Gastartikel Leszek: Über feministische Diskursstrategien

Leszek hat mal wieder einen sehr ausführlichen und interessanten Text als Kommentar (zu Die Logik des Seximus) veröffentlicht – so lang, dass er in Gestalt eines formatierten Gastartikels mit Layout erheblich an Lesbarkeit gewinnen kann. Darum erlaube ich mir, diesen Kommentar zum Blogpost zu promovieren 🙂 . Nachfolgend Leszek:

Es gehört zu den stets wiederkehrenden Diskursstrategien von Seiten der Anhänger des Mainstream-Feminismus gegenüber Männerrechtlern, zu postulieren, dass männliche Benachteiligungen – insofern Feministinnen/Feministen sich gezwungen sehen, die Existenz von solchen überhaupt einzugestehen – das Resultat von Nachteilen der traditionellen männlichen Geschlechterrolle für Männer seien, dass Feministinnen sich doch eben gegen traditionelle Geschlechterrollen richteten – und somit auch gegen die eigentlichen Ursachen männlicher Benachteiligungen – und dass Männerrechtler daher aufhören sollten den Feminismus zu kritisieren und stattdessen traditionelle Geschlechterrollen kritisieren sollten und insbesondere den vorherrschenden Feminismus unterstützen sollten.

Indem sie den heute in westlichen Gesellschaften vorherrschenden Feminismus ablehnten, würden Männerrechtler nur zum Erhalt der von ihnen beklagten männlichen Benachteiligungen beitragen, während eine vorbehaltlose Unterstützung des zeitgenössischen Feminismus zum Abbau auch von männlichen Benachteiligungen – soweit sie in den Augen von Feministinnen/Feministen denn existieren – beitragen würden.

Männerrechtler würden den Feminismus einfach mißverstehen – dieser sei in Wahrheit quasi ein Humanismus für alle Geschlechter, eine universelle Theorie und Praxis geschlechtsbezogener Emanzipation – und Männerrechtler seien des Weiteren aufgrund ihrer emotionalen ressentimenthaften Fixierungen nicht dazu in der Lage die wahren Ursachen männlicher Benachteiligungen adäquat zu erfassen.

Diese langweiligen feministischen Propagandaphrasen wiederholen sich regelmäßig, wann immer es soweit kommt, dass von Seiten von Anhängern des Mainstream-Feminismus nicht mehr geleugnet werden kann, dass männliche Benachteiligungen existieren und daher die andere gängige feministische Diskursstrategie »Ihr seid als Männer privilegiert und wollt doch nur eure Privilegien erhalten« in diskursstrategischer Hinsicht nicht plausibel zu greifen vermag.

Erstaunlich ist dabei allerdings, wie häufig solcher durchschaubare Unsinn, den wir von feministischer Seite in regelmäßigen Abständen zu hören bekommen, dann auch noch im Gestus intellektueller Überlegenheit als angebliche »tiefergehende Analyse« zu verkaufen versucht wird und wie häufig die feministischen Propagandisten, die mit dergleichen aufwarten, ihre stets wiederkehrenden Phrasen für besonders originell halten.

Die entsprechende Diskursstrategie beinhaltet auf der inhaltlichen Ebene also zwei zentrale Vorwürfe gegenüber Männerrechtlern:

  1. Männerrechtler würden die Nachteile der traditionellen männlichen Geschlechterrolle nicht als Ursache männlicher Benachteiligungen erkennen. (Von Diskriminierungen darf dabei auf feministischer Seite ja häufig noch nicht einmal gesprochen werden, denn »nur Frauen können diskriminiert werden«.)
  2. Männerrechtler würden nicht begreifen, dass der heute in westlichen Gesellschaften vorherrschende Feminismus auch Männern nützen würde, da sich der vorherrschende Feminismus doch gegen traditionelle Geschlechterrollen richte und daher auch die Beseitigung männlicher Benachteiligungen anstrebe.

Beide Behauptungen sind falsch und beruhen entweder auf mangelnden Kenntnissen der theoretischen Grundlagen zeitgenössischer Hauptströmungen des Feminismus und des Maskulismus oder auf oberflächlicher und mangelhafter Analyse und Reflektion oder es handelt sich um reine Propagandalügen, also um für die Wahrung der öffentlichen ideologischen Hegemonie bestimmte propagandistische Diskursstrategien.

Ich wage übrigens eine Prognose, wie sich die feministischen Propagandastrategien wandeln werden, wenn der Punkt erreicht ist, ab dem es Männerrechtlern gelungen ist, das falsche und widerlegte radikalfeministische Dogma, Männer seien eine privilegierte Klasse im Kontext der öffentlichen medialen, wissenschaftlichen und politischen Diskurse als die falsche Behauptung zu demaskieren, die es ist, so dass es in der Öffentlichkeit nur noch peinlich wirken würde, diesem feministischen Dogma noch das Wort zu reden.

Dann – aber erst dann – werden die Vertreter/Anhänger des Mainstream-Feminismus auf einmal betonen: »Wir haben doch schon immer gesagt, dass auch Männer diskriminiert werden, dass es auch Sexismus gegen Männer gibt und dass auch Männerechte wichtig sind«.

Die feministischen Diskurstrategien laufen m.E. also von

»Männer sind privilegiert und Männerrechtlern geht es nur darum ›männliche Privilegien‹ zu erhalten.«

über

»Es gibt auch ein paar männliche Benachteiligungen, diese sind zwar viel, viel geringer zu gewichten, als Diskriminierungen, von denen Frauen betroffen sind, außerdem handelt es sich bei männlichen Benachteiligungen gar nicht um echte Diskriminierungen und schon gar nicht um Sexismus gegen Männer, sondern nur um ›Kollateralschäden des Patriarchats‹, die Resultat traditioneller Geschlechterrollen sind und Männerrechtler sind einfach zu blöd um zu kapieren, dass sie doch nur den vorherrschenden Feminismus unterstützen müssten, dann würden die von ihnen beklagten männlichen Benachteiligungen im Zuge des feministischen Sieges automatisch mitbeseitigt.«

zu

»Auch Männer werden diskriminiert, auch Männer sind Opfer von Sexismus und zwar in signifikanter Weise und wir Feministinnen haben dies ja schon immer gesagt.«

Letzteres wird aber erst dann erfolgen, wenn die Vertreter des Mainstream-Feminismus keine andere Möglichkeit mehr haben als zuzugeben, dass Diskriminierungen von denen Jungen und Männer betroffen sind, zahlreich und in signifikanter Weise existieren, wenn es Männerrechtlern also erfolgreich gelungen ist feministische Lügen öffentlichkeitswirksam aufzudecken und die Realität männlicher Diskriminierungen öffentlichkeitswirksam bekannt zu machen und wenn jedes feministische Beharren darauf, dass Männer eine privilegierte Klasse seien, in der Öffentlichkeit als rückschrittlich, reaktionär, egoistisch und dumm empfunden wird. Ab diesem Zeitpunkt werden Vertreter des Mainstream-Feminismus dann viele männerrechtliche und integral-antisexistische Positionen ausdrücklich akzeptieren – weil sie keine andere Wahl mehr haben, wenn sie nicht als Lügner, Dummköpfe und männerfeindliche Reaktionäre dastehen wollen.

Zur Zeit befinden wir uns offensichtlich noch in der Phase der beiden erstgenannten feministischen Diskursstrategien. Und da Informationen bezüglich Diskriminierungen, sozialer Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen von denen Jungen und Männer betroffen sind, zunehmend, wenn auch in kleinen Schritten, die Öffentlichkeit erreichen, werden zukünftig wohl auch häufiger Diskursstrategien der zweitgenannten Variante von feministischer Seite Anwendung finden, in denen Männerrechtlern vorgeworfen wird, sie würden die Nachteile traditioneller Geschlechterrollen für Männer nicht kritisch analysieren und sie würden nicht erkennen, dass der vorherrschende Feminismus vorhandene männliche Benachteiligungen – die als »Kollateralschäden des Patriarchats« zu verstehen seien – doch gleich miterledigen würde und Männerrechtler sollten daher zum Feminismus überlaufen.

In Wahrheit haben linke und liberale Männerrechtler natürlich schon immer die Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer als Mitursache männlicher Diskriminierungen berücksichtigt und jeder, der sich ein bißchen mit wichtigen Werken zu den wissenschaftlichen und theoretischen Grundlagen des Maskulismus beschäftigt hat, weiß dies.

In Warren Farrells maskulistischem Klassiker »Mythos Männermacht«, einem Buch, welches die Männerrechtsbewegung als emanzipatorische Bewegung wesentlich mitbegründet hat, sind Analysen zu den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer ein zentrales Thema. Warren Farrell widerlegt in dem Buch den radikalfeministischen Mythos von Männern als privilegierter Klasse und analysiert geschlechtsspezifische Diskriminierungen unter der Perspektive einer bisexistischen Rollenverteilung, durch welche beide Geschlechter diskriminiert werden. Damit begründet Warren Farrell ein neues Paradigma in der Geschlechterforschung, jenes Paradigma nämlich, für dass der linke Männerrechtler Arne Hoffmann in seinem Buch »Plädoyer für eine linke Männerpolitik« den Begriff »Integraler Antisexismus« verwendet.

Warren Farrell bemerkt zum Thema Geschlechterrollen:

»Schließlich bin ich weder für eine Frauenbewegung noch für eine Männerbewegung, sondern dafür, dass sich die Geschlechterrollen verändern. Trotzdem bin ich dagegen die Männerbewegung zu überspringen, solange nicht auch Männer ihre Sicht formuliert haben. Dann erst werden wir bereit sein für eine Synthese.«

(aus: Warren Farrell – Mythos Männermacht, Zweitausendeins, 1995, S. 29)

Der linksliberale Männerrechtler Arne Hoffmann schreibt zum Thema Geschlechterrollen:

»Wenn es einen Bereich gibt, in dem sich die Befürworter einer linken Männerpolitik von denen einer rechten Männerpolitik am grundlegendsten unterscheiden, dann sicherlich in der Ablehnung traditioneller Geschlechterrollen. Diese Ablehnung ist innerhalb der Männerbewegung allerdings keineswegs neu. Bereits im Jahr 1981 erklärte der amerikanische Männerrechtler Fredric Hayward in einer Rede, die er bei dem Nationalen Kongress für Männer hielt: ›Wir dürfen die Frauenbewegung nicht umkehren, wir müssen sie beschleunigen. Die Befreiung der Männer ist kein Backlash, denn es gibt nichts an den traditionellen Geschlechterrollen, wozu ich zurückkehren will.‹

Auch ich habe in meinen Veröffentlichungen immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass vielen von uns Männerrechtlern der Feminismus nicht zu weit gehe, sondern nicht weit genug. Der Rosenheimer Sozialpädagoge Wolfgang Wenger, einer der Pioniere einer linken Männerrechtsbewegung in Deutschland, vertritt eine ähnliche Haltung: ›Persönlich beschäftigt mich noch die Frage nach der Ausgestaltung eines modernen Maskulismus‹, verrät Wenger in einem Interview, ›da mir einseitige und falsch verstanden altmodische Männerbilder ein Greuel, weil einengend sind. Mir geht es sehr darum, Männlichkeit und Jungenhaftigkeit in all seiner Vielfalt wahrzunehmen und zu akzeptieren und vor allem, diese Bilder positiv zu besetzen.‹

In meinem im Frühjahr 2012 veröffentlichten Essay ›Vergesst die Rechten!‹ habe ich dazu schon Wesentliches ausgeführt. Aufhänger war dabei eine Diskussion, die ich auf Facebook mitverfolgt hatte. Einer der Teilnehmer, den ich seinem Profil nach dem Lager der Neuen Rechten zuordnen würde, ereiferte sich darüber, wie wenig es in unserer sichtlich zugrunde gehenden Kultur noch ganz normaler Konsens sei, dass ein Mann sein Leben gibt, um das einer Frau zu schützen. Neugierig geworden erkundigte ich mich danach, ob er damit meinte, dass eine Frau ein höheres Recht auf Leben als ein Mann habe. Ich erhielt zur Antwort, ja, so sei es, das wisse man doch schon von Schiffsunglücken, wo es ›Frauen und Kinder zuerst‹ heiße. Ich fragte nach, mit welcher Begründung denn eine Gruppe von Menschen ein höheres Recht auf Leben als eine andere genießen solle. Mein Gesprächspartner teilte mir mit, das sei doch offenkundig: Frauen würden ›die Brut‹ austragen und seien damit von wesentlich größerer Bedeutung als Männer für den Fortbestand der menschlichen Rasse (von der Nation vermutlich ganz zu schweigen). Ich hakte unverdrossen noch einmal nach und erkundigte mich, ob er dann auch der Ansicht sei, dass eine nicht mehr gebärfähige Frau ein geringeres Recht auf Leben habe als eine, die in der Lage ist, noch viele Kinder auszutragen. Mein inzwischen immer mürrischer gewordener Gesprächspartner grummelte etwas davon, dass ich allmählich auf den Trichter kommen würde zu kapieren, wie in einer gesunden Volksgemeinschaft die Hierarchie des Rechts auf Lebens geregelt sein sollte. Andere Männer aus seinem politischen Umfeld begannen ihm beizuspringen. Gegenwind bekam er außer von mir bezeichnenderweise nur von einer Frau, die seine Einstellung als so reaktionär bezeichnete, wie sie war: entweder weil diese Frau die Etablierung der hierarchiefreien Menschenrechte noch mitbekommen hatte, die für meinen Gesprächspartner wohl nur ein weiteres Verfallssymptom unserer Gesellschaft darstellten, oder weil sie witterte, dass mit dem angeblichen höheren Lebensrecht von Frauen, von dem man auf Facebook schnell daherschwadronieren kann, solange man nicht selbst in Todesgefahr schwebt, Regelungen verbunden sind, die für eine Frau im Jahr 2012 nicht nur von Vorteil sind. Wenn beispielsweise Taliban ihre Frauen nicht ohne Begleitung aus dem Haus gehen lassen, dann ganz sicher nur in dem wohlmeinenden Interesse, deren höheres Recht auf Leben so gut wie nur irgend möglich zu schützen.

Tatsächlich stellt das althergebrachte Männerbild eine gigantische Belastung dabei dar, sich für Männerrechte und gegen Männerdiskriminierung einzusetzen, denn eben dieser Anachronismus verlangt es von Männern, stark zu sein wie eine Eiche, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Jungen weinen nicht und Indianer kennen keinen Schmerz. Es wird im Verlauf dieses Buches noch zu zeigen sein, wie geschickt gerade auch viele Feministinnen diese überholten Rollenerwartungen immer wieder zu instrumentalisieren versuchen, um Männer, die über Opfererfahrungen sprechen, als ›Jammerlappen‹ und ›Plärrer‹ abzuwerten.«

(aus: Arne Hoffmann – Plädoyer für eine linke Männerpolitik, 2014 S. 75 f.)

Der analytische Philosoph David Benatar, der in seinem Buch »The Second Sexism. Discrimination against Men and Boys« gegen einseitige feministische Definitionen des Begriffs Sexismus argumentiert und das Thema »Sexismus gegen Jungen und Männer« erfreulicherweise in die philosophische Fachdisziplin der Ethik einbrachte, bemerkt zum Thema Geschlechterrollen:

»It should be clear, though, that my view is not conservative about gender roles. While there may well be average differences in some psychological traits between the sexes I do not think, that these justify all the differential treatment of the sexes that gender-role conservatives endorse. Because I think that the second sexism [mit »second sexism« ist gegen Jungen und Männer gerichteter Sexismus gemeint – Leszek] ought to be opposed along with the more widely recognized sexism, I am advocating change – doing things differently from the way they have been done historically. Moreover, the change I am recommending is quite radical.«

(aus: David Benatar – The Second Sexism. Discrimination Against Men and Boys, Wiley Blackwell, 2012 S. 16)

Eine Ablehnung von traditionellen Geschlechterrollen als normatives Leitbild gibt es übrigens nicht nur bei linken und liberalen Männerrechtlern, zumindest ein konservativer männerrechtlicher Theoretiker hat dies ebenfalls berücksichtigt. So schreibt der konservative Männerrechtler und erklärte Antifeminist Michael Savvakis – ein Autor mit dessen theoretischen Positionen linke und liberale Männerrechtler ansonsten oft wenig Übereinstimmung haben:

»Antifeministen dagegen blockieren, wo sie extrem auftreten und die alten Geschlechterrollen wieder einfordern, eine Aktualisierung der Situation des Mannes nach den sozialen und sonstigen Errungenschaften unserer Zeit, Errungenschaften, die ihm Freiheiten jenseits der Beschützer- und Ernährerfunktion zugute kommen ließen und so eine Befreiung des Mannes von seinen archaischen Vergangenheiten bewirken sollen.«

(aus: Michail A. Xenos – Medusa schenkt man keine Rosen, Manuscriptum Verlag, 2007, S. 333)

Wer also behauptet, Männerrechtler würden die Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer nicht berücksichtigen, der verfügt offenbar noch nicht mal über minimale Kenntnisse der männerrechtlichen Literatur.

Es gibt bezüglich der Einstellung zum Thema traditionelle Geschlechterrollen allerdings ein paar signifikante Unterschiede zum Mainstream-Feminismus.

(1) Da der linke und liberale Maskulismus weit stärker als der Mainstream-Feminismus in der Aufklärung sowie in freiheitlichen Traditionen der politischen Philosophie verwurzelt sind, lehnen es die meisten Männerrechtler ab, traditionelle Geschlechterrollen als Leitbild durch ein neues vermeintlich progressives Geschlechterrollen-Leitbild zu ersetzen. Vielmehr steht im Maskulismus der Wert der Freiheit des Individuums von klein auf im Zentrum. Das heißt, jedes Individuum soll in geschlechtsbezogener Hinsicht so sein und leben können, wie es ist und sein will, solange es anderen Menschen dadurch nicht schadet. Dies impliziert auch, dass jeder Mensch in geschlechtsbezogener Hinsicht so traditionell oder nicht-traditionell leben können soll, wie er will. Der linke und liberale Maskulismus lehnen normative Geschlechterrollen-Leitbilder ab – traditionelle wie vermeintlich progressive, feministische wie antifeministische Geschlechterrollen-Leitbilder – und bejahen allein die Orientierung am Individuum und seiner Freiheit.

(2) Da der Maskulismus stärker als der Mainstream-Feminismus in der Aufklärung sowie in freiheitlichen Traditionen der politischen Philosophie verwurzelt ist, ignorieren die meisten Männerrechtler den empirisch-wissenschaftlichen Forschungsstand zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Geschlechter nicht, auch nicht den der biologischen Verhaltenswissenschaften. Vielmehr sehen sie zwischen dem Forschungsstand und ihren liberalen, am Individuum orientierten Positionen keinen Widerspruch.

Forschungsergebnisse und Theorien z.B. der Evolutionären Psychologie weisen darauf hin, dass es sowohl gewisse biologisch disponierte durchschnittliche psychologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern als auch eine breite Vielfalt und Varianz jeweils innerhalb der beiden Geschlechtergruppen gibt. Des Weiteren belegt die Vielfalt von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen historischen Epochen und Kulturen, dass soziokulturelle Einflüsse ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Es wird wahrscheinlich immer Menschen geben, die von ihren persönlichen Dispositionen her in geschlechtsbezogener Hinsicht traditionell leben möchten und andere, die von ihren persönlichen Dispositionen her in geschlechtsbezogener nicht traditionell leben möchten – z.B. ich – sowie wieder andere, die irgendwo dazwischen liegen. Der Maskulismus akzeptiert die geschlechtsbezogenen gesellschaftlichen Verteilungen, die sich aus den freiwilligen Entscheidungen männlicher und weiblicher Individuen ergeben und wendet sich nur entschieden gegen jegliche normative Geschlechterrollen-Leitbilder, welche die freie Entfaltung des Individuums behindern und versuchen ihm ein geschlechtsbezogenes »Du sollst« als irrationale Über-Ich-Funktion in den Kopf zu setzen.

In pädagogischer Hinsicht bejahen der linke und liberale Maskulismus die freiheitlichen und am Individuum orientierten pädagogischen Strömungen und lehnen normative gender-feministische Pädagogik genauso ab wie Erziehung hin zu traditionellen Geschlechterrollen. (Ich persönlich bin übrigens u.a. Anhänger der antiautoritären Erziehung in der Tradition Alexander Neills, der Antipädagogik, der anarchistischen Pädagogik sowie der sogenannten »Progressive Education« von Alfie Kohn).

(3) Der linke und liberale Maskulismus lehnen einseitige und monokausale Ursachenanalysen für männliche Diskriminierungen ab. Die Ursachen männlicher Diskriminierungen sollten stattdessen ergebnisoffen, kontextspezifisch und mit Offenheit für die Berücksichtigung verschiedener Faktoren analysiert werden. Die Nachteile traditioneller Geschlechterrollen für Männer sind in maskulistischer Perspektive eine wesentliche Mitursache für männliche Diskriminierungen, aber nicht die einzige. Andere Faktoren müssen ebenfalls einbezogen werden. Und ein weiterer Faktor, der im Zusammenspiel mit den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer sowie anderen Faktoren (z.B. der neoliberale Kapitalismus) zu männlichen Diskriminierungen beiträgt, ist der heute in westlichen Gesellschaften vorherrschende Feminismus, insbesondere in seinen medial und politisch einflussreichen Varianten, dem klassischen Radikalfeminismus, dem (vulgär-)poststrukturalistischen Gender-Feminismus und dem im Staat institutionalisierten Feminismus, auch als Staatsfeminismus bezeichnet.

Der heute in westlichen Gesellschaften vorherrschende Feminismus trägt nicht dazu bei die Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer zu beseitigen, wie die gängige propagandistische feministische Diskusstrategie kontrafaktisch behauptet, das Gegenteil ist der Fall, der heute in westliche Gesellschaften vorherrschende Feminismus trägt dazu bei die Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer zu erhalten. Der vorherrschende Feminismus wirkt ihnen nicht entgegen, sondern führt im Zusammenspiel mit den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer als einer von mehreren Faktoren zum Erhalt von männlichen Diskriminierungen, nicht zu ihrem Abbau.

Warum das so ist, ist m. E. nicht schwer zu verstehen, es gibt dafür sowohl ideologische als auch organisationspsychologische/organisationssoziologische Gründe, (worauf djadmoros in seinem ausgezeichneten Artikel ja bereits eingegangen ist).

In ideologischer Hinsicht ist jenes geschlechterpolitische Paradigma, für das ich den Begriff »Paradigma des Radikalfeminismus« verwende, wesentlich dafür verantwortlich, dass der heute in westlichen Gesellschaften vorherrschenden Feminismus nicht willens und fähig ist, zur Beseitigung von männlichen Diskriminierungen, die aus den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer mitresultieren, beizutragen.
Was mit Paradigma des Radikalfeminismus gemeint ist und wie die von mir präferierte Art der Beurteilung und Kritik feministische Strömungen unter Bezugnahme auf geschlechterpolitische Paradigmen funktioniert, hatte ich in diesem Diskussionsbeitrag hier einmal ausführlicher dargestellt und werde es daher an dieser Stelle nur kurz wiederholen.

Unter Paradigma des Radikalfeminismus verstehe ich eine geschlechterpolitische Auffassung, welche Geschlechterverhältnisse zwischen Frauen und Männern als Verhältnis zwischen »verfeindeten sozialen Klassen«, konzeptualisiert, wobei die eine (Männer) als »allgemein privilegiert«, »Tätergeschlecht« oder »Unterdrücker« konstruiert wird und die andere (Frauen) als »allgemein diskriminiert«, »Opfergeschlecht« oder »unterdrückt« konstruiert wird.

Diese Sichtweise ist selbstverständlich nicht etwa marxistisch, wie rechte Demagogen hin und wieder fälschlich behaupten, sondern fundamental anti-marxistisch, da dadurch die Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der Arbeiterklasse gespalten wird, der Klassenkampf behindert wird, die sozialen Problemlagen der männlichen Arbeiter aus dem Blick geraten und nur die herrschende Kapitalistenklasse in letzter Instanz einen Vorteil davon hat.

Die stockreaktionäre Sichtweise, die ich mit dem Begriff Paradigma des Radikalfeminismus bezeichne, hat sich im Zuge der der zweiten Welle der Frauenbewegung während der 70er Jahre durchgesetzt, als der faktisch anti-marxistische klassische Radikalfeminismus den liberalen Feminismus und den sozialistischen Feminismus (die damals beide nicht männerfeindlich waren) in den Hintergrund drängte. Als es dem klassischen Radikalfeminismus gelang zur vorherrschenden Strömung des Feminismus zu werden, etablierte er jene geschlechterpolitische Sichtweise, die ich als Paradigma des Radikalfeminismus bezeichne, diese Sichtweise wurde dann in unterschiedlichen Ausprägungen in anderen, einschließlich später entstandenen feministischen Strömungen übernommen und prägt bis heute die feministische Theorie und die feministisch inspirierte Geschlechterpolitik.

Seitdem ist es für die Mehrheit der Vertreter/Anhänger feministischer Theorieströmungen (mit Ausnahme einiger Feministinnen im liberalen Feminismus) selbstverständlich Männer als privilegierte soziale Klasse zu betrachten.

Zwangsläufig geraten dadurch Diskriminierungen von denen Jungen und Männer betroffen sind, aus dem Blick, werden nicht wahrgenommen und geleugnet oder relativiert und bagatellisiert oder – wenn es gar nicht mehr anders geht als zuzugeben, dass es auch männliche Benachteiligungen gibt – als »Kollateralschäden des Patriarchats« und in letzter Instanz zweitrangig abgetan.

Dies ist selbstverständlich auch im postmodernen Gender-Feminismus der Fall, der zwar mit dem klassischen Radikalfeminismus ideologisch zerstritten ist (z. B. hinsichtlich Themen wie Intersektionalität, Multikulturalismus, Sexarbeit und BDSM), aber hinsichtlich der Einstellung zu männlichen Diskriminierungen genauso reaktionär ist.

Sexismus wird auf eine Art und Weise definiert, so dass Jungen und Männer schon definitionsgemäß nicht betroffen sein können, Männer könnten gar nicht wegen ihres Geschlechts diskriminiert werden, sie sollten vielmehr über ihre »Privilegien reflektieren«.

Es ist vor diesem Hintergrund also offensichtlich, warum das Paradigma des Radikalfeminismus gar nicht zu einem Abbau von Diskriminierungen, die mit den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer zusammenhängen, führen kann. Wo Jungen und Männer ausschließlich oder primär als »privilegierte Klasse« und »Tätergeschlecht« gesehen werden, da ist Bewusstsein und Sensibilität bezüglich der Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer sowie für Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind, schlicht nicht vorhanden.

In einer konservativ-geschlechtertraditionalistischen Perspektive genauso wie in der Perspektive des Mainstream-Feminismus ist für Jungen und Männer als Opfer von Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen kein Raum. Der Mainstream-Feminismus ist diesbezüglich nicht weniger reaktionär als ein extremer rechtskonservativer Geschlechter-Traditionalismus.

Besonders exemplarisch zu erkennen, ist dies beim Thema häusliche und sexuelle Gewalt, wenn Feministinnen mal eben den gesamten vorliegenden empirischen Forschungsstand zu Männern als Opfer von häuslicher Gewalt und von Jungen und Männern als Opfer sexueller Gewalt im Falle weiblicher Täterschaft ignorieren.

Hier werden also keine Nachteile der männlichen Geschlechterrolle für Männer durch den vorherrschenden Feminismus abgebaut. Konservativer Geschlechter-Traditionalismus und Mainstream-Feminismus wirken beim Erhalt der Nachteile der männlichen Geschlechterrolle und den damit zusammenhängenden Diskriminierungen vielmehr zusammen.

Dies ließe sich nur ändern, wenn Feministinnen das Paradigma des Radikalfeminismus, die falsche und widerlegte Vorstellung von Männern als »privilegierter Klasse« konsequent verwerfen würden (wie dies ein paar Feministinnen aus dem Spektrum des liberalen Feminismus getan haben, die seitdem allerdings von Vertreterinnen des Mainstream-Feminismus als »antifeministisch« gebrandmarkt werden.)

Darauf freilich, dass klassische Radikalfeministinnen oder postmoderne Gender-Feministinnen diese Sichtweise verwerfen würden, ohne öffentlichen Druck, einfach aus rationaler Einsicht, moralischer Reflektion und Empathie, können wir lange warten.

Dem linken Maskulismus geht es darum, ein anderes geschlechterpolitisches Paradigma zu etablieren, das von Arne Hoffmann in seinem Buch »Plädoyer für eine linke Männerpolitik« mit dem Begriff »Integraler Antisexismus« bezeichnet wird. Dies meint eine geschlechtsübergreifende Perspektive hinsichtlich geschlechtsbezogener Probleme, welche darauf abzielt Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Bezug auf Männer und Frauen in wissenschaftlicher, theoretischer und politischer Hinsicht zu berücksichtigen.

Das Paradigma des Radikalfeminismus ist der zentrale ideologische Grund, warum der Mainstream-Feminismus keineswegs zu einem Abbau der Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer beiträgt und männliche Diskriminierungen nicht beseitigt. Daneben gibt es noch institutionelle Gründe, was djadmoros ja bereits dargestellt hat.

Zwei institutionelle Gründe seien kurz explizit genannt, viel zu verstehen gibt es auch diesbezüglich nicht:

(1) Feministinnen, die in irgendwelchen Institutionen geschlechterpolitischer Arbeit nachgehen, wollen natürlich ihre Jobs behalten. Entsprechend haben sie ein Interesse daran, die soziale Wirklichkeit so darzustellen, dass es viele Diskriminierungen gibt, von denen Mädchen und Frauen betroffen sind, aber möglichst keine von denen Jungen und Männer betroffen sind.

(2) Feministinnen, die in irgendwelchen Institutionen geschlechterpolitischer Arbeit nachgehen, befürchten, dass, wenn es zu einer öffentlichen Anerkennung der Existenz signifikanter männlicher Diskriminierungen käme, dies zu einer Umverteilung von Geldern führen könnte, so dass sie weniger Geld für ihre Bezugsgruppe zur Verfügung hätten.

Es ist also in diesen Fällen von vornherein klar, dass der Sozialisationsdruck der entsprechenden Strukturen automatisch begünstigt, dass Feministinnen kein Interesse daran haben, zum Abbau von männlichen Diskriminierungen beizutragen. Dahinter steht keine »böse Absicht«, sondern der gewöhnliche strukturelle Effekt entsprechender sozialer Positionen auf Psyche und Persönlichkeit.

Jungen und Männer haben vom Mainstream-Feminismus (Radikal-, Gender-, Staatsfeminismus) daher nichts zu erwarten, Männer müssen sich selbst für ihre berechtigten Anliegen engagieren.

Sehr wünschenswert wäre m.E. die Bildung gewaltfreier Aktionsgruppen, die öffentlichkeitswirksam direkte gewaltfreie Aktionen durchführen, um dadurch öffentlichen Druck aufzubauen. Gewaltfreie Aktionen sollten m. E. aus humanistischem Geiste heraus durchgeführt werden und des Weiteren so, dass sie geeignet sind die Medien zu erreichen, berechtigte männerrechtliche Anliegen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und Sympathie und Interesse für die Männerrechtsbewegung als emanzipatorische soziale Bewegung und für berechtigte männerrechtliche Anliegen zu erzeugen.

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12 Kommentare zu „Gastartikel Leszek: Über feministische Diskursstrategien“

  1. Was wäre ein Artikel über Feminismus ohne Pop-Musik?!

    Was wäre ein Artikel über Maskulismus und unsere zukünftige Strategie ohne Pop-Musik!?

    HEY, HO, LET´S GO!

    Subcomandante crumar

  2. Eine weitere aktuell wichtige abwehrende feministische Diskursstrategie ist übrigens, uns „Whataboutism“ vorzuwerfen. Wer also z.B. in den Kommentarspalten zu einem der zahlreichen feministischen Jubel- oder Opferartikeln auf die entsprechende oder ähnliche Situation bei Männern hinweist, der wird abgekanzelt und soll so in die Defensive gedrängt und zum Schweigen gebracht werden.

  3. Im Haupttext oben steht:

    „Diese Sichtweise [= das Paradigma des Radikalfeminismus] ist selbstverständlich nicht etwa marxistisch, wie rechte Demagogen hin und wieder fälschlich behaupten, sondern fundamental anti-marxistisch, da dadurch die Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der Arbeiterklasse gespalten wird, …“

    Mit dieser These wäre ich vorsichtig. Immerhin findet man z. B. bei Engels Aussagen wie diese:

    „Der erste Klassengegensatz, der in der Geschichte auftritt, fällt zusammen mit der Entwicklung des Antagonismus von Mann und Weib in der Einzelehe, und die erste Klassenunterdrückung mit der des weiblichen Geschlechts durch das männliche.“ (aus: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats)

    Wir sollten bedenken, daß in die Mitte des 19. Jahrhunderts die zweite Welle des Feminismus fiel (über deren Auswirkungen sich schon Hedwig Dohm lustig gemacht hat). Es wäre sehr seltsam, wenn Marx und Engels für bestimmte Schwingungen dieser zweiten Welle nicht sehr wohl empfänglich gewesen wären.

    Nach meiner Lektüre-Erinnerung kann man gewisse Motive oder auch Aspekte des radikalfeministischen Paradigmas durchaus im klassischen Marxismus wiederfinden – aber eben nicht in Gestalt einer dezidierten Theorie, sondern eher in Form von Nebenbemerkungen und sporadischen Abschweifungen.

    1. @ Jochen Schmidt

      „Mit dieser These wäre ich vorsichtig.“

      Ich denke, damit muss ich nicht vorsichtig sein.

      Die erste Welle der Frauenbewegung kann unterteilt werden in die bürgerliche und die sozialistische Frauenbewegung.

      Die bürgerliche Frauenbewegung kann noch einmal unterteilt werden in einen liberalen, einen radikal-liberalen und einen konservativen Flügel, die sozialistische Frauenbewegung kann noch einmal unterteilt werden in einen marxistischen, einen sozialdemokratischen, einen sozial-anarchistischen und einen individual-anarchistischen Flügel.

      Die sozialistische – einschließlich der marxistischen – Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung beruhte wesentlich auf der Idee der Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der Arbeiterklasse. Marxistische Frauenrechtlerinnen der ersten Welle der Frauenbewegung setzten sich z.B. auch für männliche Anliegen ein, z.B. für ein allgemeines Wahlrecht auch der Männer der Arbeiterklasse, für bessere Arbeitsbedingungen und besseren Gesundheitsschutz auch für Männer, gegen Militarismus und Krieg.

      Männerfeindliche Unterströmungen der ersten Welle der Frauenbewegung gab es, wenn es sie gab, primär im Spektrum der bürgerlichen Frauenbewegung. Dieser Unterschied zwischen bürgerlicher und sozialistischer Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung wird auch in Büchern zur Geschichte der Frauenbewegung oft thematisiert:

      “Die sozialistische Frauenbewegung Deutschlands”, so Ottilie Baader (…) sei “von der Überzeugung durchdrungen, dass die Frauenfrage ein Teil der sozialen Frage sei und nur zusammen mit ihr gelöst werden kann.” Ihr ging es um den “Kampf aller Ausgebeuteten ohne Unterschied des Geschlechts gegen alle Ausbeutenden ebenfalls ohne Unterschied des Geschlechts”. Deshalb war es ihr Anliegen “mit dem Mann ihrer Klasse gegen die kapitalistische Klasse Seite an Seite mit den Männern zu kämpfen”.

      (aus: Gisela Notz – Feminismus, PapyRossa Verlag, 2011, S. 52)

      “Die Frauenfrage war für Clara Zetkin immer Teil der Klassenfrage. Die proletarische Frauenbewegung war in erster Linie sozialistisch. Aus diesem Grund lehnte sie eine Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Frauenbewegung ab. Hauptgegensatz war ihrer Ansicht nach die Tatsache, dass die bürgerlichen Frauen gegen die Männer der eigenen Klasse kämpften, während die Proletarierinnen Seite an Seite mit den Männern ihrer Klasse gegen den Kapitalismus für die Revolution eintraten.”

      (aus: Michaela Karl – Die Geschichte der Frauenbewegung, Reclam Verlag, 2011, S. 97)

      Bereits bezüglich der Einstellung zum Wahlrecht gab es signifikante Unterschiede zwischen bürgerlicher und sozialistischer Frauenbewegung. In Deutschland waren ja vor 1919 auch nicht alle Männer in dieser Hinsicht gleichberechtigt. Es existierte in manchen Bundesstaaten noch das sogenannte Zensuswahlrecht, bei dem das Wählen vom Vermögen abhing:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Zensuswahlrecht

      Große Teile der bürgerlichen Frauenbewegung forderten in dieser Hinsicht oft nur die gleichen Rechte für Frauen, was also im Falle des Vorhandenseins des Zensuswahlrechts ebenfalls ein beschränktes Wahlrecht analog dem der Männer bedeutete, welches die Frauen und Männer der unteren Klassen benachteiligte.

      Große Teile der sozialistischen Frauenbewegung forderte dagegen ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht für alle Männer und Frauen. Die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen ging bei ihnen also mit einer Forderung nach Abschaffung des Zensuswahlrechts einher, so dass alle Männer und Frauen der unteren Klassen die gleichen Rechte erhalten wie die der oberen Klassen.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenwahlrecht#Internationale_Vernetzung

      Eine andere Position zum Wahlrecht nahmen übrigens manche anarchistische Frauenrechtlerinnen ein. Emma Goldman und Voltairine de Cleyre, die beiden bekanntesten US-amerikanischen anarchistischen Frauenrechtlerinnen lehnten das Frauenwahlrecht ab, da sie der Überzeugung waren, dass Wählen ohnehin zu keinen Verbesserungen führen könne und durch den Kampf für das Frauenwahlrecht nur Energie vergeudet würde, die man besser in konstruktiveres Engagement investieren solle.

      Jene Position, die Wahlrecht und Wehrpflicht in einem Zusammenhang sieht und Frauenrechtlerinnen der ersten Welle der Frauenbewegung den Vorwurf macht, sie hätten sich nur für gleiche Rechte, aber nicht für gleiche Pflichten stark gemacht, trifft bei Emma Goldman und Voltairine de Cleyre auf eine sehr andere Perspektive: Diese lehnten das Frauenwahlrecht ab, forderten aber die Abschaffung der Wehrpflicht.

      (Selbstverständlich gibt es in heutigen anarchistischen Kreisen niemanden mehr, der das Frauenwahlrecht ablehnt – und das ist gut so.
      Auch heutige Anarchisten sind aber der Ansicht, dass die Möglichkeiten positiver gesellschaftlicher Veränderung durch Wahlen meistens sehr begrenzt sind und haben m.E. gute Gründe für diese Auffassung.)

      „Immerhin findet man z. B. bei Engels Aussagen wie diese: „Der erste Klassengegensatz, der in der Geschichte auftritt, fällt zusammen mit der Entwicklung des Antagonismus von Mann und Weib in der Einzelehe, und die erste Klassenunterdrückung mit der des weiblichen Geschlechts durch das männliche.“ (aus: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats)“

      Engels hatte einmal geschrieben, dass die erste Klassenunterdrückung, also die Sklaverei, gleichzeitig entstanden sei wie die Unterdrückung der Frau durch den Mann in der Einzelehe. Dies beides sah er im Zusammenhang mit der Entstehung des Privateigentums.

      Trotzdem hielt Engels dies alles, entsprechend der marxistischen Geschichtstheorie, für einen historischen Fortschritt. (Das sagt er im Anschluss ausdrücklich.)

      Und er verband diese Auffassung auch nicht mit der Idee eines Geschlechterklassenkampfs, noch tat dies die marxistische Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung.

      Engels versuchte den damaligen Forschungsstand zur Entstehung von Familie, Privateigentum und Staat zusammenzufassen, der natürlich beschränkter war als heute.
      Heute sollte man solche geschlechtsbezogenen Aspekte m.E. aus der Perspektive von Warren Farrels Ansatz der bisexistischen Rollenverteilung, die beide Geschlechter diskriminiert, analysieren.

      Man sollte aber nicht vergessen, dass sich Engels im Kontext der Arbeiterbewegung auch stark für die Männer der Arbeiterklasse engagiert hat.

      „Wir sollten bedenken, daß in die Mitte des 19. Jahrhunderts die zweite Welle des Feminismus fiel“

      Ich vermute, du meinst hier die erste Welle der Frauenbewegung. Der Begriff Feminismus fungierte damals übrigens als Selbstbezeichnung für einen Teil der bürgerlichen Frauenbewegung, die sozialistischen Frauenrechtlerinnen nannten sich meistens nicht Feministinnen.

      „(über deren Auswirkungen sich schon Hedwig Dohm lustig gemacht hat).“

      Ich schätze Hedwig Dohm, ich kenne allerdings nur Schriften von ihr, in denen sie die Frauenbewegung der ersten Welle (mit guten Argumenten) verteidigt.

      „Es wäre sehr seltsam, wenn Marx und Engels für bestimmte Schwingungen dieser zweiten Welle nicht sehr wohl empfänglich gewesen wären.“

      Es wäre noch seltsamer gewesen, wenn ihnen nicht bewusst gewesen wäre, dass ein Kampf der Geschlechter die Klassensolidarität innerhalb der Arbeiterklasse spalten würde, den ökonomischen Klassenkampf behindern und eine erfolgreiche soziale Revolution und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft unmöglich machen würde.
      Natürlich war ihnen dies bewusst, genauso wie der Mehrheit der bekannten Theoretiker und Aktivisten der verschiedenen sozialistischen Strömungen.

      „Nach meiner Lektüre-Erinnerung kann man gewisse Motive oder auch Aspekte des radikalfeministischen Paradigmas durchaus im klassischen Marxismus wiederfinden – aber eben nicht in Gestalt einer dezidierten Theorie, sondern eher in Form von Nebenbemerkungen und sporadischen Abschweifungen.“

      Der marxistische Klassenbegriff ist mit dem Paradigma des Radikalfeminismus nicht vereinbar. Einmal, weil er einen anderen Inhalt hat, nämlich ökonomische Klassen und weil die Bestimmung der Klassen an konkreten und soziologisch nachvollziehbar begründeten Voraussetzungen festgemacht ist, nämlich der Stellung zu den Produktionsmitteln.

      Wer diese besitzt und kontrolliert, gehört zur herrschenden Kapitalistenklasse, wer dagegen keine Produktionsmittel besitzt und gezwungen ist seine Arbeitskraft zu verkaufen, gehört nicht dazu. (Auf genauere Ausarbeitungen und Differenzierungen von Marx Verständnis von Klassen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.) Die Kategorie Geschlecht ist für die Zuordnung zur Gruppe der Privilegierten oder der Benachteiligten hierbei gänzlich irrelevant.

      Und mit der Praxis des Klassenkampfs ist das Paradigma des Radikalfeminismus, wie gesagt, erst Recht nicht vereinbar, da es die Klassensolidarität untergräbt und damit der herrschenden Kapitalistenklasse nutzt, aber nicht den Arbeitern beiderlei Geschlechts.

      Extreme Feministinnen sind bis heute erfahrungsgemäß in klassenkämpferischen sozialistischen Gruppen oft nicht gern gesehen, weil sich in der Praxis oft zeigt, dass sie dazu neigen die Arbeiter beiderlei Geschlechts zu vergraulen und/oder sinnlose und irrationale Streitereien anzuzetteln.

      1. In meinem Beitrag oben geht es ausschließlich um zwei Thesen:

        1) Selbstverständlich ist es nicht der Fall, daß das Paradigma des Radikalfeminismus marxistisch ist.
        2) Selbstverständlich ist das Paradigma des Radikalfeminismus fundamental anti-marxistisch.

        Ob das Paradigma des Radikalfeminismus anti-marxistisch ist (also die epistemisch bescheidene Variante zu These 2)), hab‘ ich nicht betrachtet. Du schreibst hierzu:

        „Der marxistische Klassenbegriff ist mit dem Paradigma des Radikalfeminismus nicht vereinbar. Einmal, weil er einen anderen Inhalt hat, nämlich ökonomische Klassen und weil die Bestimmung der Klassen an konkreten und soziologisch nachvollziehbar begründeten Voraussetzungen festgemacht ist, nämlich der Stellung zu den Produktionsmitteln.“

        Das leuchtet mir ein. Immer noch würde ich prüfen, ob es radikale Feministen gibt oder gegeben hat, die vertreten: „In diesem Punkt irrt sich Marx. Traditionell sind Männer und Frauen genau in demselben marxistischen Sinne Klassen, wie Unternehmer und Arbeiter Klassen sind: Der Mann besitzt den Hausstand (oder verfügt zumindest über ihn), er beutet die ökonomisch abhängige Frau aus: Hausarbeit, Sexarbeit, Aufzuchtsarbeit. Traditionell wird die Frau in demselben marxistischen Sinne unterdrückt wie Arbeiter oder Sklaven unterdrückt werden.“

        Die Tatsache, daß eine solche radikal-feministische Position kohärent denkbar ist (auch wenn sie falsch sein mag), spricht dafür, daß Du mit Deinem obigen Einwand und der Erläuterung im folgenden Absatz („Wer diese besitzt und kontrolliert, gehört zur herrschenden Kapitalistenklasse, …“) die These 2) oben nicht belegt hast: Daraus, daß das Paradigma des Radikalfeminismus anti-marxistisch ist, folgt nicht These 2). Nicht alles, was der Fall ist, ist selbstverständlich und fundamental der Fall.

        Streng genommen hab‘ ich in meinem Beitrag oben nur die These 1) in Zweifel gezogen.

        These 1) ist klarerweise wahr, wenn man „marxistisch“ versteht im Sinne von „zutreffend gemäß offiziell bestätigter Lehre des Marxismus“. Sofern man „marxistisch“ in diesem anspruchsvollen Sinne versteht, dürfte es wohl ziemlich wenige Leute geben, die allen Ernstes vertreten, das Paradigma des Radikalfeminismus sei „marxistisch“.

        Wie an der Konklusion meines obigen Beitrags deutlich wird, verstehe ich „marxistisch“ in These 1) in einem schwächeren Sinne – so in Richtung: „greift auf und verbindet einige wesentliche Motive des Marxismus“.

        Diese wesentlichen Motive wären:
        – Zwei historisch konstante Gruppen der Bevölkerung, zwischen denen ein Antagonismus besteht, dem für die gesamte Gesellschaft und ihre Entwicklung Relevanz zukommt
        – Abhängigkeit der einen Gruppe von der anderen, Ausbeutung und Unterdrückung der einen Gruppe durch die andere

        Als Beleg für meinen Zweifel an These 1) habe ich ein Zitat von Engels präsentiert, in dem das Verhältnis zwischen Ehemann und Ehefrau in Parallele zum Klassengegensatz zwischen Herren und Sklaven sowie in Parallele zur Klassenunterdrückung der Sklaven durch die Herren beschrieben wird, wobei Engels die marxistisch prominenten Vokabeln „Antagonismus“ und „Unterdrückung“, streng genommen sogar „Klassenunterdrückung“, zur Beschreibung dieser Mann-Frau-Beziehung verwendet.

        Mir scheint, in diesem Zitat ist das Paradigma des Radikalfeminismus mit den Händen zu greifen – wenngleich man in Rechnung stellen muß, daß Engels sich da vielleicht nicht so ganz glücklich ausgedrückt hat. Man bräuchte somit auf jeden Fall mehr Belege für meinen Zweifel, auch von Marx.

        Zu diesem genannten Zitat von Engels finden sich bei Dir vier Bemerkungen:

        „Trotzdem hielt Engels dies alles […] für einen historischen Fortschritt.“ Ist irrelevant für These 1), weil im Paradigma des Radikalfeminismus nicht von historischem Fortschritt oder Rückschritt die Rede ist.

        „Und er verband diese Auffassung auch nicht mit der Idee eines Geschlechterklassenkampfs, […]“ Ist irrelevant für These 1), weil im Paradigma des Radikalfeminismus nicht von Geschlechterkampf die Rede ist.

        „Engels versuchte den damaligen Forschungsstand zur Entstehung von Familie, Privateigentum und Staat zusammenzufassen, […]“ Wie auch immer – Engels hat mit dem oben präsentierten Zitat eine eigene These aufgestellt.

        „[…], dass sich Engels im Kontext der Arbeiterbewegung auch stark für die Männer der Arbeiterklasse engagiert hat.“ Wie auch immer – Engels‘ Engagement widerspricht nicht seiner These im Zitat.

        Ich kann eigentlich nicht so recht sehen, daß mit diesen vier Bemerkungen die Beweiskraft des Zitates von Engels beeinträchtigt wird. Als einzigen Vorbehalt würde ich bis hierhin gelten lassen: Ein einziges Zitat ist als Beleg zu wenig.

        Aus diesen Gründen würde ich meinen Zweifel an These 1) gern aufrecht erhalten, zumal ja auch diese These das epistemische „selbstverständlich“ aufweist. Die These 2) schenke ich Dir – ganz „fundamental“ und natürlich „selbstverständlich“. Und die ganze Frauenbewegung mit allen Wellen und Flügeln und natürlich Überzeugungen, die kriegst Du noch dazu.

  4. Hi, ich bin zum Meckern hier. Aber nur ein bisschen. Folgendes:
    So wie der Text geschrieben ist, richtet er sich m.E. ausschießlich an Akademiker und schließt genau die (männlichen) Arbeiter aus, die, wie „die Feministinnen“ es ja behaupten, tatsächlich keine Ahnung haben, dass sie die „Kollateralschäden des Patriarchats“ davontragen.
    Ich möchte nicht falsch verstanden werden, an sich stimme ich mit vielen Thesen im Text überein, bin auch dankbar, dass er existiert, denn zuvor wusste ich tatsächlich nicht, dass es intelligente, individuelle und freiheitsliebende Maskulinisten gibt. Dennoch denke ich, man sollte hier aufpassen, nicht direkt von anderer Seite mit zweierlei Maß zu messen: Ich bin Feministin, das bedeutet für mich ich bin Humanistin im „Kampf“ gegen sinnlose Geschlechtsleitbilder. Dass auch Männer unter diesen leiden, ist mir zwar klar, aber mich Maskulinist zu nennen, würde mir deshalb nicht einfallen. (Ich denke, vielen geht es so. Sie würden sich offenbar auch nicht Feminist nennen, auch wenn es dort durchaus Strömungen oder vielleicht auch nur Einzelpersonen gibt, mit denen Sie mehr Gemeinsamkeiten haben, als erwartet. Zudem sind einige selbst ernannte Maskulinisten auch ultrakonservativ. Pauschale Urteile über „euch“ darf ich mir eben trotzdem nicht machen.)
    Schön fände ich es daher, wenn man einen übergreifenden, nicht-identitätsstiftenden Begriff für uns fände, die ihren Kindern nicht diese absurde Welt mit Geschlechterrollen, wie sie aktuell sind, hinterlassen wollen. Noch schöner fände ich es, wenn wir uns dann zusammentun unter diesem Namen und nicht mehr die Männer gegen die Frauen und die Frauen gegen die Männer schreiben, hetzen, hassen. Denn das bringt leider wirklich keinen weiter.
    Stattdessen könnte man Inhalte wie oben beschrieben in eine einfache Sprache umschreiben und breiter verbreiten. Man könnte gemeinschaftlich Individualismus propagieren (welch paradoxer Gedanke!) und hoffen, dass nicht wieder nur ein paar Studenten sich vornehmen, ihre Kinder einmal anders zu erziehen (denn glauben Sie mir, diese Hardcore- und auch die Mainstreamfeministen kommen fast alle auch derselben Berliner Blase der sozialen Arbeit, und genau die kriegt man dann leider immer mit), sondern ein Umdenken erwirken, dass eben größer – weil einfacher – als das ist.

    (Ich verwendete oben genannte Diskursstrategien auch bereits, da meine Freunde größtenteils männliche Akademiker sind und das nicht einmal bemängelten bzw. da auch ihnen, so wage ich zu behaupten, nicht sonderlich bewusst ist, dass durch die gegebenen gesellschaftlichen Erwartungen an ihr Geschlecht ein vor allem negativer Einfluss auf ihr Leben und ihre Persönlichkeitsbildung geschieht, aber ich bin bin durchaus bereit dazuzulernen. Gerne würde ich darüber eine Diskussion mit Ihnen führen.)

    1. „Hi, ich bin zum Meckern hier.“

      Willkommen 😉 Hier wird übrigens auch zurückgemeckert, also Vorsicht!

      „Ich möchte nicht falsch verstanden werden,“

      Das möchte niemand 🙂

      „Maskulinisten“

      Maskulisten, für GNSer zumindest. Maskulinisten [wenn das überhaupt ein sinnvoller Begriff sein soll] sind Leute, für die maskulin zu sein ein Fetisch ist. Maskulisten sind Leute, die in der Geschlechterdebatte den Interessenstandpunkt von Männern vertreten, mehr dazu hier.

      „ich bin Humanistin im „Kampf“ gegen sinnlose Geschlechtsleitbilder.“

      Super! Ist aber leichter gesagt, als getan. Alleine der Begriff „Geschlechtsleitbilder“ (= Gender?) und darin der Begriff „Geschlecht“ ist komplizierter als man anfangs denkt. Alleine zum Kampfbegriff „Gender“ kann man so einige Seiten schreiben. Es gibt übrigens zu praktisch allen Themen in der Masku-Blogospäre schon brauchbare einführende Texte, bei Bedarf einfach fragen.

      „würden sich offenbar auch nicht Feminist nennen, ….“

      Selbst wenn man es täte, wäre der Aussagewert nahe Null, denn unter dem Label Feminismus laufen viele inhaltlich z.T. diametral entgegengesetzte Standpunkte. Generell finde ich solche Etikettierungen nicht sehr wichtig, wichtiger sind die Standpunkte, die man in konkreten Sachfragen hat.

      „… Einzelpersonen gibt, mit denen Sie mehr Gemeinsamkeiten haben, als erwartet.“

      Ich bin z.B. bekennender Fan von Camille Paglia, weil ihre Realitätswahrnehmung und die daraus resultierenden Standpunkte fast immer mit meinen übereinstimmen. Bei den meisten Feministinnen ist sie sehr unbeliebt. Noch so ein Beispiel ist Christina Hoff Sommers.

      „.. könnte man Inhalte … in eine einfache Sprache umschreiben und breiter verbreiten.“

      Hatte ich mit meinem Blog anfangs auch vor, das hat sich als frommer Wunsch erwiesen (kann aber auch mein Fehler sein). Sehr viele Themen in der Geschlechterdebatte sind inhärent komplex, weil Biologie, Psychologie, (Moral-) Philosophie u.a. eine Rolle spielen. Wenn man zu grob vereinfacht, ist es am Ende eher dümmlich und angreifbar, wenn man alles bis ins kleinste Detail auffächern wollte, ist es nicht zu schaffen. Es ist schwierig, einen guten Kompromiß zwischen Verständlichkeit und Genauigkeit zu finden

    2. @Kommunalpolitik:
      „denn zuvor wusste ich tatsächlich nicht, dass es intelligente, individuelle und freiheitsliebende Maskulinisten gibt.“

      Nee, die gibt es nicht. Oder kennst Du intelligente ( etc. ) Idioten ? Ich nicht.
      Tatsächlich wird der Terminus „Maskulinisten“ seit Jahren schon nur noch entweder von Leuten verwendet, die gar nichts von der Materie verstehen, was aber mittlerweile recht selten in den einschlägigen Internetpräsenzen vorkommt ( ich rechne Dich mal wohlwollend dazu ), oder eben als Schimpfwort, resp. Kampfbegriff von irgendwelchen Feministen. Meist in Verbindung mit weiteren ad-hominem- o. sonstigen unsachlichen Abwertungen.
      Um den Punkt kurz abzuhaken, empfehle ich Dir, zunächst mal etwas Lektüre zum Thema Maskulismus zu betreiben. Gelegenheit dazu hast Du hier auf diesem Blog und weiterführend gibt es eine Liste auf der rechten Seite, wo Du weitere Internetadressen findest, unter denen Du jede Menge „intelligente, individuelle und freiheitsliebende“ Beiträge finden kannst. Nennt sich heutzutage „Blogroll“.
      Eine recht umfangreiche Sammlung an Basismaterial findest Du auf Arne Hoffmann’s „Genderama“.
      Leszek scheint keinen eigenen Sammelblog zu haben, was sehr schade ist, aber man stößt fast zwangsläufig auf ihn, wenn man nach deutschen Texten unter den Schlagworten „linker Maskulismus“ und „integraler Antisexismus“ forscht, denke ich ( hab es aber nicht überprüft, da ich seit Jahren relativ regelmäßig in die hiesige Filterblase tauche und v.dh. kaum mit dem Lesen hinterherkomme, was mir peinlich ist, weil ich eigentlich viel mehr zu schreiben hätte … )

      „Ich bin Feministin, das bedeutet für mich ich bin Humanistin im „Kampf“ gegen sinnlose Geschlechtsleitbilder.“

      Das ist etwas seltsam, denn ein „“Kampf“ gegen sinnlose Geschlechtsleitbilder“ wäre, soweit das nicht falsch verstehe ( „sinnlos“ i.S.v. „diffamierend/diskriminierend“ ), doch eher etwas, was einem Antisexisten anstehen würde. Also etwas das sich auch gegen die allermeisten Feminismen – besonders die des Mainstreams – wenden sollte.
      Oder bist Du eine „Meinfeministin“? Dann wäre es nicht schlecht, wenn Du erstmal erklären könntest was das in Deinem Fall sein soll und was Du für Schnittmengen mit dem Feminismus, oder seinen Unterformen hast und wo Du Dich davon wie abgrenzt.
      Welche Leitbilder meinst Du denn genau?
      Ich muß gestehen, ich mag diese neue Mode „Meinfeminismus“ nicht sonderlich, da sie i.d.R. genutzt wird, um einerseits sich ein hübsches Mäntelchen umzuhängen ( „Ich bin Feminist“ ) und bei Aufzeigung feministischer Sexismen dann sagen zu können: „In MEINEM Feminismus gibt’s das aber gar nicht“.
      Das wirkt logischerweise nicht sonderlich glaubwürdig und in der Tat hat es sich sehr oft gezeigt, daß sich Meinfeministen leicht in Widersprüche verrennen, die z.T. regelrecht an Doublethink grenzen, manchmal sogar ( wie die meisten anderen feministischen Strömungen auch ) regelrecht auf Doublestandards basieren. So unterstellen manche davon zwar, daß DIE Frauen der Welt von DEN Männern patriarchal unterdrückt werden, daß ein Patriarchat ja etwas ganz schlechtes wäre und natürlich von DEN Männern gemacht, behaupten sogar, daß das auch in D. so wäre, finden aber das BGleiG und die GleibWV gut und fordern noch mehr solch erzpatriarchale Gesetzgebung, die Männer entrechtet, sagen sogar, daß sie den Hals davon gar nicht voll kriegen können. Im nächsten Moment reden sie dann aber von „Frauenbefreiung“ und geben an, daß dieselbe natürlich auch als „Männerbefreiung“ ( vom Patriarchat, klar, nä? ) fungiert.

      Logisch, daß „unsereinem“, als wenigstens halbwegs gebildeten Menschen ( ich bin ja nun nicht der Allerschlaueste, aber auch nicht gansblöd ), da ein leichtes Quietschen zwischen den Kopfhörern ertönt, oder?

      „Dass auch Männer unter diesen leiden, ist mir zwar klar, aber mich Maskulinist zu nennen, würde mir deshalb nicht einfallen. (Ich denke, vielen geht es so. Sie würden sich offenbar auch nicht Feminist nennen, auch wenn es dort durchaus Strömungen oder vielleicht auch nur Einzelpersonen gibt, mit denen Sie mehr Gemeinsamkeiten haben, als erwartet. Zudem sind einige selbst ernannte Maskulinisten auch ultrakonservativ. Pauschale Urteile über „euch“ darf ich mir eben trotzdem nicht machen.)“

      Nein, mir auch nicht, aber auch die meisten Idioten ( s.o. ) nennen sich selbst nicht so, wenn ich mich nicht irre.
      ( Ja, das geht vermutlich sogar fast allen so und das hat gute Gründe. Mit den Strömungen der Idioten kenne ich mich ehrlich gesagt nicht so richtig aus, aber ich hätte gar kein Problem Gemeinsamkeiten zwischen einem Idioten und mir als solche anzuerkennen. Und nein, ein Grund sich deshalb als Idiot, oder zumindest „Mein-Idiot“ zu benennen, wird dadurch auch für mich nicht erkennbar. So habe ich z.B. große Schnittmengen mit den allermeisten Maskulisten, u.a. auch Leszek – finde z.B. den integralen Sexismus richtig gut und wichtig – käme dadurch aber nicht auf die Idee, mich als Maskulisten, noch nicht mal als „Meinmaskulisten“ zu bezeichnen, schon allein weil ich den Feminismus als Gesamtideologie ablehne, also auch noch nicht mal mit einer rein formellen Komplementärdefinition bezeichnet werden möchte. Ob selbsternannte Maskulinisten ultrakonservativ sind, weiß ich nicht, ich habe noch keinen kennengelernt. Ultrakonservativ ist für mich so ungefähr die Ebene der Kach-Partei, des IS, oder irgendwelcher Gruppen mit Herrenmenschenattitüden und da kenne ich keine, die sich als Maskulinisten tituliert.
      Und natürlich darfst Du Dir sehr wohl pauschale Urteile über „uns“ machen, Du darfst sie auch gern aussprechen. Nur dürfen wir uns dann auch selbstverständlich darüber belustigen und sie als Blödsinn identifizieren und bezeichnen, wo das passend erscheint.
      Das nennt sich Meinungsfreiheit und sowas halten – soweit mir bekannt – so ziemlich alle hier gelegentlich Kommentierenden für eine grundsätzlich gute Sache, die aber leider von einigen feministischen Strömumgen, besonders der genderistischen Varianten, nur in äußerst einseitig beschnittener, man könnte sagen sexistisch kastrierter Form anerkannt wird. Bei den intersektionalen kommt dann auch noch Rassismus, Ableismus, Whataboutismus ….. und wilde rechts-links-Verschiebung hinzu, was die Sache absolut irre macht)

      „Schön fände ich es daher, wenn man einen übergreifenden, nicht-identitätsstiftenden Begriff für uns fände, die ihren Kindern nicht diese absurde Welt mit Geschlechterrollen, wie sie aktuell sind, hinterlassen wollen.“

      Das könnte glatt eine gute Idee sein, hängt aber davon ab, welche Geschlechterrollen Du da favorisierst. Oder meinst Du das wörtlich, also auf alle aktuellen Geschlechterrollen bezogen? Dann bin ich nämlich strikt dagegen, weil das nur zu völlig unsinnigen Zwangslagen führen würde, die die individuelle Meinungs-, Entscheidungs- u. Handlungsfreiheit dermaßen einschränken würden, daß ein menschenfeindliches Diktat dabei herauskäme. Und das wäre m.E. reichlich absurd, zumal diese Welt an sich imho gar nicht mal so schlecht ist, warum sie also durch eine schlechtere ersetzen?
      Gegen identitätsstiftende Bezeichnungen ist ansonsten aber grundsätzlich kaum etwas einzusetzen. „Menschen“ z.B. ist doch ziemlich gut, oder? „Kinder“ finde ich auch klasse und i.Ü. sogar sehr wichtig, wg. der ihnen zustehenden Privilegien. Auch „Männer“, „Frauen“, „Eltern“ haben sich als solche als sehr praktisch herausgestellt, im Laufe der Jahrtausende, da sie gesellschaftliche UND individuelle Funktionen ganz prima und in leichter Definition verbinden. „Schwule“, „Lehrer“, „Sozialarbeiter“, „Biker“, „Holisten“ und jede Menge weiterer solcher Identitätsstifter machen durchaus Sinn.
      Wobei ich denke, daß die Bezeichnungen gar nicht mal das wichtigste sind, sondern die Schnittmengen der dazugehörigen Inhalte. Welche dieser Inhalte möchtest Du denn in Zukunft geändert wissen?
      Anders gefragt: Wer seid „Ihr“ denn? Und was ist Eure identitätsstiftende Hauptschnittmenge? Ich würde Euch gern helfen, eine hübsche übergreifende Identitätsbezeichnung für Euch zu finden.

      „Noch schöner fände ich es, wenn wir uns dann zusammentun unter diesem Namen und nicht mehr die Männer gegen die Frauen und die Frauen gegen die Männer schreiben, hetzen, hassen.“

      Ich auch (#metoo! )! Das wäre toll! Und dabei kann ich Euch auch helfen. Legt doch zunächst einfach die Identität als Feministen ab. Werdet Männer, Frauen, Kinder, oder einfach nur Menschen, möglw. mit einer simplen humanitären Schnittmenge, meinetwegen sogar unter der Flagge des Humanismus, obwohl ich mich dann schon wieder ausklinken würde, weil mir das zu radikal wäre. Ich würde einfach nur humanitär bleiben, ohne den Ismus. Allein schon, weil ich den Respekt vor den übrigen Lebensformen auf diesem Planeten nicht verlieren möchte, noch nicht mal im Zweifelsfall.
      Ich glaube, das könnte Dir persönlich auch zu mehr Klarheit verhelfen. Du würdest wahrscheinlich erkennen, daß DIE Frauen i.d.R. gar nicht gegen DIE Männer hetzen und umgekehrt auch nicht.
      Ein gelegentlich hervorgestoßenes „Männer!“ ( augenroll ), oder „Weiber!“ ( pffff ) kann man, glaube ich, ganz gut verschmerzen, da es i.d.R. eher liebevoll-humoristisch gemeint ist. Ist zumindest meine Erfahrung.
      Das ( hasserfüllte Hetzerei ) sind Ausnahmen, die sowas machen, bspw. die meisten verbissenen Feministen, wie man ja gerade an diesen seltsamen Hasstags auf Zwittscher gut ablesen kann, wo wg. einem mutmaßlichen Arschloch wild gegen die Männlichkeit an sich gehetzt wird, die schlichtweg zum Gift erklärt wird, wodurch sich manche der Hetzer, egal welchen Geschlechts, selbst als Arschlöcher outen und sich in dieser infantilistischen Kinderkacke sogar noch intensiv suhlen, meist ohne es auch nur zu bemerken.
      Solche – zum Glück eher seltene – selbst- u./o. fremdkonstruierte aktuellen Geschlechterrollen kannst Du/könnt Ihr ( wer immer Ihr auch seid ) selbstverständlich sehr gern abschaffen, die nerven nämlich jeden normalen Menschen bis zum St.Gehtnichmehr.

      „Denn das bringt leider wirklich keinen weiter.“

      Mein Reden! Da sind wir uns schon mal absolut einig!

      „Stattdessen könnte man Inhalte wie oben beschrieben in eine einfache Sprache umschreiben und breiter verbreiten. “

      Nö! Dazu reichen die Inhalte, die Du nebulös grob andeutest noch nicht aus ( s.o., ich habe ja schon ein paar Beispiele dazu angeführt und auch die sind natürlich noch nicht zur vollumfänglichen Formulierung ausgereift ). Oder meinst Du die aus Leszek’s Text, dann stimme ich Dir grundsätzlich zu, als Textbausteine für ( bspw. Diskussions-)Grundlagen, Definitionen u.s.w. sind die ( nach entsprechender Transscription selbstverständlich ) wohl ganz gut brauchbar.
      Aber die „einfache Sprache“ müßte zunächst geklärt werden.
      Sicher, Leszeks Formulierungsweise ist manchmal arg akademisch, da habe ich auch gelegentlich ziemlich dran zu knabbern. Aber dafür habe ich Verständnis, da er ziemlich komplexe Zusammenhänge sehr weiträumig herleitet, u.a. aus der dazu bekannten klassischen Literatur heraus. Und das offenbar in dem Bestreben seine Texte nicht zu Schinken im Format der Encyklopedia Brittanica ausarten zu lassen.
      Und die „Einfache Sprache“, welche man auf manchen neueren institutionellen Papieren findet, ist nun wirklich nicht dafür geeignet, sondern teilweise einfach unsinnig bis falsch.
      Mein Vorschlag wäre, das ganz normale Deutsch, wie es vor den beiden Sprach- u. Schreibreformen verwendet wurde, zur Basis zu nehmen, es möglw. ein wenig an heutige Verhältnisse anzupassen ( das „ß“ auch als „ss“ zu tolerieren bspw., außer in international zu verbreitenden Internetwerken ) und die hineinreformierten Fehler herauszufiltern ( da gibt es nämlich einiges an Dummquatsch dabei, der ernsthaft miß- bis unverständlich wirkt ). Gendersternchen, Unterstriche, x- u. ces-Formen, das phallisch penetrierende Binnen.I. und derartiges kann man dann in den Geschichtsbüchern unter „bizarre pseudolinguistische Experimente des beginennden 21. Jhds“ eintragen.

      „Man könnte gemeinschaftlich Individualismus propagieren (welch paradoxer Gedanke!) und hoffen, dass nicht wieder nur ein paar Studenten sich vornehmen, ihre Kinder einmal anders zu erziehen (denn glauben Sie mir, diese Hardcore- und auch die Mainstreamfeministen kommen fast alle auch derselben Berliner Blase der sozialen Arbeit, und genau die kriegt man dann leider immer mit), sondern ein Umdenken erwirken, dass eben größer – weil einfacher – als das ist.“

      Da kann ich nichts paradoxes dran entdecken. Menschen sind eine Gemeinschaft, ob ihnen das passt, oder nicht und jeder ist ein Individuum. Grundsätzlich passt das gut zusammen und hat sich ja im Laufe der Evolution auch ganz wunderbar komplementär entwickelt. Dazu muß man die Gemeinschaftlichkeit und die Individualismen lediglich so begrenzen, daß das eine dem anderen nicht in für den Einzelnen o. die Gemeinschaft schädlicher Weise widerspricht.
      Der Rest ergibt sich dann fast automatisch, zumindest unter der Prämisse des gesunden Menschenverstandes, der von den Briten ja auch sinnvollerweise als „Common Sense“ bezeichnet wird. Dann ist Individualismus sogar eine sehr gute und wichtige Sache, die die gelegentlich Gemeinschaft fördert und weiter zu entwickeln hilft ( siehe die seinerzeit oberschrägen Individualismen des Leonardo da Vinci, der Kerl hat davon geträumt, daß er fliegen könne, heute sind Hubschrauber schon ganz normal ).
      Anders gesagt: Jeder macht was er will, solange er keinem damit schadet und wenn ihm etwas einfällt, was allen nützlich ist, dann darf er das gern vorschlagen und man kann gemeinschaftlich darüber nachdenken, ob und ggf. wie man es vielleicht umsetzen könnte.

      Ja, daß irgendwelche Studenten ( nicht nur, aber doch offenbar recht oft ) irgendwelche seltsamen Ideen haben, wie man Kinder irgendwie anders erziehen ( ! ) könnte, und das dann meinen auch noch unbedingt ausprobieren zu müssen, beobachte ich auch mit großer Sorge. Damit tut man Kindern keinen gefallen, mit Pech beschädigt man sie so lebenslänglich.
      Aber leider ist es in der heutigen Zeit nicht mehr so ohne weiteres möglich, die klassisch-evolutionäre Form der Kinderaufzucht durchzuführen, da wir nunmal keine Jäger&Sammler und noch nicht mal mehr eine überwiegend landwirtschaftliche Gesellschaft sind.
      Trotzdem denke ich, daß keine „irgendwie revolutionären Modelle“ dazu nötig sind.
      Der große deutsche, leider viel zu früh verstorbene Experte auf dem Gebiet, Wolfgang Bergmann, hat es auf dem Totenbett noch in ganz wenige Worte fassen können: „Lasst die Kinder in Ruhe!“
      W.h.: Erzieht nicht immer an ihnen herum. Seid gute Vorbilder. Bietet ihnen einen Alltag der ihre Elternbindung, das Urvertrauen, die sich daraus im weiteren entwickelnde soziale Grundbildung ( Gruppenentwicklung, distanzierte Reflexion u.s.w. ) am ursprünglichsten und sicherlich auch besten fördert. Kinder lernen adaptiv und brauchen Freiheiten.
      Das deckt sich mit den Erkenntnissen der weiteren Autoritäten der dazugehörigen Wissenschaften.
      Ich vermute, daß auch Leszek mir da letztendlich nicht grundsätzlich widersprechen würde, nur würde er es sicherlich deutlich fachlich-intellektueller und vor allem mehrfach länger formulieren ( inkl. div. Zitate aus Fachwälzern ) 😉
      Kurz gesagt: Ein „Umdenken“ braucht es eigentlich kaum, es reicht, wenn man ein paar neumodische, aber abstruse Klischees dazu ( wieder ) ablegt. Denn der größte Teil aller Eltern macht das schon seit tausenden Generationen so, lediglich gestört von den jeweiligen unruhigen Zeitgeistern. So gut er kann und so wenig wie möglich eben.
      Und nicht nur die Eltern, auch das gewachsene soziale Umfeld, das ja heute leider immer weniger wird, spielt da ( spätestens ab ungefähr Vorschulalter ) eine gravierende Rolle.
      Manchmal ist Konservativ halt doch besser als Progessiv und manchmal ist Konservativ sogar identisch mit Progressiv!
      Aber das erkläre mal einem jugendlichen Rebellen, der kein vernünftiges Elternhaus hatte, sondern in Helikopterbauweise, Frühestbebildungskursen o.Ä. allein- o. gar fremdverzogen wurde. Wie soll der das nachvollziehen?

      ( Zum Thema Diskursstrategien sage ich besser nichts, da habe ich praktisch keine Ahnung von, als alter, weißer, heterosexueller Angehöriger „bildungsferner Schichten“. Nicht meine Baustelle )

      Ich hoffe, Kommunalpolitik, ich habe Dir mit diesem Kommentar einen kleinen Lückenfüller geboten, mit dem Du die Zeit, bis Leszek wieder dazu kommt, einigermaßen unterhaltsam überbrücken kannst.

      1. wtf
        (Wahrlich mein erster Gedanke. Mit einer so ausführlichen Antwort habe ich nicht gerechnet, danke, dass du dir die Zeit nimmst.)

        Zunächst ein grober Vorwurf: Ihr mit eurem pedantisch-auseinandernehmerischen Quell an Worten, die zu nichts da sind, als gut zu klingen. 😛

        Ich meine mit einfacher Sprache genau nichts, wollte nur eben anprangern, was auch du als Mangel anerkennst: die akademische Sprache, die die Mehrheit aller Leute vom Lesen solcher Texte abhält. Vielleicht bemühe ich mich irgendwann mal, Thesen aus Leszeks Texten für die Allgemeinheit verständlich wiederzugeben. Die beste Idee bringt nämlich leider auch nichts, wenn niemand sie versteht, obwohl sie alle etwas angeht – oder angehen könntemüsstesollte.

        Ich bin übrigens dennoch der Meinung, dass ein Umdenken sehr wohl notwendig ist: in Richtung Bildung und in Richtung differenziertes Bilden einer eigenen Meinung durch Nachdenken statt durch Bildzeitung o.Ä., aber das führt jetzt zu weit.

        Auf jeden Fall stimme ich mit den meisten deiner Antworten insofern überein, dass du teilweise ausgeführt hast, wozu ich zu faul war, und was ich daher grob daherfaselte. Zudem bin ich, das hast du richtig bemerkt, nicht drin in der Fachliteratur oder gar in irgendeiner. Nach deiner Auffassung bin ich auf jeden Fall keine Feministin mehr, das war mir so nun auch nicht bewusst. Ist auch eigentlich egal, wir stellten ja nun fest, dass wir uns als humanitäre Menschen bezeichnen könnten.

        Als Hetze gegen das andere Geschlecht bezeichne ich eigentlich vor allem diverse (tausende!) Artikel, Blog-Einträge etc., in denen Feministinnen sagen, der Mann ist schuld, er hat letztes Jahrhundert dies und jenes getan, oder eben solche, in denen Männer (welcher Gruppierung auch immer die sich dann zuschreiben) sagen, die Frauen seien selbst schuld und/oder gar nicht echt benachteiligt. Dabei sind alle benachteiligt, nur eben auf verschiedene Arten, deren Ursachen und Gründe man sogar historisch nachvollziehen kann. (Aber lies mal die Artikel und deren Kommentare, manche hassen Feministen/Frauen/Männer/… sogar schon mehr als Flüchtlinge. Dabei haben die Frauen ihnen ja schon die Jobs weggenommen, wovor also die Angst?)

        Danke für deine Antwort und deine Ausführungen, vielleicht schau ich mal rein in diese Blase und lese mich ein, um nächstes Mal auch geschwollene Reden über dieses Thema schwingen zu können statt mich mit meiner Bekennung zum Feminismus selbst öffentlich zu diffamieren 😉

  5. Hi Leute,
    ich bin gerade ein paar Tage nicht zu Hause und habe hier nur selten Internetzugang.
    Ich werde antworten, sobald ich wieder da bin.

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