Gastartikel: Leszek über Kulturmarxismus

Bei man tau kam in der Diskussion mal wieder das Stichwort „Kulturmarxismus“ auf. Um zu diesem leidigen Thema hier im Blog einen zentralen Referenzartikel zu schaffen, greife ich tatsächlich den Vorschlag von djadmoros auf und fasse zwei Kommentare von Leszek zu einem Gastartikel zusammen. Sie standen ursprünglich unter dem Kulturmarxismus-Artikel bei Alles Evolution.

1. Kommentar

„Kulturmarxismus“ ist ein Schlagwort der US-amerikanischen Rechten, dessen eigentlicher wesentlicher Bezugspunkt gar keine Marxisten/Neo-Marxisten sind, sondern die in den USA entstandenen Varianten des Poststrukturalismus wie Gender/Queer/Critical Whiteness/postmoderner Multikulturalismus.

Der Begriff „Kulturmarxismus“ hat lediglich eine diskursstrategische Funktion, indem die US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke als marxistisch geframed werden soll, um leichter gegen sie in Kreisen antikommunistisch sozialisierter Konservativer agitieren und mobilisieren zu können. Marxistische Verschwörungen zu erfinden, um die eigenen Anhänger zu mobilisieren, hat in den USA unter Konservativen/Rechten Tradition und in diesem Zusammenhang ist dieser Begriff zu verstehen.

Dazu wurde eine falsche ideengeschichtliche Herleitung des US-amerikanischen Poststrukturalismus und der Political Correctness aus dem Neo-Marxismus in der Tradition des Freudomarxismus konstruiert (Frankfurter Schule, Wilhelm Reich).
Das ist ideengeschichtlich allerdings Unsinn, denn die US-amerikanischen Varianten des Poststrukturalismus sind in Wahrheit aus einer einseitigen und rigiden US-amerikanischen Rezeption und Interpretation des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen, (die sich aber vom ursprünglichen französischen Poststrukturalismus deutlich unterscheidet) und haben mit der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reich nichts zu tun.

Alan Riding: Correcting Her Idea of Politically Correct

„Wer das Gegenteil darlegen will, der muss einen Beweis dafür bringen, dass die anderen Theorien nur Mittel zum Zweck sind.“

Er müsste überhaupt erst einmal belegen, dass Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie oder Wilhelm Reichs (die heutzutage im Sinne einer großen und geschlossenen linken Strömung ohnehin nicht mehr existieren), die behaupteten Positionen vertreten. Das ist ja in der Regel nicht der Fall, denn hier wird ja so vorgegangen, dass zwei ganz unterschiedliche und miteinander konkurrierende linke Traditionen zusammengeworfen werden, die sich in ihren theoretischen Grundlagen und Strategien gravierend unterscheiden.

Neo-Marxisten in der Tradition der Kritischen Theorie oder Wilhelm Reichs sind in der Regel keine Poststrukturalisten. Anhänger des Poststrukturalismus sind in der Regel keine Neo-Marxisten/Freudo-Marxisten. Natürlich kann es im Einzelfall auch mal Personen geben, die sich für beides interessieren und an beides anknüpfen, aber grundsätzlich sind das verschiedene philosophische und politische Strömungen.

Weil Anhänger der US-amerikanischen Varianten des Poststrukturalismus nun als marxistisch geframed werden soll, kommt es zu unsinnigen Aussagen wie: „Kulturmarxisten“ haben ein Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ oder „Kulturmarxisten“ sind Kulturrelativisten/Multikulturalisten und ähnliches.

In Wahrheit vertreten Anhänger des Neo-Marxismus in der Tradition des Freudo-Marxismus kein Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ und sind im Allgemeinen auch keine Multikulturalisten. Das PC-Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ wird – nicht von allen, aber von den radikaleren – Anhängern der in den USA entstandenen Varianten des Poststrukturalismus vertreten und auch der US-amerikanische kulturrelativistische Multikulturalismus ist in diesem US-amerikanischen poststrukturalistischen ideengeschichtlichen und theoretischen Kontext entstanden.

Das ständige Zusammenwerfen zweier unterschiedlicher linker Theorietraditionen, bei der man nun der einen ständig Dinge unterstellt, die diese gar nicht vertritt, macht für Anhänger dieser konservativen/rechten Verschwörungstheorie nun natürlich jede ersthafte wissenschaftliche Diskussion unmöglich, denn die ganzen falschen Aussagen können ja nicht wissenschaftlich belegt werden.

Das ist aber auch nicht Sinn der Sache, es handelt sich wie gesagt um konservative/rechte Propagandalügen, Selbstaufwertungs- und Gegnerdämonisierungsstrategien – was ich als Political Correctness von rechts bezeichne.

Manche anderen Dinge, die da behauptet und unterstellt werden, sind sogar frei erfunden und werden weder von Neo-Marxisten in der Tradition des Freudo-Marxismus, noch von Anhängern des US-amerikanischen Poststrukturalismus vertreten.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Anhänger dieser konservativen/rechten Verschwörungstheorie keine überzeugenden Argumente oder wissenschaftlichen Belege für ihre Behauptungen angeben können, sondern es stets beim Behaupten bleibt.

Der Begriff „Kulturmarxist“ erfüllt in diesem konservativen/rechten Diskurs eine ähnliche Funktion wie die Begriffe „Faschist“, „rechts“ etc. bei extremen linken PC-Fanatikern. Es wird einfach inflationär und undifferenziert alles und jeder damit bezeichnet, der von den eigenen Auffassungen zu stark abweicht.

Die konservative/rechte Anti-Kulturmarxismus-Verschwörungstheorie ist also m.E. als ein Beispiel für eine Form von Political Correctness aus dem konservativen/rechten Spektrum zu interpretieren und sollte m.E. in diesem Sinne analysiert werden: als konservative/rechte Diskursstrategie der Selbstaufwertung/Gegnerdämonisierung/Propagandalügen.

2. Kommentar

Ich poste, weil es in diesem Zusammnenhang gut passt an dieser Stelle auch nochmal meinen kürzlichen längeren Beitrag, in dem ich erlärte, warum das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ seinen Ursprung im US-amerikanischen Poststrukturalismus und nicht im Marxismus/Neo-Marxismus hat:

“Kulturmarxismus” ist ein von der US-amerikanischen Rechten erfundener Unsinnsbegriff, dessen eigentlich intendierter Bezugspunkt keine Marxisten/Neo-Marxisten sind, sondern die spezifisch US-amerikanischen Strömungen der postmodernen/poststrukturalistischen Linken wie Gender Studies/Queer Studies/Critical Whiteness/Multikulturalismus.

Diese haben mit der Frankfurter Schule oder Wilhelm Reich faktisch nichts zu tun, sondern sind aus einer Rezeption des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen.

Sie werden von der US-amerikanischen Rechten aber nicht als “Postmoderne Linke” oder “Poststrukturalistische Linke” bezeichnet, sondern als “Kulturmarxisten” und es wird kontrafaktisch ein neo-marxistischer Ursprung konstruiert, einfach weil man sich von dem Begriff “Marxismus” bei stark antikommunistisch sozialisierten Konservativen in den USA eine größere Agitations- und Mobilisierungswirkung verspricht.

Da ein größerer Teil der konservativen Basis in den USA zudem geistes- und sozialwissenschaftlich wenig gebildet ist, kann man ihnen jeden Scheiß erzählen, also werden US-amerikanische postmoderne/poststrukturalistische Linke auf einmal als Neo-Marxisten gelabelt, obwohl sie das weder objektiv, noch subjektiv sind und es wird eine marxistische Verschwörung behauptet, die nicht existiert.

Triviale konservative/rechte Propagandalügen!

Das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” ist – wie bereits mehrfach erwähnt – aus einer US-amerikanischen einseitigen, dogmatischen und radikalisierten Rezeption und Interpretation des französischen Poststrukturalismus hervorgegangen.

Es gibt keine marxistische oder neo-marxistische Strömung/Richtung/Schule, die das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” vertritt und auch mit Herbert Marcuse hat es nichts zu tun.

Im ursprünglichen französischen Poststrukturalismus gab es das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” übrigens auch nicht, erst die extreme Identitätspolitik von in den USA entstandenen Poststrukturalismus-Varianten führte zur Herausbildung dieses PC-Feindbildes.

Das PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” wird also vertreten – nicht von allen – aber von den radikaleren Vertretern der in den USA entstandenen Sub-Strömungen des Poststrukturalismus wie Gender/Queer/Critical Whiteness Studies/postmoderner Multikulturalismus.

Diese US-amerikanischen Sub-Strömungen des Poststrukturalismus sind entstanden, als es nach dem Zusammenbruch des sogenannten real existierenden Sozialismus (von mir als Staatskapitalismus bezeichnet) zu einer Krise und einem massiven Rückgang sozialistischen, marxistischen und neo-marxistischen Einflusses in der US-amerikanischen akademischen Linken kam.

Sie sind also keinesfalls aus dem Neo-Marxismus heraus entstanden, sondern sind ganz im Gegenteil ein Resultat des Einflussverlusts sozialistischer, marxistischer und neo-marxistischer Strömungen und Theorien in der akademischen Linken in den USA.

Die Lücke, die der Einflussverlust des Sozialismus/Marxismus/Neo-Marxismus in der US-amerikanischen akademischen Linken hinterlassen hatte, wurde nun durch den Poststrukturalismus gefüllt und dieser wurde zum wichtigsten neuen theoretischen Paradigma der US-amerikanischen akademischen Linken.

Die Behauptung, die US-amerikanischen Unterströmungen des Poststrukturalismus seien Anhänger von Herbert Marcuse ist ebenfalls eine konservative/rechte Propagandalüge. Im Allgemeinen ist das Werk von Herbert Marcuse für Anhänger von Gender/Queer/Critical Whiteness Studies/Multikulturalismus irrelevant und sie knüpfen theoretisch nicht daran an.

Dies sei im Folgenden mal wieder belegt.

Zieht man bekannte Einführungswerke zu Gender/Queer/Critical Whiteness etc. heran, Werke, in denen die wirklichen theoretischen und ideengeschichtlichen Grundlagen der entsprechenden Strömungen dargestellt werden, dann lässt sich die tatsächliche Relevanz von Marcuse für die Theoriebildung in diesen Strömungen ziemlich eindeutig ermitteln.

Ich führe daher mal wieder ein paar Einführungswerke zu Critical Whiteness, Gender, Queer etc. auf, die ich besitze und deren Literaturverzeichnis oder Personenregister ich (soweit vorhanden) nach Marcuse durchsucht habe:

Katharina Röggla: Critical Whiteness Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Annamarie Jagose: Queer Theory – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Nina Degele: Gender/Queer Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Andreas Kraß: Queer Denken – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Gabriele Winker, Nina Degele: Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten – enthält ein Literaturregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Therese Frey Steffen: Gender – enthält eine kommentierte Bibliographie, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Hadumond Bußmann & Renate Hof : Genus- Geschlecherforschung/Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Heinz-Jürgen Voss/Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-)Kapitalismus – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

Renate Kroll (Hrsg.): Metzler Lexikon Gender Studies – kein Eintrag zu Herbert Marcuse. Unter dem Eintrag “Kritische Theorie” wird lediglich erwähnt, dass es mal Feministinnen gab, die sich auf Adornos und Horkheimers “Dialektik der Aufklärung” bezogen haben. Da es sich hierbei um das bekannteste Werk der Frankfurter Schule handelt, wäre es schon rein statistisch unwahrscheinlich, dass es nie eine Feministin gegeben hätte, die sich mal irgendwie darauf bezogen hätte. Von einem nennenswerten Einfluss der Frankfurter Schule auf die Gender Studies ist in dem Eintrag natürlich nicht die Rede, von einem Einfluss von Herbert Marcuse auf die Gender Studies erst Recht nicht.

Luca Di Blasi – Der weiße Mann. Ein Anti-Manifest – enthält ein Literaturverzeichnis: Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

In den genannten Büchern wird Herbert Marcuse also noch nicht mal am Rande erwähnt, sein Werk ist im Allgemeinen für die Theoriebildung des US-amerikanischen Poststrukturalismus irrelevant.

Herbert Marcuses Werk ist mit dem PC-Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” darüber hinaus auch nicht in Einklang zu bringen. Zwar war der SPÄTE Marcuse leider ein Vulgär-Feminist, aber ein Feindbild des “weißen, heterosexuellen Mannes” gab es bei ihm nicht. Im Gegenteil spielten weiße, heterosexuelle Männer in Marcuses Revolutionstheorie durchaus eine Rolle.

Marcuse hatte gehofft, dass die in den 60er und 70er Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen sowie das US-amerikanische “Lumpenproletariat” die Rolle einer “revolutionären Vorhut” gegen das kapitalistische System übernehmen würden und dann die Arbeiterklasse mitreißen würden.

Zu dieser “revolutionären Vorhut” gehörte für Marcuse auch die Studentenbewegung (an der auch viele weiße, heterosexuelle Männer teilnahmen) sowie, nicht nur das schwarze, sondern auch das weiße US-amerikanische “Lumpenproletariat” zu dem auch viele weiße, heterosexuelle Männer gehörten.

Die ideengeschichtlichen Ursprünge des PC-Feindbildes des “weißen, heterosexuellen Mannes” liegen woandes, wie ich bereits kürzlich in einem Kommentar erklärte, den ich nun einfach nochmal zitiere.

Das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ hat ideengeschichtlich wie gesagt seinen Ursprung in einer in den USA entstandenen dogmatischen und radikalisierten Übertragung von Konzepten des französischen Poststrukturalismus auf die in den 60er und 70er Jahren entstandenen neuen sozialen Bewegungen, die sich inzwischen längst akademisch institutionaliert hatten.

Eines der Hauptthemen des französischen Poststrukturalismus ist die Analyse und Kritik der Ausschlussfunktion bestimmter Normen. Dieser analytische Ansatz wurde von US-amerikanischen Vertretern des Poststrukturalismus in radikalisierter Form auf die Antidiskriminierungs-Diskurse bzgl. Frauen, Nicht-Weiße und Homosexuelle in den USA übertragen.

Weil Diskriminierungen im Rahmen poststrukturalistischer Theorien oft in einem „Paradigma von Norm und Abweichung“ analysiert werden, führte eine radikalisierte Version dieses Ansatzes zu einer Herausbildung von „Norm-Feindbildern“: männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich.

Hierbei spielte auch noch eine undifferenzierte Übertragung von Jacques Derridas Versuch einer „Dekonstruktion der Metaphysik“ eine Rolle.
Der französische Poststrukturalist Jacques Derrida vertrat die Ansicht, dass die westliche Metaphysik von der Vorstellung hierarchisch gegliederter Dualismen durchzogen sei. Unter „Dekonstruktion der Metaphysik“ verstand Derrida den philosophischen Versuch die hierarchische Gliederung von Dualismen aufzulösen und sie auf eine Ebene von Gleichwertigkeit zu überführen. Dazu entwickelte er eine bestimmte Methode.

Was auf Ebene der Philosophie ein interessantes Projekt sein kann – insbesondere da Derridas Dekonstruktion einen eher spielerischen Charakter hat, frei von dem rigiden Dogmatismus politisch korrekter Fanatiker – das kann problematisch werden, wenn es in einseitiger, undifferenzierter und radikalisierter Weise auf Anti-Diskriminierungsdiskurse übertragen wird, wie es in der US-amerikanischen Poststrukturalismus-Rezeption geschah.

Entsprechend dem poststrukturalistischen „Paradigma von Norm und Abweichung“ als analytischem Ansatz und dem Versuch der Dekonstruktion hierarchisch gegliederter Dualismen, die von Derrida übernommen wurde, führte die Übertragung dieses Ansatzes auf Anti-Diskriminierungsdiskurse in radikalisierter Form dazu, dass eine Reihe von Dualismen zu bedeutsamen analytischen Kategorien wurden:

Norm: weiß, Abweichung: nicht-weiß, insbesondere schwarz
Norm: männlich, Abweichung: weiblich
Norm: heterosexuell, Abweichung: homosexuell
Norm: cissexuell, Abweichung: transsexuell
Norm: westlich, Abweichung: nicht-westlich

Das Verhältnis der beiden jeweiligen Aspekte zueinander wurde also als streng hierarchisch interpretiert. Die „Dekonstruktion“ angewandt auf diese Sichtweise meint nun die Schwächung der jeweiligen Norm-Kategorie und die Stärkung der jeweiligen Abweichungs-Kategorie, so dass eine Gleichwertigkeit der beiden Aspekte entsteht.

Resultat dieser radikalisierten Übertragung von poststrukturalistischen Konzepten auf US-amerikanische Anti-Diskriminierungsdiskurse sind also „Norm-Feindbilder“ (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich) und im Zusammentreffen dieser Attribute entsteht dann das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen, cissexuellen, westlichen Mannes“, in dem sich alle diese vermeintlichen Normen treffen.

Das ist der tatsächliche ideengeschichtliche Ursprung des PC-Feindbildes des „weißen, heterosexuellen Mannes“, welches mit marxistischen und neo-marxistischen Theorien und Strömungen nichts zu tun hat und von diesen auch nicht vertreten wird.

Anhänger dieser Perspektive des US-amerikanischen Poststrukturalismus vertreten NICHT die Ansicht, dass eine Schwächung des „weißen, heterosexuellen Mannes“ zu einer Überwindung des Kapitalismus führen könne. Das PC-Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ ist KEINE Strategie zur Überwindung des Kapitalismus, es ist ein Resultat der extremen Identitätspolitik US-amerikanischer Anti-Diskriminierungsdiskurse auf radikalisiert poststrukturalistischer Grundlage – und nur aus diesem Kontext heraus zu verstehen.

Wer es genauer nachlesen will, sei noch einmal verwiesen auf das Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt “Multikulturalismus und Political Correctness in den USA”, in dem die ideengeschichtlichen Grundlagen der Political Correctness bei Einhaltung von Standards wissenschaftlichen Arbeitens und mit Belegquellen dargestellt werden.

Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA

(Die einzige neo-marxistische/sozialistische Strömung, die Hildebrandt in seinem Buch im Zusammenhang mit der Herausbildung des neuen poststrukturalistischen Paradigmas der US-amerikanischen akademischen Linken erwähnt, ist übrigens der strukturalistische Marxismus, gemeint ist offenbar der strukturalistische/poststrukturalistische Marxismus in der Tradition von Althusser, also eine Marxismus-Variante, die selbst schon stark postmodern geprägt ist. Aber selbst dieser postmodernen Marxismus-Variante wird in dem Buch kein großer Einfluss eingeräumt.)

Abschließend…

Wie ich schon drüben bei Lucas Schoppe schrieb:

Man kann es immer noch schöner, wissenschaftlicher, besser belegter machen, aber wer das will, schreibt in der Regel auch keine Blogbeiträge. (Ich bin selbst Perfektionist und kenne das Problem…)

Ich bin auch großer Fan davon, die besten Kommentare noch einmal als eigene Blogeinträge zu veröffentlichen. 1. findet man sie so deutlich leichter selbst wieder, 2. sind sie für neue Leser leicht auffindbar und die Leseschwelle ist geringer (Wer wühlt sich durch Tausende von Kommentaren, um die am besten formulierten 1-2% zu finden? Warum sollte jemand umgekehrt gezielt nach bestimmten Kommentatoren suchen, wenn er noch niemanden von den Diskutaten einschätzen kann?), 3. zeigt es auch, was die Betreiber eines Blogs selbst als gut und lesenswert einschätzen.

Nachtrag 11.08.:
Luisman ist mit diesem Artikel nicht einverstanden und hat in seinem Blog unter „Immunisierungsstrategie“ eine Kritik geschrieben. Ich empfehle ausdrücklich, auch diese zu lesen! Es soll sich jeder selbst eine Meinung bilden.

Aktualisierung:

Der Artikel hat es am 23.04.2017 in ein Video der Weltraumaffen namens „Pausenclowns der Frankfurter Schule“ geschafft! Er wird zwar nur kurz angesprochen (2:18:25-2:20:27), ebenso wie Luismans Kritik, wird aber sauber und ordentlich in der Quellenliste aufgeführt. Das lob ich mir!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit Marx und dem Gefühl, das ich es vielleicht besser hätte wissen müssen, als dieses Thema wieder aufzugreifen…

Richard Marx: Should’ve Known Better

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