Ist eine Gesellschaft denkbar, die Männer nicht abwertet?

Meine Auseinandersetzung mit Carol Pateman zieht sich in die Länge, weil sie mit intensiver Text- und Quellenarbeit verbunden ist, und ich werde sie vermutlich aufschieben, bis ich mit meinen sonstigen Arbeiten beim Thema der modernen Gesellschaft angekommen bin. Damit ich mich aber nicht schon wieder, wie beim letzten Mal, hinter dem Rock hübscher Russinnen verstecke, möchte ich Arnes vor einer Woche gestellte Frage aufgreifen, ob eine Männer nicht abwertende Gesellschaft überhaupt möglich sei:

»Ist eine Gesellschaft, die nicht auf Männer herabscheißt, überhaupt realistisch vorstellbar oder ist es eine reine Utopie? Werden wir Männerrechtler vor allem deshalb so massiv dämonisiert, weil diese von uns propagierte Utopie der menschlichen Zivilisation allzu fremd ist?«

Ich nutze dabei die Möglichkeit eines Blogs, dies im Stile einer zwanglosen Plauderei zu tun, die sich ein gewisses Maß an spekulativem und ungeschütztem Denken gestattet.

Was zunächst einmal gegen eine solche Gesellschaft spricht, ist die ursprüngliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Die historische Beobachtung, dass Frauen von Männern beschützt werden, und sei es gegen ihren Willen, identifiziert ebenso ein evolutionär geprägtes Muster wie die Beobachtung, dass Männer disponibel und verheizbar sind und ihr Wert daran gemessen wird, wie weit sich ihre Arbeits- und Körperkraft in Schutz- und Versorgungsleistungen konvertieren lässt. In Zeiten, in denen der Tod leicht zu haben ist, ist auch ein Männerleben nicht viel wert, denn der Tod des Mannes steht zwischen der externen Gewalt und dem Tod der Gruppe. Der gesellschaftliche Wert der Frau ist konstant und an ihre generelle Reproduktionsfähigkeit gebunden, der gesellschaftliche Wert des Mannes ist kontingent und von individuellen Leistungen abhängig. Der Krieger kommt besser auf dem Schild – also tot – zurück als ohne Schild, also als Feigling. Der Mann ist nicht nur dazu verurteilt, zwischen der äußeren Natur und dem Untergang der Gruppe zu stehen, sondern dazu, sich notfalls gezielt dazwischen zu werfen.

Ein Scheitern an der äußeren Natur bezahlt er mit dem eigenen Tod, und auf diese Weise mit den unerbittlichen Kausalitäten der Umwelt konfrontiert, die keine Fehler dulden, lernt er die Bedeutung des »Objektiven« kennen, mit dem er schließlich auf Gedeih oder Verderb identifiziert wird. Auch die Lösungen, die er in dieser Sphäre für die Gemeinschaft ersinnt, erfolgen auf Gedeih oder Verderb: sie sind fallibel und unsicher, aber sie sind zugleich alles, was die Gruppe als Ganze an Wissen für ein Überleben in ihrer Umwelt aufbieten kann. Das soll nicht bedeuten, dass Frauen nichts zum kollektiven Wissen beigetragen hätten – das haben sie innerhalb ihrer eigenen Sphäre durchaus getan. Es bedeutet aber, dass der Rang des von Frauen erzeugten Wissens davon abhängig war, in vergleichsweise »ruhigem Fahrwasser« zu erfolgen, also beispielsweise in jenen Epochen, die rückwirkend zu »Matriarchaten« stilisiert wurden, weil die Gewichte zwischen den Geschlechtern tatsächlich einigermaßen ausbalanciert waren. Sobald die menschliche Geschichte endgültig in jenes dynamische Ungleichgewicht rutscht, in dem wachsende Erfolge gegen die äußere Natur laufend mit neu entstehenden Abhängigkeiten von ihr konterkariert werden, erringt die männliche Funktionsrolle jenes funktionelle Übergewicht, welches ihr irrigerweise als »Privilegierung« ausgelegt wird, weil die vorgeblich kritische Bilanz sich weigert, die männlichen Kosten zu verbuchen. Simone de Beauvoir hat grundsätzlich Recht, wenn sie die Unterscheidung von Immanenz und Transzendenz auf die Geschlechter bezieht:

»Tatsächlich verwirklicht sich der Mann, selbst wenn er sich als gegeben, passiv, den Zufällen von Sonne und Regen preisgegeben begreift, zugleich auch als Transzendenz, als Entwurf; schon bejahen sich Geist und Wille in ihm gegen die Verwirrung und Zufälligkeit des Lebens. (…) (D)ie Frau … unterhält das Leben des Stammes, indem sie ihn mit Kindern und Brot versorgt, aber das ist auch alles: sie bleibt der Immanenz verhaftet; von der Gesellschaft verkörpert sie nur den statischen, den in sich geschlossenen Aspekt, während der Mann unaufhörlich neue Funktionen übernimmt, die diese Gesellschaft nach der Seite der Natur und in bezug auf die Gesamtheit der menschlichen Gemeinschaft ausweiten; … Krieg, Jagd und Fischfang repräsentieren die Ausdehnung der Existenz, ihr Überschreiten in der Richtung auf die Welt; der Mann allein verkörpert die Transzendenz.« (1)

Der Niedergang dieser zutreffenden Diagnose setzt erst in dem Moment ein, in dem die spezifischen Sphären, Kompetenzen und Neigungen von Männern und Frauen psychologistisch und intentionalistisch kurzgeschlossen werden, indem nach männlichen Minderwertigkeitskomplexen (oder gar genetischen Minderwertigkeiten) gefahndet wird, die der Mann mit der Errichtung des Patriarchats überzukompensieren versucht habe, während auf der anderen Seite ebenso psychologistisch der Voluntarismus und das subjektive Befinden der Frau, ihre »Betroffenheit«, zum Angelpunkt ihrer Emanzipation erklärt wird. Das Überlebensdrama einer Gemeinschaft von Männern und Frauen inmitten einer übermächtigen Natur wird eingedampft auf jenes bürgerliche Ehedrama, in dem nur noch die Beziehung zwischen den Geschlechtern selbst gesehen wird und, nach seiner zivilisatorischen Entlastung, der Funktions- und Überlebensbezug der geschlechtsspezifischen Arbeit aus dem Blick gerät. Die Legenden, die der Mann über seinesgleichen erzählt, um die Brüchigkeit seiner äußeren Erfolge ertragen zu können, werden als Legenden kritisch dekonstruiert, aber die Weigerung, sie wörtlich zu nehmen, schlägt sogleich um in die Unfähigkeit, den Grund zu würdigen, aus dem sie allemal erzählt werden – das »Empowerment« befreiter Frauen ist nur zu oft ein narzisstisches, das nicht zu sehen vermag, dass Männer in ihrer klassischen Funktionsrolle mit echten Problemen konfrontiert sind, die sich auf die Logik und den Imperativ, einer Frau zu gefallen, nicht reduzieren lassen.

Und so, wie die Kostenseite der männlichen Funktionsrolle nicht verbucht wird, so verleugnet der neuere Feminismus auch den privilegierten Aspekt der weiblichen Funktionsrolle: nämlich jenem vom Leib und Geist des Mannes abgefangenen Teil des »Reichs der Notwendigkeit« nicht mit eigenem Leib und Geist ausgesetzt zu sein, es nur über die Stellvertretung des Mannes überhaupt wahrzunehmen und somit teils als Scheinproblem, teils gar als vom Manne gemachtes und ohne ihn erst gar nicht nicht bestehendes Problem denunzieren zu können. So kann sich die Frau für die bessere Hälfte der Gesellschaft halten, während sie tatsächlich das alte, aymmetrische Gleichgewicht des Gebens und Nehmens zwischen Männern und Frauen, in welchem die Frau dem Mann gibt, weil der Mann der umgebenden Natur geben muss, durch einen systematischen Transferleistungsparasitismus ersetzt, in dem das Geben des Mannes zugleich eingefordert wird und nichts zählt, und umfassend systematisch nur eingefordert werden kann, weil es nichts zählt. An der Wurzel des neueren Feminismus liegt somit eine fundamentale Unverantwortlichkeit.

Liegt der Ausweg also in einer Rückkehr zu den alten Funktionsrollen, in denen »die Welt noch in Ordnung« war? Eine solche These würde versäumen, durch die menschliche Geschichte einen Längsschnitt zu legen. Bei aller berechtigten Skepsis gegenüber sozialutopischen Ideologien, denen man sich schon seit Calvin und Robespierre nicht mehr naiv anschließen kann (und die mithin die anthropologische Reserve des modernen Konservatismus rechtfertigt), ist doch die Negation der modernen, von innerer und äußerer Natur emanzipierten Gesellschaft durch die Nutzer von Antibiotika, Pille und Smartphones ein veritables Luxusprodukt, und ein ebensolches wäre die Vorstellung, man könne Frauen aus der Welt des Geistes, der Bildung und des selbstverantwortlichen Erwerbs in ihre alte Funktionsrolle zurückbefördern.

Und wie sieht es mit der männlichen Funktionsrolle aus? Macht der suprematistische Feminismus noch ein bis zwei Generationen Schule, so wird diese zu einem Arbeitsdrohnenstatus stalinistischer Art deklassiert, welche einen Großteil der eigenen Bevölkerung in aus dem zivilen Leben verbannte, kasernierte Zwangsarbeiter verwandelt hatte, und eine geschlechtsständische Gesellschaft hervorbringen, in dem Männer um ihrer patriarchalen Erbsünde willen das Produkt ihrer Arbeitsleistung an den privilegierten Stand der zivilisatorisch überlegenen Frauen abtreten. Und wer diese Dystopie komplett machen möchte, darf sich noch Valerie Solanas‘ freiwillige Vergasungsanstalten für gebrochene Männer hinzudenken, die dann eine echte Chance auf institutionelle Realisierung haben werden.

Beantworte ich Arnes Frage also pessimistisch? Dystopien antizipieren den schlechtesten aller möglichen Fälle, um destruktive kulturelle Entwicklungen bereits in der Gegenwart kenntlich zu machen. Unsere Gesellschaft kann in dem Moment aufhören, auf Männer herabzuscheißen, in dem sie die Probleme der männlichen Funktionsrolle von den Männern selbst trennt, indem sie also, in Christoph Kucklicks Worten, herausfindet, dass Männlichkeit nicht zerstört und Weiblichkeit nicht rettet, in dem sie feststellt, dass Frauen in männlichen Funktionsrollen exakt denselben Gefahren charakterlicher Verwüstung ausgesetzt sind wie ihre männlichen Kollegen und ihnen auch mitnichten besser widerstehen. Dazu muss sie es aber fertigbringen, die Funktionsprobleme moderner Gesellschaften – etikettieren wir sie in aller Ambivalenz des Begriffs, im Guten wie im Bösen, als »kapitalistische« Probleme – als solche in den Blick zu nehmen, anstatt sich die Sicht durch moralische Kampagnen zu verstellen, die im Gewande der Aufklärung eine calvinistische Sündentheologie etablieren.

Um eine alte, fast verschüttete Denkfigur von Jürgen Habermas neu zu beleben: die Welt, in der wir leben, droht durch unzureichend verstandene und institutionell nicht eingehegte »Systemlogiken« aus den Fugen zu geraten, denen nicht mit Moral, sondern nur mit intelligenter gesellschaftlicher Feinsteuerung jenseits des überstrapazierten Gegensatzes von Markt und Staat beizukommen ist, damit sie die menschlichen »Lebenswelten« nicht sukzessive auffressen. Wie aber sollten sich menschliche Lebenswelten als verteidigungswürdig begreifen und behaupten lassen, wenn sie in ihren intimsten Grundlagen, nämlich durch den falschen Gegensatz männlicher und weiblicher Lebenswelten, blockiert und unsere zivilisatorischen Kräfte im vermeintlichen Nullsummenkampf dieser Lebenswelten gegeneinander aufgezehrt werden? Eine Gesellschaft, die nicht mehr auf Männer herabscheißt, ist eine Gesellschaft, die begriffen hat, dass Männer und Frauen in erster Linie Verbündete sein müssen, die das gemeinsam Lebenswerte verteidigen. Heute ist es paradoxerweise das Geschäft des Feminismus, genau jenen den Männern zugeschriebenen zivilisatorischen Untergang der Menschheit aktiv zu befördern, indem er die Kräfte eines möglichen kooperativen Widerstands dagegen zugunsten einer Machtergreifung von Privilegienmuschis lähmt und die aufwärtsmobile Mittelschichtfrau dabei zum Inbegriff der Privilegienmuschi macht. Die heute global herrschende »Superklasse« dankt es den Feministinnen durch Kooptation in die Eliten, damit die Scheiße, die auf uns heruntertropft, ab sofort quotiert männlich und weiblich sei.

1: Simone de Beauvoir (1951), Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, S. 80

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10 Kommentare zu „Ist eine Gesellschaft denkbar, die Männer nicht abwertet?“

  1. uiuiui, im letzten Abschnitt ist Dir aber die Galle übergelaufen…. Ansonsten sehr gute Analyse!

    Passend zum heutigen Equal Fake Day – jedes Jahr die gleiche Fake Statistik von 22% Lohndifferenz – eine Ergänzung:

    Bekanntlich ist der GPG bei Selbständigen rund doppelt so hoch wie bei abhängig Beschäftigten, rund 40%. Ursache dürften vor allem vor allem gut verdienende Personen sein, die ein florierendes, innovatives Unternehmen aufgebaut haben. Das ist natürlich mit Risiken verbunden, viele scheitern und sind ggf. ruiniert, man sieht nur die, die Erfolg hatten.

    Genauso sieht es in der Wissenschaft (der richtigen Wissenschaft, keine Gender Studies) oder bei sehr innovativen Unternehmen / Forschungsabteilungen, die kommerziell wertvolle Patente anstreben, aus: fast nur Männer.

    Nach meinem Eindruck spiegelt sich hier die von dir geschilderte historische Rollenteilung auf unsere heutigen Verhältnisse im Arbeitsmarkt. Frauen streben statistisch vor allem in risikolose Jobs, Männer in Jobs mit Aufstiegschancen. Risikolos meint hier, daß unabhängig von der Qualität meiner Arbeit der Job und das Einkommen nicht prinzipiell gefährdet ist, daß also faktisch keine wirksame Leistungskontrolle vorhanden ist. Das ist im öffentlichen Dienst der Fall, bei völliger Unfähigkeit wird man im ÖD schlimmstenfalls auf eine andere Stelle strafversetzt, auf der man weiterhin das gleiche Gehalt bekommt – das ist lächerlich. Kein Zufall, daß der ÖD inzwischen frauendominiert ist.

    Bei formal wirtschaftlich Selbständigen ist der Risikofaktor offensichtlich, in vielen großen Unternehmen sind aber vielfach einzelne Organisationseinheiten ebenfalls Profit Center mit einer eigenen Ergebnisberechnung. Vom Arbeitsplatzrisiko unterscheiden sie sich nicht mehr wesentlich von einem formal wirtschaftlich Selbständigen.

    Am Equal Fake Day wird darüber gerne hinweggesehen. Die erfolglosen Unternehmer fallen geschickterweise aus der Statistik heraus, weil ihr Einkommen als Selbständiger Null ist, d.h. von den beiden Seiten der Medaille, den Gewinnern und die Verlierern, wird selektiv die Gewinnerseite wahrgenommen und zur Fake-Statistik verwurstet

    1. @mitm:

      »uiuiui, im letzten Abschnitt ist Dir aber die Galle übergelaufen«

      Stimmt, das ist sie, und ich hatte höchstens einen Fingerbreit Wein intus 🙂 . Mich beschleicht aber auch der Eindruck, dass sich manche Zustände auch rational nur noch mit sprachlicher Massivität *angemessen* beschreiben lassen. Aber ich werde jetzt nicht grundsätzlich den Analytiker gegen den Polemiker eintauschen, das können andere besser.

      Und danke für die Ergänzung zum »Equal Fake Day«! Zur Pointe dieses Berufswahlmusters gehört ja, dass man es tatsächlich als Reflex eines evolutionären Musters und damit als stabile Disposition betrachten kann, dass aber genau darüber ein ideologisches Tabu verhängt wird. Woraufhin man Frauen die Aussage zumuten muss: »Man up or shut up!« Meines Erachtens liegt die Zukunft der Geschlechterbeziehungen in nicht mehr »naturwüchsigen«, sondern »verhandelten Asymmetrien«, die gegen mögliche negative Folgen derselben von vornherein Sicherungsmechanismen einbauen, welche freilich für beide Seiten *fair* sein müssen.

      1. @djad

        Und wieder ein schöner Text! 🙂

        Ich – irgendwie scheine ich der Polemiker zu sein – habe ein paar Einwände:

        „Sei ein Mann!“ ist ein sinnvoller Satz, „Sei eine Frau!“ ist eine sinnlose Aufforderung.
        Dein rationaler Appell, man möge reale Asymmetrien zwischen den Geschlechtern zunächst anerkennen und dann auf dieser Basis verhandeln ist ebenso sinnlos.

        In keinem Frauengehirn ist auch nur *bekannt*, dass die „patriarchale Dividende“ daraus besteht, das Geschäftsmodell „Frau“ pro Jahr mit über 90.000.000.000.- Euro zu alimentieren. Mit alimentieren meine ich, dieser Betrag ist alleine das, was pro Jahr vom Geschlecht „Mann“ an Geschlecht „Frau“ via Sozialversicherungssysteme in Deutschland entrichtet wird.
        Pro Jahr – für die „männliche Funktionsrolle“.
        Ich bin ja wirklich dafür, dass der Herr Hegemoniale Männlichkeit die beknackte Frauenunterdrückung unterlässt.
        Sie ist einfach zu teuer für Männer.
        Alle „kompensatorischen“ Ansprüche sollten wir mit einem eleganten Fingerzeig auf die Realität konterkarieren.
        Aber wer kennt die Realität?
        Und wer will damit konfrontiert werden?

        Kommt man an den Punkt nachzufragen, wie es Millionen Frauen eigentlich gelingt, per Teilzeitarbeit ein angenehmes Auskommen zu finden, ist man darauf verwiesen auf gesetzlich sanktionierte Paarbeziehungen zu schauen, in denen per default gesetzlich diesen Frauen die Hälfte des Einkommens „zusteht“.
        D.h. auch wenn sie selber nur ein Drittel zum Einkommen des Paars beisteuern, kassieren sie hälftig die Leistungen des PAARS. Was wiederum heißt, 33% Anteil verhalten sich zu 50% Recht auf und Verfügung über.
        Was eine sehr blöde Idee des „Patriarchats“ in Sachen Vermögens- und Einkommensverteilung zwischen den Geschlechtern war und ist.

        Dann – mit einem Blick in die Neuzeit – ist meine, qualifizierte Arbeit ebenso viel wert wie die unqualifizierte ihre. Eine Stunde Baby-Sabber entfernen ebenso viel wert wie eine Stunde Arbeit mit „Catia“ am Airbus A 350 – selbst im Sozialismus geht das kalkulatorisch nicht auf. Die aktuelle Trennungswilligkeit der Frau aus solchen Arrangements ist dadurch gesichert, dass a. selbst der Anspruch auf die *Hälfte* des Familieneinkommens oft mehr ist, als Frauen jemals selber verdienen würden oder b. bei nominell gleichem Einkommen ein Kind kalkulatorisch ausschließlich beim Mann als Kosten verbucht wird.
        Im Gegensatz zu einer Paarbeziehung, in der ihr Drittel Einkommen wenigstens virtuell mit der Hälfte der Kosten für ein Kind belastet worden wäre.
        Jedes „traditionelle Geschlechterarrangement“ läuft auf Subvention hinaus und es wird in 90% aller Fälle ein Geschlecht (männlich) das andere (weiblich) subventionieren.

        Das meint deine „Asymmetrie“ m.E. in der Realität.
        Aber wo ist deine Verhandlungsmasse?
        Was möchtest du denn eintauschen – in aller Fairness – was die Gegenseite nicht ohnehin schon besitzt?

        Dieser Betrag – nämlich die monatlichen Subventionen in einer Paarbeziehung nach diesem Schema – würde sich zu den 90.000.000.000.- pro Jahr addieren.
        Ebenso wie er Jahr für Jahr bereits jetzt zu addieren ist.
        Wenn man diese Realität mit einer Realität der rosa Ponies und lila Einhörner vergleicht, in der Frauen, insbesondere Frauen, seit 100.000 Jahren durch Männer unterdrückt worden sind und nur eine faire Kompensation für erlittenes Unrecht erwarten dürfen, wofür werden sie sich wohl entscheiden?
        Welche „Fairness“ erwartest du?

        Die „ursprüngliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern“ existiert nicht mehr. Addiere ich a. Haus-, b. Familien- und c. Erwerbsarbeit, dann arbeiten Männer durchschnittlich *mehr* als Frauen. Die weibliche „Doppelbelastung“ existiert ebenfalls nicht (hat ohnehin nur knapp 25 Jahre Bestand gehabt). Das kann ich für die USA und für Deutschland beweisen. Während sich Haus- und Familienarbeit immer mehr annähern ist der Knackpunkt, die Verteilung der Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern hat sich seit 2000 nicht mehr geändert und beide arbeiten zusammen mehr als vor 40 Jahren.
        Ich fände es sinnvoll aufzuzeigen, was die falsche Frontstellung, der „Geschlechterkampf“ Männer und Frauen bisher schon gekostet hat – an den skizzierten Verhältnissen ändert das nichts.

        „Dazu muss sie es aber fertigbringen, die Funktionsprobleme moderner Gesellschaften – etikettieren wir sie in aller Ambivalenz des Begriffs, im Guten wie im Bösen, als »kapitalistische« Probleme – als solche in den Blick zu nehmen, anstatt sich die Sicht durch moralische Kampagnen zu verstellen, die im Gewande der Aufklärung eine calvinistische Sündentheologie etablieren.“

        Mit BEIDEM sind Frauen bisher gut gefahren.
        Sowohl mit dem kapitalistischem Staat, als auch mit den moralischen Kampagnen.
        JEDE Gesellschaft, in der Männer nicht auf den Kopf geschissen wird – quotiert oder nicht – muss von Männern und für Männer erst noch erkämpft werden.
        Das Ende der Dystopie beginnt mit der Anerkennung der realen Kosten der „Funktionsrolle“ des Mannes und den realen Kosten der „Funktionsrolle“ der Frau.
        Und der Aushandlung der gemeinsamen Schulterung dieser Kosten.

        Ansonsten Streichung der männlichen Subventionen für Frauen und dann weitersehen.

        Schönen Gruß, crumar

      2. @crumar:
        „…kassieren sie hälftig die Leistungen des PAARS.“

        das ist eines der oft übersehenen Details bei dem Jammern über das GPG: zumindest in normalen Ehen (ohne die seltene Gütertrennung) gehört „der Frau“ das halbe Gehalt bzw. wird im Endeffekt über die Miete, Essen usw. für sie ausgegeben.

        „das Geschäftsmodell “Frau” pro Jahr mit über 90.000.000.000.- Euro zu alimentieren“

        Ich weiß nicht, wie diese Zahl zustandekommt, vermutlich ist sie nicht ganz fair den Frauen gegenüber. Zumindest die Kinder hat man gemeinsam und muß auch gemeinsam dafür „zahlen“, entweder in bar oder durch Arbeitsleistung und Lohnverzicht.
        Bis zum Verbot geschlechtsspezifischer Krankentarife in der privaten Krankenversicherung waren die Frauentarife schon deswegen deutlich teurer, weil die Geburten mit allen Folgerisiken alleine bei den Frauen verbucht wurden. Und die statistisch relevanten alte Frau, die die letzten 5 Jahre ihres Lebens als Demenz-Pflegefall enorme Kosten verursacht, könnte Deine Mutter sein. Ein Großteil der Transfers dürfte von daher gerechtfertigt sein, auch wenn es in bestimmten Fällen, die man dann aber genau eingrenzen muß, nicht gerechtfertigt ist.
        Den eigentlichen Skandal sehe ich eher darin, diese Transfers in der Diskussion zu unterschlagen und Männer als soziale Drückeberger und die Frauen wieder mal als die ewigen Opfer hinzustellen, wenn sie „unbezahlte“ Hausarbeit leisten.

      3. @mitm

        „Ich weiß nicht, wie diese Zahl zustandekommt, vermutlich ist sie nicht ganz fair den Frauen gegenüber. Zumindest die Kinder hat man gemeinsam und muß auch gemeinsam dafür “zahlen”, entweder in bar oder durch Arbeitsleistung und Lohnverzicht.“

        Die Zahl ist fair und hat mit Kindern gar nichts zu tun – sie beruht auf Schätzungen von Manndat – diese wiederum beruhen aber auf Zahlen, die für Österreich und die Schweiz vorliegen. In letzterer hatten Feministinnen nämlich die ausgesprochen schlechte Idee anzunehmen, ihre Propaganda, es gäbe eine „patriarchale Dividende“ wäre real.
        Und sie haben gefordert, die Zahlungsströme der weiblichen Sklaven zu ihren patriarchalen Herren durch den Staat und die Sozialversicherungssysteme einmal auszurechnen.
        Leider verhielt sich die Realität jedoch genau anders herum und das wurde ihnen nachgewiesen – glaube also niemals deiner eigenen Propaganda! 😉

        Es wäre historisch das wirklich allererste Mal, dass Sklaven von der Sklaverei profitieren oder das Proletariat von der Bourgeoisie.
        D.h. es existiert zwar keine patriarchale, aber dafür eine „matriarchale Dividende“.

        *Zu dieser* gesellt sich dann der Anspruch auf die Hälfte des Familieneinkommens in einer Ehe und auch da hat das bürgerlich-kapitalistische Patriarchat das mit der Ausbeutung grundsätzlich missverstanden. Wenn ein Unternehmen zu 33% mir (männlich) gehört, dann erwarte ich im Regelfall nicht 50% der Einnahmen. Das weibliche Proletariat hingegen besitzt per Gesetz die Hälfte der Firma ihres bürgerlichen Unterdrückers.
        Diese Firma erbt sie vollständig im Falle seines Todes und die Ansprüche auf den anteiligen Bezug *seiner* Rente gegenüber einem unterdrückerischen Staat, der sie damit bestraft Geld anzunehmen, für das sie ihren Leben lang nicht (entsprechend) arbeiten musste. Schändlich, oder?

        Feministinnen haben einen weiteren Dreh gefunden, die Realität auf den Kopf zu stellen, indem sie den „gender pay gap“ auf das Lebenseinkommen der Geschlechter umgerechnet haben.
        Sie vergleichen also *individuelle* Einkommen der Geschlechter im Verlauf des Lebens und haben die gesetzlichen Grundlagen einer Ehe ganz „vergessen“, welche die materiellen Transfers regelt.
        Denn es ist nicht anzunehmen, dass Frauen, die Teilzeit arbeiten, vom Teilzeit-Einkommen wirklich leben können – das könnten Männer in der Regel auch nicht.
        Zu diesen materiellen Transfers an Frauen, die per default existieren, kommt dann noch die Sache mit den Kindern…

        Es ist ebenfalls nicht anzunehmen, dass es irgendwem gelingen wird, mit dem staatlichen Kindergeld die realen Kosten für ein Kind abzudecken.
        Nun stellt sich die Frage, welches Geschlecht wird für diese Differenz zwischen realen Kosten und dem, was dem Staat Kinder wert sind in der Regel aufkommen?
        Das werden wohl weit überwiegend Männer sein.

        Ganz anders hingegen werden die Kosten für ein Kind nach dem Trennungsfall/der Scheidung bemessen. In diesem Fall fällt dem gleichen Staat nämlich ein, wie hoch die *realen* Kosten für ein Kind tatsächlich sind.
        Wenn das Kind – auch hier weit überwiegend – bei der Frau gelandet ist.
        Jetzt wird für die Differenz der Differenz weit überwiegend das „andere Geschlecht“ zur Kasse gebeten.

        An dieser Stelle hat der Staat m.E. ein solides Eigeninteresse: Anders herum würde es wegen der Verdienstmöglichkeiten der Frau überwiegend nicht funktionieren. Rechne ich *deren* Gehalt bis auf das Existenzminimum herunter, dann würde die Differenz zwischen gesetzlichem Anspruch und realer Verfügbarkeit durch weibliches Einkommen nun durch den Staat gedeckt werden müssen.
        Und seit wann hat der „patriarchale Staat“ Bock Männer (mit Kind/Kindern) zu finanzieren?

        D.h. egal wie man es dreht und wendet, in das System *fest eingebaut* ist die der Zwang, die *realen* Kosten für ein Kind bleiben beim Mann hängen.

        Aber dieser Umstand ist nur das Sahnehäubchen auf einem ganzen Bündel von materiellen Transfers, die zu einer weiblichen Grundüberzeugung geronnen sind, Frauen hätten von Natur aus Anspruch auf diese. Und dem Feminismus ist es durch permanente Propaganda gelungen eine Realität zu verkaufen, die nicht existiert.

        Ich habe diese ganzen Beispiele gewählt um aufzuzeigen, dass die Rede vom „Patriarchat“ als Ausbeutungssystem absurd ist. In *keinem* System profitieren die Ausgebeuteten von ihrer Ausbeutung.
        Am ehesten kann man m.E. sagen, es handelt sich um ein gigantisches und organisiertes System der Korruption. Bzw. um einen weiblichen Selbstbedienungsladen – siehe Akademikerinnenwurfprämie.

        In dem eine „Funktionsrolle“ die andere korrumpiert und sich die andere korrumpieren *lässt*.
        Das ist die weniger nette Umschreibung für „traditionelles Geschlechterarrangement“.
        Und kommt dem auch wesentlich näher, als die Institution der Ehe a la Feminismus als „Prostitution“ zu verkaufen.
        Denn kein „Stammfreier“ vererbt einer Prostituierten seinen Besitz, sie erwirbt nicht hälftig sein Einkommen oder das Recht auf leistungslosen Rentenbezug.

        Würde man dieses Korruptionssystem beenden und die (voraussetzungslosen) materiellen Transfers von Mann zu Frau einstellen, dann könnte man wirklich anfangen über „Emanzipation“ zu reden.
        Alles andere ist in meinen Augen witzlos.

        Schönen Gruß, crumar

  2. Da bin ich ja fast versucht, einen Folgeartikel zu schreiben. Kurz zusammengefasst: 100% wird es nicht gehen, aber das wollen die meisten auch nicht. Viele sind mit einer leichten Bevorzugung von Frauen zufrieden (ein Gedanke, den etwa Adrian mehrmals bei Alles Evolution als Beschreibung geäußert hat). Aber es gibt mehr zwischen 0% und 100% und genau darauf würde es sich lohnen, hinzuweisen. Ich denke auch an den Stadt/Land-Vergleich, den Christian mal gemacht hat: Wir können den biologischen Rahmenbedingungen nicht völlig entkommen, aber wir haben doch Gestaltungsspielraum.

    Ein Beispiel aus der Realität: Dass seit zwei Generationen in Deutschland Männer nicht mehr allgemein in den Krieg ziehen mussten, ist ein Fortschritt. Der nächste Schritt in die richtige Richtung wäre: Wehrdienst komplett abschaffen inklusive keinem Zivildienst nur für Männer. Mit anderen Worten: Natürlich gibt es einfache Möglichkeiten, eine gerechtere Gesellschaft für Männer zu schaffen, ohne unsere biologischen Grundlagen zu verleugnen.

  3. Das hier beschreibt eigentlich den Kern:

    „… Eine Gesellschaft, die nicht mehr auf Männer herabscheißt, ist eine Gesellschaft, die begriffen hat, dass Männer und Frauen in erster Linie Verbündete sein müssen, die das gemeinsam Lebenswerte verteidigen. Heute ist es paradoxerweise das Geschäft des Feminismus, genau jenen den Männern zugeschriebenen zivilisatorischen Untergang der Menschheit aktiv zu befördern …“

    Letztendlich mündet das Alles in MGTOW, Grasfresser etc. Die meisten Männer verweigern sich mehr und mehr. Es ist ja auch kein Wunder, wenn man ihnen Tag für Tag um die Ohren haut, wieviel Abfall doch in ihnen steckt.

    Es dürfte spannend werden, zu sehen, wie weit da noch gegangen wird und inwiefern u.a. der Feminismus sich seine eigene Toilette gräbt.

    Men on Strike! ist evoziert – nun sollen die Urheberinnen auch mit den Konsequenzen daraus leben lernen. Ich wünsche schon jetzt viel Spaß dabei.

    1. „Die meisten Männer verweigern sich mehr und mehr.“

      Das halte ich für eine Fehleinschätzung der Lage.
      In der Masku-Blase entsteht dieser Eindruck sehr leicht, denn dort sind fast nur Männer aktiv, die beruflich oder privat den Staatsfeminismus zu spüren bekommen haben. Das aber passiert typischerweise erst ab 30 Jahren aufwärts. Die weit überwiegende Mehrheit der Männer unter 30 sieht nach wie vor ihr Lebensideal darin, eine Familie zu gründen und Kinder zu haben, s. u.a. vor ein paar Tagen diese Pressenotiz: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/kinderwunsch-studie-der-bevoelkerungsforschung-13493239.html?fb_action_ids=10155522138520495&fb_action_types=og.shares

      MGTOWs im engeren Sinne werden nach meiner Einschätzung durchaus einen signifikanten Prozentsatz ausmachen, überwiegend ab 30 Jahre aufwärts, vielleicht 10%, so ca. ein Drittel bis zuur Hälfte der Singles bzw. Einpersonenhaushalte, die wiederum 20-25% der Bevölkerung ausmachen. Diese Gruppe wird aber nicht die Mehrheit sein oder so groß wie in Japan.

      1. Die meisten Männer kriegen ihre Kinder zwischen 30 und 39; wir werden die Effekte davon sowieso erst ein bis zwei Jahrzehnte später überhaupt merken. Alle meine Freunde, die nun über 30 sind und keine Kinder haben, hätten in einer solchen Studie wohl auch ja gesagt, ohne viel nachzudenken.

        MGToWs werden einen vernichtend kleinen Anteil an der Bevölkerung darstellen; die meisten Männer werden einfach auf die Umstände reagieren und später (oder auch nie) Kinder haben wollen. Erste MGTowgedanken sind ja erst ganz kurz und zaghaft durch den „Sexodus“ Artikel mit dem Mainstream in Kontakt gekommen. Ich glaube trotzdem, dass eine Mehrheit der Männer weiterhin wie vorher auch agieren wird; vielleicht wird es sich aber tatsächlich ähnlich verhalten wie in Japan. Bei solchen Verhältnissen halte ich es daher auch für Wunschdenken eine politische Lösung zu suchen, da du die meisten konservativen Männern immer noch gegen dich haben wirst, weil die auch in erster Linie ihre klassische Familie verteidigen wollen.

        Ohne jetzt in fatalistisches denken umschwenken zu wollen, aber selbst wenn es nur 10% der Männer sind, ist das sicherlich bei weitem genug politischer und gesellschaftlicher Zündstoff, denn dann kann man die Demografie für alle staatstragenden Systeme im Westen (Rente, Krankenkasse, Sozialsysteme) sofort in die Tonne treten.

        Es wird interessant.

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