliardenkonzernen.

      1. Es geht nicht darum, dass jemand „die Klappe halten“ müsste. Es geht nur darum, in welcher Weise man sich ausdrückt, wenn man sich zu Wort meldet.
        Sich als Wortführer einer Gruppierung zu inszenieren, die ansonsten eher wenig in Erscheinung getreten ist, und dabei von Anfang an zu postulieren: „So wie das bisher läuft, fühle ich mich hier total unterdrückt, das muss anders werden, ich sag euch jetzt mal, wie das zu laufen hat“ kommt eben ganz schlecht an, weil es unhöflich, unangemessen und arrogant ist.

      2. @Maren,

        Du argumentierst, als würde jeder sein Game allein und isoliert vor seiner eigenen Konsole spielen.

        Als gäbe es keine Netzwerkspiele, in denen Gruppen zusammen spielen, die per Headset miteinander reden und für die sich eine Spiele- und Umgangskultur herausgebildet hat, viele Jahre bevor das erste Mal eine Feministin dazu kam und sagte: „Ich will auch, aber – huch [Riechsalz] – was ist das für ein Umgangston hier?“

        Diese Auseinandersetzung (i.e. der ganze Quatsch hinter „The game scene is not a safe place for women“ hat sehr wenig mit den Herstellern zu tun, sondern damit, wie gamer miteinander umgehen.

        Die Hersteller kommen ins Spiel, wenn SJWs und Medien den Marketingabteilungen der Hersteller anfangen verkaufen zu wollen, dass ihre ursprüngliche Anwendergruppe alles frauenfeindliche Verbrecher sind und sie doch lieber alle Konzeption auf „Geschlechtergerechtigkeit“ ausrichten sollen.

      3. Jeder der ein Spiel kauft ist zuerst einmal Kunde, d.h. seine “Befindlichkeiten” SIND wichtig.

        Also auch die Befindlichkeiten von charismatischen Erweckungschristen, die bemängeln dass in den Spielen TheLORD nicht alle drei Minuten enthusiastisch gepraised wird?

        Wenn es tatsächlich darum ginge dass die Spiele nicht „Frauengerecht“ seien, wäre die Lösung ja recht einfach: Anita Sarkeesian könnte die 160k$ dafür aufwenden „Frauengerechte“ Spiele herauszusuchen und entsprechende Empfehlungen aussprechen. Den Rest müsste der Markt fast zwangsläufig erledigen – wenn hier tatsächlich eine allgemeine „weibliche Interessenslage“ vorläge.

        Darum geht es aber nicht. Es geht vielmehr darum, dass ANDERE nicht mit _feministischen_ Befindlichkeiten widersprechenden „Frauenbildern“ konfrontriert werden dürfen sollen. Man beruft sich dabei auf hochgradig fragwürdige Konzepte und „Theorien“ wie „sexual objectification“. Und dieses Mindset hat nun mal den Stellenwert der Glaubensbefindlichkeiten charismatischer Erweckungschristen, die meinen dass die Bibel absolute und unumstößliche „Wahrheiten“ verkünde, nach denen sich die Gesellschaft zu richten habe.

        Es ist die gute alte Antiporn-Kampagne der 1970er, die hier versucht wird wieder aufzuwärmen. In Verbindung mit der latent schon lange schwelenden moral panic: „Videospiele verderben unsere Jugend, Amokläufe sind die Folge!!11“ Wahlweise austauschbar durch „Rockmusik“, wobei auch da Feministinnen eifrig mitarbeiten.

        Es geht um radikale Zensur. Die äußerst fragwürdige Vorstellung, derzufolge Kulturprodukte wie Spiele „frauenfeindliche“ gesellschaftliche Realitäten schaffen, eine zentrale Ursache von Kriminalität gegen Frauen seien, zieht sich wie ein roter Faden durch diese „Sexismuskritik“. „Falsche Frauenbilder“ müssen rückstandslos aus jeglichem Kulturgut eliminiert werden, von daher „reichen“ auch regelmäßig einzelne „Belege“ eines auch nur möglichen Spielverlaufes, um eine unmittelbare „Bedrohungslage“ von „Frauen“ zu skandalisieren. (Jede auch nur ansatzweise seriöse Forschung bzw. Argumentation müsste sich ertsmal fragen, ob das beobachtete Phänomen überhaupt vorherrschend ist)

        Es ist mehr als verständlich, dass die Subkultur der Gamer ziemlich angepisst ist von dieser neuen Fassade kulturreaktionären Ressentiments.

      4. @onlyme
        *Als gäbe es keine Netzwerkspiele, in denen Gruppen zusammen spielen, die per Headset miteinander reden und für die sich eine Spiele- und Umgangskultur herausgebildet hat, viele Jahre bevor das erste Mal eine Feministin dazu kam und sagte: “Ich will auch, aber – huch [Riechsalz] – was ist das für ein Umgangston hier?”*

        Also hat jeder der mitspielen will sich brav an die (nichtvorhandenen) Umgangsformen zu halten? Das ist doch kompletter Blödsinn, der in Gamesforen für diese unfassbar dämlichen „Ich hab aber mehr Lebenszeit an dieses Spiel verschwendet“-Penisvergleiche (sorry, aber es ist so unfassbar dumm) führt, als hättest du irgendwas geleistet, als wärst du allein aufgrunddessen dass du 30h mehr gespielt hast ein wichtigerer und wertvollerer Mensch für die Community und hast daher auch das Recht dich aufzuführen wie ne offene Hose.
        Das ist auch nicht nur auf Frauen bezogen, generell sind Noobs oder Noobverdächtige nicht gern gesehen bei manchen, aber bei Frauen kommt meist noch Sexismus dazu.

        Zu sagen: „Du hast erstmal die Schnauze zu halten und dich anzupassen, ansonsten geh doch nach drüben!1!“ ist ziemlich asoziales Verhalten, was dann dafür sorgt dass, Überraschung, die entsprechenden Leute tatsächlich „nach drüben“ gehen, weil sie keine Lust haben sich ohne Not diesen Stress anzutun.
        Und das ist schädlich für´s Geschäft, gerade bei Spielen die oft gar keinen offline-Modus mehr haben.
        Ich geb doch kein Geld für etwas aus, wo ich erstmal angefurzt werde.

      5. ‚ “Du hast erstmal die Schnauze zu halten und dich anzupassen, ansonsten geh doch nach drüben!1!” ist ziemlich asoziales Verhalten, was dann dafür sorgt dass, Überraschung, die entsprechenden Leute tatsächlich “nach drüben” gehen, weil sie keine Lust haben sich ohne Not diesen Stress anzutun. ‚

        Jo, stimmt. Ziemlich asozial ^^

        „Like you, I used to be a feminist. In fact, I was proud of the fact that I was both a man and a feminist. The problem? Feminists weren’t proud of that fact. My gender alone meant that my opinion was worth nothing in 90% of circumstances and that I had to be subservient by nature, because of course, some man at some point in time had oppressed some women, none of which were related in any way, shape, or form to present circumstances. Naturally, I left when feminists started demanding that women withhold sex from men because that would be „giving them pleasure“. Because sex is never pleasurable for women, right?“

        http://rachaellefler.hubpages.com/hub/Feminist-Beliefs-I-No-Longer-Agree-With

    3. „Dem würde ich erst zustimmen, wenn ich irgendwo von einer Feministin oder SJW lesen könnte, die so etwas sagt wie: “Diese Szene haben wir nicht erschaffen, wir sind zu Gast hier, die Spielregeln haben sich nicht nach unseren Befindlichkeiten zu richten. Wenn uns Details nicht gefallen, machen wir es besser und schaffen unsere eigene Subkultur und lassen die bestehende, wie sie ist.”

      Statt dessen nehme ich regelrecht konstituierend bei Feministinnen die Haltung “Die Gesellschaft muss sich ändern (nicht ich selbst)” wahr.“

      Diese Antwort finde ich absolut hanebüchen. Denn sie würde in letzter Konsequenz bedeuten, dass man sich in keiner Gruppe gegen dort geltende Regeln auflehnen darf, sondern sich bei jedem Reibungspunkt mit der Gruppe entweder anzupassen oder zu gehen hat. Es ist im Prinzip das Argument „Wenn es euch in Deutschland nicht passt, dann haut doch ab“. Wurde in den 70ern zu allen gesagt, die sich kritisch äußerten. Ist das tatsächlich eine Lösung? Meinungsdikatur oder Abhauen?

      1. „Diese Antwort finde ich absolut hanebüchen. “
        Das überrascht mich nicht.

        „Denn sie würde in letzter Konsequenz bedeuten…“
        Ah ja, all die Zwischenstufen zwischen „Ihr habt euch alle nach mir zu richten“ und „Ich darf keine Meinung haben und soll mich wohl verdrücken.“ die gibt es nämlich – in letzter Konsequenz – gar nicht.

        Sarkeesian sagt „Ihr müsst euch alle nach mir richten“, Du sagst „Das extreme Gegenteil kanns ja auch nicht sein“, alle anderen fragen sich „Gibt es auch Feministinnen, die in gemäßigten Tönen denken können statt immer in Extremen?“

      2. Sie ktitisiert. Was ihr Recht ist. Man muss sich ihrer Kritik selbstverständlich nicht anschließen, aber so zu tun, als dürfe sie (und andere) ihre Meinung zu dem Thema nicht äußern, als dürfe sie nicht versuchen „die Spielregeln zu ändern“ läuft den Grundregeln einer demokratischen Gesellschaft zuwider. Jeder darf versuchen, „die Gesellschaft“ bzw. deren Teilbereiche zu ändern, sofern er dabei nicht verfassungsfeindlich agiert.

      3. Und ich bin es nicht, die in Extremen denkt. Du schriebst „Diese Szene haben wir nicht erschaffen, wir sind zu Gast hier, die Spielregeln haben sich nicht nach unseren Befindlichkeiten zu richten. Wenn uns Details nicht gefallen, machen wir es besser und schaffen unsere eigene Subkultur und lassen die bestehende, wie sie ist.“

        Das ist „wenn es euch hier nicht gefällt, dann haut doch ab“ nett umschrieben. Ein Extrem. Denn prinzipiell kann und darf jeder in jeder Subkultur versuchen „die Spielregeln zu ändern“. Und das geschieht auch überall. Es gibt Kritiker innerhalb der Kirchen, von Vereinen, politischen Organisationen, Betrieben, selbst im berühmten Kaninchenzüchterverein. Dass diese nicht mundtot gemacht werden, sondern angehört werden und eventuell sogar Verbesserungen bringen können, ist Teil unserer demokratischen Kultur.

        Ganz abgesehen davon, dass z. B. Zoë Quinn versucht hat, „eine eigene Subkultur“ zu schaffen. Mit bekanntem Ergebnis.

      4. Dass diese nicht mundtot gemacht werden, sondern angehört werden und eventuell sogar Verbesserungen bringen können, ist Teil unserer demokratischen Kultur.

        Und der Vorwurf von „sexual objetification“ ist wohl kein „Mundtot machen“, wohingegen aber andererseits der Vorwurf der „Schlampenhaftigkeit“ selbstredend ein „Mundtot machen“ ist? Wer soll euch denn noch irgendwie ernst nehmen? Tut mir leid, ich schaffe das schon lange nicht mehr.

        Der Vorwurf einer „sexual objectification“ ist keine Kritik im Sinne einer Diskussion, sondern eine Diffamierung. Da helfen auch keine haarsträubenden Rationalisierungen, wie sie Nußbaum, Dworkin und MacKinnon abliefern. Auch dann nicht, wenn sie schon sehr lange zum breit und tief etablierten Fundament feministischen Denkens gehören. Gleiches gilt selbstredend für den Vorwurf von „Schlampenhaftigkeit“, und jeder, der sich etwas näher mit diesen beiden Bergiffen befasst kommt auch nicht umhin, hier eine starke gemeinsame historische Wurzel zu sehen.

        Es geht in beiden Fällen um hochgradig normative Moralvorstellungen, bei denen man sich systematisch einer Begründungspflicht entzieht. Sie haben unhinterfragbar für alle zu gelten, wer sie ablehnt gilt ohne weiteres Ansehen der Person und der Umstände als sozialschädlich. Die Spiele, die Frau Sarkeesian anklagt sind nicht irgendwie kritikwürdig, sie sind _verwerflich_. Sie sind ihr und diesem ganzen Diskurs zufolge eine zentrale Ursache für _Kriminaltität_ gegenüber „Frauen“

        Es gibt Kritiker innerhalb der Kirchen

        Ja, es ist durchaus vergleichbar mit „bibeltreuen“ Erweckungschristen, die meinen die einzig legitimen Vertreter DesHerrn zu sein. Da kommt das Problem ja her. Es hat leider nicht gereicht dass man sie seinerzeit über den Atlantik geschickt hat um sie endlich loszuwerden. Dort haben sie sich erst großzügig von den Ureinwohnern mit Land und Lebensmittel beschenken lassen, um später, als sie entsprechend angewachsen waren, ihre Gastgeber auf den Scheiterhaufen zu verbrennen – weil sie doch in sexueller Sünde lebten.

        Femistinnen neigen leider dazu, jeden Dreck bereitwillig zu fressen weil er doch so unheimlich dufte das Neuste aus Amerika ist. Von daher ist es wohl höchste Zeit, die pseudohumanistische Maske zu zerlegen.

        Ganz abgesehen davon, dass z. B. Zoë Quinn versucht hat, “eine eigene Subkultur” zu schaffen.

        Hochgradig puritanische Moralvorstellungen („sexual infidelity nullifies consent, ergo it’s rape!!1!“) als Bewältigungsstrategie für eine offensichtlich ziemlich verkorkste Psyche ist sicher keine Subkultur. Das gibt es haufenweise in jedem erzkonservativen US-Suburb.

        Das ist dort Mainstream. Was hier tobt ist Mainstream vs. Subkultur.

      5. Man muss sich ihrer Kritik selbstverständlich nicht anschließen

        Das ist blanker Unsinn. Das ganze Mindset betrachtet jedes nicht-anschließen selbst als „sexistischen“ Akt und stellt dabei regelmäßig einen Kontext zu „rape apology“ her.

        “Major publishers need to enforce a zero-tolerance policy of sexism and racism and homophobia,” says Sarkeesian. “Developers need to start moving away from the entitled macho-male power fantasy in their games.[..]“

        http://www.businessweek.com/articles/2014-11-26/anita-sarkeesian-battles-sexism-in-games-gamergate-harassment

        „zero tolerance“ besagt eindeutig, klar und exakt, dass es eben keine Toleranz für eine andere Sichtweise geben darf. Wenn Saarkesian etwas als „sexistisch“ empfundenes verurteilt (Kritik im Sinne eines Diskurses kann man das dann nicht mehr nennen), dann _darf_ es dafür keinen von Null abweichenden Raum geben.

        Was mich besonders dabei ärgert ist, dass sie Rassismus- und Homophobiekritik so komplett delegitimiert. Rassismus und Homophobie sind reale soziale Phänomene, die man sicher nicht aus der Welt schafft, indem man jegliche ihrer Artikulationen unterbindet. Wie soll man denn noch über Rassismus oder über Homophobie diskutieren – wenn man die Gesellschaft nötigt einen zwangsläufig verlogenen Schein zu wahren? Dass sich Frau Sarkeesian solche Sorgen bezüglich Sexismus nicht auch nur Ansatzweise macht spricht übrigens Bände.

      6. Also hat jeder der mitspielen will sich brav an die (nichtvorhandenen) Umgangsformen zu halten?

        Nein, Marenleinchen, jeder hat sich an die Mindeststandards bezüglich Toleranz in aufgeklärten Zivilgesellschaften zu halten. Das sind in der Tat „nichtvorhandene Umgangsformen“.

        Und der von dir vollkommen unreflektiert abgefeierte Vollrückfall in die anti-porn-Ideologie des Drowkinismus steht im krassen Gegensatz zu jeder Vorstellung von Toleranz, gegenseitigem Respekt und zu jeglichem Begriff von unveräußerlicher Menschenwürde.

        Man hat den hfef=http://de.wikipedia.org/wiki/Hays_CodeHays Code nicht abgeschaftt, damit ihr ihn unter reichhaltiger Bedienung der Damsel in Distress – Trope wieder einführt.

        _So_ wird man (hoffentlich) wütend aus jedem Dorf vertrieben. Mit _jedem_ Recht der Welt.

        Was denkt ihr eigentlich, wer ihr seid? Meine Fresse, das Gelbe Forum kennt keine schlimmeren Hassideologen.

  2. Meiner Ansicht nach vermischt Du hier zu sehr Sarkeesian und Zoë Quinn und generelle Kritik an der Gamerszene.

    Zoë Quinn ist ein bemerkenswerter Fall und die Art und Weise, wie über sie aus heiterem Himmel und völlig unreflektiert im Internet hergefallen wurde, samt Veröffentlichung ihrer Privatadresse + Mordaufrufen und Vergewaltigungsdrohungen, ist tatsächlich erschreckend. Dass nicht gerade wenige Menschen zunächst Zoës (ihnen persönlich unbekanntem) Exfreund alles anstandslos geglaubt haben, obwohl dieser augenscheinlich v. a. auf privater Ebene wütend war, das war erschreckend und hatte durchaus etwas sehr sexistisches.

    1. „Dass nicht gerade wenige Menschen zunächst Zoës (ihnen persönlich unbekanntem) Exfreund alles anstandslos geglaubt haben, obwohl dieser augenscheinlich v. a. auf privater Ebene wütend war, das war erschreckend und hatte durchaus etwas sehr sexistisches.“
      Man hat gefälligst der Frau zu glauben (die man übrigens genauso wenig kennt), alles andere ist sexistisch?

      1. Blödsinn. Quinn hatte sich damals ja noch gar nicht geäußert. Es geht nicht darum, wem man persönlich „glaubt“. Aber aufgrund der unverifizierten Aussagen einer unbekannten Person mit einem Shitstorm sondersgleichen, der Veröffentlichung der Privatadresse, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen zu reagieren, das geht schlicht nicht. Oder bist Du da anderer Ansicht?

      2. Nachtrag: Mal ganz abgesehen davon, dass ich es generell unmöglich finde, sich gegenüber anderen Menschen so zu verhalten, wie sich gegenüber Zoë verhalten wurde, WENN man sich schon so weit aus dem Fenster lehnt, sogar ihre Privatadresse zu veröffentlichen, dann doch nicht aufgrund ihrgendeines Pamphlets im Internet, das man überhaupt nicht nachprüfen kann.
        Eure Seite spricht immer von Falschbeschuldigungen und welch schreckliche Auswirkungen dies auf die Beschuldigten habe. Hier wurde einmal eine Frau beschuldigt und im Anschluss so massiv bedroht, dass sie aus ihrer Wohnung fliehen musste. Aber offenbar ist das in Ordnung, sobald es sich um eine Frau handelt … DAS ist sexistisch.

      3. „Blödsinn. Quinn hatte sich damals ja noch gar nicht geäußert.“
        Das ist unerheblich. Ihr Ex hat sie und verschiedene Journalisten des Betruges beschuldigt (sexuell bzw. ethisch). Zwar hat Zoe geschwiegen, aber die Journalisten haben es abgestritten.
        Wenn du wissen willst, warum ich die Vorwürfe für zutreffend halte, siehe z.B. die Timeline hier: https://feelsandreals.wordpress.com/2014/11/19/gamergate-episode-i-the-pinky-swear-investigation/

        „Aber aufgrund der unverifizierten Aussagen einer unbekannten Person mit einem Shitstorm sondersgleichen, der Veröffentlichung der Privatadresse, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen zu reagieren, das geht schlicht nicht. Oder bist Du da anderer Ansicht?“
        Wie kommst du darauf, dass jemand automatisch Morddrohungen unterstützt, wenn er die oben genannten Betrugsvorwürfe glaubt? Was hat das miteinander zu tun?
        Ist diese Logik der einzige Grund, warum du die Behauptungen ein „Pamphlet“ nennst?
        Und was Shitstorms angeht (ohne jetzt darauf verweisen zu wollen, wie gerne Feministinnen diese doch immer wieder einsetzen), wenn der Gaming Journalismus so reagiert („Gamers are dead“), muss er sich nicht über Gegenwind (im Rahmen der Gesetze) wundern.

        „Eure Seite spricht immer von Falschbeschuldigungen und welch schreckliche Auswirkungen dies auf die Beschuldigten habe. Hier wurde einmal eine Frau beschuldigt und im Anschluss so massiv bedroht, dass sie aus ihrer Wohnung fliehen musste. Aber offenbar ist das in Ordnung, sobald es sich um eine Frau handelt … DAS ist sexistisch.“
        Ich frage mich, wer hier Morddrohungen gerechtfertigt hat? Hab ich das überlesen?

      4. Eure Seite spricht immer von Falschbeschuldigungen und welch schreckliche Auswirkungen dies auf die Beschuldigten habe.

        Diese immer wieder anzutreffenden, unbeholfenen Konstruktionsversuche doppelter Standards finde ich fast schon belustigend.

        1.) Es hat niemand hier Drohungen, Entanonymisierungen oder auch nur Beleidigungen gerechtfertigt. Selbstverständlich gehören solche Mittel nicht in eine zivilisierte politische Auseinandersetzung. Solche Straftaten sind selbstverständlich, nach Maßgabe der Strafgesetze, zu verfolgen.

        Es ist dabei vollkommen irrelevant, ob und wie fragwürdig sich Frau Quinn verhalten hat. Es spielt keine Geige, ob „unverifizierten Aussagen einer unbekannten Person“ das Motiv für solche Straftaten sind, auch verifizierte Aussagen von anerkannten Autoritäten können keine Rechtfertigungen für solche Taten liefern. Was soll das denn werden? Eine Rechtfertigung für „berechtigte“ feministisch motivierte Mobs?

        2.) Eine Falschbeschuldigung (gegenüber Ermittlungsbehörden) ist selbst eine nicht unerhebliche Straftat. Sofern eine Freiheitsstrafe die Folge ist, handelt es sich um eine handfeste Freiheitsberaubung. Die falsche öffentliche Beschuldigung einer Straftat ist ebenfalls eine Straftat, die geeigntet ist, Menschen sozial zu vernichten.

        Davon meilenweit abzugrenzen sind Vorwürfe fragwürdigen, aber eben nicht strafbaren Verhaltens, wie beispielsweise eine Verletzung journalistischer Standards oder eine (sexuelle) Korrumpierung eines Journalisten. Solche Vorwürfe sind, bei öffentlichen Personen, durch die Meinungsfreiheit abgedeckt. Und wer das Produkt seines Schaffens öffentlich vermarktet ist eine öffentliche Person.

        Frau Quinn beansprucht als Person ein öffentliches „Image“, und es gibt leider kein Recht darauf („weil ich ein Mädchen bin“?), dass dieses Image positiv zu sein hat. Es steht nämlich jedem Menschen selbst zu, ein eigenes Bild von einer öffentlichen Person zu pflegen.

        Wenn Lieschen Müller öffentlich beklagt, dass ihr allgemein bekannter Ex Otto Müller sie erstens betrogen habe und zweitens ein rücksichtsloser Egoist sei, dann finden auch alle Otto Müller menschlich vollkommen unmöglich. Dann könnte er auch Schwierigkeiten bekommen, sein neues Game „Narcism Quest“ zu verhökern.

        Insbesondere wenn öffentliche Personen keine Probleme damit haben, ihre privaten „Schokoladenseiten“ öffentlich breitzutreten, dann sollten sie wohl auch kein Problem mit der zwangläufigen Konsequenz daraus haben, nämlich dass die Öffentlichkeit wissen will was an diesem Bild tatsächlich „dran“ ist und alles begierig aufsaugt, was beispielsweise von irgendwelchen ex-Boyfriends kommt.

    2. @ Vinzenz Es geht darum, wie ich reagiere, wenn ich eine Geschichte im Internet lese. Denn es ist erst einmal nur das. Eine Geschichte einer Person, die ich zumeist noch nicht einmal kenne und deren Glaubwürdigkeit ich nicht einschätzen kann. Interessiert mich die Geschichte, kann ich versuchen, Belege für und gegen diese Version zu finden und mehrere Perspektiven zu lesen. Daraufhin kann man sich selbstverständlich eine Meinung bilden. Oder eben auch nicht, denn in den meisten Fällen wird es nur wenig Handfestes geben und die Maxime „ich weiß, dass ich nichts weiß“ empfiehlt sich darum. Aber auch wenn ich mir meine Meinung schließlich gebildet habe, ist es absolut indiskutabel, mit Mord oder Vergewaltigung zu drohen und/oder die Privatadresse zu veröffentlichen. Sind wir uns soweit einig?

      Mir ging es entsprechend um die Reaktionen, die fast unmittelbar nach der Veröffentlichung der Vorwürfe erfolgten. Es wurde dem Ex unhinterfragt geglaubt und Frau Quinn als Folge beleidigt, beschimpft, bedroht und vertrieben. Dies alles von Personen, die mit großer Wahrscheinlichkeit keine(n) der Beteiligten kannten. Auf welcher Grundlage also kamen sie derart rasch zu der Überzeugung, dass der Exfreund mit seiner Behauptungen recht habe und sie „die Schuldige“ darum bestrafen müssten? Anscheinend rein auf der Grundlage „Sie ist eine Frau, darum muss sie schuldig sein, er ist ein Mann, also muss er recht haben“ (wie gesagt, man kannte keine der beiden Personen und hatte lediglich die Behauptungen des Exfreundes vorliegen). Und das ist sexistisch.
      Normal wäre eine Reaktion wie “ ich war nicht dabei, keine Ahnung“ oder auch „Kannst Du irgendetwas davon beweisen“?

      @ Nick „Frau Quinn beansprucht als Person ein öffentliches “Image”, und es gibt leider kein Recht darauf (“weil ich ein Mädchen bin”?), dass dieses Image positiv zu sein hat. Es steht nämlich jedem Menschen selbst zu, ein eigenes Bild von einer öffentlichen Person zu pflegen.“

      Was der Ex sich da geleistet hat, würde hierzulande mit größter Wahrscheinlichkeit unter üble Nachrede fallen, eventuell sogar unter Verleumdung. Er kann ganz offenbar keine einzige seiner rufschädigenden und ehrverletzenden Aussagen gerichtsfest belegen. Insofern gibt es zumindest ein Recht auf einen Ruf, der nicht durch falsche bzw. unbewiesene Aussagen beschädigt wird.

      Ich vermute zwar, dass dir der entsprechende Gesetzestext bekannt ist, hier aber gerne noch einmal „Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ (§ 186 StGB)

      1. Er kann ganz offenbar keine einzige seiner rufschädigenden und ehrverletzenden Aussagen gerichtsfest belegen.

        Zugestandenermaßen hatte und habe ich wenig Lust dazu, mich durch die Textwüste zu quälen, aber soweit ich es überblicke beschreibt er durchgängig sein Empfinden. Und bezüglich Empfinden genügt regelmäßig die Behauptung des Empfindenden, dass er so empfunden habe. Demzufolge reiht sich der Text nahtlos ein in die weitverbreiteten „Meine schreckliche Beziehung mit Promi X“ – Medienprodukte, die freilich normalerweise meistens von Frauen veröffentlicht und auch meistens von Frauen begierig konsumiert werden.

        Wo behauptet er denn _Tatsachen_, welche geeignet sind Frau Quinn verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen? Zitate?

        Sie kann natürlich behaupten, sie wäre die heilige Jungfrau persönlich gewesen und hätte ein Fremdgehen ihm gegenüber nie eingeräumt. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob und warüm die Tatsache sexueller Untreue überhaupt eine solche Rufschschädigung konstituieren sollte. Wir leben ja schließlich nicht mehr in den 1950ern. Dann würde man wohl die betreffenden Herrn vorladen müssen, die öffentlich und ggf. unter Eid wahrheitsgemäß Auskunft erteilen müsste. Zur höchsten Freude des Boulevards. Und wenn auch nur dabei falsch aussagt, hat man ein Riesenproblem, da tauch ganz schnell mal irgendein Zeuge aus dem Nichts auf. Ganz zu schweigen davon, dass da ja doch so einiges dokumentiert ist. Und das Internet vergisst nichts.

        Die Justiz weiß normalerweise recht gut, warum sie sich gar nicht erst auf eine derartigen Show einlassen darf. (Im Fall Kachelmann beispielsweise hat sie diese Show allerdings eifrig bedient, und entsprechend hat das Ansehen der Justiz einen sehr großen Schaden genommen)

        Problematisch ist aus meiner Sicht eher die Verletzung der Intimssphäre. Weshalb ich auch wenig Lust habe, mich durch den Text zu wühlen. Aber wenn man da anfängt dann muss man wohl das ganze Boulevard zumachen. Und wie schon angedeutet: Wenn Promis immer mehr dazu neigen, ihre hach so tolle Privatperson zu Markte zu tragen, dann kann das wohl keine Einbahnstraße sein.

        Natürlich ist das Entsetzen blank, wenn es auch mal eine Frau trifft. Man hat sich ja daran gewöhnt, dass die intimsten „Gemeinheiten“ von männlichen öffentlichen Personen breitgetreten werden. Natürlich erinnert man sich dann plötzlich mit Entsetzen an die 1950er, als noch auch die moralische Integrität von weiblichen öffentlichen Personen schnell mal nachhaltig Schaden nehmen konnte. Vielleicht mit einer als ziemlich ungerecht gegenüber Frauen erscheinenden Tendenz, aber an das „moralischere“ Geschlecht werden nun mal zwangsläufig höhere Erwartungen gestellt. Aber auch Männer konnten seinerzeit durchaus durch eheliche Untreue erheblich Schaden nehmen.

        You can’t have the cake and eat it, too: Wenn man Weiblichkeit mit einer entsprechenden Moralität auflädt – und das tun Feministinnen als öffentliche Personen allzu regelmäßig, was interessiert mich beispielsweise was Jessica Valenti für eine tolle gleichberechtigte Beziehung führt – dann giert die Öffentlichkeit nun mal verständlicherweise nach Informationen, die dieses gepflegte Image in Frage stellen. Wenn also der Boyfriend von Frau Valenti „auspacken“ würde, hätte die Öffentlichkeit jedes Recht der Welt, auch von dieser Sicht auf diese Beziehung erfahren zu dürfen.

        Wenn Frau Quinn also offensichtlich jedem(*) ihr moralisches Verständnis von „consent“ auf die Nase bindet:

        ..because (aside from willfully endangering their partner by way of increased STD risk) if the unfaithful party then has sex with their partner, they are doing so under false pretenses, and therefore without their partner’s consent. That is, sex with a partner who doesn’t know you’ve cheated on them is sex without consent.

        ..dann hat wohl auch jeder(*) ein Recht darauf zu erfahren, dass sie diesen hohen Maßstab offenbar für ihr eigenens Handeln als nicht gültig erachtet. So ist das nun mal, wenn man moralische Maßstäbe aufstellt. Und wenn ich dann sowas lese:

        http://federalism.typepad.com/

        ..dann ist für mich jede Glaubwürdigkeit dieser Person und ihrer Verteidigerinnen tendenziell endgültig obsolet. Trotz aller eigentlich grundsätzlichen tiefen Abneigung gegenüber dem öffentlichen Waschen von intimer Schmutzwäsche.

        *) Wie weit das „Jeder“ hier geht ist zugestandermaßen ziemlich unklar. Wenn sie allerdings den Begriff „consent“ bemüht, dann ist es wohl nicht allzu fernliegend hier einen Kontext zum entsprechenden politischen Diskurs zu sehen. Insofern wäre es eine politische Äußerung einer öffentlichen Person, womit wohl auch das Recht der Öffentlichkeit auf Information seine Berechtigung hat. Das ist halt eines der Probleme mit „das Private ist Politisch“, auch das ist keine Einbahnstraße.

      2. @Margret: Ich finde es geradezu witzig, mit welcher Doppelmoral du hier agierst. Auf der einen Seite ist der Fall natürlich völlig unklar und solange es kein höchstrichterliches Urteil dazu gibt, sollte sich kein Kritiker im Internet dazu äußern außer mit „Ich weiss nichts“, „Ich habe keine Ahnung“ etc. Auf der anderen Seite ist für dich und die Verteidigerseite irgendwie völlig klar, dass der Ex nichts weiter als ein „Pamphlet“ voller Lügen geschrieben hat, um die arme unterdrückte Frau zu denunzieren. Wie passt das zusammen?

        „Sind wir uns soweit einig?“
        Ich frage mich immer noch, wie du darauf kommst, dass jemand, der Quinn für eine Heuchlerin und Betrügerin hält, automatisch kriminelle Handlungen legitimiert. Wo ist der Zusammenhang? Das hast du noch nicht beantwortet.

        „Auf welcher Grundlage also kamen sie derart rasch zu der Überzeugung, dass der Exfreund mit seiner Behauptungen recht habe […]? Anscheinend rein auf der Grundlage “Sie ist eine Frau, darum muss sie schuldig sein, er ist ein Mann, also muss er recht haben” […]. Und das ist sexistisch.“
        Auf welcher Grundlage bist du denn zu der Überzeugung gekommen, dass sie Recht hat und er lügt? Welche Artikel und Belege hast du dazu gelesen? Oder war es etwa nur, weil sie eine Frau und er ein Mann ist? Denn das müsste dann wohl auch sexistisch sein, oder geht das mal wieder nur in eine Richtung?
        Wenn es dich wirklich interessiert, wie ich zu meiner Meinung gekommen bin, dann siehe meinen Link oben. Dort deuten Tweets und Artikel von Quinn und Greyson stark darauf hin, dass ihre Affäre vor dem „offiziellen“ Datum begonnen hatte, also während sie noch mit besagtem Ex zusammen war und Greyson noch (äußerst wohlwollend) über ihr Game geschrieben hat.

      3. Dass Margret immer und überall Doppelmoral identifiziert zu haben glaubt, liegt meist daran, dass sie alle möglichen Dinge durcheinanderwirft und nicht differenzieren kann.
        Da muss man dann jedes Mal wieder erklären, was strafrechtlich relevante Drohungen, Verleumdungen, sexueller Missbrauch, moralische Normen und freie Meinungsäußerungen sind.
        Nur mal als passendes Gegenbeispiel: hat irgendeine von euch Aufschrei-Feministinnen bei eurer hochgelobten Kampagne mal Rainer Brüderle zum Himmelreich-Artikel befragt, bevor er politisch und sozial vernichtet wurde?
        Margret, ich habe wie Nick diese Geschichte nur am Rande verfolgt. Könntest du nochmal bitte an Original-Zitaten darlegen, wo dieser Frau Quinn Rechtsbrüche vorgeworfen wurden und wo ihr Ex-Freund seinerseits Rechtsbrüche begeht?

      4. ..hat irgendeine von euch Aufschrei-Feministinnen bei eurer hochgelobten Kampagne mal Rainer Brüderle zum Himmelreich-Artikel befragt, bevor er politisch und sozial vernichtet wurde?

        Wo kämen wir denn da hin? Da könnte ja immer einer kommen und den hochanständigen politischen Diskurs unterbinden, wenn es darum geht, die pervasive Kultur der sexuellen Objektifizierung DerFrau zu kritisieren!!

        „Sexuelle Objektifizierung“ ist schon vom Kern des Konzeptes her eine Gesinnungstat. Es wird nicht etwa kritisiert, dass die Intimssphäre der betreffenden Frau evtl. nicht respektiert werde. Dann wären zwangsläufig Handlungen Gegenstand der „Kritik“ und man müsste intersubjektiv gültige Kriterien erabeiten, aufgrund derer jeder wissen kann wann er was „falsch“ macht und wann nicht. (Was eigentlich auch gar nicht schwer wäre, dazu komme ich später)

        Es wird vielmehr auf die intimsten männlichen Fantasien und Motivationen abgestellt, die so zur Disposition gesellschaftlicher bzw. politischer Regulative gestellt werden. Dabei besteht die Grundannahme aka der Generalverdacht der Schurkenhaftigkeit „Männer werden doch im Patriarchat dazu sozialisiert“. Es ist nicht so, dass einer kulturellen Präsentation einer Frau als sexuelles Wesen eine dahinterliegende Haltung der Mißachtung ihrer Menschenwürde belegt werden müsste, vielmehr muss der Präsentierende sich von einem entsprechenden Generalverdacht exkulpieren. Es ist nicht so, dass Rainer Brüderle nachgewiesen werden müsste dass er Frau Himmelreichs Eigenschaft als Journalistin nicht akzeptiert, vielmehr genügt ein bloßer Dirndl-Kommentar zu später Stunde in der Privatheit an der Hotelbar als Beleg einer solchen Haltung.

        Diese Affaire hier ist mal wieder zum schreien absurd: Da beklagt Zoe Quinn:

        Sexuality is one of the most personal, hurtful, and easy things to demonize a woman over..

        ..womit sie ja gar nicht so unrecht hat: Man setze eben einfach nur „a human“ statt „a woman“ und müsste sich eigentlich fragen, warum sich Anita Sarkeesian anmaßen darf, die von ihr selbst hineininterpretierten intimsten sexuellen Fantasien von irgendwelchen Gamern als sozialschädlich zu dämonisieren.

        Das radikalfeministische Konzept der „Objektifizierung“ ist so tiefgreifend insbsondere in den US-Mainstream eindiffundiert, dass es praktisch eine unhinterfragbare und moralisch hochgradig aufgeladene Selbstverständlichkeit geworden ist. Es ist nahtlos zum Substitut der konservativen Regulierung männlicher Sexualität geworden. Man könnte auch sagen: Mithilfe dieses Konzeptes hat die Regulierung und damit Vergesellschaftung der männlichen Sexualität die Liberalisierung der 1960er und 1970er überlebt. Die Dämonisierung von weiblicher Sexualtität ist hingegen stark in den Hintergrund getreten. Weibliche Sexualität hingegen wird heutzutage eher via Pädagogisierung reguliert, und auch hier stellen Feministinnen – gerade mit ihrem Objektifizierungsdiskurs – die „front lines of sexual regulation“ (Katie Roiphe). Man kann den vorherrschenden Feminismus wohl mit Fug und Recht als vorderste Front des Backlash‘ zur Liberalisierung der 1960er und 1970er betrachten.

        Erstaulich finde ich allerdings, dass der vermeitliche „sex-positive“-Feminismus nicht vollkommen seine Glaubwürdigkeit verliert, wenn er das Konzept der „Objectification“ so unhinterfragt affirmiert wie er es affirmiert. Auch kauft man ihm offenbar ohne jedes Hinterfragen „Freundlichkeit“ bzgl. männlicher Homosexualität ab – obwohl die Verfolgung männlicher Homosexualtät nur die sichtbarste Folge der Dämonisierung, Regulierung und Vergesellschaftung männlicher Sexualität ist. In den 1980ern noch griffen Vorkämpferinnen des „sex-positive“-Feminismus wie beispielsweise Gayle Rubin das Dworkin/MacKinnonsche Konzept der „objectification“ genau aus diesem Grund scharf an, heutzutage hat man offenbar kein Problem damit, einerseits Gayle Rubin auf ein Podest zu stellen und gleichzeitig die von ihr kritisierte sehr scharf angegriffene anti-porn-Kampagne nahezu 100%ig identisch auf „video-games“ zu übertragen. Heute sind allerdings keine „feminist sex wars“ mehr in Sicht. Es gibt zwar Tendenzen in die Richtung, allerdings schafft es der nunmehr institutionalisierte Feminismus, sämtliche „Frauenfragen“ zu monopolisieren.

        Man muss immer wieder feststellen dass Feministinnen diejenigen sind, die offenbar am allerwenigsten mit Feminismus auskennen und hochgradig arbiträr cherry-picking betreiben. Man muss immer wieder feststellen, dass Feministinnen selbst mit die größen Antifeministen stellen – wenn man mal Feminismus als Bewegung zur Modernisierierung und Liberalisierung der Geschlechterrollen definiert.

      5. @Nick
        Weibliche Sexualität hingegen wird heutzutage eher via Pädagogisierung reguliert

        Was meinst du damit?

        man müsste intersubjektiv gültige Kriterien erabeiten, aufgrund derer jeder wissen kann wann er was “falsch” macht und wann nicht. (Was eigentlich auch gar nicht schwer wäre, dazu komme ich später)

        Wolltest du dazu noch etwas schreiben?

      6. Was meinst du damit?

        Das prägnanteste Beispiel ist das radikalfeministische Framing der Sexarbeiterin. Ihr wird jegliche Agenda abgesprochen, sie existiert nur als Opfer und als sozialpädagogisch zu behandelndes Objekt. Die Repression besteht darin, dass ihr abgesprochen wird „ihr Leben im Griff zu haben“ und „verantwortungsvolle“ und „emanzipierte“ Entscheidungen bezüglich ihrer Sexualität treffen zu können. Sie wird zwar nicht dämonisiert bzw. als „Schuldig“ erachtet, aber sie wird latent wie ein unmündiges Kind behandelt. Das hat dann nicht nur für Sexarbeiterinnen Konsequenzen, die Behandlung von Minderheiten wirkt meistens als Extrem in einem Kontinuum. Sie erzeugt einen gesamtgesellschaftlichen sozialen Druck. Um einer Tendenz, so behandelt zu werden – beispielsweise nicht für „voll“ genommen zu werden, nicht als „selbstbewußte, moderne und taffe FRAU“ – zu entgehen, muss dann der Eindruck einer ausgeprägten Distanz, eines ausgeprägten „Andersseins“, bezüglich vermeintlich typischem Verhaltens und auch Erscheinens von Sexarbeiterinnen erzeugt werden. Also: slut-shaming auf Feministisch.

        Wenn Anita Sarkeesian also weibliche Spielerfiguren aufgrund ihrer bloßen „sexualisierten“ äußeren Erscheinung als „Objektifizierung“ framt bzw. deutet, und dieses Framing auch auf eine gewisse gesellschaftliche Resonanz stößt, dann entsteht eine Tendenz Frauen, die sich „aufdonnern“, als „arme Opfer aka Hascherl, die Sexismus internalisiert haben“ abwertend-bemitleidend zu betrachten. Das wird dann auch schnell zu einem Frame, mit dem man gezielt diffamieren kann. Das ganze Netz ist aktuell voll der Beispiele für diese feministische Variante des Slut-Shamings.

        Ich dachte eigentlich, dass Feminismus dieses Problem schon in den 1980ern erkannt und gründlich aufgearbeitet hat, es gibt jedenfalls abertausende Texte dazu – aber offenbar ist das komplett folgenlos geblieben. Innerfeministische Kritik an Anita Sarkeesian ist _äußerst_ dünn gesät, obgleich eigentlich alle Alarmglocken schrillen müssten. Obgleich sich fast alle Sarkeesian-Anhängerinnen als „sex-positve“ betrachten dürften. Alice Schwarzer ist zwar totaal doof, aber wenn die tolle Anita Sarkeesian, Anne Wizorek oder Frau Dingens sich fast vollständig auf exakt den gleichen ideologischen Kern berufen, ist das unheimlich modern und dufte.

        Offenbar erzeugen also weder slut shaming noch hypoagency einen nennenswerten Leidensdruck bei diesen „neuen Feministinnen“. Gut, wir haben es fast geahnt.

        Wolltest du dazu noch etwas schreiben?

        Der Satz ist aus Versehen stehengeblieben. Der Kommentar war ja schon lange genug. Das ist eigentlich ein eigenes Thema. Es ist insofern recht einfach wenn man von Distanzstufen (Öffentlich-Sozial-Privat-Initim) ausgeht, die jeder bzgl. jedem wählen darf und die jeder respektieren sollte. Was die allermeisten Menschen auch tun. Natürlich muss man das immer ausloten und aushandeln – oder auch: eskalieren – aber man sollte nicht „mit der Tür ins Haus fallen“. Man sollte immer nur die Tür von einer Stufe oder Sphäre zur nächsten öffnen und dem Anderen die Möglichkeit lassen, sie wieder zu schließen. Alles andere wäre respektlos.

        Wenn also Herr Brüderle gegenüber Frau Himmelreich anläßlich eines offiziellen Interviewtermines (soziale Sphäre) einen Spruch über ihre Drindlfähigkeiten (Grenze zur Intimssphäre) zukommen lassen hätte, dann könnte man das mit Fug und Recht als Affront betrachten. Er hätte unvermittelt eine Distanzstufe überwunden. Nachts an der Hotelbar (Privatssphäre) sieht es ganz anders aus. Frau Himmelreich mag diesen Spruch als unangenehm und auch als unpassend empfunden haben, aber es gehört zur allgemein notwendigen Sozialkompetenz anderen klarzumachen, dass man mit ihnen lieber in der momentanen Sphäre bleibt. Das ist dann kein Übergriff und keine Grenzverletzung, wenn er ihr Raum lässt die Tür wieder zuzumachen. Irgendwie müssen sich Menschen ja näherkommen können.

        Das ist, wie gesagt, eigentlich ganz normales menschliches Verhalten. Dieser Kodex ist, wenn auch nicht immer explizit, intersubjektiv Gültig. Man wird sich auch mit Menschen aus völlig anderen Kulturen grundsätzlich darüber einigen können – auch wenn vielleicht sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber existieren, was konkret beispielsweise privat oder was intim ist.

        Das Problem mit dem Feminismus (neo-)Dworkianischer Provnienz (->#Aufschrei) ist, dass er sich partout nicht die Mühe machen mag, Kategorien in diesem Sinne herauszuarbeiten und anhanddessen zu argumentieren, dass und wann konkret „Frauen“ respektlos behandelt werden. Er stellt lieber auf eine angeblich vorherrschende sozialschädliche Gesinnung DerMänner ab und versucht, alles möglichst so weit zu entgrenzen dass jede beliebig empfundene Unannehmlichkeit als Ausdruck dieser sozialschädlichen Gesinnung deutbar wird. So dann auch der vielleicht tatsächlich als ziemlich unpassend empfundene Spruch des Herrn Brüderle nachts an der Hotelbar. Wogegen nur der rigide Maßnahmenstaat, der das männliche Schadpozenzial mit Staatsgewalt unterm Deckel halte, helfe.

        Das ist natürlich kontraproduktiv, weil man so dagegen arbeitet dass die Gesellschaft einen Konsens bildet was wann „gar nicht geht“. Wie soll man denn, in Anbetracht eines solchen empörten #Aufschreis aus allen Presserohren, über einen Spruch nachts an der Hotelbar, darüber diskutieren was in einem offziellem Interviewtermin akzeptabel ist und was nicht?

        Auch hier scheint es keinen wirklichen Leidensdruck zu geben.

  3. Sarkeesian wird ja von offizieller Seite heftig hofiert. Konsolen und Spielehersteller wie Microsoft laden sie gern als „Expertin“ zum Thema Sexismus In Computerspielen ein. Die Printmedien versagten mal wieder Komplett, geben sie Sarkeesian völlig unreflektiert und Unkritisch wider.
    Kein Wunder daß sich dagegen die Gamer-Apo bildet. Und wie das bei ner Apo so ist, es sind Spinner mit dabei, die drohen. Die Spinner instrumentalisiert Anita um sich zur unangreifbaren Heiligen zu machen.

    Die Frau hat Ihr Auskommen gefunden, die weiß , wie man aus Scheisse Gold macht .

    1. Die Printmedien versagten mal wieder Komplett, geben sie Sarkeesian völlig unreflektiert und Unkritisch wider.

      Das ist in der Tat erstaunlich, als ob sie keinen Ruf dadurch zu verlieren hätten, dass sie eine solche geistige „Leistung“ ohne jeden Hauch einer Kritik abfeiern. Wozu braucht man denn noch Printmedien, wenn man sowieso alles selber nochmal recherchieren muss, um sich eine fundierte Meinung bilden zu können?

      Naja, Print stirbt, man schaufelt sich eifrig sein eigenes Grab.

  4. Ein nmE guter Artikel zu Gamergate:

    The withdrawal of GTA from Australian Target stores, and the broader, thankfully struggling Culture War against misogynistic and violent videogames, is revealing for many reasons. First, it shows how seamlessly the prejudices of the right-wing, reactionary, often Christian-leaning lobbies of the 1970s and 80s have now passed on to the apparently radical feminist campaigners of today. All the same prejudices the blue-rinse brigade once came out with – that video nasties and violent videogames would transform people into hateful, marauding sociopaths – have been given a lick of feministic paint and a new lease of life. One of the first public speeches I ever gave, in 1998, was in defence of a videogame called Carmageddon, in which you were encouraged to win races through reckless, violent driving. The people complaining about that game were conservatives and right-wingers. Today, the censorious, media-effects baton has been passed from the right to those who consider themselves left, from middle-aged Home Counties women to young media feminists, but the argument has remained strikingly similar: videogames can warp minds and cause actual real-world crime.
    And the second striking thing about the war on GTA and the bigger #Gamergate scandal is its intolerance of fantasy, the naked desire to stamp out, not simply words and ideas, which is terrible enough, but also, in essence, dreams. The world of fantasy is being invaded, tut-tutted over and in some cases cordoned off by the new moralists who don’t only say ‘You can’t say that!’ but also ‘You can’t imagine that!’. It isn’t only in videogames. The moral policing of culture, especially pop culture, has become weirdly and wildly fashionable in recent years.

    http://www.spiked-online.com/newsite/article/gamergate-we-must-fight-for-the-right-to-fantasise/16307#.VJ8NlbANA0

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