Fundstück: man in the middle kritisiert Genderkritik

Ergänzend zu den drei genderkritischen Büchern von Biologen, die ich aufgelistet hatte, erwähnte nonnen in einem Kommentar:

Es gibt sehr wohl einige Bücher, welche Beiträge von Geistes- und Naturwissenschaftlern zu dem Thema Gender enthalten.
Z.B. „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-9814303-9-4 und: ( Prader, H., Hrsg.) Als Mann und Frau schuf er sie: Die Herausforderung der Gender-Ideologie. Referate der „Internationalen Theologischen Sommerakademie des Linzer Priesterkreises. Kißlegg-Immenried; Christiana/Fe-Medien, 2015

Nachdem ich gefragt hatte, ob jemand diese Bücher kennt, verwies daraufhin man in the middle (mitm) auf seine Bewertung der erstgenannten Quelle unter einem früheren Artikel bei man-tau:

Ich habe fast gleich lautende Texte gefühlte 10 Mal in den letzten 1 – 2 Jahren in diversen Foren gelesen. Das ist in erster Linie religiöse Propaganda, die sich hinter pseudowissenschaftlichen Argumenten versteckt, aber in zentralen Stellen hochgradiger Unfug ist und MR-Argumentationen diskreditiert.

Religiöse Trittbrettfahrer in der MR-Bewegung sind ein Problem, dessen Relevanz mir nicht ganz klar ist, das man aber einmal separat thematisieren sollte.

Dieses Buch ist ein gutes Beispiel. Nach einer (Jubel-) Rezension auf Amazon enthält das Buch 3 Texte:

„Gender Mainstreaming – Befreiung oder Gesinnungsterror“ (18 S.) von dem kirchlich engagierten Autor Andreas Späth

„Adam und Eva – Die unüberbrückbaren neurophysiologischen Unterschiede“ (32 S.) von Prof. Manfred Spreng

„Gender Mainstreaming oder: Lasst uns einen neuen Menschen machen“ (25 S.) Prof. Harald Seubert

Der zweite Text ist vermutlich mit diesem Papier inhaltlich identisch:

M. Spreng: Adam und Eva – Die unüberbrückbaren neurophysiologischen Unterschiede, Jahrestagung der Aktion DIE WENDE (28. – 30. März 2008), Schönblick/Schwäb. Gmünd http://www.neue-aufklaerung.de/dateien/spreng-gender.pdf

Dieses Papier listet auf den ersten 19 Seiten eine ellenlange Liste von physiologischen bzw. neurophysiologischen Unterschieden zwischen Männern und Frauen auf. Die stimmen wahrscheinlich sogar großenteils, ich habe es nur überflogen. In der Summe kommt man zum im Kern richtigen Ergebnis, daß Männer und Frauen statistisch ziemlich viele biologische Unterschiede bzw. Dispositionen aufweisen.

Auf S.19, Kap. 7. Zusammenfassung, kommt nun die abenteuerliche Schlußfolgerung, daß diese Unterschiede „weder durch Erziehung noch durch sozio-kulturelle Veränderungsbestrebungen überbrückbar … sind“ und daß man sich „auf die gute Schöpfungsordnung verlassen“ sollte. Wenn man außerdem ein „vernünftiger Mensch“ ist, dann verknüpft man die „Aussagen der Bibel“ mit den wissenschaftlichen Einzelergebnissen, und, oh Wunder, alles paßt zusammen, womit bewiesen wäre, daß die Bibel doch recht hat und Gottes Schöpfungsordnung das einzig wahre ist.

Auch die ständig wiederholte „wunder(!!)bare gegenseitige Ergänzung“ der Geschlechter operiert keineswegs zufällig mit dem religiösen Begriff Wunder. [Am Rande: dem Autor sei empfohlen, ein paar Bücher über Beziehungsprobleme und Scheidungsprozesse zu lesen.]

Geschickterweise wird man nicht sehr präzise, was denn nun Gottes Schöpfungsordnung genau vorschreibt. Beispielsweise „Das Weib sei dem Manne untertan“, wie in Epheser 5:22, http://bibeltext.com/ephesians/5-22.htm, und woanders in der Bibel ziemlich klar ausgedrückt wird? Im Zweifelsfall gilt wohl die Meinung der Schriftgelehrten.

Ich kann gut verstehen, wenn einige Frauen bei diesem haarsträubenden argumentativen Unfug vor Ärger an die Decke gehen und zu Feministen werden, bessere Werbung für den Feminismus kann ich mir kaum vorstellen.

Deshalb halte ich es für notwendig, sich klar von diesen Texten und Thesen, „Gottes Schöpfungsordnung“ sei irgendwie relevant oder als korrekt bewiesen, zu distanzieren.

Es ist ein weiterer Fall von „was in älteren Kommentaren steht, gerät in Vergessenheit“, weswegen ich diesen Text noch einmal ausdrücklich hervorholen möchte.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Also gut, noch einmal das Lied, in dem der Sänger wenig über Biologie weiß, diesmal in einer etwas aufgepeppten Remix-Version.

Sam Cooke: What a Wonderful World (Senior Citizens Mix)

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3 Kommentare zu „Fundstück: man in the middle kritisiert Genderkritik“

  1. Gegen Trittbrettfahrer hilft keine Pille – auch Abwimmeln nicht.

    Mein Standardspruch beim Vorwurf, die gleiche Rede wie etwa AfD zu führen, lautet so: „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.“

    Mehr ist nicht zu sagen, und mehr geht nicht.

    1. „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“

      Das ist schon richtig. Um diese Körner – also bestimmte biologische oder soziologische Erkenntnisse, die korrekt zitiert werden – geht es aber nicht, sondern um die logisch unzulässigen Schlußfolgerungen daraus und letztlich ggf. konkrete Politik, mit der man überhaupt nicht einverstanden sind.

      Manche Leute, die so oder so ihre Bibeln oder Korane als allgemeingültige Verhaltensvorschrift ansehen, versuchen halt, ihre vorgefaßten Absichten hinter scheinbar naturwissenschaftlichen Begründungen zu verstecken. Damit diskreditieren sie aber die Wissenschaften nur, deshalb empfinde ich das als Annexion der Wissenschaften und wehre mich dagegen.

  2. Das dürfte schnell Probleme geben. Ich denke wenige Wissenschaftler würden sich dem schluss von der Unwissenschaftlichkeit der Gender-Theorie zur Alternative einer Erklärung durch den biblischen Schöpfungsmythos anschließen. Naturalistische Erklärungen sind mit göttlicher Schöpfung nicht zu vereinbaren.

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