Wie Simone Schmollack „Genderbashing“ basht

Simone Schmollack versucht heute in der taz Kritik an Gender-Mainstreaming und Gender Studies wieder einmal in die rechte Ecke zu stellen. Dabei behauptet sie unter dem Titel „Die Stunde der Phobiker“:

Kritik an der Genderforschung ist unter Konservativen in Mode. Sie wird auch benutzt, um Errungenschaften der Moderne in Frage zu stellen. […]

Seit der Rechtspopulismus zum Mainstream avanciert ist, ist Gender-Bashing groß in Mode. GleichstellungsphobikerInnen fühlen sich im Aufwind: Jetzt wird mal so richtig aufgeräumt mit dem ganzen Genderquatsch. Beatrix von Storch zum Beispiel. Die Vizechefin der AfD lässt nahezu keine Gelegenheit aus, gegen Gender-Mainstreaming zu Felde zu ziehen. Das sei eine „politische Geschlechtsumwandlung“, ziele auf die „Dekonstruktion der Geschlechter“ und diskriminiere Jungs und Männer. […]

Alles, was auch nur den Anstrich von „Gender“ hat, wird abgelehnt und verächtlich gemacht, den universitären Gender-Studies wird der wissenschaftliche Charakter abgesprochen und ideologische Voreingenommenheit unterstellt: Das Forschungsfeld sei überflüssige Frauenförderung, weil Frauen längst gleichgestellt seien.

Man muss schon taub und blind sein, um zu leugnen, dass Frauen vielfach schlechter bezahlt werden als Männer und vielfach eine miserable Rente kriegen. Dass es weniger Chefinnen als Chefs gibt, dass Teilzeitjobs vorrangig von Frauen ausgefüllt werden. Dass alltäglicher Sexismus insbesondere Frauen trifft. Macht nichts – die Gender-KritikerInnen fordern trotzdem, dass jetzt endlich mal die Männer in den politischen und wissenschaftlichen Fokus gehörten. […]

Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs. Familienförderung konzentriert sich seit Jahren gleichermaßen auf Frauen und Männer. Stichworte dafür sind: Vätermonate und Teilzeit auch für Chefs. Debatten kreisen um unterschiedliche männliche Lebensentwürfe jenseits traditioneller Heldenrollen. Das ignorieren Gender-KritikerInnen allerdings nicht nur, es ist ihnen vielmehr ein Dorn im Auge. Sie wollen vielmehr zurück zu einem konservativen Familienbegriff, der den Geschlechtern klare Rollen zuweist: Frau an den Herd, Mann raus in die Welt.

Nicht zufällig kommen viele Gender-KritikerInnen aus einem christlich-fundamentalen Lager, das Familie als die „Keimzelle“ der Gesellschaft als Gemeinschaft aus Vater, Mutter, Kind(ern) sieht. Homosexualität, Eingetragene Partnerschaft und Adoptionsrecht für Homosexuelle werden ebenso abgelehnt wie Abtreibung und Sexualerziehung in der Schule. […]

Und in jüngster Zeit veröffentlichen konservative Medien Texte, die ausführlich Gewalt gegen Männer thematisieren. Ja, es gibt Frauen, die ihre Partner schlagen. Und ja, es gibt Männer, die sich nicht wehren können. Das ist ein Problem. Das löst man aber nicht, indem man Gewalt gegen Gewalt aufrechnet und Männer zu Opfern macht. Man löst es auch nicht, indem man all die Gewalt dem Gender-Mainstreaming zuschreibt.

Das Problem löst man, in dem man Gender-Forscherinnen in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt.

Das einzig positive im Artikel ist der Satz:

In der FAZ ist ein Text über die erstarkende Männerrechtsbewegung überschrieben mit „Das vernachlässigte Geschlecht“.

Aber holla: Das ist doch mal eine gute Nachricht, wenn selbst Simone Schmollack konstatieren muss, dass unsere Bewegung am Erstarken ist!

Ich habe dazu einen längeren Kommentar geschrieben, der noch nicht freigeschaltet ist, aber vorsorglich werde diesen auch gleich hier veröffentlichen:

Der übliche Artikel nach dem Motto: Männer, haltet einfach die Schnauze und überlasst die Geschlechterpolitik weiter nur den Frauen, speziell natürlich den Feministinnen!

Auch ansonsten dient der Artikel mehr der Vernebelung als der Aufklärung. Bei Gender-Mainstreaming geht es mitnichten nur um ein wenig Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit, sondern um die Desavouierung von männlichem Verhalten als solches. Nicht umsonst geistern da Konzepte von „Toxic Masculinity“ und „Rape Culture“ umher, und die Existenz eines Patriarchats wird nicht hinterfragt, sondern schicht vorausgesetzt.

Grundlage der Gender Studies ist das Dogma des weißen Blattes, die Behauptung, jegliches unterschiedliches Verhalten zwischen Männern und Frauen sei durch Erziehung und Sozialisation erlernt und gesellschaftlich konstruiert, während der mögliche Einfluss von Genen und Hormonen auf das Verhalten komplett geleugnet wird. Diese Annahme ist absolut konstitutiv für den Genderfeminismus, denn andernfalls müsste man zugeben, dass Männer eben nicht so einfach umzuerziehen sind, so dass sie frauenkompatibler werden, was ja letzten Endes das Ziel, zumindest eines der Ziele von Gender-Mainstreaming und Gender Studies ist. Allerdings verweigern sich die Gender Studies seit Jahren beharrlich einer neutralen Evaluation. Kein Wunder, denn dann müsste der nackte Kaiser ja seine Kleider vorzeigen.

Und natürlich müssen Kritiker wieder ins rechte Lager gesteckt werden. Nur: Der derzeit wichtigste Kritiker, Prof. Ulrich Kutschera, ist Atheist und im Beirat der säkularen Giordano-Bruno-Stiftung, also so ziemlich das genaue Gegenteil von klerikal-konservativ.

Auch andere Männerverbände ordnen sich ganz sicher nicht rechts ein, aber die Autorin muss natürlich das Menetekel Polen an die Wand malen, das ganz sicher kommen würde, wenn man tatsächlich mal Männer zu Wort kommen ließe in der Geschlechterpolitik.

Im Gegenteil, bis auf ganz wenige krude Gestalten ganz rechts hat heute kein Mann mehr etwas gegen Gleichberechtigung und flexible Rollenmodelle. Wenn sie denn flexibel bleiben und nicht das alte bisher vorherrschende Modell durch einen neuen Zwang ersetzt wird. Nur, da sollten auch die Frauen mal ihrer Privilegien bewusst werden. Wenn diese im Arbeitsleben noch teilweise bei den Männern liegen, liegen sie im Privaten, im Bereich von Familie und Kindern eindeutig auf Seiten der Frauen. Männer haben nicht dasselbe Reproduktionsrecht, Männer dürfen immer noch nicht wissen, ob die Kinder wirklich ihre eigenen sind. 90% aller Kinder werden nach der Scheidung der Frau zugesprochen, und wenn Mann Pech hat und Frau es will, sieht er sie nie wieder, muss aber trotzdem weiter Unterhalt für sie zahlen. Es geht nicht nur um ein wenig Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie die Autorin suggeriert. Es geht ganz massiv um Rechte, die Männern von Frauen vorenthalten werden.

Es soll also wieder das Eintreten für Männerrechte als „rechts“ diffamiert werden. Aber wenn sich das linke Lager nach Jahrzehnten des einseitigen Blicks auf die Bedürfnisse von Frauen nicht langsam auch mal wieder denen der Männer zuwendet, werden diese vermehrt rechts wählen. Und das will ich nicht!

Nachtrag

Noch ein Nachtrag zum meinem Kommentar: Die Autorin stellt es so dar, als ob der Vorwurf von Beatrix von Storch, bei Gender werde „Dekonstruktion der Geschlechter“ betrieben, absurd sei. Und ich dachte immer, genau das sei ein wesentlicher Inhalt von Gender Studies. Was sagen denn die Genderforscherinnen dazu?

Außerdem: Wenn die Autorin behauptet „Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs.“, dann vergisst sie zu erwähnen, das diese Projekte auf Männerseite so gut wie immer ehrenamtlich von quasi Hobbyisten auf die Beine gestellt werden, während die entsprechenden Projekte auf Frauenseite sich üppiger staatlicher Alimentierung erfreuen dürfen.

Update von 21:00 Uhr:

Nachdem von meinem dreiteiligen Kommentar nur der dritte Teil („Nachtrag“) akzeptiert wurde, und dies auch schon zehn Stunden her ist, gehe ich davon aus, dass die ersten beiden Teile nicht mehr freigeschaltet werden.

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75 Antworten zu Wie Simone Schmollack „Genderbashing“ basht

  1. Muriel schreibt:

    Hm. Wo steht denn in dem Artikel, dass Männer die Schnauze halten sollen?
    Und kannst du eine Quelle dafür nennen, dass Gender-Studies angeblich den Einfluss von Genen und Hormonen komplett leugnen?
    Ist mir bisher nicht aufgefallen.
    Mir drängt sich ein bisschen der Eindruck auf, dass du da gegen etwas kämpfst, das es so gar nicht gibt.

    • kuestenbarbie schreibt:

      > Wo steht denn in dem Artikel, dass Männer die Schnauze halten sollen?

      Ganz am Ende: „Das Problem löst man, in dem man Gender-Forscherinnen in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt.“. Das ist zwar mittelmäßig subtil, dass die „Gender-Forscherinnen“ als einzige im Text *nicht* gegendert sind. Die taz ist in Sachen Gendern recht konsequent, also darf man da schon Subtext annehmen.

      Wahrscheinlich hast Du aber dennoch mit der Nachfrage recht: selbstverständlich sollen sich auch Frauen zurückhalten, die nichts von Gender Mainstreaming halten. Wir sind ja schließlich geschlechtergerecht… 😉 Und Arbeit und Ergebnisse von Wissenschaften nachfragen? Wo kämen wir denn dahin? Wenn das erst mal einer in den Naturwissenschaften machen würde, wie z.B. die Genderistas in der Biolo… oh, wait.

      • Muriel schreibt:

        In Ruhe arbeiten lassen ist das gleiche wie die Schnauze halten, und Ergebnisse ernst nehmen dass gleiche wie nicht infrage stellen?
        Bist du sicher, dass das Problem bei den Genderistas liegt?

      • kuestenbarbie schreibt:

        Oh, wie ist es denn dann auszulegen? Kann ja bei Ihnen anders sein, aber wenn ich meinem Mann sage, ich möchte in Ruhe arbeiten, dann meine ich damit *wirklich* ernsthaft, er möge gefälligst die Klappe halten, und das war dann auch nicht die erste Bitte…

      • Muriel schreibt:

        Ich hätte es jetzt so verstanden, dass man doch zumindest dieses unsachliche Gequake unterlassen möge, das beim Gender-Thema so verbreitet ist und zum Beispiel aus „Wir informieren Kinder über verschiedenartige Beziehungen, Sexualität und Familienstrukturen“ sowas macht wie „Unsere Kinder werden zur Homosexualität gezwungen und müssen sich in der Schule Pornos ansehen und sich gegenseitig befummeln“.
        Will ich jetzt nicht Ihnen unterstellen, aber kommt in der öffentlichen Diskussion ja oft genug vor.

      • aranxo schreibt:

        Ich kenne das eher andersrum. Wenn man auch nur darauf hinweist, dass es durchaus auch Einflüsse der Biologie auf das Geschlechterverhalten gibt, wird einem sofort vorgeworfen, man behaupte, es gäbe Determinierungen, man sei ein Biologist, wolle die alten Rollenmodelle zementieren und die Frauen wieder an den Herd zurück schicken.

        Dabei redet wirklich (so gut wie) niemand Determinierung das Wort. Kein vernünftiger Mensch streitet ab, dass für das menschliche Verhalten und somit auch das Sexualverhalten bzw. das geschlechtsspezifische Verhalten sowohl biologische als auch kulturelle Einflüsse maßgebend sind. Zu welchen Prozentsätzen, ist sicher umstritten und sicher auch je nach Verhaltensgebiet unterschiedlich. Und natürlich gibt es weite Bandbreiten von Verhalten auch innerhalb der Geschlechter. Das ändert aber nichts daran, dass es im Schnitt deutlich divergierende Verhaltensweisen zwischen den Geschlechtern gibt, die auch schon direkt nach der Geburt nachweisbar sind, also noch bevor jeglicher Kultureinfluss wirksam werden konnte.

        Die Gender Studies nehmen da aber die Radikalposition ein, indem behauptet wird, alles geschlechtsspezifische Verhalten sei antrainiert und gesellschaftlich konstruiert. Die gegenläufigen Erkenntnisse von Biologen werden als irrelevant abgetan, als „vermeintlich“ oder veraltet denunziert und schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Nicht nur das, die Biologie wird auch als patriarchale Männerwissenschaft verunglimpft, es wird ihr vorgeworfen, sie sei voreingenommen und wollte nur althergebrachte „Geschlechterhierarchien“ stützen. Während allerdings die Biologie Daten und Empirie noch und nöcher gesammelt hat, diese vorweisen und reproduzieren kann, stützen sich die Gender Studies so gut wie gar nicht auf Empirie, sondern nur auf Theorien, Philosophie und wohlfeile Gedankengebäude.

      • Muriel schreibt:

        Hast du davor denn Beispiele? Irgendeine durch empirische Daten noch und nöcher gestützte biologische Erkenntnis nebst Leugnung durch Gender Studies, oder zwei? Würde mich wirklich interessieren.

      • aranxo schreibt:

        Als Einstieg sei einfach mal die Dokumentation des Norwegers Harald Eia empfohlen, die wahrscheinlich so gut wie jeder Genderkritiker kennt und vermutlich auch die meisten Genderistas:

        Außerdem kann ich das Interview mit Prof. Ulrich Kutschera empfehlen.

        Man findet allgemein recht wenig im Netz, in dem Genderforscherinnen ihre Positionen deutlich darlegen. Beispiele für explizite Leugnung des Einflusses von Biologie habe ich leider keine gefunden. Sich da wirklich festzulegen, dafür sind sie meistens zu schlau. Die Formulierung ist dann eher, dass ein biologischer Einfluss nicht nachgewiesen sei bzw. sogar nicht nachweisbar wäre. Wenn dann ein Verhaltensforscher, Evolutionspsychologe oder Biologe mit empirischen Daten um die Ecke kommt, die auf genau das Gegenteil hinweisen, wird einfach behauptet, diese Forschungsweise sei veraltet, die Studie sei unsauber durchgeführt. Überhaupt sei bereits ein wenige Tage alte Baby durch die Verhaltensweisen der Erwachsenen schon so auf die geltenden Rollenmodelle konditioniert, dass es ja überhaupt kein Wunder sei, dass die Mädchen sich mehr für die Puppen und Jungs sich mehr für die Autos interessierten, weil sie schon schon implizit spürten, was von ihnen erwartet wird. Nein wirklich, diesen Quatsch behaupten die allen Ernstes. Wenn Erziehung wirklich so einfach wäre, Millionen von Eltern würden sich freuen und Millionen von Kinderzimmern wären viel besser aufgeräumt.

      • Muriel schreibt:

        Gibt es denn die belastbare Erkenntnis, dass weibliche Kinder eher mit Puppen spielen und männliche eher mit Autos, schon bevor sie kulturell geprägt werden konnten? Pardon, falls das in den Videos ist, die kann ich mir erst später ansehen. Hast du da Studien oder vergleichbare Quellen?

      • aranxo schreibt:

        Ja, speziell im ersten Video geht es ganz genau darum. Und wohlgemerkt, solche geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen findet man nicht nur bei menschlichen Kleinkindern, sondern sogar bei diversen Affenarten. Da muss man sich dann schon fragen, wo denn der kulturelle Einfluss auf verschiedene normativ vorgeschriebene gesellschaftliche Geschlechterrollen eigentlich herkommen soll.

      • Muriel schreibt:

        Okay, ich hab mir dann jetzt doch mal die beiden Videos angeschaut, aber tut mir leid, das schaff ich nicht zu Ende. Boah.
        Wenn du was Seriöses (im Sinne von eher wissenschaftlich Fundiertes) hast, freu ich mich über eine Empfehlung, aber diesen polemisch-hysterischen Quatsch tu ich mir nicht an. Ich hab echt versucht, mich von der „Gehirnwäsche“ im Titel nicht abschrecken zu lassen, aber diese Haltung setzt sich so fort. Ich hab die ganze Zeit damit gerechnet, dass jeden Moment Ben Stein irgendwo aus der Kiste springt.
        Das heißt ja nicht, dass Gender Studies nicht auch viele alberne Aspekte mitbringen, aber wenn das die Kritik daran ist, wundert es mich nicht, dass sie im Vergleich immer noch ernst genommen werden.
        Heieiei.

      • aranxo schreibt:

        Nun ja, das erste Video ist anfangs schon ziemlich populärwissenschaftlich, aber polemisch-hysterisch finde ich schon arg übertrieben. Ab ca. Minute 15 kommen dann aber so langsam die wirklichen Studien. Wenn Du also schon vorher aufgegeben hast…

        Und Kutschera haut zwar sehr pointierte Statements raus, aber seine Kompetenz als Lehrstuhlinhaber und arrivierter Evolutionsbiologe ist nicht zu bestreiten.

      • Muriel schreibt:

        Seine Kompetenz ist mir piepegal, wenn er sich aufführt wie ein Aluhutträger, dem niemand glauben will, dass die Chemtrails real sind… Nee, mal ehrlich: Begriffe wie Gehirnwäsche, pseudoreligiöse Ideologie… Da google ich mir meine Studien lieber selbst zusammen und bilde mir so eine Meinung, bevor ich mir das antue. Ich hab wirklich die ganze Zeit Ben Stein vor Augen, und ich meine nicht den lustig-langweiligen aus den Ferris-Filmen. Das ist mir da alles zu platt und zu aggressiv und zu doof.

      • Mark E. Smith schreibt:

        @Muriel

        Lies doch mal Doris Bischof-Köhler: Von Natur aus anders: Die Psychologie der Geschlechtsunterschiede
        https://www.amazon.de/Von-Natur-aus-anders-Geschlechtsunterschiede/dp/3170192876

      • Muriel schreibt:

        Danke, ich schaus mir mal an.

      • Muriel schreibt:

        Vielleicht mal als Beispiel dafür, was ich meine, ein Ergebnis meiner Googelei:
        http://www.city.ac.uk/news/2016/july/infants-prefer-toys-typed-to-their-gender,-says-study
        „The research therefore suggests the possibility that boys and girls follow different developmental trajectories with respect to selection of gender-typed toys and that there is both a biological and a developmental-environmental components to the sex differences seen in object preferences.“
        Klingt für mich jetzt nicht so, als hätte die Biologie empirische Daten noch und nöcher, die felsenfest belegen, dass Gender nicht nur ein soziales Konstrukt ist. Und ungefähr so klang bisher alles, was ich an ernsthaften Forschungsergebnissen zu dem Thema kenne, auch wenn das zugegebenermaßen nicht so viel ist. Kann natürlich trotzdem sein, dass das unter Biolog(inn)en als ausgemachtes Faktum gilt und ich nur die Ergebnisse bisher nicht gefunden habe, aber sogar das würde eigentlich nichts an meinem Hauptproblem ändern:
        Ja, sicher, viele Vertreter(innen) der Gender-ist-ein-soziales-Konstrukt-Seite treten sehr aggressiv und überzogen auf. Und Genderwissenschaft hat keine besonders solide wissenschaftliche Basis. Klar. Sozialwissenschaften halt.
        Aber wenn man das kritisieren will, warum muss man denn dann seinerseits genauso aggressiv und laut und unseriös auftreten, oder (zumindest meiner Wahrnehmung nach) am Besten noch einen drauf setzen und die andere Seite gleich rundweg als Nazis beschimpfen? Warum muss das denn so verkniffen und uncool sein? Ein bisschen wie bei der Israelkritik. Es gibt am Stat Israel und seiner Politik echt viel zu kritisieren. Aber man hat einfach keinen Bock drauf, das zu tun, weil man sich schämt, dann mit den anderen Leuten assoziiert zu werden, die das machen.

      • uepsilonniks schreibt:

        Muriel, Du hast keine Argumente und wenn man dir Argumente vorlegt, lehnst Du sie als polemisch ab, dabei wirst Du selbst polemisch. Deine Diskussionsbereitschaft ist lediglich geheuchelt. Du hast schon eine vorgefertigte Meinung und lehnst von vornherein alles ab, was dieser widerspricht.

      • Muriel schreibt:

        Natürlich habe ich keine Argumente. Ich habe zu der Sachfrage keine Position. Ich habe Fragen dazu, und ich habe Bitten um Belege für vorgebrachte Behauptungen. Ich merke, dass das hier nicht gut ankommt, und keine Sorge, ich behellige euch voraussichtlich nicht mehr lange.
        In einer so aufgeschlossenen und diskussionsbereiten Atmosphäre wie hier halten Leute wie ich es einfach nicht langfristig aus.

      • Mark E. Smith schreibt:

        @ Muriel

        Du schreibst:
        „Und Genderwissenschaft hat keine besonders solide wissenschaftliche Basis. Klar. Sozialwissenschaften halt.“

        Öhmm, ich würde mal sagen, dass Genderwissenschaft von der Methodenlehre keine Sozialwissenschaft ist. Du wirst in den wenigsten Studiengängen der Genderstudies die quantiative Methodenlehre finden (Versuchsplanung, Statistik etc.). Was sie haben, ist teilweise qualitative Methodenlehre, aber auch hier würde ich behaupten, ist das eher Diskursanalyse oder Narrationsanalyse ev. sowie noch ein bisschen Grounded Theory – aber eben vielfach keine qualitative sozialwissenschaftliche Methodenlehre mit Gütekriterien etc. Ich würde also behaupten, die Leute, die Genderstudies absolviert haben, sind vielfach überhaupt nicht in der Lage, qualitativ hochstehende empirische Forschung durchzuführen.

      • Muriel schreibt:

        Ich bin geneigt, patzig zu sein und zu antworten: „Ja. Sozialwissenschaften halt.“ Aber weil das ja ohnehin schon eine eher kontroverse Stimmung hier ist, an der ich nicht unschuldig bin, versuche ich es ein bisschen ausführlicher: Ich bestehe nicht auf der Einstufung als Sozialwissenschaft. Wollte vor allem einräumen, dass ich keineswegs die Seriosität der Genderwissenschaften insgesamt verteidigen will. Dafür weiß ich auch schon viel zu wenig drüber.

    • uepsilonniks schreibt:

      Kannst Du mir eine Quelle nennen, in der Gender-Studies einen Einfluss von Genen und Hormonen eingestehen?

    • pseudo uepsi schreibt:

      @Admin: Bitte guck mal ob ein Kommentar von mir hängengeblieben ist, gruß uepsi.

  2. only_me schreibt:

    „Und kannst du eine Quelle dafür nennen, dass Gender-Studies angeblich den Einfluss von Genen und Hormonen komplett leugnen?“

    Siehe zum Beispiel diese Seite.

    In normalen Wissenschaften gibt es stets grundlegende (ggf. sehr dicke) Lehrbücher, in denen die Grundlagen dieser Wissenschaft oder wesentlicher Teilgebiete derselben dargestellt werden, deren Kenntnis von jedem akademisch Gebildeten in diesen Fächern erwartet wird. Diese Lehrbücher sind oft für Erstsemester geschrieben und stellen sowohl die Methoden wie die wichtigsten Themenfelder und die zugehörigen Ergebnisse dar.
    (…)
    Zu den Inhalten kann man folgende Eindrücke festhalten:
    • Die hochumstrittenen Dogmen der feministischen Ideologie werden regelmäßig betont und als grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse dargestellt. Bussmann (2005) bspw. konstatiert die „… Einsicht der Gender Studies, daß Weiblichkeit und Männlichkeit nicht aus biologischen Konstanten abgeleitet werden können, sondern auf historisch-zeitgebundenen, soziokulturellen Konstruktionen von sexueller Identität basieren … … bei der gesellschaftlichen Konstruktion der Geschlechterhierarchie gespielt haben.“
    (…)
    • Die Wissensgebiete Medizin, Biologie, insb. Verhaltensbiologie, und verwandte Gebiete sind selbst in umfangreichen Werken wie von Braun (2013) überhaupt nicht vertreten, Psychologie nur am Rande.

    Biologisches Wissen gehört nicht zum Studienplan.

    Zur Kontrolle habe ich grad mal in das Vorlesungsverzeichnis der Gender- und Queerstudies Hamburg geschaut.
    Das Wort „Bio“ kommt nicht ein einziges Mal vor.
    Stattdessen gibt es eine Einführungsveranstaltung.

    1) Qualifikationsziele
    Die Studierenden sollen lernen, Geschlecht als soziokulturell hergestelltes Phänomen und gesellschaftliches Ordnungsprinzip zu begreifen und die Geschlechterbezüge sozialer Prob-leme und wissenschaftlicher Gegenstandsbeschreibungen zu erkennen, die als geschlechts-indifferent auftreten bzw. oft aufgefasst werden.
    Die Studierenden sollen befähigt werden, auf Basis des Begriffsinstrumentariums der Gen-derforschung Fragen von Ungleichheit(en), von der Rolle der Geschlechterverhältnisse, der Reproduktion von Gesellschaft, aber auch den Zusammenhang von Theorie und (Alltags-) Praxis kritisch zu beantworten.
    Das Modul soll insgesamt eine geschlechterbezogene analytische Sensibilisierung erreichen, die die Studierenden in die Lage versetzt, relevante Handlungsfelder kompetent zu durch-leuchten und ihr Wissen bezogen auf seine Anwendbarkeit in diesen Feldern zu reflektieren.

    2) Inhalte
    Basis des Moduls stellt die Vermittlung gängiger Theorien und einschlägiger Themenfelder der Frauen- und Geschlechterforschung/Genderforschung dar. (Relevanz das Geschlecht als Kategorie sozialer Ordnung). Zusammenhänge (wissenschaftlicher) Geschlechterfor-schung als theoretische und analytische Referenzfolie, strukturtheoretisch verfahrende Theo-riekonzepte der Frauen- und Geschlechterforschung als auch Theorieansätze in einer post-strukturalistischen Theorietradition.
    Mit diesem theoretisch-konzeptionellen Instrumentarium werden zentrale Themenfelder der Frauen- und Geschlechterforschung wie z. B. Gender und Arbeit, Bildung und Geschlecht, Globalisierung und der Wandel von Geschlechterverhältnissen etc. bearbeitet. Es werden-Methoden der qualitativen Sozialforschung vermittelt, die Einlass in die Frauen- und Ge-schlechterforschung/Genderforschung gefunden haben.

    Die Frage, ob irgendwelche wahrzunehmenden (statistischen) Unterschiede gegeben und nicht änderbar sind, taucht nicht auf. Biologie interessiert nicht.

    Du kannst Lippenbekenntnisse finden, die beteuern, dass Biologie ja nicht vollständig abgelehnt wird. Sie wird trotzdem komplett ignoriert.

    • mitm schreibt:

      @only_me: Danke fürs zitieren 😉

      Das Thema wird ja auch unter dem Schlagwort blank-slate-Hypothese (nach Steven Pinker: The Blank Slate….) gehandelt

      Vor ein paar Wochen ist eine sehr interessante Analyse zur Verbreitung der blank-slate-Hypothese in den Gender Studies erschienen, von Charlotta Stern, Associate Professor of Sociology, Stockholm University. Die blank-slate-Hypothese geht wesentlich auf „Doing Gender“ von West / Zimmerman zurück, das ist einer der meistzitierten feministischen Texte. Stern hat eine Stichprobe neuerer einflußreicher Quellen untersucht, die „Doing Gender“ zitieren. Fast alle bestätigen die blank-slate-Hypothese, geben sie also als allgemein anerkannten Stand der Wissenschaft aus. Eine einzige Ausnahme in der Stichprobe präsentierte auch Kritik an der blank-slate-Hypothese.

      Die Gehirnwäsche in den Gender Studies-Literatur ist also fast lückenlos. Wer mehr Beispiele für die blank-slate-Hypothese in den Gender Studies braucht: „(New) Real Peer Review“.

  3. only_me schreibt:

    Mein langer Kommentar ist im Nirvana gelandet.
    Daher noch mal kurz:

    „Und kannst du eine Quelle dafür nennen, dass Gender-Studies angeblich den Einfluss von Genen und Hormonen komplett leugnen?“

    Siehe z.B. diese Seite.

    In normalen Wissenschaften gibt es stets grundlegende (ggf. sehr dicke) Lehrbücher, in denen die Grundlagen dieser Wissenschaft oder wesentlicher Teilgebiete derselben dargestellt werden, deren Kenntnis von jedem akademisch Gebildeten in diesen Fächern erwartet wird. Diese Lehrbücher sind oft für Erstsemester geschrieben und stellen sowohl die Methoden wie die wichtigsten Themenfelder und die zugehörigen Ergebnisse dar.
    (…)
    Zu den Inhalten kann man folgende Eindrücke festhalten:
    Die hochumstrittenen Dogmen der feministischen Ideologie werden regelmäßig betont und als grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse dargestellt. Bussmann (2005) bspw. konstatiert die „… Einsicht der Gender Studies, daß Weiblichkeit und Männlichkeit nicht aus biologischen Konstanten abgeleitet werden können, sondern auf historisch-zeitgebundenen, soziokulturellen Konstruktionen von sexueller Identität basieren … … bei der gesellschaftlichen Konstruktion der Geschlechterhierarchie gespielt haben.“
    (…)
    Die Wissensgebiete Medizin, Biologie, insb. Verhaltensbiologie, und verwandte Gebiete sind selbst in umfangreichen Werken wie von Braun (2013) überhaupt nicht vertreten, Psychologie nur am Rande.

    Zur Kontrolle: Das Vorlesungsverzeichnis der Gender- und Queerstudies Hamburg enthält keine einzige Veranstaltung zum biologischen Einfluss auf die Geschlechter.
    Auch die Beschreibung der Einführungsveranstaltung (immerhin 4 SWS) sieht nicht besser aus:

    1) Qualifikationsziele
    Die Studierenden sollen lernen, Geschlecht als soziokulturell hergestelltes Phänomen und gesellschaftliches Ordnungsprinzip zu begreifen und die Geschlechterbezüge sozialer Prob-leme und wissenschaftlicher Gegenstandsbeschreibungen zu erkennen, die als geschlechts-indifferent auftreten bzw. oft aufgefasst werden.
    Die Studierenden sollen befähigt werden, auf Basis des Begriffsinstrumentariums der Gen-derforschung Fragen von Ungleichheit(en), von der Rolle der Geschlechterverhältnisse, der Reproduktion von Gesellschaft, aber auch den Zusammenhang von Theorie und (Alltags-) Praxis kritisch zu beantworten.
    Das Modul soll insgesamt eine geschlechterbezogene analytische Sensibilisierung erreichen, die die Studierenden in die Lage versetzt, relevante Handlungsfelder kompetent zu durch-leuchten und ihr Wissen bezogen auf seine Anwendbarkeit in diesen Feldern zu reflektieren.

    2) Inhalte
    Basis des Moduls stellt die Vermittlung gängiger Theorien und einschlägiger Themenfelder der Frauen- und Geschlechterforschung/Genderforschung dar. (Relevanz das Geschlecht als Kategorie sozialer Ordnung). Zusammenhänge (wissenschaftlicher) Geschlechterfor-schung als theoretische und analytische Referenzfolie, strukturtheoretisch verfahrende Theo-riekonzepte der Frauen- und Geschlechterforschung als auch Theorieansätze in einer post-strukturalistischen Theorietradition.
    Mit diesem theoretisch-konzeptionellen Instrumentarium werden zentrale Themenfelder der Frauen- und Geschlechterforschung wie z. B. Gender und Arbeit, Bildung und Geschlecht, Globalisierung und der Wandel von Geschlechterverhältnissen etc. bearbeitet. Es werden-Methoden der qualitativen Sozialforschung vermittelt, die Einlass in die Frauen- und Ge-schlechterforschung/Genderforschung gefunden haben.

    Auch wenn das streng genommen nicht belegt, dass der Einfluss der Biologie geleugnet wird, ist nicht zu leugnen, dass der Einfluss der Biologie komplett ignoriert wird.

    • Muriel schreibt:

      Also nicht.
      Na gut, aber wenn das so ein dramatisches Phänomen ist, sollte es dann nicht möglich sein, eine Vertreterin des Faches mit der These zu zitieren, die ihm hier vorgeworfen wird?
      Ich hab mit Gender Studies ja nicht viel am Hut, aber wer sowas behauptet, sollte es doch artig irgendwie belegen können, oder nicht? Ist das sonst nicht ein bisschen unseriös?

      • only_me schreibt:

        „Also nicht.“

        Kennst du die Geschichte von dem Menschen, der seinen Schlüssel unter einer Laterne sucht? Als er gefragt wird, ob er sicher ist, den Schlüssel hier verloren zu haben, sagt er: „Nein, ich hab ihn dort drüben verloren, aber da ist es so dunkel.“

        Du meinst, es gibt aus wissenschaftlicher Perspektive einen signifikanten Unterschied zwischen jemandem, der postuliert, dass Schlüssel niemals woanders als unter einer Laterne liegen und einem, der sich einfach weigert,abseits seines Wohlfühlbereichs zu suchen?

        Legst du Wert darauf, ernst genommen zu werden?

      • only_me schreibt:

        PS. Da das mit dem Lesen so eine Sache zu sein scheint… Bussmann schreibt in ihrem Genderstudies Einführungsband:

        …Einsicht der Gender Studies, daß Weiblichkeit und Männlichkeit nicht aus biologischen Konstanten abgeleitet werden können, sondern auf historisch-zeitgebundenen, soziokulturellen Konstruktionen von sexueller Identität basieren

        Zitatig genug?

      • Muriel schreibt:

        Nö, darauf lege ich gar keinen Wert.
        Aber noch mal: Wenn jemand schreibt, dass in Gender Studies „der mögliche Einfluss von Genen und Hormonen auf das Verhalten komplett geleugnet wird“, findest du nicht auch, dass der dafür dann vielleicht auch einen oder zwei Belege haben sollte?
        Und ja, es macht für mich einen erheblichen Unterschied, ob jemand den Einfluss von genen und Hormonen auf das Verhalten nicht untersucht (was so pauschal für Gender Studies auch erst noch zu belegen wäre), oder ob er ihn komplett leugnet.
        Siehst du das im Ernst anders?
        Ich meine, genau das ist doch das Problem. Es gäbe garantiert ganz viel zu kritisieren an Gender Studies, und sicher bauen die auch eine Menge alberne Popanze auf, aber solange man das so macht, mag zum Beispiel ich echt nichts damit zu tun haben.

      • Muriel schreibt:

        Zum PS: Wäre sicher in diesem Kontext ein total nützliches Zitat, wenn es die These belegen würde. Ist aber was ganz anderes.

      • Muriel schreibt:

        Und dann auch übrigens: Ich lege zwar keinen Wert drauf, ernst genommen zu werden, aber ich hab keinen Bock auf eine Diskussion, in der nicht beide Parteien irgendwie mit gutem Willen rangehen. Du kannst mir natürlich gerne unterstellen, ich hätte Probleme mit dem Lesen, aber erwarte dann bitte nicht mehr, dass ich auf deine Kommentare noch reagiere.

  4. only_me schreibt:

    test
    (Jetzt wurde schon zweimal ein Kommentar von mir gelöscht)

  5. Mark E. Smith schreibt:

    @aranxo

    M.E. hast Du einen wichtigen Punkt bei Simone Schmollack noch nicht angesprochen – sie schreibt nämlich:

    „Und in jüngster Zeit veröffentlichen konservative Medien Texte, die ausführlich Gewalt gegen Männer thematisieren. Ja, es gibt Frauen, die ihre Partner schlagen. Und ja, es gibt Männer, die sich nicht wehren können. Das ist ein Problem. Das löst man aber nicht, indem man Gewalt gegen Gewalt aufrechnet und Männer zu Opfern macht. Man löst es auch nicht, indem man all die Gewalt dem Gender-Mainstreaming zuschreibt.“

    Achhh so, nur Frauen haben also den Opferbonus und nur die Gewalt gegen Frauen soll und darf thematisiert werden! Frauen als Täter/innen und Männer als Opfer von Gewalt soll natürlich unter der Decke bleiben, weil das passt nur überhaupt nicht in den feministischen Mainstream und das Gender-Mainstreaming.

  6. Mark E. Smith schreibt:

    Den finde ich natürlich auch noch lustig:

    „Das Problem löst man, in dem man Gender-Forscherinnen in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt.“

    Hmmm, wenn sie hier von Gender-Forscherinnen schreibt, dann könnte das implizieren, dass hier einzig und alleine Frauen forschen und forschen sollen, also ev. und bitte keine Männer.

    Und was soll wohl damit gemeint sein, dass man sie in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt? Also am besten alle Ergebnisse zur Kenntnis nehmen und mit dem Kopf nicken und sagen: „Toll, was ihr für tolle Ergebnisse produziert habt!“ Die wir nun alle für richtig halten und diese natürlich nicht kritisch hinterfragen etc. Der mündige Staatsbürger (also der Souverän) wird hier reine affirmative Kopfnickerei reduziert, der mal schön seinen eigenen Verstand ausschalten soll, wenn die Gender-Forscherinnen ihre Ergebnisse präsentieren. Könnte man ev. maternalistisches Wissenschaftsverständnis nennen.

    • aranxo schreibt:

      Natürlich hast Du recht. Jedwede Wissenschaft muss sich der kritischen Überprüfung durch Peer Reviews und neutrale Evaluation stellen. Nur das ist ernst zu nehmende Wissenschaft. Bei den Gender Studies hat man allerdings den Eindruck, dass sie dieses scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Einfach nur die angeblichen Ergebnisse in den Raum stellen, ohne darlegen zu wollen, mit welchen nachprüfbaren Methoden und welchen empirischen Daten man darauf gekommen ist, ist keine ernst zu nehmende Wissenschaft.

      Aber es geht ja noch viel weiter: Um Ergebnisse ernst nehmen zu können, müsste man ja erst einmal wissen, welche diese sind. Auch das ist schwierig heraus zu finden. Hadmut Danisch versucht seit geraumer Zeit herauszufinden, was eigentlich die Lehrinhalte der Gender Studies an der Humboldt Uni Berlin sind, wie geprüft wird etc. Wenn man selbst solche Basisinfos nicht herausrücken will, wie soll man das Fach dann ernst nehmen?

  7. Hugor schreibt:

    Ich habe mir aus Neugier mal den Blog von Muriel bzw. den aktuellsten Artikel dort angesehen. Wenn ich ihn richtig verstehe, ist sie der Ansicht, dass die aktuellen pc-Zustände an amerikanischen Unis unproblematisch sind, dagegen gemäßigte sachlichen Kritik hieran gefährlich, weil sie nicht deutlich genug erkennen lässt, dass gegen eine gute Sache gehetzt wird.
    Mag jeder selbst entscheiden, inwieweit Diskussionen mit ihr sinnvoll sein könnten.

    • Muriel schreibt:

      Falls deine Neugier noch anhält: Ich bin ein Er, und du hast mich nicht richtig verstanden. Frag gerne nach, wenn dich noch was interessiert.

      • Hugor schreibt:

        Entschuldige bitte, ich war davon ausgegangen, dass Muriel ein Frauenname ist.

        Könntest du kurz darstellen, was ich falsch verstanden habe bzw. was die wesentliche Aussage des Artikels sein soll?

      • Muriel schreibt:

        Ich fand es ein bisschen ungünstig, das hier zu machen, weil es hier ja um was Anderes geht und ich die ohnehin schon angespannte Geduld des hiesigen Publikums nicht weiter strapazieren will, aber wenn du schon fragst: Ich finde die Darstellung des von mir kritisierten Artikels sonderbar ziellos, weil sie das Problem nicht erkennen lässt, das er vorgibt zu beschreiben, und ich finde die in meiner Wahrnehmung gerade unter PC-Kritikerinnen verbreitete Tendenz putzig, dass Leute für sich das Recht fordern, Bevölkerungsgruppen zu beleidigen und gewaltsam auszugrenzen (Trump und seine Mauer), es aber andererseits bedrohlich und beleidigend finden, wenn man sie auf rassistische Äußerungen anspricht. Einerseits wird die Empfindlichkeit von Minderheiten bejammert ä, andererseits jammert man selbst und fürchtet um die Meinungsfreiheit, weil Leute kritisieren, was man sagt.
        Wie die Zustände an US-Universitäten sind, weiß ich nicht. Bestimmt gibt es da viel zu kritisieren, aber dann soll man das bitte auch konzise und sinnig tun, nicht weinerlich, inkonsistent und ziellos wie dort.
        Ungefähr so.

      • Leszek schreibt:

        @ Muriel

        „Wie die Zustände an US-Universitäten sind, weiß ich nicht. Bestimmt gibt es da viel zu kritisieren, aber dann soll man das bitte auch konzise und sinnig tun, nicht weinerlich, inkonsistent und ziellos wie dort.“

        Ich bin PC-Kritiker und hatte z.B. hier – unter einem lesenswerten pc-kritischen Artikel einer klugen Feministin einmal einen pc-kritischen Kommentar aus maskulistischer Perspektive anlässlich der damaligen Critical Hetness-Debatte verfasst:

        https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2013/04/11/knutschverbot-eine-absolut-logische-durchfuhrbare-und-uberhaupt-nicht-beschissene-idee-hust/#comment-746

        Ich fände es interessant zu erfahren, ob du meine dort geäußerte PC-Kritik in die Kategorie „weinerlich, inkonsistent und ziellos“ einordnen würdest.

      • Muriel schreibt:

        @Leszek: Tut mir leid, der war mir zu lang und zu anstrengend, um ihn ganz zu Ende zu lesen. Mein Interesse am ideologischen Grabenkämpfen findet irgendwo auch Grenzen.
        Sagen wir mal so. Was ich noch gelesen habe, klingt für mich, als würde jemand Sozialdemokratie kritisieren wollen, indem sie auf Gulag, Stasi und den Einsatz von Panzern gegen friedliche Demonstranten schimpfen. Die Kritik mag ihre Berechtigung haben, bezieht sich aber eher auf eine aus meiner Sicht absurd extremistische Nische der ideologischen Richtung, auf die sie sich bezieht.
        Verstehst du, was ich meine?

      • Hugor schreibt:

        @Muriel – der JETZT-Artikel ist sicherlich nicht optimal und trägt die (vermutlich nicht vom Autor selbst, sondern von der Redaktion aus Aufmerksamkeitsgründen gewählte) reißerische Überschrift nicht wirklich. Insoweit kann ich dir zustimmen.
        Trotzdem finde ich es sehr merkwürdig, dass du dir anmaßt, einen Artikel zu verreißen, über dessen Gegenstand du nach eigenem Eingeständnis nichts weißt (was im Übrigen auch aus deinem Text ziemlich deutlich wird). Außerdem zitierst du teilweise eher selektiv.
        Insbesondere aber ist es meiner Ansicht nach völlig unangemessen, dass du PC-Kritiker pauschal diffamierst. Sicherlich gibt es unter diesen auch genügend, die letztich selbst nicht besser sind. Das bedeutet aber keineswegs, dass es nicht sehr gute Argumente gegen (übertriebene) PC gibt und insbesondere die Zustände an US-Unis ernsthaften Anlass zur Besorgnis geben. An einer Auseinandersetzung damit ist dir allerdings offensichtlich nicht gelegen, vielmehr genügt es dir, PC-Kritiker generell als Heuchler oder sonstwie indiskutabel hinzustellen.
        Deshalb, mit Verlaub, bleibe ich dabei, dass sinnvolle Diskussionen, also ein sachlicher Austausch von Argumenten, mit dir wohl nicht sinnvoll zu führen sein wird.

      • Muriel schreibt:

        Ich schreibe doch sogar, dass es da viel Potential zu sinnvoller Kritik gäbe…?
        Aber im Ergebnis stimme ich dir zu. Lassen wir’s. Man kann mit mir halt nicht sachlich reden.

      • only_me schreibt:

        “ Tut mir leid, der war mir zu lang und zu anstrengend“

        Das ist sooo niedlich.
        Kurze Antworten sind ihm nicht fundiert genug und fundierte Antworten sind ihm zu anstrengend.
        😀

      • Muriel schreibt:

        Lang und anstrengend ist ungleich fundiert, und “Hey, guck mal diesen Kommentar zu einem anderen Thema, den ich woanders geschrieben habe, wie findest du den?“ Ist ungleich Antwort.
        Aber niedlich bin ich wirklich. Nett, dass es dir aufgefallen ist.

      • Leszek schreibt:

        @ Muriel

        Na, dann würde es wohl wohl länger dauern, zu versuchen, dich davon zu überzeugen, dass die Political Correctness tatsächlich zu Ungerechtigkeit beiträgt sowie dass die PC im Zusammenspiel mit dem Neoliberalismus eine potentielle Gefahr gerade für die linken und liberalen Errungenschaften einer modernen Gesellschaft darstellt.

        Vielleicht möchtest du dich ja irgendwann einmal etwas genauer mit den ideengeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Ursprüngen der Political Correctness beschäftigen. Für diesen Fall sei verwiesen auf das lesenswerte Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA

        http://www.bol.de/shop/home/suche/?sq=hildebrandt+political+correctness&sswg=ANY&timestamp=1470764574835#descriptionToggle

        Es handelt sich bei diesem Buch, 2005 erschienen, um die meines Wissens umfassendste wissenschaftliche Rekonstruktion und Analyse der ideengeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Hintergründe, der zentralen Inhalte und Diskurse und der Debatten bezüglich Political Correctness und Multikulturalismus in den USA. Das Buch ist, wie gesagt, aus politikwissenschaftlicher Perspektive verfasst.

        Es handelt sich nicht um eine der gängigen politischen Streitschriften zum Thema, erst Recht hat es nichts mit rechtem verschwörungstheoretischem Müll zu tun, sondern es handelt sich um eine wissenschaftliche Arbeit, d.h. es enthält Belegquellen, klare Definitionen, beruht auf umfassender Recherche zum Thema, besitzt einen logischen und systematischen Aufbau und ist in sachlichem Stil geschrieben, dabei aber nicht unkritisch. Insbesondere das letzte Kapitel enthält eine gute Zusammenfassung von Kritiken an Political Correctness und Multikulturalismus aus linker und liberaler Perspektive.
        Hier kann ein bißchen in das Buch reingelesen werden:

        http://books.google.de/books?id=cGoIHrCz22cC&pg=PA10&lpg=PA10&dq=Multikulturalismus+und+Political+Correctness+in+den+USA&source=bl&ots=ZHvk9cRDzR&sig=YObAC0jJ2EFgRNDzLeOqGLnRKdY&hl=de&sa=X&ei=oGEsUqi2DpDFtAa1o4DoDA&ved=0CD0Q6AEwAg#v=onepage&q=Multikulturalismus%20und%20Political%20Correctness%20in%20den%20USA&f=false

      • Muriel schreibt:

        Ich bin zwar nicht sicher, warum wir jetzt hier über PC diskutieren, aber warum nicht? Bin ja vielseitig aufgeschlossen. Dass Aspekte von PC zu Ungerechtigkeit beitragen, ist bereits meine Überzeugung, und dass sie eine Gefahr für linke Errungenschaften darstellt, hoffe ich ja irgendwie auch, hihi.
        Aber ganz im Ernst: Bevor ich mich jetzt durch Bücher wühle, fände ich es schon angemessen, wenn du zumindest grob mal umreißt, was du meinst. Also, vielleicht sagst du mal, was du unter PC verstehst und erklärst dann, gerne an einem ganz konkreten Beispiel, was daran du wieso schlimm findest. Hast du da Lust drauf?

      • pingpong schreibt:

        @muriel:

        Also, vielleicht sagst du mal, was du unter PC verstehst

        In dem von Leszek verlinkten Kommentar, 1. inhaltlicher Absatz: „Political Correctness umfasst dabei mehr als irrationale Sprachumerziehungsmaßnahmen, es handelt sich um eine regressive, pseudo-linke Ideologie, die im Wesentlichen […]“ Das ist doch eine recht präzise Definition was Leszek unter PC versteht. Vielleicht hilft es wirklich wenn du den ganzen Kommentar aufmerksam liest…

        und erklärst dann, gerne an einem ganz konkreten Beispiel, was daran du wieso schlimm findest

        Nun, in dem dortigen Kommentar geht es ganz konkret um den spezifischen Fall „critical hetness“, und Leszek führt dort aus was er wieso daran schlimm findet. Man müsste es halt auch lesen, dann wären die Fragen die du hier so niedlich (tm only_me) stellst nicht nötig. Leszek schreibt üblicherweise auf recht hohem Niveau, und er hat bereits öfter klargemacht dass er nicht bereit ist ständig immer wieder die Grundlagen für irgendwelche wildfremden Leute zu wiederholen. Wenn du konstruktiv und sachlich mitdiskutieren willst, dann ist auch von deiner Seite etwas mehr nötig als „sorry, ist mir zu lang und zu kompliziert“ oder „erklär doch mal konkret“.

      • Hugor schreibt:

        @Muriel – Ausgangspunkt war dein Blogpost, in dem DU einen Artikel über PC an US-Unis verreißt und so Sachen behauptest wie, dass PC-Kritiker traditionell Probleme haben, Diktatur/Zensur von Diskussion und Bitten um Rücksichtnahme auseinanderzuhalten. Meinem Eindruck nach kommen „Diskussionen“ und „Bitten“ in PC-Kontexten allerdings eher weniger vor
        Auch deine Kommentare über z.B. „die ganze bräsig privilegiert selbstgerechte Anspruchshaltung der Mehrheitsgesellschaft“ oder dein Entsetzen, „dass so jemand dann so ein borniertes Geraune noch veröffentlichen darf und auf der Homepage der Süddeutschen Zeitung empfohlen wird“, zeugen nicht unbedingt von einer objektiven Grundeinstellung der Thematik gegenüber.

        Ehe du hier Leute über deine Stöckchen springen lässt, solltest deshalb vielleicht erst einmal DU die Grundlagen deiner Einstellung zu PC und deren Kritikern darlegen. Mich würde insbesondere interessieren, wie „…zeigt, wie viel Arbeit wir noch vor uns haben“ zu verstehen ist. Bist du PC-Aktivist?

      • Muriel schreibt:

        @pingpong: Ach komm. Lass uns doch bitte mal versuchen, einen irgendwie halbwegs zivilen Umgangston zu finden. Ist es denn wirklich so daneben von mir, dass ich, nachdem ich hier eigentlich nur ein paar Fragen zu einem Artikel über Genderwissenschaften hatte, woraufhin mir dann jemand auf Basis eines Kommentars, der mir durch eine völlige Fehldeutung eines Posts auf meinem eigenen Blog zu einem anderen Thema die Diskursfähigkeit absprechen möchte, einen seitenlangen Kommentar zu diesem Thema, über das ich gar nicht unbedingt reden wollte, hinwirft, mit nicht viel mehr als einem „Was hältstn davon?“, nicht die Motivation aufbringe, den vollständig zu analysieren und dann hier eine umfassende Auseinandersetzung zu präsentieren?
        Ich habe den Kommentar hinter dem Link jetzt gelesen, ganz. Und dieser erste von dir hervorgehobene Absatz enthält keine Erläuterung dafür, was Leszek unter PC versteht. Damit wir wissen, dass wir wirklich vom gleichen reden. Er lautet:
        „Political Correctness umfasst dabei mehr als irrationale Sprachumerziehungsmaßnahmen, es handelt sich um eine regressive, pseudo-linke Ideologie, die im Wesentlichen auf einer besonders rigiden und einseitigen, ursprünglich an US-amerikanischen Universitäten entwickelten Interpretation des französischen Poststrukturalismus beruht. Political Correctness ist im Wesentlichen eine Form von Vulgär-Poststrukturalismus. Die großen Denker und Denkerinnen des französischen Poststrukturalismus selbst können allerdings wenig dafür, wie ihr Werk hier geplündert und trivialisiert wurde. Die meisten von ihnen leben nicht mehr und können sich nicht mehr dagegen wehren – die bekannte poststrukturalistische Frauenrechtlerin Julia Kristeva hat diesen ganzen PC-Müll ausdrücklich als antidemokratisch, totalitär und mit französischem poststrukturalistischen Denken unvereinbar zurückgewiesen.“
        Das ist eine Ansammlung von Beschimpfungen, die vielleicht ja sogar gerechtfertigt sind in Bezug auf das, was Leszek meint, aber mit einer Definition ungefähr so viel zu tun hat wie mit dem von dir hervorgehobenen hohen Niveau. Tatsächlich ist dieser Absatz einer der wesentlichen Gründe, aus denen ich dann ein paar Absätze weiter entschieden habe, aufzuhören, weil ich mir keinen Erkenntnisgewinn mehr versprach. Aus meiner Sicht geht es auch in diesem Stil weiter. Auseinandersetzung wird durch Beschimpfung ersetzt.
        Aber gut, ich bin wie gesagt nicht ganz unschuldig daran, dass die Stimmung ein bisschen düster geworden ist. Meine Schäkerversuche sind nicht gut angekommen, und wir haben uns ein paar Mal missverstanden, und ich war natürlich auch von vornherein nach Lektüre des ursprünglichen Posts hier nicht in bester Stimmung. Ich versuche mal, das hinter mir zu lassen und würde mich freuen, wenn jemand mitlassen würde.
        Critical Hetness. Nehmen wir das ruhig als Beispiel. Es illustriert sogar ganz gut meinen Eindruck, scheint mir. Ich bin jetzt wie schon erwähnt kein Experte für PC. Aber wie ich das Konzept verstehe, und es drüben ja auch erklärt wird, geht es etwas vereinfacht ungefähr so: Als heterosexuell gelesene Menschen sind in unserer Gesellschaft in der privilegierten Position in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen zu könne, ohne dabei im gleichen Maße Anfeindungen ausgesetzt zu sein wie als homosexuell gelesene. Unter anderem deshalb tun sie das auch. In der Öffentlichkeit und auch der öffentlichen Darstellung verschiedener Medien sind heterosexuell präsentierende Paare die Norm. Das trägt zu einer Atmosphäre bei, in der sie als normal, und andere als unnormal, von manchen dann eben auch als schlecht oder unternormal, wahrgenommen werden, oder trägt zumindest nichts dazu bei, diese Atmosphäre zu bekämpfen. Um dem entgegenzuwirken, und um Solidarität mit anderen zu zeigen, werden heterosexuelle Paare aufgerufen, den Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit zu reduzieren.
        Sehen wir das alle ungefähr so? Wenn ich über was rede, was Leszek nicht meint/du nicht meinst/ihr nicht meint, erklärts mir gerne noch mal, vielleicht ausnahmsweise mal, ohne dabei gleich meine Lesefähigkeit oder meine Diskussionsbereitschaft infrage zu stellen, der Abwechslung halber.
        So. Was halte ich jetzt von dieser Idee? Finde ich natürlich nicht unproblematisch, aber bedenkenswert. Es kommt natürlich drauf an, wie genau sie umgesetzt wird, und was die Bedingungen sind. Aus meiner Sicht wäre eine vernünftige Lesart: Sei dir deiner Privilegien bewusst, wo du sie hast, und überleg dir, welche Auswirkungen sie auf dich und andere um dich haben. Nimm sie nicht für selbstverständlich, sondern stell sie ihnfrage, und versuche vielleicht sogar, sie irgendwie zur Verbesserung zu nutzen.
        In dieser Form ist das aus meiner Sicht dann kein abwegiger Vorschlag. Er hat natürlich auch Nachteile, weil die Befolgung der Idee zum Beispiel dazu führt, dass in der Öffentlichkeit generell weniger Menschen Zärtlichkeiten austauschen, was auch wieder schade sein könnte, und dann wäre natürlich noch zu bezweifeln, ob er tatsächlich homosexuell präsentierenden Paaren(…) in irgendeiner Hinsicht etwas Erfreuliches kommuniziert. Man müsste sich halt überlegen, wie und unter welchen Umständen man es macht.
        Wenn man jetzt auf so einen Vorschlag mit einer Haltung wie Leszek reagiert und mit Begriffen wie „Schwachsinn“, „totalitär“, „Feindbild“ und „heterophob“ um mich werfe, dann legt man in meinen Augen die gemeinstmögliche Lesart des Vorschlags zugrunde und verweigert sich einer echten Auseinandersetzung damit und mit den eigenen Privilegien.
        Würde der Vorschlag jetzt lauten „Wir schnappen uns knutschende Het-Pärchen und geben denen richtig auf die Fresse, damit sie mal sehen, wie das ist!“, dann wären solche Begriffe eventuell angemessen. Auf den Vorschlag „Hey, denkt doch vielleicht mal drüber nach, wie euer Auftreten wirkt und dass ihr eine Freiheit nutzt, die andere eventuell nicht haben, denen ihr euch eventuell solidarisch zeigen wollt“ passt so eine Reaktion überhaupt nicht, sogar wenn man ihn (wie ich selbst vielleicht auch) eher nicht so gut findet.
        Und das erlebe ich oft bei diesen Diskussionen. Jemand sagt „Hey, habt ihr mal überlegt, dass Zigeunerschnitzel vielleicht echt kein so entspannter Begriff ist in Anbetracht der Geschichte?“, und die Reaktion ist von manchen Seiten „WAAAAAAS jetzt wollen die uns schon vorschreiben, wie wir zu reden haben, was sind denn das für Nazis, Alter, als nächstes muss jeder ins KZ, der Neger sagt, oder was?“ Ich zeichne mit grobem Strich um zu verdeutlichen, was ich meine. In Leszeks Kommentar ist das natürlich subtiler, und ich möchte das auch nicht als Pauschalvorwurf verstanden sehen, aber es ist eine Reaktion, die ich oft erlebe. Mein Vater hat das zum Beispiel auch so empfunden. Mir scheint, das ist auch ein generelles Verständigungsproblem zwischen PC-Befürwortern und -Gegnern. Meinst du nicht?

        @Hugor:

        Ausgangspunkt war dein Blogpost, in dem DU einen Artikel über PC an US-Unis verreißt und so Sachen behauptest wie, dass PC-Kritiker traditionell Probleme haben, Diktatur/Zensur von Diskussion und Bitten um Rücksichtnahme auseinanderzuhalten. Meinem Eindruck nach kommen „Diskussionen“ und „Bitten“ in PC-Kontexten allerdings eher weniger vor

        Naja. In dem von mir zitierten Artikel kommen sie vor. Und auch sonst erlebe ich das anders als du. Aber das scheint – siehe oben – aus meiner Sicht wie gesagt ein ganz wichtiges Hindernis in der Verständigung zu sein.

        Auch deine Kommentare über z.B. „die ganze bräsig privilegiert selbstgerechte Anspruchshaltung der Mehrheitsgesellschaft“ oder dein Entsetzen, „dass so jemand dann so ein borniertes Geraune noch veröffentlichen darf und auf der Homepage der Süddeutschen Zeitung empfohlen wird“, zeugen nicht unbedingt von einer objektiven Grundeinstellung der Thematik gegenüber.

        Ich sollte vielleicht in diesem Kontext darauf hinweisen, dass ich mit „veröffentlichen darf“ nicht meine, dass ich mir ein Verbot wünsche, sondern dass ich bedaure, dass die Verantwortlichen in Zeitungsredaktionen keine höheren Qualitätsstandards haben.
        Den Rest habe ich im Text erklärt und finde ich gerechtfertigt. Gerade weil der von mir zitierte Artikel kaum etwas schildert, das über Bitten um Rücksichtnahme hinaus geht. Wenn es da um Vorschriften, um Zwang und Bevormundung ginge, wäre das was anderes. Da wäre ich bei der Kritik dabei.
        Aber wenn jemand eine Bitte um Rücksichtnahme auf Gefühle anderer Menschen kommentiert mit „Ich wohne hier, und jetzt darf ich nicht mal mehr…“ dann zeugt das eben, genau, von einer bräsig privilegiert selbstgerechten Anspruchshaltung und von einer Verweigerung der Reflexion auf mehreren Ebenen. Die Leute, um die es dort auf jetzt.de geht, fordern einerseits das Recht, auf andere keine Rücksicht nehmen zu müssen, fühlen sich aber bedrängt und misshandelt, sobald andere ihnen sagen, dass sie das nicht nett finden und lieber anders hätten. Wie kaputt kann der Ironiedetektor denn sein? Siehst du das anhand der konkreten Beispiel dort wirklich anders?

        Ehe du hier Leute über deine Stöckchen springen lässt

        Aber ich bin niedlich, ja…?

        solltest deshalb vielleicht erst einmal DU die Grundlagen deiner Einstellung zu PC und deren Kritikern darlegen.

        Ich habe das da oben mal beispielhaft versucht. Allerdings ist mir natürlich klar, dass PC nicht EIN monolitisches Konstrukt ist. Ich kenne aus meinem Umfeld und der öffentlichen Diskussion vor allem solche Beispiele.
        Ich kenne aber natürlich auch die Fraktion „Jede Art von vaginalem Sex ist Vergewaltigung“, und finde die natürlich sehr absurd. Genau deshalb habe ich ja Leszek gefragt, was er meint. Wenn wir über das eine reden, kann ich partiell mitgehen. Wenn wir aber über die Leute reden, die Vorschläge machen und sich daraufhin dann Verbote, Totalitarismus und sonstwas vorwerfen lassen müssen, dann nicht.

        Mich würde insbesondere interessieren, wie „…zeigt, wie viel Arbeit wir noch vor uns haben“ zu verstehen ist. Bist du PC-Aktivist?

        Ich glaube, ich bin eher gar kein Aktivist. Dafür bin ich zu faul und zu bräsig selbstgerecht in meinen Privilegien.
        Aber ich glaube, dass wir in einer Gesellschaft leben, die auf ganz viele Weisen noch viel besser und fairer und vernünftiger und freundlicher werden muss. Du nicht?

      • aranxo schreibt:

        @Muriel Wenn Du ein Beispiel haben willst dafür, wie PC konkret schadet, dannn sei Dir eine Einarbeitung in den Rotherham-Fall anempfohlen.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Missbrauchsskandal_von_Rotherham

        Dort haben britisch-pakistanische Banden über 15 Jahre hinweg mindestens 1400 Kinder missbraucht und vergewaltigt, es sind mehr als 100 Kinder aufgrund dieser Vergewaltigungen geboren und Polizei und Sozialbehörden haben davon gewusst, aber immer wieder weggeschaut. Und warum haben sie weggeschaut? Weil sie Angst vor Rassismus-Vorwürfen hatten und weil sie keine Fremdenfeindlichkeit schüren wollten.

        Diese Unter-den-Teppich-Kehrerei von Verbrechen von als marginalisiert bezeichneten Gruppen kann man derzeit auch ganz gut bei uns in der Presse beobachten. Während man es zu einem Riesen-Thema aufbauscht, dass irgendwer „Spring doch!“ gerufen haben soll bei dem Selbstmord eines Asylbewerbers, interessiert es nicht, wenn gleichzeitig zwei Menschen mutmaßlich von „Geflüchteten“ abgestochen werden. Und dann bringt es die Antifa auch noch fertig, Menschen an der Trauer am Tatort zu hindern und zu bedrohen.

        Was ich damit meine: PC führt nicht dazu, dass Menschen gleich behandelt werden, sondern zum Gegenteil. Der Spieß wird einfach umgedreht, bisher nominell marginalisierte werden bevorzugt, bisher nominell privilegierte benachteiligt. Dabei wird gar nicht nach konkreten individuellen Lebensumständen gefragt, sondern einfach nach Gruppenzugehörigkeit sortiert, und damit letzthin eine Doppelmoral eingeführt.

        Niemand hat etwas dagegen, wenn dazu aufgerufen wird, Leute respektvoller und freundlicher zu behandeln. Wenn das allerdings zum Zwang wird, wird es aben auch totalitär.

        Die Punkte, die an PC zu kritisieren sind, sind m.E. folgende:
        1. Während es in den Anfangszeiten noch mehr oder weniger eine Bitte an die Gesellschaft war, sich freundlicher und inklusiver gegenüber Minderheiten zu verhalten, artet es inzwischen mehr und mehr zum Zwang aus. Und jeder, der nicht mitmachen will, wird zum unmoralischen Menschen abgestempelt.
        2. PC führt zu Denkverboten, und das ist immer schlecht für den gesellschaftlichen Fortschritt. Wenn man Ansichten unterdrückt, die einem unmoralisch erscheinen, behindert man evtl. auch gute Ideen. Moralische Ansichten ändern sich oft sehr im Lauf der Zeit. Früher war Schwulsein unmoralisch und die kirchliche Moral war damals politisch korrekt, es gab auch eine Zeit, in der Rassimus völlig normal war, und zwar nicht erst im Dritten Reich. Und auch damals wurde versucht, Änderungen daran mit Denkverboten zu belegen. Woher nehmen politisch korrekte Moralapostel eigentlich die Hybris, dass sie diesmal richtig liegen?
        3. PC nimmt eben nicht alle Menschen in den Blick, sondern nur die bisher nominell benachteiligten. Während diese bitteschön mit Samthandschuhen angefasst werden sollen, muss man das mit bisher Bevorteilten nicht. Mit denen darf man ruppig umspringen, schließlich sind sie ja eh im Vorteil. Am besten kann man das an der ständigen Lästerei über den weißen heterosexuellen alten Mann sehen, der ja angeblich an allem Übel der Welt schuldig ist. Eigentlich ist das die einzige Gruppe, über die derzeit noch ungehemmt hergezogen werden darf. Wenn einem da die Doppelmoral nicht ins Auge springt, weiß ich auch nicht. Genau die, die behaupten, alle Menschen sollten gleich behandelt werden, tun eben genau dies nicht.
        4. PC ist manchmal unerträglich paternalistisch. Indem man die bisher benachteiligten als ständig hilfsbedürftig darstellt, entmündigt man sie auch und nimmt ihnen einen Teil ihrer Autonomie. Schwule mögen ganz gerne mal Schwulenwitze, Juden mögen Judenwitze, Schwarze mögen Schwarzenwitze und Frauen mögen Witze über Frauen. Wenn das alles als unmoralisch in den Giftschrank muss, schränkt man auch das Leben der eigenen Schützlinge ein. Es wird auch erwartet, dass alle Minderheiten bestimmte politische Meinungen haben müssten, sprich links stehen. Das wollen die aber gar nicht unbedingt. Es gibt Schwule, die lieber FDP oder sogar AfD wählen. Ich kenne persönlich eine Transfrau, die AfD wählt, weil sie sich nicht nur von Flüchtlingen bedroht fühlt, sondern auch schon einmal per Antanztrick bestohlen wurde.
        5. Wie bei jedem Gutmenschentum drängt sich auch bei PC der Verdacht auf, es geht den PC-Vertretern oft nicht um die Sache selbst oder ihre Schützlinge, sondern vor allem darum, sich selbst als besserer Mensch zu fühlen oder auch nur zu inszenieren. Damit instrumentalisiert man aber andere Menschen. Es ist in Grunde das gleiche Bedürfnis wie das, warum man einer Religion angehört. Der richtigen Moral anzuhängen, ist der einfachste Weg, zu den Guten zu gehören.

      • Muriel schreibt:

        Ich nehme das anders wahr als du, danke dir aber jedenfalls für die Erklärungen.

      • Hugor schreibt:

        @Muriel – „Naja. In dem von mir zitierten Artikel kommen [Diskussionen und Bitten] vor.“

        Nein, tun sie nicht. Und das würdest du erkennen, wenn du ein bisschen Ahnung von der Thematik hättest, um die es in dem Artikel geht. Es wird nicht gebeten, es wird ultimativ gefordert. Und es wird nicht diskutiert, sondern versucht, jeden mit anderer Auffassung argumentfrei mundtot zu machen. Und DAS ist das Problem.
        Bitten um Rücksichtnahmen sind völlig okay, solange es genauso normal bleibt, dagegen zu argumentieren, wenn man der Meinung ist, dass bestimmte Übersensibilitäten es nicht rechtfertigen, das eigene Leben anpassen zu müssen. Wenn du beispielsweise „Zigeunerschnitzel“ für problematisch hältst, ist das dein gutes Recht. Ich meinerseits halte „Zigeunerschnitzel“ für genauso normal wie „Wiener Schnitzel“ und werde dies weiterhin tun, solange mir nicht jemand bessere Argumente dagegen liefern kann als „unsere Geschichte“. Wenn es dir gelingt, mich zu überzeugen, ist alles okay. Wenn du aber über totalitäre Maßnahmen versuchst, miich zu zwingen, das Wort nicht mehr zu benutzen, geht das in Richtung Gesinnungsdiktatur. Und PC-Aktivisten wählen eben zumeist die letztere Vorgehensweise.

        „ich glaube, dass wir in einer Gesellschaft leben, die auf ganz viele Weisen noch viel besser und fairer und vernünftiger und freundlicher werden muss. Du nicht?“

        Doch, durchaus. Aber ich vermute, dass ich sowohl bezüglich der zu verbessernden Sachverhalte als auch der hierzu ggf. zu verwendenden Methoden andere Auffassungen habe als du. Insbesondere sehe ich Denkverbote und weitgehende Beschränkungen der in der öffentlich Meinungsdebatte zulässigen Ansichten ebensowenig als positiv an wie Vorschriften über persönliches Verhalten, für die keinerlei Rechtfertigung ersichtlich ist. Hierdurch wird die Gesellschaft nämlich eben nicht „besser und fairer und vernünftiger und freundlicher“, vielmehr tritt das Gegenteil ein. Und genau deshalb reagiere ich etwas empflindlich, wenn jemand fordert, „wir“ müssten mehr PC durchsetzen.

      • Muriel schreibt:

        Nein, tun sie nicht. Und das würdest du erkennen, wenn du ein bisschen Ahnung von der Thematik hättest, um die es in dem Artikel geht.

        Verstehe. Na gut. Dann denke ich, dass wir aufgrund der offensichtlich unüberwindlichen Ahnungsdifferenz zwischen dir und mir am besten an diesem Punkt überein kommen, das Gespräch friedlich beizulegen.
        Machs gut.
        [Wie gesagt. Ich hab keinen Bock, wenn offensichtlich nicht beide Seiten mit einem irgendwie konstruktiven Ansatz an die Sache rangehen. Das ist Freizeit für mich, das soll schon auch ein bisschen Spaß machen.]

      • Hugor schreibt:

        @Muriel – die „Ahnungsdifferenz“ wäre keineswegs unüberwindlich, sondern erfordert lediglich, dass du dich über Themen informierst, über die du schreibst, vorliegend eben insbesondere die PC-Situation an US-Unis. Aber das hast du offensichtlich nicht vor.
        Und wenn dir z.B. auch zu dem m. E. hervorragenden Kommentar von aranxo nicht mehr einfällt als „sehe ich anders“, macht eine weitere Diskussion tatsächlich wenig Sinn. Wie ich ja von Anfang an meinte…

      • Muriel schreibt:

        Och, ein bisschen mehr habe ich schon geschrieben.
        Aber wie gesagt, in deinem Stil mag ich nicht diskutieren. Klar, mir gehts auch immer so. Wenn Leute was anders sehen als ich, kann das nur daran liegen, dass sies nicht raffen. Kann ich verstehen. Horrido.

      • Leszek schreibt:

        @ Muriel

        „Och, ein bisschen mehr habe ich schon geschrieben.“

        Ich habe in meinem Kommentar zu Critical Hetness übrigens auch ein bißchen mehr geschrieben als nur „Schwachsinn“, „totalitär“, „Feindbild“ und „heterophob“. 🙂

      • Muriel schreibt:

        Ich habe auch nichts anderes behauptet.

      • Hugor schreibt:

        @Muriel – „Och, ein bisschen mehr habe ich schon geschrieben.
        Aber wie gesagt, in deinem Stil mag ich nicht diskutieren. Klar, mir gehts auch immer so. Wenn Leute was anders sehen als ich, kann das nur daran liegen, dass sies nicht raffen.“

        Sorry, deinen anderen Kommentar hatte ich irgendwie übersehen, ich gebe der Darstellungsweise meines Smartphones die Schuld. An meiner Einschätzung ändern deine dortigen Ausführungen aber nichts, eher im Gegenteil.
        Nein, ich unterstelle keineswegs, dass Leute, die anderer Meinung sind als ich, es nur nicht verstehen. Ich bleibe aber dabei, dass ich es für sehr fragwürdig halte, wenn du einen Blogpost über einen Artikel zum Thema PC an US-Unis kritsierst, obwohl du nach eigener Aussage über die Zustände dort nichts weißt. Und jetzt gibst du zu, dass du keine Ahnung von den Rotherham-Vorfällen hast (das allein ist für jemanden, der sich mit PC beschäftigt, mMn. schon ein Armutszeugnis), hast aber trotzdem keine Probleme damit, die dortigen Ereignisse zu relativieren.
        Dabei zeigt gerade Rotherham, welchen Einfluss PC erreicht hat. Hier geht es nicht um ein paar übersensible Spinner, sondern es wurde Kindesmissbrauch in großem Umfang vertuscht, weil die Strafverfolgungsbehörden aufgrund des PC-Klimas nicht wagten, die Taten angemessen zu verfolgen. Scheint dich aber nicht groß zu stören, du siehst das Hauptproblem lieber in einem angeblichen unreflektierten Rassismus in der Berichterstattung der Medien und auch dem Auftreten von staatlichen Organen. Auch in Deutschland wird ja z.B. offener Rassismus und Antisemitismus von Migranten totgeschwiegen und dafür die Verwendung von „Negerkuss“ geächtet.

        „Und hier ist mein Problem: Du nennst diese Beispielfälle und setzt sie dann mit „PC“ gleich, als wäre das eine monolitische Institution. Und man muss entweder komplett dafür oder komplett dagegen sein.“

        Das ist schlicht eine Frage der Abgrenzung. Für die meisten fängt PC eben erst an, wo angemessene Rücksichtnahme aufhört, und dann ist es natürlich nur konsequent, PC insgesamt abzulehnen.
        Im Übrigen argumentierst du hier unredlich, denn du machst selbst nichts anderes. Nennst ein paar Beispielfälle, bei denen du PC für gerechtfertigt hältst, und tust so, alös ob damit allgemeine Kritik an PC widerlegt wäre.
        Wobei diese Beispielfälle teilweise auch wenig überzeugend sind. U.a. die Sache mit den Weinflaschen. Alkohol mit nach Hause zu bringen ist völlig normal, gerade in studentischen Milieus. Jemandem dafür Vorwürfe zu machen, dass er nicht vorher überprüft hat, ob irgendjemand damit evtl. ein Problem haben könnte, ist völlig unangemessen, vielmehr obliegt es demjenigen, der mit völlig normalen Sachen ein Problem hat, rechtzeitig hierauf hinzuweisen. Und selbst dann ist es eine Frage des jeweiligen Einzelfalls, ob bzw. inwieweit erwartet werden kann, dass andere sich hiernach richten.

        „… es gibt diese Leute[, die etwas dagegen haben, wenn dazu aufgerufen wird, Leute respektvoller und freundlicher zu behandeln]. Die Autorin von jetzt.de zum Beispiel…“

        Dafür fehlt von dir bisher jede Begründung. Auch dein Blogpost enthält diesbezüglich nichts.
        Außerdem scheinst du die Thematik immer nur aus einer Perspektive zu betrachten. Was ist mit Freundlichkeit und Respekt denen gegenüber, von denen Änderungen ihrer normalen Verhaltensweisen eingefordert werden. Siehst du wirklich keinerlei Erfordernis, die sachverhalte und Probleme abzuwägen, ehe man von der einen Seite fordert, sie möge sich den Wünschen und Vorstellungen der anderen Seite anpassen?

        „Deswegen höre ich jetzt auch auf, die einzeln durchzugehen“

        Das ist sehr schade. Denn gerade zu aranxos Argumentation Punkten 2-4 hätte mich deine Meinung interessiert. Aber du wirst schon wissen, warum du zwar viel geschrieben hast, aber nur wenig zu den wirklich interessanten Punkten. Auch sonst hast du in dieser Diskussion ja zumeist vermieden, dich auf konkrete Sachargumentationen einzulassen.

  8. Muriel schreibt:

    So, und dann will ich noch mal versuchen, zu erklären, warum ich das anders sehe, auch wenn ich befürchte, dass es mir um die Ohren fliegt.

    Und warum haben sie weggeschaut? Weil sie Angst vor Rassismus-Vorwürfen hatten und weil sie keine Fremdenfeindlichkeit schüren wollten.

    Ich glaube, da machst du es dir zu einfach. Ich kann mir über den konkreten Fall kein Urteil erlauben, schon gar nicht nur auf Basis der Wikipedia-Seite, aber ich denke, du auch nicht. Zum Beispiel sind Ermittlungen bei Sexualdelikten ja traditionell problematisch, keineswegs nur wenn die Täter einen Migrationshintergrund haben und die Behören keine Fremdenfeindlichkeit schüren wollen. Und sogar wenn das hier tatsächlich der einzige Grund gewesen wäre, finde ich es weder überzeugend, PC an sich für sowas zu kritisieren (wie ich es auch unfair fände, den christlichen Glauben an sich dafür zu kritisieren, dass es solche Armleuchter wie Jack Chick gibt; da bestehen zwar Zusammenhänge, aber trotzdem), noch dass der kausale Zusammenhang wirklich so besteht. Ich nehme auch generell in der Berichterstattung der Medien und auch dem Auftreten von staatlichen Organen noch genug unreflektierten Rassismus wahr, um die Befürchtung, das Hauptproblem läge auf der anderen Seite, als nicht so dringend zu empfinden.
    Aber das kann letzten Endes auch dahinstehen. Natürlich sind wir uns einig, dass so etwas nicht passieren sollte, und dass es nicht vernünftig ist, mit Leuten übertrieben vorsichtig sein, die Straftaten begangen haben, nur weil sie zu einer benachteiligten Gruppe gehören.
    Wir können uns gerne darauf einigen, dass Political Correctness, wenn man sie in ein irrwitziges Zerrbild übersteigert, problematisch sein kann. So wie es umgekehrt ja auch die NSU-Mordserie hier in Deutschland gab.
    Aber gut, ich habe um ein Beispiel gebeten, was du meinst, und du hast mir eins gegeben. Danke.

    Während man es zu einem Riesen-Thema aufbauscht, dass irgendwer „Spring doch!“ gerufen haben soll bei dem Selbstmord eines Asylbewerbers, interessiert es nicht, wenn gleichzeitig zwei Menschen mutmaßlich von „Geflüchteten“ abgestochen werden.

    Nun ja. Ich finde diese Gegenüberstellung auch wieder ein bisschen schief. Es wird viel über Straftaten von Menschen mit Migrationshintergrund geredet und berichtet, insonfern sehe ich nicht, dass es nicht interessiert. Im Bildblog zum Beispiel findest du zahlreiche Beispiele von Fällen, in denen es die größte Zeitung Deutschlands außerordentlich interessiert hat, was Leute, die als Ausländer empfunden werden, so alles anstellen. Andererseits neigen Medien, nicht immer zu Unrecht, dazu, bestimmte Anekdoten zur Illustration einer allgemeinen Tendenz hervorzuheben. Das führt manchmal sehr in die Irre, wie bei der albernen Horrorclown-Hysterie, wo ich nicht mal sicher bin, ob es die besagte Tendenz überhaupt gibt, aber als Illustration einer bestehenden und öfter auch nach außen sehr hässlich gezeigten Xenophobie in Deutschland taugt diese „Spring doch!“-Episode nun einmal sehr gut. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass man differenzierter und vor allem auch fundierter und weniger sensationsgeil berichten würde, aber … Ja. Da haben wir halt noch viel Arbeit vor uns.

    PC führt nicht dazu, dass Menschen gleich behandelt werden, sondern zum Gegenteil.

    Und hier ist mein Problem: Du nennst diese Beispielfälle und setzt sie dann mit „PC“ gleich, als wäre das eine monolitische Institution. Und man muss entweder komplett dafür oder komplett dagegen sein.
    Natürlich ist es Schwachsinn, Straftäter(innen) nicht zu verfolgen, weil sie einen Migrationshintergrund haben.
    Natürlich ist es aber KEIN Schwachsinn, sich zu wünschen, dass zum Beispiel bei einer Diskussion über den Syrienkonflikt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zumindest eine einzige teilnehmende Person vielleicht jemand aus Syrien sein könnte. Und ich sehe auch nicht, was zum Beispiel schlimm daran sein soll, Leute aufzufordern, sich mal zu überlegen, was es heißt, einen Klischee-Neger auf jede Tafel Schokolade zu drucken, die sie verkaufen und bewerben. Das meine ich mit Differenzierung und Fundierung.

    Der Spieß wird einfach umgedreht, bisher nominell marginalisierte werden bevorzugt, bisher nominell privilegierte benachteiligt.

    Das ist mir zu pauschal. Echt jetzt. Natürlich, es gibt zum Beispiel Affirmative Action, also Maßnahmen, bei denen explizit benachteiligten Gruppen z.B. bei Bewerbungen um Jobs bevorzugt werden. Das kann man kritisieren. Ich bin davon auch nicht überzeugt. Und ich würde zugeben, dass das ein Aspekt von Political Correctness ist. Aber das Ziel ist dabei zum Beispiel ja immer noch das Ausgleichen von struktureller Benachteiligung. Man kann drüber reden, ob die Maßnahme dafür geeignet und verhältnismäßig ist, bzw. welche Maßnahmen das in welchem Maße sind, aber das Ziel an sich finde ich okay.
    Und andersrum, wenn wir mal das konkrete Beispiel aus meinem Post drüben nehmen (Ich hab nicht angefangen, dauernd über den zu reden, wirklich nicht, aber irgendwie scheint es so passiert zu sein.): In einer Wohngemeinschaft bringt jemand ein paar Falschen Wein mit. Eine Mitbewohnerin weist sie darauf hin, dass eine andere Mitbewohnerin ein Problem mit Alkohol hat und sie deshalb vielleicht die anderen hätte vorwarnen können. Wo wird da jemand benachteiligt oder bevorzugt? Das ist wie wenn ich mit meiner Hundeallergie mir von meiner Freundin wünsche, dass sie es bitte mit mir abspricht, bevor sie einen Hund nach Hause bringt. Ich hätte das nicht mal unter PC gefasst, aber die Autorin von jetzt, die PC kritisieren will, tut es.
    Und das über einen Kamm zu scheren mit dem, was du offenbar unter PC verstehst, fasst zu weit und ist mir zu undifferenziert. Findest du nicht auch?

    Niemand hat etwas dagegen, wenn dazu aufgerufen wird, Leute respektvoller und freundlicher zu behandeln.

    Doch doch. Du vielleicht nicht. Aber es gibt diese Leute. Die Autorin von jetzt.de zum Beispiel, und (teilweise natürlich nur) die Leute, die sie in ihrem Artikel zitiert.

    1. Während es in den Anfangszeiten noch mehr oder weniger eine Bitte an die Gesellschaft war, sich freundlicher und inklusiver gegenüber Minderheiten zu verhalten, artet es inzwischen mehr und mehr zum Zwang aus. Und jeder, der nicht mitmachen will, wird zum unmoralischen Menschen abgestempelt.

    Was meinst du hier mit Zwang? Ja, klar, es gibt bekloppe Antifa-Aktivisten, die rumlaufen und Leute angreifen, die Deutschland-Flaggen am Auto haben. Aber es gibt auch bekloppte Nazis, die rumlaufen, und Leute angreifen, die dunkle Haut haben oder Menschen des gleichen Geschlechts küssen.
    Aber die gibt es beide schon sehr lange. Dann gibt es sowas wie das AGG. Finde ich auch bescheuert und rechtspolitisch auf ganz vielen Ebenen falsch.
    Aber das gibt es sowas wie Critical Hetness, was mir hier ja als Beispiel angeboten wurde. Und da sehe ich jetzt den Zwang nicht.
    Und auch zum Abstempeln kann ich nur zu Differenzierung aufrufen. Sicher gibt es PC-Fanatiker, die schon jeden ein Arschloch nennen, dem gelegentlich versehentlich noch der Begriff Ausländer rausrutscht. Die haben in meinen Augen auch Unrecht.
    Aber andererseits gibt es auch so viele Leute, die sich wirklich wie Arschlöcher verhalten, wenn man sie mal drauf anspricht, dass es vielleicht aus verschiedenen Gründen nicht so gut ist, Menschen mit dunkler Haut „Neger“ zu nennen, oder jemanden als Juden zu bezeichnen, weil er sehr geschäftstüchtig ist. Und das alles so pauschal abhaken zu wollen, wie du es in deinen durchnummerierten Punkten tust, wird der komplexität der Debatte nicht gerecht, finde ich.
    Deswegen höre ich jetzt auch auf, die einzeln durchzugehen, weil ich wahrscheinlich zu jedem nur das gleiche mit anderen Beispielen schreiben würde, und weil ich heute noch was vorhab mit meiner weitgehend ganz cis-het-normgerechten Freundin. Sogar öffentlich, wo alle uns knutschen sehen können. Aber je nachdem, wie man uns fragt, wären wir bereit, drüber zu reden, es in bestimmten Kontexten auch bleiben zu lassen.
    Äh. Pardon. Das sollte eigentlich nur eine niedliche kleine Schlussbemerkung werden, die mir dann irgendwie aus dem Ruder gelaufen ist.

  9. Leszek schreibt:

    @ Muriel

    Was ist Political Correctness?

    Ich verwende den Begriff im Allgemeinen in zwei Bedeutungen, eine umfassende und eine speziellere.
    Im umfassenden Sinne verstehe ich unter Political Correctness alle Versuche argumentfreie moralisierende Diskursstrategien für ideologische Zwecke zu nutzen, einschließlich damit verbundener Propagandalügen und damit verbundener jeweiliger spezifischer Theorien und Theorieelementen.

    Bei Political Correctness geht es demnach nicht um rationale (ethische) Argumentation, sondern um die Herstellung irrationaler Über-Ich-Funktionen, es geht also darum Menschen argumentfrei ein „Du sollst“ bzw. ein „Du darfst nicht“ in den Kopf zu setzen, sowie darum, weltanschauliche Gegner mittels moralisierender Zuschreibungen argumentfrei öffentlich zu diskreditieren.
    In dieser umfassenden Bedeutung kann es Formen von Political Correctness in jeder politischen Strömung geben, es existieren demnach linke, liberale und konservative/rechte Formen von Political Correctness. (Vieles, was sich im Spektrum speziell der rechten Kritik an der heute vorherrschenden Form linker Political Correctness findet, ist m.E. in Wahrheit ebenfalls eine Form von PC.)

    Ein früher Kritiker jeder Form von Political Correctness, der neomarxistische Philosoph Theodor W. Adorno, bemerkte zu den negativen Folgen solcher Diskursstrategien (in dem Artikel „Zu der Frage: Was ist deutsch?“):

    „Nicht wenige Fragen gibt es, über die ihre wahre Ansicht zu sagen, fast alle mit Rücksicht auf die Folgen sich selbst verbieten. Rasch verselbständigt sich eine solche Rücksicht zu einer inneren Selbstzensurinstanz, die schließlich nicht nur die Äußerung unbequemer Gedanken, sondern diese selbst verhindert.“

    Und ein weiterer früher Kritiker jeder Form von Political Correctness, der neomarxistische Psychoanalytiker Wilhelm Reich, beschäftigte sich ausführlich mit der kritischen Analyse des negativen Einflusses irrationaler Über-Ich-Funktionen:

    http://www.lsr-projekt.de/wrnega.html

    Bezeichnenderweise ist eines der zeitgenössischen Standardwerke der linken Kritik am Radikalfeminismus und Gender-Feminismus von einer feminismuskritischen Marxistin in der Tradition von Wilhelm Reichs geschrieben worden:

    https://www.amazon.de/R%C3%BCckblick-auf-den-Feminismus-Gleichheit/dp/3894848219/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1477829646&sr=8-1&keywords=kerstin+steinbach

    Im engeren Sinne verwende ich den Begriff Political Correctness je nach Kontext auch für eine ganz bestimmte Variante der Political Correctness, nämlich die heute in westlichen Gesellschaften vorherrschende Form linker Political Correctness und damit verbundene Diskursstrategien, Propagandalügen und Theorien. Diese zweite Bedeutung entspricht weitgehend dem, worauf PC-Kritiker meistens abzielen, wenn sie von Political Correctness sprechen, nämlich die postmoderne Political Correctness und um eben die geht es auch in meinem oben verlinkten Kommentar zu Critical Hetness/Knutschverbot.

    Die postmoderne Political Correctness hat sich ideengeschichtlich wesentlich aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus entwickelt (siehe hierzu das ausgezeichnete Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt, auf das ich in meinem letzten Kommentar hinwies.) Ich bezeichne die postmoderne Political Correctness daher auch als Vulgär-Poststrukturalismus. Zur postmodernen PC bzw. zum Vulgär-Poststrukturalismus gehören Theorieströmungen wie Gender Studies, Queer-Feminismus, Critical Whiteness und postmoderner Multikulturalismus.

    Die postmoderne Political Correctness beruht auf einer m.E. fehlkonzipierten und einseitig angelegten (Anti-) Diskriminierungstheorie, die stets so funktioniert, dass einer Gruppe der Status der „Norm“, einer anderen Gruppe stets der Status der Abweichung oder Ableitung von dieser Norm zugewiesen wird. Jene Seite, der der Status der Norm zugewiesen wurde, gilt dann als privilegiert und Unterdrücker, die andere Seite gilt als diskriminiert und unterdrückt.

    Dabei geht es also in keiner Weise darum aus einer um Objektivität bemühten Haltung heraus AUF ALLEN SEITEN zu erforschen, wo jeweils Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen vorhanden sind, was die Ursachen dafür sind und wie diese beseitigt werden können.
    Das postmoderne Paradigma von Norm und Abweichung/Ableitung legt stattdessen von vornherein fest, welche Gruppen den Status als diskriminiert erhalten und welche den als privilegiert. Dies erfolgt über Normzuschreibungen (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich), die dann für PC-Ideologen oft zu Feindbildern werden.
    Die Mitglieder derjenigen Gruppen, denen der Status der Norm zugeschrieben wurde, werden dann u.a. zu „Privilegienreflektionen“ aufgefordert, in der Hoffnung, dass sie die entsprechenden Zuschreibungen dadurch verinnerlichen (was allerdings in der Praxis oft nicht funktioniert, sondern pädagogische Gegenteileffekte hervorruft, wie ich in dem verlinkten Kommentar ja erwähnte).

    Die postmoderne PC ist außerdem mit bestimmten, oft irrationalen Sprachumerziehungsmaßnahmen verbunden, das resultiert ideengeschichtlich daraus, dass sich der Poststrukturalismus aus der strukturalistischen Sprachphilosophie heraus entwickelt hat und dazu neigt den Einfluss von Sprache massiv zu überschätzen. Entsprechend fallen PC-Ideologen der Mehrheitsbevölkerung gerne mit schwer nachvollziehbaren Sprachumerziehungsmaßnahmen und Sprachverkomplizierungen auf den Wecker.

    Auf Kritik, und sei sie noch so sachlich und begründet, reagieren PC-Ideologen im Allgemeinen, indem Kritiker pauschal und undifferenziert als rechts, sexistisch, rassistisch, homophob usw. gebrandmarkt werden. Dabei bedienen sich PC-Ideologen gerne zweier Strategien der Entwertung von Begriffen, die für die politische Linke in analytischer und kritischer Hinsicht wichtig sind. Entweder werden Begriffe wie rechts, sexistisch, rassistisch, homophob usw. undifferenziert auf alles und jeden angewendet, der eine von der postmodernen PC-Ideologie abweichende Meinung vertritt oder es werden neue ausufernde Definitionen dieser Begriffe erfunden, die zwar rational nicht begründbar sind, aber entsprechende diskursstrategische Funktionen pseudowissenschaftlich legitimieren sollen (z.B. sexistisch ist, wer an durchschnittliche Geschlechtsunterschiede zwischen Frauen und Männern glaubt; rassistisch ist, wer den orthodox-konservativen Islam kritisiert; rechtsradikal ist, wer die postmoderne PC kritisiert, denn solchen Leuten geht es ja nur darum Privilegien und damit Ungleichheiten zu erhalten.)

    Der von mir geschätzte linke Philosoph Jürgen Habermas verwendet die schöne Formulierung von der zwanglosen Kraft des besseren Arguments, die einem von ihm befürworteten herrschaftsfreien Diskurs als Leitbild dienen soll. Sowas ist mit PC-Ideologen aber leider nicht zu machen.

    Die postmoderne PC bzw. der Vulgär-Poststrukturalismus kommt m.E. den Interessen der ökonomischen und politischen Herrschaftseliten in vielerlei Hinsicht entgegen, denn sie ist, wie in dem verlinkten Kommentar bereits erwähnt, gut dazu geeignet von Staats- und Kapitalismuskritik abzulenken, den Klassenkampf zu behindern, Menschengruppen gegeneinander auszuspielen, eine Teile-und-herrsche-Politik zu betreiben, die Linke der Mehrheitsbevölkerung zu entfremden, die Meinungsfreiheit einzuschränken, sexuelle Repression zu fördern und den Aufbau eines autoritären Staates zu begünstigen, daher wird die postmoderne PC m.E. von den ökonomischen und politischen Herrschaftseliten gefördert – allerdings nur solange die PC-Ideologen als nützliche Idioten brauchbar sind, ist erstmal jede wirksame linke Opposition lahmgelegt und ein autoritärer Staat etabliert, werden die PC-Ideologen von den neoliberalen Herrschaftseliten entsorgt werden.

    Ich betrachte die postmoderne Political Correctness also wesentlich als neoliberales Herrschaftsinstrument.

    • elmardiederichs schreibt:

      Lezsek,

      Muriel ist eine Frau und ein Troll aus dem gegnerischen Lager. Überleg dir, wieviel Zeit du da investieren willst.

      • Muriel schreibt:

        Ich bin keine Frau, aber dass du das für eine relevante Bemerkung hältst, darüber solltest du vielleicht mal ganz ernsthaft nachdenken. Ich meine, im Ernst? In Gespräche mit Frauen soll man nicht so viel Zeit investieren?
        Und dass du in Lagern denkst, ist vielleicht auch nicht so besonders zielführend? Ich habe hier in verschiedenen Kommentaren eingeräumt, dass es schwachsinnige Ausprägungen von PC gibt, und dass da sicher auch viel Kritik gebraucht wird. Ich sags nur.

      • elmardiederichs schreibt:

        Mein Rat gilt für alle.

      • Muriel schreibt:

        Und da stimme ich dir sogar zu. Wir alle sollten uns gut überlegen, wie viel Zeit wir wie investieren wollen. Aber ich hab gerade noch ein paar Minuten und will die gerne nutzen, um darauf noch ein bisschen rumzureiten:
        Du hältst es für eine relevante Bemerkung, dass ich eine Frau bin (was nicht mal stimmt), wenn du jemandem rätst, nicht so lange mit mir zu reden?
        Sind die anderen hier mit sowas einverstanden? Ich meine, begriffen zu haben, dass ihr Genderwissenschaften doof findet und Political Correctess auch, und die beiden Sachen haben ja auch tatsächlich ihre Probleme, aber ihr meint nicht im Ernst, dass es sich weniger lohnt mit Frauen zu reden, als mit Männern, oder? Oder war das gar nicht so gemeint? Ich wüsste es schon ganz gerne.

  10. Muriel schreibt:

    *murmel*Schreib nicht „Wenn jemand schon von neoliberalen Herrschaftsinstrumenten redet“, schreib nicht „Wenn jemand schon von neoliberalen Herrschaftsinstrumenten redet“, Schreib nicht „Wenn jemand schon von neoliberalen Herrschaftsinstrumenten redet“, schreib nicht „Wenn jemand schon von neoliberalen Herrschaftsinstrumenten redet“*murmel Ende*

    Äh, was? Ach ja. Moment.
    Danke für die ausführliche Erläuteurng. War kurz abgelenkt. Ich schätze, wir haben alle unsere Vorurteile zu überwänden. Also:

    Im umfassenden Sinne verstehe ich unter Political Correctness alle Versuche argumentfreie moralisierende Diskursstrategien für ideologische Zwecke zu nutzen, einschließlich damit verbundener Propagandalügen und damit verbundener jeweiliger spezifischer Theorien und Theorieelementen.

    Ach so, okay.
    Dann finde ich Political Correctness auch scheiße. Pardon.

  11. Pingback: Fundstück: „The Gender Equality Paradox“ von Harald Eia | Geschlechterallerlei

  12. Leszek schreibt:

    Nutzt die postmoderne Political Correctness den neoliberalen ökonomischen Herrschaftseliten?

    Die postmoderne Political Correctness nutzt Großkapitalisten und Superreichen m.E. in vielerlei Hinsicht und dies wurde von anderen Kommentatoren und mir ja auch bereits an anderer Stelle mehrfach dargestellt und begründet.

    Im Folgenden seien ein paar Aspekte hierzu kurz wiederholt:

    – Die politisch korrekte postmoderne linke Strömung hat für die ökonomischen Herrschaftseliten den gewaltigen Vorteil, dass sie sich für Kritik der politischen Ökonomie, Kapitalismuskritik/Antikapitalismus und Klassenkampf in der Regel wenig interessiert. Solche für klassisch linke Strömungen zentrale Themen spielen für politisch korrekte postmoderne Linke in der Regel entweder keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die politisch korrekte postmoderne Linke befasst sich stattdessen mit spezifischen (Anti-)Diskriminierungsthemen auf Grundlage einer m.E. einseitigen und falsch angelegten (Anti-) Diskriminierungstheorie.
    Je einflussreicher die politisch korrekte postmoderne linke Strömung innerhalb der gesamten Linken wird, desto mehr verlagert sich der Schwerpunkt der gesamten Linken weg von ökonomischen, kapitalismuskritischen, klassenkämpferischen Themen, hin zu spezifischen (Anti-)Diskriminierungsthemen, die gemäß einer einseitigen und beschränkten Perspektive angegangen werden.
    Auf diese Weise wird eine Linke produziert, die für ökonomische Probleme und Entwicklungen, Strukturen und Auswirkungen des kapitalistischen Systems und die Ziele und das Wirken ökonomischer Herrschaftseliten weitgehend blind sind. Der Vorteil für die ökonomischen Eliten liegt auf der Hand: Durch die Transformation der klassischen Linken zu einer politisch korrekten Linken fällt die Linke als ursprünglich größter Gegner der ökonomischen Herrschaftseliten zunehmend aus.

    – Nicht nur stellt die politisch korrekte postmoderne Linke aufgrund ihres weitgehenden Desinteresses an ökonomischen, kapitalismuskritischen und klassenkämpferischen Themen keinen ernsthaften Gegner für die ökonomischen Herrschaftseliten mehr dar, sie agiert außerdem im Gegensatz zu klassischen Strömungen der radikalen Linken, die neben konkreten sozialen und ökonomischen Verbesserungen im Hier und Jetzt in letzter Instanz auch eine grundlegende Gesellschaftsveränderung anstrebten, hinsichtlich der von ihr angestrebten Ziele systemkonform. Die von der politisch korrekten postmodernen Linken angestrebte Beseitigung vermeintlicher oder tatsächlicher Diskriminierungen als wesentliches Ziel ist potentiell innerhalb des bestehenden kapitalistischen Systems möglich und setzt keine grundlegende gesellschaftliche Transformation von gesellschaftlichen Strukturen voraus. Die politisch korrekte postmoderne Linke benötigt für die Erreichung ihrer wesentlichen Ziele keine grundlegende gesellschaftliche Veränderung oder gar soziale Revolution, die von ihr geförderten Gruppen sind keine revolutionären Subjekte.
    Je mehr Einfluss die politisch korrekte postmoderne Linke innerhalb der gesamten Linken gewinnt, desto mehr verlagert sich die Perspektive der gesamten Linken weg von grundlegenden Alternativen zur bestehenden staatlich-kapitalistischen Herrschaftsordnung oder gar sozial-revolutionären Perspektiven hin zum Anstreben einer – aus postmodern-linker Sicht – besseren Integration bestimmter vermeintlich oder tatsächlich diskriminierter Gruppen innnerhalb der bestehenden Ordnung.
    Auch hier liegt der Vorteil für die ökonomischen Herrschaftseliten auf der Hand: Das bestehende staatlich-kapitalistische System selbst wird weniger kritisch analysiert und in Frage gestellt, der zunehmende Einfluss der politisch korrekten postmodernen Linken innerhalb der gesamten Linken impliziert den Abschied der Linken von grundlegender Gesellschaftskritik, Alternativen zum Bestehenden und sozialer Revolution.

    – Je mehr Personen mit politisch korrekt-postmodernen Einstellungen, Werten und Normen in andere linke Strömungen und deren Arbeitsschwerpunkte eindringen, desto mehr entfremden sich diese klassisch-linken Strömungen und Gruppen der Mehrheitsbevölkerung. Nehmen wir mal folgendes Beispiel: Ein paar Leute mit postmodern-politisch-korrekten Einstellungen werden Mitglieder innerhalb einer gewerkschaftlichen Gruppierung oder innerhalb einer linken Gruppierung im Spektrum der Neuen Sozialen Bewegungen. Ab diesem Zeitpunkt werden nun alle alten und neuhinzustoßenden Personen im Kontext dieser Gruppierung mit den „Segnungen“ des politisch korrekten postmodernen Denkens vertraut gemacht und ihnen wird klar gemacht, was sie nun zu erwarten haben: „Geschlechtssensible Sprache“ und andere Sprachumerziehungsmaßnahmen, Privilegienreflektionen, Definitionsmacht, Mikro-Aggressionen, politisch korrektes Sexualverhalten, d.h. Sex nach dem Konsensprinzip usw.
    Der Effekt dürfte klar sein: Die Mehrheitsbevölkerung wird massiv abgestoßen, kein Arbeiter bzw. Bürger (Bürger hier gemeint im Sinne von Citoyen, nicht von Bourgeois), der halbwegs alle Tassen im Schrank hat, wird ein Interesse daran haben, längerfristig in einer solchen Gruppe mitzuarbeiten.
    Auch hier liegt der Vorteil für die ökonomischen Herrschaftseliten auf der Hand: Je größer der Einfluss der politisch korrekten postmodernen Linken innerhalb der gesamten Linken wird, desto mehr entfremdet sich die Linke der Mehrheitsbevölkerung, wird die Linke zu einer für den „Normalbürger“ und Arbeiter unnachvollziehbaren und abstoßenden Psycho- und Politsekte, die mit den realen sozialen Problemlagen, Ängsten und Interessen der Menschen nichts mehr zu tun hat und als Vertretung für sie nicht mehr in Frage kommt.

    – Die theoretische Grundlage der einseitigen und falsch angelegten (Anti-)Diskriminierungstheorie der politisch korrekten postmodernen Linken beruht darauf, stets einer Gruppe den Status der Norm zuzuweisen und einer anderen Gruppe den Status der Abweichung oder Ableitung von dieser Norm, so dass die erste Gruppe dann als privilegiert und die zweite als diskriminiert konstruiert wird. Dabei wird kein Wert darauf gelegt gründlich zu prüfen, ob diese einseitigen Zuweisungen eines entweder privilegierten oder diskriminierten Status überhaupt zutreffend sind – in mehreren Fällen erweisen sich diese Zuweisungen bei genauerer Prüfung als falsch – es geht in keiner Weise darum objektiv festzustellen, inwieweit auf jeder der beiden Seiten Diskriminierungen und Privilegierungen bestehen und dann alle vorhandenen Diskriminierungen auf allen Seiten zu beseitigen.
    Aus dieser einseitigen Perspektive haben sich nun bestimmte politisch korrekte Norm-Feindbilder herausgebildet, z.B.: männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich. Das politisch korrekte Feindbild des weißen, heterosexuellen Mannes, in dem verschiedene dieser Norm-Feindbilder zusammenfallen, ist ein direktes Resultat dieser falsch angelegten Form von Analyse.
    Dieser fehlkonzipierte (Anti-)Diskriminierungsansatz trägt z.B. dazu bei, dass Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen von denen Jungen und Männer betroffen sind, obwohl vielfach vorhanden, nicht wahrgenommen, sondern ignoriert werden

    http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

    http://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

    oder, dass – wie der US-amerikanische linke Kritiker der postmodernen Political Correctness Walter Benn Micheals erwähnt – ein großer Teil der zeitgenössischen US-amerikanischen Linken die Armut und die sozialen Problemlagen der weißen Unterschicht ignorieren:

    https://www.jacobinmag.com/2011/01/let-them-eat-diversity/

    Des Weiteren begünstigt der falsch angelegte (Anti)Diskriminierungsansatz der politisch korrekten postmodernen Linken mit seiner Identitätspolitik und seinen albernen Norm-Feindbildern gesellschaftliche Spaltungen. Anstatt zu versuchen die Menschen im gemeinsamen Widerstand gegen die gesellschaftlichen Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen und gegen die Herrschaftsinteressen der ökonomischen und politischen Eliten zu vereinen, wie es die klassische Linke versuchte, werden verschiedene Teile der Bevölkerung gegeneinander ausgespielt: Frauen gegen Männer, Homosexuelle gegen Heterosexuelle, Nicht-Weiße gegen Weiße usw.
    Auch hier liegt der Vorteil für die ökonomischen Herrschaftseliten auf der Hand: Die postmoderne Political Correctness führt mit ihren Norm-Feindbildern und ihrer Identitätspolitik, die dann wiederum Gegenreaktionen hervorrufen, zu Konflikten und Spaltungen innerhalb der Bevölkerung, fungiert also als eine Teile-und Herrsche-Strategie für die ökonomischen Herrschaftseliten und sichert deren Herrschaft und die Verfolgung ihrer Macht- und Profitinteressen, da die neoliberalen ökonomischen Eliten von einer gespaltenen Bevölkerung keinen großen Widerstand zu erwarten haben.

    Dabei geht es mir persönlich nun nicht darum, dass die Linke sich ausschließlich auf Kapitalismuskritik, Ökonomie und Klassenkampf konzentrieren sollte und das Thema (Anti-)Diskriminierung keine Rolle innerhalb der Linken spielen sollte. Beides – Kritik der politischen Ökonomie und Anti-Diskriminierung – sind an sich legitime Themen der Linken, es geht mir darum, dass der politisch korrekte postmoderne (Anti-)Diskriminierungsansatz unwissenschaftlich, ungerecht und schädlich ist und deshalb verworfen werden sollte.

    Stattdessen braucht es einen neuen, aktualisierten, tatsächlich wissenschaftlichen und um Objektivität bemühten (Anti-)Diskriminierungs-Ansatz, der das postmoderne Paradigma von Norm und Abweichung/Ableitung völlig hinter sich lässt und stattdessen ausgehend von einer humanistisch-universalistischen und integral-antisexistischen Perspektive, die nicht mit zweierlei Maß misst, stets auf allen Seiten sorgfältig prüft, ob und inwieweit Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen jeweils vorhanden sind und was getan werden kann, um diese zu beseitigen ohne dabei in Diskriminierungen einer anderen Gruppe zu verfallen und frei von den Einseitigkeiten, Übertreibungen und Verrücktheiten der postmodernen Political Correctness wie irrationale Sprachumerziehungsmaßnahmen, Privilegienreflektionen, Definitionsmacht, Mikro-Aggressionen, politisch korrektes Sexualverhalten, Kulturrelativismus, Norm-Feindbilder, Identitätspolitik usw.
    Es sollte stets Wert darauf gelegt werden, dass mit (Anti-)Diskriminierungsthemen auf eine Weise umgegangen wird, die weder zu einer Entfremdung der Linken von der Mehrheitsbevölkerung führt, noch die Klassensolidarität spaltet. Dann wäre linke Anti-Diskriminierung kein neoliberales Spaltungsinstrument mehr, würde den Klassenkampf nicht mehr behindern und die Linke könnte wieder zu einer konstruktiven politischen Kraft werden.

    Die zeitgenössische politisch korrekte postmoderne Linke steht mit ihren gesellschaftlichen Auswirkungen im Einklang mit wesentlichen Interessen der neoliberalen ökonomischen Eliten und wird daher von diesen gehätschelt und großgezogen.
    Wenn es die postmoderne Political Correctness nicht gäbe, müssten Großkapitalisten und Superreiche sie erfinden! Vielleicht haben sie das ja auch – falls nicht, so sind sie jedenfalls an der Förderung dieser linken Strömung in ihrem eigenen Interesse stark interessiert.

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