Gastartikel: Leszek zu der Frage, ob Gender Studies unwissenschaftlich sind

Zum gestrigen Fundstück schrieb Leszek einen Kommentar, der mal wieder von so hohem Niveau ist, dass ich ihn 1:1 als Gastartikel übernehme. Ab hier O-Ton Leszek:

Um die Wissenschaftlichkeit bzw. Unwissenschaftlichkeit einer Disziplin zu beurteilen empfiehlt sich m.E. stets ein Blick in Lehrbücher/Einführungsbücher zum Thema. Denn diese müssen ja einen wesentlichen Teil der Inhalte enthalten, die dann auch in den entsprechenden Studiengängen gelehrt werden.
Lässt sich aus dem Lesen von Einführungsbüchern/Lehrbüchern einer Disziplin also bereits ersehen, dass diese gravierende wissenschaftliche Mängel aufweisen – eine solche Beurteilung setzt allerdings natürlich bereits Wissen zum Thema voraus – dann kann begründet davon ausgegangen werden, dass auch die Disziplin als Ganzes entsprechende Mängel aufweist.

Ausgehend von meinen Recherchen in Einführungsbüchern/Lehrbüchern der Gender Studies sowie von sonstigen Verlautbarungen von Vertretern der Gender Studies komme ich zu dem Ergebnis, dass die Gender Studies unwissenschaftlich sind. Ich befürworte ihre Abschaffung.

Ich hatte bei „Alles Evolution“ kürzlich einmal versucht zusammenfassen hinsichtlich welcher Aspekte die Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies m.E. zum Ausdruck kommt:

– Ausblendung des Forschungsstandes zu Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind.

– Ausblendung von Forschungsergebnissen und Theorien der biologischen Verhaltenswissenschaften.

– Ausblendung von Forschungsergebnissen konkurrierender geschlechter-soziologischer Ansätze, wenn diese nicht zu den Gender Studies-typischen ideologischen Vorannahmen passen (z.B. Catherine Hakims Präferenztheorie).

– Durchschnittliche Unterschiede hinsichtlich geschlechtsbezogener gesellschaftlicher Verteilungen werden als Resultat von Diskriminierung gedeutet ohne zu prüfen, ob dies wirklich der Fall ist und ob nicht unterschiedliche durchschnittliche Präferenzen die Ursache oder zumindest Mitursache sind.

– Ein Intersektionalitäts-Verständnis, bei dem Diskriminierungen immer nur in eine Richtung laufen können, Diskriminierungen auf der anderen Seite also per se gar nicht erst in den Blick geraten können. Damit zusammenhängend Ausblendung sämtlicher sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse, die nicht zu dieser Vorannahme passen.

– Absurde wissenschaftstheoretische Vorstellungen („feministische Wissenschaftstheorie“) und eine Weigerung, die in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften ansonsten gängigen wissenschaftlichen Standards ernstzunehmen und einzuhalten.

– Weigerung auf begründete Kritik einzugehen, stattdessen Tendenz auch sachlicher, fundierter und begründeter Kritik mit politisch korrekten Vorwürfen zu begegnen.

– Ideologisierung durch das Eingebundensein der Gender Studies in die politisch korrekte (vulgär-)poststrukturalistische ideologische Weltsicht. Dadurch sind die Gender Studies Beschränkungen durch entsprechende politisch korrekte Vorgaben und Interpretationen ausgesetzt, über die nicht hinausgedacht werden kann/darf.

– Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Gender Studies (z.B. bei Vorstellungen zu philosophischer Anthropologie, Ethik, Erkenntnistheorie) besteht eine weitgehende Abspaltung vom und Ignoranz gegenüber dem eigentlichen Diskussionsstand in der Philosophie.

Und dies alles findet sich auch – z.T. in noch stärkerer Ausprägung – auf gender-feministischen Blogs wieder, denn zwar sind die Gender Studies als Disziplin etwas anderes als der Gender-Feminismus als soziale Bewegung, aber es gibt natürlich Wechselwirkungen.

Es werden sich bei den Vertretern der Gender Studies sicherlich trotzdem mal Einzelpersonen finden, auf die die genannten Kritikpunkte nicht oder in geringerem Maße zutreffen.
Ich hatte ja mal Stefan Hirschauer als einen Vertreter der Gender Studies erwähnt, den ich durchaus gerne lese und der ja auch selbst die Ideologisierung im Feld der Gender Studies kritisiert hat. Aber das sind eben die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Grundsätzlich gilt m.E.: die Gender Studies sind unwissenschaftlich, sie versuchen sich (und ihre Unwissenschaftlichkeit) in zahlreichen anderen Disziplinen zu verankern, stellen m.E. zumindest in langfristiger Perspektive ein Risiko für den universitären Wissenschaftsbetrieb dar, die Gender Studies scheinen nicht selten einen negativen Einfluss auf Studenten zu haben, die das Fach studieren, insofern die Gender Studies zumindest einen Beitrag dazu leisten ideologisierte politisch korrekte Mentalitäten hervorzubringen, die nur in eine Richtung denken können, zum Opfernarzissmus neigen und eine geringe Wertschätzung für die Meinungsfreiheit haben.

Es gibt m.E. gute Gründe die Abschaffung der Gender Studies zu fordern (und dafür muss man keineswegs konservativ/rechts sein).

Ich bin hinsichtlich meiner politischen Weltsicht wesentlich libertärer Sozialist und kein Fan der DKP, aber die DKP hat in diesen Fall mit ihrer Kritik an den Gender Studies (Partikularismus, Identitätspolitik, aufklärungsfeindlich) m.E. schon Recht.

Ende des Gastartikels, ab hier wieder ich: Der von Leszek erwähnte Artikel bei „Alles Evolution“ war „Sind Gender Studies unwissenschaftlich?“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Irgendwie musste ich bei der Diskussion um Wissenschaftlichkeit an „das logische Lied“ denken.

Supertramp: The Logical Song