Nostalgie-Fundstück: Alles, was unmännlich ist

Als ich noch deutlich unzufriedener durchs Leben ging, habe ich solche Sachen viel zu ernst genommen: Da hat eine Frau namens Sigrid Goddard sowohl ein Buch als auch ein Blog mit dem Titel „Alles, was unmännlich ist“ geschrieben.

Wenn man sich mal die ganze Liste durchliest, findet man einiges, das man nun wirklich nicht erwartet hätte: So werden sowohl „den Bus nehmen“ (echte Männer nutzen nie den ÖPNV, sondern fahren betrunken Auto!) als auch „Laktose-Intoleranz“ (selbst Schuld, hätten sie sich mal dagegen entschieden!) als unmännlich verdammt.

Der ahnungslose Laie hätte niemals vermutet, welche alltäglichen, scheinbar harmlosen Dinge vom Untergang der Männlichkeit künden: Cocktails (siehe etwa „der Dude“ mit seinem „White Russian“), Hausschuhe (denn Wohnung sauber halten ist für Weicheier), Spieleabende (welcher echte Kerl hat schon einen Freundeskreis?), lebende Zimmerpflanzen (denn welcher Mann will Lebewesen um sich herum?) oder gar Fahrradklingeln (lieber im Straßenverkehr sterben als sich so erniedrigen!).

Dabei wirken die Vorwürfe völlig beliebig, man könnte sie auch umdrehen: Gerade Männer benutzen einen Rucksack, denn den kann man durch Wind und Wetter, zum Zelten und aufs Festival mitnehmen und ist damit unabhängig und bereit fürs Abenteuer. Gerade Männer achten auf ihr Portemonnaie bzw. dass es gut gefüllt ist, denn ohne Moos nichts los und nichts ist unangenehmer, als plötzlich nicht mit Karte zahlen zu können oder kein Kleingeld zu haben. Gerade Männer essen Eis, das ist sinnlich und da kann hervorragend die Zungenfertigkeit trainieren usw.

Als Musikliebhaber fand ich den Kuschelrock-Artikel besonders schrecklich. Denn da wird eine falsche Dichotonie aufgebaut („entweder man hört harte Musik – oder romantische Lieder“), die mal eben ignoriert, dass doch gerade einige der besten Balladen von Rock- und Metalbands stammen. Ein Phänomen, das einem entgangen sein kann, wenn man die letzten Jahrzehnte unter einem Stein gelebt hat.

Außerdem wird es einem Mann negativ vorgehalten, wenn er durch solche Musik romantische Stimmung aufbauen will, die Dame seines Herzens also nicht „von alleine“ erobert. Dabei spräche es ja durchaus für die Qualitäten eines Mannes, eine gute Atmosphäre zu schaffen, und seine Erfahrung, dass solche Kleinigkeiten dabei helfen.

Die Reaktionen fallen übrigens sehr unterschiedlich aus. Unter der „über“-Seite sammeln sich ablehnende Kommentare, bei dem Artikel über Tee gibt es sowohl Zustimmung als auch Gegenbeispiele (Ostfriesen, Captain Picard, Türken…).

Als Satire taugt es nicht, denn die Kritikpunkte sind ohne tieferen Sinn dahinter. An den Kommentaren merkt man auch, dass das Publikum zwischen Abscheu und Applaus gespalten sind. Dennoch, Blog und Buch regen zum Nachdenken an: Man stelle sich vor, ein Mann würde entsprechend ein Buch „Alles, was unweiblich ist“ schreiben und darüber bloggen. Was würde (ihm) wohl passieren?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das in Gitarrenläden schon auf der verbotenen Liste steht und wer es dennoch spielt, muss einen Euro Strafe zahlen. Es bleibt das klassische Beispiel für das, was ich oben über Balladen von Rock- und Metalbands schrieb.

Metallica: Nothing Else Matters

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4 Antworten zu Nostalgie-Fundstück: Alles, was unmännlich ist

  1. only_me schreibt:

    „Man stelle sich vor, ein Mann würde entsprechend ein Buch „Alles, was unweiblich ist“ schreiben und darüber bloggen. Was würde (ihm) wohl passieren?“

    Heartiste? Return of Kings? Tun das ständig. Gelten als Inbegriff des BÖSEN mindestens gleichauf mit Trump.

    Goddard ist, soweit ich sehe, keine Feministin. Trotzdem bin ich ganz gerührt, wie eine Frau hier versucht, überkommene Stereotypen abzuschaffen.

  2. GOI schreibt:

    Hm, Nothing else matters…
    Auf den 6/8-Takt kann man auch Wiener Walzer tanzen. Hervorragend geeignet für den Eröffnungstanz auf einer Hochzeit…
    Oh, war das jetzt unmännlich?

  3. Alex schreibt:

    Das kann man nur mit bösartigem Männerhass erklären. Daher die Willkürlichkeit bei der Auswahl der mikroskopischen Nachaufnahmen, wie durch einen Türspion.

    Und die Hiwis bzw „der Untertan“ von heute finden das auch noch toll.

    Bei näherem Hinsehen wird aber „vom Mann“ gefordert, dass er „romantische Stimmung“ herstellst und zwar aus sich selbst raus und gezielt und flankierend beschämt, Musik dazu benutzen sei nicht echt genug.

    Wie anscheinend üblich beim Feminismus: die Regression in Geschlechterrollen, die vorher noch der grosse Sündenfall waren.

    Aber der Kirche schuldet man noch was, ja?

  4. Matze schreibt:

    Hab da mal reingeschaut. Das ist ja total substanzlos.

    Na gut:

    „Horoskope lesen “

    das passt.

    ^^

    Noch auf der Seite gesehen:

    Jetzt zeigt doch mal mehr Gefühle…

    (Aber natürlich dürfen Männer nur keine Luschen sein, wegen der anderen Männer. Frauen benutzen sowas nie als Beschämung um ihn zu irgendwas zu nötigen, was er nicht machen will.)

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