Feminismus und die gelebte Geschlechtergerechtigkeit

Meine Tabs quellen mal wieder über. Oft lasse ich ein paar Tabs auf über Dinge die mich nerven. Was mir zuhauf über den Patriarchatstwitterticker geliefert wird. In der Zeit habe ich mal darüber lesen dürfen wie ungerecht es doch ist, daß sich keiner für häßliche Feministinnen interessiert. Diesmal beim Surfen. http://www.zeit.de/sport/2014-12/surfen-sexismus-rassismus-cori-schumacher.

Mehr als drüberlesen lohnt sich kaum. Die alte Leier halt.

Die großen Surfmarken wie Billabong, Quiksilver, O’Neill oder Hurley besitzen so die Deutungshoheit darüber, wie der Körper von Surfern und Surferinnen auszusehen hat. Im Wasser ist kein Platz für alle. „

Natürlich sind es nicht die großen Marken und die so wahnsinnig mächtigen weissen Männer, sondern schlicht die Konsumenten. Schade für sie, daß sie diesmal das Attribut „Alt“ auslassen muß. Denn surfende Sportler sind eher jung. Auch wenn ich mich ein bisschen wundere woher sie weiß, daß die alle heterosexuell sind und heteronormativ wirken. Es gibt doch recht wenige Sportarten, in denen durchtrainierte Muskelmänner in coolen Posen und noch kürzeren Hosen dominieren. Immerhin, ganz am Schluß ihrer abstrusen Anklage gegen alles was böse ist bekommt sie so halb die Kurve.

Die Veränderung müsste stattdessen von unten passieren, und sie müsste die Privilegien der weißen, männlichen Spitze infrage stellen. „Mein Ziel ist es nicht, die Menschen zu kritisieren, die sich von dem System haben vereinnahmen lassen, sondern den neoliberalen Wettbewerb, der diese Kultur des Sexismus und Rassismus kreiert. Kein victim blaming, sondern Veränderung durch Graswurzelbewegung.“

Naja gut, in ihrem irren Femispeak klingt das jetzt nicht so ganz vernünftig, aber es ist ja schon was wahres dran. Wenn die Konsumenten der Werbeanzeigen lieber schwarze, alte querschnittsgelähmte Lesben auf den Boards sehen wollten, so gäbe es für sie keinen Grund mehr sich über Sexismus beim Surfen aufzuregen.

Das ist übrigens dieselbe Zeit, in der eine andere Autorin ganz witzig Vergleiche zwischen Männern und Hunden zieht und sich fragt, warum nur letztere kastriert werden. http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/47/ruede-zusammen-leben-maenner . Ich will die Autorin gar nicht als Männerfeindin darstellen, ziemlich wahrscheinlich ist aber auch, daß ich in der Zeit eher keinen ironischen Artikel über PMS finden werde. Und ich glaube, ich würde den Artikel amüsanter finden, wenn der Zeitgeist es erlauben würde, sich über beide Geschlechter lustig zu machen. Oder auch positives über beide Geschlechter zu schreiben.

Denn was steht nicht in der Zeit? https://gleichmass.wordpress.com/2014/12/05/unterhaltspflicht-und-pflicht-zur-ausubung-einer-nebentatigkeit/ . Wenn man Unterhaltspflichtig ist, scheint es zumutbar noch einen Nebenjob neben dem Vollzeitjob zu machen. Und das betrifft in der Hauptsache Männer. Wie war nochmal die Ausfallquote bei unterhaltspflichtigen Müttern? Deutlich höher, ja.

Was das nun mit Feminismus zu tun hat? Irre Mindermeinungen über Surfen und Sexismus bekommen eine große Bühne. Gewohnt wird dem Sexismus gefrönt, der sich darin ausdrückt, daß der weiße, heterosexuelle Mann eigentlich nur das Böse repräsentiert. Außerdem kann man sich immer über Männer lustig machen. Und man sieht was fehlt, wenn feministischer Zeitgeist die Zeit entert. Die Auseinandersetzung mit tatsächlichen und handfesten Problemen. Mit echten Skandalen in unserem eigenen Land. Mit etwas was eine Vielzahl von Menschen betrifft und ihre Existenz und das Wohl ihrer Kinder betrifft. Aber leider betrifft das in der Hauptsache Männer. Na dann.

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