Kälte ist sexistisch

Letztens war es kalt. Sehr kalt. Und die Überschrift über diesem Zeit-Artikel lautet „Frieren Frauen etwa stärker als Männer?“ Da könnte man einen x-beliebigen Mann fragen wie das denn so letzte Woche war, als die Holde ins Ehebett gekommen ist und einfach mal mit „Ja“ antworten.

Man könnte auch einen Biologen fragen, der aufgrund seines Wissens um unterschiedliche Hautbeschaffenheit, erhöhten Fett- und niedrigeren Muskelanteil mit „Ja“ antworten würde.

Oder einen Physiker, der mit dem ungünstigeren Verhältnis von Oberfläche zu Volumen bei kleineren Körpern mit „Ja“ antworten würde.

Man könnte die Entscheidung, ob das Spiel stattfindet, auch einfach mal den Verantwortlichen überlassen. Das sind nämlich verschiedene, je nachdem, ob es sich um Männer- oder Frauenfußball handelt.

Man könnte auch zur Kenntnis nehmen, dass es sich bei dem Verantwortlichen für Frauenfußball um eine Frau handelt. Sollten alle Entscheidungen von Frauen über Frauenkörper nicht respektiert werden oder so ähnlich?

Man kann da aber natürlich ganz ironiefrei ein Genderdings draus machen.

Männer und Junioren haben mit der Kälte und dem Zustand des Platzes erst mal keine Probleme? Frauen dagegen frieren so sehr, dass sie erst gar nicht spielen sollen?

Diese Konstellation sorgte am Wochenende für Häme und heftige Diskussionen.

Ich bitte ganz herzlich darum, nur noch gemischte Teams aufzustellen. Wegen 4000 Jahren Patriarchatsfußball könnten sich zwecks Gerechtigkeit auch gerne mal alle Männervereine auflösen und zu den Frauen gehen. Dann gibt es auch kein Geheule mehr. Naja, die Quotendiskussion wird jedenfalls lustig. Und die Gleichstellungsbeauftragte darf dann das Abseits dekonstruieren.

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Über Männer reden im Kampfblatt des Gynozentrismus

In der Zeit, in der täglich mehrere Frauenversteh- und Brachialfeminismusartikel erscheinen, reden Frauen über Männer.  Das kann ja nur in die Hose gehen – aber amüsant ist es allemal. Mein Favorit ist die 24-jährige, die trotz des Ausfalls im Schlusssatz durchaus vernünftige, selbstbewusste Gedanken beiträgt. Ganz anders die 29-jährige mit dem Reflexionsvermögen einer 9-Jährigen:

Wenn man Angst hat und ein Mann einen beschützt. Auch als starke Frau möchte man mal in den Arm genommen werden.

Single, 29: Ich höre auch oft, dass Frauen meist dafür zuständig sind, Urlaube zu organisieren. Wenn man in den Urlaub fahren will, muss man das als Frau anstoßen, die Flüge buchen …

Mutter, 42: Das macht mein Mann.

Single, 29: Mein Vater hat das auch immer gemacht, aber bei den Männern von heute muss ich das machen.

 

Diese Männer. In nur 13 Jahren das Buchen verlernt.

Sicherheit ist für mich auch ein großes Thema. Mir ist wichtig, dass ein Mann mit Geld umgehen kann. Auf der anderen Seite regt es mich total auf, dass mein Vater in meiner Familie der Geldverdiener ist und meine Mutter, die aufgrund ihrer Depressionen nicht arbeiten kann, total von ihm abhängig ist. Mein Vater sieht in ihr vor allem eine Hausfrau. Ich habe ihn mal darauf angesprochen: „Wie kannst du ihr sagen, dass sie den Tisch abzuräumen hat!“ So ein Verhältnis möchte ich niemals zu einem Mann haben.

Das Geld ranschaffen ist ok, aber bei der Hausarbeit herrscht Feminismus!

ZEITmagazin: Sie wollen also einen ganz anderen Typ von Mann? Einen, der mit Geld umgehen kann, in Ihnen aber auch eine gleichberechtigte Partnerin sieht?

Single, 29: Ja. Komischerweise date ich trotzdem ständig Männer, die kein Geld haben. Und dann nervt es mich, dass sie mich nicht zum Essen einladen können.

Gleichberechtigung! Außer beim Bezahlen!

Single, 29: Man braucht einen Mann, um Dinge zu teilen. Mit seinen Freundinnen kann man das irgendwann nicht mehr, die haben dann ja ihre eigenen Familien. In meinem Freundeskreis bekommen gerade alle Kinder.

Welche Dinge sollen geteilt werden? Wenn man ihre anderen Aussagen liest, dann meint sie am ehesten sein Gehalt. Ansonsten klingt ihre Begründung fürs Mann-brauchen doch sehr, sehr dürftig. Was im übrigen das Grundproblem des Artikels ist, aber dazu später mehr.

Aber in letzter Zeit begegne ich dort immer wieder diesen Männern, die Mitte 30 sind und nicht wissen, was sie wollen.

Filterblasengestählte wissen dies zu deuten. Gerade noch sprach sie, dass sie herumtindert, sich also quasi ausgetobt hat, aber jetzt mit 29 das Ende ihrer Fruchtbarkeit und ihres erhöhten Marktwerts sieht. Aber die fiesen Männer, sie wollen einfach nicht was sie jetzt will. Schweine!

Single, 24: Ich habe mal einen kennengelernt, der kam aus Südafrika und hat mich für ein paar Tage nach Tunesien entführt. Wir hatten über drei Monate eine tolle Affäre. Ich will mein Leben wie im Film leben. Ich will, dass es mit Männern aufregend ist.

Im Artikel gibt es einige Hinweise, dass Zitate den falschen untergeschoben wurde. Auch diese Aussage würde ich der 29-jährigen zuordnen, zumal sie direkt darunter das Tunesien-Setting aufgreift.

Ich finde es toll, wenn ich beim Sex spüre, dass der Mann Macht über mich hat. Überall sonst bin ich total selbstbestimmt. Beim Sex kommt so ein Urinstinkt raus, dass der Mann stärker als man selbst ist. Das Gefühl, dass ich total begehrt werde, turnt mich an.

Ah, nicht nur bei  der Rechnung hört die Gleichberechtigung auf. Immerhin, Pluspunkt für die 29-jährige für Ehrlichkeit.

Ich stehe auf Männer, die wie Verbrecher aussehen. Und auf exotische Männer, Typ arabischer Prinz.

Ich habe meine Telefonnummer auf die Visitenkarte des Restaurants geschrieben, dann aber solche Angst bekommen, dass ich rausgerannt bin. Männer sprechen einen aber auch nie an.

Wie war das? Überall sonst ist sie total selbstbestimmt? Aha.

Erst jetzt, mit 29, wo ich mich in meinem Körper wohlfühle, weiß ich, was ich gut finde.

 

Ich habe erst in den letzten Jahren herausgefunden, wie stark mein Bedürfnis ist – über die Website „OMG yes!“.

Ich fand es interessant, mich damit auseinanderzusetzen, und habe so zum ersten Mal in meinem Leben meine Lust entdeckt.

Frauen haben einen genauso großen Sextrieb wie Männer.

Finde den Fehler.

Wenn man sich das genauer anschaut, so kommt einen der Verdacht, dass die letzten beiden Aussagen des Artikels der 24- und 29-jährigen vertauscht wurden. Auch mit dem Alter der 69-jährigen im Zusammenhang mit der Mauer scheint was nicht zu stimmen. Aber genug von den Zitaten.

Worauf ich hinaus will, ist, dass das natürlich kein komplettes Gespräch ist, sondern eine durchaus handwerklich stümperhafte Zusammenstellung der getätigten Aussagen. Falls das Gespräch überhaupt stattgefunden hat. Insofern möchte ich mich bei der 29-Jährigen vorsorglich entschuldigen.

Wie ihre Aussagen so ist ja der ganze Text eine von den Verfasserinnen zusammengestellte Auswahl. Durchgewunken von der ZEIT-Redaktion als relevanter Beitrag. Was fehlt denn hier? Es fehlt jedwede Begründung, warum sich potentielle Partner überhaupt mit diesen Frauen abgeben sollten. Wo werden Männer als Menschen gesehen, die etwas zu bieten haben, abgesehen von Geld? Was ist der Beitrag dieser Frauen außer ihren Titten?

Oder wie es der Top-Kommentar darunter von „Napokue“ ausdrückt:

Männlichkeit als Wunschkonzert von Frauen (Wünsche, die in sich widersprüchlich sind – was sonst); Anneinanderreihungen von Stereotypen über Männer; Nicht den Schimmer einer Ahnung wie Männer ticken; Viel Nabelschau, wenig Selbstreflexion. Kurz: im Westen nichts Neues.

Eine Frage wird selbstredend ausgespart: „Was will eigentlich der Mann?“. Die Frage ist halt nicht relevant.

Diese Frage hier ist umso relevanter: „Wozu braucht man eigentlich einen Mann?“

Ich denke, dass es einmal für Männer an der Zeit ist, sehr ernsthaft und kritisch zu hinterfragen, wozu sie eigentlich eine Frau brauchen: Lesen Sie sich den Text nocheinmal aufmerksam durch. Was bringen diese Frauen in eine Beziehung ein, außer einer endlosen Litanei von Wünschen und Forderungen? Frauen suchen einen Versorger, Beschützer und Wunscherfüller. Was haben sie im Gegenzug anzubieten? Wiegt der Nutzen die Kosten auf? Wiegt der Nutzen das Risiko auf (Stichwort: Sexualstrafrechtsreform, #MeToo, Scheidungsrecht, etc.)? Ist das zeitweillige Wohlwollen einer Frau es wert, dass man sich dafür zum Lakaien degradiert?

Apropos, Versorger, Beschützer und Wunscherfüller:

„Solange ich in der U-Bahn noch von Männern belästigt werde und kein anderer Mann aufsteht, um mir zu helfen, hat die #MeToo-Debatte nichts gebracht.“

Geht’s noch, Frau Studentin? Ich bin nicht Ihr Bodyguard! Sie haben kein Anrecht auf meinen Schutz oder Beistand. Mit Verlaub, werden Sie erwachsen und lernen Sie allein klarzukommen.

Es kann nicht mehr lange dauern, bis die ZEIT die Kommentare abschaltet.

 

Feministische Empathie — American Beauty

Wer American Beauty nicht gesehen hat, holt dies schleunigst nach und kommt erst dann wieder hierhin zurück. Wer sich nicht mehr so ganz erinnern kann, dem sei der Wikipedia-Artikel ans Herz gelegt.

Lester befindet sich in einer Midlife Crisis und ist mit seinem Leben unzufrieden; der – laut eigenem Bekunden – „Höhepunkt“ seines Tages findet beim morgendlichen Masturbieren in der Duschkabine statt. Das Leben mit seiner spießigen, karrieresüchtigen Frau Carolyn und seiner zickigen Tochter Jane empfindet er als trostlos. Jane befindet sich in der Pubertät und lehnt ihn als Vorbild ab. Auch seine triste Arbeit in einem Zeitschriftenverlag macht ihn nicht glücklich, und er erfährt von seiner Familie weder Dankbarkeit noch Respekt für seine Arbeit oder für sich selbst als Mensch, sondern „das furchtbare Gefühl, bedeutungslos zu sein“.

Neben Lester gibt es noch den Nachbarn, einen Kriegsveteran, der seine Homosexualität unterdrückt, sowie dessen Sohn. Lester stirbt und die anderen Männer sind auch nicht besonders glücklich. Viel Platz für Mitgefühl mit diesen Männern. Die Schlüsselszene hierbei ist die Freundin der Tochter, in Rosen gebettet. Sein unerreichbarer Traum von Glück, Zufriedenheit und Sexualität.

Lester entdeckt schließlich Angela und tauscht mit ihr Zärtlichkeiten aus. Als sie ihm mitteilt, dass sie noch Jungfrau ist, lässt er von ihr ab und unterhält sich mit ihr.

Ok, und was machen Feministen daraus? Den Anspruch, dass auch Wale in violetten Blüten bitteschön begehrt werden sollten. Oder wie es der Zett-Schreiberling American Beauty zusammenfasst:

Darin versucht der desillusionierte, antriebslose Vorstadt-Loser Lester Burnham seinem Leben mehr Sinn zu geben, indem er ihm eine Portion Aufregung verpasst. Ein Teil dieser Aufregung tritt in Form von Angela, der Freundin seiner Tochter, in sein Leben, die er sogleich zum Opfer seiner sexuellen Fantasien macht.

Hier der ganze Artikel: MIT FLIEDERBLÜTEN ZU MEHR BODY POSITIVITY. Gibt es auch Feministinnen mit Empathie für Männer?

 

 

Politisch korrekter Karneval

Ja, am politisch korrekten Karneval arbeitet sie sich ab. Man könnte an dieser Stelle mal überlegen, was Karneval seit, ja, seit immer schon ist. Was Karneval tatsächlich in seiner Essenz ist. Und dann könnte man sich laut lachend von dieser Diskussion abwenden.

Aber es geht Anke Schipp in der FAZ ja um die Kinder. Das zieht immer. Anständigerweise und eben auch aus Gründen der Statistik sollte man Frau Schipp durchschnittliche Intelligenz zubilligen. Aber man muss nur bis hierhin lesen, um diese Vorschusslorbeeren zurückzuziehen:

Wie bei dem dreijährigen Caiden aus Virginia, der sich vor gut zwei Jahren zu Halloween als Eiskönigin verkleidete. Sein Vater postete davon ein Foto auf Facebook und schrieb: „Bleibt ihr bei eurem maskulinen Mist und den ordinären Kinderkostümen. An Halloween geht es aber um Kinder, die sich als ihre Lieblingsfiguren verkleiden. Und diese Woche ist seine eine Prinzessin.“

Ein Hoch auf alle kleinen Jungs, die Prinzessin sein wollen. Aber maskuliner Mist? Ist das die Vorstellung von Gleichberechtigung, von Respekt vor allen Lebensentwürfen oder auch Karnevalskostümen? Sicher, nicht Frau Schipp hat das geschrieben, sie hat es nur zitiert. Aber kann man nicht von einer durchschnittlich intelligenten Frau, die sich anscheinend viele Gedanken zur Geschlechtergerechtigkeit gemacht hat, zumindest erwarten, dass sie sich von einer solchen Formulierung distanziert? Das tut sie nicht und als Leser kann man mit Fug und Recht annehmen, dass „maskuliner Mist“ eine akzeptable Formulierung für die Autorin ist.

Weiter muss man diesen belanglosen Mist eigentlich gar nicht lesen, auch wenn die Autorin tatsächlich zu mehr Toleranz aufruft, wenngleich diese an Karnval ausgelebten Genderklischees grundsätzlich bedenklich seien. Wir sind ja immerhin noch bei der FAZ und nicht bei ZEIT, Spiegel oder der Süddeutschen.

Natürlich schauen sich Kinder das meiste von anderen Kindern ab und nicht von ihrer Mutter. Meine Töchter haben mich niemals im Prinzessinnenkleid gesehen, allenfalls im kleinen Schwarzen. Aber sie sehen die größeren Mädchen im Kindergarten Prinzessinnenkleider tragen, sie lesen Märchen, in denen Prinzessinnen vorkommen, sie sehen Filme wie „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ und „Die Eiskönigin“. Natürlich sehen sie auch andere Filme, aber zu Fasching gehen sie trotzdem nicht als „Pettersson und Findus“ oder „Paddington“.

Interessant ist, was sie auslässt, was sie unterschlägt. Was sehen die kleinen Mädchen denn tatsächlich? Sie sehen ihre großen Schwestern, die ab Geschlechtsreife zu den Schlampenkostümen tendieren. Katzenohren, Stupsnasen, Miniröcke und nackte Beine bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ich finde das moralisch gar nicht verwerflich, junge Mädchen sind unsicher, wollen gefallen und finden oft nicht das richtige Maß bei der Wahl ihrer Klamotten. Ein Problem eher für die Eltern und die jungen alkoholisierten Männer, die es nicht immer leicht haben, unter der Schminke zu sehen, ob sie ein 13-jähriges Mädchen vor sich haben. Die jungen Frauen wiederum sehen ihre Mütter und deren Generation, die natürlich auch sehr gerne in optisch ansprechenden Kostümen aufwarten und die genau wie die Männer durchaus auch auf Sex und nicht nur Feiern aus sind. Aber nein, Frau Schipp, es ist natürlich völlig unverständlich warum Ihre Tochter das Prinzessinnenkleid wählt, obwohl Sie noch nie eines getragen haben.

Und die Jungs mit ihrem „maskulinen Mist“? Nun ja, SWAT-Verkleidungen sind einfach, recht einfallslos, aber gruppengeeignet. Cowboys für große Kinder. Aber wer Karneval nicht allein nach Hause gehen will, wählt besser nicht das Gollum-Kostüm oder die süße Tigerente. Arzt ist besser geeignet und die ganzen Piloten haben eine Mütze auf. Das sieht autoritär, dominant, statushoch aus und es macht insbesondere noch ein bisschen größer. Worauf die Kätzchen und Minnimäuse stehen.

Oder wie Frau Schipp zu kurz springt:

Jungs werden als Ritter plötzlich mutig.

 

Danke Frau Schipp für soviel Toleranz. Und vielleicht haben Sie über die Fastenzeit mehr Muße über diesen Themenkomplex nachzudenken. Dem Rest viel Spaß an Karneval.

Gridgirls — Mehr Eier bitte!

Zwar bin ich in letzter Zeit deutlich stiller geworden, aber ich lese weiterhin viel mit. Danke an alle für ihre Beiträge, insbesondere natürlich an Christian und Arne.

 

Es ist viel geschrieben worden über die Gridgirls und die Bilder- und Gedichtestürmerei. Zwar wird auch allenthalben Kritik immer lauter, aber in unseren Qualitätsmedien herrscht immer noch die Einheitsmeinung, dass Frauen irgendwie objektifiziert werden und dass alles ganz böse ist. Die Diskussion spart die Fragestellung, ob und wie Männer objektifiziert werden natürlich komplett aus. Das ist übrigens bei der Debatte um Prostitution ganz dasselbe.

In meiner Lebenswirklichkeit spiegelt sich das jedoch nicht wider. Männer sehen hübsche, leichtbekleidete Frauen gern. Und Frauen ebenfalls. Frauen haben kein Problem mit Gridgirls. Was sie eher nicht sehen wollen sind Slutwalks, denn da kommt der Fremdschämmoment. In meinem Umfeld steigt die Wut der Frauen, dass eine weibliche Minderheit dafür sorgt, dass Frauen als unselbstständig, prüde und behindert wahrgenommen werden (Metoo, Quoten, mehr Zeit in Prüfungen etc.).

Ich sehe eine Parallele zum kirchlichen Tanzverbot, wo einige wenige, aber umso mächtigere Kirchenleute anderen das Tanzen verbieten. Keiner zwingt Katholiken, am Freitag in Bars und Clubs zu gehen, es kann sie gar nicht stören, aber sie verbieten es nichtsdestotrotz anderen, weil sie den Gedanken nicht ertragen.

Widerstand war noch nie so einfach. Schaut Euch schöne Bilder von Frauen an. Von Männern. Liked sie auf Facebook. Sprecht es einfach aus. Macht den Scheiß nicht mit.

Wir brauchen mehr Männer und Frauen mit Eiern.

 

Ehe für alle: In den Ar** gef***t

Jonas hat es erst gestern behandelt, aber gerade überstürzt es sich. Nachdem die FPD eine entsprechende Ansage gemacht hat, Frau Merkel Kompromissbereitschaft angedeutet hat, war jetzt die SPD die schnellste. Erinnert mich an den Streber aus der ersten Bank, der immer „hier“ gerufen hat, wenn sein nerviges Fingerschnippsen bei der Lehrerin nicht gefruchtet hat. Die sogenannte Ehe für alle kommt wahrscheinlich noch diese Woche. Ach was sage ich, in einer Stunde ist die beschlossen. Wurde ja auch dringend Zeit.

Auch wenn natürlich die Ehe zu dritt, die Ehe mit Kindern oder Staubsaugern gar nicht gemeint ist. Auch Singles werden jetzt nicht zur Heirat gezwungen, aber Ehe für alle klingt so viel schöner als Homo-Ehe. Was das richtige Wort wäre und ich den Verwendern des Begriffs Ehe für alle erstmal Homophobie unterstelle.

Letztens wurde die Rehabilitation für Schwule beschlossen. Nur ein paar Jahrzehnte zu spät. Und die Entschädigung für die Opfer ist so mickrig, daß es eigentlich eine zusätzliche Beleidigung, einen nachträglichen Tritt in den Hintern der Opfer darstellt. Pfui! Wenn ich angesichts dieses beschämenden Ereignisses daran denke, wie schnell es auf einmal mit der Homoehe geht, so werde ich mächtig sauer.

Was ich selbst von der Homoehe halte? Alles prima. Eine gute Entscheidung. Mit einem klitzekleinen Aber. Denn wenn ich dafür kämpfe, daß auch (Trennungs-)Väter wichtig für ihre Kinder sind, so kann ich mich nicht der Einsicht verschließen, dass in Fällen der Adoption auch darauf geachtet werden sollte, daß Vater und Mutter wichtig für Kinder sind. Natürlich geht es auch ohne. Auch mit nur einem Elternteil (oder hier: einem Geschlecht) können Kinder glücklich heranwachsen und tun dies in aller Regel auch. Trotzdem, besser ist es meistens mit beiden. Diesen Aspekt hätte ich gerne irgendwie auch berücksichtigt gesehen. Nicht als sine qua non, aber eben auch berücksichtigt. Nachdenken über das Kindeswohl fällt jedoch aus, wenn es um die neue, bessere, gute Gesellschaft geht, die der Feminismus formen will.

Und mal ehrlich. Was ändert sich? Verkürzt gesagt, wird die Homoehe dazu führen, daß Lesben den Erzeuger aus dem Stammbuch tilgen können. Naja, jedenfalls den bessergestellten und den wirklich alleinstehenden Müttern. Der Rest kann sich nicht leisten auf den Unterhalt zu verzichten. Denn Mutter werden ist für Lesben kein Problem und wird auch regelmäßig praktiziert. Auch ohne Homoehe.

Und Schwule? Nun ja, in ganz besonderen Ausnahmefällen kann ich mir vorstellen, daß einer Adoption stattgegeben wird. In Fällen, aus denen Frauenzeitschriften tragische Geschichten auf Seite 23 machen. Aber sonst? Glaubt doch keiner.

Zusammengefaßt: Die Homoehe sorgt dafür, daß Stiefmütter zu Müttern werden können. Sonst ändert sich wenig. Dass Ehe, Familie und Kinder irgendwie zusammengehören ist in der ganzen Diskussion total egal gewesen. Dass wir ein Familiensplitting (für alle Familien!) benötigen, wäre mal ein wichtiges Thema gewesen. Die Rehabilitation für Schwule war ein Schlag ins Gesicht für alle Schwulen und deren Angehörigen. Und wenn ich mir die Berliner Hipsterschwulen jetzt so vorstelle, wie die die Homoehe feiern, so kann ich nur daran denken, wie sehr die Politik Schwule mal wieder in den Arsch gefickt hat. Gratulation, Ihr habt Euch wie ein Bär am Nasenring durch die Manege ziehen lassen.

Trotz allem: Liebe Lesben, liebe Schwule. Vom ganzen Herzen wünsche ich allen alles Gute, die jetzt heiraten wollen. Viel Erfolg, viel Liebe und macht es besser als die Heten. 🙂

Rastavati und die alltägliche Verneinung von männlichen Leistungen, Bedürfnissen und fehlender Empathie mit dem falschen Geschlecht

Christian hat gerade wieder einen interessanten Artikel aus SpOn gefischt. Dort wischt eine Autorin mal eben mit Ansage alle Statistiken und Zahlen zum Thema Jungenbenachteiligung in der Schule vom Tisch und ersetzt sie durch ihre eigene anekdotische Betrachtung ihrer eigenen Töchter, die dann natürlich viel größere Probleme haben. Die Kommentatoren rücken ruckzuck die Sache ins rechte Licht, aber es wundert mich immer wieder, wieviele einseitige Artikel in unseren „Qualitätsmedien“ problemlos veröffentlicht werden können.

Während ich nun über einen anderen Artikel in SpOn schreibe, haben die Kommentatoren auf SpOn ausnahmsweise anscheinend versagt. Und doch ist der Artikel mal wieder ein Paradebeispiel wie sehr Männer- und hier Väterfeindliche Betrachtungen problemlos abgesondert werden können. 1964 bringt eine weiße Deutsche nach einem One Night Stand mit einem Schwarzen eine Tochter zur Welt. Erst 2012 findet diese mit Hilfe ihrer eigenen Tochter ihren Vater. Ein schöner Artikel über ein spätes Kennenlernen, gespickt mit Anekdoten und natürlich einigen rassistischen Erfahrungen. Die Männerfeindlichkeit erschließt sich mit aller Geballtheit wenn man sich den Artikel mal genauer anschaut. Was ich hiermit tun möchte. Triggerwarnung: Es wird traurig. Spuren von Wut könnten beim Leser hinterlassen werden. Lest ihn Euch am besten erstmal selbst durch.

Helga ist seit einem ONS mit einem Schwarzen alleinerziehende Mutter in den 60ern. Sie weiß vom Vater nicht mal den Namen, er nichts von seinem Glück.

Mit ihrem Temperament eckte Juttas Mutter Helga Nielsen damals überall an, auch bei der Witwe, in deren Villa sie zur Untermiete wohnte. Um nicht samt Tochter auf der Straße zu landen, beschloss die 21-Jährige, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken.

Was beschließt Helga? Eine Ausbildung, eine eigene Wohnung, einen Beruf? Den unfreiwilligen Vater zu informieren, daß er die Chance bekommt seine Tochter kennenzulernen oder wenigstens seiner Verantwortung (sprich: monatliche Unterhaltszahlung) nachzugehen?

Ein Ehemann musste her. Für eine Alleinerziehende mit dunkelhäutigem Kind keine leichte Aufgabe. Doch sie wurde fündig: Hans, weißblondes gescheiteltes Haar, türmte als Inhaber von Lebensmittel Lüdemann jeden Morgen akkurat seine Südfrüchte zu Pyramiden auf.

Noch jemand, der die tapfere Alleinerziehende ob ihrer schweren Aufgabe bedauert? Ihren pragmatischen Ansatz und ihre geschickte Lösung bewundert? Sicherlich nicht die Vielzahl von Alleinerziehenden, die einen schweren aber eigenverantwortlichen Weg gefunden haben, sich ihren eigenen Lebensentscheidungen zu stellen.

Mit Jutta zog Helga Nielsen in seine Wohnung und wurde, was sie niemals sein wollte: eine Hausfrau. Abends sahen sie gemeinsam die „ZDF Hitparade“, spazierten am Wochenende in Sonntagskleidern durchs Städtchen.

Die arme, vom Patriarchat unterdrückte Frau. Hitparade! Welch perversen Gelüste ihres Mannes sie doch befriedigen mußte. Und das alles für das bisschen Vollversorgung. Prostitution scheint nicht nur im Gegensatz hierzu ein ehrenwertes Geschäft zu sein. Mit handfesten Vorteilen für beide Vertragspartner. Und keine Prostituierte ist gezwungen, sich die Hitparade anzuschauen. Sie hätte sogar sorgen- und kondomfrei Party feiern und rumvögeln können! Man bemerke, von solch lapidaren Dingen wie Liebe ist bisher und auch im folgenden keine Rede. Man kann jedoch aus der Geschichte schließen, dass sie zumindest beim Stiefvater groß war. Neben den typisch toxischen männlichen Eigenschaften wie Verantwortungsübernahme und Opferbereitschaft.

Selbstverständlich sei sie die Mutter, versicherte Helga Nielsen der Tochter, gestand aber auch, wer ihr leiblicher Vater sei: ein Mann aus „Tschömeika“, der „Oin“ heiße und begnadeter Saxofonspieler sei. Sie habe ihn nur einmal in einer Bar mit seiner Rock’n’Roll-Band spielen hören und sei dann noch mit ihm um die Häuser gezogen. Mehr wisse sie auch nicht. Nicht mal seinen Nachnamen.

..und ignoriert das Recht ihres Kindes auf Identität und Wissen um ihren Vater und ihre Abstammung konsequent. Und natürlich die Rechte des leiblichen Vaters. Was kümmert mich mein Fick von vor 10 Jahren?

Der hasste nichts mehr, als von irgendwelchen Leuten auf die Hautfarbe seiner Tochter angesprochen zu werden. Dann brummte er nur, seine Frau habe in der Schwangerschaft eben „zu viel Lakritz gegessen“.
Es waren die frühen Siebzigerjahre. Was „sich gehörte“ und was nicht, war streng geregelt. Ledige Frauen waren „sitzen geblieben“, Verheiratete hatten ihre Männer zu bewirten, Väter stellten die Regeln auf und Kinder keine Fragen.

Er hasste es. Er war wahrscheinlich froh, wenn er auf der Straße auf Bekannte traf, die wußten, daß seine Frau ihm keine Hörner aufgesetzt hat. Aber dieser Aspekt der Siebziger fällt natürlich unter den Tisch. Verheiratete hatten ihre Männer zu bewirten. Insbesondere dann, wenn der Mann das Geld ranschafft wäre das das mindeste. Hätte Helga gleichberechtigt zum Familieneinkommen beigetragen, wäre das im Artikel erwähnt. Goldenes Patriarchat, in der die Väter die Regeln aufstellen. Dumm nur, daß schon in den Siebzigern, im Himmelreich des Patriarchats diese Regeln doch eher den Frauen zugute kommen.

Zu dieser Zeit verdrängten neuartige Supermärkte die kleinen Lebensmittelgeschäfte. Auch der Stiefvater musste seinen Laden schließen und wurde Vertreter für Nylonstrumpfhosen. Seinen Frust ertränkte er im Alkohol und brüllte zu Hause immer öfter herum.

Man bemerkt, weiterhin keine Rede von der Berufstätigkeit des Opfers der Mutter. Seinen für Qualitätsmedienjournalistinnen anscheinend nicht nachvollziehbaren Frust verarbeitete er nicht indem er Frau und Stieftochter sitzen läßt und sich in Indien ein bequemes Leben macht. Indem er einfach nur für sich selbst sorgt. Nein, er macht weiter trotz Frust und wird alkoholkrank.

Mit der Pubertät wuchs die Sehnsucht nach ihrem leiblichen Vater. Gern stellte Jutta ihn sich auf der fernen Karibikinsel vor, pfeifend in einer Hängematte zwischen Palmen – und hoffentlich kein dauerbekiffter Rastafari. Ein paar Mal noch fragte sie ihre Mutter, aber die blockte ab. Irgendwann hörte Jutta auf zu fragen, auch weil sie Angst hatte, ihren zunehmend cholerischen Stiefvater zu kränken.

Ein weiterhin völlig verantwortungslose Haltung auf Seiten der Mutter, die natürlich nicht kritisch hinterfragt wird. Die Erwähnung des im Text ansonsten sehr farblos bleibenden Stiefvaters beschränkt sich auf negative Eigenschaften. Aber was soll er auch sagen? Immerhin war er nicht dabei als sie gezeugt wurde.

Zum Abschied machte ihr der Stiefvater eine kuriose Offenbarung. Er gestand, auch wenn das womöglich etwas hart für sie sei: „Ich bin nicht dein richtiger Vater!“

Der saufende Choleriker, der Hitparadenperverse Stiefvater hat all die Jahre zu seiner Tochter gestanden. So sehr, daß er es fast selbst geglaubt hatte. so sehr, daß er sich anscheinend nie als etwas anderes als ihr richtiger Vater gefühlt hat und ihr nun etwas beichten muß.

Mit bald 50 Jahren dachte sie nur noch selten an ihren Vater: so aussichtslos, ihn jemals zu finden. Ihre Kinder jedoch interessierten sich brennend für den unbekannten Opa, begeisterten sich für Rastafari-Kultur und Reggae, spielten Saxofon oder flochten sich die Haare zu Rastazöpfen.

Ob sie noch an ihren Stiefvater dachte? Ob sich die Kinder auch für ihren echten, ihren Stiefopa interessierten? Wir werden es nicht erfahren, denn dieser Teil der Geschichte um arme Mütter und diskriminierte Farbige ist für die Autorin komplett irrelevant. Schade.

Jutta Weber aber beschlich das gute Gefühl: Ihre Eltern hatten in jener Nacht im Jahr 1963 letztlich alles richtig gemacht.

Nun ja. Sie haben es miteinander getrieben. Ob der leibliche Vater gerne die Chance gehabt hätte, etwas richtig zu machen? Wieviel die Mutter in der Folgezeit richtig gemacht hat?

Es hätte eine schöne Geschichte werden können. Ein Kennenlernen zwischen Vater und Tochter nach 50 Jahren. Eine schwierige Kindheit als Farbige in den spießigen Siebzigern. Aber auch eine romantische Liebe zwischen Mutter und Stiefvater, trotz vielleicht ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, trotz widriger Umstände, unfreundlichen Zeitgenossen und wirtschaftlichen und gesundheitlichen Problemen. Liebe die auch zwischen der Tochter und ihrem sozialen Vater gedeihen kann. Eine klassische Ende-Gut-alles-gut-Geschichte wie aus einem Frauenroman.

oder wie es ein Kommentator im SpOn-Forum formuliert:

6. Viel zu wenig
wird auf die überragende und selbstlose Lebensleistung des deutschen Stiefvaters eingegangen, der sich der endlosen Lebensaufgabe ein fremdes Kind aufzuziehen in typisch männlicher Selbstaufgabe hingegeben hat. Und das obwohl sie offensichtlich nicht seines sein konnte. Das ist das eigentlich rührende an der Geschichte. Viel zu wenig auf den kaltherzigen Egoismus und die Dummheit der Mutter. Wieso werden solche Geschichten immer so falsch erzählt?