Kurznachrichten vom 06.10.2016

1: Silke Burmester tritt auf Twitter gegen Jörg Kachelmann nach und erntet einen kleinen Shitstorm. Zurecht.

2: Birgit Kelle kommentiert die Entscheidung des Weltschachverbandes, die WM an Iran zu vergeben und damit die Spielerinnen zum Boykott oder unter das Kopftuch zu zwingen.

3: 5Cs Thrive, eine Gruppe von Studenten am Claremont College, erklärt Makulinität zur psychischen Störung:

Masculinity can be extremely toxic to our mental health, both to the people who are pressured to perform it and the people who are inevitably influenced by it. We would like to encourage discussion on how to openly talk about our emotions and our wellbeing, and how to engage in masculine identities in a healthy way. Relevant to this discussion is how masculinity can harm our relationships with people and one’s ability to cope when relationships are difficult or end. We want to create a safe and open space where we can talk about masculinity and its various intersections with our identities and experiences.

Allerdings gibt es auch Widerstand dagegen:

It seems Thrive’s efforts were not entirely successful, as some students avoided the event out of concern that it would alienate men. “If masculinity is described as something negative—a mental illness—then this is sexism against men,” stated Will Gu (PO ’20) in an email to the Independent. “Safe spaces… are supposed to make everyone feel comfortable. Criticizing masculinity makes males who adhere to traditional gender norms uncomfortable.”

4: Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, übt in der heutigen Ausgabe der ZEIT deutliche Selbstkritik an den Grünen, was den Hardlinern der LGBTI-Fraktion von queer.de überhaupt nicht passt. Auszüge:

Die „kulturelle Hegemonie“ seiner Partei habe zum Aufstieg der Rechtspopulisten beigetragen. Angesichts einer umfassenden Modernisierung der Gesellschaft wachse bei vielen Menschen „das Gefühl der Überforderung zum Gefühl des Kontrollverlusts aus“, so der Ministerpräsident. Nun gehe es darum, deutlich zu machen, „dass die neuen Freiheiten in der Lebensgestaltung ein Angebot und keine Vorgabe sind“.

Darüber hinaus forderte Kretschmann seine Partei dazu auf, das „Moralisieren“ zu unterlassen: „Wir sind keine Heiligen und werden es auch dann nicht, wenn man uns dazu machen will“, heißt es in dem Beitrag für die „Zeit“. Anstatt Vorgaben für die individuelle Lebensgestaltung zu treffen, sollten die Grünen sich auf den Kampf für eine gute Ordnung der Dinge konzentrieren. […]

Gleichzeitig schränkt Kretschmann seinen Einsatz für LGBTI-Akeptanz jedoch ein: „Es geht darum, dass jeder nach seiner Fasson leben kann und nicht darum, traditionelle Lebensformen abzuwerten oder die Individualisierung ins Extrem zu treiben. Individualismus darf nicht zum Egoismus werden, sonst wird gesellschaftlicher Zusammenhalt unmöglich. So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen – und das ist auch gut so.“

Darüber hinaus enthält Kretschmanns Artikel eine Passage, die man als Aufforderung an LGBTI-Aktivsten deuten kann, sich zurückzunehmen und verbal abzurüsten: „Auf der einen Seite erleben wir eine tendenziell übersteigerte politische Korrektheit, auf der anderen Seite das krasse Gegenteil: einen Verbalradikalismus und eine Verrohung der Sprache. Wir müssen eine neue Tonlage finden, getragen von Klarheit und Respekt. Auf diesem Boden kann unsere politische Kultur gedeihen.“

Kaum sagt ein Grüner mal was vernünftiges…

5: Und zum Abschluss ein Vortrag, der wunderbar in die Reihe Männerhass passt. Barbara Kirchner referiert über „Dämmermännerung. Neuer Antifeminismus, Alte Leier“. Bin dem vor nicht allzu langer Zeit über den Weg gelaufen. Vorsicht, Blutdruckgefahr…

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