Kurznachrichten vom 25.01.2016

1: Der neueste feministische Shitstorm ergießt sich im Moment in Großbritannien über die Oxford Dictionaries, die sich erdreistet haben, als Beispiel für die Verwendung des Wortes „rabid“ ausgerechnet „rabid feminist“ zu verwenden. „rabid“ bedeutet laut leo.org in etwa wild, fanatisch oder tollwütig. Vielleicht war der Grund für den Shitstorm ja auch, dass Oxford Dictionaries auf die Beschwerde zuerst in etwa so verständnisvoll reagierte wie seinerzeit TrueFruits.

Der Vorgang wird auf der feministisch angehauchten Plattform Gadgette mit zwei Artikeln kommentiert und auch zum Anlass genommen, nach weiteren Beispielen von Sexismus in Wörterbüchern zu fahnden.

Wie war nochmal diese beliebte feministische Argumentationsfigur? Die Tatsache, dass es soviel Widerstand gegen eine Aussage gibt, beweist nur deren Richtigkeit?

2: Auch wenn Nicht-Feminist und Genderama schon darüber berichtet haben, muss ich dennoch auch auf den Bericht des Schweizer Bloggers Karl Müller hinweisen, der sich auf eine Gender-Tagung in Basel eingeschlichen hat, wo man offensichtlich glaubte, man wäre unter sich. Dementsprechend wenig nahm man ein Blatt vor den Mund:

Die Professorin zeigte sich aber als Verfechterin gesetzlichen Zwangs. Sie baute ihr Argumentationsmodell anhand der Massnahmen auf, wie denn die feministische Gleichstellung erreicht werden könne. Beispielsweise war nicht nur bei ihr die Rede von Policy, von Steuerungsregime bis hin zu Geschlechterregime. Der Begriff Regime wurde beinahe inflationär verwendet. Konkret meinte sie damit, dass freiwillige Massnahmen für Privatfirmen zur Frauenförderung wichtig seien, noch wichtiger seien aber soft laws und hard laws. Soft Laws sind Gesetze, die aber nicht direkt sanktionierbar seien. Hard Laws sind Gesetze, die harte Sanktionen zur Folge haben. Offensichtlich war sie begeisterte Anhängerin der Hard Laws, was sich am Beispiel Frankreich zeigte. Dort drohten Gefängnisstrafen für Unternehmer/Verantwortliche, die die Geschlechtervorgaben nicht erreichten (Begeisterungsstürme im Saal…).

Fazit des Bloggers:

Die Vehemenz des Zwangs, die nach wie vor unglaubliche Einseitigkeit verbunden mit Männerfeindlichkeit respektive der Feindlichtkeit gegenüber dem Männlichen, sowie die geplante Instrumentalisierung der Männer zum Zweck des feministischen Gender Equality Umerziehungsprogramms, machen mir Sorgen. Nicht weil die Argumente derart gut wären, das sind sie definitiv nicht, sondern weil diese totalitäre Ideologie heute an den Schaltstellen der Macht sitzt. Bei der UNO, Europarat sowie den meisten Regierungen. Der expansive Charakter verstärkt diese Befürchtungen, da diese Szene international perfekt vernetzt ist und diese Bestrebungen noch weiter intensivieren will. […] Auch wurden Prämissen vorgetragen, die als grundsätzliche Dogmatik dieser Szene unfehlbar zu sein scheinen. Es gibt keine Motivation, andersartige Muster und Modelle über die eigene Dogmatik hinausgehend und ergebnisoffen zu untersuchen. Im Gegenteil wird der Deckel des Schweigens darüber gelegt und Kritiker sollen offensichtlich mittels „Shaming and Blaming“ zerstört werden. Der nächste Schritt des geforderten Hard Laws, soll auch die letzten Kritiker international endgültig zum Schweigen bringen. Mit Staatsgewalt. Denn das moralische und das juristische Recht ist auf ihrer Seite.

Wer noch glaubt, Gender hätte nur irgendwie was mit Gleichberechtigung zu tun, kann angesichts dessen nur als gnadenlos naiv bezeichnet werden. Oder verlogen. Gender ist nicht mehr und nicht weniger als ein Programm, weibliches (und homosexuelles) Verhalten als das Normale zu propagieren, und männliches Verhalten per se als das Abweichende und als schädlich zu diffamieren.

3: „jung, männlich, südländisch“ [ist] für viele zu allererst ein Täterprofil, sagt der Spiegel und stellt dar, wie der Generalverdacht auf junge Migranten fällt, natürlich auch auf diejenigen, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen.

Gerade südländisch wirkenden Migranten macht die veränderte Stimmung auf der Straße Sorge, sie fühlen sich für die Übergriffe am Bahnhof in Sippenhaftung genommen. „Ich will hier nur arbeiten“, sagt Sarghini, 36, aus Marokko. „Wenn einer Probleme macht, wenn er keinen Respekt hat und das Gesetz bricht, dann muss man ihn eben zurückschicken!“ Man hört das oft von Flüchtlingen, die meisten sehen das so.

Am Genfer Flughafen hat man ja auch schon männliche Muslime ohne Begründung „aus Sicherheitsgründen“ entlassen.

Ließ sich wohl nicht verhindern, dass es kippt in Richtung Generalverdacht. Oder vielleicht doch? Die Fehler sind allerdings schon vor langer Zeit begangen worden, und zwar, indem zu lange eine bestimmte Bevölkerungsgruppe per se als moralisch höherwertig und sakrosant betrachtet wird. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass genau in den Gruppen, die von der Gesellschaft als besonders gut, edel, moralisch höherwertig und unantastbar angesehen werden, das Unrechtsbewusstsein im Lauf der Zeit schwindet, während die Neigung zu Missbrauch des Status und zu Verbrechen steigt. Man kann sich da sehr lange sicher sein, denn der besondere Vertrauensbonus verleitet die Gesellschaft dazu wegzuschauen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber irgendwann, wenn es zuviel wird, und man nicht mehr wegschauen kann, kippt die Stimmung, und nur allzugerne werden diejenigen, die bisher auf jedes Wohlwollen hoffen konnten, plötzlich in Bausch und Bogen verdammt.

Beste Beispiele dafür sind die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, aber auch alternativen Pädagogikanstalten wie der Odenwaldschule, das jahrelange Wegschauen der Behörden in Rotherham, die Verbrechen der kommunistischen Nomenklatura. Von den Nazis und Faschisten aller Couleur will ich erst gar nicht anfangen. Und wie oft gab es in den vergangenen Jahren schon Berichte, dass sich junge Migranten über Polizei und Justiz bei uns lustig machen, weil ihnen außer vielleicht mal ein paar Sozialstunden nichts passiert? Warum wundert sich eigentlich irgendwer, dass in einem solchen Klima der Übermut gedeiht?

So, und jetzt überlegen wir mal scharf, welche Bevölkerungsgruppe noch außer den Migranten seit Jahrzehnten als die moralisch überlegene und unantastbare in unserer Gesellschaft gilt und die sich deswegen Dinge herausnehmen darf, die der entsprechenden Komplementärgruppe nicht erlaubt sind… Kleiner Tipp: Wir sind quasi wieder zurück bei Punkt zwei dieses Artikels angelangt.

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7 Antworten zu Kurznachrichten vom 25.01.2016

  1. Graublau schreibt:

    Zu 1.: Du meinst Lewis‘ Law: „Die Kommentare unter jedem Artikel über Feminismus rechtfertigen Feminismus.“

    Gemeint sind natürlich positive Artikel über Feminismus, die dann kritische Kommentare ernten.

    Die beste Reaktion besteht meines Erachtens darin, das Prinzip auf andere Weltanschauungen zu übertragen: „Die Kommentare unter jedem (positiven) Artikel über Nationalsozialismus rechtfertigen Nationalsozialismus.“ Wird kein Mensch mit einem Funken Verstand im Kopf glauben. Es ist ja auch Blödsinn: „Kritik an einer Sache rechtfertigt die Sache“ kann nur absoluten Hardlinern einleuchten, die sich weiter radikalisieren wollen.

    Wichtiger scheint mir zu sein, dass doch so oft „im Wörterbuch wird Feminismus definiert als…“ verwendet wird. Wenn jetzt im Wörterbuch plötzlich mal negative Bedeutungen drinstehen, kippt das Argumentationsmuster. Denn jetzt kann sagen: Aber das Oxford Dictionary erwähnt „rabid feminist“ ausdrücklich, also gibt es natürlich durchgeknallte Feministinnen…

  2. Lomi schreibt:

    „Warum wundert sich eigentlich irgendwer, dass in einem solchen Klima der Übermut gedeiht?“

    Vorsicht mit monokausalen Erklärungen!

    Es gibt ja auch andere Spekulationen, nämlich die, dass hier eine bestimmte Gruppe kriminell geworden ist: Eine Gruppe junger Männer, die schon im Heimatland zur Unterschicht gehörte. Gut möglich, dass diese sich hier ermuntert fühlt. Wobei man sicher annehmen kann, dass im Vergleich zu Nordafrika auch eine deutsche Strafverfolgung „ermunternd“ sein könnte, einfach, weil sie humaner ist. Aber sehen wir mal davon ab.

    Die Behauptung der Privilegierung halte ich für sehr schwierig. Im realen Alltag ist die Gruppe der Migranten nicht wirklich sonderlich privilegiert. Sie muss auch eine Menge an Diskriminierungen hinnehmen, z.B. bei Bewerbungen. Es gibt genug Firmen, die keinen Türken einstellen wollen, wenn er am Empfangstresen stehen soll. Privilegierung ist ganz sicher nicht das, was Migranten als erstes einfällt zu ihrem Leben in Deutschland.

    Es mag allerdings richtig sein, dass sie durch eine bestimmte Gruppe etwas hofiert werden. Aber ich bin mir sicher: Nicht wenige Migranten empfinden sich dabei eher wie ein Tier im Zoo. Denn durch dieses Hofieren wird immer der Unterschied betont: Du bist anders, Du gehörst eigentlich nicht zu uns. Sie werden dadurch nicht als normale Mitmenschen behandelt. Bei denen nämlich redet man nicht dauernd darüber, was sie alles können, wie sie aussehen, woher sie kommen und all diese Dinge. Dieses Hofieren verstärkt das Stigma. Das ist manchmal der blinde Fleck gewisser Multikultur-Verfechter.

    Es gibt übrigens das rechte bzw. ausländerfeindliche Stereotyp, dass die Ausländer andauernd bevorteilt werden. Man muss aufpassen, dass man nicht in dieses Muster verfällt. Andererseits schrieb Ruth Berger auf Telepolis, dass man Flüchtlingen durchaus gewisse Sonderrechte einräumt, die dem deutschen Hartz-IV-Empfänger verweigert werden. HIer geht es dann um Konkurrenz und nicht um Privilegierung. Gewisse Ressentiments entstehen aus dem Gefühl der Benachteiligung heraus und es ist die Politik, die diesen Konflikt billigend in Kauf nimmt.

    Der Generalverdacht gegenüber Südländern, insbesondere Muslimen ist übrigens sehr, sehr viel älter: Schon seit 2001 herrscht besonderes Misstrauen. Alles Terroristen und so. Das Thema „Ehrenmorde“ gibt es auch seitdem und andere Befürchtungen, was alles für Rückständigkeiten und Gräuel von Islamisten ausgeht. Der Generalverdacht ist nicht neu und ist auch intensiv gepflegt worden. Es war nur in bestimmten Kontexten nicht opportun, den auch auszuleben. Man darf hier nicht in den Irrtum verfallen, hier zeige sich eine vollkommen neue Entwicklung. Es ist eher eine Fortsetzung längst bestehender Ablehnung gegenüber Leuten aus der arabischen Welt.

    • aranxo schreibt:

      Ich wollte das sicher nicht monokausal sehen, sondern nur einen bestimmten Aspekt beleuchten. Dass man bei uns vergleichsweise mit Samthandschuhen angefasst wird, wenn man sich daneben benimmt, hat sich sicher auch bis in die Ursprungsländer herumgesprochen, was vielleicht auch ein Grund ist, warum Deutschland für ein bestimmtes Klientel einladend wirkt.

      Ich will auch wirklich nicht behaupten, dass Einwanderer bei uns privilegiert sind. Ganz im Gegenteil, es gibt sicher noch diverse Diskriminierungen, was aber nicht ausschließt, dass es bei der politischen Linken genau deswegen eben diesen Effekt der Inschutznahme gibt.

      Ein anderer Grund für die aktuelle Misere ist das jahrelange Vernachlässigen von Integrationsarbeit, an der beide politische Lager gleichermaßen Schuld sind. Bei CDU/CSU hat man noch bis vor wenigen Jahren das Mantra, Deutschland sei kein Einwanderungsland, vor sich her getragen. Man lebte im Wahn, die würden ja irgendwann wieder gehen. Taten sie aber nicht. Organisierte Integrationsarbeit war in den Augen der Schwarzen deshalb nicht nötig bzw. ein Eingeständnis, dass man mit dem Diktum „kein Einwanderungsland“ doch nicht ganz richtig liegt.

      Auf der linken Seite war man dagegen in Multikulti-Seligkeit verfangen. Bei ein wenig gutem Willen würde sich das Zusammenleben wie von selbst regeln und die neue Multikulti-Gesellschaft wäre ein einziges buntes Straßenfest. Integrationsarbeit roch da irgendwie nach der verhassten Leitkultur-Debatte. Auch nur die Forderung, deutsch zu lernen, an Einwanderer zu stellen, empfand man da schon als unverschämt und rechtslastig.

      Soweit ich mich erinnern kann, gab es das Thema Ehrenmorde (und auch Zwangsverheiratung) bereits vor 2001. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Dinge früher mehr achselzuckend zur Kenntnis genommen wurden, nach dem Motto: Das ist bei denen halt so. Seit 2001 hat sich aber etwas im gesellschaftlichen Klima gedreht, vielleicht auch durch den Einfluss sozialer Medien. Der allgemeine laissez faire, der in Sachen Lebensstilen und Weltanschauungen sich spätestens seit den 80ern in Deutschland verbreitet hat, ist m.E. einer Suche nach mehr Werten, mehr Moral, aber auch mehr Spießigkeit gewichen. Man ist nicht mehr so bereit, andere in ihren Lebensstilen einfach leben zu lassen, stattdessen ist die Bereitschaft, andere moralisch zu verdammen, deutlich gestiegen. Aber da es noch lange keinen Konsens über eine sog. Leitkultur gibt, führt das nur zu mehr und derzeit deutlich sichtbaren Spaltung der Gesellschaft.

      • Lomi schreibt:

        @Aranxo

        „Ich wollte das sicher nicht monokausal sehen, sondern nur einen bestimmten Aspekt beleuchten.“

        In Ordnung! Da habe ich Dich etwas vorschnell beurteilt. Sorry!

        „Ein anderer Grund für die aktuelle Misere ist das jahrelange Vernachlässigen von Integrationsarbeit, an der beide politische Lager gleichermaßen Schuld sind.“

        Dem kann ich voll zustimmen, auch dem, was Du dazu weiter sagst.

        Ich glaube, es gibt eine ganze Reihe verdrängter Konflikte, die mit zu der gegenwärtigen Stimmung beitragen:
        – Die eher linke Multikulti-Haltung ignoriert das Unbehagen, das viele im Umgang mit bestimmten Migranten haben. Es gibt, denke ich, eine erhebliche kulturelle Fremdheit und Ablehnung. Man kann das schlecht finden, aber man wird das durch Moralpredigten nicht ändern.
        – Konservative ignorieren das rechtsextreme Potenzial und dessen Gewalttätigkeit.
        – Das Merkelsche „Wir schaffen das“ moralisiert bloß und bleibt jede Antwort schuldig, wie es denn gelingen könne.
        – Union und SPD begreifen nicht, dass genau solche Parolen Misstrauen erzeugen. Viele verlieren den Glauben daran, dass die Regierenden überhaupt noch ernsthaft die Probleme der Menschen vor Ort anpacken oder dass sie sie überhaupt lösen können.
        – Wie Djadmoros schon sagte: Flüchtlinge und deutsche Leistungsbezieher sind Konkurrenten um Leistungen des Sozialstaates. Da tobt auch ein harter Verteilungskampf, von der Politik in Kauf genommen.
        – Dass es gerecht zugehen kann, glauben viele Leute nicht mehr. Zu sehr hat die Politik alle Einschnitte als gleichsam naturgesetzlich notwendig verkauft. „Globalisierung“ z.B. ist die Superformel, ist der Prozess, dem man sich unterwerfen müsse, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will. Die Politik hat sich hier selbst als handlungsunfähig inszeniert über Jahre und jetzt glaubt eben auch keiner mehr, dass die Politik gerechtere Verhältnisse schaffen könnte. Folglich werden die Ellbogen ausgefahren, denn „jeder ist selbst seines Glückes Schmied“.

        Und immer so weiter. Mit dem Flüchtlingsstrom brechen einfach die inneren Konflikte unserer Gesellschaft massiv aus. Die etablierten Parteien sind bislang nicht in der Lage, diese Konflikte vernünftig aufzugreifen. Es wundert daher nicht, dass viele ihre Interessen bei der AfD besser aufgehoben glauben. Keine schöne Entwicklung, aber vollkommen nachvollziehbar.

      • aranxo schreibt:

        @Lomi

        Ich stimme Dir in allen Punkten zu, möchte aber kurz den Punkt von djadmoros noch einmal herausheben. Flüchtlinge und die bisherige einheimische Unterschicht konkurrieren ja nicht nur um Leistungen des Sozialstaates, sondern auch um Wohnungen und Arbeitsplätze. Dass hier lauter Facharbeiter und Gebildete kämen, halte ich für ein Ammenmärchen. Selbst wenn es so wäre, müssten diese Qualifikationen erst überprüft und die Menschen per Sprachkurse in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden. Jetzt allerdings sind sie erstmal Konkurrenz im Bereich der ungelernten Arbeitskräfte.

        Auch das Argument, Asylbewerber dürften ja gar nicht arbeiten, ist doch eher eine Lachnummer. Nur weil sie es nicht dürfen heißt das nicht, dass sie es nicht tun. Wer grade seine Terasse neu legen lassen will und Kontakt zu Aslybewerbern hat, fragt doch heute oft erstmal da nach, anstatt den örtlichen Handwerksmeister zu fragen. Und weil diese wissen, dass es jene Konkurrenz gibt, sind sie oft gezwungen, ebenfalls einen Teil der Arbeiten an der Steuer vorbei zu machen.

        Das sind natürlich Verhältnisse, mit denen sich Akademiker weniger herumschlagen müssen. Die dürfen unbehelligt von zusätzlicher Konkurrenz viel einfacher Willkommenskultur pflegen und damit ihre persönliche Entnazifizierung betreiben. Speziell die feministischen Wohlstandstöchter in ihrem Universitäts-Elfenbeinturm. Da kann man natürlich leicht mit moralischer Überheblichkeit auf diejenigen herabsehen, die es nicht so lustig finden, die Zeche zahlen zu müssen für Entnazifizierungsneurosen der Mittel- und Oberschicht.

        Wenn man allerdings ab und zu auch mal in die Gelegenheit kommt, mit denen weiter unten zu reden, dann merkt man, dass die eben ganz anders reden. Die spüren sehr genau, was ihnen die Großkopferten da zumuten. Das wird dann von denen, weil es ja einfacher zu skandalisieren ist, oft gerne als Fremdenhass umgedeutet, obwohl es in vielen Fällen von den einheimischen Unterprivilegierten gar nicht so gemeint ist.

      • Lomi schreibt:

        „Flüchtlinge und die bisherige einheimische Unterschicht konkurrieren ja nicht nur um Leistungen des Sozialstaates, sondern auch um Wohnungen und Arbeitsplätze.“

        Ja, natürlich. Der ganze Komplex ist in der öffentlichen Debatte vollkommen vernachlässigt worden. Das verwundert nicht, denn wenn man das diskutieren würde, müsste man das Thema „soziale Gerechtigkeit“ an sich wieder auf die Tagesordnung heben. So profitiert die Politik aber von der Umlenkung solcher Konflikte in eine Art „Fremdenfeindlichkeit“: Die unten miteinander konkurrieren, bekämpfen einander, anstatt dass sie die richtigen Fragen an die Oberen stellen.

        “ Speziell die feministischen Wohlstandstöchter in ihrem Universitäts-Elfenbeinturm.“

        Ja und nein. Um Hartz IV konkurrieren die Akademiker weniger – zumindest solange sie in Lohn und Brot sind. Aber das ist eben gar nicht sicher. Ich stoße mich am „Elfenbeinturm“. Das ist er vielleicht für Lebenszeit-Professoren, der Rest darbt auf befristeten und höchst unsicheren Stellen. Dieser Teil der Mittelschicht ist alles andere als gut situiert. Was mir nur noch nicht klar ist, wo diese Unsicherheiten ihr Ventil finden.

        Ich kann jedenfalls aus eigener Erfahrung berichten, dass man recht schnell mit all den Migranten in der selben Warteschlange beim Jobcenter steht. Da wäre man dann Mit-Konkurrent.

        Man darf auch nicht vernachlässigen, dass die Bekämpfung von Rechtsextremismus einen Kontext hat. In den 90er Jahren hat es schon sehr viele Vorfälle mit Nazis gegeben, die seinerzeit auch ziemlich gewalttätig vorgingen. Rostock-Lichtenhagen ist dafür ein besonders krasses Beispiel. Noch immer finden viele Bundesbürger, dass der Osten gefährlich sei wegen der Nazis. Es gibt da ein reales Problem und auf das wird eben auch reagiert.

        Es ist vorstellbar, dass hier überreagiert wird. Man kann schnell angesichts der eigenen Empörung vergessen zu fragen, wie groß die Gefahr von Rechts tatsächlich ist. Oft wird so getan, als stünde das „Vierte Reich“ unmittelbar bevor. Das kann übertrieben sein. Wenn man NPD-Aufmärsche erlebt oder einen gewalttätigen Nazi-Mob, der letztlich auch schwerste Verletzungen seiner Opfer in Kauf nimmt, dann hat man zumindest das Gefühl, dass die Lage insgesamt sehr bedrohlich ist.

        Es bleibt natürlich in der Verantwortung der „Anständigen“ und Nazi-Gegner, das Differenzieren zu lernen. Diese Differenzierungen gibt es in der Literatur ja durchaus, wenn z.B. unterschieden wird zwischen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus und wenn sehr diverse Erklärungsansätze herangezogen werden, um etwa Gewalt gegen Migranten zu erklären.

        „Wenn man allerdings ab und zu auch mal in die Gelegenheit kommt, mit denen weiter unten zu reden, dann merkt man, dass die eben ganz anders reden. Die spüren sehr genau, was ihnen die Großkopferten da zumuten.“

        Dass es eine Zumutung IST, das müsste die Politik endlich mal ernst nehmen und zwar so, dass sie nicht die Flüchtlinge allein dafür verantwortlich machen, sondern auch sich selbst. Die Politik unterlässt es sträflich, sich um diejenigen zu kümmern, die diese Zumutung tragen müssen. Dabei ist es gänzlich wurscht, ob dieser Teil der Bevölkerung vielleicht grundsätzlich etwas fremdenfeindlich tickt. Diese Menschen sind da und man muss sie so nehmen, wie sie sind.

  3. Alex schreibt:

    „Wer noch glaubt, Gender hätte nur irgendwie was mit Gleichberechtigung zu tun, kann angesichts dessen nur als gnadenlos naiv bezeichnet werden. Oder verlogen.“

    Die wollen die Gleichberechtigung abschaffen, absolut klar. Und sie haben sich naturgemäss in den demokratiefernen Institutionen eingenistet, die UN und die EU sind die augenfälligsten Beispiele, wo „diese totalitäre Ideologie heute an den Schaltstellen der Macht sitzt.“

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