Was kommt nach der Gleichberechtigung?

Wenn Ihr älter seid, werden Frauen und Männer gleichberechtigt sein. Und die Hausarbeit werden Roboter machen. So oder so ähnlich habe ich das in meiner Jugend gehört. Was nicht sehr viel über mein Alter aussagt. Diese Vision der unmittelbar bevorstehenden Zukunft wird schon einigen Generationen präsentiert. Das Zieldatum wird einfach immer wieder nach hinten verschoben. Die Roboter leben schon eine Weile bevorzugt in Science Fiction Filmen. Und die umfassende Gleichberechtigung ist nach wie vor eine Utopie. Obwohl sich natürlich tatsächlich viel verändert hat.

Viel wurde erreicht

Wir können jetzt den automatischen Staubsauger-Roboter im Geschäft kaufen. Das ist zwar nicht ganz der versprochene elektronische Butler, der in der Früh den Kaffee zum Bett bringt. Aber immerhin. Bei der Gleichberechtigung sieht es ähnlich aus. Früher konnten Frauen ja nicht einmal an der Universität studieren. Oder wählen. Oder allein am Abend Essen gehen. Obwohl das mit dem Essen vielleicht doch nicht wirklich unser Kulturkreis war. Und das Wahlrecht ist auch schon älter als 99% der lebenden Mitmenschen. Wenn man die Frauen fragt, hat sich in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise eher wenig verbessert.

Viel wird nie erreicht werden

Wenn man immer nur die Frauen fragt, wird sich das wohl auch nicht mehr ändern. Wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe, schlägt der Trend zur Gleichberechtigung immer mehr in sein Gegenteil um. Weil Frauen nicht gleichberechtigt sein wollen. Zumindest mehrheitlich. Wenn es um greifbare Konsequenzen im täglichen Leben geht. Kaum eine Frau will gleich sein. Eine Frau will etwas Besonderes sein. Lobbies und Regierungen betreiben heute die Gleichstellung (der Frauen) und schaffen damit auf Wunsch der Frauen die gerade erst geschaffene Gleichberechtigung an vielen Stellen wieder ab. Bevor der vollständigen Gleichberechtigung überhaupt eine Chance gegeben wurde. Die Lohnungleichheit wäre schnell aufgelöst, wenn Väter tatsächlich gleichberechtigt wären. Aber das werden wir kaum mehr selbst erleben, weil der moralische Grundsatz der Gleichberechtigung mit der Jahrtausendwende entsorgt wurde. Was jetzt?

Wohin geht der Weg?

Dass die halb verwirklichte Gleichberechtigungs-Utopie zur allgemeinen Zufriedenheit beider Geschlechter geführt hätte, könnte man auch nicht wirklich behaupten. Also wird es weiter Veränderungen geben. In welche Richtung?

  1. Post-Gender
    Diese Option zähle ich nur der Vollständigkeit halber auf. Wer es noch nicht kennt: Post-Gender beruht auf der Annahme, dass die Unterscheidung Mann-Frau gesellschaftlich und/oder politisch nicht mehr relevant wäre. Typischerweise wird (oder wurde) diese doch sehr mutige These von Menschen vertreten, die entweder zu jung sind, um ihre Fantasiewelten im echten Leben zu überprüfen, oder zu schräg, um sich überhaupt um die Realität zu kümmern. Das Auftreten des Postgenderismus ist meistens nur von kurzer Dauer. Als drastisches Beispiel kann der innere Niedergang der deutschen Piratenpartei dienen. Post-Gender hat sich bereits selbst widerlegt, bevor es umgesetzt wurde. Niemand setzt sich ernsthaft dafür ein, dass das Geschlecht als Kategorie im öffentlichen und politischen Leben bedeutungslos werden soll. Damit kann Post-Gender nie eine ernsthafte Rolle spielen.
  2. Zurück ins bürgerliche Biedermeier
    Ob wir es gerne sehen oder nicht, unsere Gesellschaft baut nach wie vor grundsätzlich auf bürgerlichen Idealen auf. Wenn die Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, könnten wir auch wieder zurück zu unseren kleinbürgerlichen Wurzeln gehen und die Kleinfamilie wiederbeleben. Irgendwie passiert das ja bereits. Junge Menschen sehen bürgerliche Werte mittlerweise positiver als die gealterte Hippie-Generation. Die Hausfrauenehe steht vor einem Comeback. Allerdings mit zwei Haken. Die positiven retro-Gefühle sind nicht gleichmäßig über die Geschlechter verteilt. Junge Frauen finden die Hausfrauen-Ehe eher attraktiv als junge Männer. Die Retro-Ehefrauen in spe werden also nicht genug Versorger-Ehemänner finden. Und das mit gutem Grund. Die bürgerliche Ehe kann dem bürgerlichen Mann kaum noch Anreize bieten. Die alten Väterrechte sind weg, aber die Versorgerpflichten bleiben sogar nach der Scheidung bestehen. Und weder Frauen noch Männer wollen die alte Sexualmoral zurück. Schon gar nicht als gesetzlich verbindliche Vorschrift für Alle. Die bürgerliche Kleinfamilie wird daher auch in näherer Zukunft immer nur eine individuelle und zerbrechliche Scheinidylle auf Zeit sein. Abgesehen davon schrumpft die bürgerliche Mittelschicht ohnehin zunehmend.
  3. Zurück in den Feudalismus
    Die Gesellschaft feudalisiert sich rasant. Die Superreichen werden mehr und reicher. Es gibt wieder eine verarmte Unterschicht. Und die Mittelschicht kommt immer mehr unter Druck. Am Ende so einer Entwicklung würde eine ständische Gesellschaft stehen, wie wir sie zum Beispiel im Barock hatten. Interessanterweise gehen die feministischen Initiativen der letzten Jahre auch in diese Richtung. Anstatt wie noch vor 30 Jahren gleiches Recht für Alle zu fordern (bürgerlicher Liberalismus), werden heute dem Geschlecht (Stand) zustehende Privilegien (Quoten, gegenderte Sprache) eingefordert. Der Feminismus ist längst im ständischen Feudalismus des Barock angekommen. Wenn die Männer mit entsprechenden Gegenforderungen antworten, bekommen beide Geschlechter irgendwann ihre Sonderrechte und die Geschlechter werden zu nebeneinander bestehenden Ständen. Dann gibt es Frauenquoten für Aufsichtsräte und Männerquoten für alleinerziehende Väter, getrennte Frauen- und Männerparlamente, möglicherweise auch getrennte staatliche Männer- und Frauenbudgets, frauenspezifische Sprache und männerspezifische Sprache, Frauengesetze und Männergesetze, Frauenrechte und Männerrechte. Und keine Menschenrechte. So unwahrscheinlich ist diese Entwicklung nicht. Die offene Frage ist nur, ob sich Männer genauso kollektiv für ihre Privilegien einsetzen werden wie das Frauen schon heute tun. Bislang warten sie noch ab. Wenn sie weiter passiv sind, gibt es irgendwann nur mehr Frauenprivilegien.
  4. Das Matriarchat
    Die umfassende Dominanz der Frauen in allen Bereichen des Lebens ist ebenso möglich. Geplant wird es ja schon. Der Kern des radikalen Feminismus wird heute insbesondere in den USA von Lesben kontrolliert und die wollen weder Gleichberechtigung noch Gleichstellung, die wollen die lästige Konkurrenz der heterosexuellen Männer kaltstellen. In einem zukünftigen Europäischen Matriarchat wären wohl immer noch viele Bereiche des Lebens männlich „dominiert“, aber das hätte nichts mit Machtausübung zu tun. Männer wären vor allem für die körperlich anstrengenden und gefährlichen Arbeiten zuständig, Frauen hätten überall freie Wahl und vollständige Kontrolle. In der Praxis wäre die Landesverteidigung also weiter Männersache, aber Frauen würden über Krieg und Frieden entscheiden. Die Spitzen von Politik und Wirtschaft würden von Frauen kontrolliert, aber Schwerarbeit und gefährliche Tätigkeiten wären Männersache. Frauen hätten alleinige Kontrolle über Partnerwahl, Geburtenkontrolle und Kindererziehung, Männer hätten keine dauerhafte Rolle in der Familie. Also insgesamt auch eine Art von Feudalismus, aber mit den Frauen als neuer Oberschicht. Für dieses Szenario spricht die anhaltende Passivität der Männer. Dagegen spricht die zahlenmäßige Unterlegenheit der Lesben und historische Beispiele: Gesellschaften, in denen Väter entrechtet sind, fallen zivilisatorisch recht schnell zurück und zerfallen dann in Kleingruppen. Das Europäische Matriarchat wäre wohl nur ein kurzfristiger Übergang zu etwas ganz Anderem.
  5. Seitwärts in den Islamismus
    Wenn die Europäische Kultur an der eigenen Gleichberechtigungs-Utopie scheitert, bekommt vielleicht der Islam letztlich die Oberhand bei uns. Der Weg von der Ablehnung des Feminismus zur Annahme des Islamismus ist ein erstaunlich kurzer. Sowohl Männer als auch Frauen schätzen am Islam das gesicherte Rollenbild. Der Schritt von einem geschwächten Christentum zur eng verwandten monotheistischen Religion des Islam wäre auch ein nicht zu weiter. Aber dieses Szenario teilt eine grundlegende Schwäche mit dem möglichen Matriarchat: Islamische Gesellschaften sind chronisch unproduktiv. Irgendjemand müsste die bedürftigen moslemischen Massen ja ernähren. Europa ist nicht Kuweit. Der Islamismus würde in sich zusammenfallen, bevor er überhaupt richtig installiert wäre. Am Ende des Mittelalters waren die islamischen Gesellschaften noch vergleichsweise fortschrittlich. Wenn sie damals Europa nicht übernehmen konnten, wird das jetzt wohl auch nicht so leicht funktionieren können.
  6. Beiderseitige Radikalisierung des Geschlechterkampfs
    Wenn es keine Flucht in externe Modelle gibt, bleibt die Option der inneren Radikalisierung. Islamismus und radikaler Feminismus könnten sich zum Beispiel gegenseitig radikalisieren wie Faschismus und Kommunismus in der letzten Zwischenkriegszeit. Oder es entwickelt sich ein radikaler Maskulismus. Nachdem sich die Männer generationenlang die angeblichen Sünden des angeblichen Patriarchats vorhalten lassen mussten, könnten sie ja auf die Idee kommen, so etwas wie das Patriarchat einmal in echt auszuprobieren. Das wäre dann nicht mehr die light-Variante des 19. Jahrhunderts, sondern die tatsächliche Allmacht der Männer. Auf „mein Bauch gehört mir“ würde dann zwei Generationen später „dein Bauch gehört mir“ folgen. Nur zur Klarstellung: In dieser Form gab es das noch nie. Abtreibung war vor 100 Jahren verboten, aber das war eben kein Männerprivileg, sondern ein Verbot, das sich gegen Frauen und Männer gleichermassen gerichtet hat. Wer das echte Patriarchat will, könnte die feministische Übertreibung in ihr Gegenteil verkehren und zum Beispiel das Austragen eines Kindes von der Zustimmung des Vaters abhängig machen. Damit würden nicht nur Frauen, sondern auch Männer die eigene Entscheidungsfreiheit über den Schutz des ungeborenen Lebens stellen. Wenn dann „ungewollte Vaterschaft ist Vergewaltigung“ auf „Mein Bauch gehört mir“ prallt, geht der Geschlechterkampf in die nächste Eskalationsstufe über. Für alle Szenarien eines radikalisierten Geschlechterkampfes spricht die wachsende Wut der jungen Männer. Aber bisher wurde das männliche Unbehagen typischerweise nicht offen als maskulistische Aktion formuliert, sondern in umfassendere Gesellschaftsmodelle verpackt.
  7. permanenter Kulturkampf
    Wenn Männer einerseits vom radikalen Feminismus abgestoßen bleiben, aber andererseits selbst keinen radikalen Maskulismus vertreten wollen, kann es zum permanenten Kulturkampf wie derzeit in den USA kommen. Die dortigen Linken („Liberalen“) haben den Feminismus adoptiert, die dortigen Rechten („Konservativen“) bieten ein Auffanglager für Antifeminismus. Allerdings sind die US-Konservativen eben keine Maskulisten, sondern Traditionalisten. Seit einigen Jahrzehnten versuchen sich die beiden Lager gegenseitig aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, indem sie öffentliche Aussagen skandalisieren, Medien und Schulen kontrollieren, Geld von und für Projekte abzweigen und so weiter. Derzeit haben die US-Liberalen die Oberhand, aber dieser Kulturkampf hat schon einige Phasen vorübergehender Vorherrschaft des einen oder anderen Lagers gesehen. Kennzeichnend für so ein Szenario wäre es, dass die tatsächlichen Rechte und Pflichten der Geschlechter irgendwann in der öffentlichen Diskussion weniger wichtig sind als die damit (angeblich) verbundenen gesellschaftlichen Idealvorstellungen. In vielen praktischen Aspekten sind sich radikale Feministen und Traditionalisten nämlich mittlerweile recht einig. Dass kleine Kinder vor allem bei ihrer Mutter leben sollen, wollen sie zum Beispiel beide. In Deutschland konnte man Ähnliches beobachten, als Steinzeitfeministen wie Alice Schwarzer mit ihrer Sexualmoral immer näher an moralinsaure Reaktionäre herangerückt sind. Den Schaukampf der Lebensmodelle haben wir in der Politik längst. Das könnte sich auch zu einem Kulturkampf wie in den USA auswachsen. Wenn sich Europäer irgendwann im gleichen Ausmaß dafür einspannen lassen.
  8. gemässigter Feminismus/Maskulismus
    Damit zu meinem Lieblingsmodell: Wer das Scheitern der vollständigen Gleichberechtigung nüchtern zur Kenntnis nimmt und trotzdem aus der Geschichte lernen will, sollte sich um einen gemäßigten Ausgleich bemühen. Das wäre jedenfalls meine Reaktion. Aber vielleicht bin ich da zu viel Österreicher. Wenn es genügend aufgeklärte Mitbürger gibt, hat ein liberal abgefederter Maskulismus im Ausgleich zu einem dann gemäßigteren Feminismus eine Chance. Dann gibt es eben moderate Geschlechterquoten in allen Bereichen des Lebens, aber für beide Geschlechter. Oder sorgfältig ausgewählte Frauenprivilegien im Familienrecht, die durch ebenso sorgfältig ausgewählte Männerprivilegien ausgeglichen werden. Für so eine Lösung spricht die gute Ausbildung der Europäischen Mittelschicht. Dagegen spricht, dass die Menschheit erfahrungsgemäß immer zuerst Extremvarianten ausprobiert, bevor sie das vernünftige Mittelmaß umsetzt.
  9. Implosion des Geschlechterthemas
    Wer so lange mitgelesen hat, ist wirklich am Geschlechterthema interessiert. Möglicherweise sind das aber gar nicht mehr so viele. Möglicherweise dient der Geschlechterkampf längst nur mehr der Unterhaltung der Massen. Möglicherweise interessiert die Jungen das Geschlechterthema überhaupt nicht mehr. Dann werden in ein paar Jahren die gealterten, verbeamteten Gender-Beauftragten genauso peinlich in den Augen der Jugend wirken, wie früher die prüde Biologielehrerin beim Sexualkundeunterricht. Vielleicht lebt die übernächste Generation einfach eine Vielfalt an Lebensmodellen nebeneinander und ignoriert die Geschlechter-Prinzipienreiterei ihrer Eltern und Großeltern. Vielleicht machen die Jungen das heute schon. Aber vielleicht überlegen sie es sich auch immer wieder anders, wenn das erste Kind da ist oder der Ehepartner eine Affäre hat.
  10. Implosion der Gesellschaft
    Wenn wir keine Lösung für diese grundlegende gesellschaftliche Frage finden, könnte aber auch etwas ganz anderes passieren: Die Gesellschaft könnte sich auflösen. Es wäre ja nicht das erste Mal. Ob die Familie die Keimzelle der Gesellschaft ist, kann man vielleicht noch kontrovers diskutieren. Aber dass die moralischen und rechtlichen Regeln für das Verhältnis von Mann, Frau und Kind die Grundlage jeder zivilisierten Ordnung sind, kann man kaum ernsthaft bestreiten. Derzeit leben wir mit einem inneren Widerspruch. Offiziell wird die Befreiung von traditionellen Zwängen propagiert. Tatsächlich werden die Zwänge aber in manchen Teilbereichen aufrechterhalten, in anderen Teilbereichen sogar verstärkt. Dieser Widerspruch kann eine Zeit lang als Preis des Übergangs akzeptiert werden. Aber irgendwann werden sich die Menschen fragen, wie lange sie noch auf die Erfüllung der abgegebenen Versprechen warten sollen. Auch dafür gibt es ein Beispiel aus den USA. „Men Going Their Own Way“ (MGTOW) ist eine radikale maskulistische Reaktion auf die Geschlechter-Doppelmoral. „Für einen Mann ist die Partnerschaft mit einer Frau immer ein Verlustgeschäft“ ist die Kernaussage von MGTOW und die radikale Schlussfolgerung lautet: Keine feste Beziehung mit Frauen, keine Kinder, keine Verpflichtungen eingehen, Zeugungsstreik und Ehestreik. Der Generationenvertrag kann bekanntlich sehr schwer gekündigt werden, aber der Geschlechtervertrag steht möglicherweise irgendwann von beiden Seiten zur Disposition. Eine Gesellschaft kann sich auch selbst aufgeben.
  11. Synthese eines neuen Modells
    Oder es entsteht etwas ganz Neues. Auf den „neuen Menschen“ im marxistischen Sinn will ich nicht mehr warten, der wurde bereits vergeblich ausprobiert. Aber die Geschichte des Westens ist voll von kreativen Neuschöpfungen. Jetzt wäre der Zeitpunkt für ein neues Modell des Geschlechterverhältnisses. Bisher lief alles unter dem Titel Freiheit. Das war wohl etwas einseitig. Und im Zweifel kehren die Frauen mehrheitlich ohnehin eher zur Sicherheit zurück. Vielleicht gibt es einen dritten Weg neben Freiheit und Bindung? Vielleicht können wir ja die bisherigen Gegensätze transzendieren und mit neuen Konzepten eine neue Entwicklung ermöglichen. Vielleicht diesmal eine, die sogar mit den Menschen funktioniert, die es tatsächlich bei uns gibt.

Was meint Ihr? Habe ich einen Fehler gemacht? Wird die echte Gleichberechtigung (gleiches Recht für Alle) doch noch ein Comeback schaffen? Können wir einfach mit den inneren Widersprüchen leben, ohne sie aufzulösen? Kommt überhaupt irgendetwas nach der Gleichberechtigung? Zum aktuellen Anlass eine Grafik zur EU-Wahl vor einer Woche aus Österreich. Man beachte die Auseinanderentwicklung bei den jungen Wählern. Kündigt sich bei den Jüngeren schon der Kulturkampf an? Sind Grüne und FPÖ die Österreichische Version einer feudalen Lobby für weibliche Bobos und männliche Arbeiter? Oder leben wir bereits in der Post-Gleichberechtigung und wissen es nur noch nicht?

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22 Kommentare zu „Was kommt nach der Gleichberechtigung?“

  1. „Wer das Scheitern der vollständigen Gleichberechtigung nüchtern zur Kenntnis nimmt und trotzdem aus der Geschichte lernen will, sollte sich um einen gemäßigten Ausgleich bemühen. “

    Halte ich auch für das beste Ergebnis.

    “ Dann gibt es eben moderate Geschlechterquoten in allen Bereichen des Lebens, aber für beide Geschlechter. Oder sorgfältig ausgewählte Frauenprivilegien im Familienrecht, die durch ebenso sorgfältig ausgewählte Männerprivilegien ausgeglichen werden. “

    Mhmm, da gehe ich nicht so mit. Warum sollte man Frauen bzw. Männern da Privilegien zugestehen?

    1. „Warum sollte man Frauen bzw. Männern da Privilegien zugestehen?“

      Weil weder Männer noch Frauen jemals ernsthaft die Abschaffung der Frauenprivilegien betrieben haben und die Frauenprivilegien seit zwei Jahrzehnten sogar zunehmen. Daher ist die Abschaffung der Frauenprivilegien ein unrealistischer Plan. Nachdem die durchgehende einseitige Bevorzugung eines Geschlechtes aber eben keine Gleichberechtigung ist, sollte der Ausgleich durch (moderate) Männerprivilegien erfolgen. Siehe https://medium.com/republik-osterreich/pladoyer-fur-einen-liberalen-maskulismus-5412bfa29026

      1. @wiemanindenwald

        ich finde ja gesetzliche Privilegien unbegründet, sofern sie nicht, wie Mutterschutz eine Grundlage in der Biologie haben. Und auch bei sonstigen Privilegien sollte Ziel sein, dass man sie abbaut. Das ist natürlich zu trennen von Ergebnisgleichheit.
        ZB: Solange Frauen ganz überwiegend die Kinderbetreuung übernehmen werden sie auch eher die Kinder zugesprochen bekommen nach einer Scheidung

      2. Diese Einstellung halte ich nicht nur moralisch für verfehlt, sondern auch strategisch sehr ungeschickt. Wenn das Ziel ist, ein paar männliche Privilegien zu bekommen um in etwa die weiblichen auszugleichen, dann gibt es dabei keinerlei fokalen Punkt. Es wird nie ein stabiles Gleichgewicht zwischen Männer- und Frauenrechtlern geben. Das einzige Ergebnis was so eine Strategie erreichen kann ist einen permanenten Krieg der Geschlechter, in der jede Seite beständig versucht so viele Privilegien wie möglich für sich selbst zu holen.

        Das einzige stabile Gleichgewicht, die einzige Möglichkeit wie die Geschlechter harmonisch zusammenleben können, sehe ich in der Gleichberechtigung. Auch wenn dieses Ideal vielleicht in der Praxis nicht ganz erreicht wird, sollten wir dennoch dannach streben. Denn nur wenn wir die Gleichberechtigung als Ideal haben können wir ihr relativ nahe kommen.

        Ich halte es auch für sehr unwahrscheinlich, dass Männerrechtler irgendwelche nennenswerten Erfolge beim Versuch der Einführung von Männerprivilegien haben würden. Mit dem Abbau von Frauenprivilegien (oder zumindest der Verhinderung neuer Privilegien) sehe ich die Chancen schon besser.

      3. @Jon Gunnarson
        „Ich halte es auch für sehr unwahrscheinlich, dass Männerrechtler irgendwelche nennenswerten Erfolge beim Versuch der Einführung von Männerprivilegien haben würden. Mit dem Abbau von Frauenprivilegien (oder zumindest der Verhinderung neuer Privilegien) sehe ich die Chancen schon besser.“

        Die Erfahrungen deuten eher in die andere Richtung: Abbau von traditionellen Frauenprivilegien hat sich trotz jahrzehntelang vordergründig angestrebter Gleichberechtigung als undurchführbar herausgestellt. Vor 15 Jahren wurde der Anspruch auf Gleichberechtigung sogar komplett fallengelassen und es werden seither konsequent zusätzliche Frauenprivilegien eingeführt. Vor 50 Jahren hätte ich Deine Argumentation noch logisch gefunden. Die tatsächliche Entwicklung hat Deine Annahmen aber widerlegt. Das offensive punktuelle Einfordern von (mit dem offiziellen Staatsziel der Gleichstellung begründeten) Männerprivilegien wurde hingegen noch nicht probiert. Man sollte das machen, was noch eine Chance auf Umsetzung hat.

  2. Ismen sind immer die Folge einer intellektuellen Erstarrung und daher favorisiere ich Option 11 mit einer Synthese aus Freiheit, Sicherheit und Bindung, deren Anteile entsprechend neu gewichtet werden müssen und nach dem ersten Austarieren werden die Ismen dann überflüssig. Aber dazu braucht es erst ein Umdenken, u.a. bei Akademikerinnen, die ja so gerne beklagen, keinen passenden(tm) Mann zu finden – also einen mit höherer Ausbildung, einen höheren sozialen Status und / oder ein höheres Einkommen als sie selbst haben. Diese Frauen werden lernen müssen, dass für eine stabile Partnerschaft und Familie mehr zählt als nur das bloße Statusdennken – und auch, dass es kein Problem ist „nach unten“ zu heiraten wie früher der Chef die Sekretärin oder der Arzt die Arzthelferin / Krankenschwester.

      1. Ist doch eigentlich nur logisch und ein Evolutionsprozess. Allerdings müssen wir dann aufpassen, dass nicht wieder radikale / totalitäre Figuren auftauchen und wieder alles in die Einseitigkeit ziehen bzw. in den Sand setzen.

  3. Die Geschlechterfrage wird in absehbarer Zeit an Bedeutung verlieren, also Option 9. Wer glaubt, die Finanz- und Schuldenkrise sei lediglich eine isolierte Krise, die nur Staaten und Finanzdienstleister betrifft, irrt: Auf dem Spiel steht der amerikanische Traum oder die Matrix des westlichen Lebensmodelles. Der „Prozess der schöpferischen Zerstörung“, wie er einst vom österreichischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter (1883- 1950) formuliert worden ist (und eigentlich eine Konjunkturtheorie ist), nimmt weiter seinen (unheilvollen) Lauf. „Es gehört zum Wesen einer dynamischen, technisch innovativen Wirtschaft, dass sie die bestehenden sozialen Bindungen zerreist.“, schrieb der US-amerikanische Politologe Francis Fukuyama vor Jahren einmal dazu. „(…) Soziale Normen, die für einen bestimmten historischen Zeitraum passend sind, werden durch den Fortschritt der Technologie und deren Ökonomie gesprengt, und die Gesellschaft muss darum kämpfen, sich unter veränderten Bedingungen neue Normen zu geben.“ Ich denke, damit ist alles gesagt. Die Geschlechterfrage wird bald völlig in den Hintergrund rücken.

    1. Da stimme ich 100% zu. Das Prosumentinnen-Potential der Frauen wird unbedingt benötigt, um „den Laden“, also das expansive westliche sozio-ökonomische Modell am Laufen zu halten.

      Also werden in der Gesellschaft neue Normen gesetzt, gerade auch im Hinblick auf die zwischengeschlechtliche Aufgabenverteilung und dem erwünschten Rollenspiel (hauptsächlich der Frau).

      Und dieser Vorgang wird nicht nur „von oben“ aktiv unterstützt. Er wird auch „von unten“, also den Frauen angetrieben, die das empfohlene Rollenmodell – zumindest teilweise – sehr gerne annehmen und leben.

      Ewig geht das natürlich nicht und wenn es einmal nicht mehr funktioniert, dann…ja, dann haben wir echt ganz andere Probleme als Gender-Diskurse führen.

      „Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral“

  4. wirklich gut geschrieben ABER

    das——

    Aber vielleicht überlegen sie es sich auch immer wieder anders, wenn das erste Kind da ist oder der Ehemann eine Affäre hat.

    …….hätte ich gernen geändert in:

    ——–
    Aber vielleicht überlegen sie es sich auch immer wieder anders, wenn das erste Kind da ist oder der Ehemann/Frau eine Affäre hat.
    ——–

    Danke 🙂

  5. Mein Lesefluss stoppte an dieser Stelle:

    „Die bürgerliche Ehe kann dem bürgerlichen Mann kaum noch Anreize bieten. Die alten Väterrechte sind weg“

    Welches waren denn die „alten Väterrechte“, die Anreize zur Ehe boten und jetzt weg sind?
    Also ganz konkret, meine ich natürlich.

    1. Erziehungsrecht (Vormund!), Recht Kinder zu bekommen (Verbot der Abtreibung, Verbot des Ehebruchs), eigentlich überhaupt alles, was mit Rechten zu tun hat und heute im Streitfall de facto ausschliesslich bei der Mutter landet, mit oder ohne Scheidung

      1. Ich würde noch früher ansetzen und ein Defizit fokussieren: den Nachweis der Vaterschaft nach der Geburt. Den gab es bislang nie, wenn es nicht zu einer Vaterschaftsklage kam oder die Mutter zustimmte. Es sollte Standard werden, dass umgehend nach der Geburt ein Vaterschaftstest gemacht wird. Andernfalls investiert der Mann Emotion, Bindung, Arbeit und nicht gerade wenig Geld, um dann nach 18 oder 25 Jahren zu erfahren, dass er die ganze Zeit das Kind des Postboten oder eines Macho-Freundes ernährt und aufgezogen hat, also menschlich, emotional und wirtschaftlich übelst betrogen wurde.

  6. Mmh, tendetiell wäre Option 11 wohl auch meine Wahl. Es gibt grundsätzliche Widersprüche (nicht negativ gemeint) zwischen Mann und Frau, welche sich per nivellierendem Gleichmachereiwahn niemals werden auflösen lassen. Und insofern ist dieser ‚K(r)ampf‘ auch sinnlos bzw. wird nie zu einem Ziel führen.

    Eher zu einer noch stärkeren Zunahme von Polarisationen, welche ich vor Jahren schon mal prophezeite – und was sich aktuell mehr und mehr bestätigt. Mir erscheint diese Entwicklung übrigens exponentiell und muttersheera hätte vielleicht weiterlesen sollen.

    Generell sehe ich es übrigens so, dass Männer nicht mehr Privillegien bekommen sollten, sondern dass man bei dem Abbauch derer der Frauen beginnen sollte.

    Denn nur so lässt sich dem Gefälle begegnen, welches man heute so gerne als „positive Diskriminierung“ bezeichnet. Diese vermaldeite Gleichstellung auf beiden Seiten führt doch nur zu permanenten Forderungen und einer Nivellierung der Gesellschaft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner (KGN). Soll dass das Ziel sein; die ‚Endlösung‘?

    Nein, denke ich. Denn bevor dieses Land endgültig am Boden liegt, sollte man wieder auch das Prinzip Eigenverantwortung einführen und vor allem auch dieses hier:

    Gleichberechtigt und gleichverpflichtet(!)

    Bei letzterem scheint mir die größte Schieflage vorzuherrschen.

    1. Der Feminismus ist tot und tote Ideologien neigen zu einer Radikalisierung in ihren letzten Zügen, die manche Anhänger – meist aus persönlichen Vorteilen – möglichst lang gestalten wollen. Eigentlich fing es damit bereits an, als die Gleichberechtigung weitestgehend erreicht war und diese dann sang- und klanglos schleichend durch Gleichstellung ausgetauscht wurde. An die Stelle der gleichen Rechte und Chancen trat der vermeintliche *Anspruch* auf Ergebnisgleichheit und das ist letztlich nichts anderes als positive Diskriminierung oder die bloße Umkehrung des Vorzeichens jener Zustände, die Feministinnen zuvor angeklagt hatten. Und sie arbeiten weiter daran, dass sie selbst immer mehr Privilegien und Quoten erhalten, nach ihnen die Sintflut. Es ist an der Zeit, das Zerstörungswerk dieses Zombie-Feminismus zu beenden und diese Ideologie – wie andere zuvor – auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen.

      Jenseits lesbischer, linksextremer und alternativ-esoterischerKreise hat der heutige Feminismus eh kaum noch Anhänger und die durchschnittliche Beliebtheit von Brechdurchfall. Abgerundet wird dies dadurch, dass viele Feministinnen heute entsprechende Klischees geradezu übererfüllen, was Lesbentum, abstoßende Optik und dummes Geschwätz betrifft, siehe z.B. diverse Piratinnen und GrünInnen.

    1. ad @ReVolte:
      „Deutschland ist bereits geraume Zeit Matriarchat – mit genau den oben beschriebenen Strukturen.“

      Ich habe die Analyse bewusst theoretisch gehalten. In der Praxis werden wir vermutlich eine Kombination aller aufgezählten Szenarien erleben. Die offene Frage ist: Wie viel von welchem Szenario wird wie konsequent gelebt? Elemente des Matriarchats haben wir auch derzeit schon, zum Beispiel im Familienrecht, da stimme ich zu. Aber noch gibt es Bereiche im Leben, in denen Männer nicht nur Verantwortung haben, sondern auch Entscheidungsfreiheit. Das Matriarchat gibt es also derzeit nur abgeschwächt beziehungsweise in Teilbereichen, genauso wie das neo-Biedermeier, den Islamismus und den Kulturkampf.

    1. Was der „echte“ Feminismus angeblich sein sollte, interessiert mich ehrlich gesagt nicht mehr. Ich halte mich an den tatsächlichen Feminismus und seine tatsächlichen Handlungen, überprüfbar an den tatsächlichen Veränderungen der letzten 100 Jahre. Und da sieht man ganz deutlich, dass der Feminismus im offenen Widerspruch zur Gleichberechtigungs-Rhetorik immer nur Frauenrechte und Männerpflichten angestrebt hat. Die feministische Theorie dient offenbar mehr der Verwirrung als der Aufklärung. Ich halte mich an die konkreten Forderungen und die konkreten Auswirkungen. Daher sage ich: Das Thema „Gleichberechtigung von Männern und Frauen“ ist tot. Und getötet wurde es von den gleichen Gruppen, die es früher begonnen hatten, nämlich den Feministen samt ihren diversen semantischen Verwirrungen.

      1. Nicht blenden lassen, das ist die Strategie der feministischen „inner circle“: Der Feminismus ändert seinen Regelsatz nahezu beliebig ab, siehe beispielsweise die wechselnden Ansichen zu Pronografie oder Prostitution. So bleibt er ein „moving target“, schwerer greifbar und damit nahezu unangreifbar. Es ist an der Zeit, den heutigen Feminismus nach Worten und Taten seiner Vertreter sowie den Folgen für die Gesellschaft zu beurteilen und dieses ganze unseriöse „Das ist nicht *mein* Feminismus, das ist ein anderer“-Geschwätz zu ignorieren.

        Unter dem Strich bleibt dann kaum noch eine andere Wahl al den Feminismus als eine sexistische (männdefeindliche, heterofeindliche) und rasstische (gegen weiße / westliche) Hassbewegung zu klassifizieren, die teilweise vielleicht auch aus dem psychischen Mechanismus gespeist wurde, eigene historische Verantwortung / Schuld für Kriege, Rassismus und Faschismus dadurch abzuwerfen, dass man sie einem Sündenbock – dem Mann – alleine zuschrieb, seine gesamte Ablehnung, ja Hass gegen dieses Feindbild in Stellung brachte und alles zu glorifizieren, das nicht dem Feindbild bzw. Sündenbock entsprach. Also ähnlich wie die „Nie wieder Deutschland“-Fraktion bei der Antifa. Beides ist letztlich Ausdruck mehr oder weniger starker Identitätsstörungen und einem unreifen Umgang mit Verantwortung.

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