Claudia Roth: Kampf dem internationalen privilegiert-maskulinistischen Patriarchat!

In der internationalen Diplomatie gilt es herkömmlicherweise als angebracht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Nationen nicht einzumischen und die Selbstbestimmung und Souveränität der Partner zu achten. Dem Feminismus und anderen utopistischen Ideologien war eine solche Zurückhaltung schon immer fremd. Nun plädiert das grüne Sympathiemonster Claudia Roth in dem feministischen Käseblatt „Edition F“ für eine „feministische Außenpolitik“. Leitfaden aller Außenpolitik soll das Wohl von Frauen und anderen Gruppen sein, die nach linkem identitätspolitischem Dogma als „diskriminiert“ gelten. Ein „weltweites Patriarchat“, wie sie es bezeichnet, das durch verschiedene rechte Bewegungen wieder überall in der Welt auf dem Vormarsch wäre, muss konsequent außenpolitisch bekämpft werden. Brasiliens neuen rechtsautoritären Präsidenten Bolsonaro (der auch durch frauenverachtende Sprüche aufgefallen ist) fantasiert die Verschwörungstheoretikerin Roth dabei als „Speerspitze“ von etwas, was nicht klar definiert ist, aber irgendetwas mit bösen Männern und sogar mit „Maskulinisten“ zu tun hat. Die universale Deutungshoheit des linken Feminismus ist also international in Gefahr und nun müssen die Frauen und Transgender in fremden Ländern im Sinne des Genderfeminismus „emanzipiert“ werden, – ob sie wollen oder nicht.

Wie viel Leid und Zerstörung haben Menschen schon in die Welt gesetzt, weil sie glaubten, die gesamte Welt mit ihrer Ideologie beglücken zu müssen? Roths Idee der feministischen Außenpolitik, mit der in Schweden und Kanada auch schon experimentiert wird, möchte ich in diesem Blogbeitrag in die lange Geschichte des Universalismus und des modernen Revolutionsexportes einordnen. Man könnte ein Buch darüber schreiben, aber ich habe versucht mich kurz zu fassen, wodurch sicherlich einige unsichere Stellen entstehen.

Versuch einer Geschichte des Revolutionsexportes und des Universalismus

1. Mittelalter bis 1800

Die Geschichte fängt an bei christlichen Missionaren und Herrschern im Mittelalter, die, auch unter Einsatz brutaler Gewalt, ganz Europa unter die (religiöse) Alleinherrschaft Roms zwingen und ihren Kreuzzug später auf den Nahen Osten ausdehnen. Es geht weiter mit den Konfessionskriegen in Europa (insbesondere dem 30-Jährigen Krieg 1618-48), deren Folge ist, dass die europäischen Staatenlenker einsehen, dass es besser ist, sich in die religiösen inneren Angelegenheiten anderer Staaten nicht einzumischen. Staatliche Souveränität und diplomatische Toleranz setzen sich in der frühen Neuzeit auf dem Kontinent als Konsens zur Friedenssicherung durch. Doch dem entgegen steht der Versuch der Missionierung, Eroberung und Europäisierung der außereuropäischen Welt im Kolonialzeitalter.

2. Moderne bis 1945

Im frühen 19. Jahrhundert versucht ein kleiner französischer Größenwahnsinniger die Errungenschaften der Französischen Revolution zu exportieren und stürzt für dieses kurzsichtige Ziel große Teile Europas ins Chaos. Republikanismus, Egalitarismus und Säkularismus werden zur universalistsichen Ideologie, doch die Revolution kann schon hier nicht exportiert werden. Stattdessen erfolgt als Gegenreaktion (übrigens die Reaktion im politischen Sinne) die repressive Restaurationszeit, in der versucht wird, die vorrevolutionären monarchistischen Zustände wiederherzustellen.

Durch den Siegeszug des Kapitalismus im Industriezeitalter entsteht die liberale Idee, dass ein internationaler freier Markt dem Wohle der gesamten Menschheit diene. Der europäische, insbesondere englische, Imperialismus bekommt damit eine neue Radikalität, die z.B. das Kaiserreich China in den Opiumkriegen zu spüren bekommt. Die Antwort auf den internationalistischen Kapitalismus, nämlich der internationalistische Kommunismus folgt auf dem Fuß. Infolge des Staatszusammenbruchs im Ersten Weltkrieg proben Kommunisten in Russland 1917 die Weltrevolution. Die siegreichen Anhänger Lenins beginnen sogleich mit dem Revolutionsexport und bringen damit insbesondere die noch junge Weimarer Demokratie ins Wanken. Man sollte nicht vergessen, dass die antidemokratische KPD lange Zeit nichts anderes war als eine deutsche „Filiale“ der Sowjetunion, die auf Direktive Moskaus Deutschland destabilisierte. Als Gegenreaktion vermengen sich im rechten Spektrum derweil nationalchauvinistischer Imperialismus, Antisemitismus und Antibolschewismus zum deutschen Nationalsozialismus, der sich zum Ziel setzt, endlich das legendäre „Weltjudentum“ zu besiegen. Die innenpolitische Aufspaltung in Rechts und Links wird damit zu internationalen ideologischen Blöcken. Das erste Opfer dieses internationalen Kampfes zwischen Links und Rechts wird Spanien. Ausländische kommunistische und faschistische Kräfte mischen sich in den Spanischen Bürgerkrieg ein, um dort die weltanschaulichen Fragen ihrer eigenen Herkunftsländer auszufechten.

Der Spanische Bürgerkrieg wird im Zweiten Weltkrieg weitergeführt. Ganz Europa wird in Folge dieses ideologischen Rassekriegs gegen die „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ verwüstet und Millionen Juden ermordet. Auch die deutschen Verbündeten, das Kaiserreich Japan und das faschistische Italien verfolgen ihrerseits eine aggressive Eroberungs- und Kolonialpolitik und versuchen ihre Kultur fremden Völkern gewaltsam aufzuzwingen. Der Kampf gegen den internationalistischen Kommunismus spielt auch dabei ein Rolle.

3. 1945 bis 1990

Nach dem alliierten Sieg über die Achsenmächte erfolgt ein massiver sowjetischer Revolutionsexport im Ostblock. Überall entstehen die autoritären Satellitenstaaten Moskaus. Demgegenüber steht die antikommunistische Eindämmungspolitik der Amerikaner, die auch zur innenpolitischen Kommunistenverfolgung führt (McCarthy-Ära). Zwei universalistische Ideologien stehen sich gegenüber, versuchen den gesamten Globus in gut und böse einzuteilen und führen Stellvertreterkriege gegeneinander, deren Folgen bis heute nachwirken (z.B. Korea).

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Tyrannei 1990 rufen westliche Neoliberale das „Ende der Geschichte“ (Fukuyama) aus. Alle Menschen werden ab nun glücklich in einer demokratischen und kapitalistischen Weltgesellschaft leben. Auch die ehemalige DDR wird in diesem Übereifer „liberalisiert“. Die wirtschaftliche Globalisierung schreitet voran und die „Entwicklungspolitik“ und die globale „Armutsbekämpfung“ versuchen westliche Standards zu universalisieren. 9/11 und der zähe Bestand autoritärer Systeme dämpfen den Optimismus, doch nun wird der antikommunistische Kampf als „Kampf gegen den Terror“ weitergeführt; mit schwerwiegenden Folgen für die islamische Welt.

4. Entwicklung des Islamismus

In den 60ern und 70ern wollen iranische Intellektuelle und Geistliche dem internationalen US-Imperialismus, der insbesondere ihre Heimat kulturell verwestlicht und politisch und ökonomisch fremdsteuert, etwas entgegensetzen und entwickeln auf der Grundlage des linken Antiimperialismus die Idee der islamischen Revolution, die 1979 in umgesetzt wird. Die Ayatollahs, offiziell bis heute auch „Revolutionsführer“ genannt, exportieren daraufhin die Revolution in die Konfliktregionen Palästina, Libanon und später auch in den Irak und nach Syrien und tragen damit zur Destabilisierung des Nahen Ostens bei. Aus dem Antiimperialismus, der bis heute im Iran Staatsdoktrin ist, wurde heute längst ein iranisch-schiitischer Imperialismus. Ebenso ergeht es den Saudis mit ihrem wahhabitischen Ideologieexport. In den 80er Jahren erfinden dann sunnitische Fundamentalisten den internationalen Jihad als Gegenbewegung zur kulturellen Verwestlichung und zur Dominanz durch USA und Sowjetunion. Schauplatz des internationalen Jihads ist Afghanistan, wo auch Al-Kaida geboren wird. Ihre Erben wüten Jahrzehnte später noch in Syrien, Irak und anderen muslimischen Ländern und verüben Anschläge im Westen – angetrieben von der modernen Fieberfantasie eines weltumspannenden Kalifats.

Fazit

Also liebe Freunde der gepflegten Geschichtsstunde: Ihr seht, wohin Revolutionsexport und universalistische Utopie führen. Wie steht es nun um den Idee einer globalen feministischen Politik?

Der Feminismus ist ein Experiment mit unklarem Ausgang. Die moderne Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine Utopie, die schon im Westen an ihre Grenzen stößt und der Gesellschaft mehr schadet als nützt. Es ist geschichtsvergessen und unverantwortlich zu glauben, man könne solche halbgaren Ideen, die sich noch nicht mal in der eigenen Gesellschaft bewährt haben, in andere Gesellschaften zu exportieren. Außer dass im Auswärtigen Amt dann Stellen für Genderstudies-Absolventen frei werden wird davon niemand profitieren. Im Gegenteil: Abgesehen davon, dass man dadurch die „Segnungen“ des modernen Feminismus auch auf andere Länder auskübelt, erfahren wir im Westen gerade eine ernsthafte Spaltung zwischen der neuen Linken und der neuen Rechten. Diese Spaltung findet unter anderem auch wegen der zunehmend wahnsinnig werdenden feministischen Identitätspolitik statt; auch wenn andere Konflikte bisher noch im Vordergrund stehen. Nun versucht die Neue Linke mit ihrer Identitätspolitik auch noch in die internationalen Beziehungen zu vergiften. Und das Schlimme ist: Es könnte sich sogar bei einigen Regierungen durchsetzen. Schweden macht schon seit vier Jahren offiziell „feministische Außenpolitik“. Trudeau arbeitet dran. Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn es aufgrund solcher unnötigen ideologischen Spaltungen zu einer neuen internationalen Blockbildung kommt und daran NATO und EU zerbrechen und Staaten mit linksidentitärer Agenda gegen Staaten mit rechtsidentitärer Agenda stehen. Wer, wie Claudia Roth, unbedingt mit einem breiten Grinsen seine Scheißideologie ins Ausland exportieren muss und das „weltweite Patriarchat“ bekämpfen muss, wird genau zu so einer internationalen Spaltung beitragen und will womöglich auch genau das provozieren. Das hat die Geschichte gezeigt. Denn wie verlockend wäre es, wenn man alle Feminismuskritiker endgültig auf einer verfeindeten Trump-Putin-Orban-Seite sehen würde? Würde das nicht ganz neue Handlungsspielräume eröffnen, wenn man hier in dem innenpolitischen Gegner gleichzeitig auch den außenpolitischen bekämpft? Man denke an die Kommunistenverfolgung in den USA unter McCarthy, wo genau dies geschah.

Aber was male ich hier schon wieder den Teufel an die Wand! Der globale feministische Revolutionsexport wird natürlich völlig anders werden, als der ganze Mist, den die Jahrhunderte davor irgendwelche weißen bis leicht-pigmentierten Heteromänner verzapft haben. Natürlich wird es, wie alles was Frauen machen, viel netter, schlauer und cooler werden. So wie in diesem schmissigen linken Kampflied: Einfach ’sozailistisch‘ durch ‚feministische‘ ersetzen, ‚faschistisch‘ durch ‚männlich‘ und ‚Arbeiter, Bauern‘ durch ‚Frauen‘ und dann ab zur Weltrevolution.

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Autor: Jonas

Student der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Fokus Nahost

3 Kommentare zu „Claudia Roth: Kampf dem internationalen privilegiert-maskulinistischen Patriarchat!“

  1. Kann mal jemand dieser Claudia Roth stecken, dass ich vor lauter „Patriarchat“ bei GMX und immer wieder woanders keine Werbung für mein feminismus- und genderkritisches Buch machen darf, weil mich alle Welt zensiert (Facebook sowieso)?

    Das Buch gibt es jetzt auch als E-Book. Aktionspreis bis zum 30.11.18: 3,99€, regulärer Preis 9,99€ (Kindle Unlimited: 0,00€)

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  2. Frau Roth bemängelt, dass nur 13% der Botschafter Frauen sind?
    Da habe ich einen guten Vorschlag!
    Man ernenne nehme ein beliebiges Land, in dem der deutsche Botschafter ein Mann ist und ersetze ihn durch Sawsan Chebli. Ich vertraue da ganz in ihr feines Gespür für professionelles Auftreten und sachliche Antworten auf Komplimente. Dieses wird dann dazu führen, dass dieses Land sehr schnell die diplomatischen Beziehungen mit der BRD abbrechen wird.
    Dann wäre Frau Chebli frei für die nächste Botschaft in einem anderen Land. Das machen wir dann solange weiter, bis wir eine genügend hohe Quote an weiblichen Botschafterin erreicht haben… (oder wir durch den dadurch ausgelösten 3. Weltkrieg von der Landkarte gepustet wurden)

    1. Satz 3: das erste „ernenne“ streichen.
      Letzter Satz: es muss „Botschafterin en“ heißen.
      Das kommt vom Schreiben auf dem Mobiltelefon…

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