Warum ich kein „Maskulist“ bin

Im deutschsprachigen Raum hat es sich eingebürgert, Menschen die sich für die Rechte von Männern einsetzen und den Feminismus kritisieren als „Maskulisten“ zu bezeichnen. Auch unter den anderen Autoren auf diesem Blog gibt es einige die sich selber so bezeichnen. Ich möchte hier darlegen, warum ich diese Bezeichnung für schrecklich halte und ich mich stattdessen als „Männerrechtler“ verstehe.

Was zunächst bei dem Begriff „Maskulismus“ auffällt ist die Ähnlichkeit zu „Feminismus“. Dadurch wird suggeriert, dass es sich hier um so etwas wie einen „Feminismus für Männer“ oder einen „Feminismus mit umgedrehten Vorzeichen“ handelt. Also quasi ein Gegengewicht zum Feminismus. Dadurch wird jedoch implizit dem Feminismus eine Existenzberechtigung eingeräumt. Das Problem mit dem Feminismus ist aber nicht, dass er für Frauen eintritt, sondern dass er dies auf rücksichtslose und kontra-produktive Weise tut.

Er ist rücksichtslos, weil die Rechte von Männern missachtet werden. Es wird versucht, auf viele verschiedene Weisen, Geld, Positionen und andere Ressourcen von Männern wegzunehmen und sie Frauen zu geben. Beispiele dafür sind Alimente und Kindesunterhalt (welche theoretisch geschlechtsneutral sind, in der Praxis aber überwiegend von Männern an Frauen gezahlt werden), Frauenquoten und die bevorzugte Einstellung von Frauen, diverse staatliche und staatlich geförderte Programme die speziell Frauen und Mädchen helfen sollen, vom Girls’Day bis hin zu Frauenhäusern, welche aus Steuergeldern bezahlt werden, die überwiegend von Männern erhoben werden.

Der Feminismus ist kontra-produktiv, da er selbst für Frauen schädlich ist. Dies sieht man zum Beispiel daran, dass laut zahlreichen Studien das subjektive Wohlbefinden von Frauen sich seit den 1970er Jahren verringert hat—sowohl absolut als auch relativ zu Männern. Es ist schwierig genau zu bestimmen, warum Frauen in den letzten 40 Jahren unglücklicher geworden sind, aber es gibt einige plausible Gründe, von denen viele vom Feminismus zu verantworten sind.

Zunächst wäre da das allgemeine Unrechtsempfinden, das der Feminismus in Frauen ausgelöst hat. Wenn viele Frauen seit dem Siegeszug des Feminismus sich nun als Teil einer unterdrückten Gruppe sehen, die an allen Ecken und Enden von chauvinistischen Patriarchen zurückgehalten wird und massenweise Opfer von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung und „Femizid“ wird, dann kann man davon ausgehen, dass dadurch das Wohlbefinden dieser Frauen beeinträchtigt wird. Dass derartige Bedrohungsszenarien maßlos übertrieben oder gar völlig erfunden sind, tut der subjektiv empfundenen Empörung keinen Abbruch.

Die derartig vom Feminismus beeinflusste Wahrnehmung erschwert sicher auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Allzu häufig werden seit den 1960er Jahren Männer und Frauen nicht mehr als Partner verstanden die unterschiedliche Stärken und Schwächen haben und sich gegenseitig ergänzen, sondern als Konkurrenten oder gar Feinde in einem „Geschlechterkrieg“. Eine derartig antagonistische Sichtweise erschwert natürlich romantische Beziehungen zwischen Männern und Frauen und destabilisiert die Familie. In den letzten 40 Jahren ist auch die Zahl der unehelichen Kinder und die Zahl der alleinerziehenden Mütter enorm gestiegen. (Wobei dafür natürlich nicht allein der Feminismus verantwortlich ist.) Den meisten Frauen sind Familie und Partnerschaft aber weiterhin wichtig und sie bevorzugen eine „intakte“ Familie zu haben. Dies ist also ein weiterer Quell weiblicher Unzufriedenheit.

Jenseits der geänderten Wahrnehmungen und gesellschaftlichen Normen, gibt es aber auch einige rechtliche Änderungen die vermeintlich die Lage von Frauen verbessern, tatsächlich aber ein zweischneidiges Schwert sind. Da wären zum Beispiel arbeitsrechtliche Gesetze wie das gesetzlich verankerte Recht auf Mutterschaftsurlaub, Antidiskriminierungsgesetze, spezielle Gesetze gegen sexuelle Belästigung und natürlich Frauenquoten.

Die ersten drei Beispiele haben alle gemeinsam, dass dadurch einer bestimmten Gruppe von Frauen geholfen wird, aber dadurch dem Arbeitgeber Kosten entstehen. Nun ist ein Arbeitgeber in der Regel keine mildtätige Organisation und stellt eine Frau nur dann ein, wenn er glaubt, dass sie ihm mehr einbringt als sie ihn kostet. Entscheidend ist für den Arbeitgeber aber nicht der Lohn den er bezahlt, sondern die Gesamtkosten, die eben auch solche Dinge enthalten wie die Kosten die entstehen wenn eine Mitarbeiterin auf Mutterschaftsurlaub geht oder die Gerichtskosten, wenn eine Mitarbeiterin das Unternehmen wegen angeblicher Diskriminierung verklagt. Wenn solche erwarteten Nebenkosten höher sind, ist folglich der Lohn den der Arbeitgeber bereit zu zahlen ist niedriger. Auf was sich diese Gesamtkosten aufteilen ist für den Arbeitgeber nicht allzu wichtig, wohl aber für die Mitarbeiter die sehr wohl individuelle Präferenzen bezüglich Höhe des Lohns versus Umfang der sekundären Vorteile haben. Am besten wäre es daher, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Vertragsbedingungen individuell aushandeln könnten. Dies wird aber empfindlich eingeschränkt durch Gesetze die vermeintlich Frauen schützen. Wenn zum Beispiel eine Frau gerne einen Arbeitsvertrag hätte in dem sie kein Recht auf Mutterschaftsurlaub hat, dafür aber ein höheres Gehalt bekommt, so darf sie das nicht aushandeln, selbst wenn der Arbeitgeber einverstanden wäre. Diese Gesetze machen Frauen für Arbeitgeber weniger attraktiv und tragen so zur berüchtigten Lohnlücke und zu der geringen Zahl der weiblichen Führungskräfte bei.

Frauenquoten helfen jenen Frauen die dadurch Stellen bekommen die ansonsten an einen (in den Augen des Arbeitgebers) besser qualifizierten Mann gegangen wären. Allerdings unterminieren sie die Legitimität weiblicher Führungskräfte, die durch die Existenz der Quote alle zu potentiellen „Quotenfrauen“ werden. Die dadurch ausgelöste Missgunst macht es sicher nicht leichter, sich in der neuen Stelle zu behaupten. Wenn (wie durch grundlegende ökonomische Theorie zu erwarten ist*) Unternehmen mit einer Frauenquote weniger effizient arbeiten als Unternehmen die einstellen können wen sie wollen, dann schaden Frauenquoten sehr vielen Menschen, insbesondere den Eigentümern, Angestellten und Kunden der betroffenen Unternehmen. Und in einer komplexen modernen Marktwirtschaft dürfte das fast jeder sein, also insbesondere auch fast alle Frauen.

Ich habe keinerlei Bedürfnis, Teil einer Bewegung oder Ideologie zu sein, die das Gleiche mit umgedrehten Geschlechtern macht. Ich möchte keine besonderen Gesetze zum Schutz von Männern. Ich möchte keine männlichen Gleichstellungsbeauftragten die rücksichtslos die vermeintlichen Interessen von Männern vorantreiben. Ich möchte nicht Frauen dämonisieren oder die negativen Aspekte von Männern herunterspielen.

Wohlgemerkt: Ich behaupte nicht, dass alle oder gar die meisten „Maskulisten“ diese Dinge befürworten, aber all dies schwingt für mich im Begriff Maskulismus mit. Und es gibt auch genug Maskulisten die durchaus bereit sind, auf das Niveau des Feminismus herabzusinken und ihn mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen. Das sieht man beispielsweise an den vielen Maskulisten die Antidiskriminierungsklagen von Männern gegen ihre Arbeitgeber oder andere Privatunternehmen unterstützen. Das Problem hier ist meines Erachtens die Existenz dieser Gesetze gegen Disrkiminierung, nicht dass sie hauptsächlich zugunsten von weiblichen „Opfern“ eingesetzt werden.

So etwas möchte ich nicht mitmachen. Mein Ziel ist es, die Rechte von Männern zu stärken. Es geht mir dabei nur nachrangig um gesellschaftliche Normen oder Diskriminierung von Männern durch Privatpersonen. Dagegen haben Männer probate Mittel sich zu wehren. Nicht jedoch gegen staatliche und gesetzliche Diskriminierung. Wenn Männer zum Militärdienst gezwungen werden, können sie sich nicht dagegen wehren. Wenn Männer von Gerichten härter bestraft werden, können sie sich nicht dagegen wehren (im Gegensatz zur Ungleichbehandlung durch ein Privatunternehmen kann man hier nicht zu einem Konkurrenten wechseln). Wenn Männer über Steuern gezwungen werden, feministische Projekte zu finanzieren, können sie sich nicht dagegen wehren.

Gegen diese und ähnliche Missstände möchte ich mich einsetzen. Und dabei ist es wichtig, diese Ungleichheiten in die richtige Richtung zu beseitigen, und das ist mehr Freiheit und mehr Rechte für Männer, nicht weniger Freiheit und weniger Rechte für Frauen. Daher bin ich zum Beispiel strikt gegen die Wehrpflicht, nicht für eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht. Genauso ist die richtige Vorgehensweise, niemanden zur Finanzierung feministischer Projekte zu zwingen; wenn stattdessen Frauen gleichermaßen zur Finanzierung maskulistischer Projekte gezwungen würden, wäre damit niemandem geholfen. Ein Unrecht wird nicht gerecht dadurch dass man alle gleichermaßen ungerecht behandelt.

Deswegen bin ich kein Maskulist, sondern ein Männerrechtler.

 

 

*Manche Unterstützer von Quoten rechtfertigen diese mit der Behauptung, Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in der Führungsriege seien erfolgreicher. Es gibt Studien die diese These unterstützen und andere Studien die das Gegenteil vermuten lassen. Es gibt auf jeden Fall keinen eindeutigen und beweisbaren Zusammenhang zwischen Frauenanteil und Geschäftserfolg. Aber selbst wenn solch ein positiver Zusammenhang bestünde, wäre das kein Grund für eine gesetzliche Frauenquote. In diesem Fall wäre es im ureigenen Interesse der Unternehmen, mehr Frauen einzustellen, so dass ein gesetzlicher Zwang überflüssig wäre.
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