Autobahnplakate

Neulich fuhr ich auf der Autobahn, als ich am Straßenrand folgendes Plakat bemerkte:

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Als inzwischen männerrechtlich sensibilisierter Mann ist mir natürlich sofort das in meinen Augen sexistische Stereotyp aufgefallen. Der Mann handelt unverantwortlich und wird zum Täter, die Frau ist das Opfer, wie immer. Na prima, eigentlich war ich schon bedient, aber da es von diesen Autobahnplakaten oft eine Serie gibt, habe ich mich gefragt, ob es da noch weitere gibt und dort zum Ausgleich auch mal die Frauen die schlimmen Finger sind oder ob da das Stereotyp weiter geknetet wird.

Google brachte es an den Tag, ich habe folgende Websites gefunden:

Eine Berichterstattung über die Kampagne und die Website der Kampagne selbst.

Um Euch das surfen zu ersparen, es gibt zwei weitere Plakate, nämlich folgende:

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Erstes Fazit: Die weiteren Plakate bestätigen die Geschlechterstereotypen. Männer rasen und drängeln, Frauen sind allenfalls mal ein wenig abgelenkt, wahrscheinlich weil sie zuviel mit ihren Freundinnen tratschen, anstatt auf die Straße aufzupassen. Was aber eine deutlich verzeihlichere Sünde ist, als aggressiver Fahrstil mit Rasen und Drängeln. Immerhin wollte man sich nicht die Blöße geben, nur Männer als die Missetäter hinzustellen, also gibt es wenigstens ein Plakat mit Quotenfrau als Täterin.

An den Plakaten stört mich so einiges. Als erstes natürlich, dass sich das Bundesverkehrsministerium dafür hergibt, platteste Geschlechterstereotypen widerzukäuen, bei denen natürlich die Männer wieder mal die aggressiven Arschlöcher sind.

Es ist aber auch ansonsten nicht stimmig. Es mag schon sein, dass mehr Männer rasen oder drängeln. Ich fahre auch gerne schnell, aber auch dem Verkehr angepasst, und gedrängelt habe ich m.E. noch nie. ABER: Das tue ich nur, wenn ich alleine im Auto sitze. Wenn ich Beifahrer habe, speziell natürlich auch Frauen, dann fahre ich ein ganzes Stück gemächlicher.

Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen bin ich dann natürlich für das Wohlergehen meiner Beifahrer verantwortlich. Ich möchte nicht, dass sie in Gefahr geraten. Ich habe natürlich eine Fürsorgepflicht als Fahrer. Und da reicht es schon, dass sie auf dem Beifahrersitz sich wegen der Geschwindigkeit unwohl fühlt. Und natürlich will ich mir auch keinen Mecker deswegen einfangen. Der andere Grund ist aber auch, dass man umso konzentrierter sein muss, je schneller man fährt. Das geht ab einer gewissen Geschwindigkeit nur noch alleine. Da will ich mich nicht der Gefahr aussetzen, dass ausgerechnet in einem heiklen Moment die Beifahrerin nervös dazwischen quatscht und mich aus der Konzentration wirft.

Und wenn Kinder im Auto sitzen, dann gilt das alles erst recht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Familienvater riskant fährt, wenn die eigenen Kinder dabei sind. Wenn er allerdings alleine unterwegs zum nächsten Geschäftstermin ist und diesen halbwegs pünktlich erreichen will, kann es vielleicht sogar ein Zeichen von Fürsorge für die Familie sein, alles zu tun, um den Job nicht zu gefährden. Was keine Entschuldigung dafür sein soll, andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Ich will nur einen möglichen Aspekt für die Motivation herausstellen.

Noch ein Punkt, der mich stört: Warum müssen die alle gleich sterben? Ist das nicht ein wenig sehr moralisch überdramatisiert? Bei den wenigsten Unfällen sterben gleich alle Insassen. Ich hätte vielleicht formuliert: „Einer rast, zwei erwischt’s“. Aber das ist nur ein kleiner Nebenaspekt.

Der letzte Punkt, der mit ziemlich irritiert, ist der Text auf dem dritten Plakat: „Einer ist abgelenkt, vier sterben“. Warum „Einer“, wenn da deutlich eine Frau abgebildet ist? Müsste es nicht heißen: „Eine ist abgelenkt, vier sterben“? Hat man Angst, dass sich dann die Männer nicht mitgemeint fühlen? Hat man sich nicht mit dem Ministerium für alles außer Männer abgesprochen, wie heute korrekt sprachgegendert wird? Oder sollen da wieder mal die Frauen als Täterinnen unsichtbar gemacht werden, die Täterschaft von Frauen verschleiert werden? Kaum vorstellbar, schließlich ist die Fahrerin ja deutlich zu sehen auf dem Plakat. Oder hat man einfach überhaupt nichts gedacht und nach guter alter Väter Sitte einfach das generische Maskulinum verwandt? Ich bin für weitere Theorien offen…

Das Pop-Video kommt diesmal von Frank Zappa mit dem Song „Broken Hearts Are For Assholes“, wegen der Liedzeile „Well, ladies you can be an asshole too„, eine einfache und doch fundamentale Erkenntnis.

 

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FAQ: Feminismus

Wie eine Feministin ihre Sicht auf den Feminismus beschreibt! :
In diesem Beitrag habe ich die Antworten zusammen gefasst, die ich besonders häufig so (oder so ähnlich) in der Vergangenheit gegeben habe. Sie spiegeln demnach meine subjektive Auffassung wider.“
Dieser Beitrag ist finde ich sehr interessant und wichtig um einen #genderdialog zu führen.  Es ist eine Rundschau auf Gedanken einer Frau, die Feminismus für sich als relvant sieht und wie sie diesen betrachtet.  WICHTIG! Der einleitende Passus ist nicht auf die Leute hier gemünzt, sondern ergibt sich aus dem ursprünglichen Zielpublikum auf dem Blog der Rednerin.  Dort waren „Anti-Feministen“ angesprochen, die sich nicht im Mindesten zuerst mit Feminismus auseinandergesetzt hatten und denen sie diese FAQ ans Herz legte.

Da ich sie quasi hierein gezogen habe, bitte ich um äußerste Sachlichkeit bei den Antworten auf ihrem Blog.  Dialog lebt vomn gegenseitigen Respekt, verschiedener Ansichten. Danke im Voraus.