Zeit und Pendler: Wenn die Genderaspekte ungemütlich sind

Mehr als doppelt soviele Männer als Frauen pendeln. Männliche Pendler legen dabei längere Strecken zurück als Pendlerinnen. So hätte die Überschrift in den „Qualitätsmedien“ heissen können. Wäre es andersherum, so stände das auch da.

Zeit Online ist ja schon ein ziemliches Genderkampfblatt. Locker drei radikalfeministische Artikel pro Tag, dazu noch das feministische Sonderschulprojekt Zett und daneben noch mit Frau Kahane und anderen Kämpfer_*Innen gegen Freiheit und Wahrheit unter einer Decke. Frauen-sind-besser-aber-Opfer-Quoten-her-und-wir-müssen-dringend-über-Menstruation-bei-weiblichen-Führungskräften-reden.

Aber halt auch nur wenn es paßt. Bei Pendlern anscheinend nicht. Obwohl, das ist sexistisch. Das muß „pendelnde“ heißen!

Pendler sind gestresster und anfälliger für Krankheiten – auch für psychische.

Na, da fällt dem maskulistisch geschulten Leser doch was ein. Haben Frauen nicht gerade erst mit der Lohnarbeit für dieses Jahr angefangen? Und war einer der nicht näher untersuchten Gründe für den Gender Pay Gap von ca 23%-2% nicht die größere Flexibilität von Männern? Von unbezahlten Überstunden und all dem patriarchalen Dreck? Von der Bereitschaft zu Pendeln etwa? Und da ist ein ganzer Artikel in der Zeit ohne Genderaspekt?

Aber schauen wir uns mal an, was der Spiegel zu sagen hat. Denn die Qualitätspresse schreibt ja eh nur von dpa ab. Spiegel, das einstige Sturmgeschütz der Demokratie, heute eher die Heimat von Radikalverwirrten Gendertröten wie Stokokowski. Ein weiterer Quell von feministischen Lügen und Unsinn und hat auch sein eigenes feministisches Sonderschulprojekt namens Bento.

„Die verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass tägliche Pendelmobilität die körperliche und psychische Gesundheit der Erwerbstätigen gefährden kann und einen negativen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden hat“, sagt Simon Pfaff vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Scheint, daß SpOn irgendwas auf der Spur ist.

„Je länger die Fahrzeit der Erwerbstätigen, desto größer die Belastung, auch weil weniger Zeit zum Regenerieren bleibt.“ Die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. So haben Pendler laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken.

Nur was? Schauen wir mal in den Artikel, den SpOn schon letztes Jahr zur gleichen Studie vom selben Auftraggeber gebracht hat und praktischerweise verlinkt ist.

Für den typischen Fernpendler ist Hammer ein gutes Beispiel: Er ist promovierter Physiker, hat Frau und zwei Söhne und ist Alleinverdiener. Seine Familie sieht er nur am Wochenende. „Das Pendeln ist ein notwendiges Übel“, sagt er.
Hammer wechselte nach Düsseldorf zu einem Mobilfunkanbieter ins Management, weil er dort bessere Karrierechancen sah. Frau und Kindern wollte er den Umzug aber nicht zumuten, so wie viele Pendler. DGB-Experte Adamy erklärt das mit der insgesamt gestiegenen Berufstätigkeit bei Frauen: „Wenn sie hinterherzieht, ist das Risiko groß, dass sie keine gleichwertige Stelle mehr findet.“

Adamsky scheint ein großer Spezialexperte zu sein. Was sagt uns uns das Wort „Alleinverdiener“ in Bezug auf Hammers Frau? Da kommt der nie drauf. Dafür komme ich nicht darauf, wie steigende Berufstätigkeit von Frauen das Risiko steigert, keine gleichwertige Stelle mehr zu finden. Konkurrieren Frauen um Frauenarbeitsplätze? Oder haben die halt einfach keinen Bock zu pendeln? Das würde ich für eine coole Idee halten, nur muß man sich das halt auch leisten können – im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch auch wenn ein Teil zu Hause bleibt, drohen Probleme. „Es wird für alle Beteiligten schwieriger, Privatleben und Beruf unter einen Hut zu bringen“, schreibt Adamy in seinem Papier. Als besonders belastend werde der Mangel an Zeit empfunden, denn die Anfahrt geht von der Freizeit ab. Bei Hammer sind das zwischen vier und sechs Stunden pro Strecke, je nach Verkehrsaufkommen. „Es ist schon ein gewisser Stressfaktor zusätzlich da“, meint er. Weil er nur am Wochenende da sei, sei etwa die Erziehung der Söhne hauptsächlich an seiner Frau hängengeblieben. Und einen Freundeskreis habe er sich in Düsseldorf auch nicht aufgebaut. Das bedeute viele Abende allein in der Zweitwohnung. „Mein sozialer Mittelpunkt bleibt Nürnberg.“

Halten wir fest. Pendeln ist doof, macht keinen Spaß dafür aber krank. SpOn findet keinen Genderaspekt. Und jetzt schauen wir doch mal in die Originalstudie. Wirklich kein Genderaspekt?

http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/IzR/2007/Downloads/2_3BrinkmannDittrichMielke.pdf?__blob=publicationFile&v=2

„[…] an den vollzeitbeschäftigen Pendlern haben Frauen bereits[sic!] einen Anteil von über 30%“ (S.95)

Nun ist die Metrik „Pendeln“ recht ausbaufähig, denn Pendler ist, wer die Gemeindegrenze überschreitet. Das ist natürlich wenig sinnvoll. Ein Hamburger, der im Norden wohnt und im Süden arbeitet, hat lange und aufreibende Wege von über einer Stunde, pendelt aber nicht laut Definition. Wer auf dem Land an der Gemeindegrenze lebt und rüber zum nächsten Bauernhof geht, der pendelt auch wenn er das zu Fuß macht. Aber selbst 20km Autofahrt wären wahrscheinlich schnell und stressfrei zu erledigen.

Auch wenn geeignete Daten weitgehend fehlen, so kann man aus der Karte auf S.95 doch zumindest erahnen, dass Frauen weniger weite Distanzen pendeln. In den eher strukturschwachen Gebieten im Norden und Osten NRWs sind sie deutlich seltener als in den Ballungsräumen. In letztgenannten spricht die Studie auch von „Erreichbarkeitspotenzialen“, sprich es ist dort einfacher zu pendeln.

Aus der Studie geht eindeutig hervor, daß Pendeln eine männliche Domäne ist. Deutlich mehr Männer als Frauen pendeln. Und das macht alles mögliche, wahrscheinlich ist es verantwortlich für im Schnitt mehr Gehalt, aber sinnstiftend ist es nun wirklich nicht. Pendler sind die Helden ihrer Familien. Die absolute Anzahl an gefahrenen Kilometern und auswärtigen Übernachtungen ist nicht bekannt, die Genderforschung könnte genau hier mal ansetzen um ihre Existenz zu rechtfertigen, um das Wort „Forschung“ überhaupt mal zu rechtfertigen und den bereinigten Gender pay gap mal zu untersuchen anstatt immer nur zu bejammern. Die Medien könnten ihren Teil dazu beitragen und überhaupt mal die richtigen Fragen stellen.

Man könnte so viel.