Warum ich Dr. House in Ordnung finde

Eine Warnung vorweg: Ich werde im folgenden völlig frei Plotdetails der Serie Dr. House (House, M.D.) ausplaudern. Wer die – absolut lohnenswerte – Serie noch nicht gesehen gesehen hat, mache also einen weiten Bogen um den Rest dieses Artikels!

Was ist der Anlass, um hier über Dr. House zu bloggen? Faktum – das Magazin (früher Nicht-Feminist) kritisiert in einem Artikel und Video, dass in der Fernsehserie Dr. House offenbar akzeptiert wird, dass eine Frau mehrere Kuckuckskinder hat. Der Beitrag wird auch beim Kuckucksvaterblog erwähnt.

In einem Nebenplot in der Folge „Heavy“ (S1E16) findet Dr House heraus, dass der Ehemann einer Patientin nicht der Vater einiger ihrer Kinder sein kann. Allerdings läßt er der Frau das Geheimnis und kümmert sich nur um ihre Gesundheit.

Das ist natürlich ein starkes Stück. Die einzige Entschuldigung könnte der rechtliche Hintergrund sein, den ich nicht kenne. Wenn es in den USA etwa verboten wäre, solche Informationen an Mann und Kinder weiterzugeben, wenn diese im Rahmen einer medizinischen Untersuchung entdeckt werden, dann würde der Arzt sich ans Gesetz handeln – die wahre Baustelle wäre dann das Gesetz.

Es gibt übrigens noch eine zweite Folge, in der Dr. House einer (werdenden) Mutter hilft, ihre Untreue zu kaschieren: „Joy to the World“ (S5E11), ebenfalls in einem Nebenplot. Hier verschweigt Dr. House nicht nur, sondern lügt den Vater auch noch an (wenn auch mit einer absolut absurden Lüge). Die Motivation für Dr. House bestand einzig darin, seinen Kollegen etwas zu beweisen.

Ist die Serie deswegen moralisch zu verdammen? Nein! Der Kontext der Serie besteht darin, dass Gregory House gerade nicht moralisch richtig handelt und ihm stattdessen alles außerhalb seines Falles erst einmal egal ist. Er wird eben nicht als leuchtendes Vorbild präsentiert, sondern abseits seiner Analysefähigkeiten als einsamer Soziopath, der selbst seinen besten (weil einzigen) Freund oft genug vor den Kopf stößt.

Tatsächlich hat die Serie eine ganze Reihe Themen und Plots zu bieten, die man begrüßen kann, auch wenn man nicht die männer- oder väterrechtliche Brille aufhat:

Da sind zum Beispiel in den Folgen „Distractions“ (S2E12) und „The C Word“ (S8E19)
die getrennten bzw. geschiedenen Eltern, deren Kind krank wird, während es Zeit mit dem Vater verbringt. Weil der Vater dem Kind etwas erlaubt hat, was die Mutter nie tun würde, bekommt er erst eimal die Schuld von ihr zugewiesen.

Dann ist da in einer Nebenhandlung in „Moving the Chains“ (S6E12) der Soldat, der Vater wird und nicht zurück in den Auslandseinsatz will, in „Parents“ (S8E06) der missbrauchte Junge und in „Dead & Buried“ (S8E07) der Vater, der sichtlich Schwierigkeiten hat, den Tod seines Sohnes zu verarbeiten. Jobverlust und Verarmung werden mehrmals thematisiert, etwa in „Recession Proof“ (S4E14) und „Locked In“ (S5E19). Obdachlose kommen mehrfach als Patienten vor, z.B. in „Histories“ (S1E10), „Fall From Grace“ (S7E17) und „Runaways“ (S8E9), wobei anders als die Mehrheit der Obdachlosen zwei von ihnen Frauen sind und der Mann sich nicht als so nett herausstellt.

In „Carrot or Stick“ (S7E6) kommt ein ferner Mann vor, der seinem straffällig gewordenen Sohn nicht enthüllt, dass er sein Vater ist. Dieses „nicht zu seinem Sohn stehen“ wird als schwach und verlogen gewertet – und dabei noch ausgerechnet von einem Mann, der sich als hart und diszipliniert darstellt.

Fragwürdig hingegen ist der Plot der Folge „Man of the House“ (S8E12). Hier kämpft ein Mann mit Hormonproblemen. Leider wird hier zwischen den Extremzuständen „lieb und nett“ und „total herrschsüchtig“ gependelt, anstatt eine gesunde Mitte zu zeigen. Auch das am Anfang gezeigte Seminar ist doch sehr fragwürdig.

Noch absurder mutet der Nerd mit der Puppe an in „We Need the Eggs“ (S8E16). Hier wurde ganz tief in die Klischeeschublade gegriffen.

Am negativsten sind mir zwei Plots aufgefallen, die sich über mehrere Folgen hinziehen.

Zum einen demonstriert Dr. Houses Chefin Lisa Cuddy mehrfach in der 4. Staffel, unter anderem in „Games“ (S4E09), eine merkwürdige Einstellungspraxis. Er „müsse unbedingt eine Frau nehmen“. Es hat natürlich Dramaturgie- und Zuschauergründe, eine hübsche Frau in der Serie zu haben, aber innerhalb der Welt der Serie selbst ergibt das überhaupt keinen Sinn.

Noch ärgerlicher ist, dass ein Rätsel überhaupt nicht aufgelöst wird. Dr House vermutet seit seiner Kindheit, dass der Mann seiner Mutter nicht sein leiblicher Vater ist. Als Kandidaten für seinen biologischen Vater hat er einen Freund der Familie in Verdacht. Als er schließlich einen DNA-Test durchführt, steht es fest: Er ist ein Kuckuckskind. Auch wenn er sonst immer den Wert von Beziehungen herunterspielt, beschäftigt ihn die Frage, was seine Wurzeln sind. Er liest ein Buch seines vermuteten Vaters, stellt jedoch unbefriedigt fest, dass er seinen scharfen Verstand wohl nicht von ihm hat. Soweit, so gut – noch.

In „Love is Blind“ (S8E13) stellt sich durch einen weiteren DNA-Test jedoch heraus, dass auch der Freund – inzwischen neuer Mann seiner Mutter – ebenfalls nicht sein Vater sein kann.

Dr Houses einziger Kommentar, nach all dem Grübeln und Rätseln: Es scheine, als ob seine Mutter interessanter sei als er dachte. Das ist ein Bruch mit dem sonstigem Stil und wird weder der Figur noch dem Plot gerecht – mal ganz davon abgesehen, dass dies tatsächlich ein akzeptables Ende aus der Sicht der Autoren zu sein scheint. Es bleibt völlig offen, warum Dr House seine Mutter nicht mit der Tatsache konfrontiert, dass er über ihre Affären im Bilde ist und sie fragt, wer denn noch sein Vater sein könnte.

Auffällig ist, dass ein Großteil der schlechten Plots in der letzten Staffel vorkommt. Hier ging den Schreibern sichtlich die Puste aus. Insgesamt ist Dr House jedoch nicht männerfeindlich oder gegen Väter.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dieser Klassiker von den Rolling Stones kommt mehrfach in der Serie vor und wurde in dieser Version auf deren Soundtrack veröffentlicht.

Band from TV: You Can’t Always Get What You Want