Warum ich noch immer keinen Männerstreik am Horizont sehe

Vorab: Der Autor des Blogs Männerstreik hat eine andere Vorstellung von einem Streik der Männer als ich. Daher empfehle ich ausdrücklich, dessen Blog zu lesen, um zu erfahren, was andere unter diesem Stichwort verstehen. Ich gehe nicht davon aus, dass ich eine Mehrheitenmeinung vertrete, sondern erläutere nur meinen eigenen Standpunkt.

Ich spiele heute eine Runde „Wir hinterfragen Genderama-Meldungen“. Christian von „Alles Evolution“ hat es bereits vorgemacht, bei ihm ging es um die angeblich fast 50% jungen Männer, die über ungewollten Sex berichten. Mir war Ende März eine andere Meldung aufgefallen, die ich zunächst als Fundstück erwähnen wollte; dann habe ich mich jedoch dagegen entschieden und lieber abgewartet, bis ich wieder an der Reihe mit einem Artikel war.

Quellen

Zunächst erwähne ich die Quellen. Das ist ein Gebot der Redlichkeit. Es war mir überhaupt nur möglich, ansatzweise zu recherchieren, weil jeder Autor korrekt seine Quellen genannt hat. Egal, ob ich den Meinungen dieser Quellen zustimme oder nicht, es ist sehr wichtig, sie anzugeben.

1. Genderama: Kein Schwein ruft sie an

Dort erwähnt:
2. Stadtmensch-Chronicles: »Danke, Feminismus!«

Dort werden sowohl ein Youtube-Video als auch ein Artikel erwähnt, wobei in der Beschreibung des Videos auf den Artikel verwiesen wird:

3. Sandman: Canadian Beavers – MGTOW

4. Rejecting Modern Women: The Marriage Strike Hitting Women Hard, Why Men Arent Dating Women

Die Ausgangslage

Ich hatte mich in einem meiner ersten Artikel in diesem Blog kritisch mit dem Begriff „Männerstreik“ auseinandergesetzt: „Warum ich keinen Männerstreik brauche – aber mehr als nur ein Jahr des Mannes“.

In dem Abschnitt „Warum ein Männerstreik nicht funktionieren könnte“ habe ich ausgeführt, dass ein bewusstes Ablehnen von Ehe und Partnerschaft nicht funktionieren kann, weil es zu viele Männer gibt, die sich diese Dinge wünschen. Für diese Männer würde es sich lohnen, dem Streikaufruf nicht zu folgen.

Bei Genderama erschien hingegen mit dem Hinweis auf „die aktuellen Verschiebungen im Verhältnis der Geschlechter“ ein Text, der das Gegenteil andeutete. Anscheinend würden wirklich die bindungs- und heiratswilligen Männer knapp. Bei einer Singleparty sei das Verhältnis Frauen:Männer 150:3; eine konkrete sehr attraktive Frau gehe leer aus, nachdem sie zehn Männern ihre Telefonnummer gegeben habe.

Klar, mein erster Impuls war: Wo gibt es diese Probleme? Da ziehe ich hin! 🙂

Aber natürlich musste ich mich mit diesem Beitrag näher befassen, denn er widersprach mir fundamental. Sollte ich mich geirrt haben? Dann wäre Abbitte fällig! Und ich hätte etwas sehr wichtiges gelernt, das mein Weltbild veändert hätte… allein es blieh der persönliche Eindruck, dass in meiner eigenen Umgebung nichts von dieser angeblichen Veränderung zu spüren ist.

Was wirklich passiert ist

Genderama zitierte die Stadtmensch-Chronicles, wo wiederum einzelne Stücke aus einem Youtube-Video, einem Blogartikel und Kommentaren zum Artikel erwähnt werden. Es geht in dem Stadtmensch-Chronicles-Artikel jedoch nicht darum, den Männerstreik bezüglich Bindungsverweigerung zu belegen. Das ist wichtig, denn sonst könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, ich würde Stadtmensch-Chronicles vorwerfen, Tatsachen zu verdrehen. Was zitiert wurde, findet sich auch so in den Quellen und ist in der Form der Verarbeitung nicht zu beanstanden. Gefährlich ist es jedoch, den Stadtmensch-Chronicles-Artikel wiederum weiterzuverwenden unter dem Motto „guckt mal, wie sich der Partnermarkt generell verändert“, denn das gibt er nicht her. Es wirkt auf mich wie das Stille-Post-Prinzip, bei dem über mehrere Stationen nur ein Teil der Nachricht weitergegeben wird und am Ende etwas herauskommt, was so im Original nie gesendet wurde.

Der ursprüngliche Artikel im Blog „Rejecting Modern Women“ ist schon ziemlich starker Tobak. Man findet dort völlig verquere Grundannahmen wie etwa, dass die meisten Frauen ihre Männer betrügen würden und dass Männer „die modernen Frauen“ ablehnen würden (siehe auch der Blogtitel).

Das alleine muss noch nichts bedeuten. Schließlich weiß ich, seit Serdar Somuncu aus „Mein Kampf“ vorgelesen hat, dass auch ein Werk von Adolf Hitler als Basis für einen lustigen Abend taugt.

Konkrete Beispiele fehlen jedoch in dem Artikel. Die beiden auf Genderama zitierten Fälle stammen denn auch ursprünglich aus dem Youtube-Video.

Der Autor „Sandman“ (ein Pseudonym! Dürfen dessen Beiträge überhaupt als Belege gegen mich verwendet werden? Schließlich bin ich angeblich unter Pseudonym doch ebenfalls nicht glaubwürdig genug! 😉 ) läßt sich seine Videos bezahlen. Insofern könnte ich „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ vermuten. Aber gehen wir genauer darauf ein, was er erzählt, und wie das mit dem Bild eines Männerstreiks zusammenpasst.

Beispiel 1: 150 Frauen kommen auf 3 Männer bei einer Singleveranstaltung. Das wird so tatsächlich im Original erwähnt. Allerdings sollte man auch die vielleicht nicht ganz nebensächliche Rahmenbedingung nennen: Es ging um Männer mit hohen 6-stelligen bis niedrigen 7-stelligen Einkommen in Kanadischen Dollars (CAD). Nehmen wir mal 1.000.000 CAD an, das wären aktuell ca. 657.000 EUR. (Natürlich war der Umrechnungskurs zum Zeitpunkt der E-Mail, aus der das Beispiel stammt, ein anderer, aber ich weiß von keinen stärkeren Währungsschwankungen und es geht nur um ein Näherungsbeispiel.)

Launisch formuliert: Kennen Sie das nicht auch? Sie verdienen als Mann über 600.000 Euro im Jahr und wollen nichts mit Frauen zu tun haben, was Richtung Ehe geht? Ein Massenphänomen! 😉

Ok, ernsthaft: Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass diese Ausgangsbedingung nicht auf die breite Masse der Männer (in Deutschland) zutrifft. Ansonsten frage ich mich, warum so oft auf das Risiko, nach der Scheidung an der Armutsgrenze zu leben, hingewiesen wird (und warum ich dieses Szenario durchaus für realistisch halte).

Das Beispiel kann nicht als genereller Beleg für einen Männerstreik herhalten, weil es sich nur „weit oben“ abspielt. (Wenn so eine eingeschränkte Betrachtungsweise gegen Männer verwendet wird, wird das zurecht kritisiert. Stichwort Apex Fallacy / Gipfel-Trugschluss. Also sollte auch bei anderen Standpunkten darauf geachtet werden, diesen Fehler nicht zu begehen.)

Beispiel 2: Die sehr attraktive Frau, bei der sich von zehn Männern keiner meldet. Auch dieses Beispiel wird in der Tat so im Original erwähnt. Auch hier gibt es ein klitzekleines Detail, das man eventuell doch erwähnen sollte. Die Frau ist 38 Jahre alt.

Wir erinnern uns: Aus einem Artikel bei Alles Evolution: „Wie man sieht, geht es ab 38 steil bergab für die Fruchtbarkeit und steil nach oben mit der Unfruchtbarkeit.“

Das heißt, als Partnerin, um eine Familie zu gründen, ist die Frau einfach schon sehr alt, zumal wenn man noch einen gewissen Ehe-Anbahnungszeitraum ansetzt. Der Mann in dem Beispiel ist bereits 48, hätte aber – ungerechte Biologie! – immer noch die Chance auf eine Familie, wenn er denn wollte.

Wenn die Frau ernsthaft, so wie ausdrücklich erwähnt, heiraten und ein Kind haben will, dann ist das etwas spät. Die Antwort, dass sie vielleicht „die falschen Männer jagt“, halte ich für einen guten Hinweis. Männer, die in ihrem Alter oder älter sind und gleiche Absichten haben, werden sich nach jüngeren Frauen umsehen. Das ist nicht gemein, sondern realistisch. Wenn sie mit 38 „megaheiß“ aussieht, stellt sich auch die Frage: Was hat sie gemacht, als sie 25 war? (Zu ihrer Verteidigung: Es gibt eine Zwickmühle, auf die ich nachher noch eingehen werde.)

Leider kommt bei diesem Beispiel das übliche Vokabular („Feminazis“) vor. Es folgt eine Verallgemeinerung: „Diese Frauen bekommen genau das, was sie verdient haben. Sie dürfen niemanden beschuldigen außer sich selbst.“ – Hat diese konkrete Frau die Gesetze gemacht oder eingefordert? Ist sie ein Feminazi?

Beispiel 3: Noch eine erfolglose Singleveranstaltung. Sie konnte erst beim zweiten Versuch stattfinden, weil sich beim ersten Mal zu wenige Männer anmeldeten. Der Veranstalter rief für den zweiten Versuch Freunde an, unter anderem einen, der in Afghanistan ein Bein verloren hatte (die Frauen waren nicht beeindruckt; sein Wert war gesunken) und einen Blinden.

Wenn es – durch einen Streik der Männer – einen echten Männermangel geben würde, hätten die beiden Behinderten gute Chancen gehabt, eine Frau abzubekommen. Denn wenn ansonsten niemand zu haben ist, muss man sich mit dem begnügen, was geht. Offensichtlich geschieht das aber nicht, so dass es keinen ernsthaften Männermangel geben kann.

Dann wird noch erwähnt, dass Männer angeblich nicht bereit sind, bei Singleportalen zu bezahlen, um Frauen zu kontaktieren. Ist das tatsächlich so? Wird denn nicht sonst geschrieben, dass es Frauen dort soviel leichter hätten und in einer Flut von Nachrichten untergingen? Was ist denn nun richtig?

Beispiel 4: Ein Mann Mitte 40 hat Probleme, Frauen Anfang 30 zu treffen, die (finanziell) irgendetwas mit in die Ehe bringen würden. Er arbeitet im Finanzsektor (aha!) und musste für das Geld, das er hat, viele Opfer bringen (etwa z.B. Freizeit, um Frauen kennenzulernen?).

Als Ausweg wird vorgeschlagen, dass Frauen 500.000 CAD auf dem Konto haben und versprechen, nach der Geburt der Kinder wieder zu arbeiten und/oder dass der Unterhalt per Gesetz auf 50:50 festgelegt wird.

Und hier kommt die in Beispiel 2 angekündigte Zwickmühle: Gehen wir einmal davon aus, dass die Frauen fair spielen wollen und für die gutbezahlten Jobs genauso geeignet sind wie Männer. Also machen sie dasselbe und sind, wenn sie die 500.000 CAD zusammen haben, Anfang 40. Sie haben das Opfer gebracht, darauf zu verzichten, vorher so etwas wie ein Privatleben zu haben, und sind nun weit jenseits ihrer (biologisch) fruchtbarsten Jahre. Es hilft ihnen auch nichts, einen Mann Anfang 30 kennenzulernen. Also entweder auf gleicher Höhe spielen wie die hier erwähnten Männer oder Kinder haben – beides geht nicht! Daher hat es auch keinen Sinn, zum Beenden eines „Ehestreiks“ zu fordern, dass Frauen sich so verhalten wie Karrieremänner, damit die Männer keine finanziellen Einbußen befürchten müssen – außer, man schließt bei einer Ehe Kinder von Anfang an aus.

Damit ist das gesamte Bild, das in diesem Video entworfen wird, nicht haltbar. Solche Männer können keine Frauen finden, die durch eigene Hände Arbeit das gleiche Einkommen haben und noch jung und knackig sind. Der einzige Ausweg, der mir einfällt, wenn es um „gleiche Finanzen“ geht, wären reiche Erbinnen.

Beispiel 5: Der arme Frauenversteher (oder doch nicht?). Es geht schon gut los mit „Man kann Frauen entweder verstehen oder lieben“ – Super Spruch, damit macht man sich bestimmt viele Freunde! Es geht um einen Mann, der „die rote Pille nicht nehmen möchte“ und nach wie vor mit Frauen ausgeht. Und Hoffnung hat, dass es eine gute Frau für ihn gibt. (Dieser naive Narr! Offensichtlich in der Matrix gefangen!)

Er ist 35 Jahre alt, hat 400.000 CAD Ersparnisse, keine Schulden und führt einen bescheidenen Lebenswandel. (Kurze Gegenfrage: Wie viele Männer in Deutschland haben in diesem Alter etwa 263.000 EUR Ersparnisse? Klingt für mich nach einem Problem breiter Bevölkerungsschichten!) In Toronto fehlen Frauen mit ähnlichem Hintergrund; sie haben etwa 10-20.000 CAD an Ersparnissen, aber zigtausend CAD Schulden durch Kreditkarte und Studiengebühren nach 10 Jahren Berufserfahrung; also etwa 10-30.000 CAD insgesamt (Schulden? Guthaben?).

Frauen sind nicht an ihm interessiert. Allerdings möchte er „für sein Aussehen und seine Persönlichkeit geliebt“ werden… Vielleicht strahlt er nicht genügend finanzielle Sicherheit aus? Es wird nicht erwähnt, ob er sich zum Beispiel gut kleidet. Ein Flirtexperte würde ihm vielleicht dabei zustimmen, mit seinem Wohlstand nicht zu protzen, allerdings durchaus einwenden, dass er geordnete Finanzen und nicht etwa zu starke Sparsamkeit signalisieren sollte.

Geld soll für ihn eine oberflächliche Sache sein… warum hat er dann soviel davon? Er foltert Frauen, indem er ihnen (später) zeigt, wieviel Geld er hat und zerstört ihr Selbstbewusstsein, indem er ihnen zeigt, dass sie nicht gut genug für ihn sind… ist er jetzt doch Täter und nicht armer Narr, der die Realität nicht erkennen will? Vor allem ist es doch überflüssig, sich mit solchen Frauen abzugeben, die offensichtlich kein Interesse an einem haben.

Er beschämt sie dafür, dass sie wenig Geld haben, unter anderem weil sie durch die Welt gereist sind, gut essen gewesen und ein neues Auto gekauft haben. Sachen machen, die einem Spaß machen, klingt jedoch verdächtig nach dem Programm von „Men Going Their Own Way“ (MGTOW), das Sandman vertritt (siehe etwa den Titel des Videos). Ist es etwa plötzlich falsch, wenn Frauen dasselbe machen? Bzw. eigentlich wäre es dann doch ein Fehler der Männer, das nicht ebenso in frühen Jahren zu tun und dann finanziell auf demselben Niveau zu landen, anstatt dass am Ende der Mann „zu reich“ und die Frau „zu arm“ ist. Es wäre auch kein Horrorszenario, so wie es in dem Video angedeutet wird, dass sich die Frauen „mit einem armen Typen abgeben“ müssen. Vielleicht wäre das ja jemand, der einen ähnlichen Lebensstil hat und zu ihnen passt?

Als letztes wird die kanadische Immobilienblase ins Feld geführt. Ein ordentliches Haus sei nicht mehr zu bezahlen. 2003 habe eines 250.000 CAD gekostet, zehn Jahre später 750.000 CAD. Das sei von einem Mann mit einem Jahreseinkommen von 50-100.000 CAD nicht zu bezahlen. (Allerdings verdienen die Männer aus Beispiel 1 das Zehnfache… da würde die Argumentation also nicht mehr passen.) Ein Haus wäre also nur drin, wenn auch die Frau arbeiten ginge. Nun ist die Rede von einem Immobilienkartell, welches angeblich möchte, dass Leute heiraten und große Häuser kaufen. Ist das nicht unlogisch? Wäre es nicht praktischer, auf die Single-Männer abzuzielen, die die Kohle haben? Jetzt kauft ja angeblich niemand… was überhaupt nicht zur Blase passt.

Fazit

Nichts aus dem Video und den Artikeln deutet auf einen Männerstreik hin, der dazu führt, dass Frauen massenweise alleine bleiben, obwohl sie attraktiv als Ehefrau und Mutter wären. Für mich war es dennoch wichtig, diese Geschichte einmal genauer zu untersuchen.

Es lohnt sich, auch ein großes Blog wie Genderama, das viele interessante Meldungen bringt, ab und zu zu hinterfragen. Das mindert keineswegs die Qualität des Blogs.

Frei nach LoMi: Ich möchte lieber mit der gesunden Portion Restzweifel leben, dass ich mich irre, um Erfahrungen machen zu können, die meinem bisherigen Weltbild widersprechen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es hier so oft ums Geld ging, ein passendes Lied dazu.

Depeche Mode: Everything Counts

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28 Antworten zu Warum ich noch immer keinen Männerstreik am Horizont sehe

  1. maennerstreik schreibt:

    Na, wieder ein bisschen Keyword-Hascherei, weil keiner nach eurem sonstigen Brei sucht? Doh! 😀

  2. Guter Artikel, ein hinterfragen solcher Meldungen finde ich immer wichtig, damit man noch eine gewisse Selbstkontrolle hat

  3. LoMi schreibt:

    Super! Ich mache mir oft genug nicht diese Mühe des Nachschauens bei solchen Meldungen. Umso verdienstvoller, wenn Du das machst.

    Zum Streik kann ich jetzt nur mal folgendes einbringen:
    Es ist Jahre her, dass eine mir bekannte Genderforscherin ein Buch darüber geschrieben hat über den „Zeugungsstreik“. Sprich: der demografische Wandel dank der ausbleibenden Kinder verdankt sich – natürlich – den Männern. Aber der „Zeugungsstreik“ passt immerhin ein bisschen zu anderen „Streik“-Meldungen. Ob es stimmt, ist eine zweite Frage.

    Vielleicht eine Anmerkung zu Dating-Portalen. Dort wird logischerweise NICHT gestreikt, denn man meldet sich ja dort an, um zu daten. Was stimmt: Viele bezahlen nicht gerne. Zu recht, denn die Frage stellt sich, ob sich das überhaupt lohnt. Was aber auch stimmt: Die Frauen werden überhäuft mit Mails. Wie geht das? Das geht, wenn – sagen wir mal – 10 Prozent der angemeldeten Männer mit Massenmails arbeiten. Dann entsteht für Frauen schnell das Gefühl einer überwältigenden Nachfrage bzw. Belästigung. Das Beispiel stammt von man.in.the.middle (oder gar von Elmar?). Sprich: Das Verhalten einer Minderheit erzeugt den Eindruck, es würden alle Männer so agieren, verzerrt also das Bild.

    Aber wie gesagt, bei Datingportalen ist man nun einmal, um gerade nicht zu streiken 😉

    • Graublau schreibt:

      „Gebärstreik“, „Zeugungsstreik“ usw. ist genauso schwachsinnig. Letzten Endes wirkt es wie ein umgekehrter, schlecht geplanter Streik auf mich: Andere Leute verlangen von einer Gruppe, sich bitte so oder so zu verhalten, haben aber kein Mittel außer sozialem Druck, um ihre Forderungen durchzusetzen.

      Zu den Portalen: Das Bild von den einsam bleibenden Frauen (so wie ich das Video verstanden habe) passt auch dann nicht, wenn nur 10% der Männer schreiben. Die 38-jährige heiße Frau aus Beispiel 2 etwa würde sich doch freuen, wenn sich ein Mann bei ihr melden würde.

  4. toxicvanguard schreibt:

    Mit den hier beschriebenen Beiträgen habe ich mich nicht wirklich auseinandergesetzt, da mir die Ausgangslange zu absurd erschien (150:3).

    Sollte es tatsächlich eine Verschiebung bezüglich Heiratswilligkeit geben, dann vor allem zuerst in Amerika. Dort sink das Bildungsniveau und damit längerfristig das Einkommensniveau der Männer immer stärker ab. Mittlerweile sind nur noch 37% der eintretenden Collegebesucher männlich (Siehe http://www.avoiceformen.com/men/mens-issues/interview-with-miles-groth-they-wont-want-you-to-read/). Dafür gibt es natürlich viele verschiedene Ursachen, aber der Feminismus hat auch dort seine Schuldigkeit getan, vor allem bezüglich „mandatory Gender Courses“ bei denen es im Grunde nur darum geht, den Männern zu sagen, dass sie alles Vergewaltiger sind. Also ungefähr genau das, was sich Anne Wizorek und Konsorten unter Fortschritt verstehen.

    Dann wird es natürlich interessant werden; die Chancen dass sich viele der gutgebildeten Frauen dann mit einem Partner abgeben werden, der deutlich weniger verdient und nicht der gleichen sozialen Schicht angehört, halte ich für äusserst unwahrscheinlich. Über das Thema „Where have all the good Men gone“ wird in der USA bereits diskutiert, es gab dazu auch einige Bücher, auch aus nicht-feministischer Sicht. Möglich, dass einige dies als Männerstreik einordnen können – einen relativ unfreiwilligen, wenn ich das so anmerken darf. In Europa greift dieses Phänomen noch kaum, vermutlich weil es uns bis jetzt besser gelungen ist, die radikalen Strömungen des Feminismus zurückzudrängen. Ich finde es auf jeden Fall sehr spannend, die Entwicklung zu beobachten, auch wenn das Thema natürlich an sich gar nicht schön ist.

    MGToW selber hat sehr wenig mit streiken zu tun, da ein Streik ein zu erreichendes Ziel hat, die meisten MGToWler glauben aber kaum an eine Veränderung des politischen/sozialen Klimas in ihrer eigenen Lebenszeit. Ich denke, das ist eine sehr realistische Einschätzung.

    • Graublau schreibt:

      „MGToW selber hat sehr wenig mit streiken zu tun, da ein Streik ein zu erreichendes Ziel hat, die meisten MGToWler glauben aber kaum an eine Veränderung des politischen/sozialen Klimas in ihrer eigenen Lebenszeit.“

      Das ist auch aus meiner Sicht ein zentraler Unterscheidungspunkt. Streikende müssen ein gemeinsames Ziel haben; wer seinen eigenen Weg geht, macht sich hingegen unabhängig von anderen. MGTOW halte ich für ein sehr interessantes Signal.

      Ich selbst glaube nicht, dass ich ein radikal verstandenes MGTOW im Sinne von „nie das Bedürfnis nach einer Frau haben/zeigen“ durchhalten würde. Ich hatte das mal beim Vergleich von Pickup und MGTOW so formuliert:

      „Ich finde, dass beides gar nicht so unterschiedlich klingt. Beide Ansichten kann man verwenden, um sich selbst aus dem Anforderungssumpf zu ziehen. Nur dass die Richtung, in die es zuerst geht, unterschiedlich ist.

      Allerdings habe ich unter dem Stichwort Pickup auch gefunden, dass man doch zuerst mit sich selbst klarkommen sollte, sich selbst darüber klar werden sollte, was man will, ein interessantes Leben führen soll… da wäre doch jeder unter Fahne von MGTOW voll einverstanden.

      MGTOW habe ich allerdings immer auch so verstanden, dass es generell um den eigenen Weg geht, also nicht nur speziell Erwartungen der Frauen ausgeblendet werden, sondern der Gesellschaft allgemein.

      Weil heterosexuelle Männer sich meistens irgendwann doch nach Frauen sehnen, kann MGTOW auf lange Sicht Frauen nicht ignorieren. Deswegen wird “ein eigener Weg” immer auch darin bestehen, irgendwann auszuloten, was von den eigenen Fähigkeiten und Interessen auch eine Frau ansprechen könnte.

      Überspitzt formuliert: In der frühen Phase ist Pickup daher MGTOW, in der späten Phase wird MGTOW zu Pickup.

    • man.in.th.middle schreibt:

      „Verschiebung bezüglich Heiratswilligkeit geben, dann vor allem zuerst in Amerika …. die Chancen dass sich viele der gutgebildeten Frauen dann mit einem Partner abgeben werden, der deutlich weniger verdient und nicht der gleichen sozialen Schicht angehört, halte ich für äusserst unwahrscheinlich.“

      Ich kann mich dunkel an einen Artikel erinnern, den ich vor einigen Monaten gelesen habe (aber jetzt nicht mehr finde), wonach zum ersten Mal mehr Ehen geschlossen wurden, wo die Frau mehr verdient (~21%) als solche, wo der Mann mehr verdient (~20%).
      Dazu passend ist das reverse gender gap inzwischen ein fester Begriff.

      Diese Statistiken sind aber alle witzlos, sofern die verschiedenen sozialen Klassen in einen Topf geworfen werden, denn je nach sozialer Klasse sehen die Verhältnisse jeweils anders aus, s. z.B. dieser Artikel.
      http://www.theatlantic.com/business/archive/2014/02/how-to-save-marriage-in-america/283732/

  5. Adrian schreibt:

    Es gibt auch gar keine Grundlage für einen Männerstreik, weil sich für die Masse an Männern durch den Feminismus nichts wirklich bedeutsames hin zum Schlechten verändert hat.

    • toxicvanguard schreibt:

      Da wäre ich mir nicht so sicher; sollten sich die weiblichen Präferenzen bezüglich Partnerwahl nicht grundsätzlich verschieben und die Bildungsunterschiede weiterhin zunehmen, dürfte das schon einen Einfluss auf den Grossteil der Männer haben. Auch wenn sie unter Umständen eine Partnerin finden, stehen sie doch in einem anderen Verhältnis zu dieser und daraus könnten sich viele zusätzliche Probleme ergeben.

      • Adrian schreibt:

        Verschiedbung der Partnerwahl ist aber kein Streik. Ein Streik wäre ein willentlich durchgeführter (stiller) Protest gegen irgendwas – in dem Fall Frauen.

      • toxicvanguard schreibt:

        @ Adrian Deine Aussage war ja, dass sich für die Masse an Männern durch den Feminismus nichts wirklich bedeutsames hin zum Schlechten verändert hat. Darauf bezog ich mich; unabhängig davon, ob das eine „Streik“ provoziert oder nicht.

    • Michael Baleanu schreibt:

      „weil sich für die Masse an Männern durch den Feminismus nichts wirklich bedeutsames hin zum Schlechten verändert hat.“

      Dass über 90% der Alleinerziehenden Frauen sind und die meisten Väter nach Trennung und Scheidung ihre Kinder nicht mehr sehen, ist das nicht auch eine „Errungenschaft“ des Feminismus?

      Mal ganz davon zu schweigen, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur für Frauen im Fokus des gesellschaftlichen Diskurses steht und damit die Männer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie der Frauen mitfinanzieren müssen, die die Väter ihrer Kinder entsorgt haben. Männer haben nichts davon, ausser Nachteile.

      Vielleicht erinnern wir uns auch an die, in ADAC-Manier erstellten, Gewaltstatistiken, die den Mann als Gewalttäter stigmatisieren sollen. Ist das keine Veränderung zum Schlechten? Früher erinnerte mann sich, dass die Männer am 15. April 1912 den Frauen und Kindern beim Untergang der Titanic Platz gemacht hatten auf den Rettungsbooten. Das passt ja nicht so recht in das Bild des Gewalttäters. Ist diese Entwicklung vielleicht eine Veränderung zum Besseren?

  6. Novalis schreibt:

    Guter Artikel! Aber geht der Verfasser auch so gründlich Meldungen nach, die seine Einstellung zu bestimmten Sachen bestätigen?

    • Graublau schreibt:

      Eine sehr gute Frage! Der hier behandelte Fall fiel mir auf, weil er so krass meinen Beobachtungen widersprach. Eine Meldung, die eigentlich zu meinem Weltbild passt und die ich dennoch aus demselben Grund recherchieren würde, müsste mir zu dick aufgetragen sein. Christian hat es ja in dem erwähnten Artikel vorgemacht: Natürlich erleben auch Männer ungewollten Sex, aber in dieser Bandbreite klingt das übertrieben.

      Natürlich kann ich mir damit weltanschaulich eine „schleichende Vergiftung“ einfangen: Es kommen immer wieder Studien, die grob bestätigen, was ich denke, die aber unwissenschaftlich erstellt wurden bzw. statistisch nicht haltbar sind. Das habe ich schon oft erlebt bei anderen Themen: Kaum schaute ich genau hin, fiel alles in sich zusammen.

      Solche Artikel wie dieser sind im schlechtesten Fall ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es ist mir aber sehr wichtig, zu zeigen, dass die Werkzeuge der Argumentation allgemein gelten und nicht gegen eine bestimmte Gruppe gerichtet sind. Ein kritischer Verstand ist immer noch das beste Rezept gegen Manipulation.

  7. Michael Baleanu schreibt:

    Kein Männerstreik am Horizont?

    Nun, die Statistiken sagen was anderes.

    Da findet man die Information zum Männerstreik: http://www.kas.de/wf/doc/kas_7767-544-1-30.pdf?051227215045

    „Vor allem die Zahl junger Menschen unter 30 Jahren, die keine Kinder wollen, steigt deutlich. Zwar favorisieren immer noch über die Hälfte der Frauen und 40 Prozent der Männer eine Familie mit zwei Kindern, aber die zweitgrößte Gruppe danach sind bereits diejenigen, die keine Kinder haben wollen (14,6 Prozent der Frauen und 26,3 Prozent der Männer) (BiB 2005).
    Im Vergleich: 1992 waren es 9,9 Prozent der Frauen und 11,8 Prozent der Männer, die sich keine Kinder wünschten.“

    Deutlicher kann mann es wohl nicht rüberbringen: Von 1992 bis 2004 hat die Zahl der jungen Männer, die sich keine Kinder wünschen um mehr als 100% zugenommen.

    Hier noch weitere Zahlen von BIB
    http://www.bib-demografie.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschueren/keine_lust_auf_kinder_2012.pdf?__blob=publicationFile&v=17

    Siehe Tabelle 11:
    67% der Single-Männer wollen keine Kinder aber nur 26% der Single-Frauen.
    40% der bilokalen Männer wollen keine Kinder 27% der Frauen.
    29% der in nicht ehelichen Lebensgemeinschaften lebenden Männer wollen keine Kinder 20% der Frauen.
    9,6% der verheirateten Männer wollen keine Kinder 5% der Frauen

    Deutschland führt – zusammen mit Japan – die Kinderlosigkeit in der Welt: http://data.worldbank.org/indicator/SP.DYN.CBRT.IN?order=wbapi_data_value_2012+wbapi_data_value+wbapi_data_value-last&sort=asc

    Im Familienreport 2005 der Konrad-Adenauer-Stiftung wird klar herausgearbeitet, dass in Deutschland 30% der Bevölkerung kinderlos bleibt.

    Bei Genderamas Meldung „Kein Schwein ruft sie an“ (http://genderama.blogspot.de/2014/03/kein-schwein-ruft-sie-an.html) musste ich lachen, denn es bestätigte meine Beobachtung bei einer Faschingsparty: Die Gesichter einer Gruppe bildhübscher, und ebenso hübsch angezogener Hetero-Damen wurde umso länger, je länger der Abend wurde. Die vorhandene Gruppe Hetero-Männer zog es vor, sich mit der Bierflasche in der Hand zu unterhalten. Lediglich die Pärchen und die Schwulen- und Lesben-Gruppen hatten einen fröhlichen Abend.

    In meiner Jugend wäre so etwas undenkbar gewesen, die Mädchen wären keine 5 Minuten alleine geblieben. Traurig für diese Jugend heutzutage!

    • Graublau schreibt:

      Ich habe das im ersten Artikel bereits erwähnt: Wenn Männer einfach das tun, was sie wollen, ist es für mich kein Streik. Das Verhalten hängt auch stark von den Rahmenbedingungen ab (auch im ersten Artikel erwähnt, weil es ein wichtiger Punkt ist): Wie viele Leute unter 30 haben eine sichere Stelle und „ihren Platz im Leben“ gefunden? Wer setzt unter diesen Umständen Kinder in die Welt? Ich halte das für kein Drama, sondern ein ganz vernünftiges Verhalten. Ich hatte ebenfalls im Originalartikel erwähnt, dass die Leute heutzutage später das erste Kind bekommen. Damit wäre „unter 30“ eben der Radar, auf dem sie nicht erscheinen.

      Ich würde auch umgekehrt Frauen keinen „Gebärstreik“ unterstellen, wie es ja ebenfalls seit Jahren beklagt wird. Liebe Leute, wenn ihr mehr Ehen und Kinder wollt, dann gebt jungen Menschen bessere berufliche Aussichten und finanzielle Sicherheit. Wenn die Wirtschaft das wichtigste ist und Flexibilität die oberste Bürgerpflicht, dann kommen am Ende eben Kinderlosigkeit und Singleleben heraus. Das gesamtgesellschaftliche Ergebnis mag ungewollt sein, in den individuellen Entscheidungen ist es jedoch höchst vernünftig (typische Merkmale eines Gefangenendilemmas).

      Zu der Faschingsparty: Gib mir den nächsten Termin einer Party in Deiner Umgebung mit ähnlicher Besetzung und ich komme vorbei. 😉 (Ich sage das fairerweise jedesmal, wenn jemand ein Beispiel mit „zu wenigen Männern, die an Frauen interessiert waren“ anbringt.)

      • Michael Baleanu schreibt:

        „Liebe Leute, wenn ihr mehr Ehen und Kinder wollt, dann gebt jungen Menschen bessere berufliche Aussichten und finanzielle Sicherheit.“
        1. Ich habe nirgends gesagt, dass ich mehr Ehen und Kinder haben möchte.
        2. Ich sage aber immer wieder, dass ich gleiche Rechte für Frauen und Männer haben möchte: Z. Zt. haben wir einen Überhang weiblicher Privilegien. Dies wirkt sich in vielen Fällen negativ auf die Entwicklung der Kinder, denn sie haben keine gleichberechtigte Partner als Vorbilder.
        3. Jungen Menschen bessere berufliche Aussichten und finanzielle Sicherheit? Da rennt man bei mir offene Türen ein. Wenn mann allerdings hört, dass ich dies sowohl für Männlein wie für Weiblein verlange, dann nehmen die Weibleins, die an der Versorgungsehe hängen, reissaus: Das Ende der Emannzipation verlangt nämlich, dass Frauen genau so viel arbeiten wie Männer und Männer genau soviel betreuen wie die Frauen. Das geht aber nur mit einer Reduzierung der wöchentlcihen Arbeitszeit – also einer grundlegenden Reform des Arbeitsmarktes – und einer grundlegenden Reform des Familienrechts: Wenn Männlein und Weiblein gleichberechtigt sind, dann besteht kein Bedarf an der Herdprämie Unterhalt. Das Wechselmodell wäre die Regel.

        Dieses Modell scheint aber in der Frauenwelt genau so eine No-Go-Area zu sein, wie die Abschaffung des Rechtsberatungsgesetzes von Hitlers Gnaden.

        „Zu der Faschingsparty: Gib mir den nächsten Termin einer Party in Deiner Umgebung mit ähnlicher Besetzung und ich komme vorbei. 😉 (Ich sage das fairerweise jedesmal…“

        Fairerweise müsstest Du mir all die von Dir gebrachten Beispiele vorstellen, sollte ich mal vorbeikommen …

        Ich nehme an, dass die besagte Damengruppe, so sie nicht an einer Depression zugrundegegangen, dann solche Party’s nicht mehr ohne Partner besuchen werden ;-). Womit die Reproduzierbarkeit des Versuches nicht garantiert ist.

  8. wiemanindenwald schreibt:

    Warum ich diese Analyse gut finde und warum es (wahrscheinlich) trotzdem einen (schleichenden) Männerstreik gibt: Zu behaupten, es gäbe einen umfassenden Streik bereits, weil man es sich (aus guten Gründen) wünscht, dass es so einen Streik einmal geben sollte, ist gegenüber Massenmedien ein kurzfristig effizienter Schachzug. Schließlich berichten gewöhnlich schlecht informierte Journalisten immer gerne über etwas knallige Aussagen. Aber es gibt und gab den umfassenden Männerstreik genauso wenig wie das umfassende Waldsterben, den umfassenden Gebärstreik oder die umfassend negative Klimaänderung. Für intelligente Menschen, die etwas mehr Aufmerksamkeit für Details aufbringen können, ist eine Relativierung solcher Maximalaussagen immer sinnvoll und notwendig. Aber heißt das, es gibt überhaupt keinen Männerstreik? Das Gegenteil von Falsch ist nicht unbedingt richtig. Wir haben einfach zu wenig Daten über die Motive und die Entscheidungen der Männer. Die Geburtenrate wird immer noch ausschließlich für Frauen erhoben. Die Anzahl der Kinder pro Frau sagt aber wenig über die Anzahl der Kinder pro Mann aus. Eine vermutlich wachsende Anzahl von inoffiziell streikenden Männern kann auch vorübergehend von ein paar seriell polygamen Männern ausgeglichen werden. Wenn die Hälfte der Männer gar keine Kinder hat und die andere Hälfte der Männer jeweils zwei Ehen hintereinander, merkt man an der offiziellen Geburtenstatistik gar nichts. Weil sich die Geburtenraten nur auf Frauen bezieht. Es mag schon sein, dass die Mehrheit der Männer weiter Sex hat. Sex ist für die meisten Männer ein Grundbedürfnis. Familie offenbar nicht unbedingt. Ich denke schon, dass Männer immer mehr dazu übergehen, die Zeugung von Kindern zu verweigern oder in viele Fällen Frauen mit Ausreden hinzuhalten und damit de facto die Familienpläne der Frauen zu sabotieren. Im Familienleben gibt es einen inoffiziellen schleichenden Streik, denke ich. Wer das quantifizieren will, sollte systematisch Paare nach Kinderwunsch, Kinderplänen und derzeitiger Kinderzahl befragen.

  9. Michel D. schreibt:

    Auch ich kann nach eigener Wahrnehmung keinen Männerstreik erkennen. Aber gleichzeitig klagen immer wieder die Frauenmedien darüber, daß Frauen keinen passenden Mann mehr fänden. Auch das ist ein Widerspruch.

  10. Graublau schreibt:

    Passend zu den Männern mit hohem Einkommen, die auf äußerlich attraktive Frauen nicht reagieren, ein Fundstück von Tom174: Eine 25-jährige sucht einen reichen Mann und bekommt als Antwort von einem reichen Mann, dass sie keine attraktive Partnerin für eine Langzeitbeziehung sei, wenn sie nur Aussehen mitbringe, denn das gehe vorbei, während das Vermögen des Mannes bleibe und noch wachsen könne.

    • Rexi schreibt:

      Ach, und übrigens, ich möchte euch ja nur ungerne die (Schaden)Freude verderben, aber obschon es solche Storys sicher auch in der Realität gibt, aber diese hier ist ein Fake: http://urbanlegends.about.com/od/sex/a/gold_digger.htm 😉

      • Graublau schreibt:

        Weder Schadenfreude noch Freude von meiner Seite. Was habe ich davon, wenn ein reicher Kerl eine hübsche junge Frau zurückweist? Danke für den Hinweis auf die erfundene Meldung, das hätte eigentlich jeder, der es verbreitet, mindestens einmal prüfen müssen (inklusive mir).

  11. Graublau schreibt:

    Arne Hoffmann erwähnte unter der Überschrift „Wirklich kein Männerstreik?“ einen Zeit-Artikel. Letzten Endes passt auch der nicht in meine Definition: Die Männer flirteten durchaus, suchten aber (im Moment) nichts Festes oder waren sich nicht sicher. Sie verweigerten sich also nicht aktiv dem, was sie eigentlich anstrebten, oder fielen gar ganz aus dem Partnermarkt oder der Gesellschaft heraus.

    Wie auch Hoffmann andeutet, meine ich: Eine Frau, die nach drei Erfahrungen, die nun wirklich kein Drama sind, gleich ein ganzes Geschlecht beurteilt und verdammt, ist vielleicht auch einfach aufgrund ihrer geistigen und emotionalen Einstellung keine besonders attraktive Kandidatin für eine langfristige Partnerschaft.

    Schön in jedem Fall, wie die Autorin im letzten Absatz eine echte Nina Pauer baut (das ist die mit den Schmerzensmännern): „Was ist nur los mit den Männern aus meiner Generation? (…) Sie ergreifen selten die Initiative (…) Männer sind unsicher geworden.“ Also bitte zurück zu den gewohnten Rollenbildern, denn solche Männer sind ja so unsexy! Ein weiterer Artikel, den man bei Gelegenheit zitieren sollte.

    • Rexi schreibt:

      Ja, bei drei gescheiterten Versuchen eine Beziehung zu führen gleich das ganze Geschlecht zu verteufeln zeugt von einer Schwäche in … ähm, Mathe(?). Vor allem kennt man nur „ihre“ Version und weiß nicht, ob eventuell „ihr“ Verhalten die Männer verschreckt hat. Vielleicht war sie zu forsch (also bitte zurück zu den gewohnten Rollenbildern :twisted:). Vielleicht ist sie zu schnell mit Kinderwunsch rausgerückt, et cetera. Am Anfang einer Beziehung kommt es sicher oft zu Kommunikationsschwierigkeiten.
      Aber guck mal, du machst doch das Gleiche. Eine Frau (ein Artikel) beklagt sich über den Mangel an Initiative und du redest von „zurück zu den gewohnten Rollenbildern“ – als wäre EIN Welt-Artikel der Maßstab lol 😀

      • Graublau schreibt:

        Da hast Du mich falsch verstanden und/oder ich habe mich unklar ausgedrückt. Die Botschaft „zurück zu den gewohnten Rollenbildern“ unterstelle ich nicht allen Frauen (sonst müsste ich ja ziemlich schlechte Laune bekommen, das wäre ja eine furchtbare Welt), sondern nur Frauen, die sich in dieser Weise über Männer generell beklagen.

        Zum Glück sind beide ZEIT-Artikel nicht der Maßstab (der erste, einflussreichere, ging von Nina Pauer aus), bin aber bei solchen Gelegenheiten froh, keine Zeitung zu finanzieren, die so ein Zeug fabriziert.

      • Rexi schreibt:

        Welt, Zeit, alles der gleiche Schmarrn *fg*
        Nun, dieses Zeug ist ziemlich quotenwirksam, denke ich. Insbesondere weil gerade Männer/Maskulisten sich davon reizen lassen. Die Artikel selber mögen ja eher in die männerfeinliche Richtung gehen, aber die Leserschaft, vor allem die kommentierende, ist hauptsächlich männlich, habe ich so den Eindruck. Ich habe nicht nachgeguckt, aber ich möchte gar nicht wissen, was für eine Latte an Klicks (und Kommentaren) ihnen dieser Schmafu wieder eingebracht hat.

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