Gastartikel: Gründung Liberale Männer e.V.

Es folgt ein Gastartikel von Frank Mehding.

In der FDP ist Bewegung. Nach Verabschiedung des Wechselmodells im Wahlprogramm gründete sich am 5. August in Nürnberg ein Verein mit dem Namen Liberale Männer e.V. mit Sitz in Berlin. Ziel ist die Gleichberechtigung – auch für Männer. So heißt es im Kurzprogramm: „Eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern kann es nur geben, wenn die berechtigten Anliegen beider Geschlechter berücksichtigt und Benachteiligungen beider Geschlechter thematisiert und beseitigt werden. Um auf das Ziel einer tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Müttern und Vätern, Mädchen und Jungen hinzuarbeiten, wird der Verein Liberale Männer e.V. mit Sitz in Berlin gegründet. Die Mitglieder sind vereint in ihrem Bestreben, gemeinsam die im Folgenden genannten Ziele zu erreichen:

1. Die kompromisslose Umsetzung des Artikels 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
2. Nachteile und Benachteiligungen von Jungen, Männern und Vätern sind geschlechterpolitisch zu thematisieren und zu beseitigen.
3. Jungen-, Männer- und Väterfeindlichkeit sind ebenso zu verurteilen und zu beseitigen wie Frauenfeindlichkeit.“

Im weiteren Text wird es konkret. 10 Punkte nennen die Gründer im ausführlichen Programm:

1. Gleichberechtigung statt Frauenrechte

„Frauenrechte“ gibt es genauso wenig wie „Männerrechte“. Die Begriffe widersprechen bereits dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Es gibt nur Menschenrechte. Diese müssen ohne Ausnahme für Frauen wie für Männer gelten. Wir fordern die kompromisslose Umsetzung der Gleichberechtigung gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

2. Gleichberechtigung statt Gleichstellung

Eine Gleichstellung der Geschlechter kann nicht dadurch erreicht werden, dass Gleichstellungsbeauftragte grundsätzlich ausschließlich weiblich sind. Gleichstellungsbeauftragte müssen männlich oder weiblich sein, die Interessen beider Geschlechter vertreten und von beiden Geschlechtern gewählt werden können. Wo es eine Frauenbeauftragte gibt, muss es immer auch einen Männerbeauftragten geben. Wo Gleichstellung drauf steht, muss auch Gleichstellung drin sein.

3. Gleichberechtigung in der Schulbildung

In der Bildung müssen geschlechterspezifische Unterschiede auf wissenschaftlicher Basis Rechnung getragen werden. Hierzu bedarf es einer verstärkten Förderung und Erforschung geschlechterspezifischer Bildungsmethoden.

Unter Erziehern/-innen und Lehrkräften muss eine Soll-Quote von 30% eingeführt werden, um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis, männliche Erziehungswerte und -vorstellungen und männliche Rollenvorbilder zu ermöglichen.

Am Ende der Grundschule ist ein verpflichtender Multiple Choice Test für alle Kinder einzuführen als ergänzendes Beurteilungskriterium für die weiterführende Schulempfehlung.

4. Gleichberechtigung statt Quote

Frauenquoten verletzen den Gleichbehandlungsgrundsatz und diskriminieren. Bei Einstellungen und Beförderungen dürfen ausschließlich Qualifikation, Leistung und Erfahrung entscheidend sein, nicht aber das Geschlecht. Gleichzeitig müssen für Väter die gleichen Möglichkeiten wie für Mütter geschaffen werden, Elternzeit zu nehmen und in erziehungsbedingter Teilzeit zu arbeiten.

Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist auf Bundes- und Länderebene zu ändern von „Frauen“ auf „das unterrepräsentierte Geschlecht“. Denn heute gibt es zahlreiche Unternehmen, Behörden und Institutionen, wo Männer signifikant unterrepräsentiert sind, z.B. Lehrer an Grundschulen.

5. Gleichberechtigung im Strafrecht

Gleiche Straftaten müssen gleich geahndet werden. Es kann nicht angehen, dass von Frauen verübte Straftaten seltener verfolgt und deutlich milder bestraft werden als von Männern verübte.

6. Gleichberechtigung bei häuslicher und sexueller Gewalt

Hilfsangebote für Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt müssen männlichen Opfern genauso offenstehen wie weiblichen. Für die Erforschung und Bekämpfung von gegen Männer und Jungen gerichteter häuslicher und sexueller Gewalt müssen die gleichen öffentlichen Mittel bereitgestellt werden wie für die Erforschung und Bekämpfung der gegen weibliche Opfer gerichteten. Männer dürfen nicht länger pauschal nur als Täter und Frauen nur als Opfer dargestellt werden. Häusliche und sexuelle Gewalt darf nicht länger als rein männliches Problem benannt, sondern muss als menschliches Problem erkannt werden. Bei jedem Verdacht auf häusliche oder sexuelle Gewalt muss das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung kompromisslos Anwendung finden.

7. Gleichberechtigung im Familienrecht

Trotz Abschaffung des Schuldprinzips werden Männer bis heute von den Gerichten häufig so behandelt, als trügen sie die Schuld am Scheitern der Ehe. Die Folgen des Scheiterns einer Ehe müssen von beiden Partnern entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu gerechten Anteilen getragen werden. Dauerarmut durch überhöhten Unterhalt darf es nicht mehr geben.

Die Väter sind im Leben eines Kindes genauso wichtig wie die Mütter. Daher muss die Paritätische Doppelresidenz, das Wechselmodell, per Gesetz der Standard bei der Betreuung der Kinder getrennt lebender Eltern werden. Kein Elternteil darf aus dem Leben seines Kindes ausgegrenzt werden, sondern nur bei nachgewiesener Kindeswohlgefährdung. Das sogenannte Residenzmodell dient nicht dem Wohl des Kindes.

Das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht mit allen Teilsorgebereichen muss beiden Eltern automatisch zustehen, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht.

Artikel 6 Absatz 4 des Grundgesetzes, „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft“, muss durch „Jeder Elternteil (…)“ ersetzt werden, da die derzeitige Fassung in Widerspruch zum Gleichbehandlungsgrundsatz gemäß Art. 3 Abs. 3 steht.

8. Gleichberechtigung in der Elternschaft

Jeder Vater hat ein Informationsrecht über die Vaterschaft, die Mutter eine Informationspflicht. Frauen können eine Schwangerschaft regulieren, ggf. sogar abtreiben. Auch Männer müssen das Recht auf Ablehnung einer Kindschaft bekommen.

9. Gleichberechtigung statt Gleichmacherei

Mädchen und Jungen sind nicht gleich. Sie durchlaufen Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden in unterschiedlichen Schritten. Bei den Interessen und Neigungen, die sie dabei entwickeln, setzten Jungen im Durchschnitt die Schwerpunkte anders als Mädchen; die Fähigkeiten und Qualitäten, welche sie ausprägen müssen, um in ihren Altersgruppen anerkannt zu werden, sind ebenfalls bei Jungen und Mädchen unterschiedlich.

Echte Gleichberechtigung der Geschlechter bedeutet, in der Erziehung und Förderung der Kinder diesen Unterschieden Rechnung zu tragen anstatt sie zu negieren oder gar wegerziehen zu wollen. Bildungs- und Sozialpolitik müssen sich dabei ausschließlich an wissenschaftlichen Fakten orientieren und dürfen sich nicht von Genderideologie leiten lassen.

Die unterschiedlichen gesundheitlichen Risiken, denen Männer und Frauen respektive ausgesetzt sind, müssen eine entsprechende, auf wissenschaftlichen Fakten basierende Berücksichtigung in der Gesundheitspolitik und im Arbeitsschutz finden.

10. Gleichberechtigung beim Vatertag

Echte Gleichberechtigung spiegelt sich auch in Symbolen und Ritualen wider. Während in Deutschland am Muttertag die Mütter für ihre Bedeutung in ihren Familien geehrt werden, vermittelt der als „Vatertag“ bezeichnete kirchliche Feiertag Christi Himmelfahrt ein Negativbild von Vätern, die diesen Tag von ihren Familien abgesondert verbringen. Wir fordern die Einführung eines dem Muttertag gleichgestellten Vatertages, der, wie in über sechzig Ländern der Erde, an jedem dritten Sonntag im Juni gefeiert wird.

Ziel des Vereins ist auch die landes- und bundesweite Umsetzung des Antrags 16/7402 der FDP-Fraktion „Ganzheitliche und moderne Gleichstellungspolitik – Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen vorantreiben“. Darin wird die NRW-Landesregierung aufgefordert,

1. den eingeleiteten Perspektivwechsel in der Gleichstellungspolitik auf Bundesebene aktiv für eine chancengerechte Gesellschaft politisch mitzugestalten;
2. in die landesseitige Gleichstellungspolitik die Jungen- und Männerpolitik auf allen Ebenen fest zu verankern, so dass der Boden für eine Vielfalt männlicher Rollen und Lebensentwürfe geschaffen wird;
3. die Umgestaltung von Karrieremustern von Jungen und Männern sowie gleichermaßen von Mädchen und Frauen, die Männerforschung und die Männerarbeit (Beratung, Bildung, Begegnung von Männern) zu unterstützen und zu fördern;
4. zu überprüfen, ob in die Entwicklung des „Landesaktionsplanes zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen NRW“ auch Präventionsangebote für gewaltbetroffene Männern einbezogen werden können;
5. sich dafür stark zu machen, dass künftig ein möglichst ausgewogenes Geschlechterverhältnis der Lehrkräfte in der Bildungskette vertreten ist;
6. das Präventionskonzept des Landes durch eine Landesinitiative zur Förderung der Gesundheit von Männern zu erweitern.
Quelle: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-7402.pdf

In der Begründung wird ausgeführt: „Seit nunmehr 15 Jahren wird am 19. November der internationale Männertag in weit mehr als 60 Ländern begangen. Der „International Men’s Day“, kurz IMD, steht dafür ein, die Gleichberechtigung zu stärken, männliche Vorbilder hervorzuheben, ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis von Frauen und Männern und die Gesundheit von Männern zu fördern.

In den letzten Jahren sind die Geschlechterrollen immer mehr in Bewegung geraten. Der Rollenwandel der Frauen steht dabei in einem engen Zusammenhang mit dem der Männer. Neue männliche Lebensentwürfe müssen von Gesellschaft und Wirtschaft anerkannt werden.
Hierfür bedarf es Lösungen, die gesamtgesellschaftlich getragen werden müssen. Im Zuge dessen ist der Blickwinkel innerhalb der Geschlechterpolitik folgerichtig auf Jungen und Männer mit einer eigenständigen Jungen- und Männerpolitik seit der letzten Legislaturperiode
auf Bundesebene unter FDP- und CDU/CSU-Regierungsverantwortung ausgedehnt worden. Ziel war es, gesellschaftliche Akzeptanz für die vielfältigen Rollen- und Lebensentwürfe für Jungen und Männer zu schaffen.

Das Handeln der nordrhein-westfälischen Landesregierung wird hingegen durch eine Denkweise bestimmt, die Gleichstellung überwiegend mit Frauenpolitik gleichsetzt. Diese Einseitigkeit ist nicht mehr zeitgemäß und sogar kontraproduktiv. So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung
eines Mannes laut dem Männerbericht aus dem Jahr 2010 fünfeinhalb Jahre unter der von Frauen, wovon ein Jahr genetisch bedingt ist. Die restlichen Jahre lassen sich auf die ungesündere Lebensweise, größere berufliche Belastungsfaktoren, eine insgesamt größere Risikobereitschaft und ein geringes Interesse an präventiven Maßnahmen zurückführen.

Nur 20 Prozent der Männer nehmen an Präventionskursen gegen Bewegungsmangel, Ernährungsgewohnheiten und Stressbewältigung teil. Im Wirtschafts- und Arbeitsbereich werden 75 Prozent aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle Männern zugeordnet. Im Schul- und Bildungsbereich zählen Jungen im Geschlechtervergleich tendenziell eher zu den Bildungsverlierern, sie werden häufiger als Mädchen von Lehrkräften als verhaltensauffällig eingestuft und erreichen überproportional keinen Schulabschluss. Darüber hinaus kann auch die fortschreitende Feminisierung des Personals in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen kontraproduktiv wirken. Kinder und Jugendliche brauchen auch Männer als Vorbilder. Es wird gerade in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen oftmals die Chance verpasst, die Männlichkeit mit der Fürsorgepflicht zu verbinden.

Viele (junge) Männer sind auf der Suche nach Perspektiven jenseits der klassischen Lebensentwürfe. Der vollziehende Transformationsprozess geht vielfach mit einer großen Verunsicherung im Selbstwertgefühl und in der Anerkennung sowie mit einer seelischen Belastung und oftmals auch mit Frustration einher. Die Folgen davon können eine höhere Arbeitslosigkeit, höhere Kriminalitätsaktivität, höhere Gewaltneigung oder eine höhere Suizidrate sein. Bei der Ausübung von Gewalt handelt es sich um eine Form der Abspaltung von Selbstwert- und Anerkennungsstörungen. Auch seelische Erkrankungen und Depressionen sind häufige Folgen des Wandlungsprozesses. Die Stiftung Männergesundheit bezeichnet als Folgestufe einer nicht erkannten Depression von Männern den Freitod. Der Männerbericht 2013 der Stiftung Männergesundheit in Zusammenarbeit mit der DKV stellt zudem fest, dass rund drei Viertel aller Suizidtoten in Deutschland Männer sind. Dabei verteilt sich das hohe Suizidrisiko auf alle Altersgruppen und verzeichnet in der Zeit von 2009 bis 2011 sogar einen Anstieg der Suizidrate von neun Prozent.

Es bedarf dringend eines politischen Korrektivs, um das stereotypische Rollenbild in der Gesellschaft zu verändern. Männerpolitische Anliegen sind kein bloßer Appendix von Frauenförderung. Chancengerechtigkeit können die Geschlechter nur gleichzeitig und gemeinsam erreichen. Männerpolitik muss sich zunächst damit befassen, die einengende Rollenzuschreibung loszuwerden, damit das Tor für individuell frei gewählte Lebensrollen stolperfrei offen stehen kann.

Eine moderne Gleichstellungspolitik muss deshalb gezielt die Unterschiede in den Lebensverläufen sowohl von Frauen wie auch von Männern bzw. von Jungen und Mädchen berücksichtigen und somit ganzheitlich ansetzen. Hierzu zählt auch eine geschlechtergerechte Erziehung, die Entwicklung positiver männlicher Identitäten, die Eröffnung der Möglichkeit für eine Weiterentwicklung männlicher Rollenbilder, Gewaltprävention an und von Jungen und Männern, die Förderung von Männergesundheit und die verstärkte Unterstützung des väterlichen Engagements in der Kindererziehung und Familienarbeit.

Geschlechtergerechtigkeit zwischen Frauen und Männern darf nicht als Verteilungskampf verstanden werden. Ergebnisgleichheit z.B. durch eine fixierte Frauenquote in Führungspositionen auf dem Arbeitsmarkt führen in eine Sackgasse. Eine moderne Gleichstellungspolitik kann nicht auf ausgleichender Ungerechtigkeit fußen. Vielmehr bedeutet eine moderne und zukunftsfähige Gleichstellungspolitik die Ermöglichung frei gelebter Individualität bei Frauen und Männern, also die Herbeiführung einer Chancengerechtigkeit, die es Frauen und Männern gleichermaßen erlaubt, so zu leben, wie sie selbst es nach ihren eigenen Vorstellungen wollen.

Aufgabe einer zukunftsweisenden Gleichstellungspolitik muss zunächst die analytische Aufdeckung klassischer vorausgesetzter Geschlechterbilder und im Anschluss die Entwicklung von Gegenstrategien sein, damit künftig Benachteiligungen von Geschlechtern im Keim erstickt werden. Eine solche Politik muss auf einer grundlegenden Prüfung der Lebenslagen von Jungen und Männern sowie gleichermaßen von Mädchen und Frauen basieren. Hierbei ist eine Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft ratsam, so dass Probleme nicht nur beschrieben und erklärt, sondern auch Handlungsempfehlungen für Veränderungen entwickelt werden.“

Wer an einer Mitgliedschaft bei den Liberalen Männern e.V. Interesse hat, kann sich gerne an den Veranstalter des Genderkongress.de wenden.

Frank Mehding
Genderkongress.org

Anmerkung von Graublau: Mit dem „Männerbericht“ ist anscheinend jeweils der „Männergesundheitsbericht“ gemeint.

Aktualisierungen:

  1. Kurzprogramm der Bundesvereinigung Liberaler Männer e.V. i.G. (bei Alles Evolution, vom Facebook-Seite der Liberalen Männer)
  2. Liberale Männer e.V. bei Facebook
  3. Liberale Männer e.V. bei Twitter
  4. www.liberale-maenner.org (Artikel „Warum„)

Der Sinn der Vorstellung und Diskussion eines solchen Programms zeigt sich bereits: Die liberalen Männer haben auf Argumente hier in den Blog-Kommentaren reagiert und auch im Forum der Piratenpartei guckt man auf das Programm. So funktioniert gesunde Konkurrenz.

So schnell kann’s gehen: Nach nur einem Tag werden Programm und Blogartikel auf Youtube behandelt:

MaMMoNMaGaZiN: Was will der „LIBERALE MÄNNER e.V.? | Das Gründungsdokument

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Fundstück: „Mehr Vater wagen“

Das Grußwort zum Zweiten Deutschen Gender-Kongress, auf den ich bereits hingewiesen hatte, hat es in sich:

Ein halbes Jahrhundert nach Willy Brandts legendärer Aufforderung an uns alle, „mehr Demokratie zu wagen“, würde er uns heute vermutlich dazu auffordern, „mehr Vater“ zu wagen. Gerade mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl und die fortschreitende Männerdiskriminierung. Wer sich nur in den Echokammern seines immer gleichen Meinungsumfeldes aufhält, wird niemals das genießen, was unsere Demokratie ausmacht: „Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit“.

Na, das ist doch mal ein knackiger Spruch: Mehr Vater wagen.

Das drückt in wenigen Worten aus, was wirklich anliegt. Genügend Männer wären bereit, Verantwortung zu übernehmen – der Staat macht es ihnen nur unnötig schwer bis unmöglich, das auch zu tun. Vater Staat ist ein schlechter Ersatzvater.

Hier wird genannt, was Lutz Bierend bei fatherleft und als Superlutz immer wieder angeführt hat. Auch Lucas Schoppe hat es ständig auf der Tagesordnung.

Es passt zur FDP, die das Wechselmodell als Standard fordert. Es spricht aber auch SPD-ler alter Schule an, die sich wehmütig daran erinner, für was ihre Partei mal unter Willy Brandt stand.

Und ganz nebenbei wird auch noch angesprochen, wo wir wirklich mehr „Diversity“ benötigen: Bei den Meinungen! Das ist immer noch das beste Rezept gegen eine postfaktische Gesellschaft.

Also, das wäre auch etwas zum Hingucken für Manuela Schwesig. Wenn sie denn wollte.

Das Grußwort steht derzeit bei www.genderkongress.org und vaeter-netzwerk.de. Dauerhaft wird es bei Genderama nachzulesen sein.

Aktualisierung: Lucas Schoppe zum selben Thema.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um Väter geht, die (wieder) am Leben ihrer Kinder teilhaben…

John Williams: Father and Son Reunited

Warum ich auf den 2. Deutschen Genderkongress hinweise

Kurz und knapp: 2. Deutscher Genderkongress, 13.05.2017, Nürnberg. Die Tagesordnung inklusive den Namen der Referenten erschien vor wenigen Tagen bei Genderama. Auch Alles Evolution hatte auf den Kongress hingewiesen.

Aktualisierung:: Alleine dafür, dass abends der Film „The Red Pill“ gezeigt wird, lohnt sich schon die Teilnahme. Wie konnte ich das nur vergessen zu erwähnen!

Ich ärgere mich schwarz, dass ich an dem Wochenende schon anderweitig verpflichtet bin. Warum ich dennoch einmal gesondert auf den Kongress hinweisen möchte:

Alle halbe Jahre kommt eine Diskussion im Sinne von „Was tun?“ auf. Das Programm dieses Kongress liest sich wie eine Antwort auf „Die Aktiven vs. die Blogger“, denn dort erscheinen eine ganze Reihe Leute, die einerseits aktiv sind und die andererseits bloggen.

Ich finde es geschickt, den Begriff „Gender“ durch so eine Veranstaltung zu kapern. Außerdem ist das ein hervorragender Beitrag für die Aktion „eine Brille für Schwesig„, denn hier wird ein bunter Strauß an Themen angeboten, die Jungen, Männer und Väter betreffen. Die Brille könnte in diesem Fall sogar von einer SPD-Politikern selbst überbracht werden, die im Programm aufgelistet wird – falls sie nicht vorher wieder absagt.

Jetzt zeigen sich auch die Vorteile davon, all die Hetze und Behinderungen aus der Vergangenheit überstanden zu haben: Was soll jetzt noch kommen? Insofern haut Arne Hoffmanns mit seinem Kommentar unter dem Programm genau in die richtige Kerbe.

Aktualisierung: Auch Emannzer empfiehlt die Teilnahme.

Meta

Wer dieses Blog regelmäßig liest, der weiß, dass seit einigen Monaten keine Pingbacks mehr verschickt werden. Eigen-Pings und Pingbacks von anderen Blogs sind hingegen kein Problem. Eine Anfrage beim WordPress-Support wurde sofort scheinbar ausgeblendet oder vom Administrator geschlossen. Allerdings ergab sich ein Hinweis darauf, dass Akismet irrtümlich zu stark filtert. Das würde bewirken, dass es zu Schwierigkeiten kommt – auch beim Kommentieren in anderen Blogs. Ich habe eine Anfrage an Akismet gestellt; mal sehen, was sich ergibt. Vielleicht haben andere Leute ja dasselbe Problem und nun eine Ahnung, was der Hintergrund sein könnte. So geht’s:

Solange du das Fehlverhalten beim Akismet Support nicht anzeigst, wirst du immer wieder Probleme beim Kommentieren auf WordPress Blogs oder hier im Forum haben. Die Prozedur dazu ist relativ einfach:

Akismet Kontaktformular aufrufen
Den Text „All of my comments are being marked as spam“ eingeben
Die Option I think Akismet is catching my comments by mistake anklicken
Die Formularfelder ausfüllen und fertig 🙂

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? J.B.O. kommen aus Erlangen, das ist ja quasi um die Ecke…

J.B.O.: Ein guter Tag zum Sterben

Kurznachrichten vom 25.01.2016

1: Der neueste feministische Shitstorm ergießt sich im Moment in Großbritannien über die Oxford Dictionaries, die sich erdreistet haben, als Beispiel für die Verwendung des Wortes „rabid“ ausgerechnet „rabid feminist“ zu verwenden. „rabid“ bedeutet laut leo.org in etwa wild, fanatisch oder tollwütig. Vielleicht war der Grund für den Shitstorm ja auch, dass Oxford Dictionaries auf die Beschwerde zuerst in etwa so verständnisvoll reagierte wie seinerzeit TrueFruits.

https://twitter.com/OmanReagan/status/690020733351784448

Der Vorgang wird auf der feministisch angehauchten Plattform Gadgette mit zwei Artikeln kommentiert und auch zum Anlass genommen, nach weiteren Beispielen von Sexismus in Wörterbüchern zu fahnden.

Wie war nochmal diese beliebte feministische Argumentationsfigur? Die Tatsache, dass es soviel Widerstand gegen eine Aussage gibt, beweist nur deren Richtigkeit?

2: Auch wenn Nicht-Feminist und Genderama schon darüber berichtet haben, muss ich dennoch auch auf den Bericht des Schweizer Bloggers Karl Müller hinweisen, der sich auf eine Gender-Tagung in Basel eingeschlichen hat, wo man offensichtlich glaubte, man wäre unter sich. Dementsprechend wenig nahm man ein Blatt vor den Mund:

Die Professorin zeigte sich aber als Verfechterin gesetzlichen Zwangs. Sie baute ihr Argumentationsmodell anhand der Massnahmen auf, wie denn die feministische Gleichstellung erreicht werden könne. Beispielsweise war nicht nur bei ihr die Rede von Policy, von Steuerungsregime bis hin zu Geschlechterregime. Der Begriff Regime wurde beinahe inflationär verwendet. Konkret meinte sie damit, dass freiwillige Massnahmen für Privatfirmen zur Frauenförderung wichtig seien, noch wichtiger seien aber soft laws und hard laws. Soft Laws sind Gesetze, die aber nicht direkt sanktionierbar seien. Hard Laws sind Gesetze, die harte Sanktionen zur Folge haben. Offensichtlich war sie begeisterte Anhängerin der Hard Laws, was sich am Beispiel Frankreich zeigte. Dort drohten Gefängnisstrafen für Unternehmer/Verantwortliche, die die Geschlechtervorgaben nicht erreichten (Begeisterungsstürme im Saal…).

Fazit des Bloggers:

Die Vehemenz des Zwangs, die nach wie vor unglaubliche Einseitigkeit verbunden mit Männerfeindlichkeit respektive der Feindlichtkeit gegenüber dem Männlichen, sowie die geplante Instrumentalisierung der Männer zum Zweck des feministischen Gender Equality Umerziehungsprogramms, machen mir Sorgen. Nicht weil die Argumente derart gut wären, das sind sie definitiv nicht, sondern weil diese totalitäre Ideologie heute an den Schaltstellen der Macht sitzt. Bei der UNO, Europarat sowie den meisten Regierungen. Der expansive Charakter verstärkt diese Befürchtungen, da diese Szene international perfekt vernetzt ist und diese Bestrebungen noch weiter intensivieren will. […] Auch wurden Prämissen vorgetragen, die als grundsätzliche Dogmatik dieser Szene unfehlbar zu sein scheinen. Es gibt keine Motivation, andersartige Muster und Modelle über die eigene Dogmatik hinausgehend und ergebnisoffen zu untersuchen. Im Gegenteil wird der Deckel des Schweigens darüber gelegt und Kritiker sollen offensichtlich mittels „Shaming and Blaming“ zerstört werden. Der nächste Schritt des geforderten Hard Laws, soll auch die letzten Kritiker international endgültig zum Schweigen bringen. Mit Staatsgewalt. Denn das moralische und das juristische Recht ist auf ihrer Seite.

Wer noch glaubt, Gender hätte nur irgendwie was mit Gleichberechtigung zu tun, kann angesichts dessen nur als gnadenlos naiv bezeichnet werden. Oder verlogen. Gender ist nicht mehr und nicht weniger als ein Programm, weibliches (und homosexuelles) Verhalten als das Normale zu propagieren, und männliches Verhalten per se als das Abweichende und als schädlich zu diffamieren.

3: „jung, männlich, südländisch“ [ist] für viele zu allererst ein Täterprofil, sagt der Spiegel und stellt dar, wie der Generalverdacht auf junge Migranten fällt, natürlich auch auf diejenigen, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen.

Gerade südländisch wirkenden Migranten macht die veränderte Stimmung auf der Straße Sorge, sie fühlen sich für die Übergriffe am Bahnhof in Sippenhaftung genommen. „Ich will hier nur arbeiten“, sagt Sarghini, 36, aus Marokko. „Wenn einer Probleme macht, wenn er keinen Respekt hat und das Gesetz bricht, dann muss man ihn eben zurückschicken!“ Man hört das oft von Flüchtlingen, die meisten sehen das so.

Am Genfer Flughafen hat man ja auch schon männliche Muslime ohne Begründung „aus Sicherheitsgründen“ entlassen.

Ließ sich wohl nicht verhindern, dass es kippt in Richtung Generalverdacht. Oder vielleicht doch? Die Fehler sind allerdings schon vor langer Zeit begangen worden, und zwar, indem zu lange eine bestimmte Bevölkerungsgruppe per se als moralisch höherwertig und sakrosant betrachtet wird. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass genau in den Gruppen, die von der Gesellschaft als besonders gut, edel, moralisch höherwertig und unantastbar angesehen werden, das Unrechtsbewusstsein im Lauf der Zeit schwindet, während die Neigung zu Missbrauch des Status und zu Verbrechen steigt. Man kann sich da sehr lange sicher sein, denn der besondere Vertrauensbonus verleitet die Gesellschaft dazu wegzuschauen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber irgendwann, wenn es zuviel wird, und man nicht mehr wegschauen kann, kippt die Stimmung, und nur allzugerne werden diejenigen, die bisher auf jedes Wohlwollen hoffen konnten, plötzlich in Bausch und Bogen verdammt.

Beste Beispiele dafür sind die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, aber auch alternativen Pädagogikanstalten wie der Odenwaldschule, das jahrelange Wegschauen der Behörden in Rotherham, die Verbrechen der kommunistischen Nomenklatura. Von den Nazis und Faschisten aller Couleur will ich erst gar nicht anfangen. Und wie oft gab es in den vergangenen Jahren schon Berichte, dass sich junge Migranten über Polizei und Justiz bei uns lustig machen, weil ihnen außer vielleicht mal ein paar Sozialstunden nichts passiert? Warum wundert sich eigentlich irgendwer, dass in einem solchen Klima der Übermut gedeiht?

So, und jetzt überlegen wir mal scharf, welche Bevölkerungsgruppe noch außer den Migranten seit Jahrzehnten als die moralisch überlegene und unantastbare in unserer Gesellschaft gilt und die sich deswegen Dinge herausnehmen darf, die der entsprechenden Komplementärgruppe nicht erlaubt sind… Kleiner Tipp: Wir sind quasi wieder zurück bei Punkt zwei dieses Artikels angelangt.