Gastartikel: Gründung Liberale Männer e.V.

Es folgt ein Gastartikel von Frank Mehding.

In der FDP ist Bewegung. Nach Verabschiedung des Wechselmodells im Wahlprogramm gründete sich am 5. August in Nürnberg ein Verein mit dem Namen Liberale Männer e.V. mit Sitz in Berlin. Ziel ist die Gleichberechtigung – auch für Männer. So heißt es im Kurzprogramm: „Eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern kann es nur geben, wenn die berechtigten Anliegen beider Geschlechter berücksichtigt und Benachteiligungen beider Geschlechter thematisiert und beseitigt werden. Um auf das Ziel einer tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Müttern und Vätern, Mädchen und Jungen hinzuarbeiten, wird der Verein Liberale Männer e.V. mit Sitz in Berlin gegründet. Die Mitglieder sind vereint in ihrem Bestreben, gemeinsam die im Folgenden genannten Ziele zu erreichen:

1. Die kompromisslose Umsetzung des Artikels 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
2. Nachteile und Benachteiligungen von Jungen, Männern und Vätern sind geschlechterpolitisch zu thematisieren und zu beseitigen.
3. Jungen-, Männer- und Väterfeindlichkeit sind ebenso zu verurteilen und zu beseitigen wie Frauenfeindlichkeit.“

Im weiteren Text wird es konkret. 10 Punkte nennen die Gründer im ausführlichen Programm:

1. Gleichberechtigung statt Frauenrechte

„Frauenrechte“ gibt es genauso wenig wie „Männerrechte“. Die Begriffe widersprechen bereits dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Es gibt nur Menschenrechte. Diese müssen ohne Ausnahme für Frauen wie für Männer gelten. Wir fordern die kompromisslose Umsetzung der Gleichberechtigung gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

2. Gleichberechtigung statt Gleichstellung

Eine Gleichstellung der Geschlechter kann nicht dadurch erreicht werden, dass Gleichstellungsbeauftragte grundsätzlich ausschließlich weiblich sind. Gleichstellungsbeauftragte müssen männlich oder weiblich sein, die Interessen beider Geschlechter vertreten und von beiden Geschlechtern gewählt werden können. Wo es eine Frauenbeauftragte gibt, muss es immer auch einen Männerbeauftragten geben. Wo Gleichstellung drauf steht, muss auch Gleichstellung drin sein.

3. Gleichberechtigung in der Schulbildung

In der Bildung müssen geschlechterspezifische Unterschiede auf wissenschaftlicher Basis Rechnung getragen werden. Hierzu bedarf es einer verstärkten Förderung und Erforschung geschlechterspezifischer Bildungsmethoden.

Unter Erziehern/-innen und Lehrkräften muss eine Soll-Quote von 30% eingeführt werden, um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis, männliche Erziehungswerte und -vorstellungen und männliche Rollenvorbilder zu ermöglichen.

Am Ende der Grundschule ist ein verpflichtender Multiple Choice Test für alle Kinder einzuführen als ergänzendes Beurteilungskriterium für die weiterführende Schulempfehlung.

4. Gleichberechtigung statt Quote

Frauenquoten verletzen den Gleichbehandlungsgrundsatz und diskriminieren. Bei Einstellungen und Beförderungen dürfen ausschließlich Qualifikation, Leistung und Erfahrung entscheidend sein, nicht aber das Geschlecht. Gleichzeitig müssen für Väter die gleichen Möglichkeiten wie für Mütter geschaffen werden, Elternzeit zu nehmen und in erziehungsbedingter Teilzeit zu arbeiten.

Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist auf Bundes- und Länderebene zu ändern von „Frauen“ auf „das unterrepräsentierte Geschlecht“. Denn heute gibt es zahlreiche Unternehmen, Behörden und Institutionen, wo Männer signifikant unterrepräsentiert sind, z.B. Lehrer an Grundschulen.

5. Gleichberechtigung im Strafrecht

Gleiche Straftaten müssen gleich geahndet werden. Es kann nicht angehen, dass von Frauen verübte Straftaten seltener verfolgt und deutlich milder bestraft werden als von Männern verübte.

6. Gleichberechtigung bei häuslicher und sexueller Gewalt

Hilfsangebote für Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt müssen männlichen Opfern genauso offenstehen wie weiblichen. Für die Erforschung und Bekämpfung von gegen Männer und Jungen gerichteter häuslicher und sexueller Gewalt müssen die gleichen öffentlichen Mittel bereitgestellt werden wie für die Erforschung und Bekämpfung der gegen weibliche Opfer gerichteten. Männer dürfen nicht länger pauschal nur als Täter und Frauen nur als Opfer dargestellt werden. Häusliche und sexuelle Gewalt darf nicht länger als rein männliches Problem benannt, sondern muss als menschliches Problem erkannt werden. Bei jedem Verdacht auf häusliche oder sexuelle Gewalt muss das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung kompromisslos Anwendung finden.

7. Gleichberechtigung im Familienrecht

Trotz Abschaffung des Schuldprinzips werden Männer bis heute von den Gerichten häufig so behandelt, als trügen sie die Schuld am Scheitern der Ehe. Die Folgen des Scheiterns einer Ehe müssen von beiden Partnern entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu gerechten Anteilen getragen werden. Dauerarmut durch überhöhten Unterhalt darf es nicht mehr geben.

Die Väter sind im Leben eines Kindes genauso wichtig wie die Mütter. Daher muss die Paritätische Doppelresidenz, das Wechselmodell, per Gesetz der Standard bei der Betreuung der Kinder getrennt lebender Eltern werden. Kein Elternteil darf aus dem Leben seines Kindes ausgegrenzt werden, sondern nur bei nachgewiesener Kindeswohlgefährdung. Das sogenannte Residenzmodell dient nicht dem Wohl des Kindes.

Das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht mit allen Teilsorgebereichen muss beiden Eltern automatisch zustehen, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht.

Artikel 6 Absatz 4 des Grundgesetzes, „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft“, muss durch „Jeder Elternteil (…)“ ersetzt werden, da die derzeitige Fassung in Widerspruch zum Gleichbehandlungsgrundsatz gemäß Art. 3 Abs. 3 steht.

8. Gleichberechtigung in der Elternschaft

Jeder Vater hat ein Informationsrecht über die Vaterschaft, die Mutter eine Informationspflicht. Frauen können eine Schwangerschaft regulieren, ggf. sogar abtreiben. Auch Männer müssen das Recht auf Ablehnung einer Kindschaft bekommen.

9. Gleichberechtigung statt Gleichmacherei

Mädchen und Jungen sind nicht gleich. Sie durchlaufen Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden in unterschiedlichen Schritten. Bei den Interessen und Neigungen, die sie dabei entwickeln, setzten Jungen im Durchschnitt die Schwerpunkte anders als Mädchen; die Fähigkeiten und Qualitäten, welche sie ausprägen müssen, um in ihren Altersgruppen anerkannt zu werden, sind ebenfalls bei Jungen und Mädchen unterschiedlich.

Echte Gleichberechtigung der Geschlechter bedeutet, in der Erziehung und Förderung der Kinder diesen Unterschieden Rechnung zu tragen anstatt sie zu negieren oder gar wegerziehen zu wollen. Bildungs- und Sozialpolitik müssen sich dabei ausschließlich an wissenschaftlichen Fakten orientieren und dürfen sich nicht von Genderideologie leiten lassen.

Die unterschiedlichen gesundheitlichen Risiken, denen Männer und Frauen respektive ausgesetzt sind, müssen eine entsprechende, auf wissenschaftlichen Fakten basierende Berücksichtigung in der Gesundheitspolitik und im Arbeitsschutz finden.

10. Gleichberechtigung beim Vatertag

Echte Gleichberechtigung spiegelt sich auch in Symbolen und Ritualen wider. Während in Deutschland am Muttertag die Mütter für ihre Bedeutung in ihren Familien geehrt werden, vermittelt der als „Vatertag“ bezeichnete kirchliche Feiertag Christi Himmelfahrt ein Negativbild von Vätern, die diesen Tag von ihren Familien abgesondert verbringen. Wir fordern die Einführung eines dem Muttertag gleichgestellten Vatertages, der, wie in über sechzig Ländern der Erde, an jedem dritten Sonntag im Juni gefeiert wird.

Ziel des Vereins ist auch die landes- und bundesweite Umsetzung des Antrags 16/7402 der FDP-Fraktion „Ganzheitliche und moderne Gleichstellungspolitik – Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen vorantreiben“. Darin wird die NRW-Landesregierung aufgefordert,

1. den eingeleiteten Perspektivwechsel in der Gleichstellungspolitik auf Bundesebene aktiv für eine chancengerechte Gesellschaft politisch mitzugestalten;
2. in die landesseitige Gleichstellungspolitik die Jungen- und Männerpolitik auf allen Ebenen fest zu verankern, so dass der Boden für eine Vielfalt männlicher Rollen und Lebensentwürfe geschaffen wird;
3. die Umgestaltung von Karrieremustern von Jungen und Männern sowie gleichermaßen von Mädchen und Frauen, die Männerforschung und die Männerarbeit (Beratung, Bildung, Begegnung von Männern) zu unterstützen und zu fördern;
4. zu überprüfen, ob in die Entwicklung des „Landesaktionsplanes zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen NRW“ auch Präventionsangebote für gewaltbetroffene Männern einbezogen werden können;
5. sich dafür stark zu machen, dass künftig ein möglichst ausgewogenes Geschlechterverhältnis der Lehrkräfte in der Bildungskette vertreten ist;
6. das Präventionskonzept des Landes durch eine Landesinitiative zur Förderung der Gesundheit von Männern zu erweitern.
Quelle: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-7402.pdf

In der Begründung wird ausgeführt: „Seit nunmehr 15 Jahren wird am 19. November der internationale Männertag in weit mehr als 60 Ländern begangen. Der „International Men’s Day“, kurz IMD, steht dafür ein, die Gleichberechtigung zu stärken, männliche Vorbilder hervorzuheben, ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis von Frauen und Männern und die Gesundheit von Männern zu fördern.

In den letzten Jahren sind die Geschlechterrollen immer mehr in Bewegung geraten. Der Rollenwandel der Frauen steht dabei in einem engen Zusammenhang mit dem der Männer. Neue männliche Lebensentwürfe müssen von Gesellschaft und Wirtschaft anerkannt werden.
Hierfür bedarf es Lösungen, die gesamtgesellschaftlich getragen werden müssen. Im Zuge dessen ist der Blickwinkel innerhalb der Geschlechterpolitik folgerichtig auf Jungen und Männer mit einer eigenständigen Jungen- und Männerpolitik seit der letzten Legislaturperiode
auf Bundesebene unter FDP- und CDU/CSU-Regierungsverantwortung ausgedehnt worden. Ziel war es, gesellschaftliche Akzeptanz für die vielfältigen Rollen- und Lebensentwürfe für Jungen und Männer zu schaffen.

Das Handeln der nordrhein-westfälischen Landesregierung wird hingegen durch eine Denkweise bestimmt, die Gleichstellung überwiegend mit Frauenpolitik gleichsetzt. Diese Einseitigkeit ist nicht mehr zeitgemäß und sogar kontraproduktiv. So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung
eines Mannes laut dem Männerbericht aus dem Jahr 2010 fünfeinhalb Jahre unter der von Frauen, wovon ein Jahr genetisch bedingt ist. Die restlichen Jahre lassen sich auf die ungesündere Lebensweise, größere berufliche Belastungsfaktoren, eine insgesamt größere Risikobereitschaft und ein geringes Interesse an präventiven Maßnahmen zurückführen.

Nur 20 Prozent der Männer nehmen an Präventionskursen gegen Bewegungsmangel, Ernährungsgewohnheiten und Stressbewältigung teil. Im Wirtschafts- und Arbeitsbereich werden 75 Prozent aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle Männern zugeordnet. Im Schul- und Bildungsbereich zählen Jungen im Geschlechtervergleich tendenziell eher zu den Bildungsverlierern, sie werden häufiger als Mädchen von Lehrkräften als verhaltensauffällig eingestuft und erreichen überproportional keinen Schulabschluss. Darüber hinaus kann auch die fortschreitende Feminisierung des Personals in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen kontraproduktiv wirken. Kinder und Jugendliche brauchen auch Männer als Vorbilder. Es wird gerade in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen oftmals die Chance verpasst, die Männlichkeit mit der Fürsorgepflicht zu verbinden.

Viele (junge) Männer sind auf der Suche nach Perspektiven jenseits der klassischen Lebensentwürfe. Der vollziehende Transformationsprozess geht vielfach mit einer großen Verunsicherung im Selbstwertgefühl und in der Anerkennung sowie mit einer seelischen Belastung und oftmals auch mit Frustration einher. Die Folgen davon können eine höhere Arbeitslosigkeit, höhere Kriminalitätsaktivität, höhere Gewaltneigung oder eine höhere Suizidrate sein. Bei der Ausübung von Gewalt handelt es sich um eine Form der Abspaltung von Selbstwert- und Anerkennungsstörungen. Auch seelische Erkrankungen und Depressionen sind häufige Folgen des Wandlungsprozesses. Die Stiftung Männergesundheit bezeichnet als Folgestufe einer nicht erkannten Depression von Männern den Freitod. Der Männerbericht 2013 der Stiftung Männergesundheit in Zusammenarbeit mit der DKV stellt zudem fest, dass rund drei Viertel aller Suizidtoten in Deutschland Männer sind. Dabei verteilt sich das hohe Suizidrisiko auf alle Altersgruppen und verzeichnet in der Zeit von 2009 bis 2011 sogar einen Anstieg der Suizidrate von neun Prozent.

Es bedarf dringend eines politischen Korrektivs, um das stereotypische Rollenbild in der Gesellschaft zu verändern. Männerpolitische Anliegen sind kein bloßer Appendix von Frauenförderung. Chancengerechtigkeit können die Geschlechter nur gleichzeitig und gemeinsam erreichen. Männerpolitik muss sich zunächst damit befassen, die einengende Rollenzuschreibung loszuwerden, damit das Tor für individuell frei gewählte Lebensrollen stolperfrei offen stehen kann.

Eine moderne Gleichstellungspolitik muss deshalb gezielt die Unterschiede in den Lebensverläufen sowohl von Frauen wie auch von Männern bzw. von Jungen und Mädchen berücksichtigen und somit ganzheitlich ansetzen. Hierzu zählt auch eine geschlechtergerechte Erziehung, die Entwicklung positiver männlicher Identitäten, die Eröffnung der Möglichkeit für eine Weiterentwicklung männlicher Rollenbilder, Gewaltprävention an und von Jungen und Männern, die Förderung von Männergesundheit und die verstärkte Unterstützung des väterlichen Engagements in der Kindererziehung und Familienarbeit.

Geschlechtergerechtigkeit zwischen Frauen und Männern darf nicht als Verteilungskampf verstanden werden. Ergebnisgleichheit z.B. durch eine fixierte Frauenquote in Führungspositionen auf dem Arbeitsmarkt führen in eine Sackgasse. Eine moderne Gleichstellungspolitik kann nicht auf ausgleichender Ungerechtigkeit fußen. Vielmehr bedeutet eine moderne und zukunftsfähige Gleichstellungspolitik die Ermöglichung frei gelebter Individualität bei Frauen und Männern, also die Herbeiführung einer Chancengerechtigkeit, die es Frauen und Männern gleichermaßen erlaubt, so zu leben, wie sie selbst es nach ihren eigenen Vorstellungen wollen.

Aufgabe einer zukunftsweisenden Gleichstellungspolitik muss zunächst die analytische Aufdeckung klassischer vorausgesetzter Geschlechterbilder und im Anschluss die Entwicklung von Gegenstrategien sein, damit künftig Benachteiligungen von Geschlechtern im Keim erstickt werden. Eine solche Politik muss auf einer grundlegenden Prüfung der Lebenslagen von Jungen und Männern sowie gleichermaßen von Mädchen und Frauen basieren. Hierbei ist eine Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft ratsam, so dass Probleme nicht nur beschrieben und erklärt, sondern auch Handlungsempfehlungen für Veränderungen entwickelt werden.“

Wer an einer Mitgliedschaft bei den Liberalen Männern e.V. Interesse hat, kann sich gerne an den Veranstalter des Genderkongress.de wenden.

Frank Mehding
Genderkongress.org

Anmerkung von Graublau: Mit dem „Männerbericht“ ist anscheinend jeweils der „Männergesundheitsbericht“ gemeint.

Aktualisierungen:

  1. Kurzprogramm der Bundesvereinigung Liberaler Männer e.V. i.G. (bei Alles Evolution, vom Facebook-Seite der Liberalen Männer)
  2. Liberale Männer e.V. bei Facebook
  3. Liberale Männer e.V. bei Twitter
  4. www.liberale-maenner.org (Artikel „Warum„)

Der Sinn der Vorstellung und Diskussion eines solchen Programms zeigt sich bereits: Die liberalen Männer haben auf Argumente hier in den Blog-Kommentaren reagiert und auch im Forum der Piratenpartei guckt man auf das Programm. So funktioniert gesunde Konkurrenz.

So schnell kann’s gehen: Nach nur einem Tag werden Programm und Blogartikel auf Youtube behandelt:

MaMMoNMaGaZiN: Was will der „LIBERALE MÄNNER e.V.? | Das Gründungsdokument

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33 Kommentare zu „Gastartikel: Gründung Liberale Männer e.V.“

  1. Auf der einen Seite grundsätzlich gegen Quoten zu sein, aber bei den Erziehern eine mindestens 30%ige Quote zu fordern, ist taktisch nicht sehr geschickt. Da wird Euch niemand ernst nehmen mit solchen Widersprüchlichkeiten.

      1. Kurzer Zwischenruf aus der selbst auferlegten Pause:

        Ich hatte diesen Text (ebenso wie einige weitere Beiträge von Frank Mehding) bereits Ende Juni erhalten. Weil ich mich einige Zeit wirklich komplett zurückgezogen habe, erscheint er erst jetzt. Kritik daran, dass er hier noch einmal unverändert erscheint, geht also auf meine Kappe, nicht auf die der Autoren.

        Es sei auch erwähnt, dass Frank Mehding die Texte mit dem Hinweis eingereicht hat, sie dürften gerne angepasst werden. Ich habe das deswegen nicht gemacht, weil ich wegen des persönlichen Rückzugs die gesamte Diskussion in den letzten Monaten nicht verfolgt habe und es mir unausgegoren erschien, sozusagen spontan meine Kritikpunkte da dranzuflicken.

        Die Kritik an Ablehnung von Quoten einerseits und Forderung einer Soll-Quote andererseits teile ich. Das ist der schwächste Punkt in der Liste. Andererseits sehe ich die vielen inhaltlich guten Teile. So ein Text gehört veröffentlicht und geteilt – inklusive einer Kommentarmöglichkeit, die dann ja auch direkt deutlich macht, was von ähnlich Tickenden oder Gleichgesinnten kritisch gesehen wird. Dass – wie ich es nur ansatzweise wahrgenommen habe – der Text von den üblichen Verdächtigen in Bausch und Bogen verdammt wurde, ist ein wunderbares Anschauungsbeispiel, dass eine eigene Männerpolitik oder Vertretung eben nicht akzeptiert wird, auch wenn sie unter der großen Klammer der Gleichberechtigung geschieht.

        Dass bei solchen vorsichtigen ersten Schritten nichts perfekt ist, erwarte ich sogar. Umgekehrt ist eine Forderung nach Perfektion und die Ablehnung all dessen, das diese Maßstäbe nicht erfüllt, gerade ein Kritikpunkt, den ich gegenüber Lügnern und Manipulatoren (SJW) und Genderfeminismus erhebe. Dann ist es umso wichtiger, diesen Fehler nicht selbst zu begehen.

        Man kann nicht alles von vorneherein zuende denken. „Raus aus dem Elfenbeinturm!“ ist die Devise – die Ideen mit der Realität konfrontieren.

        Der gesunde Wettbewerb an Ideen, wie er oft gefordert wird und wie ich ihn mir ebenfalls wünsche, kann die schlechten Teile aus einem Forderungskatalog entfernen. Wenn dann aber noch 80-90% als für gut befunden übrigbleiben, ist das eine Luxussituation sondergleichen.

      2. @ Graublau: „mich einige Zeit wirklich komplett zurückgezogen habe“

        aber gut, daß Du wieder da bist 🙂 Ich selber werde mich in den kommenden 2 – 3 Wochen wegen Arbeitsüberlastung meinerseits ziemlich rar machen.

        „Es sei auch erwähnt, dass Frank Mehding die Texte mit dem Hinweis eingereicht hat, sie dürften gerne angepasst werden.“

        Das macht mich irgendwie ratlos hinsichtlich des Status dieser Texte. Wenn das der Standpunkt dieser Gruppe ist, der z.B. in internen Diskussionen erarbeitet worden ist, können nicht andere hingehen, und die Texte ändern.

        Frage an Frank Mehding (falls der hier mitliest): es wäre durchaus interessant zu erfahren,

        – ob überhaupt und wenn ja, dann wie, der Verein mit der Öffentlichkeit kommunizieren will. Es ist das gute Recht des Vereins, nur intern zu diskutieren, sich nicht in die Karten sehen zu lassen und nur gelegentlich Diskussionsergebnisse zu veröffentlichen oder nur parteiintern zu verwenden, aber die Kommunikationsstrategie sollte klar sein. Wenn er die Öffentlichkeit an der Diskussion seiner Standpunkte beteiligen will, sollte er sagen, wie er sich das technisch vorstellt.

        – ob es eine Webseite, blog o.ä. gibt oder geben wird, wo man mehr über den Verein erfährt und wo z.B. die Satzung veröffentlicht ist.

        – ob man FDP-Mitglied sein muß, um Vereinsmitglied zu werden

        – ob der Verein oder Mitglieder in relevanten Gremien der FDP mitarbeiten

      3. @mitm

        „aber gut, daß Du wieder da bist 🙂 Ich selber werde mich in den kommenden 2 – 3 Wochen wegen Arbeitsüberlastung meinerseits ziemlich rar machen.“

        Ich habe mich jetzt entschieden, ab September wieder „richtig“ einzusteigen. Allerdings werde ich die eigene Artikelfrequenz deutlich geringer halten, zwischen einem Artikel pro Woche und einem pro Monat (Tendenz eher zu letzterem). Der Anzahl der Besucher hat es kaum geschadet, dass hier im Blog weniger neue Artikel waren – im Gegensatz zur Situation vor einem Jahr.

        „Das macht mich irgendwie ratlos hinsichtlich des Status dieser Texte. Wenn das der Standpunkt dieser Gruppe ist, der z.B. in internen Diskussionen erarbeitet worden ist, können nicht andere hingehen, und die Texte ändern.“

        Der Hinweis kam mit dem ersten Artikel. Ich gehe davon aus, dass das für diesen Text so nicht gemeint war. 🙂

        Ich habe die Fragen an Frank Mehding weitergeleitet und ihn gebeten, doch am besten hier im Blog zu antworten.

        Drei Sachen über die liberalen Männer habe ich inzwischen selbst gefunden (und oben ergänzt):
        Facebook (da gibt es ordentlich Beiträge)
        Twitter (da tut sich noch nicht viel)
        http://www.liberale-maenner.org/ (bisher ein Artikel von vor vier Tagen – Warum)

        Laut den Facebook-Kommentaren muss man nicht FDP-Mitglied sein, um Vereinsmitglied zu werden.

      4. Hallo Zusammen,
        danke für Euren Input! Anbei die Antworten:
        – Der Verein möchte mit/in der Öffentlichkeit kommunizieren. Einige Punkte jedoch werden, wie in allen Parteien, zunächst intern besprochen. Es sollte sich erst intern eine einigermaßen einheitliche Position herausbilden. Sonst wäre der Verein möglicherweise beliebig, für und gegen alles.
        Wir bauen gerade eine Website auf inkl. öffentliches Forum. Und bereits jetzt schon kann man auf http://www.facebook.com/liberalemaenner alles kommentieren.

        – Die Seite http://www.liberalemaenner.de (sowie http://www.liberale-maenner.de) ist derzeit im Aufbau und geht im Oktober online. Inklusive Satzung, Programm etc.

        – Vereinsmitglied kann man auch ohne FDP-Mitgliedschaft werden. Dazu gerne über http://www.facebook.com/liberalemaenner in Kontakt treten.

        – Mitglieder des Vereins arbeiten schon heute in Gremien der FDP mit. Der Verein selbst ist unabhängig. Er wird meines Erachtens voraussichtlich (frühestens ab Frühjahr 2018) ebenso aktiv innerhalb der FDP wie die Liberalen Frauen e.V.

        – Neue verabschiedet wurde soeben das Kurzprogramm: http://www.facebook.com/liberalemaenner/about
        Über Likes würden wir uns freuen 🙂

        Besten Gruß
        Frank Mehding
        Genderkongress.org, München

      5. @Frank Mehding

        Vielen Dank für die Antwort! Es wird insbesondere interessant sein, Meldungen und Forderungen des Vereins über bereits etablierte Kanäle weiterzubreiten. So bleibt man auch in Kontakt.

      6. @Frank Mehding: Danke für die Informationen!

        Die Facebook-Seite enthält ja offenbar noch diverse neuere Informationen – werde ich mir mal in Ruhe durchlesen, scheint ja im Moment keine Eile zu haben.

    1. „ist taktisch nicht sehr geschickt.“

      Ja, da kann man leicht eine Gegenargumentation mit aufbauen (die wahrscheinlich dazu benutzt wird alle anderen Punkte als „unnötig zu diskutieren“ hinzustellen. Es gibt aber in DE eine Schulpflicht. Jedes Kind muss in die Schule. Eine Pflicht Informatikerin oder Vorstandsmitglied zu werden gibt es nicht.
      Ich finde es gibt da einen Unterschied.

      1. Quote0Quote zu setzen ist kein Argument. Oder ist die Zuschauerquote beim ZDF das gleiche wie die Frauenvorstandsquote?
        „Es gibt aber in DE eine Schulpflicht.“
        Laut stehender Rechtschwafelung ja, laut Grundgesetz nein.

    2. Mark, tatsächlich ist dies aus meiner Sicht taktisch sogar sehr geschickt, weil man ebend Quoten grundsätzlich nicht ablehnt! Es wird nur die reine Frauenprivilegierung abgelehnt, d.h. wenn es schon Quoten gibt, dann sollten diese für beide Geschlechter gelten und am besten nur wo es eine sinnvolle Begründung dafür gibt, wie ebend im Bereich Erziehung.

      Unabhängig davon bin ich überzeugt, dass die Quoten schon längst wieder abgeschafft wären, wenn sie wirklich für beide Geschlechter geleten würden. Denn mittlerweile sind ja im öffentlichen Dienst deutlich mehr Frauen als Männer angestellt (dank Frauenprivilegierung!). Wenn es dann wirklich die ersten Stellengesuche gibt, in denen dann steht, dass Männer bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden, dann ist die Idee mit der Quote ganz schnell vorbei.

      Ich glaube, dass es der größte Fehler der Quotengegner war, sich auf die eigenen guten Argumente zu verlassen. Das wussten die Quotenbefürworter aber auch, dass sie inhaltlich nicht wirklich überzeugen können, deshalb läuft das ganze ja immer sehr schnell auf die emotionalen Schiene (frauenfeidlich etc.) hinaus. Wenn man aber sich gerade ebend nicht grundsätzlich einer Quote verwehrt, läuft das Ganze zumindestens zum Teil ins Leere.

    3. Mark, tatsächlich ist dies aus meiner Sicht taktisch sogar sehr geschickt, weil man ebend Quoten grundsätzlich nicht ablehnt! Es wird nur die reine Frauenprivilegierung abgelehnt, d.h. wenn es schon Quoten gibt, dann sollten diese für beide Geschlechter gelten und am besten nur wo es eine sinnvolle Begründung dafür gibt, wie ebend im Bereich Erziehung.

      Unabhängig davon bin ich überzeugt, dass die Quoten schon längst wieder abgeschafft wären, wenn sie wirklich für beide Geschlechter geleten würden. Mittlerweile sind ja im öffentlichen Dienst deutlich mehr Frauen als Männer angestellt (dank Frauenprivilegierung?). Wenn es dann wirklich die ersten Stellengesuche gibt, in denen dann steht, dass Männer bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden, dann ist die Idee mit der Quote ganz schnell vorbei.

      Ich glaube, dass es der größte Fehler der Quotengegner war, sich auf die eigenen guten Argumente zu verlassen. Das wussten die Quotenbefürworter aber auch, dass sie inhaltlich nicht wirklich überzeugen können, deshalb läuft das ganze ja immer sehr schnell auf die emotionalen Schiene (frauenfeidlich etc.) hinaus. Wenn man aber sich gerade ebend nicht grundsätzlich einer Quote verwehrt, läuft das Ganze zumindestens zum Teil ins Leere!

      1. @Kibo

        Es steht Folgendes:

        “ Gleichberechtigung statt Quote

        Frauenquoten verletzen den Gleichbehandlungsgrundsatz und diskriminieren. Bei Einstellungen und Beförderungen dürfen ausschließlich Qualifikation, Leistung und Erfahrung entscheidend sein, nicht aber das Geschlecht. “

        Das heisst für mich, dass Quoten grundsätzlich abgelehnt werden und nicht grundsätzlich befürwortet werden. Wenn dem so wäre, wie Du sagst, dann würde es dies ja explizit heissen. steht aber nirgends dort. Es wird explizit auf das Leistungsprinzip verweisen und Quoten werden quasi als Gegensatz zum Leistungsprinzip verstanden. Somit soll eben nur das Leistungsprinzip Geltung haben und keine Quoten.

        Nun sollte man natürlich wissen, was man will: Wer einmal Tür und Tor für Quoten öffnet, wird sie nicht mehr los. Es ist nicht einsehbar, dass nicht nur Frauen und Männer mit der Quote kommen, sondern auch die Homosexeullen, Bisexuellen, Transexuellen, Intersexuellen, die Behinderten, die Atheisten und Muslime und Christen und die Ausländer mit oder ohne Migrationshintergrund, die PoC, die sozialen Schichten/Klassen/Milieus etc. Kann man machen, muss man aber nicht. 🙂 Nein: Ich muss einfach sagen, wenn ich Eigentümer eines Betriebs, eines GEschäfts etc. wäre, möchte ich mich nicht von einer Gleichstellungsbeauftragen oder Diversity-Beauftragen reinreden lassen, wen ich nun als nächstens einzustellen habe, weil sonst kann ich gerade so gut eine Genossenschaft gründen, wo dann quasi alle mitreden dürfen, bis ein Konsens herrscht.

        Wie gesagt: Ich finde es wenig glaubwürdig, wenn man einmal grundsätzlich gegen Quoten ist und dann quasi Rosinenpickerei macht und sagt, aber hier, wo die Mànner benachteiligt sind, wollen wir nun aber unbedingt Quoten.

      2. „tatsächlich ist dies aus meiner Sicht taktisch sogar sehr geschickt, weil man ebend Quoten grundsätzlich nicht ablehnt!“ – hat aber den Nachteil, dass ich nicht mehr dahinter stehe. Quote ist grundsätzlich daneben. Ich kann es begründen. Ich kann nicht meinen Standpunkt strategisch verleugnen, weil ich nur mit Begründung im Hinterkopf argumentiere. (Ist gesünder bei Rückfragen.)

      3. @Wolf-Dieter

        Ich kann nicht meinen Standpunkt strategisch verleugnen, weil ich nur mit Begründung im Hinterkopf argumentiere. (Ist gesünder bei Rückfragen.)

        Du musst Deinen Standpunkt auch nicht verleugnen und mein Standpunkt ist da durchaus kompatibel, er lautet schlicht, „Wenn schon Quote, dann für alle und nicht auschließlich zum Vorteil des einen Geschlechtes bzw. zum Nachtteil des anderen Geschlechtes“.

        Ich halte es für gesünder die Realität zu Kentnis zu nehmen und die Frauenquote ist Realität. Eine direkte Abschaffung der Quotenregelungen ist mittelfristig völlig aussichtslos, eher werden die Quotenregelungen noch verschärft. Es muss ja schon als Fortschritt angesehen werden, wenn es zu keiner Ausweitung der (einseitigen) Frauenprivilierung kommt. Ist traurig, aber es ist nun mal so.

        Auch wenn Vergleiche immer hinken, ich finde den Sommer generell besser als den Winter und kann dies auch begründen, z.B. spare ich mir das Heizen. Trotzdem ist der Einbau von Heizungen sinnvoll, denn (kalte) Winter sind in Deutschland Realität.

      4. @Mark

        In Europa ist es Konsens, dass das Töten von Menschen nicht erlaubt ist. Trotzdem gibt es definierte Ausnahmefälle z.B. Notwehr. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass ein allgemeiner Grundsatz formuliert wird („Töten ist nicht erlaubt“) und genauso die Ausnahmen dazu („Notwehr“).

        Mit der Quote ist das vergleichbar.
        Grundsatz: „Niemand soll wegen des Geschlechtes bevorzugt oder benachteiligt werden.“
        Ausnahme: „Soll – Quote von 30% bei Lehrern und Erziehern“

        Nebenbei, das Erreichen der Sollquote kann ja auch durch nicht diskriminierende Massnahmen erfolgen, z.B. indem der Schutz vor Falschbeschuldigungen verbessert wird.

        Wer einmal Tür und Tor für Quoten öffnet, wird sie nicht mehr los.

        Die Frauen-Quote ist Realität und ich fürchte, wir werden sie mindestens mittelfristig nicht so einfach los. Deal with it.

      5. @ Kibo

        Überzeugt mich nicht und ist Spitzfindigkeit! Ich vermute übrigens, dass Mord ohne Ausnahme nicht gestattet ist. Per definitionem ist Mord immer rechtswidrig. 🙂

      6. Überzeugt mich nicht

        Schade.

        Ich vermute übrigens, dass Mord ohne Ausnahme nicht gestattet ist. Per definitionem ist Mord immer rechtswidrig.

        Ich gehe auch davon aus, dass Mord rechtswidrig ist. Deshalb habe ich ja auch bewusst nicht von Mord geschrieben.

        Ich wollte mit dem Beispiel auch nur darstellen, dass ein allgemeiner Grundsatz formuliert werden kann und trotzdem Ausnahmen dazu. Ich denke nur für Fundamentalisten ist das ein echtes Problem.

      7. @Kibo / eisberge:

        Gegen eine Männer-Quote bei den Erziehern sprechen aus meiner Sicht folgende Argumente:

        – Statt auf die Eignung auf irgendwelche Eigenschaften der Kandidaten zu gucken, ist immer Diskriminierung. Sie „für den richtigen Zweck“ einzusetzen ist genau das Argument, mit dem die Frauenquoten eingeführt wurden. Ein Plädoyer „für den guten Zweck“ funktioniert aber nicht, wenn es Männern und Jungen nützen würde (gender empathy gap). Ein „wenn wir es machen, ist es in Ordnung“ ist das Gegenteil von allgemeingültigen Prinzipien.
        – Es ist – wenn man schon taktisch denkt – deutlich schwieriger, ein „Quote hier böse, dort gut“ zu verkaufen statt ein „wir lehnen Quoten auch dann ab, wenn sie pro forma Männern und Jungen nützen würde“. Das muss man deutlich länger erklären und die Zeit hat man nicht immer.
        – Ein männlicher Erzieher wird immer unter dem Verdacht stehen, seinen Job nur wegen der Quote bekommen zu haben. Da gelten dieselben Prinzipien wie bei der Frauenquote.
        – Statt gute männliche Erzieher befördert man einfach männliche Erzieher. Das ist aber nicht die bessere Alternative. Die fehlenden Kontakte zu Männern und männlichen Vorbildern in jungen Jahren sehe ich als ernstzunehmendes Entwicklungsrisiko, aber sie müssen auf vernünftige Weise zustandekommen. Ein unfähiger Quotenmann etwa ist kein positives Vor- oder Leitbild. Da gelten dieselben Prinzipien wie bei der Frauenquote.

        Die bisherige Erfahrung zeigt: Sobald allgemein formulierte Quoten Männern nützen würden, werden sie entweder aufgegeben oder abgewandelt:

        Was immer man speziell für Männer und Jungen macht, steht automatisch unter dem Verdacht, frauenfeindlich zu sein. Dem ist aus meiner Sicht am besten zuvorzukommen, indem man es allgemeingültig formuliert ohne irgendein Geschlecht zu nennen und eben diese Fairness für alle einfordert. Der Vorwurf, hier Partikularinteressen „der falschen Seite“ zu vertreten, geht dann auch leichter ins Leere, denn „auch Jungen und Männer profitieren von Gleichberechtigung“ ist schwer als Nazi-Propaganda zu verunglimpfen (das geht nur noch mit dem Trick „das darf man noch nicht einmal verlinken oder lesen, weil man sonst mit dem Nazi-Virus infiziert wurd“).

    4. Hallo Zusammen, hallo Mark,

      aufgrund der Kritik hier und auf Genderama haben wir jetzt vier Forderungen verändert und zwei hinzugefügt. Wir hoffen, es ist in Eurem Sinne:

      DIE 12 FORDERUNGEN der Liberalen Männer e.V. i.G.

      1. Gleichberechtigung statt nur Frauenrechte
      Art. 3 Abs. 3 GG muss konsequent angewandt werden. Menschenrechte müssen sowohl für Frauen wie für Männer gelten.

      2. Gleichberechtigung statt Gleichmacherei
      Unterschiede dürfen nicht einer ideologischen Gleichmacherei geopfert werden. Männer und Frauen haben das Recht, entsprechend ihrer individuellen Anlagen und Bedürfnisse zu leben.

      3. Gleichberechtigung statt Frauenbeauftragte
      Gleichstellungsbeauftragte dürfen nicht nur Frauen sein. Das führt nicht zur Gleichberechtigung. Wo es Frauenbeauftragte gibt, muss es auch Männerbeauftragte geben.

      4. Gleichberechtigung im Familienrecht
      Die Diskriminierung “Mama erzieht – Papa zahlt” nach einer Trennung muss abgeschafft werden. Kinder brauchen beide Eltern. Wir fordern das Wechselmodell als gesetzlichen Standard.

      5. Gleichberechtigung bei der Elternschaft
      Frauen können bestimmen, ob sie Mutter werden wollen. Männer werden oft Vater gegen ihren Willen oder ohne es zu erfahren. Wir fordern Gleichberechtigung der Väter und das Recht auf Kenntnis der Vaterschaft.

      6. Gleichberechtigung bei Bildungschancen
      Jungen erleben im Bildungssystem Nachteile. Mädchen und Jungen müssen gleichwertig gefördert werden.

      7. Gleichberechtigung in der Arbeitswelt
      Männer dürfen bei Einstellung und Beförderung nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.

      8. Gleichberechtigung in der Wissenschaft
      Wissenschaft und Forschung müssen frei von geschlechterspezifischen Bevorzugungen und Benachteiligungen sein.

      9. Gleichberechtigung vor der Justiz
      Gleiche Straftaten müssen unabhängig vom Geschlecht mit dem gleichen Strafmaß geahndet werden. Gegen weibliche Verdächtige muss genauso ermittelt werden wie gegen männliche.

      10. Gleichberechtigung beim Gewaltschutz
      Auch Jungen und Männer werden Opfer häuslicher und sexueller Gewalt. Wir fordern gleichen Schutz für Jungen und Männer sowie Schutz vor falschen Gewaltbeschuldigungen.

      11. Gleichberechtigung im Gesundheitswesen
      Die Erforschung, Pravention und Bekämpfung typisch männlicher Erkrankungen müssen gleichermaßen gefördert werden wie die typisch weiblicher Erkrankungen.

      12. Gleichberechtigung in der öffentlichen Wertschätzung
      Männer erbringen genauso wie Frauen ihre Leistung für Familie und Gesellschaft. Das muss genauso gewürdigt werden.

      Falls es weitere Forderungen gibt – bitte her damit 🙂

      Besten Gruß
      i.A. Frank Mehding
      Liberale Männer e.V. i.G., Berlin
      Genderkongress.org, München

      1. Danke für die Rückmeldung! Es ist für mich bereits ein Erfolg, wenn solche Forderungen tatsächlich diskutiert werden.

        Es werden – egal, wie man es angeht – dicke Bretter werden, die man bohren muss. Ich glaube aber, dass es tatsächlich einige Taktiken gibt, die besser funktionieren als andere:

        Betonung von gleichen Rechten für alle – als Gegenentwurf zu „wir brauchen ein Gesetz für Frauen“. Jedwede Regelung, die speziell Jungen oder Männer fördern würde, wird erfahrungsgemäß bekämpft, als frauenfeindlich (!) gebrandmarkt oder als Hinweis auf einen Geschlechterkampf gedeutet. (Es ist natürlich lustig, dass ein Gesetz speziell für Frauen und Mädchen nicht als männerfeindlich angesehen wird…) Darunter fällt z.B. die Diskriminierungsfreiheit.

        Betonung des Rechtsstaats – als Gegenentwurf zu „auch das Recht ist ein Produkt des Patriarchats„. Der Rechtsstaat weist sowohl den „gesunden Volkszorn“ eines Mobs in Schranken als auch den Staat selbst in seiner Überwachungs- und Regulierungswut. Auch unsympathische Zeitgenossen oder unpopuläre Gruppen haben das Recht auf eine faire Behandlung. Darunter fällt z.B. die Unschuldsvermutung, die von einer bekannten Feministin ja als „Unwort des Jahres“ bezeichnet wurde. Justizia ist blind, weil sie gerade nicht auf die Identität eines Angeklagten guckt. All das „mein Gefühl ist richtig und der Maßstab“ ist vormodern, ebenso wie ein „wir müssen doch irgendetwas tun“ immer gegen die Freiheitsrechte der Bürger abgewogen werden muss.

        Es waren FDP-Politiker wie Gerhart Baum, Burkhard Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die sich für Bürgerrechte eingesetzt haben und die positiv im Gedächtnis blieben – weit jenseits von denen, die der FDP weltanschaulich nahe stehen. An diese gute Tradition läßt sich anknüpfen und das ist ein zentraler Wert, an den man innerhalb der FDP erinnern kann.

      2. „7. Gleichberechtigung in der Arbeitswelt
        Männer dürfen bei Einstellung und Beförderung nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.“

        Hätte ich geändert in:

        7. Gleichberechtigung in der Arbeitswelt
        Männer dürfen bei Einstellung und Beförderung genau wie Frauen nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.

      3. Oder noch kürzer:

        7. Gleichberechtigung in der Arbeitswelt
        Niemand darf bei Einstellung und Beförderung aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden.

        Dem wird kaum einer widersprechen können. Hat den Vorteil, dass hier nicht erschöpfend alle Gruppen genannt werden, was z.B. bei der Forderung nach Frauenförderung schnell für Kollision mit Trans- und Intersexuellen sorgt. Umgekehrt ist es richtig: Das Geschlecht darf keine Rolle spielen, wir müssen es daher auch nicht explizit nennen.

    5. Ich finde die Ablehnung von Männerquoten auch suboptimal. Aber die Liberalen Männer hatten im ersten Entwurf des ersten Programms schon weniger Widersprüche als die Liberalen Frauen. Daher wird man die Liberalen Männer sehr wohl ernst nehmen, wenn sie sich endlich öffentlich solidarisieren. In diesem Sinn ist jeder Mann, der sich zur westlichen liberalen Grundordnung bekennt und Gleichberechtigung für Männer will, eingeladen, mitzuhelfen, dass die Liberalen Männer noch besser werden, als sie es bereits jetzt sind.

      1. „In diesem Sinn ist jeder Mann, der sich zur westlichen liberalen Grundordnung bekennt und Gleichberechtigung für Männer will, eingeladen, mitzuhelfen, dass die Liberalen Männer noch besser werden, als sie es bereits jetzt sind.“

        Neben dem ohnehin guten Aufruf steckt da noch ein weiterer wertvoller Punkt drin: Die liberale westliche Welt ist – bei all ihren Fehlern und den Verbrechen, die auch in ihrem Namen geschehen – immer noch das beste, was es historisch für die Allgemeinheit gegeben hat. Diese Freude an der Freiheit und das Ausleben von Freiheiten sind Dinge, die es wieder zu betonen gilt. Denn die ideologischen Gegner sind einerseits darauf erpicht, einem diese Freiheit zu vermiesen und andererseits auch aktiv darin, einem gesetzlich legale Handlungen durch moralischen Druck zu verbieten.

        Die westliche Welt war immer gut, wenn sie nicht als „ein Block“ auftrat, sondern es genug Konkurrenz der Ideen und Entwürfe gab. Auch Gegner der westlichen Welt können in ihr noch würdig leben und ihre Thesen diskutieren. Das bietet kein anderes System.

        Betonung und Schutz des Individuums wäre daher das dritte wichtige Prinzip in der Debatte – als Gegenentwurf zu irgendwelchen „Gruppenrechten“. Historisch boten Gruppen ihren Mitgliedern vielleicht Schutz, bevor es einen Rechtsstaat gab – jedoch um den Preis individueller Freiheit. Genau diesen Zusammenhang gilt es zu betonen.

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