Gastartikel: man in the middle zu der Frage, ob Gender Studies unwissenschaftlich sind

Zum Gastartikel von Leszek schrieb „man in the middle“ (mitm) einen Kommentar, der wiederum selbst zum Gastartikel taugt. Es geht nach wie vor um die Frage: Sind Gender Studies unwissenschaftlich? Ab hier man in the middle (Änderungen von mir: Verweis ergänzt und einmal ein überflüssiges Wort gestrichen):

Wer und was genau die Gender Studies sind, ist fast so einfach festzumachen wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Der Begriff „Gender Studies“ wird taktisch sehr geschickt mit ständig wechselnden Bedeutungen benutzt. Das ist wie beim Märchen vom Hasen und Igel…

Schritt 1 einer Befassung mit den „Gender Studies“ muß daher sein zu erfassen, wer überhaupt befugt ist zu definieren, was Gender Studies sind (da kommen bereits die ersten Überraschungen – hochrangige offizielle Quellen behaupten, G.S. könne man „.. nicht mit einer traditionellen Einzeldisziplin vergleichen“, sprich, relevante Teile erheben gar nicht den Anspruch, eine normale wissenschaftliche Disziplin zu sein, dafür aber von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung und imstande, Gesetzesvorhaben zu initiieren.)

Ich habe vor rund einem Jahr sehr viel dazu recherchiert, das Ergebnis: http://maninthmiddle.blogspot.de/p/gender-studies.html ist leider rund 20 Seiten lang, dafür hat nicht jeder die Geduld, und auch die sind immer noch nicht vollständig. Der Artikel ist noch einigermaßen aktuell. Kommentare und Verbesserungshinweise sind willkommen.

9 einschlägige Handbücher und einführende Lehrbücher habe ich mir auch angesehen (nur frei zugängliche Teile), ich komme bei deren Bewertung zum gleichen Resultat wie Leszek.

Meine persönlichen wichtigsten Erkenntnisse.

1. Große Teile der Gender Studies sind eine (radikal-) feministische Kaderschule (vergleichbar mit Koranschulen der übelsten Sorte), sie erheben keinen konventionellen wissenschaftlichen Anspruch und erfüllen auch keinen.

2. Die Anteile der Gender Studies, die einen wissenschaftlichen Anspruch erheben, erfüllen diesen teilweise, allerdings dann als Unteruntergebiet eines konventionellen Wissenschaftsgebiets, z.B. Soziologie oder Literaturwissenschaften. Die Gender Studies erfüllen aber nicht die Merkmale eigenständiger Wissenschaften, auch nicht die Kriterien einer interdisziplinären Wissenschaft (letztes wird oft behauptet). Die Pseudo-Interdisziplinärität besteht darin, vorhandene Wissenschaften zu beschuldigen, nicht überall nach Geschlechterdifferenzen zu suchen. Dies ist aber nur eine ideologisch motivierte Wissenschaftskritik, keine eigene produktive Wissenschaft. Dreist ist die Okkupation medizinischer Forschung und „Gendermedizin“ als Teil der Gender Studies: kein einziger der rund 200 Gender-Lehrstühle gehört zur Biologie, Biologie hat sozusagen Hausverbot in den G.S.

3. Wie schon von Leszek richtig bemerkt werden die in großen Teilen der G.S. verwandten Wissenschaftstheorien woanders nicht anerkannt, insb. die Feministische Standpunkttheorie und der Sozialkonstruktivismus.

4. Die „blank-slate“-Hypothese, die in fast allen Zweigen der Gender Studies als unhinterfragbares Dogma gilt, ist wissenschaftlich unhaltbar.

5. Charakteristisch für die wissenschaftliche Qualität: der zentrale Begriff „Gender“ wird parallel in mehreren widersprüchlichen Bedeutungen benutzt!

Ende des Gastartikels, ab hier wieder ich: Kritik an der „blank slate“-Hypothese war erst gestern noch Thema in diesem Blog im Rahmen eines Essays von Peter Döge. Dass medizinische Forschungsergebnisse zu Unterschieden zwischen den Geschlechtern nichts mit Gender Studies zu tun haben, sondern ihnen fälschlicherweise positiv angerechnet werden, hatte ich ja bereits beim Wahl-O-Mat-Fundstück, das die Diskussion hier im Blog über die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies ausgelöst hatte, vermutet.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dieses Mal lag das Lied auf der Hand…

Bee Gees: Man in the Middle

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3 Kommentare zu „Gastartikel: man in the middle zu der Frage, ob Gender Studies unwissenschaftlich sind“

  1. Gender studies definieren sich am besten durch die sozialen Interessenten, die sie betreiben: Einmal durch die Schwulen (für die ist gender unbegrenzt, jeder kann jedem eine gute Frau oder ein guter Mann sein und noch soviel mehr etc.) und die akademischen linken Frauen, die die akademische Konkurrenz schreckt und die deshalb auf dem Opferabo fahren. Erstere habe ich die „Gender-Relativisten“ genannt (es gibt 50 oder sonstwieviele Geschlechter und sie sind kontextabhängig – Schwule). Letztere sind die Gender-Manichäer, denn sie gehen von einer Teilung der Welt in gut (=Frau) und böse (=Mann) aus, die als universelles historisches Prinzip (so wie früher der „Klassenkampf“) funktioniert. Beide soziale Gruppen (also Schwule und Akademikerinnen und ihre Wasserträger, die ja eigentlich wenig miteinander anfangen können sonst … ), treffen sich unter dem Genderdach. Daneben gibt es noch eine biologische Definition von Gender (=männlich und weiblich, tertium non datur) und Sex (der Akt der Verschmelzung von Eizelle und Samen) und eben medizinische und reproduktionsmedizinische. Wichtig ist, dass der relativistische und der manichäische Zweig zwar nebeneinander existieren, aber nur von den Anhängern simultan gebraucht werden können. Ich kann also nicht morgen Frauenbeauftragte werden, weil ich mich an dem Morgen meiner Bewerbung entschieden habe, Frau zu sein für die Dauer der Bewerbung … das Privileg haben nur Anhänger, nicht Kritiker dieser Lehre.

    1. „Homosexuell“ ist aber kein Geschlecht, sondern eine sexuelle Ausrichtung. Und Homosexuelle haben i.a. kein Interesse daran, dass die sexuelle Ausrichtung beliebig umformbar ist. Ansonsten wären „Schwulenheilungen“ möglich…

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