Fundstück: Hin zu einer gleichberechtigten Filmkritik

Keine Frage, der Weg ist noch lang, bis Filme aus einer wirklich gesamtgesellschaftlichen Perspektive rezensiert werden, die die verschiedenen Sichtweisen und Bedürfnisse aller Gruppen berücksichtigt. Dazu ist es leider ab und zu notwendig, einige liebgewordene Klassiker noch einmal zu betrachten und kritisch zu hinterfragen, was man da eigentlich lange Zeit frenetisch bejubelt hat, obwohl es aus heutiger Sicht viel zu beanstanden gibt. Das soll keine Selbstgeißelung sein – man wusste es eben damals nicht besser, und umso weniger sollte man nun Hemmungen haben, noch einmal mit geschulten Augen auf das zu blicken, was seinerzeit als Unterhaltung gefeiert wurde.

Natürlich, die allumfassende Deutung wird uns hier nicht in einem kleinen Artikel gelingen. Aus gutem Grund heißt es „hin zu…“. Aber als ersten Schritt seien zwei verschiedene Deutungen erwähnt, die zu einer weiterführenden Diskussion einladen und um weitere Beiträge ergänzt werden können.

Die feministische Filmkritik

Der Film besteht nicht den Bechdel-Test und damit ist eigentlich schon alles wesentliche gesagt. Es tauchen keinerlei starke weibliche Charaktere auf. Stattdessen wird aus einer rein auf Männer konzentrierten Erzählperspektive geschildert. Der Mann als Macher, dem alle wesentlichen Szenen des Films gehören und der die Handlung gegen alle äußeren Umstände vorantreibt – angestaubter könnte eine Geschichte kaum sein. Hinzu kommt die starre Fokussierung auf Action-Szenen, um typisch männliche Medienkonsumgewohnheiten zu befriedigen. Ein Film, der von der ersten bis zur letzten Sekunde von antiquiertem Macho-Gehabe durchzogen ist und bei dem man sich ernsthaft fragt, wer so etwas jemals sehen wollte.

Die maskulistische Filmkritik

Selten hat man Warren Farrells Begriff des „entbehrlichen Mannes“ in einer solchen Reinform umgesetzt erlebt. Die plakative Botschaft des Films lautet von der erste Szene an: Männer kann man einfach auf den Müll werfen und sich auch noch über sie lustig machen. Empathie, so etwas haben gestrauchelte Männer eben nicht verdient. Welche Gefühle der Mann hat, was es für einer enormen Kraftanstrengung bedarf, um sich wieder hochzukämpfen, das spielt alles keine Rolle. Der Kampf des Mannes, um aus seinen unwürdigen Verhältnissen auszubrechen, wird verspottet und als zum Scheitern verurteilt dargestellt. Es gibt nur wenige Filme, die eine systemerhaltende Moral so stringend durchgezogen haben.

Der Film und seine zeitgenössische Rezeption

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal der Helenenmarsch. Fragt mich nicht, wie ich darauf gekommen bin, irgendwie hatte ich plötzlich die Musik im Ohr…

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