„Netzfrauen“ machen Stimmung gegen „The Red Pill“

Die Deutschland-Premiere der Dokumentation „The Red Pill“ von Filmemacherin Cassie Jaye kriegt auch langsam Gegenwind. Die „Netzfrauen“ veröffentlichten heute ein von jeglicher Realität unbelecktes Pamphlet auf ihrer Website mit dem absurden Titel

Frauenfeindlicher Film „The Red Pill“ in Australien verboten nun in Berlin! Frauenhasser auf dem Vormarsch – weltweiter Protest!

Der meiste Teil des ellenlangen Artikels hat mit dem Film überhaupt nichts zu tun, es geht nur darum Empörung und Emotionalität anzustacheln. Es geht erst einmal los mit einer Erinnerung an den Pick-Up Artist Julien Blanc. Hat zwar nichts mit dem Film zu tun, aber egal, der Frame muss erst einmal hergestellt werden. Dann werden über zwei lange Absätze neueste Gewalttaten an Frauen in aller Welt ausgebreitet. Hat zwar auch nichts mit dem Film zu tun, aber egal, das packen wir mal rein, um die Dramatik zu erhöhen.

Im fünften Absatz beschäftigt man sich endlich mit dem Film, wie folgt:

Während immer mehr Frauen gegen Gewalt auf die Straße gehen, macht genau eine Frau das Gegenteil,  die Filmemacherin Cassie Jaye versucht die Männerrechtsbewegung zu verstehen und drehte dazu eine Dokumentation die schon jetzt für heftigen Protest sorgt. Zuerst bekam sie kein Geld für die Produktion zusammen, dass war auch gut so, dann fanden sich doch fleißige Geldgeber, Sie dürfen raten, aus welcher Szene?  Und jetzt haben schon Länder, da wo damals schon Julien Blanc ausgewiesen wurden, diesen Film verweigert. Allen voran Australien. Hier wollte ein Kino diesen Beitrag zeigen, doch durch heftigen Protest hat das Kino bekannt gegeben, darauf zu verzichten.

Heftiger Protest? Das war eine popelige Online-Petition mit exakt 2.367 Unterschriften, während die Gegenpetition derzeit bereits 8411 Unterschriften hat. Das Kino hatte wohl Angst vor Randale und hat deswegen die Zusage zurück genommen. Dass Australien als Land den Film verboten hätte, davon kann überhaupt nicht die Rede sein.

Dann gehts wieder zwei Absätze über Julien Blanc, und auch Bill Cosby muss erwähnt werden. Endlich nähert man sich ein bisschen dem Film, aber auch nur dem Titel, denn daraus wird messerscharf geschlossen, dass der Film eine enge Verbindung mit dem Reddit-Forum „The Red Pill“ haben muss. Die Schandtaten und schlimmen Äußerungen auf diesem Forum werden dann auch noch einmal absätzeweise breit getreten. Diejenigen, die dort posten, sind für die Netzfrauen

Typen, die offenbar glauben, bisher nicht den ihnen in dieser Welt zustehenden Anteil Frauen und Sex bekommen zu haben. Die keinem weiblichen Wesen über den Weg trauen, und Vergewaltigungsopfer zu Lügnerinnen erklären

Schließlich gipfelt das in der absurden Frage:

Wollen Sie es einfach so hinnehmen, dass eine Anleitung zur Gewalt an Frauen ins Kino kommt?

Erstaunlich an der Sache ist ja, dass die Netzfrauen den Trailer offensichtlich gesehen haben, schließlich verlinken sie ihn sogar. Wie man daraus allen Ernstes irgendeine „Anleitung zur Gewalt an Frauen“ herauslesen will, ist mir schleierhaft.

Dann gleiten sie endgültig ins Reich der Phantasie ab:

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich von Männern eine Antifeministische Bewegungen gegründet,  ihre Ideologien und Organisationen bildeten sich in Europa und den USA  als Reaktion auf Emanzipationsforderungen .Sie formieren sich vor allem in Bewegungen, die gegen etwa das Frauenwahlrecht oder das Frauenstudium kämpften und die traditionelle Rolle des weiblichen Geschlechts festschreiben wollten.

Fazit: Frauen sind ein Produkt, die der Männerwelt zu Füßen liegen müssen. Oder wie auch schon der Pickup-Künstler Julien Blanc beschreibt: „Männer nehmt sie euch, ich sage euch wie es geht.“

„Bitte in keinem Fall diesen Film in einem Kino zulassen, wo man Menschen lehrt, wie sie Frauen körperlich und emotional verletzen können. Bitte kämpfen sie mit den Frauen auf der ganzen Welt, die fordern, keinen misogynen Hass zu fördern!“  So der Aufruf aus Australien, worüber auch The Guardien Ende Okotober berichtete. [Rechtschreibfehler sind original]

Kaum hat man diesen Nonsens verzapft, setzt man noch einen drauf:

Die selbsternannte Feministin Jaye behauptet, dass alles nur Lügen seien, was man über den Film berichtet und dass es Feministinnen sind, die sich gegen diesen Film wehren. Schaut man sich die Bewegung der „Roten Pillen“ an, dann braucht man keine Feministin zu sein, um sich dagegen aufzulehnen .

„Die selbsternannte Feministin“. Dass ich diese Wortkombination noch erleben darf…

Zum Abschluss bringen sie es fertig, den ersten von mir zitierten Absatz noch einmal fast identisch zu wiederholen, und mit dem Satz zu schließen:

Auch in Deutschland muss dieser Film verboten werden.

Damit sich auch keiner Illusionen über totalitäre Anwandlungen von Feministinnen machen muss…

Fazit: Man fragt sich ja schon, in welcher Parallelwelt man leben muss, um ein solches Traktat auszudünsten. Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass der Film irgendetwas mit der Pickup-Szene zu tun hat, und mit dem Reddit-Forum verbindet ihn auch kaum mehr als der Name. Aber diese Verbindungen werden von den Netzfrauen ohne jeglichen realen Grund herbei phantasiert, um aus dem Film eine „Anleitung zur Gewalt an Frauen“ zu machen. Dass der Trailer das nicht im entferntesten hergibt, interessiert nicht. Wenn man ein Beispiel für das postfaktische Zeitalter braucht, hier haben wir ein wunderbares solches. Anschuldigungen ohne jeglichen Realitätsbezug zu erheben ist eben die übliche Masche, die Feministinnen verwenden, um männerrechtliche Anliegen in den Schmutz zu ziehen, um sich mit diesen erst gar nicht real beschäftigen zu müssen.

Im Text der Netzfrauen sind noch mehr Facepalm- und Kopf-zu-Tisch-Momente versteckt, aber ich kann ja nicht alles zitieren. Viel Vergnügen!

Und bevor wer nochmal den Trailer suchen muss (es gibt auch deutsche Untertitel):

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12 Kommentare zu „„Netzfrauen“ machen Stimmung gegen „The Red Pill““

    1. Alleine wenn ich mir die katastrophale Rechtschreibung und Zeichensetzung anschaue, vom Stil erst gar nicht zu reden, dann weiß ich, da steckt kein heller Kopf dahinter.

  1. Die Netzfrauen sind sowas von unterirdisch. Alles nur schnell im Cooy & Paste-Verfahren zusammen geklaubt. Textstellen, die nicht ins eigene Meinungsbild passen einfach ausgelassen, Quellenangaben kennt man nicht. Merkt man etwas auf der Seite kritisch an oder hinterfragt, wird man sofort blockiert und der Beitrag gelöscht. Mich erstaunt immer wieder, dass sie so viele Jünger hat, die ihr blind folgen und ihr applaudieren.

  2. In einem ähnlich paranoiden Gestus haben ja die Nazis auch über die Juden geschrieben. Ich will jetzt keinen Godwin-Bonus bekommen, aber es ist schon frappierend, wie diese Netzfrauen sich eine Art Weltmaskulistentum herbei phantasieren und als Bedrohung hochsterilisieren..

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