Fundstück: Zur Wahl in Berlin stehende Parteien über Gender Studies

Der Wahl-O-Mat zur Abgeordnetenhauswahl 2016 in Berlin:
https://www11.wahl-o-mat.de/berlin2016/

Eine der Thesen dreht sich um Gender Studies: „An Berliner Hochschulen soll es weiterhin Geschlechterstudien (Gender Studies) geben.“

Ich zitiere im folgenden die jeweiligen Begründungen der Parteien für ihre Position zu dieser These. Vom Wahl-O-Mat dabei 1:1 übernommen: Die Reihenfolge der Parteien richtet sich nach ihrem Wahlergebnis bei der letzten Wahl. Parteien, die daran nicht teilgenommen haben, erscheinen anschließend in alphabetischer Reihenfolge.

Dafür:

SPD
„Geschlecht spielt in allen Bereichen unseres Lebens eine zentrale Rolle: Als eigene Identität in konkreten Alltagssituationen in der Schule, im privaten Umfeld oder am Arbeitsplatz. Es gibt deshalb einen großen Bedarf an Gender-Expertise in den verschiedensten Arbeitsfeldern, um Geschlechterverhältnisse zu analysieren und um Instrumente zur Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und zur Infragestellung von Normen und Normalitäten zu entwickeln.”

CDU
„Die CDU bekennt sich zur Unabhängigkeit der Wissenschaft und zur Freiheit von Forschung und Lehre an den Hochschulen, so wie sie im Grundgesetz festgelegt ist. Wir sind stolz auf das breite und vielfältige Angebot unserer Hochschulen.”

Grüne
„Wir haben uns immer für dieses Fach eingesetzt, denn die Frage nach den (sozialen) Geschlechtern, die vielfältiger als die traditionellen Vorstellungen von Mann und Frau sind, ist noch lange nicht ausreichend erforscht. Die Ergebnisse der Gender Studies sind zudem immer wieder Anregung und Richtschnur für mehr Gleichberechtigung, eine Kultur der Anerkennung und gegen gesellschaftliche Diskriminierung.”

Die Linke
„Frauen-und Geschlechterforschung begann in den Geistes- und Sozialwissenschaften und hat als disziplinenübergreifendes Wissenschaftsfeld auch in medizinische, technische und naturwissenschaftliche Fächern Eingang gefunden. Als Querschnittsaufgabe beeinflusst sie Methoden und Inhalte traditioneller Fächer und versetzt Lehrende und Lernende in die Lage, in sozialen, politischen, kulturellen und ökonomischen Zusammenhängen zu denken, zu forschen und zu handeln.”

Piraten
(ohne Begründung)

FDP
„Über die Einrichtung von Studienrichtungen und Forschungsfeldern sollen die Hochschulen in eigener Verantwortung selbst entscheiden.”

Tierschutzpartei
„Wenn die Nachfrage nach diesem Studiengang besteht, sollte er im Sinne der Bildungsfreiheit auch angeboten werden.”

Die PARTEI
„Das Erforschen anderer Geschlechter ist für viele Studenten Hauptzweck der akademischen Ausbildung.”

ÖDP
„Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 5 (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.”

PSG
(ohne Begründung)

B
„über alles soll kritisch geforscht werden. in dem wissenschaftlichen feminismus steckt etwas wertvolles: hinterfragen von was als grundfeste unserer identität und gesellschaft geglaubt wurde, die möglichkeit eines komplett neuen Standpunktes. „geschlecht“ ist konstruiert und die notwendigkeit eines neuen gesellschaftsentwurf lässt sich daher nicht aufhalten!”

ALFA
„Es gibt viele Arten von Gender Studies, die teilweise wichtige Erkenntnisse liefern. Unstrittiges Beispiel dürften beispielsweise Studien zu unterschiedlicher Wirkung von Arzneimittel bei Mann und Frau sein. Aber auch auf anderen Fachgebieten ergibt eine geschlechtsspezifische Betrachtung wichtige Erkenntnisse. Wichtig ist allerdings, daß an unseren Hochschulen ergebnisoffen und nicht ideologiegetrieben geforscht wird.”

DIE VIOLETTEN
„Ja, aber gerne in kleinerem Rahmen. Leider entstehen auch viele Ideologien und Dogmen durch dieses Fach. Das sehen wir kritisch.”

MENSCHLICHE WELT
„MENSCHLICHE WELT setzt sich für die Befreiung aller Menschen von jeglicher Ungerechtigkeit und Unterdrückung ein. Die wissenschaftliche Erforschung des Verhältnisses der Geschlechter kann zur Befreiung geschlechterbezogener Ungerechtigkeit und Unterdrückung beitragen.”

Neutral:

pro Deutschland
„An den Hochschulen soll zu allen möglichen Angelegenheiten geforscht werden dürfen. Da wird man Geschlechterstudien kaum generell ausschließen können. Aber derzeit ist das Meiste davon grober Unfug.”

DKP
„Vertreter dieser Fachrichtung mögen ursprünglich einmal mit fortschrittlichen Ambitionen angetreten sein. Das, was sie heute vermittelt, ist reiner Partikularismus, Identitätspolitik für Leute, die sich wissenschaftlich verbrämt ihrer Besonderheit versichern wollen, ist in der Regel aufklärungsfeindlich. Wer braucht unter solchen Umständen dieses Zeug?”

Graue Panther
(ohne Begründung)

Gesundheitsforschung
„Aus unserer Satzung: „Die Partei für Gesundheitsforschung ist eine Ein-Themen-Partei mit dem Ziel, die Gesundheitsforschung in Deutschland vermehrt zu unterstützen. … In alle anderen politischen Themen will sich die Partei nicht einmischen.“”

Dagegen:

NPD
„Die Gender Studies basieren zu großen Teilen auf einem mehr als fragwürdigen Menschenbild, dem zufolge die Geschlechter nur sozial konstruiert seien. Das ist aus unserer Sicht grober Unfug und hat an Hochschulen nichts zu suchen.”

BüSo
„Es besteht die Gefahr, daß derartige Studien zum Zwecke des „social engineering“ mißbraucht werden.”

AfD
„Universitäre Forschung darf nicht fachfremden Zwängen oder Ideologien unterworfen werden. Die Förderung der pseudowissenschaftlichen Geschlechterstudien (Gender Studies) ist in allen Bereichen zu beenden.”

eigene Kommentare dazu

  • Alle etablierten Parteien sind dafür. Wer dagegen ist, hat die Wahl zwischen Rechtsextremen, Rechtspopulisten oder Splitterparteien. Das sieht nicht nach einem baldigen Ende der Gender Studies aus. Wobei die Politik selten Avangarde ist, sondern meistens nur auf einen fahrenden Zug aufspringt, wenn sich abzeichnet, dass weite Teile der Bevölkerung eine bestimmte Meinung haben und diese auch en vogue in den Medien ist. Oder es verschlafen einige Parteien eine wichtige Entwicklung und müssen erst (auch deswegen) eine Wahl verlieren, um ihre Haltung zu ändern.
  • Das wichtigste Argument für Gender Studies ist die Freiheit der Lehre. Das halte ich, so absolut genommen, tatsächlich für richtig. Ich möchte nicht Leute zwangsweise daran hindern, etwas zu studieren, das ich selbst für Unsinn halte. Ich fange ja auch keine Diskussion darüber an, ob man bei der Kultur „Schund“ (Ballerspiele, Horrorfilme, Pornographie) verbieten sollte. Bisherige Versuche in Deutschland, den besseren Menschen heranzuzüchten, indem man nur „nützliche“ und „moralisch gute“ Sachen erlaubte, sind ja katatrophal gescheitert.
  • Mehrfach kommt der Hinweis auf eine ideologische Ausrichtung der Studien vor. Der Weltzwangsverbesserungs- und Umerziehungsanspruch, der davon ausgeht, wäre kurioserweise genau die Gefahr, die ich auch bei einem Verbot der Studien sehen würde.
  • Dass ich ausgerechnet von der DKP (!) eine Würdigung früherer „fortschrittlicher Ambitionen“ lese, die inzwischen aber „aufklärungsfeindlich“ umgeschlagen seien, hat mich doch sehr zum Schmunzeln gebracht. Nicht, dass ich über Nacht Kommunist geworden bin – was die Parteien vor der Wahl sagen und dann nach der Wahl machen, sind noch immer zwei verschiedene Dinge. Gerade bei den radikalen Parteien erwarte ich, dass das noch mehr ins Gewicht fällt. Aber einen guten Wortlaut weiß ich zu würdigen, egal von wem er kommt (so etwas habe ich bei Nazis noch nie gesehen, deswegen bin ich da so sicher).
  • Beachtlich finde ich ferner die sich völlig widersprechenden Begründungen für Gender Studies. Zum einen sei es eine Tatsache, dass „Geschlechter“ konstruiert seien, es also keine Unterschiede außer der Geschlechtsorgane gebe. Zum anderen sei erwiesen, dass Medikamente bei Männern und Frauen verschieden wirkten. Wenn beides wahr wäre, könnten wir durch reine Konstruktion die Wirkungsweise von Medizin bei Individuen verändern… ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass zwei miteinander unvereinbare Grundannahmen im selben Studiengang als „richtig“ gelehrt werden und gehe davon aus, dass die Idee, es gebe von Natur aus im Schnitt weitere körperliche Unterschiede, tatsächlich in den Gender Studies abgelehnt wird.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zum Superwahljahr 1994 haben die Ärzte ihr nur ein Jahr zuvor erschienenes Lied „Quark“ auf einen politischen Kontext umgedichtet:

Die Ärzte: Quark (neuer Text – 135% politisch korrekt)

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22 Kommentare zu „Fundstück: Zur Wahl in Berlin stehende Parteien über Gender Studies“

  1. Ich bin ebenso für Freiheit der Lehre/Wissenschaft, keine Frage. Aber das erstreckt sich nicht auf Ideologien und Pseudowissenschaften! Wir lehren ja schließlich auch keinen Kreationismus, Scientology, Astrologie oder Rassenlehre an den Universitäten. Unwissenschaftlichen Stuss gilt es ganz klar von den Unis zu entfernen, schließlich sind Universitäten Bildungsstätten, keine ideologische Kaderschmieden, und als solche haben sie ihrem Bildungsauftrag nachzukommen; dort hat man Wissenschaft zu betreiben, kein Ideologiegewichse. Dem kommt gerade deswegen Bedeutung zu, weil man ja auch irgendwo ein gewisses Vertrauen in die Hochschulen setzt, egal ob als Außesntehender oder als Student, dass das was dort gelehrt wird auch hinreichend geprüftes Wissen ist und kein unwissenschaftlicher Hirnschiss, der nur dazu designt ist Menschen zu indoktrinieren und mittels grotesker Verschwörungstheorien, die an Absurdität kaum mehr zu überbieten sind, zum politischen Aktivismus zu motivieren. Freiheit hört da auf, wo andere Schaden nehmen…

    1. Das entscheidende Kriterium ist, dass Wissenschaft hinterfragbar und nachvollziehbar sein muss. Würde man das bei den aktuellen Gender Studies einführen, bliebe wahrscheinlich nicht viel von den Postulaten übrig.

      Allerdings macht das auf wissenschaftlicher Ebene nicht viel aus: Flugs könnte man neue Thesen entwickeln und eine tatsächliche Geschlechterforschung anstellen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeitet.

      Viele Sachen, die uns heute als völlig abstrus erscheinen, waren einmal gängige Lehrmeinung… Rassenlehre als Teil der Biologie, aber auch aus den Sprachwissenschaften ist mir eine schauerliche „Erkenntnis“ im Gedächtnis geblieben („Sprache X hat folgende Kompliziertheit, die wir im Deutschen kennen, nicht. Also können diejenigen, die X als Muttersprache haben, nicht zu höheren Geistesleistungen fähig sein“).

      Ein anderer möglicher Ausgang tatsächlich offener Gender Studies wäre, dass sich Denkschulen herausbilden ähnlich wie bei der Volkswirtschaftslehre, die sich gegenseitig sehr stark widersprechen.

      1. Da hast du völlig recht. Wären diese Leute tatsächlich bereit sich hinterfragen und kritisch analysieren zu lassen, wie es jede Wissenschaft tut, und sich dementsprechend auch umzurichten – sprich: falsifizierte Thesen auch verwerfen – dann hätte ich nicht das geringste Problem damit. Dann könnten die Gender Studies sogar eine bedeutende Wissenschaftsdisziplin sein, wie die Gender Medizin oder die Sexualwissenschaften. Das Problem ist aber, dass sie eben nicht bereit sind sich einem offenen und produktiven Dialog zu stellen. Jeder Kritiker wird umgehend als reaktionär, frauenfeindlich, trans-, homo- und vanilleeis-o-phob abgestempelt. Anstelle von Argumenten kommen lediglich Diffamierungen, wilde Behauptungen und Unterstellungen. Das hat viel mit Ideologie, aber nun mal nichts mit Wissenschaft zu tun.

        Wissenschaft freut sich über Kritik, denn nur durch Kritik kann es Fortschritt und (Weiter-)Entwicklung geben. Alleine an dem infanitlen Gebärden dieser Leute – man lese mal nur die etlichen Artikel von Pusch und Co., die ohne jegliches Argument auskommen und vergeblich versuchen über billige Beleidigungen und Unterstellungen ihren Dünnschiss zu verteidigen – kann man also schon deutlich sehen, dass sie nicht mal den Hauch eines Furzes von Wissenschaft verstanden haben. Zumal sie sogar (indirekt) offen zugeben, dass sie keine Wissenschaft sind, indem sie postulieren, dass auch Wissenschaft, genauso wie Wissen, nur „sozial konstruiert“ seien und daher wissenschaftliche Methoden von grundauf ablehnen. Man lese nur mal so klägliche Verteidigungsschriften wie „Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie“ der Heinrich-Böll-Stiftung, die jeden halbwegs intelligenten Menschen einfach nur zum fremdschämen einladen. Das einzige was diese Hirndegenerierten (halbwegs) an Methodologie aufweisen können ist „Diskurskritik“, aber selbst die überzeugtesten Anhänger dieser Pseudo-Methodik geben zu, dass sich dieses Instrumentarium nicht eignet, um hinreichend verifiziertes bzw. verlässliches Wissen zu generieren.

        Pseudowissenschaften, die offen zugeben nicht nur nicht über eine wissenschaftliche Methodologie zu verfügen, sondern sie darüber hinaus auch noch konsequent ablehnen, erfüllen keinerlei Kriterium – nicht mal die Minimal(st)bedingungen – um sich eine Wissenschaft schimpfen zu dürfen! Wo kommen wir denn da hin? Zumal es ja nicht nur so ist, dass sie nicht nur kein reliables Wissen hervorbringen, sondern so, dass der Dünnschiss, den sie raushauen, darüber hinaus auch noch durch verifiziertes Wissen und wissenschaftl. fundierten Fakten (aus der Biologie, Medizin, Neurowissenschaften, Psychologie etc.) mehr als hinreichend widerlegt und falsifiziert worden ist. An falsifizierten Thesen festzuhalten, selbst wenn sie noch so falsch und dämlich sind, macht Ideologien aus. Ich bleibe also dabei, dass Ideologien und Pseudowissenschaften nichts an Universitäten zu suchen haben und von daher ganz klar abgeschafft gehören!

      2. @freakyfred:

        Hast du Belege dafür, dass irgendwelche Gender Studies – Professoren diese Auffassungen vertreten? Ich suche selber danach, finde es aber äußerst schwierig diese Belege zu finden. Frau Pusch hat, soweit ich das sehen kann, keine Professur für Gender Studies in Deutschland.

        Hier gibt es eine Liste aller Professuren für Gender Studies: http://www.mvbz.fu-berlin.de/service/datensammlungen/professuren/index.html

        Ich habe vorhin noch einen ausführlicheren Kommentar geschrieben, in dem ich danach frage, der scheint aber noch in der Moderation zu hängen. (Könnte man den bitte freigeben?)

  2. Okay, die Antwort von ‚Die PARTEI‘ ist in Wirklichkeit feiner Spott über den Gender-Quatsch, und müsste eigentlich unter „Dagegen“ eingeordnet werden.

    1. Deswegen war es mir wichtig, die kompletten Begründungen zu zitieren. Es ist ja auch sonst nicht alles schwarzweiß, einige Äußerungen sind abwägend. Aber nach der „harten“ Antwort gegliedert ist „die Partei“ dafür – was auch entscheidend beim Wahl-O-Mat-Ergebnis sein kann.

  3. Sind die Gender Studies wirklich Quatsch? (ernstgemeinte Frage)

    Auf den Scienceblogs gab es vor nicht allzu langer Zeit eine schier endlos lange Diskussion über das Thema (http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2016/05/16/noch-einmal-gender-studies-meinungsfreiheit-durch-faktenfreiheit/).

    Die Hauptfrage (aus meiner Sicht) war dabei, ob die Wissenschaftler, die in den Gender Studies (in Deutschland) tätig sind, tatsächlich unwissenschaftliche Positionen beziehen. Dafür wurde als Grundlage die Liste aller Gender-Professuren, erstellt von der FU Berlin, verwendet:
    http://www.mvbz.fu-berlin.de/service/datensammlungen/professuren/index.html

    Zu meinem eigenen Erstaunen ist das gar nicht so eindeutig. Es gibt massenweise Positionen des modernen Feminismus und Gender Mainstreamings, die absoluter Schwachsinn sind. Ich habe aber nur sehr wenige Referenzen gefunden, die belegen, dass diese Positionen von den erwähnten Wissenschaftlern in ihren Arbeiten vertreten werden.

    Es gab sicher ein paar fragwürdigere Fälle, dagegen gab es aber auch einige sehr positive Fälle, die sich kritisch und wissenschaftlich sauber mit dem Thema auseinandersetzen.

    Deswegen meine Frage hier: Habt ihr konkrete Belege dafür, dass die entsprechenden Professoren (die, die in der Datenbank verzeichnet sind) Pseudowissenschaft betreiben? Ich wäre über jede Referenz dankbar!

    1. @ Cero

      „Sind die Gender Studies wirklich Quatsch? (ernstgemeinte Frage)“

      Um die Wissenschaftlichkeit bzw. Unwissenschaftlichkeit einer Disziplin zu beurteilen empfiehlt sich m.E. stets ein Blick in Lehrbücher/Einführungsbücher zum Thema. Denn diese müssen ja einen wesentlichen Teil der Inhalte enthalten, die dann auch in den entsprechenden Studiengängen gelehrt werden.
      Lässt sich aus dem Lesen von Einführungsbüchern/Lehrbüchern einer Disziplin also bereits ersehen, dass diese gravierende wissenschaftliche Mängel aufweisen – eine solche Beurteilung setzt allerdings natürlich bereits Wissen zum Thema voraus – dann kann begründet davon ausgegangen werden, dass auch die Disziplin als Ganzes entsprechende Mängel aufweist.

      Ausgehend von meinen Recherchen in Einführungsbüchern/Lehrbüchern der Gender Studies sowie von sonstigen Verlautbarungen von Vertretern der Gender Studies komme ich zu dem Ergebnis, dass die Gender Studies unwissenschaftlich sind. Ich befürworte ihre Abschaffung.

      Ich hatte bei „Alles Evolution“ kürzlich einmal versucht zusammenfassen hinsichtlich welcher Aspekte die Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies m.E. zum Ausdruck kommt:

      – Ausblendung des Forschungsstandes zu Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind.

      – Ausblendung von Forschungsergebnissen und Theorien der biologischen Verhaltenswissenschaften.

      – Ausblendung von Forschungsergebnissen konkurrierender geschlechter-soziologischer Ansätze, wenn diese nicht zu den Gender Studies-typischen ideologischen Vorannahmen passen (z.B. Catherine Hakims Präferenztheorie).

      – Durchschnittliche Unterschiede hinsichtlich geschlechtsbezogener gesellschaftlicher Verteilungen werden als Resultat von Diskriminierung gedeutet ohne zu prüfen, ob dies wirklich der Fall ist und ob nicht unterschiedliche durchschnittliche Präferenzen die Ursache oder zumindest Mitursache sind.

      – Ein Intersektionalitäts-Verständnis, bei dem Diskriminierungen immer nur in eine Richtung laufen können, Diskriminierungen auf der anderen Seite also per se gar nicht erst in den Blick geraten können. Damit zusammenhängend Ausblendung sämtlicher sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse, die nicht zu dieser Vorannahme passen.

      – Absurde wissenschaftstheoretische Vorstellungen („feministische Wissenschaftstheorie“) und eine Weigerung, die in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften ansonsten gängigen wissenschaftlichen Standards ernstzunehmen und einzuhalten.

      – Weigerung auf begründete Kritik einzugehen, stattdessen Tendenz auch sachlicher, fundierter und begründeter Kritik mit politisch korrekten Vorwürfen zu begegnen.

      – Ideologisierung durch das Eingebundensein der Gender Studies in die politisch korrekte (vulgär-)poststrukturalistische ideologische Weltsicht. Dadurch sind die Gender Studies Beschränkungen durch entsprechende politisch korrekte Vorgaben und Interpretationen ausgesetzt, über die nicht hinausgedacht werden kann/darf.

      – Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Gender Studies (z.B. bei Vorstellungen zu philosophischer Anthropologie, Ethik, Erkenntnistheorie) besteht eine weitgehende Abspaltung vom und Ignoranz gegenüber dem eigentlichen Diskussionsstand in der Philosophie.

      Und dies alles findet sich auch – z.T. in noch stärkerer Ausprägung – auf gender-feministischen Blogs wieder, denn zwar sind die Gender Studies als Disziplin etwas anderes als der Gender-Feminismus als soziale Bewegung, aber es gibt natürlich Wechselwirkungen.

      Es werden sich bei den Vertretern der Gender Studies sicherlich trotzdem mal Einzelpersonen finden, auf die die genannten Kritikpunkte nicht oder in geringerem Maße zutreffen.
      Ich hatte ja mal Stefan Hirschauer als einen Vertreter der Gender Studies erwähnt, den ich durchaus gerne lese und der ja auch selbst die Ideologisierung im Feld der Gender Studies kritisiert hat. Aber das sind eben die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

      Grundsätzlich gilt m.E.: die Gender Studies sind unwissenschaftlich, sie versuchen sich (und ihre Unwissenschaftlichkeit) in zahlreichen anderen Disziplinen zu verankern, stellen m.E. zumindest in langfristiger Perspektive ein Risiko für den universitären Wissenschaftsbetrieb dar, die Gender Studies scheinen nicht selten einen negativen Einfluss auf Studenten zu haben, die das Fach studieren, insofern die Gender Studies zumindest einen Beitrag dazu leisten ideologisierte politisch korrekte Mentalitäten hervorzubringen, die nur in eine Richtung denken können, zum Opfernarzissmus neigen und eine geringe Wertschätzung für die Meinungsfreiheit haben.

      Es gibt m.E. gute Gründe die Abschaffung der Gender Studies zu fordern (und dafür muss man keineswegs konservativ/rechts sein).

      Ich bin hinsichtlich meiner politischen Weltsicht wesentlich libertärer Sozialist und kein Fan der DKP, aber die DKP hat in diesen Fall mit ihrer Kritik an den Gender Studies (Partikularismus, Identitätspolitik, aufklärungsfeindlich) m.E. schon Recht.

  4. Die Begründung der FDP (die mir inzwischen wie die besseren Piraten vorkommen, mal sehen, ob ich nächstes Jahr nicht … lassen wir das) klingt mir aber auch eher neutral.

  5. Die Gender-Studies versuchen doch, überall den Kritikern den Mund zu verbieten und gefähren damit die Freiheit von Forschung und Lehre. Von daher finde ich es ziemlich daneben, den Fortbestand der Gender Studies mit der Freiheit von Forschung und Lehre zu begründen.

    1. Das ist ein schwieriges Thema:

      Wieviel Freiheit läßt man Leuten, die Weltanschauungen vertreten, bei denen man ziemlich sicher ist, dass sie zur Unfreiheit führen? Lasse ich Pro-autoritäter-Staat-Demos in einer Demokratie zu? Gebe ich totalitären Bewegungen Auftrieb und lasse die Demokratie schwach erscheinen? Oder ist das nicht sogar ein Zeichen von Freiheit und zeigt genau den Unterschied zwischen den Systemen?

      Bei den Lügnern und Manipulatoren (SJW) wird es sogar noch komplizierter: Die wollen Freiheit einschränken mit der Begründung, dass ihre Gegner die Freiheit einschränken. Will ich also deswegen deren Freiheit einschränken, bin ich das dritte Glied in der Kette – werde das Gefühl nicht los, ich werde irgendwie auch wie sie.

      Sprich, ich hadere sehr damit, dass ich mit dem Verhindern/Verbieten von Sachen genau das bewirke, was ich doch eigentlich bekämpfen will.

    2. Wer redet denn von Verbieten? Es würde doch schon vollkommen reichen, wenn man die Gender Studies dazu zwingen würde, sich wie jede andere Wissenschaft auch einer neutralen Evaluation unterziehen zu müssen. Prof. Günter Buchholz und sciencefiles.org drängen ja schon lange mit Recht darauf. Wenn sich dann dabei herausstellen sollte, dass da nur heiße Luft ohne jede Substanz produziert wird, ist es mit der wissenschaftlichen Legitimation schnell dahin, und damit über kurz oder lang auch mit der Staatsknete.

      1. Das wäre auch der von mir bevorzugte Weg: Wissenschaftliche Kritik. Das hätte den Vorteil, dass diejenigen Leute, die tatsächlich an einer wissenschaftlichen Arbeit zu Geschlechtern interessiert sind, egal, wie wenige es sein mögen, nicht automatisch mit erledigt werden.

  6. „Ich möchte nicht Leute zwangsweise daran hindern, etwas zu studieren, das ich selbst für Unsinn halte.“ Ich schon. Weil ich bin Steuerzahler. Die von dir erwähnte „Schundkultur“ verschwände bereits heute abend, wenn sie niemand konsumierte, wenn niemand dafür zahlen würde. Wer sich also mit Pseudowissenschaften wie Gender beschäftigen möchte soll dies auf eigene Kosten tun.

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