Claudia Roth: Kampf dem internationalen privilegiert-maskulinistischen Patriarchat!

In der internationalen Diplomatie gilt es herkömmlicherweise als angebracht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Nationen nicht einzumischen und die Selbstbestimmung und Souveränität der Partner zu achten. Dem Feminismus und anderen utopistischen Ideologien war eine solche Zurückhaltung schon immer fremd. Nun plädiert das grüne Sympathiemonster Claudia Roth in dem feministischen Käseblatt „Edition F“ für eine „feministische Außenpolitik“. Leitfaden aller Außenpolitik soll das Wohl von Frauen und anderen Gruppen sein, die nach linkem identitätspolitischem Dogma als „diskriminiert“ gelten. Ein „weltweites Patriarchat“, wie sie es bezeichnet, das durch verschiedene rechte Bewegungen wieder überall in der Welt auf dem Vormarsch wäre, muss konsequent außenpolitisch bekämpft werden. Brasiliens neuen rechtsautoritären Präsidenten Bolsonaro (der auch durch frauenverachtende Sprüche aufgefallen ist) fantasiert die Verschwörungstheoretikerin Roth dabei als „Speerspitze“ von etwas, was nicht klar definiert ist, aber irgendetwas mit bösen Männern und sogar mit „Maskulinisten“ zu tun hat. Die universale Deutungshoheit des linken Feminismus ist also international in Gefahr und nun müssen die Frauen und Transgender in fremden Ländern im Sinne des Genderfeminismus „emanzipiert“ werden, – ob sie wollen oder nicht.

Wie viel Leid und Zerstörung haben Menschen schon in die Welt gesetzt, weil sie glaubten, die gesamte Welt mit ihrer Ideologie beglücken zu müssen? Roths Idee der feministischen Außenpolitik, mit der in Schweden und Kanada auch schon experimentiert wird, möchte ich in diesem Blogbeitrag in die lange Geschichte des Universalismus und des modernen Revolutionsexportes einordnen. Man könnte ein Buch darüber schreiben, aber ich habe versucht mich kurz zu fassen, wodurch sicherlich einige unsichere Stellen entstehen.

Versuch einer Geschichte des Revolutionsexportes und des Universalismus

1. Mittelalter bis 1800

Die Geschichte fängt an bei christlichen Missionaren und Herrschern im Mittelalter, die, auch unter Einsatz brutaler Gewalt, ganz Europa unter die (religiöse) Alleinherrschaft Roms zwingen und ihren Kreuzzug später auf den Nahen Osten ausdehnen. Es geht weiter mit den Konfessionskriegen in Europa (insbesondere dem 30-Jährigen Krieg 1618-48), deren Folge ist, dass die europäischen Staatenlenker einsehen, dass es besser ist, sich in die religiösen inneren Angelegenheiten anderer Staaten nicht einzumischen. Staatliche Souveränität und diplomatische Toleranz setzen sich in der frühen Neuzeit auf dem Kontinent als Konsens zur Friedenssicherung durch. Doch dem entgegen steht der Versuch der Missionierung, Eroberung und Europäisierung der außereuropäischen Welt im Kolonialzeitalter.

2. Moderne bis 1945

Im frühen 19. Jahrhundert versucht ein kleiner französischer Größenwahnsinniger die Errungenschaften der Französischen Revolution zu exportieren und stürzt für dieses kurzsichtige Ziel große Teile Europas ins Chaos. Republikanismus, Egalitarismus und Säkularismus werden zur universalistsichen Ideologie, doch die Revolution kann schon hier nicht exportiert werden. Stattdessen erfolgt als Gegenreaktion (übrigens die Reaktion im politischen Sinne) die repressive Restaurationszeit, in der versucht wird, die vorrevolutionären monarchistischen Zustände wiederherzustellen.

Durch den Siegeszug des Kapitalismus im Industriezeitalter entsteht die liberale Idee, dass ein internationaler freier Markt dem Wohle der gesamten Menschheit diene. Der europäische, insbesondere englische, Imperialismus bekommt damit eine neue Radikalität, die z.B. das Kaiserreich China in den Opiumkriegen zu spüren bekommt. Die Antwort auf den internationalistischen Kapitalismus, nämlich der internationalistische Kommunismus folgt auf dem Fuß. Infolge des Staatszusammenbruchs im Ersten Weltkrieg proben Kommunisten in Russland 1917 die Weltrevolution. Die siegreichen Anhänger Lenins beginnen sogleich mit dem Revolutionsexport und bringen damit insbesondere die noch junge Weimarer Demokratie ins Wanken. Man sollte nicht vergessen, dass die antidemokratische KPD lange Zeit nichts anderes war als eine deutsche „Filiale“ der Sowjetunion, die auf Direktive Moskaus Deutschland destabilisierte. Als Gegenreaktion vermengen sich im rechten Spektrum derweil nationalchauvinistischer Imperialismus, Antisemitismus und Antibolschewismus zum deutschen Nationalsozialismus, der sich zum Ziel setzt, endlich das legendäre „Weltjudentum“ zu besiegen. Die innenpolitische Aufspaltung in Rechts und Links wird damit zu internationalen ideologischen Blöcken. Das erste Opfer dieses internationalen Kampfes zwischen Links und Rechts wird Spanien. Ausländische kommunistische und faschistische Kräfte mischen sich in den Spanischen Bürgerkrieg ein, um dort die weltanschaulichen Fragen ihrer eigenen Herkunftsländer auszufechten.

Der Spanische Bürgerkrieg wird im Zweiten Weltkrieg weitergeführt. Ganz Europa wird in Folge dieses ideologischen Rassekriegs gegen die „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ verwüstet und Millionen Juden ermordet. Auch die deutschen Verbündeten, das Kaiserreich Japan und das faschistische Italien verfolgen ihrerseits eine aggressive Eroberungs- und Kolonialpolitik und versuchen ihre Kultur fremden Völkern gewaltsam aufzuzwingen. Der Kampf gegen den internationalistischen Kommunismus spielt auch dabei ein Rolle.

3. 1945 bis 1990

Nach dem alliierten Sieg über die Achsenmächte erfolgt ein massiver sowjetischer Revolutionsexport im Ostblock. Überall entstehen die autoritären Satellitenstaaten Moskaus. Demgegenüber steht die antikommunistische Eindämmungspolitik der Amerikaner, die auch zur innenpolitischen Kommunistenverfolgung führt (McCarthy-Ära). Zwei universalistische Ideologien stehen sich gegenüber, versuchen den gesamten Globus in gut und böse einzuteilen und führen Stellvertreterkriege gegeneinander, deren Folgen bis heute nachwirken (z.B. Korea).

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Tyrannei 1990 rufen westliche Neoliberale das „Ende der Geschichte“ (Fukuyama) aus. Alle Menschen werden ab nun glücklich in einer demokratischen und kapitalistischen Weltgesellschaft leben. Auch die ehemalige DDR wird in diesem Übereifer „liberalisiert“. Die wirtschaftliche Globalisierung schreitet voran und die „Entwicklungspolitik“ und die globale „Armutsbekämpfung“ versuchen westliche Standards zu universalisieren. 9/11 und der zähe Bestand autoritärer Systeme dämpfen den Optimismus, doch nun wird der antikommunistische Kampf als „Kampf gegen den Terror“ weitergeführt; mit schwerwiegenden Folgen für die islamische Welt.

4. Entwicklung des Islamismus

In den 60ern und 70ern wollen iranische Intellektuelle und Geistliche dem internationalen US-Imperialismus, der insbesondere ihre Heimat kulturell verwestlicht und politisch und ökonomisch fremdsteuert, etwas entgegensetzen und entwickeln auf der Grundlage des linken Antiimperialismus die Idee der islamischen Revolution, die 1979 in umgesetzt wird. Die Ayatollahs, offiziell bis heute auch „Revolutionsführer“ genannt, exportieren daraufhin die Revolution in die Konfliktregionen Palästina, Libanon und später auch in den Irak und nach Syrien und tragen damit zur Destabilisierung des Nahen Ostens bei. Aus dem Antiimperialismus, der bis heute im Iran Staatsdoktrin ist, wurde heute längst ein iranisch-schiitischer Imperialismus. Ebenso ergeht es den Saudis mit ihrem wahhabitischen Ideologieexport. In den 80er Jahren erfinden dann sunnitische Fundamentalisten den internationalen Jihad als Gegenbewegung zur kulturellen Verwestlichung und zur Dominanz durch USA und Sowjetunion. Schauplatz des internationalen Jihads ist Afghanistan, wo auch Al-Kaida geboren wird. Ihre Erben wüten Jahrzehnte später noch in Syrien, Irak und anderen muslimischen Ländern und verüben Anschläge im Westen – angetrieben von der modernen Fieberfantasie eines weltumspannenden Kalifats.

Fazit

Also liebe Freunde der gepflegten Geschichtsstunde: Ihr seht, wohin Revolutionsexport und universalistische Utopie führen. Wie steht es nun um den Idee einer globalen feministischen Politik?

Der Feminismus ist ein Experiment mit unklarem Ausgang. Die moderne Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine Utopie, die schon im Westen an ihre Grenzen stößt und der Gesellschaft mehr schadet als nützt. Es ist geschichtsvergessen und unverantwortlich zu glauben, man könne solche halbgaren Ideen, die sich noch nicht mal in der eigenen Gesellschaft bewährt haben, in andere Gesellschaften zu exportieren. Außer dass im Auswärtigen Amt dann Stellen für Genderstudies-Absolventen frei werden wird davon niemand profitieren. Im Gegenteil: Abgesehen davon, dass man dadurch die „Segnungen“ des modernen Feminismus auch auf andere Länder auskübelt, erfahren wir im Westen gerade eine ernsthafte Spaltung zwischen der neuen Linken und der neuen Rechten. Diese Spaltung findet unter anderem auch wegen der zunehmend wahnsinnig werdenden feministischen Identitätspolitik statt; auch wenn andere Konflikte bisher noch im Vordergrund stehen. Nun versucht die Neue Linke mit ihrer Identitätspolitik auch noch in die internationalen Beziehungen zu vergiften. Und das Schlimme ist: Es könnte sich sogar bei einigen Regierungen durchsetzen. Schweden macht schon seit vier Jahren offiziell „feministische Außenpolitik“. Trudeau arbeitet dran. Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn es aufgrund solcher unnötigen ideologischen Spaltungen zu einer neuen internationalen Blockbildung kommt und daran NATO und EU zerbrechen und Staaten mit linksidentitärer Agenda gegen Staaten mit rechtsidentitärer Agenda stehen. Wer, wie Claudia Roth, unbedingt mit einem breiten Grinsen seine Scheißideologie ins Ausland exportieren muss und das „weltweite Patriarchat“ bekämpfen muss, wird genau zu so einer internationalen Spaltung beitragen und will womöglich auch genau das provozieren. Das hat die Geschichte gezeigt. Denn wie verlockend wäre es, wenn man alle Feminismuskritiker endgültig auf einer verfeindeten Trump-Putin-Orban-Seite sehen würde? Würde das nicht ganz neue Handlungsspielräume eröffnen, wenn man hier in dem innenpolitischen Gegner gleichzeitig auch den außenpolitischen bekämpft? Man denke an die Kommunistenverfolgung in den USA unter McCarthy, wo genau dies geschah.

Aber was male ich hier schon wieder den Teufel an die Wand! Der globale feministische Revolutionsexport wird natürlich völlig anders werden, als der ganze Mist, den die Jahrhunderte davor irgendwelche weißen bis leicht-pigmentierten Heteromänner verzapft haben. Natürlich wird es, wie alles was Frauen machen, viel netter, schlauer und cooler werden. So wie in diesem schmissigen linken Kampflied: Einfach ’sozailistisch‘ durch ‚feministische‘ ersetzen, ‚faschistisch‘ durch ‚männlich‘ und ‚Arbeiter, Bauern‘ durch ‚Frauen‘ und dann ab zur Weltrevolution.

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Warum Maskulismus und Feminismuskritik rechts sind

rechtsspongebob
Diese zwei Mitbürger in ihren Filterblasen sind nicht gerade für ihre Klugheit bekannt; aber eines wissen sie sicher: rechts = BÖÖÖSE!

Nach feministischer Lesart sind Maskulismus und Antifeminismus rechts. Ich meine, dass sie damit rechts.. äh recht und unrecht zugleich haben.

 

1. Wenn alle links sind ist niemand links – die Relativität des politischen Standpunktes

Viele Maskulisten und Feminismuskritiker z.B. Hoffmann, Schoppe und uepsilonniks wehren sich gegen diesen Vorwurf (dazu unten mehr) des „Rechts-sein“ und verstehen sich selbst als Linke und zwar eben weil sie Männerrechtler sind und nicht weil sie außerdem auch noch klassische linke Ansichten haben. Mein Vorredner lionosys dazu:

Auf dieses Spiel sollten wir uns nicht einlassen und deshalb finde ich es unproduktiv, beweisen zu wollen, wie „links“ die Männerbewegung doch ist. Da folgt man nur dem Mainstream: links = progressiv und gut, rechts = stehengeblieben und falsch.“

Ich sehe das genauso. Doch auch unabhängig davon könnte man sich als Männerrechtler ja einfach geschlechterpolitisch links einordnen, egal was die blöden Femis dazu sagen. Doch ich meine, dass das nicht so einfach ist, weil man nicht selber entscheiden kann, was links und was rechts ist, wie ich im folgendem ausführlich erklären werde.

 

Die Natur des Pluralismus

Doch was soll eingentlich diese Wissenschaft über rechts-links-Einordnungen? Viele lehnen heute diese Art der Einordnung generell ab, da sie sich nicht in politische Schubladen stecken lassen wollen; so auch lionosys:

Ist die Männerbewegung also links oder rechts? Ich meine, sie ist weder links noch rechts, sondern gerecht.“

Sowohl Rechte als auch Linke behaupten in aller Regel, dass sie sich für Gerechtigkeit einsetzen. Das Verständnis von Gerechtigkeit ist also unterschiedlich, einen Konsens darüber gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Warum? Eben weil es eine gesellschaftliche Spaltung in ein wie auch immer geartetes „links“ und ein wie auch immer geartetes „rechts“ über genau diese Frage, was Gerechtigkeit ist, gibt. Würden unter „Gerechtigkeit“ alle dasselbe verstehen, braucht es keine Demokratie und keinen Diskurs über links und rechts mehr. Das Rechts-links-Schema liegt in der Natur des Pluralismus.

 

Aber was heißt nun rechts und links?

Man stelle sich einen Raum vor, indem zwei Personen sitzen, die ein politisches Problem diskutieren. Der eine meint X und der andere Y. Der erste sitzt rechts im Raum und der zweite links. Dann ist Ansicht X rechts und Ansicht Y links. Das ist die Geburt des pluralistischen Parlamentarismus. Mehr bedeuteten rechts und links ursprünglich nicht. Man kann sich also nicht aktiv rechts oder links positionieren, sondern man hat eine Meinung und ist durch diese passiv im politischen Spektrum positioniert. Streng genommen kann auch nicht eine Person als Ganzes „rechts“ oder „links“ sein, sondern die rechte oder linke Positionierung ist von der konkreten Frage abhängig. Jemand der geschlechterpolitisch in diesem Sinne rechts steht kann einwanderungspolitisch links stehen etc. De facto ist es aber regelmäßig so, dass es rechte und linke Blöcke oder Lager mit relativ einheitlichen Standpunkten gibt; was sich in der Parteienbildung manifestiert.

Aufgrund dieser Verstetigung des Lagers und der Parteienbildung hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass „links“ und „rechts“ einen konkreten Inhalt(Essenz), also auch eine wie auch immer geartete essenzialistische Definition haben. So z.B. Wikipedia:

„Die […] Strömungen der politischen Linken eint dabei, dass sie von der Gleichheit der Menschen ausgehen.“

und

„[Die Rechte] geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus“

Beides mag oft zutreffen, aber ich halte diese Definitionen für unbrauchbar, da „Gleichheit“ zu sehr Auslegungssache ist, wie man z.B. an der aktuellen Geschlechterdebatte gut beobachten kann. Dass die Linke sich nur all zu gerne in identitätspolitischen Unterscheidungen der Menschen übt, ist außerdem kein neuer Trend, sondern hat lange Tradition, wie im Geschichtsteil ausführlich erläutert wird. (siehe unten)

Ich halte es generell für aussichtslos, semantisch völlig unpolitischen Wörtern wie links ,rechts, Norden, Süden, hinten und vorne einen festen weltanschaulichen Inhalt anzudichten. Sie bezeichnen eben (theoretisch) nichts anderes als eine Relativität.

Gibt es nun einen linken Maskulismus oder Antifeminismus? Nein; denn dies folgt dem problematischen essentialistischem Verständnis von links und rechts. Progressive Maskulisten und liberale oder wertkonservative Antifeministen haben zwar unterschiedliche Ansichten, sind aber trotzdem alle rechts; ganz einfach deswegen, weil Feminismus links sitzt. Ist halt so. Na und? Ist auf der rechten Seite die Luft schlechter oder warum wollen alle links sitzen? Und was passiert, wenn alle links sitzen wollen, obwohl sie komplett konträren Lagern angehören? Dann ist die Bezeichnung „links“ nur noch ein hübsches (und teures) Label und „recht“ nur noch ein billiger Vorwurf und kein analytischer Begriff. Und das ist genau die Situation, die wir heute haben.

Sicherlich ist es so, dass die Maskulisten, die sich als links bezeichnen, ursprünglich aus dem linken Lager kommen und viele politische Positionen vertreten, die auch heute noch irgendwo links angesiedelt sind. Fakt ist aber trotzdem, dass der Feminismus (bisher noch) fest zum linken Lager gehört und zwischen den Femis und ihren Kritikern ein Graben geöffnet wurde der so breit ist, dass es unzulässig wäre, ihn zu ignorieren. Man kann nicht leugnen, dass man geschlechterpolitisch auf der anderen Seite steht.

Der Grundgedanke dieses Blogbeitrags ist also keineswegs zu erklären, was Männerrechtler und Antifemis eigentlich für fiese Nazitypen sind, sondern mein Anliegen ist es, die Kategorien „links“ und „rechts“ rein relativistisch, inhaltslos und damit politisch wertfrei zu betrachten.

 

2. Rechts und Links im frühen Parlamentarismus bis heute

Ein kleiner historischer Abriss der Geschichte des rechts-links-Schemas um den heutigen Diskurs über links und rechts zu verstehen und um zu sehen, wie wechselhaft „links“ und „rechts“ sind. Er spiegelt nicht immer den geschichts- und politikwissenschaftlichen Konsens wieder, sondern oft eher meine eigene Interpretation.

 

1789 – Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Da das Verständnis von „links“ und „rechts“ heute wesentlich mit dem politischen Spektrum des 20. Jahrhunderts verknüpft ist, geht man oft davon aus, dass „links“ generell was mit Sozialismus und „rechts“ generell mit z.B. Nationalismus zu tun hat. Tatsächlich stammt die rechts-links-Logik aber aus der Zeit der Französischen Revolution. Als Linke galten damals die Anhänger der Revolution, also Republikaner; einfach deswegen weil die links im Plenum der Nationalversammlung saßen, während die Monarchisten bzw. Loyalisten eben rechts saßen. Aus dieser Situation heraus bildeten sich die Bezeichnungen „rechts“ und „links“ als Überbegriffe für die zwei wichtigsten politischen Spektren der Zeit.

Dieses französische Schema wurde im deutschen Vormärz übernommen, also in der Zeit der ersten liberalen Bewegungen in Deutschland. Es gab zwar bis zur Revolution 1848 noch kein Parlament, in dem man „rechts“ oder „links“ hätte sitzen können; doch die politische Landschaft war mit Frankreich vergleichbar – mit einem wichtigen Unterschied: Die liberalen bzw. republikanischen Bewegungen in deutschen Ländern waren deckungsgleich mit der deutschen Nationalbewegung. Im Gegensatz zu Frankreich gab es noch keinen geeinten deutschen Nationalstaat sondern die sog. „Kleinstaaterei“; also eine Vielzahl souveräner deutscher Monarchien – die alle mehr oder weniger undemokratisch waren. Die deutschen Linken, die für Freiheit, Verfassung und Menschenrechte kämpften und die alte monarchische (bzw. restaurative) Ordnung abschütteln wollten, waren nun gleichzeitig auch die Vorkämpfer der deutschen Einheit; also Nationalisten. Das nationalistische Spektrum des frühen 19. JH. reichte von gemäßigten, liberalen bis hin zu Antisemiten und Franzosenhassern, die eine blutsreine germanische Nation fantasierten. Dazu der Historiker Werner Winkler:

„Der deutsche Nationalismus war von Anfang an belastet durch sein ambivalentes Verhältnis zum revolutionären Frankreich. So stand etwa Fichte im damaligen zeitgenössischen Diskurs zwar eher ‚links‘, er war eher ein Republikaner als ein Verteidiger der bestehenden Ordnung. Andererseits aber führte der Kampf gegen Napoleon dazu, dass Nationalisten wie Fichte, Arndt und Jahn Frankreich zur Bedrohung schlechthin, ja zum ‚Erbfeind‘ erklärten.“

[Winkler im Interview mit dem ZEIT-Geschichte 3/2010 S.25]

wartburgfest
Kleine Koran-Grillparty beim AfD-Ortsverein? Nicht ganz. Es handelt sich um das Wartburgfest 1817. Revolutionäre Studenten versammeln sich, halten demokratische und nationalistische Reden und verbrennen Bücher, die nicht politisch korrekt (zu konservativ oder zu jüdisch) sind – die erste linke bzw. linksradikale Großdemo der deutschen Geschichte. Sag mal, ist der zweite von rechts nicht Björn Höcke? Und da, der ganz linke – Mensch, ich werd verrückt, das ist doch Claudia Roth!

All dies war zusammen mit liberalen, republikanischen und demokratischen Ideen nicht nur irgendwie Teil der Linken, sondern das war die Linke an sich. Und zwar die erste politische Linke auf deutschem Boden. Einen deutschen rechten Nationalismus gab es im Vormärz noch nicht, denn die Rechten (also die konservativen Monarchisten) bekämpften die deutsche Einheit und den Gedanken der Volkssouveränität nach Kräften um die Herrschaft der Könige und Fürsten aufrecht zu erhalten. Als die Märzrevolution dann in die Paulskirchenversammlung – dem ersten deutschen Parlament – mündete; erfolgte die Sitzordnung und Bezeichnung der Lager nach dem Schema:

Rechts: Monarchisten/Konservative

Mitte: Konstitutionelle Monarchisten

Links: Republikanische Nationalisten

 

Zweite Hälfte des 19. JH – 1945

Doch warum ist Nationalismus dann heute rechts, wenn er ursprünglich links war?

Dazu wieder Winkler:

„Zu einer ausgeprägt rechten Ideologie ist der Nationalismus erst in den 1870er Jahren geworden, als die Abgrenzung vom internationalen Proletariat für das Bürgertum in den Vordergrund rückte“

[ebd.]

Spätestens als 1871 Bismarck (Im Spektrum von 1848 ein antiliberaler und antirepublikanischer Rechtsextremer) mit „Blut und Eisen“ einen autokratischen deutschen Nationalstaat unter Führung des preußischen Königs errichtete, änderte sich das rechts-links-Schema, denn die deutsche Einheit und Verfassung war nun Konsens; auch der Republikanismus der 48er war marginalisiert, da die gescheiterte Revolution von 1848 die freiheitlichen Ideen verblassen ließ. Das neue gesamtdeutsche Bürgertum war kaisertreu oder katholisch, aber nicht mehr liberaldemokratisch.

Das Rechts-links-Schema wurde nun durch die neu entstandene Arbeiterbewegung bestimmt. Nationalistische und loyalistische Adlige und Großbürger standen der internationalistischen Arbeiterbewegung gegenüber. D.h.: Die neue Rechte verteidigte die Einheit des Volkes und den preußischen Obrigkeitsstaat gegen den internationalen Klassenkampf der neuen Linken. Hinzu kam noch das katholische Zentrum und Reste der Nationalliberalen in der Mitte. Dieses Rechts-links-Schema blieb bis in die Weimarer Republik (1918-1933) erhalten.

In der Diktatur des Nationalsozialismus gab es kein rechts und links, weil es keinen Pluralismus gab; ähnlich ist es ab 1949 in Ostdeutschland. Hitler war also ab der Ausschaltung seiner Gegner nicht mehr „rechts“.

 

BRD bis 2010er

Nach 1945 waren Militarismus, Autoritarismus und radikaler Nationalismus nur noch randständig. Rechts saßen nun erstmals rein bürgerliche Konservative (also keine Adligen und Militärs mehr), die einen liberaldemokratischen Rechtsstaat schufen, die Wirtschaft wieder ankurbelten, Hand in Hand mit der SPD einen Sozialstaat und feste transatlantische und europäische Beziehungen aufbauten. Die Union sozialdemokratisierte sich teilweise, ging aber entschieden gegen den Kommunismus vor. Sich als „rechts“ zu bezeichnen war nun nicht mehr en Vogue. Rechts sind die überwundenen Nationalsozialisten, aber man selbst ist nur „mitte“, „konservativ“ oder „bürgerlich“, denn das klingt nach dem nationalsozialistischen Trauma verträglicher als „rechts“. Aufgrund dieser Diskursstrategie wird der Begriff „rechts“ tabuisiert.

Auf der anderen Seite formt sich in den 60er und 70er Jahren die Neue Linke: die APO (außerparlamentarische Opposition) und die Neuen Sozialen Bewegungen. Sie stehen für Sozialismus, Abrüstung und Antiimperialismus, konsequente Entnazifizierung, Ökologie, Abkehr von der Spießerkultur der 50er und eine neue Frauenrolle. Links-sein erfährt eine Aufwertung: es bedeutet nicht mehr nur grimmiger Parteisoldat oder bürgerlicher Sozi zu sein, sondern ist jetzt auch hip, intellektuell, liberal, menschlich, vielfältig und äußerst kreativ; auch wenn der politische Radikalismus bekanntlich nie komplett verdrängt wurde (siehe RAF und K-Gruppen). Ein starkes linkes Selbstbewusstsein entsteht, das im krassen Gegensatz zur Blassheit der konservativen Elite steht. Agenda und Werte der 68er gehen um die Jahrtausendwende in die deutsche Mehrheitsgesellschaft über.

1990 fällt durch den Zusammenbruch des Ostblocks der Kommunismus als Feind der Konservativen weg. Die soziale Marktwirtschaft wird Konsens und „Linkssein“ entkoppelt sich vom Sozialismus. Eine traditionelle Arbeiterklasse gibt es in der Dienstleistungsgesellschaft des späten 20. Jahrhunderts ohnehin nicht mehr. Die fortschreitende Europäisierung und Globalisierung machen den Nationalismus bedeutungslos. Dies alles führt dazu, dass es in den 2000ern kein klares rechts-links-Schema mehr gibt. Stattdessen breiten sich die Phänomene der Post-Politik („alternativlos“) und Politikverdrossenheit aus, deren Erklärung mir hier zu weit geht. Zusätzlich breiten sich von den Universitäten ausgehend der Feminismus der dritten Welle und Antirassismus aus, die die politische Linke erneuern. Weil die konservative „Mitte“ (die nicht ja immer noch nicht rechts sein möchte) dem nichts brauchbares entgegensetzt, gehen sie fließend in den den politischen Mainstream über.

Zum „Einheitsbrei“ der Mitte aus Union und SPD gibt es daher nur eine schwache Opposition von links. Die Linken sind selber in einer Identitätskrise, da sie nun zum einen selber in den Mainstream aufgegangen sind und zum anderen weil die Planwirtschaft moralisch bankrott ist. Die in den 60er Jahren geformte Linke droht unbrauchbar zu werden. Doch sie profiliert sich neu. Ab den 90er Jahren rückte das Problem der Ausländerfeindlichkeit und der Neonazi-Szene verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit; insbesondere in Ostdeutschland. Die Linke; fernab davon, für die Lage der jungen oft proletarischen Männer der rechtsextremen Szene Lösungen anzubieten, entdeckt den Neonazi als neuen Erzfeind und konzentriert wie nie zuvor auf den Antirassismus. Sie versucht ferner ihre linke Identität dadurch zu retten, dass sie sich im Feminismus und anderen Formen von political Correctness versteigt. Als sich in den 2010ern die Neue Rechte als EU- und einwanderungskritische Bewegung bildet, fürchtet die etablierte Linke um ihre Diskurshoheit und ruft zum Kreuzzug gegen rechts.

 

3. Der identitätspolitische Kampf „gegen rechts“ – Der undemokratische Kult um ein Tabuwort

gegenrechts
Omas, Rock und Heiko Maas (also alle relevanten Vertreter der Gesellschaft) sind gegen alles, was recht äh.. rechts ist – also auch gegen Männerrechte und Feminismuskritik.

„Gegen rechts“ – was soll das heißen? Wer oder was ist dieser „rechts“ was ist so schlimm an ihm und warum gibt es nicht auch Kampagnen „gegen links“ und „gegen mitte“ ? Natürlich kann man gerne gegen eine beliebige rechte Position sein, aber dann nenne man diese doch bitte beim Namen und erkläre warum man sie ablehnt; anstatt dass man einfach in einem Akt kollektiver Selbstvergewisserung klar stellt, dass man irgendwie gegen rechts ist. Dieses Bekenntnis ist keine Argumentation sondern reine identitäre Abgrenzung im Sinne eines Lagerdenkens. Die „gegen-rechts“-Kampagnen sind nur deshalb möglich, weil es aufgrund einer linken Diskurshoheit in dieser Gesellschaft möglich ist, mit einem komplett unspezifischen Schlagwort, das ultimativ alles bezeichnet, wogegen Linke sein könnten ein Feindbild beschwören kann; vor dem sich das ganze feige Bürgertum wie ein Kind fürchtet: Den Rechten schlechthin – den herrschsüchtigen, brutalen, autoritären General, Führer, Vater. Und alles, was nun rechts ist, d.h. alles was deutliche Kritik am herrschenden linken Diskurs übt, kann nun mit diesem Feindbild belegt werden. Die Rechten denken sich, dass es sie nicht betrifft, schließlich sind sie ja „liberal“ oder „mitte“ oder dergleichen aber doch um Gottes Willen nicht r.. r.. rechts. Sie leisten also aus Angst vor der Diffamierung keinen Widerspruch und lassen die Linken gewinnen.

ludendorff
Eine Gruppe Männerrechtler, wie sie sich Feministen vorstellen. Man erkennt sie leicht an dem Phallussymbol auf dem Kopf, den griesgrämigen Gesichtern und daran, dass sie grundsätzlich sehr schwarz-weiß abgebildet werden. So oder so ähnlich ist auch das Feindbild der „Rechten“, das viele Bürger haben, die zwar gegen den mitte-links-Mainstream sind, aber trotzdem um Gottes Willen nicht „rechts“ sein wollen.

So ist auch erklärbar, warum liberale, sozialdemokratische oder progressive Feminismuskritiker sich nicht als „rechts“ bezeichnen lassen wollen. Sie verstehen, dass Feministen sie mit dem Nazismus und AfD in Verbindung bringen wollen, was nichts anderes als eine bewusste Diffamierung ist. Gleichzeitig haben sie genauso wie die Linken ein Feindbild vom bösen Rechten im Kopf, das wesentlich durch die radikalen nationalistischen Kräfte aus der deutschen Geschichte bestimmt ist. Ich kann daher ihre Positionierung als „links“ gut verstehen doch besser wäre es wenn sie das alberne und seinem Wesen nach antipluralistische „anti-rechts“-Tabu brechen und sagen: „Natürlich stehe ich geschlechterpolitisch rechts. Wo sollte ich sonst stehen, wenn links und mitte Ignoranz, Autoritarismus und Prüderie herrschen?“

 

4. Versuch einer Prognose

Da, wie gezeigt wurde, das rechts-links-Schema großen Schwankungen unterliegt, ist nicht gesagt, dass Maskulismus/Antifeminismus für immer rechts bleiben müssen. Ich prognostiziere, dass die geschlechterpolitische Diskurshoheit des Feminismus in den kommenden Jahren zusammenbricht. In FDP, Union, SPD und AfD wird man sich verstärkt der Männerbewegung zuwenden. Das hat zwei Effekte: Erstens wird die Männerbewegung dadurch in verschiedenen Lagern (rechts, links und mitte) anschlussfähig und zweitens wird sie sich politisch ausdifferenzieren in die wertkonservativen, liberalen und sozialdemokratischen Strömungen; die dann rechts, mitte und links sitzen werden.

Der Feminismus hingegen könnte, wenn er nicht völlig bedeutungslos wird, auch bei den Rechtskonservativen eine neue Karriere machen. Wie z.B. Lukas Schoppe dargestellt hat, ist feministische Ideologie dort theoretisch sehr anschlussfähig. Die ganze neumodische Frauenschützerei entspringt meiner Meinung nach eh unbewusstem und stark pervertierten Patriarchalismus. Des Weiteren hat auch der rechte anti-islamische Feminismus gute Zukunftsaussichten. Die Geschichte ist noch nicht geschrieben, aber gegenwärtig muss man nun mal den rechten Platz einnehmen, auch wenn da Leute sitzen, die man nicht leiden kann. Aber sitzen auf der anderen bessere? Saßen da je bessere? Sofern ich mich rechts gesinne …äh.. recht entsinne, eher nicht.

Um noch ein bisschen rechts-links-Verwirrung zu stiften: Ein schöner linksradikaler Schlager aus weimarer Zeit. Den würden Linke heute nicht mehr in Mund nehmen, kommt „Nation“ drin vor.

Mittelalterlicher Gerichtskampf: Mann gegen Frau

Bis an die Grenze der Neuzeit war im germanischen Recht der Zweikampf zwischen Ankläger und Angeklagtem ein legitimes Mittel zur Feststellung der Wahrheit einer Beschuldigung, wenn sie nicht anderweitig zu klären war. Üblicherweise verbindet man damit die Idee eines Zweikampfs zwischen Männern. Dieses Rechtsinstitut galt jedoch allgemein für alle Adligen und Freien und schloss auch Frauen ein, sofern diese keinem Vormund unterstanden, also insbesondere unverheiratete Frauen und Witwen (Megede und Wedewen im Sachsenspiegel).

Jeder Gerichtskämpfer, der es sich leisten konnte, konnte einen Lohnkämpfer bezahlen, der anstelle des Klägers oder Beklagten in die Schranken trat. Das führte dazu, dass es berufsmäßige Lohnkämpfer gab, die damit ihren Lebensunterhalt verdienten und dementsprechend in den Fechtkünsten bewandert waren. Einer dieser Fechtkünstler war der im 15. Jahrhundert lebende Hans Talhoffer, der darum bekannt ist, weil er die Summe seiner Künste als Bilderhandschrift hinterlassen hat, die uns aus dem Jahre 1467 überliefert ist. In dieser Handschrift stellen neun von insgesamt 270 Tafeln den gerichtlichen Zweikampf zwischen Mann und Frau dar.

Abb. 1: Hans Talhoffer

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Weiterlesen „Mittelalterlicher Gerichtskampf: Mann gegen Frau“

Was ist eigentlich Unterdrückung?

Wurden Frauen in früheren Zeiten unterdrückt? Das ist eine sehr interessante Frage, die hier im Artikel  „Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten“  aufgeworfen wurde. Ich möchte als Mitautor dieses Gemeischaftsblogs meinen Senf dazu abgeben, auch weil ich teilweise eine etwas andere Sichtweise habe.

 Wenn man diese Frage ernsthaft betrachten will, dann muss man sich fragen: Wie definiere ich eigentlich Unterdrückung? Wann ist jemand unterdrückt und wann ist er es nicht? Ohne eine solche Definition ist es schwierig verschiedene Einelfälle einordnen zu können.

 Für mich bedeutet Unterdrückung:

  1. eine rechtliche Schlechterstellung
  2. ohne einen rechtfertigenden Grund

 NICHT zwingend erforderlich ist dagegen:

  1. dass der Unterdrückte persönlich unter der Unterdrückung leidet
  2. dass die Unterdrückung nicht durch andere Vorteile wieder ausgeglichen wird

Wenn man sich mit dieser Definition im Hinterkopf das Wahlrecht oder auch dessen Verweigerung betrachtet, dann stellt die Verweigerung des Frauenwahlrechtes eine Unterdrückung dar, während z.B. die Verweigerung eines Wahlrechts für kleine Kinder keine Unterdrückung ist (weil hier ein sachlicher Grund besteht).

Es spielt für die Feststellung der Unterdrückung auch keine Rolle, ob Frauen zu Zeiten ohne Wahlrecht vielleicht andere Vorteile hatten, z.B. nicht wie Männer als Soldat in den Krieg ziehen zu müssen. Der Kriegsdienst war und ist möglicherweise eine Unterdrückung der Männer. Aber auch das würde nur bedeuten, dass Männer und Frauen verschiedenen Unterdrückungen ausgesetzt waren oder sind. Nur kann man diese Unterdrückungen nicht einfach gegeneinander aufrechnen: „Du Frau darfst nicht wählen, aber ich Mann muss in den Krieg, da hast Du es besser – ergo keine Unterdrückung der Frau“. So funktioniert das nicht.

Im alten Rom hatte ein Haussklave, in der Villa eines reichen Patriziers vermutlich oft ein besseres, angenehmeres und sicheres Leben als ein freier römischer Bauer oder gar ein Legionär. Daraus kann ich aber nicht ableiten, dass dieser Sklave nicht unterdrückt gewesen sei. Es ist für die Feststellung einer Unterdrückung nicht notwendig, dass der einzelne zwingend darunter leiden muss. Auch wenn ein solcher Haussklave ein langes gesundes und vielleicht auch glückliches Leben geführt hat, kann ich mich heute hinstellen und im Konstrukt von Sklaverei ein Unrecht sehen.

Ich habe mal von einer Plantage gelesen, auf der nach Abschaffung der Sklaverei sämtliche Sklaven von heute auf morgen freigelassen wurden. Die standen nun plötzlich ohne Heim und Beschäftigung aber dafür frei da. Nach ein paar Tagen marschierten Sie zum Herrenhaus und verlangten gefälligst wieder Sklaven sein zu dürfen. Als ihnen das verweigert wurde km es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Diese Leute wollten also offensichtlich am liebsten Sklaven sein, weil es Ihnen aus ihrer damaligen Sicht die beste Lebensart zu sein schien. Aber kann daraus schlussfolgern, dass Sklaverei daher keine Unterdrückung war?

Genauso verhält es sich mit Frauen, auch wenn die Situation hier natürlich nicht so drastisch war, wie bei Sklaven. Stellen wir uns vor, man hätte jungen Mädchen aus der besseren Bürgerschicht zu früheren Zeiten gesagt: „Freut Euch! Eure Unterdrückung ist zu Ende. Ihr müsst nicht mehr Ausschau nach einem Arzt oder Anwalt halten, der Euch standesgemäß ehelicht, und dann ernährt. Ihr dürft nun selber studieren, arbeiten und für Euren Lebensunterhalt sorgen!“ Vermutlich wäre die Begeisterung der Damen nicht sehr groß gewesen. Muss man aber daraus schlussfolgern, dass ein damaliges Studien- und Berufsverbot für Frauen gerecht und keine Form der Unterdrückung war? Ich denke nicht.

Im bürgerlichen Gesetzbuch fand sich früher die folgende Aussage:

„Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung.
Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt.“

Hier wurde dem Ehemann also rechtlich ganz klar eine rechtliche Vormachtstellung gegenüber seiner Frau eingeräumt. Jetzt könnte man dagegen einwenden, dass diese Vormachtstellung ja auch für den Mann eine Bürde gewesen sei. Denn schließlich musste er im Außenverhältnis für die gesamte Familie einstehen und diese im Innenverhältnis ernähren. Aber auch diese Einwendung verfängt nicht, denn der Ehemann ist in dieser Situation ja nicht zwingend der Schuldige an der Situation. Er hat diese Gesetze ja auch nicht gemacht. Trotzdem war es keine nach meinem Verständnis keine gerechte Situation.

Was heißt das aber nun? War früher alles schlimm und alle Frauen Opfer und alle Männer Unterdrücker? Nein, denn wie immer im Leben kommt es auf die persönliche Situation an. Es ist aus meiner Sicht aber nicht zu leugnen, dass es objektiv eine Unterdrückung der Gesamtgruppe „Frauen“ durch die damalige Gesellschaft (ich sage wohlweislich nicht: die Männer) gab.

Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten

Selbst viele Kritiker des Feminismus sind der Meinung, dass der Feminismus grundsätzlich viel Gutes erreicht habe, aber jetzt ein wenig zu weit gegangen sei. In der Vergangenheit seien Frauen unterdrückt worden und in den meisten nicht-westlichen Ländern sei das immer noch der Fall, nur hier im Westen in den letzten paar Jahrzehnten hätten Frauen nun mehr Rechte und weniger Pflichten als Männer.

So verbreitet sie auch seien mag, diese Ansicht ist nicht nur falsch, sie zeugt auch davon, wie tief verwurzelt der Gynozentrismus in uns ist. Selbst diejenigen die viele der Unwahrheiten und einseitigen Darstellungen des Feminismus durchschaut haben und festgestellt haben, dass Frauen in unserer Gesellschaft keine hilflosen Opfer sind, sind trotzdem sofort bereit dies über Frauen in anderen Ländern und zu anderen Zeiten zu glauben. Dabei ist das Vorgehen gleich wie bei allen anderen feministischen Lügen: man sucht sich bestimmte Fakten heraus die darauf hindeuten könnten, dass Frauen schlechter behandelt werden als Männer, ignoriert dabei alle nicht-sexistischen Erklärungen und ignoriert alle Fakten die darauf hindeuten könnten, dass Männer schlechter behandelt werden. Schon sieht es aus, als würden Frauen unterdrückt.

So weisen Feministen heutzutage darauf hin, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, dass Frauen „unterrepräsentiert“ sind in Führungspositionen, im Militär und in Naturwissenschaft und Technik. Angesichts der Tatsache, dass keiner Frauen von diesen Beschäftigungen ausschließt, ist die naheliegendste Erklärung, dass Männer und Frauen fundamental verschieden sind und unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben haben und daher unterschiedliche Entscheidungen treffen. Diese Erklärung wird jedoch ignoriert um stattdessen krude Thesen über Lohndiskriminierung, gläserne Decken und Männerseilschaften zu avancieren, die einfach so in den Raum geworfen werden und anscheinend keinerlei Belegs bedürfen. Fakten die auf eine Diskriminierung von Männern hindeuten könnten werden geflissentlich ignoriert. Beispielsweise, dass Männer früher sterben, öfter Selbstmord begehen, öfter obdachlos sind und öfter Opfer von Gewalt werden.

Mit historischer Unterdrückung läuft die Sache ähnlich. Frauen durften nicht wählen, konnten bestimmte Berufe nicht ergreifen, verheiratete Frauen konnten teilweise kein eigenes Eigentum besitzen und waren so von ihrem Mann abhängig (das war vor allem im angloamerikanischen Rechtssystem der Fall). Dabei ist patriarchalische Unterdrückung bei weitem nicht die einzige oder die beste Erklärung für diese Phänomene. Es stimmt natürlich, dass Frauen später als Männer das Wahlrecht bekommen haben, allerdings waren es in den meisten Staaten nur wenige Jahrzehnte zwischen allgemeinem Männerwahlrecht und allgemeinem Wahlrecht auch für Frauen. Auch kann es keineswegs als Unterdrückung gelten, nicht wählen zu dürfen. Wäre das der Fall, dann müssten heute Kinder, Jugendliche und Ausländer gleichermaßen als unterdrückt gelten. Wählen zu dürfen bringt sehr wenige persönliche Vorteile. Immerhin ist eine einzelne Stimme quasi bedeutungslos, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausgang der Wahl von einer Stimme abhängt ist verschwindend gering. Der einzige vernünftige Grund warum ein fehlendes Wahlrecht problematisch sein könnte, ist dass Männer ihr Wahlrecht dazu nutzen könnten um Politiker zu wählen, die im Interesse von Männern herrschen und dabei die Interessen von Frauen vernachlässigen.

Es gibt jedoch wenige Hinweise darauf, dass dies tatsächlich der Fall war. Auch aus theoretischer Sicht gibt es viel was gegen diese These spricht. Erstens ist es allgemein wenig sinnvoll, eigennützig zu wählen. Eine einzelne Stimme hat kaum eine Chance den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Wählen bietet daher die perfekte Gelegenheit, altruistisch zu handeln, da die persönlichen Kosten davon verschwindend gering sind. Es ist also sinnvoll diejenigen Parteien und Kandidaten zu wählen, von denen man glaubt sie repräsentieren am besten das Gemeinwohl. Das steigert das Selbstwertgefühl und tut gut fürs Gewissen, und das alles bei vernachlässigbar geringen Kosten.

Und selbst wenn man von egoistischen Wählern ausgeht, macht es wenig Sinn für Männer, für frauenfeindliche Politiker zu stimmen. Immerhin würde ein Mann der das tut damit auch all seinen weiblichen Verwandten, Freunden und Bekannten schaden. Es mag durchaus sinnvoll erscheinen im Interesse seiner eigenen Volksgruppe, Religion oder Rasse zu wählen, denn die meisten Verwandten und Freunde die ein Mann hat werden in der Regel diese Eigenschaften teilen, doch mit dem Attribut Geschlecht ist dies nicht der Fall. Und so gibt es auch viele historische Beispiele für Katholiken die im katholischen Interesse wählen, Protestanten die im protestantischen Interesse wählen, Weiße die im Interesse von Weißen wählen, etc.

Beim Verhältnis zwischen Männern und Frauen sieht das anders aus. Zwar gab es einige Gesetze und gesellschaftliche Normen die Frauen gegenüber Männern benachteiligten, umgekehrt gab es aber auch viele Gesetze und Normen die Frauen bevorzugten. Frauen wurden nicht zum Kriegsdienst gezwungen, wurden für Verbrechen in der Regel milder bestraft und verrichteten meistens weniger anstrengende und weniger gefährliche Arbeit als Männer. Interessanterweise bestehen die meisten dieser weiblichen Privilegien heute immer noch, während so ziemlich alle männlichen Privilegien beseitigt wurden. Die orthodoxe Sicht, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten hundert Jahren hin zu mehr Gleichberechtigung bewegt hat ist also völlig falsch.

Das Verhältnis der Geschlechter zueinander ist stattdessen immer ungleicher geworden. Vor hundert Jahren durften Frauen nicht wählen, aber dafür ließen Millionen von Männern in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs ihr Leben. Wäre ich vor die Entscheidung gestellt, entweder mein Wahlrecht zu verlieren oder aufs Schlachtfeld geschickt zu werden, ich würde keine Sekunde zögern meine Stimme aufzugeben. Ich glaube daher nicht, dass Frauen es damals tatsächlich schlechter hatten als Männer. Heute haben Frauen fast überall das gleiche Wahlrecht wie Männer, doch in den Staaten in denen es noch militärischen Zwangsdienst gibt, sind meistens trotzdem nur Männer betroffen. Männer erhalten immer noch härtere Strafen für das gleiche Verbrechen und es sind immer noch fast ausschließlich Männer die die besonders gefährlichen, anstrengenden und schmutzigen Arbeiten verrichten.

Ähnlich wie das historische Geschlechterverhältnis ist auch die heutige Lage in vielen nicht-westlichen Ländern, insbesondere im Nahen Osten. Sowohl von Seiten des Feminismus, als auch in den Medien hört man immerzu wie sehr Frauen in diesen Gesellschaften unterdrückt werden. Und in der Tat gibt es dort einige Belange in denen Frauen benachteiligt werden. Vom Kopftuchzwang in der Öffentlichkeit, über teilweise eingeschränkte Berufswahl, bis hin zu Diskriminierung im Erbrecht.

Was aber wie so oft ignoriert wird, ist dass es auch weibliche Sonderrechte gibt und Bereiche in denen Männer schlechter behandelt werden. Ein gutes Gegengewicht zur vorherrschenden feministischen Meinung ist Ali Mehraspands Artikel „The myth of patriarchal oppression in Iran„, in dem am Beispiel des Irans viele dieser weiblichen Privilegien und männlichen Sonderpflichten aufgezeigt werden. So müssen zum Beispiel alle Männer zwei Jahre lang Militärdienst unter teils sehr widrigen Bedingungen leisten. Auch bietet das dortige Sozialsystem viel umfangreichere Hilfe für bedürftige Frauen als für bedürftige Männer an, obwohl der weit überwiegende Teil der dafür verwendeten Steuern von Männern gezahlt wird.

Allgemein gilt, dass in eher „traditionellen“ Kulturen tendenziell Männer mehr Rechte und Freiheiten haben, aber Frauen dafür weniger Pflichten und mehr Sicherheit. Welches Geschlecht dabei besser wegkommt ist eine Frage der persönlichen Bewertung und der persönlichen Vorlieben des jeweiligen Individuums. Doch pauschal zu behaupten, dass Frauen unterdrückt und Männer die Unterdrücker sind ist eine völlige Verzerrung der reellen Bedingungen. Wer sich, wie das im Feminismus überwiegend geschieht, einzig auf die Nachteile von Frauen konzentriert und alle Vorteile schlicht ausblendet, wird sich nie ein ausgewogenes Bild von der Lage verschaffen können.

All dies sollte nicht dahingehend missverstanden werden, dass ich die bestehenden Nachteile die Frauen in vielen nicht-westlichen Ländern haben gutheiße. Im Gegenteil denke ich, dass alle rechtlichen Ungleichheiten beseitigt werden sollten und Gesetze die die Freiheit von Frauen einschränken abgeschafft werden sollten. Gleichzeitig sollte aber auch das gleiche für Männer gelten. Doch solange der Glaube an die Unterdrückung der Frau so weitverbreitet ist, wird es keine ausgewogenen Änderungen an Gesetzen oder gesellschaftlichen Normen geben.