Fundstücke: Alternative Deutungen zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“

Als ich schrieb, warum ich „Groundhog Day“ so toll finde, gab es darauf unverhofft viele Reaktionen. Am interessantesten sind dabei diejenigen, welche meiner Deutung widersprechen oder andere Aspekte hervorheben.

only_me:

Kehrseite: Ein Film, der zelebriert, dass Männer keine Human Beings, sondern Human Doings sein müssen, um akzeptiert zu werden.

Das stößt mir sauer auf, während ich es mit einem „Das ist halt so“-Seufzer akzeptiere.

crumar findet den Film großartig und schreibt gleich mehrere Kommentare, die ich hier stückweise gemeinsam verwurste, in der Hoffnung, dass man trotzdem noch einen Sinn erkennt:

Zum Kommentar von only_me:

Kehrseite 2: Die Moral von der Geschichte ist, nur eine Frau kann einen Mann erretten.
Um das von only me gesagte aufzugreifen: Der Mann ist demnach „damsel in doing“.

Zu meiner These, dass Phil Rita am Ende nicht nötig habe:

Natürlich hat er sie nötig – sie schlafen am Schluss gemeinsam ein, ohne dass es zu sexuellen Handlungen kommt, nachdem er durch seine Taten sein reines Herz bewiesen hat und damit das ihre gewann.
Voila: Errettung und Erlösung!
Ist dir das nicht aufgefallen?
Die männliche Hölle der Unendlichkeit des einen Tages (Hamsterrad) tauscht er ein gegen das, worauf er zunächst verzichtet (Sex), um die „echte“ Unendlichkeit dann *durch das Weib* zu erhalten. Lieferung in der Regel nach 9 Monaten.

Zur Pointe, dass Phil eine ganze Weile versucht, Rita herumzubekommen, und gerade dann, wenn es möglich wäre, er es doch nicht macht:

Normalerweise hätten wir ein Signal für den dann stattfindenden Sex > Nahaufnahme leidenschaftlicher Kuss zum Beispiel – Blende.
Das findet hier nicht statt und es findet nicht statt, weil KEIN SEX die Pointe ist.

Der VERZICHT auf das gängige Klischee, diese Frau – als Ziel – herum zu bekommen widerspricht *einem* Handlungsstrang des Films, in dem gezeigt wird, wie er versucht, diese Frau herum zu bekommen.

*Rückwärts gerechnet* – ab ERRETTUNG und ERLÖSUNG lässt sich nun feststellen, welche Mittel zum Erfolg geführt haben.
Und eines der Mittel war demzufolge die Preisgabe des *männlichen ZIELS* diese Frau herum zu bekommen; ergo (ohne Preisschild) Sex mit ihr zu haben.
Demnach ist ERFOLG Preisgabe des – ursprünglichen – männlichen Ziels.
Noch einmal: *Errettung und Erlösung* durch PREISGABE des ursprünglichen männlichen Ziels.

Wir waten hier also knietief in einem WEIBLICHEN Narrativ.
Es ist egal, welches Geschlecht die Drehbuchautoren haben, es sind Frauen, die Frauen gewinnen lassen wollen oder Männer, die exakt das Selbe wollen.

Das gesamte Narrativ ist zutiefst sexistisch.
Es ist komplett unmöglich die „gender“ zu tauschen, weil dem Publikum sofort der Betrug um die Ohren fliegen würde.

Zur (nur scheinbar gegenseitigen) Vertrautheit, die zwischen Phil und Rita am Ende besteht:

Aus *seiner* Perspektive hat er unendlich viele Tage mit ihr verbracht, in zahllosen dates.
Er kennt wahrscheinlich ihre Lebensgeschichte besser als sie selbst.
D.h. das *Erfahrungs*gefälle männlich vs. weiblich ist Bestandteil der Konstruktion der Geschichte.
An dieser Stelle schon könntest du das Geschlecht nicht tauschen – versuche dem Publikum zu vermitteln, dass Frauen 20 Anläufe unternehmen, um das erste date zu einem Erfolg zu machen.
Niemand würde es dir abkaufen.

Diese „Vertrautheit“ aus seiner Perspektive ist also real und Resultat seiner Bemühungen über x-Tage hinweg.
Wir sehen die Entwicklung, seine Entwicklung, wir sehen den Prozess und der Prozess ist die „katalytische Wirkung“.
Um so mehr er sich zu dem entwickelt, was *sie* in einem Mann sehen will und an diesem attraktiv findet – was zuuuuuuuufälligerweise (Kucklick brüllt) Hand in Hand geht mit seiner Entwicklung hin zu einem sozialen, fürsorglichen usw. Menschen – desto mehr hingezogen fühlt sie sich zu ihm.
Für *ihn* wird dieser Prozess jedoch *erst* zu einem Erfolg, wenn sie vom *Ergebnis* des Prozesses überzeugt ist und diesen – taraaa – als PRODUKT ersteigert.

Tausche hier das Geschlecht und ein feministischer shitstorm in Tsunami-Größe würde dich hinwegfegen!
Jede Feministin würde diese Geschichte einem unterdrückerischen Patriarchat zuschreiben, das Frauen durch internalisierte Frauenfeindlichkeit zur Selbstoptimierung zwingt, um patriarchalen Normen zu entsprechen, denen sie niemals genügen kann.
Und als ob das nicht schon schlimm genug ist, Anne, wird sie sexuell objektifiziert, auf einer Auktion wie ein Stück Fleisch angepriesen und als Ware (Zwangsprostitution!) versteigert!!!
Dass Hollywood sich überhaupt jemals getraut hat, solche sexistischen Filme abzuliefern…

Aber zurück zum Film selbst.
Graublau schreibt: „Es war für mich immer gerade die Pointe, dass Phil Rita ins Bett bekommt, als er es nicht mehr braucht.“
In einem Film werden die Motive der Figuren per Drehbuch konstruiert und nichts spricht aus einer männlichen Perspektive dafür, dass ein Mann Sex „nicht mehr braucht“.
Hingegen alles dafür, die Drehbuchschreiber/-innen waren der festen Überzeugung, er *soll* Sex nicht mehr brauchen *wollen*.

Denn gerade mit dem „freiwilligen Verzicht“ (laut Drehbuch) auf sein ursprüngliches Ziel findet die männliche Seele Läuterung.
Und darf friedlich einschlafen, Amen (so weit ich mich erinnern kann, gab es wenigstens am nächsten Morgen Sex).
(…)
Ganz ehrlich: Mann liegt im Bett neben seiner Traumfrau (Andie MacDowell war hotttttttttttttttttt!), die einen am gleichen Abend auch noch ersteigert hat….und schläft ein. Wäre Bill Murray nicht die Filmfigur, sondern ein realer Mann gewesen, ich hätte ihn in den Hintern getreten.

Und schließlich nochmals an mich gerichtet:

Du begehst einen klassischen Fehler, nämlich die Geschichte NICHT RÜCKWÄRTS zu betrachten.
Das ist nämlich die weibliche Perspektive – alle Schritte zu betrachten, die EX POST zu diesem ERFOLG geführt haben.
Du fragst und siehst aus einer vorwärts gerichteten männlichen Perspektive, die für die Dynamik des Films KEINERLEI Rolle gespielt hat.
Der Clou ist, die männliche Perspektive auszuhebeln, indem dieser EINE Tag immer wiederholt wird, was männliches Fortschrittsdenken per se beerdigt.
Im Gegenteil: „Da zieht Phil doch eine coole Nummer ab. Ebenso die Sache mit der Eisskulptur: In erster Linie eine persönliche Fähigkeit, mit der man außerdem Leute beeindrucken kann.“
Schatz, was hat es ihm denn gebracht?
Was war das RESULTAT seiner HANDLUNG?!
War es ein Erfolg oder ein Misserfolg?
Mit der Verweigerung einer Rechenschaftslegung ist dies die ENTEIGNUNG eines individuellen, männlichen Lerneffekts.

Du drehst den männlichen frame ins Absurde, ohne den weiblichen zu begreifen.

„Aber ein reines Herz wäre nicht auf solche Showeffekte wie den Bandauftritt ausgelegt“ – es ist die weibliche Version davon.
Die weibliche Version der Showeffekte ist, den Bandauftritt hinzubekommen, ergo muss er individuell DAVOR Klavier lernen.
Das ist demnach KEINE individuelle Entscheidung.
Die Präsentation des Films ergeht sich darin, dir eine Logik zu präsentieren, als WÄRE es seine eigene.

Rechne RÜCKWÄRTS, was in weiblichen Augen *dieser Mann* an Fähigkeiten besitzen muss, um *diese Frau* zu bezaubern und du hast die Hälfte des Films entzaubert.
Demnach ist es kein Geheimnis mehr, wenn ich dir die weibliche LÖSUNG präsentiere: „Sie schlafen am Schluss gemeinsam ein, ohne dass es zu sexuellen Handlungen kommt, nachdem er durch seine Taten sein reines Herz bewiesen hat und damit das ihre gewann.
Voila: Errettung und Erlösung!“

Und JETZT konstruiere einen Film, in dem ALLE männlichen Handlungen auf diese LÖSUNG zulaufen.
Das ist nämlich der weibliche frame und dieser ist die GRUNDKONSTRUKTION des Films.

Und schließlich, diesmal an Fiete gerichtet:

Wer die Analyse der Popkultur auf Ideologien von Männlichkeit und Weiblichkeit vernachlässigt oder unterlässt, wird nicht weit kommen.

Natürlich kannst du in einem Märchen die klassische Situation des aristokratischen Prinzen setzen, der die Prinzessin rettet (feministisch: damsel in distress).
Aus einer *männlichen Perspektive* jedoch sind die Bemühungen verbunden mit der Versprechung, sämtliche Bemühungen würden auf einen Gewinn = Belohnung hinauslaufen.
In einer solchen Gleichung muss der Gewinn immer mehr oder mindestens gleich viel wert sein wie die Summe der Bemühungen, sonst wäre das Versprechen der Belohnung eine Farce. Oder sie wären bspw. eine Sühne für eine Untat, wie die zwölf Taten des Halbgotts Herakles im Dienste des König Eurystheus.
Das ist ein abrechenbares Geschäft auf rationaler Basis (Zwölf Taten auf der To-Do-Liste. Check.).
So rational wird es aber nicht aufgeführt, denn es ist schließlich ein Märchen und der Held tut es aus wahrer Liebe, nicht wahr?!

Wo kämen wir hin, wenn der Held eingangs *von sich aus* abwägen würde, wie viele und welche solcher Taten ihm zumutbar erschienen?
Sagen wir, der Prinz/Held/Halbgott dieser Geschichte bietet: „Zehn!“
„Hallo, in der Geschichte sind es aber ZWÖLF!“
„Ok, einigen wir uns auf elf!“ – hier fällt die griechische Mythologie in Ohnmacht.

Damit will ich aufzeigen, dass das Geschäft „Bemühung“, „Aufgaben“ darauf basiert, sie haben aus männlicher Perspektive *niemals* eine VHB.
Anders herum: Ein Mann erfüllt die Aufgaben, die ihm gestellt werden und bezieht *aus der Erfüllung* dieser einen Sinn (für die eigene Existenz, seine Männlichkeit usw.) PUNKT
Damit verzichtet er auf eigene Ansprüche an den Handlungsverlauf der Geschichte BEVOR sie überhaupt begonnen hat oder genauer gesagt: Er wird *seiner eigenen* Agenda enteignet und die Beurteilung des „Sinns“ der eigenen Bemühungen wird anderen überlassen.

Schön und „modern“ (= bürgerlich) an dem „Murmeltier“ ist, dass es dieses Muster vorführt, aber verbirgt, DASS es dieses Muster vorführt.

Die Erwartungen der Heldin/Prinzessin werden niemals artikuliert, bzw. die Autoren des Drehbuchs ERSPAREN es IHR, diese zu artikulieren.
Wahre Liebe in der bürgerlichen Gesellschaft muss authentisch sein!

Authentisch ist hier, wenn sich alle weiblichen Forderungen an einen Mann sich realisieren, weil “ he just got it!“ – ohne diese Forderungen explizit zu benennen und damit abrechenbar zu machen.
Darin ähnelt die Herangehensweise dem Märchen und der Mythologie.
Außer natürlich, dass es keinen Preis/Belohnung geben kann, denn das wäre sexistisch.
Und: Weil es hier *nicht* um ein rationales, abrechenbares Geschäft gehen kann, denn *wenn es ein Geschäft wäre*, dann wäre es keine wahre Liebe.

Wie rettet sich das moderne Märchen, insbesondere und damit meine ich *vor allem für Frauen* aus diesem Dilemma?
Neu und modern ist, der Held soll das weiblich unausgesprochene *von sich aus wollen sollen*.
Dieser Mann ist nicht nur seiner eigenen Agenda enteignet, externalisiert den Sinn für seine eigenen Bemühungen, sondern er WILL das aus tiefstem Herzen SELBST, weil ihn das zu einem BESSEREN Menschen macht, der die Belohnung darin sieht, dass es ihn zu einem besseren Menschen macht.
Rein zufällig ist es aber die Frau, die hier definiert, was ein „besseres Mensch“ im Detail bedeutet und rein zufällig ist es ein GESCHÄFT in diesem Film: Sie ersteigert das fertige Produkt, zu dem sich der Mann a. aus „eigenem Antrieb“, b. „selber“ gemacht hat.
Uuups.

Diese Illusion von Freiwilligkeit und freiwilliger männlicher Unterwerfung im Film wird auf „moderne“ Art aufgeführt und es ist wichtig, diese Ideologie in ihrem Bezug auf Mythologie und Märchen darzustellen.
Damit wir diesem etwas entgegenzusetzen haben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Von „I Got You Babe“ gab es auch eine höchst unromantische Version…

Cher with Beavis & Butthead – I Got You Babe

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12 Antworten zu Fundstücke: Alternative Deutungen zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“

  1. Resolute Nuss schreibt:

    Ist ja unerträglich, das Gegenstück von Feministen die Geschichten usw. kaputt „analysieren“, weil sie unbedingt sehen und „beweisen“ wollen wie sexistisch diese angeblich sind. Ein intressanter Film der zum denken anregt. Die Geschlechter haben im höchstfall eine untergeordnete Bedeutung und sind für die eigentliche Handlung nicht wirklich relevant. Im Prinzip könnten die Hauptrollenollen der Handlung vertauscht sein und man müsste wenig ändern und alles würde noch genauso funktionieren (einzig der Ersatz von Bill Murray könnte die Qualität mildern, was aber nichts mit seinem Mannsein zusammen hängt). Besonders absurd finde ich es daraufhinzuweisen wie in solch einem Fall Feministen über diesen Film meckern würden, wenn man im Prinzip jetzt ebenso reagiert.

    Bei soetwas fühle ich mich an die Videos von Sarkessian erinnert, nur dieses mal in gespiegelter Form.

    • crumar schreibt:

      @Resolute Nuss

      Ich bin gerade eben über Arne zu diesem Beitrag hier gestoßen und wusste nicht, dass ich eine so prominente Rolle spiele.

      Noch einmal: Ich MAG den Film – das geht aus meiner Kritik so natürlich nicht hervor.
      Ich mag auch beide Schauspieler; wobei McDowell nicht unbedingt wegen ihrer schauspielerischen Qualitäten (Murray hingegen hat diese). 😉

      Weiter: „Im Prinzip könnten die Hauptrollenollen der Handlung vertauscht sein und man müsste wenig ändern und alles würde noch genauso funktionieren.“

      Nope.
      Das ist m.E. der Punkt, warum der Film so funktioniert, wie er funktioniert: Man kann die Geschlechter nicht tauschen, ohne die Glaubwürdigkeit beim Publikum zu verlieren, weil diese die Logik des Films mit der ihrer Alltagserfahrung vergleichen.

      Andy McDowell abzukaufen, sie würde sich in steter Wiederholung in „50 erste dates“ begeben, um den Mann ihres Herzens zu gewinnen, der jedoch nicht wirklich umwerfend aussieht oder umwerfenden Status hat?!
      Echt? Einigen wir uns auf zwei (2)?
      In der realen Welt würde es als Mittel nicht glaubwürdig funktionieren und demzufolge auch nicht in diesem Film.

      „Besonders absurd finde ich es daraufhinzuweisen wie in solch einem Fall Feministen über diesen Film meckern würden, wenn man im Prinzip jetzt ebenso reagiert.“
      Hmmmm…
      Ich *habe die Geschlechter getauscht*, um zu prognostizieren, wie eine solche „feministische Filmkritik“ auf den Tausch reagieren würde.
      Die Handlung hätte sich nicht geändert, nur die Geschlechter wären vertauscht.

      „Mann kauft Frau auf einer Auktion und darf mit ihr machen, was er will – Shitstorm!“

      Ok? Das ist jedoch nicht „meckern“, sondern ich zeige durch den Geschlechterwechsel auf, dass der *notwendigerweise* hätte nie stattfinden können.
      Der Funktionslogik des Films macht einen solchen Tausch *völlig unmöglich*.

      „Bei soetwas fühle ich mich an die Videos von Sarkessian erinnert, nur dieses mal in gespiegelter Form.“
      Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhhhhhh, wie gehässig!

      Ich lade mit meiner Kritik ein, den Film aus männlicher Perspektive zu sehen.
      „Männliche Perspektive“ heißt hier zu hinterfragen, *welche Form von Männlichkeit* wird dargestellt und vorgeführt? Und *warum* ist das so?
      Weiterhin habe ich mich damit beschäftigt, ob männliche Interessen, Erwartungen und Bedürfnisse tatsächlich eine Rolle in dem Film spielen oder ob es sich nicht so verhält.
      Meine Antwort ist: Nope.

      Meiner Ansicht nach ist der gesamte Film eine Konstruktion, die nur in einem weiblichen „frame“ Sinn ergibt – wobei dieser weibliche frame *nicht* konträr zu einem männlichen Bedürfnis verlaufen *muss*.
      Wenn es sich jedoch in der realen Welt so verhält, die „Heilsgestalt Frau“ errettet und erlöst den Mann und es handelte sich um ein männliches Bedürfnis, dann würde ich ebenfalls auf den christlichen Ursprung des Bedürfnisses hinweisen.
      Sowie kritisieren, dass damit die EIGENE Zuständigkeit (als Mann) für ein gelingendes, glückliches Leben einem anderen Menschen *übereignet* wird.
      Was ich für falsch halte.

      In der Konstruktion und Logik dieses Films, der auf ein „Happy End“ zusteuert, ist das „Happy End“ zugleich das Ziel des Films und alle eingesetzten Mittel führen – und damit rechtfertigen sich – zu diesem Erfolg.
      Demnach gebe es eine wechselseitige Verschränkung und Einlösung von Erwartungen, Interessen und Bedürfnissen *beider Geschlechter*.
      Wie ich in meinen Kommentaren zeigen wollte, findet das weder statt, noch hat es in diesem Film stattgefunden.

      Wenn ich also empfehle, den Film RÜCKWÄRTS zu sehen, möchte ich den Vorgang durchleuchten, in dem dem Publikum bloß suggeriert wird, es GÄBE eine wechselseitige Verschränkung und Einlösung von Erwartungen, Interessen und Bedürfnissen *beider Geschlechter*.
      Für mich ist spannend, diese Suggestion wirkt, obwohl sie nicht real ist.
      D.h. sie muss an etwas ansetzen, was bereits geschichtlich vorher schon da war.
      Deshalb mein kleiner Exkurs zu den Heldentaten des Herakles…

      Aber wie gesagt: ICH MAG DEN FILM und empfehle ihn jeder und jedem!

      Gruß crumar

      • Resolute Nuss schreibt:

        Sarkesian erzählt auch allen wie sehr sie Dinge mag, welche sie völlig falsch darstellt und denen sie dann Sexismus vorwirft. 😉

        Stark vereinfacht geht es in dem Film um die Wandlung von einem Egoisten zu einem Altruisten. Das wäre völlig ohne Probleme auch mit getauschten Rollen möglich. Die „Liebesgeschichte“ ist nur ein Teilaspekt davon. Selbst wenn man die Auktion streichen/ändern würde, weil man glaubt es geht mit einer Frau nicht wäre das Endergebnis immer noch gleich. Im Prinzip könnte man sogar alles im Bezug darauf streichen egal nun welches Geschlecht und immer noch ein befriedigendes Ende haben, mit wenigen Änderungen.

        Aber nein, ebenso wie Feministen muss man sich einen kleinen Teil raussuchen der unter einen verdrehten Blickwinkel „problematisch“ ist um darauf dann eine ganze Kritik aufbauen. 😉

  2. only_me schreibt:

    Ich hatte den Thread ganz aus den Augen verloren und sehe jetzt erst, dass crumar viel eloquenter in das mir vorschwebende Horn gestoßen hat, als es mir möglich gewesen wäre.

    Ergänzend: Im Märchen bekommt der Mann, der über sich heraus wächst bzw. unerfüllbare Aufgaben bewältigt, am Ende das halbe Königreich und die schönste und tugendhafteste aller Prinzessinnen. Andie McDowell ist in meinen Augen bestenfalls eine 6-7 und geistig Durchschnitt. Das wird besonders deutlich an einer der Szenen im Cafe, wo sie beschreibt, was sie in einem Mann sucht:

    p: So, what do you want out of life, anyway?
    r: I guess, I want what everybody wants, you know: career, love, marriage, children…
    p: Are you seeing someone?
    r: I don’t think I am ready to share that with you. What do you want?
    p: I want someone like you.
    r: oh, pleeease
    p: Why not? What are *you* looking for? Who’s your perfect guy?
    r: First of all, he’s too humble to know he’s perfect.
    He’s intelligent, supportive, funny.
    He’s romantic and courageous.
    He’s got a good body but doesn’t have to look in the mirror every two minutes.
    He’s kind, sensitive, gentle, he’s not afraid to cry in front of me.
    He likes animals and children and changes poopy diapers
    Oh… and he plays an instrument and loves his mother

    Meine Güte, wie hohl ist das denn?

    Ich verstehe einerseits die dramaturgische Notwendigkeit, dass dem Zuschauer erzählt wird, was Phil werden muss.
    Aber um den Preis, dass Rita zum durschnittlichsten Durchschnitt wird, den man sich für eine weibliche Filmfigur nur vorstellen kann. Vermutlich ist sie auch noch „für den Weltfrieden“ und Vegetarierin.

    Wenn man die Geschichte eines Mannes erzählt, der wegen einer Frau das Unmögliche vollbringt, tut man gut daran, dass diese Frau unbestimmt göttlich gezeichnet bleibt und nicht wie Else Müller Kerzen an der Badewanne „sooo romantisch“ findet.
    Hier bricht also das Mythologische und die Erlösung am Ende ist ab sofort unplausibel. Dass die archetypische Eva den Mann erlöst, ergibt Sinn, aber doch nicht eine Else aus Wuppertal.

    Die Erklärung für diesen Bruch hat crumar schon gut dargelegt: Die Adressatinnen des Films sind nicht unwirkliche Evas, sondern reale Elses, die im Gefühl nach Hause gehen, dass auch sie den Prinzen verdienen.

    Frauen halten im Schnitt 80% aller Männer für unterdurchschnittlich attraktiv.
    Dieser Umstand wird vom Film – neben all seinen gelungenen Aspekten – gefeiert und zelebriert. (Normale) Jungs sind doof, es ist OK, mit Steinen nach ihnen zu schmeißen.

    • crumar schreibt:

      @only me

      Ich muss zur Ehrenrettung des Films sagen, dass deine Kritik „Dass die archetypische Eva den Mann erlöst, ergibt Sinn, aber doch nicht eine Else aus Wuppertal.“ leider daran scheitert, der Film wird für die Else aus Wuppertal gedreht, weil die „archetypische Eva“ nicht die cash-cow Hollywoods ist.

      Demzufolge ist ihre Durchschnittlichkeit, die „besonders deutlich (wird in) einer der Szenen im Cafe, wo sie beschreibt, was sie in einem Mann sucht:“ in meinen Augen kein bug, sondern ein feature.

      Und als Else gesagt: „I guess, I want what everybody wants, you know: career, love, marriage, children…“

      D.h. hier kann Mann nur VERSICHERN: „Yes, you can have it all!“
      „Vermutlich ist sie auch noch „für den Weltfrieden“ und Vegetarierin.“ – na klar.

      Zugesichert werden muss, indem du:

      „First of all, he’s too humble to know he’s perfect.
      He’s intelligent, supportive, funny.
      He’s romantic and courageous.
      He’s got a good body but doesn’t have to look in the mirror every two minutes.
      He’s kind, sensitive, gentle, he’s not afraid to cry in front of me.
      He likes animals and children and changes poopy diapers
      Oh… and he plays an instrument and loves his mother“

      Also ein (Versorger-) Beta mit verzwergten Alpha Qualitäten (erster und vierter Satz) und allen Eigenschaften gesegnet, die sie wechselseitig jeweils einem von beiden zuschreibt (romantic AND courageous).

      Du befindest: „Meine Güte, wie hohl ist das denn?“

      Schon richtig, aber auch Abwehr der konkreten Auseinandersetzung mit ihm als individueller Person. Er hat sich *vorgeblich* mit dem klassischen „nice guy“ Schema auseinanderzusetzen und an ihm zu messen.
      Wenn wir an dieser Stelle alle nicken und die arme Frau bemitleiden: „Where have all the good men gone?“, wird uns komplett entgehen, dass sich keine dieser Ansprüche konkret auf ihn *als Person* bezieht.

      Es ist ihm auch nicht gestattet, einen „nice girl“ Anspruch zu formulieren – er darf sich immer nur verhalten.

      Gruß crumar

    • Graublau schreibt:

      Vermutlich ist sie auch noch „für den Weltfrieden“ und Vegetarierin.

      Vermutlich? Also, letzteres wird sogar explizit in dem Film behandelt!

  3. Lucas Schoppe schreibt:

    Ich hatte die Diskussion ganz übersehen – schade. Mir hat der Film, als ich ihn vor einer ganzen Weile gesehen habe, sehr gut gefallen – einfach auch deshalb, weil ich Bill Murray und Andie MacDowell mag. Ich hätte ihn damals aber auch noch nicht im Hinblick auf die Geschlechterbilder angeschaut.

    Auch Breakpoint hat ja im verlinkten Kommentarstrang schon, wie Crumar, auf die Entwicklung des Mannes hingewiesen, die im Film vorgeführt wird. Dabei fällt kaum auf, dass sich die dazugehörige Frau ÜBERHAUPT NICHTt entwickelt. Mehr noch: Während ER ein Gedächtnis hat, sich an unzählige Tage, neue Versuche der Eroberung ihrer Zuneigung erinnert – fängt SIE mit jedem Tag neu an. Sie braucht gar kein Gedächtnis.

    Das ist im Rahmen der Weiblichkeitsidealisierung, die Crumar ja mit Verweis auf Kucklick beschreibt, nur folgerichtig. Wenn sie immer schon perfekt ist, dann DARF sich sich ja gar nicht entwickeln – jede Entwicklung wäre schließlich notwendig ein Verlust an Vollkommenheit. Die Idealisierung der Frau – als Unschuld, als Lehrerin des zu humanisierenden Mannes, als menschlich vollkommenes Wesen – wird also durch Statik, Entwicklungslosigkeit und Unlebendigkeit der Figur erkauft.

    Eigentlich ist die Frau hier nur wichtig, weil sie die Entwicklung des Mannes initiiert – ohne das Begehren des Mannes hätte sie im Film keine besondere Bedeutung. Idealisierung und Bedeutungslosigkeit sind eng verknüpft.

    Eben diese Weiblichkeitsidealisierung, die in der Unfähigkeit zur Entwicklung mündet, hat ja gerade erst die sauteure Ghostbusters-Neuauflage zu einem Flop gemacht. http://man-tau.com/2016/08/14/ghostbusters-wozu-ein-desaster-gut-sein-kann/ Und dies ausgerechnet in einem Film, dessen Original – auch mit Bill Murray, übrigens – ganz auf eine Entwicklung der Hauptfiguren aufbaute.

    Dieses verbissene Vorführen von Frauenfiguren, die immer schon perfekt sind und die daher keine Entwicklung nötig haben, ist eben nicht nur aus einer männlichen Perspektive herabwürdigend (der Mann als der ständig zu Erziehende…). Auch für Frauen, die das ernst nehmen, ist es schlicht bescheuert: Wer in einer hochentwickelten komplexen Massengesellschaft einen halbwegs vernünftigen Platz haben möchte, ist ja auch selbst notwendig auf langfristige, komplexe Entwicklungen angewiesen, beruflich wie persönlich. Wer sich einredet, er sei immer schon vollkommen, so wie er ist – der steuert zielsicher auf eine Position zu, in der er (oder eben: sie) sich durch andere versorgen lassen muss. Sei es durch einen Partner oder den Sozialstaat.

    So ist dann der Film ein weiteres schönes Beisiel dafür, dass eine Ideologie noch lange nicht frauenfreundlich ist, nur weil sie männerfeindlich ist. Eher im Gegenteil: Männer- und Frauenpositionen sind so eng verknüpft, dass Herabwürdigungen der einen ohne (zumindest implizite) Herabwürdigungen der anderen Position nicht zu haben sind.

    • only_me schreibt:

      @Lucas,

      Das ist die Kehrseite dessen, was ich oben auszudrücken versuchte.

      Dass die Frau sich in der Geschichte nicht entwickelt, ist kein Problem, wenn sie eine archetypische Figur, Das Weibliche, darstellt. Die Prinzessin im Märchen braucht keine Entwicklung, sie ist schlicht eine unbeschriebene Projektionsfläche für „tolle Frau“. Es spielt keine Rolle, inwiefern sie eine tolle Frau ist oder wie sie dahin gekommen ist. Es ist ja eh die Geschichte des Mannes.

      In dem Moment aber, wo die Frau nicht idealisiert inszeniert wird, sondern als (normaler) Mensch, wird’s unplausibel. Dann haben wir die Geschichte von zwei Menschen, die auch beide menschliche Schwächen und Entwicklungen haben sollten und es gilt alles, was du hier sagst.

      Rita ist meines Erachtens ein Vorspiel zu der vier Jahre später kommenden Ally McBeal.
      Rita ist einfach eine normale Frau und hat damit schon den perfekten Mann verdient. (Das ist schlimm genug).
      Ally ist aktiv gruselig und hat trotzdem den perfekten Mann verdient. Käme Ally in einem Märchen vor, ginge es darum, wie ihr Mann sie wieder los wird.

      Auf die Spitze treibt es in meinen Augen Maleficent im gleichnamigen Film. Eigentlich eine Figur, die die dunkle, destruktive Seite des Weiblichen verkörpert, wird auch sie irgendwie in das Team „Gut“ gezerrt.
      Egal wie die Frau ist und was sie macht: Sie steht über aller Kritik, sie ist per se gut.

      Kein Wunder, dass Mädchen so desorientiert sind. Die Welt hält das Versprechen nicht ein. Es findet sie nicht jeder gut, obwohl sie doch einfach so sind, wie sie sind und das soll doch reichen!

    • Resolute Nuss schreibt:

      Wie soll sich die Frau entwickeln, wenn der einzige der die Zeitschleife bemerkt der Mann ist? Die restlischen Figuren entwickeln sich ebenso wenig. Ich kann wirklich nicht nachvollziehen wie Genderunsinn mit anderem Vorzeichen an diesem Film auslässt. Eine Egoistin die sich durch eine Zeitschleife zu einem besseren Menschen entwickelt wäre völlig ohne Probleme ebenso möglich.

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