Fundstück: Frieden

Was soll man an einem Tag wie heute schreiben? Einen Friedensgruß zu Weihnachten? Das passt mir irgendwie nicht in dieses Blog, in dem ich doch gerade auslebe, dass ich mit vielen Dingen nicht einverstanden bin. Ich kann auch schlecht einfordern, dass doch jetzt bitte alle schön friedlich werden – das wäre anmaßend und widerspräche meinem Verständnis von Freiheit. Andererseits hatte ich einen Adventskalender versprochen und der hat nun einmal auch ein Türchen für die 24.

Via Genderama fand ich vor einigen Tagen einen offenen Brief an alle Männer, Väter und Jungs zu Weihnachten von Tom Todd. Ich möchte diesen Brief nicht vollständig wiedergeben; er hätte natürlich eine eigene, genauere Diskussion verdient. Trotzdem möchte ich einige Stellen zitieren:

gerade in der Weihnachtszeit, in der die Familie, die Liebe und gefühlsbetont der Zusammenhalt der Menschheit hochgehalten werden, schwappen die Wogen der Enttäuschung und Verbitterung verstärkt an die Oberfläche.

Ich bleibe aber dabei: wir tun uns kein Gefallen, wenn wir nicht im politischen Dialog das Kunststück fertigbringen, souverän über unserem Leid zu stehen und die Türe offen zu halten für eine Annäherung der doch nur scheinbar diametral entgegengesetzten Meinungen.

auch dann obliegt es uns, das Prinzip einer ergebnisoffenen Auseinandersetzung hochzuhalten, das vor allem dem vermuteten „Gegner“ respektvoll unterstellt, sie/er (…) führe grundsätzlich die besten Absichten im Schilde.

Dem Gegner in einer Auseinandersetzung Ehrbarkeit zuzugestehen, das klingt für Diskussionen im Internet natürlich so exotisch wie ein konstruktiver Youtube-Kommentar. Dennoch, als Hinweis auf einen gesitteten Umgang möchte ich das gerne erwähnen – ungeachtet der Tatsache, dass ich oft nicht über mich hinauswachse und so edel handele, wie ich es jetzt hier als Positivbild beschreibe.

In diesem Zusammenhang fällt mir eine andere Genderama-Meldung aus diesem Jahr ein, die eigentlich als Nicht-Meldung hätte untergehen können: Tristan Rosenkranz schreibt kein Buch. Es ging um ein Manuskript namens „Akte Jugendamt“. Letzten Endes hat sich der Autor von diesem Projekt verabschiedet:

Grund für diese Entscheidung ist der Umgang einiger Betroffener mit Andersdenkenden und -handelnden. Verständlicherweise sammeln Eltern, denen die Kinder weggenommen wurden, zwangsläufig eine zu große Menge an negativen Erfahrungen und Emotionen, um damit immer umgehen zu können.

Wenn diese Emotionen jedoch gegen Menschen gerichtet werden, die ein erhebliches Maß an Lebenszeit darin investieren, ihrer Betroffenheit und dem erfahrenen Unrecht eine Stimme zu geben, ist rasch das Maß des Erträglichen erreicht. Aussagen werden ins falsche Licht gestellt, eigene Beweggründe auf Feindbilder gespiegelt und projiziert, Vergleiche des Jugendamtes und seiner Mitarbeiter(innen), aber auch jener Engagierten der Gegenseite, die das Gespräch mit unterstützungsbereiten, politischen Institutionen suchen, mit der Gestapo bemüht, Lokalpolitiker ohne Chance auf Wortmeldung angeschrien, Andersdenkende als „Verräter“ und „Freunde des Jugendamts“ bezeichnet.

Ich glaube nicht, dass man ein Buchprojekt, an dem man jahrelang gearbeitet hat, leichtfertig aufgibt. So ein Buch hätte sicher so auf so manches wenig Bekannte Licht werfen können. Ich finde es ehrenhaft von Tristan Rosenkranz, insbesondere die Verunglimpfung des Gegners zu ächten auch in einer Sache, bei der es zentral darum gegangen wäre, Missstände auf der anderen Seite aufzudecken.

Es muss frustrierend sein, so eine Arbeit schließlich aufzugeben. Die Kräfte sind begrenzt. Man lese sich mal die Kommentare unter diesem Artikel durch.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Klassiker vom kürzlich verstorbenen Joe Cocker.

Joe Cocker: With A Little Help From My Friends

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2 Kommentare zu „Fundstück: Frieden“

  1. Vielen Dank Graublau für deinen „Artikel-Weihnachts-Kalender“! Es waren viele sehr schöne Artikel dabei und es hat wie man an an den Zugriffszahlen und den Kommentaren sieht ja auch zu einigen Diskussionen geführt.

    Würde mich freuen, wenn du auch in Zukunft lust hast ein paar Artikel mehr einzustellen, auch wenn ich weiß, dass es natürlich Zeit kostet, die man erst einmal haben muss!

    Gut wäre es mit 3 weiteren Leuten, die alle paar Tage etwas schreiben wollen.

    Mir hat die Aktion jedenfalls gut gefallen!

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