Der Weg des Jack Donovan. Teil 3: »Becoming a Barbarian«

Im folgenden Blogpost beschließe ich meine Trilogie zu Jack Donovan mit einer Darstellung seines jüngsten Buches, Becoming a Barbarian, sowie einer ausführlichen Diskussion der politisch rechtsstehenden Anklänge, die insbesondere diese Schrift enthält. Dabei werde ich die einzelnen Abschnitte, deren Inhalte ich zusammenfasse, zugleich unter Bezugnahme auf Texte der intellektuellen Neuen Rechten interpretierend kommentieren, um den von Donovan aufgespannten thematischen Bogen nur einmal abschreiten zu müssen, anstatt Darstellung und Deutung in zwei geschlossenen Blöcken unterzubringen. Auf diese Weise sollte auch der Rahmen, in den ich Donovan mit meiner Interpretation stelle, zu einem frühen Zeitpunkt erkennbar werden. Alle Seitenangaben ohne zusätzlichen Titelverweis beziehen sich auf Becoming a Barbarian. Da ich in der Arbeit an diesem Blogpost auch für mich persönlich eine theoretisch unterfütterte, grundsätzliche Stellungnahme zur politischen »Links-Rechts«-Unterscheidung erarbeitet habe, hat mich dieser Post deutlich mehr Zeit gekostet, als ich erwartet hatte. Ich habe nicht versucht, alle losen Enden, die der Text noch aufweisen mag, zusammenzuknüpfen, da er auch so schon lang genug ist.

Popmusik gibt es diesmal zur Einstimmung schon am Anfang: »Goj, Rode, Goj« von »Arkona« – barbarengerechtes, heidnisches Metall aus dem Reich des Bösen!

(Teil 2: »The Way of Men«)

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Wie Simone Schmollack „Genderbashing“ basht

Simone Schmollack versucht heute in der taz Kritik an Gender-Mainstreaming und Gender Studies wieder einmal in die rechte Ecke zu stellen. Dabei behauptet sie unter dem Titel „Die Stunde der Phobiker“:

Kritik an der Genderforschung ist unter Konservativen in Mode. Sie wird auch benutzt, um Errungenschaften der Moderne in Frage zu stellen. […]

Seit der Rechtspopulismus zum Mainstream avanciert ist, ist Gender-Bashing groß in Mode. GleichstellungsphobikerInnen fühlen sich im Aufwind: Jetzt wird mal so richtig aufgeräumt mit dem ganzen Genderquatsch. Beatrix von Storch zum Beispiel. Die Vizechefin der AfD lässt nahezu keine Gelegenheit aus, gegen Gender-Mainstreaming zu Felde zu ziehen. Das sei eine „politische Geschlechtsumwandlung“, ziele auf die „Dekonstruktion der Geschlechter“ und diskriminiere Jungs und Männer. […]

Alles, was auch nur den Anstrich von „Gender“ hat, wird abgelehnt und verächtlich gemacht, den universitären Gender-Studies wird der wissenschaftliche Charakter abgesprochen und ideologische Voreingenommenheit unterstellt: Das Forschungsfeld sei überflüssige Frauenförderung, weil Frauen längst gleichgestellt seien.

Man muss schon taub und blind sein, um zu leugnen, dass Frauen vielfach schlechter bezahlt werden als Männer und vielfach eine miserable Rente kriegen. Dass es weniger Chefinnen als Chefs gibt, dass Teilzeitjobs vorrangig von Frauen ausgefüllt werden. Dass alltäglicher Sexismus insbesondere Frauen trifft. Macht nichts – die Gender-KritikerInnen fordern trotzdem, dass jetzt endlich mal die Männer in den politischen und wissenschaftlichen Fokus gehörten. […]

Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs. Familienförderung konzentriert sich seit Jahren gleichermaßen auf Frauen und Männer. Stichworte dafür sind: Vätermonate und Teilzeit auch für Chefs. Debatten kreisen um unterschiedliche männliche Lebensentwürfe jenseits traditioneller Heldenrollen. Das ignorieren Gender-KritikerInnen allerdings nicht nur, es ist ihnen vielmehr ein Dorn im Auge. Sie wollen vielmehr zurück zu einem konservativen Familienbegriff, der den Geschlechtern klare Rollen zuweist: Frau an den Herd, Mann raus in die Welt.

Nicht zufällig kommen viele Gender-KritikerInnen aus einem christlich-fundamentalen Lager, das Familie als die „Keimzelle“ der Gesellschaft als Gemeinschaft aus Vater, Mutter, Kind(ern) sieht. Homosexualität, Eingetragene Partnerschaft und Adoptionsrecht für Homosexuelle werden ebenso abgelehnt wie Abtreibung und Sexualerziehung in der Schule. […]

Und in jüngster Zeit veröffentlichen konservative Medien Texte, die ausführlich Gewalt gegen Männer thematisieren. Ja, es gibt Frauen, die ihre Partner schlagen. Und ja, es gibt Männer, die sich nicht wehren können. Das ist ein Problem. Das löst man aber nicht, indem man Gewalt gegen Gewalt aufrechnet und Männer zu Opfern macht. Man löst es auch nicht, indem man all die Gewalt dem Gender-Mainstreaming zuschreibt.

Das Problem löst man, in dem man Gender-Forscherinnen in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt.

Das einzig positive im Artikel ist der Satz:

In der FAZ ist ein Text über die erstarkende Männerrechtsbewegung überschrieben mit „Das vernachlässigte Geschlecht“.

Aber holla: Das ist doch mal eine gute Nachricht, wenn selbst Simone Schmollack konstatieren muss, dass unsere Bewegung am Erstarken ist!

Ich habe dazu einen längeren Kommentar geschrieben, der noch nicht freigeschaltet ist, aber vorsorglich werde diesen auch gleich hier veröffentlichen:

Der übliche Artikel nach dem Motto: Männer, haltet einfach die Schnauze und überlasst die Geschlechterpolitik weiter nur den Frauen, speziell natürlich den Feministinnen!

Auch ansonsten dient der Artikel mehr der Vernebelung als der Aufklärung. Bei Gender-Mainstreaming geht es mitnichten nur um ein wenig Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit, sondern um die Desavouierung von männlichem Verhalten als solches. Nicht umsonst geistern da Konzepte von „Toxic Masculinity“ und „Rape Culture“ umher, und die Existenz eines Patriarchats wird nicht hinterfragt, sondern schicht vorausgesetzt.

Grundlage der Gender Studies ist das Dogma des weißen Blattes, die Behauptung, jegliches unterschiedliches Verhalten zwischen Männern und Frauen sei durch Erziehung und Sozialisation erlernt und gesellschaftlich konstruiert, während der mögliche Einfluss von Genen und Hormonen auf das Verhalten komplett geleugnet wird. Diese Annahme ist absolut konstitutiv für den Genderfeminismus, denn andernfalls müsste man zugeben, dass Männer eben nicht so einfach umzuerziehen sind, so dass sie frauenkompatibler werden, was ja letzten Endes das Ziel, zumindest eines der Ziele von Gender-Mainstreaming und Gender Studies ist. Allerdings verweigern sich die Gender Studies seit Jahren beharrlich einer neutralen Evaluation. Kein Wunder, denn dann müsste der nackte Kaiser ja seine Kleider vorzeigen.

Und natürlich müssen Kritiker wieder ins rechte Lager gesteckt werden. Nur: Der derzeit wichtigste Kritiker, Prof. Ulrich Kutschera, ist Atheist und im Beirat der säkularen Giordano-Bruno-Stiftung, also so ziemlich das genaue Gegenteil von klerikal-konservativ.

Auch andere Männerverbände ordnen sich ganz sicher nicht rechts ein, aber die Autorin muss natürlich das Menetekel Polen an die Wand malen, das ganz sicher kommen würde, wenn man tatsächlich mal Männer zu Wort kommen ließe in der Geschlechterpolitik.

Im Gegenteil, bis auf ganz wenige krude Gestalten ganz rechts hat heute kein Mann mehr etwas gegen Gleichberechtigung und flexible Rollenmodelle. Wenn sie denn flexibel bleiben und nicht das alte bisher vorherrschende Modell durch einen neuen Zwang ersetzt wird. Nur, da sollten auch die Frauen mal ihrer Privilegien bewusst werden. Wenn diese im Arbeitsleben noch teilweise bei den Männern liegen, liegen sie im Privaten, im Bereich von Familie und Kindern eindeutig auf Seiten der Frauen. Männer haben nicht dasselbe Reproduktionsrecht, Männer dürfen immer noch nicht wissen, ob die Kinder wirklich ihre eigenen sind. 90% aller Kinder werden nach der Scheidung der Frau zugesprochen, und wenn Mann Pech hat und Frau es will, sieht er sie nie wieder, muss aber trotzdem weiter Unterhalt für sie zahlen. Es geht nicht nur um ein wenig Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie die Autorin suggeriert. Es geht ganz massiv um Rechte, die Männern von Frauen vorenthalten werden.

Es soll also wieder das Eintreten für Männerrechte als „rechts“ diffamiert werden. Aber wenn sich das linke Lager nach Jahrzehnten des einseitigen Blicks auf die Bedürfnisse von Frauen nicht langsam auch mal wieder denen der Männer zuwendet, werden diese vermehrt rechts wählen. Und das will ich nicht!

Nachtrag

Noch ein Nachtrag zum meinem Kommentar: Die Autorin stellt es so dar, als ob der Vorwurf von Beatrix von Storch, bei Gender werde „Dekonstruktion der Geschlechter“ betrieben, absurd sei. Und ich dachte immer, genau das sei ein wesentlicher Inhalt von Gender Studies. Was sagen denn die Genderforscherinnen dazu?

Außerdem: Wenn die Autorin behauptet „Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs.“, dann vergisst sie zu erwähnen, das diese Projekte auf Männerseite so gut wie immer ehrenamtlich von quasi Hobbyisten auf die Beine gestellt werden, während die entsprechenden Projekte auf Frauenseite sich üppiger staatlicher Alimentierung erfreuen dürfen.

Update von 21:00 Uhr:

Nachdem von meinem dreiteiligen Kommentar nur der dritte Teil („Nachtrag“) akzeptiert wurde, und dies auch schon zehn Stunden her ist, gehe ich davon aus, dass die ersten beiden Teile nicht mehr freigeschaltet werden.