Feminismus und Sexismus

Die Quote mag zwar keinen besonders großen Rückhalt in der Bevölkerung haben, bei Meinungsmachern und Entscheidungsträgern ist sie umso beliebter. Während ich dies schreibe, läßt Christian über den Begriff „Staatsfeminismus“ diskutieren. Die Frauenquote wurde gerade beschlossen.

Während wir also diskutieren, inwiefern Journalisten zum Komplex „Staatsfeminismus“ gehören, habe ich mir mal proquote angeschaut. Und deren beeindruckende Anzahl von Unterzeichnern. Und deren primitiv-sexistischen Begründungen.

Wie war das mit Margret auf Onyx‘ Blog? Der böse Pütz wagt es anzusprechen, daß Karriere nicht das alleinglücklichmachende Ding im Leben ist. Daß im Schnitt Frauen eher Wert auf eine Balance zwischen Arbeit und dem ganzen Rest legen, der unser Leben auch ausmacht. Was er nicht geschrieben hat, ist das Frauen doch bitteschön zurück an den Herd sollen. Und jetzt schauen wir uns Lisa Ortgies an.

Nicht zuletzt kann die Frauenquote die vielen Männer entlasten, die sich laut Umfragen nach mehr Zeit für die Familie (60 Prozent) sehnen statt als Hauptverdiener heiß zu laufen…

Ehrlich gesagt, mir fehlen die Worte.

Noch ein Beispiel. Birgit Schrowange

Weil Frauen eine größere emotionale Intelligenz haben und deshalb einfach die besseren Führungspersönlichkeiten sind.

Liebe Frau Schrowange, Sie sind tatsächlich zu blöd für die Transferleistung, Ihre Aussage mal umzudrehen? Weil Sie dann nämlich direkt gemerkt hätten, wie selten dämlich und zutiefst sexistisch Ihr Statement ist?

Ich bin mir sicher, Ihr findet noch mehr Bullshit bei proquote.

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22 Kommentare zu „Feminismus und Sexismus“

  1. Nicht zuletzt kann die Frauenquote die vielen Männer entlasten, die sich laut Umfragen nach mehr Zeit für die Familie (60 Prozent) sehnen statt als Hauptverdiener heiß zu laufen.

    Wie fürsorglich von Frau Ortgies. Da freuen sich die Männer aber schon so richtig drauf. Nichts gegen mehr Zeit für die Familie, aber das würden wir doch gerne noch selber entscheiden und nicht dazu gezwungen werden.
    Warum nicht am besten uns gleich das Hausmann-Dasein schmackhaft machen wollen? Nachdem sie uns Jahrzehnte gepredigt haben, dass das Hausfrauen-Dasein ein schreckliches Schicksal in quasi sklavenähnlicher Abhängigkeit vom Mann bedeutet. Da freuen wir Männer uns doch drauf, das auch mal erleben zu dürfen. Ja nee, is klar (Augenlid runter zieh..). Ganz blöd sind wir auch nicht.

    1. Hausmanndasein ist ja auch großartig. Das wissen die meisten Frauen auch. Aber anstatt Männer aufgrund ihres Geschlechts um Jobs und Karriere zu bringen und stattdessen leistungs- und kompetenzlos Quotenfrauen zu installieren könnte man ja zB finanzielle Anreize schaffen, daß der besserverdienende Partner es sich leisten kann zuhause zu bleiben. Oder Elternmonate 50:50 gestalten. Wäre sogar geschlechtsneutral.

    2. „Nicht zuletzt kann die Frauenquote die vielen Männer entlasten, die sich laut Umfragen nach mehr Zeit für die Familie (60 Prozent) sehnen statt als Hauptverdiener heiß zu laufen.“

      Ich wusste gar nicht, dass die Quote so konzipiert sein soll, dass die Lebenspartnerin eines Mannes dessen Job übernimmt, damit er mehr Zeit mit den Kindern verbringen kann.

  2. „Weil Frauen eine größere emotionale Intelligenz haben und deshalb einfach die besseren Führungspersönlichkeiten sind.“

    „Emotionale Intelligenz“ ist also eine hinreichende Eigenschaft um zu führen. Unternehmen, Kompanie, Familie, etc.. Aha.

    Was soll das überhaupt sein?

  3. Ich bin auch deshalb für die Quote, damit die Diskussion über die Quote ein Ende hat.

    Claudia Voigt, Der Spiegel

    Gebt mir sofort 1000000 €, damit die Diskussion darüber warum ich 1000000 € kriegen soll ein Ende hat!

  4. Ich habe mir mal das „Forum“ von proQuote angesehen. Ich habe „Forum“ extra in Gänsefüßchen gesetzt. ProQuote ist ja gefühlt jeden Tag in den Medien und nun sehe man sich bitte die Forumstatistiken an: „Insgesamt sind 2 Besucher online: 0 registrierte, 0 unsichtbare und 2 Gäste (basierend auf den aktiven Besuchern der letzten 5 Minuten)
    Der Besucherrekord liegt bei 23 Besuchern, die am Mi 12. Mär 2014, 10:18 gleichzeitig online waren.“
    Hey…. da is ja richtig was los… 😀 😀 😀

  5. Frau Reuschling auf proquote:

    „Immer noch werden Frauen im gebärfähigen Alter als potentielle Ausfallkandidaten gesehen – und Frauen mit Kindern erst recht. Und zwar von männlichen Chefs, die davon ausgehen, dass Frauen zu Hause bleiben, sobald Kinder kommen, dass sie danach Teilzeit arbeiten und ständig im Büro fehlen, weil das Kind krank ist.

    Daran wird sich nichts ändern, solange nicht mehr Frauen in Führung gehen – und vorleben: Es geht auch anders. Deshalb bin ich für die Quote. Damit endlich etwas passiert.“

    Das ist optimistisch. Meine – wie immer sehr subjektiven – Erfahrungen zeigen, dass weibliche Führungskräfte daran nichts ändern werden. Leider. Auch Chefinnen, die ich erlebt habe, zeigen sich in der Frage der Kinder, der möglichen Ausfälle oder der damit verbundenen Teilzeitarbeit von Frauen ziemlich hartleibig. Es fehlt mir der Beweis, dass Frauen anders handeln würden. Nach meiner Erfahrung ist das nicht mehr als eine luftige Behauptung. Dahinter steckt der große, aber sehr verbreitete Irrtum, die Entscheidungen auf den Chefsesseln von Wirtschaft und Politik hingen maßgeblich von der Persönlichkeit des Entscheiders ab. Systemische Entscheidungszwänge werden damit ausgeblendet. Diese werden die Hoffnung auf den weltverbessernden, endlich moralisch mal integeren Chef immer wieder zerstören.

  6. Frau Himmelreich (genau die!):
    „43 Prozent der Leser des Stern sind Frauen. Und dennoch besteht unsere vierköpfige Chefredaktion nur aus Männern. Im Berliner Büro des Stern bin ich die einzige Frau unter den Politikredakteuren. Ich glaube nicht, dass wir mit dieser Besetzung unseren vielen Leserinnen ideal gerecht werden können.“

    Das ist ein eigentlich ökonomisches Argument. Da geht es nicht um Gerechtigkeit und gleiche Aufstiegschancen, sondern um die Erfüllung der Kundenwünsche. Die Quote wäre demnach ein Weg, um ein leserfreundlicheres Journal zu machen. Falls das die Verkaufszahlen wirklich beeinflussen sollte, müsste die Chefetage auch ohne Quote zu überzeugen sein. Anderenfalls wäre wohl, um achdomina zu zitieren, „der Kapitalismus kaputt“.

    1. Ein ökonomisches Argument wäre:
      „Nur 20% unserer Leser sind Frauen. Unsere vierköpfige Chefredaktion besteht nur aus Männern. Im Berliner Büro des Stern bin ich die einzige Frau unter den Politikredakteuren. Ich glaube nicht, dass wir mit dieser Besetzung jemals einen größeren Anteil Frauen ansprechen können.“

      So aber ist es ja genau anders herum:

      Offenkundig spricht der Stern bereits viele Frauen an, bereits 43% der Leser sind Frauen. Angesichts des Umstand, dass es sich ja nicht um eine Frauenzeitschrift handelt, ist das ein sehr guter Wert, er liegt nahe an 50%.
      Besonders beerkenswert angesichts des ansonsten eher geringen Interesses von Frauen an Politik, das sich z.B. selbst in einer Frauenpartei wie der SPD oder den Grünen in Mitgliederanteilen ausdrückt, die eher um die 30% und damit deutlich niedriger liegen.

      Das wiederum könnte damit zusammenhängen, dass man den Stern bei Weitem nicht mehr vorrangig als Polit-Magazin wahrnimmt wie früher mal.

      Das ist zwar durchaus kein Argument GEGEN einen höheren Frauenanteil in der Redaktion – aber offensichtlich auch nicht geeignet, mehr Frauen in der Redaktion zu fordern. Es lesen doch auch so schon sehr viele Frauen den Stern.
      Es bleibt also dabei:
      Für Neubesetzungen redaktioneller Stellen sollte die Qualifikation bzw. die Qualität des Redakteurs sprechen. Das spricht Leser gemeinhin mehr an als deren Geschlecht.

  7. Aha. Ihr kritisiert die ziemlich moderate Aussage von Frau Ortgies als „Forderung“ (warum genau fehlen da die Worte?), seid aber gleichzeitig nicht in der Lage, den anmaßenden Artikel von Pütz auch genauso zu sehen: Als Forderung an Frauen.

    „Wie war das mit Margret auf Onyx’ Blog? Der böse Pütz wagt es anzusprechen, daß Karriere nicht das alleinglücklichmachende Ding im Leben ist. Daß im Schnitt Frauen eher Wert auf eine Balance zwischen Arbeit und dem ganzen Rest legen, der unser Leben auch ausmacht. Was er nicht geschrieben hat, ist das Frauen doch bitteschön zurück an den Herd sollen.“

    Ich zitiere demgegenüber nochmal einige Passagen aus Pütz Artikel:

    “Es gab mal eine Zeit, in der Männer und Frauen ihre festen Rollen hatten. Der Mann ging arbeiten und die Frau sorgte sich um das Wohl der Familie.”

    „Der Feminismus hat euch über Jahre eingeredet, dass es nicht nur euer Recht, sondern eure Pflicht sei es den Männern gleich zu tun.“

    “Selbst für mich als Mann erschließt sich nicht, warum irgendeine fiktive Position in einem Unternehmen zu erreichen wertvoller sein soll als eine glückliche Familie.”

    “Und nun sollt ihr den gleichen destruktiven Weg gehen wie wir und ihr merkt auch langsam, dass der Feminismus euch nicht das Paradies geöffnet hat, sondern zu den gleichen Sklaven erziehen will, die wir schon lange sind.

    „Und es macht euch, wenn ihr ehrlich seid, schon jetzt nicht glücklich. Seit den 70er Jahren , auch dazu gibt es mehrere Studien, geben Frauen an, immer unglücklicher zu werden.”

    „Wie schwer muss es erst für ein Mutterherz sein, sein kleines Kind, was man selber geboren hat, weinend in einer Kita abzugeben – ich kann und will es mir nicht vorstellen. Aber für solche Gefühle hat unsere Gesellschaft keinen Platz. Es geht darum zu funktionieren und zu wirtschaften. Und so werden selbst Hunde heute besser behandelt als unsere Kinder. Hunde geben wir nicht nach einem halben Jahr den ganzen Tag in eine Fremdbetreuung.“

    „Trotzdem habe ich das Gefühl, dass viele von euch einfach diesem Lebensmodell folgen, weil das halt eine moderne, emanzipierte Frau ausmacht.“

    “Aber bitte seid dann konsequent und macht Karriere und zeugt keine Kinder, für die ihr eh keine Zeit habt oder haben wollt.”

    “Ich bin fest davon überzeugt ,dass das klassische Familienmodell für beide Geschlechter am besten funktioniert und beide am zufriedensten macht. Deswegen hat es meiner Meinung nach auch über Jahrhunderte funktioniert und tut es in den meisten Plätzen dieser Erde immer noch.”

    Es ist eindeutig, dass er Frauen das „klassische Modell“ empfiehlt (das war nun eher euphemistisch ausgedrückt). Denn das andere Modell wäre ja „Sklavenarbeit“, wurde Frauen nur „eingeredet“, „macht sie nicht glücklich“ und sorgt zudem für „schreiende Kinder“, die schlechter behandelt würden als Hunde. Schon klar, das sind alles nur liebgemeinte Ratschläge (und daher fandet ihr meinen Text, als ich Pütz Text einfach auf PU umgemünzt habe, ja auch so unproblematisch ^^)

    Hätte Frau Ortgies geschrieben: „Ich bin fest davon überzeugt, dass das Modell „Frau arbeitet, Mann bleibt daheim bei den Kindern“ für beide Geschlechter am besten funktioniert und beide am zufriedensten macht. Wenn ihr aber schon Vollzeit arbeiten müsst, dann seid wenigstens konsequent und bekommt keine Kinder. Denn, liebe Männer, das bisherige Modell macht euch, wenn ihr ehrlich seid, schon jetzt nicht glücklich“ das Geschrei von eurer Seite wäre riesig. Schreibt das aber Herr Pütz an die „Lieben Frauen“, dann ist es in Ordnung.

    Was ihr hier veranstalltet, ist ist klassisches mit zweierlei Maß messen.

    1. „Aha. Ihr kritisiert die ziemlich moderate Aussage von Frau Ortgies als “Forderung” (warum genau fehlen da die Worte?), seid aber gleichzeitig nicht in der Lage, den anmaßenden Artikel von Pütz auch genauso zu sehen: Als Forderung an Frauen.“

      Also ich sehe da keine Forderung. Es ist eine Behauptung. Wenn es da etwas zu kritisieren gibt, dann nur, dass sie vermutlich illusorisch ist. Die Entlastung der Männer durch Frauenquote bräuchte ein paar weitere Weichenstellungen. Sie wäre kein Automatismus. Wenigstens müssten die dann gut verdienenden Frauen auch wollen, dass sie die Ernährerinnen der Familie sind. Dafür spricht im Moment nicht viel.

      Kurz und gut, über die Ortgies sich aufzuregen, macht nur Sinn, wenn man die Luftigkeit ihres Argumentes aufs Korn nimmt.

      1. Mit „Ihr“ meine ich in dem Fall z. B. Gerhard und aranxo. Und solche Aussagen der von aranxo „Wie fürsorglich von Frau Ortgies. Da freuen sich die Männer aber schon so richtig drauf. Nichts gegen mehr Zeit für die Familie, aber das würden wir doch gerne noch selber entscheiden und nicht dazu gezwungen werden.“

        Und auf der anderen Seite dann das Verteidigen von Pütz Artikel. Statt einfach mal zuzugeben, dass der Artikel von Pütz voller anmaßender, bevormundender, arroganter, repektloser „Empfehlungen“ an Frauen war, wird er auch noch verteidigt. Offenbar scheint Pütz pseudo-fürsorglicher Ansatz „Süße, ich erklär dir jetzt mal die Welt“ in zumindest einem Teil der MRB ziemlich gut anzukommen.

        Und @ Gerhard: Du hast den Inhalt von M. Pütz Artikel eigentlich durchaus schon ganz gut erfasst, als Du schriebst „In süßem pseudorironischen Ton erzählt uns Margret was gut ist für uns. Die klassische Beziehung. Und wie unklug es doch ist, sein Geld für PU-Seminare auszugeben.“

        Heißt übertragen

        „In süßem (leider nicht ironischem) Ton erzählt uns Max Pütz, was gut für uns Frauen ist. Die klassische Mutterrolle. Und wie unklug es doch ist, für Geld zu arbeiten.“

        Wie Du vor diesem Hintergrund Pütz Artikel immer noch verteidigen kannst, ist mir wirklich völlig schleierhaft. Anscheind erkennst du Anmaßung, Respektlosigkeit und Bevormundung nur dann, wenn sie im feministischen Kontext erscheinen.

      2. @Margret: Diese von der Realität abgekoppelte Diskutieren über Formalitäten (wer hat was gesagt, wie hat er es gesagt, was könnte möglicherweise die Intention sein) ist ermüdend. Wie wäre es stattdessen sich mit dem Inhalt zu beschäftigen? Putz hat Aussagen gemacht wie die meisten Frauen seiner Meinung nach (!) „ticken“ und entsprechende Empfehlungen ausgesprochen. Man könnte doch einfach schauen ob das was er da schreibt sich in der Realität wiederfindet. Also mich würde das sehr interessieren, Margret, wie stehst du dazu? Ist die Mutterschaft etwas was du gerne einmal erleben möchtest? Wie stehst du dazu 50+h die Woche zu arbeiten und wenig Zeit für Familie/persönliches zu haben, gut oder nicht gut? Wie sieht es bei deinen Freundinnen aus? Wie bei deinen männlichen Bekannten? Teilen Männer und Frauen in deinem Umfeld dieselben Präferenzen, oder gibt es Unterschiede?

        Vielleicht (!) stellt sich heraus, dass Pütz mit seinen Aussagen ganz gut die Präferenzen des Schnitts (!) der Männer und Frauen getroffen hat. Vielleicht auch nicht. So eine Diskussion fände ich interessant. Diese Gerede und gegenseitige Worte in den Mund legen langweilt mich jedenfalls zusehends.

      3. @ gottfriedg

        Zumindest die Fragestellung der Glücklichkeit lässt sich mittlerweile auch global beantworten; Frauen waren nach eigenen Angaben nie unglücklicker als jetzt. Was auch immer sie tun, es scheint nicht zu funktionieren. Sicherlich haben auch einige jetzt bemerkt, dass Arbeiten bis ins Alter kein reines Privileg ist, sondern auch seine Schattenseiten hat.

        Da die meisten feministischen Theorien die Frauen dazu erziehen wollen, genau wie ein Mann ein Leben lang zu arbeiten, leiden sie darunter mittlerweile gleich stark wie Männer, was ja auch nur fair ist, ich finde Frauen sollten auch ihren Teil leisten (Rente, Krankenkasse, Sozialabgaben…). Einen echten Mehrwert an Glücklichkeit durch die Befreiung aus der tausendjährigen Unterdrückung scheint sich aber dennoch nicht einstellen zu wollen ;).

        In meinem Umfeld arbeitet eine 45 und eine 33 Jährige Alleinerziehende, die anderen beiden Frauen, die früher bei uns im Team gearbeitet haben sind Hausfrauen geworden. Die haben jetzt auch noch „Zeit ihren Hobbies nachzugehen“ (Ihre eigenen Worte, nicht meine und auch keine Suggestivfragen) und sind definitiv von ihrem Mann finanziell abhängig aber irgendwie auch relativ zufrieden.

    2. @ Margret

      Vermutlich hat Frau Ortgies dies deswegen nicht geschrieben, weil sie nicht daran glaubt? Schon bei ihrem eigentlichen Zitat wirkt sie nicht sehr überzeugt. Da schreibt sie „Nicht zuletzt…“ (also eher als Kollateraleffekt) und „kann entlasten“ (nicht „wird entlasten“).

      Ich denke, sie ahnte schon die Absurdität ihrer Aussage und hat sie dann nochmals abgeschwächt um nicht total peinlich rüberzukommen.

      In den Bereichen, wo eine Quote in der Diskussion ist, haben die Paare Dienstpersonal, welche sie entlasten. „Heißlaufen“ tut da niemand weil er sonst die Stromrechnung nicht bezahlen kann. Sondern weil es systemisch strukturell notwendig ist, 24/7 präsent zu sein wenn man im Spiel bleiben möchte.

      Natürlich wird es Frauen in den Positionen genauso ergehen. Auch eine Quote wird da nichts nützen. Dann sägen halt nur andere Frauen am Stuhl der Spitzen-Managerin, anstatt andere Frauen und Männer. Getrieben ist sie so oder so.

      Und ja, Pütz formuliert schon eine eher männliche Idealvorstellung. Immerhin vertritt er sie mit Überzeugung 😉 Und er trifft natürlich zielsicher die größte Schwachstelle der Frau: 24/7 für die Karriere oder 24/7 für den Nachwuchs? Da müssen die allermeisten Frauen nicht lange überlegen.

      Bestenfalls werden von Frauen gut bezahlte und sozial hoch angesehene Berufsbilder gewünscht, die der Frau bei Gehaltsgarantie die völlige Zeitautonomie lassen, damit frau den Leerlauf in der Kinderbetreuung sinnvoll nutzen kann. Nur gibt es solche Jobs kaum und mit Dauerquengeln entstehen erst recht nicht mehr davon.

    3. Ach Margret, eigentlich ist hier doch alles schon doppelt und dreifach gesagt. Ich zitiere mich mal selbst: „Haben auch alle (wirklich alle, Ihr wißt wen ich meine) bemerkt, daß ich mir Pützens Text und Meinung nicht zu eigen mache? Ja? Danke.“

      Pütz ist nicht unser Posterboy, das ist nicht Pütz‘ Fanblog. Du hingegen hast immer noch nicht erklärt, was an Deinem Text nicht Deiner Meinung entspricht.

      Das meiste Deiner Kritik an Pütz ist Ad Hominem. Wie kann ein polyamorer Mann es wagen, Frauen zu belehren. Was er ist steht nicht im Widerspruch zu seinen Argumenten. Auch nicht dafür. Es gibt ja bekanntlich auch keine männlichen Gynäkologen und kath. Pfarrer enthalten sich wenn es die Ehe geht. Die Verteidugungsministerin hat gedient und der Justizminister war im Gefängnis. Nicht.

      Ich stimme mit Dir überein, wenn Du bemängelst, daß sich Pütz nur an die Frauen wendet. Aber hey, Du bist hier in der maskulistischen Blase, in der die meisten Männer mehr Anteil an der Familie fordern. Insbesondere bei Trennungsvätern werfen wir den Feministinnen ja vor, sich aktiv und passiv gegen die „Änderung der herrschenden Geschlechterordnung“ zu stemmen.

      Aber nichtfeministen sehen auch ganz klar, daß Frauen im Schnitt(!) sich bewußt weniger für Karriere und mehr für Familie entscheiden. Schau Dir eine beliebige Partnerbörse an. Wenn es nicht mehr stimmt, daß Frauen größere, ältere und bessergestellte Partner (im Schnitt!) suchen, melde Dich wieder und sag Bescheid. Und da hat Pütz halt einen Punkt, den er zugegebenermaßen nicht besonders politisch korrekt formuliert hat. Wie auch immer, ich muß Pütz nicht verteidigen, ich darf aber auch sehen, daß er nicht komplett Unrecht hat.

      Lassen wir endlich mal Pütz und kommen zu Frau Ortgies. Du stehst doch so auf Satire und Übertreibung.

      Liebe Männer, ist doch schön wenn wir Euch die Beine brechen. Dann könnt Ihr Euch mal schön zuhause entspannen und bei den Hausaufgaben helfen.

      Oder diskutiere ich umsonst? Du hast geschrieben „Anscheind erkennst du Anmaßung, Respektlosigkeit und Bevormundung nur dann, wenn sie im feministischen Kontext erscheinen.“ Ist das was Frau Ortgies Deiner Meinung nach Anmaßend, Respektlos und Bevormundend? Ja? Prima, schon wieder ein Punkt an dem wir einer Meinung sind. Der Doppelstandard ist trotzdem da. Das ist Lisa Ortgies als Teil einer Kampagne mit vielen mächtigen Medienfrauen, die gerade ihr Ziel im Bundestag erreicht hat. Sie gibt keine Tipps, sie schüttet Häme aus über die Verlierer der Quote. Pütz ist weder in der Person noch in der Aussage äquivalent.

      1. „Das ist Lisa Ortgies als Teil einer Kampagne mit vielen mächtigen Medienfrauen, die gerade ihr Ziel im Bundestag erreicht hat. Sie gibt keine Tipps, sie schüttet Häme aus über die Verlierer der Quote.“

        Wie ich oben schon sagte, ist die Äußerung von Ortgies halt wenigstens unbedacht. Das wird von den Feministinnen übersehen. Aus der Frauenquote folgt ja nicht mit Garantie, dass die davon betroffenen Männer ihre Zeit als Hausmänner nutzen könnten. Sie bleiben zunächst entweder auf ihrem Posten hängen oder werden arbeitslos. Das ist keinesfalls ein Vorteil. Wenn sie den Karriereaufstieg nicht schaffen, sondern subaltern bleiben, haben sie auch nicht mehr Zeit, sondern arbeiten weiter 40 Wochenstunden. Als Arbeitslose haben sie das Problem, kein Geld zu haben und auch nicht die Akzeptanz weiblicherseits, von einer Frau ernährt zu werden.

        Die Aussage von Frau Ortgies würde nur funktionieren, wenn es eine Kombilösung gäbe: Mann tauscht mit Frau und geht in Teilzeit. Das ist nicht vorgesehen. Insofern ist Ortgies‘ Aussage eben ziemlich – naja – unbedacht.

        Aber schaut man sich diese Äußerungen dort an, gilt das mehr oder weniger für viele Statements. Wäre ich der Kampagnenchef, ich würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und an einer schlüssigen Argumentation arbeiten.

  8. Gerade bei Schoppe gelesen:

    „Schließlich haben die wesentlich verantwortlichen Sozialdemokraten in ihrer Partei seit 1988 eine Quote, und sie hatten 2003 bei dem Parteitag in Bochum ohne ernsthafte Diskussion beschlossen, ihre ursprünglich vereinbarte zeitliche Begrenzung aufzuheben. Wenn nun nach mehr als fünfundzwanzig Jahren eine Quote immer noch nötig ist, könnte das ja durchaus als Zeichen dafür verstanden werden, dass sie offenbar kein geeignetes Mittel ist, um Veränderungen anzustoßen.

    Als einen „Türöffner“ hat Ursula von der Leyen die Frauenquote einmal bezeichnet. In der SPD halten Männer nun schon seit fast dreißig Jahren Frauen die Türen auf, ohne dass eine Änderung dieses Zustandes absehbar wäre. Dass ist sicherlich nett und gentleman-like – aber es bleibt trotzdem überraschend, dass es als Modernisierung der Geschlechterrollen verkauft wird.“

    http://man-tau.blogspot.de/2014/12/die-herrschaft-der-unschuld.html

    Wenn ich mich recht erinnere, hat man in der SPD 1988 ein zeitliches Ablaufdatum bei der Frauenquote vorgesehen, da man zu diesen Zeitpunkt der Meinung war, das eine solche Quote ein Dsikriminierung von Männern darstellt. 2003 hat dann die Frauenabteilung der SPD dieses Ablaufdatum aufgehoben, ganz uneigennützig natürlich. ^^

  9. Aktueller Nachtrag zum Thema Journalistinnen und Eintreten für die Quote:

    Auf SPON schreibt Annett Meiritz heute einen Kommentar: „Warum ich keine Feministin sein will“, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/feminismus-warum-aggressivitaet-nicht-funktioniert-a-1008804.html

    In den ersten Abschnitten schreibt sie u.a. „:..die Frauenquote halte ich für notwendig … Ich halte Sexismus für ein großes Problem und bin der Meinung, dass Deutschland von echter Gleichberechtigung weit entfernt ist.“

    Aber sie will „nicht das Etikett „Feministin“ tragen“, u.a. weil der moderne Feminismus „… mit dem Vorschlaghammer bekehren will“. – Die Quote ist also nach Meiritz kein Vorschlaghammer?!?

    Ich bin inzwischen in einer Phase, wo ich über einen derartigen Realitätsverlust nur noch lachen oder den Kopf schütteln kann. Wenn man einen Menschen umgebracht hat, ist man ein Mörder, auch wenn man dieses Etikett nicht tragen will. Wenn man für die Frauenquote, also die Aufhebung von Grundrechten von Männern ist, und überall Sexismus (gegen Männer?) sieht, dann ist man eine mittelradikale Feministin, auch wenn dieses Etikett gerade unchic ist.

    Meiritz findet den Feminismus unchic, weil der Ton der einiger feministischer Akteure zu ruppig ist und der generelle Eindruck der Diskussionsverweigerung entsteht. Da ist etwas dran, aber dank ihres Realitätsverlusts übersieht sie, daß auch die inhaltlichen Positionen des Feminismus völlig inakzeptabel sind, auch wenn sie in höflichem Ton vorgetragen werden (was durchaus passiert). Und weiter:

    „Indem man [Argumente von Feminismuskritikern] ignoriert oder mit Verachtung überzieht, verschwinden sie nicht. Ganz im Gegenteil.“

    Richtig. Jetzt müßte sie diese Erkenntnis nur noch auf sich selber anwenden und ihre einbetonierte feministische Weltsicht infragestellen.

    1. Da fehlt halt der Realitycheck. Der Extremfeminismus ist schon so dermaßen dämlich, daß der einfache Männerhaß schon als Mainstream durchgeht.

    2. “:..die Frauenquote halte ich für notwendig … Ich halte Sexismus für ein großes Problem und bin der Meinung, dass Deutschland von echter Gleichberechtigung weit entfernt ist.”
      Die Frauenquote fällt angesichts der zahlreichen anderen Vorschlaghämmer kaum noch als separater Vorschlaghammer auf.

      Mit dem Rest hat sie unzweifelhaft recht:
      „Ich halte Sexismus für ein großes Problem und bin der Meinung, dass Deutschland von echter Gleichberechtigung weit entfernt ist.”

      Möglicherweise hat sie das aber anders herum gemeint, als ich es verstehe.

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