Deswegen ist die Dating-Welt für Frauen so hart

Bei WELT-Kompakt werden die First-World-Probleme von Frauen in einen Jammer-Artikel mit dem Titel „Deswegen ist die Dating-Welt für Frauen so hart“ gepackt. Darin wird noch einmal der nicht mehr ganz frische Artikel von Jon Birger in der Washington Post verhandelt. Demzufolge geht es allerdings nicht um Frauen an sich, sondern um gebildete Frauen. Aber da dies sowieso die maßgebliche Bevölkerungsgruppe ist, für deren Interessen und Befindlichkeiten sich die Gazetten derzeit schwerpunktmäßig interessieren, braucht einen das auch nicht zu wundern.

Das Problem, mit dem sich (gebildete) Frauen jetzt und zukünftig noch mehr auseinandersetzen müssen, ist, dass sie keine (ihrer Ansicht nach adäquaten) Partner mehr finden, und wenn doch, dann nur noch für unverbindlichen Sex, aber nicht mehr für Beziehungen. Aber lesen wir selbst:

Tinder mag derzeit an vielem Schuld sein – mehr Sex, mehr Geschlechtskrankheiten, mehr Herzschmerz – aber es ist nicht die App, die Frauen das Liebesleben zur Hölle macht.

Mehr Sex ist also „die Hölle“. Interessant.

Ja, Dating-Apps wie Tinder geben Männern das Gefühl, es stehe ihnen ein nie versiegender Frauenüberschuss zur Verfügung. Die meisten sagen dann Ja zu Sex und Nein zu Beziehungen. Nur: Hinter dem Gefühl steckt eine statistische Realität. Es gibt diesen Frauenüberschuss – zumindest in gebildeten Schichten, wie Jon Birger in der Washington Post schreibt.

Es gibt diesen Frauenüberschuss – zumindest in den gebildeten Schichten? Mag sein, wenn man es für festgemeißelt hält, dass Frauen sich auf gar keinen Fall auf Männer einlassen können, die unter ihrem Bildungslevel sind. Und dieses „zumindest in gebildeten Schichten“ ist doch wohl sehr fraglich, denn wenn es Frauenüberschuss in den gebildeten Schichten gibt, dann dürfte nach Adam Riese mehr als klar sein, dass es einen Männerüberschuss in weniger gebildeten Schichten gibt. Aber für deren Probleme, eine Frau zu finden, interessiert sich hier niemand.

Weltweit gibt es zwar mehr Männer als Frauen.

Siehe da.

Doch 2012 gab es in den USA 34 Prozent mehr weibliche als männliche Uniabsolventen. Und die Bildungslücke wächst. Warum ist das relevant? Weil viele Frauen nach Partnern auf Augenhöhe suchen.

Oder darüber. Da kommen wir der Sache schon näher.

In den USA treffen damit in der Altersspanne 22 bis 29 rund 5,5 Millonen Frauen mit Uniabschluss auf 4,1 Millionen Männer, so eine Studie. Dieser Frauenüberschuss führt zu einer Männer dominierten Dating-Kultur. Forscher haben Gefälle dieser Art untersucht und herausgefunden:

Feste Beziehungen nehmen ab, Zwischenmenschliches dreht sich vor allem um Sex. Sind Männer eine rare Ware und sehr gefragt, sehen sie keinen Grund, sich festzulegen.

Diese Schweine aber auch. Aber, warum sollten sich die Männer in gebildeten und begüterten Schichten (und nur da sind sie rar, denn auf die stürzen sich ja alle Frauen!) anders verhalten als hübsche Frauen in den Zwanzigern, die sich auch erstmal austoben und die Avancen von vielen Männern genießen wollen, bevor sie sich festlegen? Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage.

Während Bildungsunterschiede früher weniger relevant waren, heiraten heute vor allem Paare mit einer ähnlichen Bildungsbiografie.

Meinem Eindruck nach ist das nur teilweise richtig. Bildungsunterschiede waren für die Männer früher weniger relevant, schon alleine deshalb, weil es zuwenige Frauen auf demselben Bildungslevel gab, was natürlich daran lag, dass Frauen der Zugang zu höherer Bildung lange Zeit verwehrt wurde, was aber inzwischen in westlichen Nationen überwunden ist.

Frauen dagegen hatten schon immer eine Aversion dagegen, sich unter ihrem Stand zu binden.

Wäre Frauen das egal, würde sich der Markt rasant vergrößern.

„New Yorkerinnen die nach einem Partner suchen, wären statistisch gesehen in einer Bar für Feuerwehrmänner in Staten Island besser dran, als in einer Weinbar an der Upper East Side.“

Da liegt der Hund begraben.

Birger bezieht sich auf die USA. Interessiert uns das? Ja. Zumindest wenn wir an die Macht der Bildung glauben. Inzwischen sind z. B. 53 Prozent der Studierenden 15 Staaten der EU weiblich. In Deutschland waren 2012 unter den Uniabsolventen noch fast genauso viele Männer wie Frauen. Die Zahlen verschieben sich jedoch langsam zugunsten der Frauen.

Was soll man dazu sagen? Für die Frauen ist das doch eine erfreuliche Entwicklung. Für uns Männer allerdings eine bedenkliche, zumindest wenn die Prozentzahlen den entsprechenden Bevölkerungsanteil signifikant übersteigen.

Nur die Partnerwahl dürfte für Frauen damit schwerer und schwerer werden.

Und wiederum: Auf Frauenseite nur für die gebildeten Frauen, die glauben, ein Anrecht auf einen Partner zu haben, der mindestens auf Augenhöhe steht.

Auf Männerseite dürfte die Partnerwahl reziprok genauso schwerer und schwerer werden, nämlich für die Sorte Männer, für die sich diese gebildeten Frauen erst gar nicht interessieren.

Während aber für gebildete Frauen das Liebesleben schon „zur Hölle“ gemacht wird, wenn sie nur noch unverbindliche Liebschaften abbekommen, können die Männer am unteren Rand der Gesellschaft ohne jegliches Liebesleben nur davon träumen, wenigstens in dieser Hölle zu sein, geschweige denn eine feste Partnerschaft zu ergattern.

Was kann man nun den gebildeten Frauen anraten?

  1. Sich mit der Casual-Dating-Kultur der hochbegehrten gebildeten Männer anfreunden.
  2. In Erwägung ziehen, sich auf einen Mann unter dem eigenen Bildungslevel einzulassen, der wahrscheinlich froh ist, überhaupt so eine tolle Frau abzubekommen, und demzufolge wenig Interesse hat, außer Haus herumzustreunern.
  3. Das Anspruchsdenken grundsätzlich herunter fahren und sich klar machen, dass Männer nicht alleine dazu auf der Welt sind, um Frauen das Leben schöner zu machen oder ihnen gar das Glück zu liefern. Und wenn doch, dann sich die Einstellung zulegen, dass auch die Frau dazu da ist, dem Mann das Leben schöner zu machen. Wenn Ihr wie Prinzessinnen behandelt werden wollt, dann solltet Ihr die Männer nicht wie Bauern, sondern ebenso wie Prinzen behandeln. In Zeiten von Feminismus als Mainstream-Ideologie eine höchst ketzerische Forderung, scheint mir.
  4. Weiter auf den perfekten Mann warten, mit dem Risiko, dass es dann so aussieht:Waiting_for_the_Perfect_Man
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21 Kommentare zu „Deswegen ist die Dating-Welt für Frauen so hart“

  1. Auf Männerseite dürfte die Partnerwahl reziprok genauso schwerer und schwerer werden, nämlich für die Sorte Männer, für die sich diese gebildeten Frauen erst gar nicht interessieren.

    Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Solange Mann es nicht beim Online-Dating versucht und dort zwangsläufig vorher die Hosen runter lassen muss bestehen durchaus gute Chancen auch eine Frau mit höherem Bildungs- und Berufsabschluss näherzukommen.

    Man muss aber auch ehrlich sein und sagen, dass solche Verbindungen selten lange halten. Mann muss sich schon ordentlich ins Zeug legen um noch als adäquates Beziehungsmaterial durchzugehen.

    Lächerlich sind solche Jammerartikel trotzdem. Natürlich kann ich nach einer nymphomanen Milliardärin mit einer Figur direkt vom Playboy-Cover und Doktortitel suchen. Und selbst wenn es eine so spezielle Frau gäbe stände längst nicht fest, dass ich es auch nur in ihre Nähe schaffen würde. Und selbst dann müsste ich mich noch gegen die mit Sicherheit starke Konkurrenz durchsetzen. Was bleibt also anderes als die eigenen Ansprüche an die Möglichkeiten anzupassen? Für Männer ist dieses „Problem“ schon immer Realität. Und genau deshalb akzeptieren Chefs ihre Sekretärin und Ärzte eine Krankenschwester als Partnerin.

    1. „Solange Mann es nicht beim Online-Dating versucht und dort zwangsläufig vorher die Hosen runter lassen muss bestehen durchaus gute Chancen auch eine Frau mit höherem Bildungs- und Berufsabschluss näherzukommen.“

      Eher nicht, und auch nicht für eine Nacht. Der falsche Anzug, das falsche Auto und Du bist raus.

      Ich finde Hypergamie sollte man ganz wertfrei sehen, es ist eine Strategie auf die Frau auch nur begrenzten Einfluß hat. So wie die Partnerwahl der Männer auch. So wie die Kriterien wie Geschlecht, Aussehen, Dick/dünn auch.

      Das Problem ist doch eher, daß Frauen um die 35 auf einmal von ihrem Prinzessinnenthron gestoßen werden. Während die Attraktivitätskurve von Männern im Steigen begriffen ist (Statuszuwachs), sinkt die Attraktivität der Frauen.

      Die letzten 15 Jahre haben sie bereitwillig das Schwanzkarussel geritten, mit exakt den Männern, deren Klage „wo sind nur die guten Männer hin“ gilt. Im Onlinedating gibt es dafür die Formulierung „Ich habe mich ausgetobt und möchte jetzt zur Ruhe kommen“. Da hört man als Mann die biologische Uhr schon ticken. Aber welcher Mann will denn vom Karussel steigen bevor er draufgestiegen ist? Wofür? Für eine Frau, die ihn vor 10 Jahren als unwürdig betrachtet hat? Haha!

      Und irgendwann sitzt frau da wie Bascha Mika und versucht die ältere Frau wieder auf den Prinzessinnenthron zu heben, aus gesamtgesellschaftlicher Sicht natürlich.

      Das klingt jetzt mal wieder frauenfeindlich, aber nein, ich akzeptiere Hypergamie. Was ich nicht akzeptiere ist die Anspruchshaltung von Frauen die daraus erwächst, diese Mechanismen nicht zu sehen. Und ihre Frustration dann in Zeitartikel gießen.

      1. Eher nicht, und auch nicht für eine Nacht. Der falsche Anzug, das falsche Auto und Du bist raus.

        Das deckt sich nun überhaupt nicht mit meinen persönlichen Erfahrungen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es unter den im Artikel beklagten Eliteweibchen solche Marken gibt. Aber auch klar, da muss die Luft einfach dünn werden. Man sollte seine Zeit nicht mit Frauen verschwenden, die direkt Ablehnung signalisieren. Da verlieren beide Seiten.

        Ich finde Hypergamie sollte man ganz wertfrei sehen

        Klar, warum auch nicht? Die Beschwerden sind trotzdem lächerlich wenn es einfach kein ausreichendes Angebot gibt. Es ist ja nicht so, dass man passende Männer mal eben aus dem Hut zaubern kann wenn man parallel das Angebot politisch gewollt verknappt.

        Natürlich hat man Einfluss auf die eigene Partnerwahl. Vorlieben sind keine Naturgesetze. Eine potenzielle Partnerin, die auf den ersten Blick durchs Raster fällt könnte auf den zweiten Blick mit anderen Qualitäten punkten.

        Aber welcher Mann will denn vom Karussel steigen bevor er draufgestiegen ist? Wofür? Für eine Frau, die ihn vor 10 Jahren als unwürdig betrachtet hat? Haha!

        Schon klar. Und täglich bekommt man dann noch zu spüren, dass man eigentlich nicht gut genug ist.

        Was ich nicht akzeptiere ist die Anspruchshaltung von Frauen die daraus erwächst, diese Mechanismen nicht zu sehen.

        Ich akzeptiere das voll und ganz. Eine bessere rote Flagge gibt’s doch gar nicht. Und vor allem was soll ein solcher Zeitartikel bringen? Lebenspartnerschaften nach Bürgerlichem Recht? Kranzgeld 2.0?

  2. was für ein Viehmarkt, auf beiden Seiten… was für eine verächtliche, materialistische Denke… fehtl nur noch, dass man vor Beginn einer Beziehung Papiere (Gesundheit, Bildungs- und Vermögensstand, Leumund…) verlangt. Also alles wie früher: arrangierte Beziehungen in feudaler Gesellschaft.

  3. Selbstverständlich ist es an Männern dieses Problem zu lösen:

    The solution is not, as one dating agency suggests, for women to lower their expectations. They should, of course, keep an open mind when they meet someone but it would be idle to pretend that these things are of no account. The solution, as the researchers suggest, is to raise the numbers of men in higher education.

    [..]

    The failure of men to foot it with them educationally in equal numbers is no reason to change the education system or promote men undeservedly. The shortage of partners for highly educated women is a problem only men can solve. Get your credentials, boys.

    http://www.nzherald.co.nz/opinion/news/article.cfm?c_id=466&objectid=11442362

    und ihnen wird dabei keine Hilfe gewährt…

    Es gab da noch einen anderen Artikel aus Haiti, der Dominikanische Republik oder Jamaika, auch von Genderama verlinkt, der genau das gleiche aussagte. Nun da die Bildungssituation von Jungen dazu führt das Mädchen nicht die Partner finden, die sie ‚verdienen‘, muss vielleicht mal etwas unternommen werden, um die Bildungssituation von Jungen zu verbessern. Nur um einfach den Jungen zu helfen, wollte da auch keiner nen Finger krumm machen.

    Arne, findest du das noch wieder?

    1. The shortage of partners for highly educated women is a problem only men can solve.

      Warum? Okay, wer sich eine solche „Prinzessin“ als Statussymbol leisten kann hat was erreicht. Nur wo ist der Mehrwert wenn Mann ebenso gut mit einem Dutzend barbusiger Schönheiten feiern kann?

      1. „Nur wo ist der Mehrwert wenn Mann ebenso gut mit einem Dutzend barbusiger Schönheiten feiern kann?“

        Der Mehrwert hat für die Autorin keine Rolle zu spielen.

      2. Natürlich nicht. Die Autorin unterliegt aber einem massiven Denkfehler. Frauen gewinnen durch hohe Bildung und hohes Einkommen vergleichsweise wenig sexuellen Marktwert hinzu. Das könnte sich ändern wenn Frauen ihre Partnerwahl nach unten öffnen würden.

      3. @Hans
        „Das könnte sich ändern wenn Frauen ihre Partnerwahl nach unten öffnen würden.“

        Was sollte dem eigentlich im Wege stehen?

        Gewiss, manche sprechen von „Hypergamie“ und wollten dieser biologische Weihen verleihen, wo es doch nur gesellschaftliche Gewohnheiten aus der Notwendigkeit heraus waren.
        Was gäbe es noch?
        Insbesondere diese „gebildeten Frauen“ in USA, die vom college gehen, bzw die tägliche Flut der Zeitungsartikel wie diesen hier konsumieren, sind doch höchstwahrscheinlich mit feministischer und traditioneller Anspruchshaltung so abgefüttert (könnte man „verbildet“ sagen)… so dass sie jeden Beziehungsstart nur noch unter einer gigantischen Last von Nebenbedingungen sehen und sich einfach keine wirkliche Beziehung ergeben kann.

        Man muss ja schliesslich offen gegen andere sein können, um sich auf sie einzulassen. Hieran hapert sich doch höchstwahrscheinlich einfach nur.

      4. Was sollte dem eigentlich im Wege stehen?

        Theoretisch nix.

        So wie es das Modell der Hypergamie gibt, gibt es auch Theorien zur Partnerwahl von Männern.

        Demnach sind Frauen um die 20 am attraktivsten, da die Risiken für Mutter und Kind relativ niedrig sind. Die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen steigt dann bis circa 35 moderat an um dann einen Knick zu machen und beschleunigt anzusteigen bis zwischen 45 und 55 die Menopause einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt war’s das mit der Fortpflanzung für Frauen.

        Man kann also die Hypothese aufstellen, es gäbe eine Korrelation zwischen Fruchtbarkeit und weiblichem Partnerwahlverhalten sowie einen kausalen Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und sexuellem Marktwert gibt.

        Ein solches Modell ignoriert natürlich alle sozialen sowie medizinischen Fortschritte. Frauen sind nicht auf die Nestbauqualitäten der Männer angewiesen und das Risiko bei Schwangerschaften über 35 bleibt moderat.

        Soweit die biologische Theorie. Da Frauen letztendlich entscheiden welche Männer für Sex in Frage kommen und die Kontrolle über eine mögliche Schwangerschaft besitzen ist es für Männer unvernünftig auf Spielregeln zu bestehen, die von Frauen nicht mitgetragen werden. Folglich ziehen Männer den größten Nutzen daraus die von Frauen implizit aufgestellten Regeln so weit wie notwenig zu befolgen; oder zumindest den Anschein zu erwecken.

        Nimmt man jetzt beide Ansätze zusammen ergibt sich das Bild, dass Frauen ihre Regeln in jungen Jahren wirkungsvoller durchsetzen können, dieses Durchsetzungsvermögen mit steigendem Alter aber zunehmend verlieren.

        Und damit sind wir beim Dilemma. Während Frauen sich gegenseitig einreden, dass sie sich nicht mit weniger als sie „verdienen“ zufrieden geben dürfen und nicht dran denken die Spielregeln zu ändern, ist es für Männer oft unmöglich und ansonsten kaum sinnvoll das Problem zu lösen.

        Zieht man jetzt käuflichen Sex als Variable hinzu wird auch schnell klar warum immer wieder die Abschaffung von Prostitution gefordert wird. Alleine durch das Vorhandensein dieser Option entsteht zusätzlicher Konkurrenzdruck.

    2. „The failure of men to foot it with them educationally in equal numbers is no reason to change the education system or promote men undeservedly“

      An Dummheit schwer zu überbieten. Hier werden Alterskohorten, die Jahrzehnte auseinanderliegen, verglichen. Die Bildungsdiskriminierung von Jungen fängt in der Grundschule an und äußert sich in der jeweiligen Alterskohorte erst 20+ Jahre später darin, daß sehr viele Frauen, die davon profitiert haben, keine Männer mehr finden, die ihren Ansprüchen genügen.

    3. Es gab da noch einen anderen Artikel aus Haiti, der Dominikanische Republik oder Jamaika, auch von Genderama verlinkt, der genau das gleiche aussagte. Nun da die Bildungssituation von Jungen dazu führt das Mädchen nicht die Partner finden, die sie ‘verdienen’, muss vielleicht mal etwas unternommen werden, um die Bildungssituation von Jungen zu verbessern. Nur um einfach den Jungen zu helfen, wollte da auch keiner nen Finger krumm machen.

      Warum Jamaikas Premierministerin Jungen mehr fördern will

      „Meine Sorge ist, in den Bildungsprozess haben wir die Jungen nach außen gedrängt. Wenn wir die Mädchen gut ausbilden und die Jungen nicht, dann werden die Frauen später nicht in der Lage sein, einen passenden Partner zu finden.“

      1. Ja danke, gynozentrischer geht es eigentlich kaum noch.

        Das ganze ist ziemlich enttäuschend. Man hat jahrzehntelange etwas getan, damit sich die Bildungssituation von Mädchen verbessert und nun ist man soweit das Mädchen in allen Fächern außer Mathe bessere Noten bekommen. Also was muss getan werden? Genau, Mädchen müssen auch noch in Mathe gefördert werden damit sie auch dort noch besser wie Jungs werden. Das hat man sehr schön bei der letzten PISA-Studie und dem deutschen Presse Echo gesehen:

        Tagesschau: Mädchen trauen sich Mathe nicht zu;
        ZEIT: Mädchen trauen sich Mathe nicht zu;
        n-tv: Mächen und Zahlen: Ohne Mathe gibt’s weniger Karriere;
        Südwest-Presse: Mädchen meiden Mathe;
        SHZ: Mädchen als Mathemuffel;
        SPIEGEL: OECD-Bildungsstudie: Warum Mädchen in Deutschland Mathe nicht mögen;
        Badische Zeitung: Mathematik macht Mädchen Probleme;
        DIE WELT: Mädchen sind in Mathe noch ängstlich;
        Berliner Morgenpost: Mädchen trauen sich in Mathe weniger zu als Jungen;

        dem gegenüber stehen:

        Wirtschaftswoche: OECD-Bildungsbericht: Problemschüler sind oft Jungen;
        Neue Osnabrücker Zeitung: OECD-Studie 2015: Leistungsschwache Schüler häufiger männlich;

        Für die deutsche Presse ist es anscheinend eine größeres Problem das Mädchen in Mathe schlechter sind wie Jungen, als das Jungen in ALLEN ANDEREN FÄCHERN schlechter sind wie Mädchen.

        Und von Steuergeldern werden dann in DE auch noch Leute wie Marcel Helbig bezahlt, damit die allen ihr One Trick Pony zeigen:

        Helbigs Trick, den er wieder und wieder vorführt, besteht darin, vor aller Augen die eigentlich unübersehbaren schulischen Nachteile von Jungen verschwinden zu lassen. Im Vergleich zu Mädchen sind Jungen an Gymnasien erheblich unterrepräsentiert, an Haupt- und Förderschulen erheblich überrepräsentiert, und sie verlassen die Schule deutlich häufiger ohne Abschluss.

        Helbig aber erklärt, warum das kein Problem der Schule sei, und greift dabei auf die Argumentation Pinls zurück. Er übertragt deren Argumentation einfach weiter in den Bereich der Schulpädagogik, und er hat damit so großen Erfolg, dass überregionale Zeitungen freudig über seine Thesen berichten. „Zu faul fürs Gymnasium“, titelt beispielweise die vorgeblich so progressive taz genüsslich und meint damit, dass Jungen sich durch ihre Arbeitsscheu ihre Probleme selbst zuzuschreiben hätten. „Die Krise der Jungen ist ein Mythos“, hat Helbig selbst schon vor zwei Jahren im Berliner Tagesspiegel behaupten können, und dieselbe Zeitung referierte vor einer Woche erneut Helbigs Thesen, und erneut distanzlos.

        http://man-tau.com/2015/09/18/marcel-helbig-und-die-aggressionen-gegen-jungen/

        Aber für Politiker ist klar: Es gibt keine strukturelle Diskriminierung von Jungen. BASTA!

        Denen ist die Bildungssituation von Jungen auch bekannt, aber es ist ihnen egal:

        Dass es inzwischen um die schulischen wie akademischen Leistungen von Jungen und jüngeren Männern schlechter bestellt ist, weiß auch die Familienministerin. 60% der Schulabbrecher sind Männer.3 Um Schwesig hier ein letztes Mal zu zitieren:

        “Obwohl heute Abiturienten in der Mehrzahl Frauen sind, obwohl diejenigen, die einen Studienabschluss haben, vor allem Frauen sind, und obwohl Frauen heute höchste Leistungsbereitschaft zeigen, merken sie, dass sie nicht in Führungsetagen ankommen, weil es die sogenannte gläserne Decke gibt…”
        -Rede vor dem Bundesrat, 6.2.2015

        Die obere “gläserne Decke” wird jetzt per Gesetz für einige Frauen durchbrochen. Die untere gläserne Decke für Männer wird kommentarlos übergangen und damit zementiert. Aber nur in einer Gesellschaft mit gleichen Chancen für alle geht es gerecht zu. Wenn ein Teil, aufgrund welcher Diskriminierung auch immer, auf der Strecke bleibt und deshalb Aussicht auf geringere oder keine soziale Teilhabe hat, dann wird das auch für alle anderen ein Problem.

        http://www.heise.de/tp/artikel/47/47625/1.html

        Zwangsweise muss man dabei an einen Spruch aus der Emma von vor 25 Jahren denken:

        „Wenn wir wirklich wollen, dass es unsere Töchter mal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen.“

        http://www.sueddeutsche.de/karriere/schule-die-schwachen-starken-1.553125

        Man könnte glauben, das es wirklich Leute gibt, die denken das dieser Plan eine gutes Ende für alle nehmen wird.

  4. Der heute von Genderama verlinkte Welt-Artikel befasst sich auch mit dem Thema:

    „So standesbewusst wie eh und je: die Frau

    Der Mann hat zweifelsohne durch die Emanzipation eine gleichberechtigte Partnerin gewonnen, die diesen Namen verdient, weil sie mehr ist als sein Anhängsel. Gleichzeitig hat der Druck in Partnerschaft und Beruf auf ihn zugenommen. Er leidet primär nicht darunter, dass angeblich seine Attribute von Moderne und Industrialisierung überholt wurden, sondern weil er sich im Wettbewerb immer noch vor der Frau behaupten muss, um von ihr als Mann ernst genommen zu werden.

    Das war in den 50ern einfacher, als er Arzt wurde und sie Arzthelferin blieb. Die heutige Realität sieht so aus, dass die Oberärztin den männlichen Pfleger auf ihrer Station als Mann gar nicht wahrnehmen wird. Die Akademikerin von heute ist so statusorientiert geblieben wie ihre Großmutter.“

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article150120404/In-Wahrheit-stehen-Frauen-immer-noch-auf-harte-Kerle.html

  5. Das Thema „die armen smarten Frauen, die keine adäquaten Männer finden“ oder „where are all the good men gone“ gehört nach meinem Eindruck seit rund 3 – 5 Jahren zu den Standard-Tropes (wie sagt man dazu auf Deutsch? Narrative?) in der feministischen Darstellung der Geschlechterverhältnisse, zumindest habe ich vorher wenig davon gelesen, in den letzten Jahren dagegen Dutzende Artikel darüber, mit immer wieder dem gleichen Inhalt (der langsam langweilig wird).

    Zu diesem Zeitverlauf paßt, daß die Bildungsdiskriminierung von Jungen erst in den 80er so richtig in Schwung kam. Man muß sich nur die Abiturientenzahlen der letzten Jahre ansehen, z.B. auf https://www.regionalstatistik.de Statistik 21111, dort Code 192-71-4-B Allgemeinbildende Schulen: Absolventen/Abgänger nach dem Schulabschluss – Schuljahr – regionale Ebenen, Zeitraum 1995 – 2013, Zahlen für ganz Deutschland:

    m = männliche Abiturienten
    w = weibliche Abiturienten
    jahr – m – w – (w-m) – (w-m)/w*100
    2013 – 144817 – 174476 – 29659 – 20,48
    2012 – 138269 – 166903 – 28634 – 20,70
    2011 – 138804 – 172007 – 33203 – 23,92
    2010 – 118948 – 148902 – 29954 – 25,18
    2009 – 118754 – 149521 – 30767 – 25,90
    2008 – 117032 – 149199 – 32167 – 27,48
    2007 – 113045 – 145532 – 32487 – 28,73
    2006 – 106944 – 136741 – 29797 – 27,86
    2005 – 99934 – 131280 – 31346 – 31,36
    2004 – 97793 – 128211 – 30418 – 31,10
    2003 – 96735 – 125341 – 28606 – 29,57
    2002 – 96567 – 126410 – 29843 – 30,90
    2001 – 93928 – 119821 – 25893 – 27,56
    2000 – 100972 – 128483 – 27511 – 27,24
    1999 – 99890 – 125684 – 25794 – 25,82
    1998 – 97333 – 119555 – 22222 – 22,83
    1997 – 98732 – 120508 – 21776 – 22,05
    1996 – 97079 – 118347 – 21268 – 21,90
    1995 – 94332 – 113026 – 18694 – 19,81

    D.h. schon in den 90er Jahren hatten ca. 20 – 25% der Abiturientinnen statistisch gesehen keine Chance, einen gleichgebildeten Partner zu finden. Absolut ca. 20.000 – 25.000 Frauen, für die Wahrnehmung des Problems sind aber die %-Zahlen relevanter.
    In den 2000er Jahren hat sich das auf rund 30% bzw. 30.000 absolut erhöht. Speziell bei dieser Alterskohorte (in die übrigens die meisten bekannten Netzfeministinnen fallen dürften) tickt die biologische Uhr jetzt immer lauter. Bei den Studienanfängern sieht das ähnlich aus.
    Diese Rohzahlen müßte man natürlich noch um Schwule und Lesben, Bildungsmigration und weitere Effekte bereinigen, allerdings können die den ausgepägten Unterschied mMn nicht wesentlich ändern.

    In der medialen Darstellung des Themas geht es vor allem darum, aus einer Privilegierung von Mädchen im Schulsystem eine Diskriminierung von Frauen zu machen und nicht an die Ursachen gehen zu müssen. Und selbst wenn man endlich ernsthaft etwas daran tun würde, würden sich eventuelle Erfolge (also ausgeglichenere Geschlechterzahlen bei den Schulabschlüssen) erst in 10 – 15 Jahren bemerkbar machen. So weit denkt kein Politiker.

  6. „Diese Schweine aber auch. Aber, warum sollten sich die Männer in gebildeten und begüterten Schichten (und nur da sind sie rar, denn auf die stürzen sich ja alle Frauen!) anders verhalten als hübsche Frauen in den Zwanzigern, die sich auch erstmal austoben und die Avancen von vielen Männern genießen wollen, bevor sie sich festlegen? Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage.“

    Sollten sie nicht.

    Ich finde dieses Thema immer recht gruselig, wenn ich darüber stolpere, muss ich sagen. Und bei den meisten Kommentaren zu Einträgen mit diesem Thema schüttelts mich einfach nur. Je nach Laune und Gesinnung des Kommentarschreibers, sind dann nämlich entweder die Frauen die armen Opfer, die keinen passenden Mann mehr finden und die Männer die blöden Schweine, die nur Sex wollen, oder die Männer sind die armen Opfer, weil Frauen es wagen, Ansprüche zu stellen und Frauen die blöden Säue, weil sie nur auf Geld und fette Autos aus sind.

    Ich weiß nicht, mir fehlt für so ein Rumgenöle einfach jegliches Verständnis und ich kenne sowas aus meinem persönlichen Umfeld auch gar nicht. Mein Vater war Maurer, meine Mutter Einzelhandelskauffrau/Hausfrau/Putzfrau. In meinem Freundeskreis ist das alles ziemlich bunt gemischt. Da ist eine Beamtin mit einem Lagerarbeiter verheiratet und eine Fliesenlegermeisterin(inzw. freie Journalistin) mit einem ehem. Bankkaufmann. Mein Mann hat einen höheren Bildungsabschluss als ich und ist inzw. selbstständig und wenn ich nicht plötzlich auf die Idee komme, Rockstar zu werden oder einen Bestseller zu schreiben, werde ich immer weniger verdienen als er. Sein Beruf und sein Gehalt haben für mich allerdings keine Rolle gespielt, als wir damals zusammenkamen (Tatsächlich war ich, aufgrund eines Missverständnisses, noch der Annahme, er würde weniger verdienen als ich, als ich mich in ihn verliebt habe). Vielleicht liegt es daran, dass ich in dem Alter, in dem man normalerweise anfängt, sich darüber Gedanken zu machen, wie der Partner zu sein hat, mit dem man eine Familie gründen und sein Leben verbringen will, bereits vom Markt war, ich weiß es nicht^^

    Prinzipiell ist es für mich einfach völlig unverständlich, wie man sich darüber mokieren kann, nach welchen Kriterien jemand seinen Partner auswählt… Oder eben nicht. Niemand besitzt ein Recht darauf, dass sich jemand für ihn interessiert oder eine Beziehung mit ihm eingeht. Wenn eine Frau einen Mann ablehnt, weil ihr sein Gehalt zu niedrig ist, kann ich das blöd finden, aber es ist ihr gutes Recht. Und wenn ein Mann sich nur auf schlanke, schöne Frauen einlassen will, genauso.

    Wer sich partout auf niemanden einlassen will, der nicht genauestens seinen Vorstellungen vom perfekten Partner entspricht, soll das tun. Entweder hat er Schweineglück und findet den perfekten Partner tatsächlich, oder er kommt irgendwann in der Realität an und begreift, dass seine Ansprüche vllt doch etwas zu hoch sind, oder er bleibt allein. Alles Möglichkeiten, mit denen ich hervorragend leben kann.

    Besonders bei Frauen, die nach Männern auf Augenhöhe oder drüber Ausschau halten, stellt sich mir doch die Frage, warum das der Fall ist. Da wird dann gern mal das Bild der geldgeilen Schnepfe gezeichnet, die alles, was nicht Prada ist, als unter ihrer Würde empfindet und das halte ich für Unfug. Oft wird das wahrscheinlich pragmatische Gründe haben, die aus dem Wunsch nach einer Familie und Kindern resultieren. Ich wäre auch mit meinem Mann zusammengekommen, wenn sich das Missverständnis nicht als Missverständnis herausgestellt und er wirklich weniger verdient hätte als ich. Und im Nachhinein denke ich, dass sein Gehalt für mich so überhaupt keine Rolle gespielt hat, weil ich zum damaligen Zeitpunkt Heirat und Kinder für mich prinzipiell ausgeschlossen hatte. Der Wunsch kam erst im Laufe der Beziehung auf. Jetzt allerdings, mit einem 12jährigen Kind, dem ich nach Möglichkeit nicht nur das Nötigste, sondern das Beste bieten will, sag ich ganz ehrlich: Ich bin froh und dankbar, dass ich mich nicht mit existenzbedrohenden Geldsorgen herumschlagen muss. Und das haben wir in allererster Linie dem Gehalt meines Mannes zu verdanken.

    Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der spätestens am 15. des Monats das Geld weg war. Das hat meine Eltern krankgemacht und mich als Kind ebenso, weil meine Eltern nämlich nicht besonders gut darin waren, ihre Sorgen zu verstecken. Das hat lustigerweise dazu geführt, dass ich mit 20 Jahren der festen Überzeugung war, Geld sei nicht wichtig. Das erste mal gestutzt habe ich, als vor 3 Jahren unser Kühlschrank den Geist aufgab und ich reflexartig erstmal panisch wurde. „Kühlschrank kaputt“, das waren solche Horrorszenarien aus meiner Kindheit, in der es eine Katastrophe war, wenn ein wichtiges und teures Haushaltsgerät kaputtging. Mein Mann war aufgrund meiner Reaktion erstmal völlig perplex. Dann war ich völlig perplex, weil das einzige, was ihm zu unserem kaputten Kühlschrank einfiel ein „Das ist ja doof“ war. Ende der Geschichte: Wir fuhren los und kauften einen neuen Kühlschrank. Einfach so. Und ich fing an, zu begreifen, dass Geld eben doch wichtig ist.

    Ein Mensch, der bei der Partnersuche Geld einen hohen Wert beimisst, ist nicht automatisch geldgeil. Vielleicht ist er in einer Familie aufgewachsen, in der nie genug Geld da war und ist dementsprechend einfach vorbelastet. Vielleicht gehört er zu den Menschen, die sich einfach für jegliche Eventualität absichern wollen und schon bei der Partnersuche überlegen, was passiert, wenn einer von beiden krankheitsbedingt ausfällt. Und vielleicht will er auch einfach ein Leben in Luxus führen. Ich halte nichts davon für verwerflich.

    Warum es meist eher Frauen sind, die bei der Partnersuche soviel Wert auf den Beruf oder das Gehalt des potenziellen Partners legen? Keine Ahnung. Vielleicht, weil bei Männern einfach immernoch der Gedanke festsitzt, der Ernährer sein zu müssen und sie deswegen weniger auf den beruflichen Status der Frau, als auf ihren eigenen achten? Ich weiß es nicht^^ Ich weiß nur, dass es mich rein gar nichts angeht, nach welchen Kriterien sich ein Mensch seinen Partner aussucht, unabhängig vom Geschlecht, und dass es mich auch nicht die Bohne interessiert.

    Mir geht in der Hinsicht einfach diese ganze Erwartungshaltung auf den Keks. Niemand hat ein Recht darauf, dass ein anderer eine Beziehung mit ihm eingeht. Unanbhängig von Aussehen, Beruf, Gehalt oder weiß der Geier… Als wäre es schlimm und verwerflich, wenn irgendwer Ansprüche hat. Ansprüche an einen potenziellen Partner zu haben, bedeutet doch erstmal nur, sich etwas zu wünschen, von dem man glaubt, dass es einen besonders glücklich macht. Und ob das jetzt Geld, oder ein interessanter Charakter, oder schlanke Beine und große Brüste sind, geht mich doch nichts an. Wenn ich den Ansprüchen nicht gerecht werde, ist das sicher ärgerlich, aber das macht den anderen noch lange nicht zum Arsch.

    „Während Bildungsunterschiede früher weniger relevant waren, heiraten heute vor allem Paare mit einer ähnlichen Bildungsbiografie.“

    Klingt logisch, wenn man bedenkt, dass nicht wenige Paare sich während der Arbeit kennenlernen, oder während des Studiums.

    1. @Gwenny:
      Zumindest in Westdeutschland ist die weibliche Hypergamie nach wie vor ausgeprägt vorhanden (im Osten angeblich weniger). Im letzten Nationale Bildungspanel (die beste und aufwendigste Datensammlung) ist das klar bestätigt worden. Der Soziologe Hans-PeterBlossfeld, Leiter der Studie, sagte in http://www.zeit.de/2012/33/C-Beziehung-Frauen-Maenner/komplettansicht :

      „… Eine Reaktion der Frauen wäre, zu sagen: Wenn Männer sich nach unten orientieren können, können wir das auch. Aber das tun sie nicht. Natürlich gab es immer schon einige wenige Frauen, die sich in einen weniger gebildeten Mann verliebt haben, und dann wurde geheiratet. Aber für die meisten Frauen ist das undenkbar.

      ZEIT: Selbst wenn sie ohne Partner bleiben?

      Blossfeld: Schauen Sie sich die Singlequoten an. Die höchsten finden sich heutzutage unter hoch qualifizierten Frauen und unter wenig gebildeten Männern, weil die für Frauen unattraktive Heiratspartner sind. Eigentlich schon immer waren.

      ZEIT: Was folgt daraus?

      Blossfeld: Sowohl Frauen als auch Männer müssten ihre normativen Vorstellungen von dem, was ein attraktiver Partner und eine erfolgreiche Beziehung ist, ändern. Bei Frauen gibt es bislang aber keinerlei Anzeichen dafür, dass das geschieht, zumindest hierzulande nicht. Männer dagegen scheinen eher bereit zu sein, ihr Muster zu ändern und sich nach oben zu orientieren. Das zeigen unsere Studien der Partnerwahl im Internet.“

      [Ende Zitat]

      Nach meinen privaten Beobachtungen ist die Hypergamie bei Mittelklassekindern ausgeprägter als bei Kindern aus aus ärmeren Verhältnissen, meistens sind das Einzelkinder mit Helikopterelter. Die Kinder werden teils in einem Ausmaß verhätschelt, es ist unfaßbar. D.h. der Erwartungsrahmen, was einem denn mindestens ohne große eigene Anstrengungen zusteht, sozusagen die Null-Hypothese, ist oft ein gediegener Mittelklassewohlstand.

      Da zum sozialen Status auch eine akademische Bildung gehört, studieren in dieser Schicht auch wenig begabte Kinder, alles andere wäre ein Gesichtsverlust, und der Beziehungspartner muß das auch bieten.

    2. Ich bin mir nicht sicher ob ich deinen Gedankengängen richtig folgen konnte. Korrigiere mich daher bitte wenn ich falsch liege.

      Du führst einige Beispiele an um zu belegen, dass die Theorie der Hypergamie nicht allgemeingültig ist. Das stimmt und wird kaum in Zweifel gezogen. Das widerspricht auch nicht der Annahme, dass Hypergamie ein vorherrschendes Phänomen in Deutschland ist.

      Du kritisierst sowohl Anspruchshaltung als auch die Bewertung dieser Anspruchshaltung. Im Bezug auf eine konkrete Paarbeziehung hast du auch völlig Recht. Die Gründe dürfen für Außenstehende keine Rolle spielen. Allzu gerne wird einzig „Die wahre Liebe“ als akzeptabler Beweggrund angeführt, was schlicht eine moralische Überbewertung darstellt.

      Es ist natürlich einfach, je nach Standpunkt, Männer oder Frauen zum Schwein oder Opfer zu erklären. Das wird der Realität nicht gerecht solange beide Seiten die Beziehung freiwillig eingegangen sind.

      Eine 18 Jährige heiratet einen 90 jährigen Millionär? Es ist schwer zu sagen wer das Schwein und wer das Opfer sein soll. Gibt es überhaupt ein Opfer? Vielleicht haben beide bekommen was sie wollten, selbst wenn Liebe keine Rolle spielt.

      Was dich jetzt aber konkret gruselt verstehe ich nicht. Es geht im Grunde darum, dass es in den letzten Jahren zu einer massiven Verschiebung auf dem Partnermarkt kam durch die viele gebildete Frauen keinen ihren Ansprüchen genügenden Partner finden sowie viele schlecht gebildete Männer keine Partnerin finden die sie für würdig hält.

      Während Bildungsunterschiede früher weniger relevant waren, heiraten heute vor allem Paare mit einer ähnlichen Bildungsbiografie.

      Was auf den ersten Blick logisch klingt verzerrt meiner Ansicht nach die Diskussion. Früher wurde aufgrund schlechterer Bildungs- und Berufschancen von Frauen in der Regel von Männern nach unten geheiratet, da sie sonst keine Partnerin gefunden hätten. Heute gleichen sich die Verhältnisse bei Bildung und Beruf zunehmend an oder verschieben sich bereits zugunsten der Frauen.

      Wenn Frauen also am bisher vorherrschenden Modell der Hypergamie festhalten können sie keinen Partner finden, da keine oder zu wenige zur Verfügung stehen. Im Ausgleich wird versucht einen Partner auf Augenhöhe zu finden. Damit stehen aber Frauen, die auf Augenhöhe suchen in direkter Konkurrenz mit Frauen, die sich nach oben binden möchten. Die oben beschriebenen Folgen sind also eine direkte Konsequenz aus diesem Verhalten.

      Die meiner Meinung nach einzig vernünftige Lösung wäre es demnach wenn sich Frauen in ihrer Partnerwahl für Hypogamie öffnen und damit eine Bindung nach unten akzeptieren würden. Es geht dabei nicht um individuelle Entscheidungen, die genau das stützen, sondern um ein gesamtgesellschaftliches Umdenken.

      Kritisiert wird in diesem Zusammenhang wenn Autorinnen das Problem der einsamen Topfrauen beschreiben, die Schuld und Aufgabe für eine Lösung zu sorgen aber bei den Männern suchen. Verantwortlich sind immer die Anderen, im Zweifel der Mann, 😉

  7. Das dürfte aber doch vor allem ein Problem der in „frauentypischen“ Fächern gebildeten Frauen sein.
    Bei MINT-Fächern sehe ich dieses Phänomen nicht, höchstens in stark abgeschwächter Form. Es gibt z.B. etliche Ingenieure, die ungewollt Single sind (aber eine Gendertussi werden die auch nicht wollen).

    1. Scheint so zu sein.
      Etwa bei Geisteswissenschaftlerinnen findet man imho häufiger eine für Männer äußerst toxiche Mischung aus klassischer Prinzessinnenattitüde und vulgärfeministischem Opfergehabe.

      Da mach ich selbst, als überzeugter Junggeselle und Eheskeptiker einen Riesenbogen rum,, Angehende Ehemänner sollten noch vorsichtiger sein.

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