Jungs und rosa Einhörner.

Eigentlich schreibe ich solche Sachen eher auf meinem eigenen Blog, aber da ich finde, dass das hier gut reinpasst, und für heute noch kein Beitrag drin ist, landet es beim Geschlechterallerlei.

Mein Sohn ist sieben Jahre alt, interessiert sich für allerlei „Jungskram“ sprich Autos, Fußball, Lego Technic und was es halt noch so gibt. Nun interessiert er sich seit einer Weile vermehrt für die Spielsachen seiner Schwester. Er mag mit ihren Fillys spielen und kuschelt ganz gern mit ihren Kuschel-Einhörnern. Ist für mich kein Problem, seine Schwester allerdings findets nicht so prall, weil er sie immer um ihre Sachen anbettelt. Daher spielte sich kürzlich folgendes Gespräch ab:

Sohn: „Schwester, krieg ich deine Regenbogen zum kuscheln?“ [Regenbogen ist ein fliederfarbenes Kuscheleinhorn mit mehrfarbigen, glitzernden Hufen sowie farblich passendem Horn und Zaumzeug]

„Hmm, nö. Ich mag lieber selber damit kuscheln.“

„Krieg ich dann Sternchen?“ [Rosa Kuschel-Einhorn]

„Warum willst du immer mit meinen Kuscheltieren kuscheln? Du hast doch eigene!“

Mein Partner schaltet sich ein: „Weißt du was, wenn du so gern mit Einhörnern kuschelst, dann kaufen wir dir einfach ein eigenes, und du musst nicht immer die von deiner Schwester nehmen.“

Sohn murmelt: „Nö.“

– „Und warum nicht?“

Sohn antwortet zögernd: „Weil die anderen sonst lachen.“

Etwa so lief das ab. Seitdem grüble ich, wie ich es hinbekomme, dieses Ding aus der Welt zu schaffen, und auch wenn das vielleicht seltsam rüberkommt: Wie würdet ihr das angehen?

 

Advertisements

Über evilmichi

Seit ich denken kann wollte ich nur eines: wie die Anderen sein. Und weißt du was? Irgendwann habe ich doch kapituliert. Ich war immer schon ich. Nur mittlerweile bin ich es gern. Meistens zumindest.
Dieser Beitrag wurde unter Evilmichi, Geschlechterspezifische Erziehung abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

26 Antworten zu Jungs und rosa Einhörner.

  1. tom174 schreibt:

    1. Fillys gehen gar nicht (und ich hab 2 töchter) 😉
    dann.. puh. entweder du erklärst ihm, dass das ausgelacht werden albern ist, und er da drüber stehen sollte oder du kaufst der tochter ein neues, dass aber immer ausleihbar sein muss. Kommt drauf an, was du erreichen willst…

  2. ReVolte schreibt:

    Kauf doch eines der begehrten Kuscheltiere und gib insbesondere deiner Tochter zu verstehen, dass es nicht – weil rosa – allein ihres ist. Es ist auch nicht Sohnemanns Kuscheltier, sondern quasi frei verfügbar.

  3. Der Adler schreibt:

    Dem Sohn eins kaufen und dir selbst auch. Wenn andere Kinder lachen, packst du deins aus und fragst: „lacht ihr jetzt auch über mich?“
    In welchem Alter sind die Kleinen denn?

  4. yacv schreibt:

    Lustig, meine erste Idee war auch das Familien-Einhorn, das im Wohnzimmer liegt und allen gehört.
    Da gibts dann höchstens ein Problem, wenn deine Tochter wie meine Nichte ist, die dann das Familieneinhorn viel interessanter fände als all die anderen in ihrem Zimmer.

  5. evilmichi schreibt:

    Die Idee mit dem Familieneinhorn gefällt mir. Ich glaub, so mach ichs. Danke für den Tipp! =)

  6. zuerstmensch schreibt:

    Was glaub ich auch sehr wichtig ist, dem Jungen den Rücken zu stärken, so dass er offener damit umgehen kann. Wer lacht über ihn? Wo würde gelacht? Schule? Dann wenn er es nicht komplett ablehnt, mit Lehrer-/ und Erzieher/-innen sprechen und klarmachen dass sie mit Verantwortung tragen, dass Jungs aus ihrer Zwangsrolle befreit werden. Grade Erwachsene hemmen das Ausbrechen oft, indem sie sehr wiedersprüchliche Signale vermitteln und Jungen gegenüber sehr halbherzig nur agieren.

    Ja ein Familieneinhorn ist schon ok. Nur gibt es nur dieses? Oder hat die Tochter wieder ein eigenes und der Sohn nur das Familieneinhorn? Wenn er ein Einhorn für sich möchte, sollte alles dazu getan werden ihm das auch zu ermöglichen und nicht mit Kompromissen das Klima geschaffen werden: „Ja ist schon ok, was du tust, aber so ganz richtig zu einem Jungen passt das halt doch nicht!“.
    Man sieht ja an den Reaktionen hier, dass so ein Wunsch eines Jungen befremdlich wirkt und man Lösungen sucht, die man bei einem Mädchen nicht suchen würde, das sich nicht „mädchenhaft“ verhalten möchte. „Sie soll drüberstehen“ würde kein Vater schreiben, sondern dieser würde mit Vehemenz den Wunsch seiner Tochter durchsetzen versuchen.

    Sonst denke ich wird er bald die Lust an diesem Spielzeug verlieren und sich wieder „ganz Jungenhaft“ verhalten. Was dann wieder eine Bestätigung für die ganze Gesellschaft ist, dass „Jungs halt so sind“.

    Dieser Junge will auch anders sein: http://www.slate.com/articles/life/family/2014/03/grayson_bruce_was_bullied_for_his_my_little_pony_backpack_no_wonder_my_son.html

    • evilmichi schreibt:

      Den Link werd ich mir später ansehen, ich bin grad schon zu müde für Englisch. Irgendwie bin ich zwiespältig bezüglich seiner Einstellung zu einem eigenen Einhorn. Prinzipiell mag ich auch keine „wischi-waschi-Lösungen“. Und prinzipiell bin ich auch dafür, Kinder stark zu machen, ihnen dabei zu helfen für sich selbst einzustehen. Nun ist es aber so, dass Sohn ohnehin etwas speziell ist, und ich weiß wie wichtig gleichaltrige Freunde für ein Kind sind, egal ob Mädchen oder Junge. Freundschaften waren für ihn leicht zu knüpfen aber unmöglich aufrecht zu erhalten. Deshalb ist das mit dem stark machen zwar absolut in meinem Sinne, nur ich finde, ich sollte tatsächlich ein Stück weit auch einfach seinen Wunsch respektieren, anstatt ihm zu sagen „los, mach das jetzt gefälligst so wie ich das für richtig halte“. Versteh mich richtig, ich nehme meine Position als Erziehungsberechtigte nicht auf die leichte Schulter, das kann man eigentlich auch aus meinem Blog ganz gut rauslesen. Aber Eltern hin Eltern her, Kinder haben durchaus das Recht, bei gewissen Dingen mitzureden. Just my two cents.

      • zuerstmensch schreibt:

        Du bist der Elternteil und nur du (und sein Papa) haben das zu bestimmen. Nur die Eltern wissen was ein Kind braucht. Das ist so und wird so bleiben. Wenn es für ihn wichtiger ist Freundschaften zu knüpfen (ich kenn dass, mein ADHS-Kind war ebenfalls sehr allein) dann ist das Einhorn Nebensache und er muß sicher keine Frontfigur des Widerstands gegen Geschlechterklischees werden. In so einem Fall sind Kompromisse sicher das Gescheiteste. Es kann ja auch ein „Familieneinhorn“ sein, das trotzdem nur von ihm vom Platz genommen wird und das die Tochter halt in Ruh lässt (wenn man ihr das richtig erklärt, dass ihr Bruder da in der Zwickmühle steckt und sie ihm dadurch helfen kann?)

        Oft gehen halt Geschlechterklischees und wenig Freundschaften Hand in Hand. Weil solche Jungs von der Norm abweichen, mit Mädchen und Jungs gleichermassen spielen wollen und sich das „typische“ Jungenverhalten nicht ansozialisieren lassen wollen, werden sie dann in der Pupertät auch gleich aussortiert. Weil nicht „männlich genug“ (soll heissen, nicht machohaft) , weil „zu nett“. Zum Glück findet sich für jeden Topf noch ein Deckel 😀

        Ich gebe dir noch einen Tip. Es gibt schon in vielen größeren Städten Elterngruppen die sich der neutralen Erziehung verschrieben haben, da kann man sich Rat und Hilfe holen. Vielleicht auch bei dir?

      • tom174 schreibt:

        auch lesenswert: http://gaywest.wordpress.com/2014/02/07/mein-kleines-pony/ da hat adrian was zu geschrieben..

      • tom174 schreibt:

        Manchmal muss man auch einfach machen lassen. Wenn er das gerade nicht will, wenn auch aus Gruppendruck, dann lass ihn nicht wollen. Mach ihm immer wieder klar, dass für dich alles ok ist, aber in der Gruppe muss er seinen eigenen Weg finden. Meine große(8) hat einen Freund, der für eine Weile auf Abstand ging, weil er nicht als „Mädchenfreund“ gehänselt werden wollte.. hat sich wieder gegeben. Hätten wir versucht ihm das auszureden, wäre das wohl gescheitert..

    • „Dann wenn er es nicht komplett ablehnt, mit Lehrer-/ und Erzieher/-innen sprechen und klarmachen dass sie mit Verantwortung tragen, dass Jungs aus ihrer Zwangsrolle befreit werden.“

      Aus meiner Sicht sehr gefährlich! Wir hatten auch mal eine Mutter, die meinte, dass ihr Sohn doch nicht gemobbt werden sollte in der Schule. Das haben dann auch alle Eltern brav an ihre Kinder weitergetragen: „Sei doch mal nett zu dem und spiel mit dem“.
      Brachte natürlich gar nichts.

      • zuerstmensch schreibt:

        Nein so war das nicht gemeint. Es geht an die Pädagogas selbst. Aber du hast völlig recht. Wenn ich mich recht erinnere, sind solche Aktionen tatsächlich gefährlich, weil die Kinder in einer Art Geisselhaft in der Schule sind. Denn wenn sowas schiefgeht, muß es das Kind es ausbaden. So gesehen stimmt deine Einschätzung, auch wenn es sehr traurig ist, dass es so ist.

  7. elitemedium schreibt:

    Interessanter Beitrag.

    Den Vorschlag mit dem Familieneinhorn finde ich auch gut.

    Was nach meiner Erfahrung nicht funktioniert, ist Kindern die ausgelacht werden zu sagen, dass sie da einfach „drüber stehen sollten“. Das funktioniert nicht. Die sozialen Systeme in denen Kinder sich bewegen sind viel grausamer, als die der Erwachsenen. Wenn jemand in seiner Firma gemobbt wird, dann würde man ihm ja auch nicht raten, das einfach hinzunehmen oder „mitzulachen“.

    Im Gegensatz zu einigen Feministinnen würde ich mein Kind auch nicht öffentlich zur Speerspitze im Kampf gegen Geschlechterklischees machen und es auf diese Weise die Ideologie der Eltern ausbaden lassen.

  8. Graublau schreibt:

    Drei Artikel, die mir dazu spontan eingefallen sind:
    1. Mein kleines Pony – Adrian erzählt, wie er sich als Kind ein Spielzeug wünschte, das er nicht offen herumzeigen konnte; leider erwähnt er auch eine andere, traurige Geschichte
    2. Geschlechterrollen: Häufungen wird es immer geben, dies sollte aber keinen Konformitätszwang erzeugen – ich finde dies Überschrift einfach großartig und habe das in letzter Zeit als einen inneren Leitsatz benutzt
    3. In seinem Beitrag Identity Economics: Wie mit ungedeckten Schecks „Männlichkeit“ verkauft wird weist Arne Hoffmann darauf hin, dass aus linksliberaler Perspektive das Aufbrechen von Geschlechterrollen für alle gilt, aber noch lange nicht umgesetzt wurde. Sprich, Männer sollen ihren Weg ebenso gehen wie Frauen. Mich hat es sehr angesprochen, dass jemand deutlich ausspricht, wie sehr wir gerade bezogen auf Männlichkeit allzu oft ein völlig starres Bild haben. Schön finde ich umgekehrt das Beispiel, dass er selbst mehr auf weibliche Nerds steht. 🙂

  9. Graublau schreibt:

    – Wenn ein Kind ein Spielzeug will: Warum denn nicht? Gegenargument (das immer gilt): Vielleicht läßt das Kind das Spielzeug später unbeachtet liegen.
    – Wenn das Spielzeug nicht „gesellschaftsfähig“ ist: Warum einen Wunsch opfern, nur um besser dazustehen? Ist es nicht die falsche Lektion, dass man sich anpassen muss, um nicht unbeliebt zu sein? Und die gegenteilige, ebenfalls falsche Reaktion: Ich trompete alles in die Weltgeschichte heraus und niemand darf mich dafür nicht mögen. Was es aus meiner Sicht am ehesten trifft: „Das ist völlig ok, aber nicht jeder kann damit umgehen. Manchmal ist es besser, nicht alles jedem zu zeigen oder zu erzählen.“

    • elitemedium schreibt:

      Das Problem ist hier ja nicht einfach, dass das Kind das Spielzeug will und die Eltern überlegen, ob sie es schenken sollen.

      Das Problem ist, dass das Kind das Spielzeug gerne hätte aber trotzdem nicht als „sein eigenes“ will, weil in seinen Augen unmännlich oder zumindest Spottgefahr.

  10. m schreibt:

    Kauft ihm ein Einhorn. Wenn die anderen lachen, dann lachen sie halt. Das entzieht sich gänzlich eurer Kontrolle. Und er muss dann entscheiden, wie er damit umgeht. Das wird nicht das letzte Mal in seinem Leben sein, dass da etwas ist, was ihm unangenehm ist. Ihr könnt die anderen nicht ändern. Es ist halt ein Scheißhaus da draußen. Manchmal. ^^

  11. Nimm das hier:
    squishable (dot) com/pc/mini_squish_punkrock_unicorn_7/Squishable_Mini/Mini+Punk+Rock+Unicorn

    Würde vielleicht auch als Ball durchgehen.

  12. Martina Schmidt schreibt:

    Mein Sohn ist 6 Jahre alt und er mag zwar den „typischen“ Jungskram, aber eben auch Einhörner. Auf einem Fest haben wir ihm ein rosa Kuscheleinhorn gekauft, da er das UNBEDINGT haben wollte, aber das liegt jetzt unbeachtet zwischen all den anderen Kuscheltieren, Autos und Dinos. Sobald man es hat, wird es weniger interessant – reizvoll wird es doch nur, der Schwester das Einhorn „abzuluchsen“, es ist ein kleines Erfolgserlebnis, was ein Kind für die Entwicklung braucht. Ich schätze, wenn Ihr Sohn ein eigenes hat, wird es ganz schnell uninteressant. Mein Sohn ist nicht allerdings nicht durch eine ältere oder jüngere Schwester „vorbelastet“, er kommt ganz alleine auf solche Ideen *lach*. Im Kindergarten verkleidet er sich auch gerne mal als Prinzessin und zieht den rosa Fummel über, bis jetzt hat ihn noch keiner deshalb ausgelacht. Kinder sind da viel toleranter als die Erwachsenen! Und wenn er irgendwann einmal dafür ausgelacht werden sollte, dann muss er selbst zu einer Lösung kommen. Entweder, er macht das dann weiter oder er lässt es. Ich finde, das Ausprobieren stärkt das Selbstbewusstsein und vor allem die Persönlichkeit! Wichtig ist, dass man als Elternteil das Kind versteht und entsprechend stärkt und unterstützt. Ich jedenfalls lasse ihm seinen Freiraum in solchen Dingen.

    Und übrigens finde ich das „Rosa für Mädchen“ und „Blau für Jungs“-Denken voll nervig – ich hoffe, dass diese Engstirnigkeit endlich einmal in den Köpfen der Erwachsenen aufhört! Die geben diese Spießigkeit doch an die Kinder weiter – und nicht umgekehrt! Lasst den Kindern Freiraum für die persönliche Entwicklung – und das Farb- und Spieleübergreifend! Mädchen dürfen auch mal mit Matchbox-Autos oder Fußball spielen und Jungs mit Fillys oder Barbies 😀

  13. Martina Schmidt schreibt:

    Habe eben erst gesehen, dass der Post von 2014 ist, ich denke, das mit dem Einhorn hat sich mit Sicherheit schon erledigt 😉 Trotzdem habe ich mal meinen Senf dazu abgegeben 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s