Frauen wählen richtiger!

Nun ist es amtlich. Wenn der SPIEGEL es verbreitet, dann muß es stimmen: Frauen sind die besseren Wähler.

Liebe Leser dieses Blogs, ich mache mir zunehmend Sorgen um unsere Demokratie. Aber ganz sicher nicht deshalb, weil irgendwelche unliebsamen Parteien in Parlamente gewählt werden (das ist ein Ausdruck der Demokratie – ob es einem schmeckt oder nicht), sondern weil irgendwelche Intellektuelle demagogischen Unsinn auf prominenten Plattformen verbreiten dürfen. Und wir mit unseren popeligen Privat-Blogs dagegen anstinken müssen (weil es sonst keiner für nötig hält – Journalisten schon gleich gar nicht, da hackt die eine Krähe der anderen kein Auge aus).

Wieder einmal geht es um das Thema „Wertigkeit von Wahlstimmen“. Wieder einmal? Ja, doch. Nachdem es in den jüngeren Jahren in Mode gekommen ist, direkt nach einer Wahl unter dem Deckmäntelchen der Informationsbereitstellung die Wählerschaften einzelner Parteien zu analysieren, bläst Christian Stöcker (seines Zeichens Hochschulprofessor) in dasselbe Horn. Motto sowohl bei ihm als auch bei den vorgenannten Analysen: „Welche Idioten haben denn nun wieder den Stiefel zusammengewählt?“

Natürlich wird das weniger drastisch ausgedrückt, als ich das tue. Was aber nichts daran ändert, dass sich da jemand anmaßt, in „gute“ und „schlechte“ Wählerstimmen einzuteilen. Und das von einer Person mit Lehrbefähigung für eine Hochschule. Es zählt nicht mehr „eine Person – eine Stimme“, es zählt, wer die Stimme gegeben hat. Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, gesellschaftlicher Hintergrund, Herkunft, Hautfarbe.

Zweiwege-Diskrimierung in einem Abwasch: Sowohl die gewählte Partei als auch die Wähler sind von geringerem Wert. Der Zweck heiligt die Mittel auch hier, wenn es darum geht, die politische Gegenseite schlecht zu machen. Würde man die gleiche Methode auf eine andere Thematik anwenden, das Geschrei wegen dieses Rassimus wäre groß.

Des besseren Kontrastes wegen wird US-Präsidentendarsteller Donald Trump herangezogen, dessen Partei Frauen seltener wählten, als Männer. Und die Frauen, die trotzdem republikanisch wählten, sind Dummchen, Zitat:

[…] bei den weißen Frauen entschieden sich noch fast genau die Hälfte für Trumps Republikaner, was vor allem an Wählerinnen mit niedrigem Bildungsgrad liegt: Weiße Frauen mit College-Abschluss bevorzugten fast überall die demokratischen Kandidaten.

Zurück zu den „besser und richtiger“ wählenden Frauen:

Man könnte diesen statistischen Unterschied zwischen dem Wahlverhalten von Männern und Frauen kurz so zusammenfassen: Frauen sind weniger herz- und rücksichtslos. Sie stimmen weniger oft für Kandidaten mit offenkundig aggressiven, militaristischen und feindseligen Positionen. Es hat schon seinen Grund, dass es „Dreckskerl“ heißt.

Für die USA fand die an der University of Stanford arbeitende Psychologin Felicia Pratto schon Mitte der Neunziger heraus, dass „Frauen eine andere Haltung zu einem der Grundwerte haben, die Amerikaner im Schnitt wichtig finden, und zwar sozialer Ausgleich“.

Natürlich, betonte Pratto damals, gebe es Frauen, die eher mehr Wert auf soziale Hierarchien legten und auch Männer, die stärker um soziale Gerechtigkeit bemüht seien. Aber im Durchschnitt existiere eben ein Geschlechterunterschied.

Am Rande: An dieser Stelle wäre ich gespannt, wie die Gender-„Wissenschaften“ mit diesem Geschlechterunterschied umgehen. Ist dieser Unterschied den Frauen rollenmäßig anerzogen oder liegt ein biologischer Hintergrund vor?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin ja selbst ein weißer Mann, und ich finde mich ehrlich gesagt ganz nett. Aber manche von meiner Sorte sind das eben eher nicht.

Verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Professor, auch ich sehe bestimmte politische Haltungen nicht unkritisch, aber finden Sie nicht, dass Sie mit Ihrem Artikel etwas gar weit den Boden der Demokratie verlassen, wenn Sie „sozialen Ausgleich / soziale Gerechtigkeit“ als einziges Kriterium für eine richtige Wahlentscheidung heranziehen?

Im Gegenteil finde ich es schlecht, wenn nur nach „weichen Faktoren“ wie die gefühlte Sozialkompetenz der Spitzenkandidaten gewählt wird und dabei Gegenpositionen gar nicht gehört werden. „Nett sein“ ist ebenfalls eine Kategorie, die bei einer politischen Wahlentscheidung nicht unwichtig ist, aber doch nicht an erster Stelle rangieren sollte.

Ihren Artikel finde ich ganz und gar nicht nett, und das liegt nicht daran, dass ich ein weißer Mann bin. Der Grund ist, dass Sie als Hochschulprofessor über genügend Intelligenz verfügen müssten, um sich der Tragweite eines solchen Geschreibsels bewußt zu sein. Sehen Sie es mir also bitte nach, dass ich es als manipulativ bewerte, denn Sie wissen, was Sie tun. Und ich bin -gottlob- nicht der Einzige, dem das auffällt, schauen Sie ruhig mal in die Leserkommentare zu Ihrem Artikel.