Warum ich über WordPress, Akismet und Pingbacks schreibe

Monatelang hatte ich Ärger beim Bloggen und Diskutieren:

Aus irgendeinem Grund wurden aus diesem Blog keine Pingbacks mehr verschickt. (Das sind diese schönen Benachrichtigungen, die man bekommt, wenn ein anderes Blog auf einen Artikel von einem verlinkt.) Von außerhalb welche zu bekommen, war allerdings kein Problem.

Außerdem konnte ich in einigen Blogs keine Kommentare mehr schreiben. Sie landeten nicht etwa im Spamfilter, sondern kamen nie an. Das galt sowohl für Blogs, die bei wordpress.com betrieben werden (wie Stefanolix) als auch solche, bei denen WordPress auf einer eigenen Domäne installiert ist (wie Man-Tau).

Nachdem ich lange im Admin-Bereich des Blogs herumgesucht hatte, ob ich nicht aus versehen etwas verstellt hatte (oder jemand der anderen Autoren), versuchte ich mich schließlich an den WordPress-Support (den von wordpress.com) zu wenden. Die Anfrage wurde jedoch scheinbar sofort ausgeblendet oder vom Administrator geschlossen.

Mit anderen Worten, die Kommunikationsfähigkeit war stark eingeschränkt, ohne dass ich wusste, warum. Vor einigen Wochen bin ich dann endlich langsam auf den Trichter gekommen, wie ich die Probleme lösen konnte (die Ursache ist immer noch nicht klar):

Akismet

Akismet ist eigentlich dafür gedacht, den gröbsten Spam automatisch zu beseitigen. Es geht auch kaum ohne so etwas, denn ansonsten wären es hier im Blog z.B. Dutzende Spam-Kommentare pro Tag und nicht nur ein paar, wie mir ein Test ohne Akismet bewies, den ich vor wenigen Tagen schließlich beenden musste.

Der Pferdefuß dabei ist, dass man mit der eigenen E-Mail-Adresse auf Akismets schwarzer Liste landen kann, und dann wird man ebenfalls gnadenlos rausgefiltert. Das bewirkt auch unter anderem, dass man nicht mehr beim WordPress-Support anfragen kann bzw. alle Anfragen werden erst einmal als Spam markiert, ohne dass man versteht, was da abgeht.

Die Lösung besteht darin, sich an den Akismet-Support zu wenden. Aus dem WordPress-Support-Forum:

Solange du das Fehlverhalten beim Akismet Support nicht anzeigst, wirst du immer wieder Probleme beim Kommentieren auf WordPress Blogs oder hier im Forum haben. Die Prozedur dazu ist relativ einfach:

Akismet Kontaktformular aufrufen
Den Text „All of my comments are being marked as spam“ eingeben
Die Option I think Akismet is catching my comments by mistake anklicken
Die Formularfelder ausfüllen und fertig 🙂

Danach funktionierten auch Kommentare in oben erwähnten Blogs wieder. Außerdem konnte ich beim WordPress-Support wieder normal schreiben.

Theme umstellen

Dort wurde mir dann unter anderem empfohlen, das Theme umzustellen. Ich fand das etwas merkwürdig, denn ich hatte es meines Wissens nie geändert und Twenty Ten ist das Standard-Theme für WordPress – wenn es damit Probleme gäbe, wäre das doch längst bekannt!

Aber um alle Möglichkeiten durchzugehen, stellte ich das Blog auf Twenty Sixteen um. Und siehe da: Die Pingbacks funktionieren wieder! Wenn ich ältere Artikel bearbeite und wieder abspeichere, werden bisher nicht erzeugte Pingbacks versandt.

Beide Probleme an sich gelöst! Noch zwei Details, die es sich bei ähnlichen Problemen lohnen kann zu wissen:

Trackbacks manuell senden

Wenn die Pingbacks nicht automatisch verschickt werden, kann man sie probeweise auch manuell senden. Das sind dann sogenannte Trackbacks.

Ich musste selbst erst eine Weile suchen, wo ich das im Admin-Bereich des Blogs finde. Das geht so:

– Im alten Editor auf „Beitrag bearbeiten“
– oben ist ein weißer Reiter: „Ansicht anpassen“
– den aufklappen, dort sind einige Optionen eventuell deaktiviert
– „Trackbacks senden“ und „Diskussionen“ aktivieren

Jetzt sieht man unterhalb des Artikels die entsprechenden Optionen.

WordPress-Support

Wie gesagt, es geht um wordpress.com – das wird immer wieder verwechselt. Dabei ist zu beachten: Das deutschsprachige Forum wird von Nutzern für Nutzer gemacht. Die können erste Hinweise liefern, was bei mir auch sehr geholfen hat. Die Moderatoren im englischsprachigen Forum können allerdings z.B. auch nachsehen, ob ein Pingback irgendwo in einem anderen wordpress.com-Blog noch im Filter hängt.

Wichtiger Hinweis (nur) fürs englischsprachige Forum: Immer das Etikett „modlook“ verwenden, damit sich ein Moderator die Anfrage ansieht.

Ist das nicht alles meta?

Das Gesetz gegen „Hate Speech“ soll private Unternehmen zwingen, Inhalte zu filtern. An diesem Fall sieht man recht gut, wie schnell man durch einen zu starken Filter, der irrtümlicherweise auf Spam erkennt, wo keiner ist, stark in der Kommunikations- und Diskussionsfähigkeit behindert wird. Selbst wie man da wieder herauskommt, ist eine Frage, deren Antwort zu finden erschwert wird – durch dieselben Filter, die das Problem erst erzeugt haben.

Das ist nur ein lauer Vorgeschmack auf das, was passieren wird, wenn der Staat die Verantwortung, die mit seinem Gewaltmonopol verbunden ist, nicht nachkommt und das Problem auf die Wirtschaft verlagern will. Der Postillon bringt hier in einem Satireartikel zwischen den Zeilen mal wieder mehr seriösen Inhalt als ein großer Teil des ernstgemeinten Journalismus.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute ist Roger Moore gestorben… also bringe das Lied aus einem der besseren James-Bond-Filme mit ihm:

Sheena Easton: For Your Eyes Only

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Fundstück: Terror-Bingo

Tom174 hat unter dem Titel „Sicherheit und so“ ein paar gute Gedanken zum Amoklauf/Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin geschrieben. Besonders einen Kommentar von ihm möchte ich dabei hervorheben:

Vom Terror ganz ab, viele, gerade auch ein Adrian, treibt die angst, dass wir viele unserer Freiheiten verlieren werden. Mich übrigens auch, nicht, weil ich Angst habe, dass wir hier irgendwann die Scharia einführen, sondern weil ich Angst habe, dass die Gegenbewegung einen Backlash erzeugt, der uns einen extrem autoritären Staat beschert.

Das gibt meine eigene Position recht gut wieder. Ich habe mehr Sorge vor einem überbordenden Staat. „Im Namen einer guten Sache bzw. gegen die Bösen“ wurden in den letzten Jahren immer wieder Zensurmaßnahmen eingefordert.

Rufe nach Zensur sowie die Forderung nach einem Aufheben rechtsstaatlicher Prinzipien, wie sie immer nach Amokläufen und Terroranschlägen kommen, sind zwei Dinge, die in dieser Blogblase auch aus anderem Kontext bekannt sind – und in keinem Zusammenhang berechtigt sind. Jemand ist eines Verbrechens verdächtigt, aber noch nicht rechtskräftig verurteilt worden? Dann gilt die Unschuldsvermutung! Egal, wer es ist und egal, um was es geht. So ist das mit dem Rechtsstaat gedacht.

Insofern stehe ich einer Berichterstattung, die jeden kleinsten Schnippsel veröffentlicht, weil er „brandaktuell“ ist, und nicht, weil er überprüft und für wahr befunden wurde, skeptisch gegenüber. Das ist doch „postfaktisch“ und „Fake News“ in Reinform!

Wie sich Erzählungen von vor einem Jahr wiederholen lassen! Damals führten Fefe und Frank Rieger in ihrem Fnord-Jahresrückblick 2015 ein Spiel namens „Terror-Bingo“ (aktuelle Karte) ein – im folgenden Video zu sehen zwischen 56:41 und 1:12:00.

Fnord NEWS Show 2015 [32c3]

Fefe hat das bezogen auf den aktuellen Fall ganz locker wiederholen können. Ungereimtheiten in der offiziellen Version brachten die Nachdenkseiten in einem heutigen Fundstück auf den Punkt: An alles gedacht?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Angesichts der Verrücktheit der Welt optimistisch zu bleiben, auch wenn es ein langer Weg ist, das verbinde ich immer mit folgendem Lied:

Reinhard Mey: Vertreterbesuch

Warum ich die „Fake News“-Hysterie selbst für „Fake News“ halte

Also gut, „Fake News“ sollen es dann sein. Die Massenmedien haben sich auf ein neues Narrativ einigen können, mit dem der Widerspruch zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen erklärt werden kann:

Die richtige Sache war „auf offenem Felde ungeschlagen“, aber ausländische Mächte haben durch das massenhafte Verbreiten von Falschmeldungen (Fake News) im Internet die Wähler so beeinflusst, dass diese am Ende dem falschen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben.

Das ist ein tatsächlich recht rundgeschliffener Mainstreammythos. Die Erklärungen vorher waren letzten Endes schwer zu verteidigende Positionen. Deutungen aus einem geschlossenen Weltbild heraus wie etwa die im Sinne der Identitätspolitik waren nicht massenkompatibel genug. Ich hatte ja bereits der Dolchstoßlegende von den bösen weißen Frauen, die Donald Trump gewählt haben, keine Chance eingeräumt, weil sie als Erweiterung des Feindbildes weißer Mann nicht taugt.

Die jetzt getroffene Lösung hat viele Vorteile: Mit „russischen Hackern“ kann man irgendwelchen anonymen Kräften die Schuld in die Schuhe schieben, aber nebenbei noch andeuten, als gäbe es eine Verbindung zur russischen Regierung / Wladimir Putin. Und das ohne irgendwelche ordentlichen Quellen (wodurch sich das Narrativ natürlich selbst als Fake News entlarvt). Fake News sind noch besser als der Vorwurf der Wahlfälschung, welcher sowieso routinemäßig alle vier Jahre in den USA erhoben wird, zumal man diesen ja irgendwie beweisen müsste. Ferner läßt sich behaupten, Wahlbeeinflussung durch Fake News könne sich jederzeit wiederholen, „auch bei uns“, womit man die Brisanz für Europa hat und das Thema schön warmgehalten wird. Dass die Massenmedien mit diesem Narrativ subtile Fremdenfeindlichkeit schüren („die wollen uns was!“) und Angst verbreiten, während sie sonst Angst bei der Bevölkerung kritisiert – wen kümmert das schon?

Denn die Alternative wäre ja eine echte Wahlanalyse, wie sie etwa die Nachdenkseiten oder Cicero veröffentlicht haben und bei der dann unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht kommen: „Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren“ – für sie sind soziale Klassen kein Thema mehr.

Dieses Erkenntnis käme aber für weite Teile der Medien einem Schuldeingeständnis gleich, denn sie sind längst Teil der Elite, die eine funktionierende vierte Macht im Staate kritisieren und gegen die diese eine Gegenöffentlichtkeit aufbauen würde. Um sich nicht selbst in schlechtes Licht zu rücken, soll daher vermieden werden, die Bevölkerung ernst zu nehmen.

Der Vorstoß einiger Politiker, „Fake News“ zu einem neuen Straftatbestand zu machen, wurde entsprechend medial flankiert: Journalisten treten allen Ernstes für Zensur ein, nachdem ihnen die Deutungshoheit entglitten ist. Man beachte: Das war nicht irgendein Schreiberling für ein Käseblatt, sondern die WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich in den Tagesthemen!

Wie bei den Nachdenkseiten treffend kommentiert wurde:

Auf dem direkten Weg in die Postdemokratie. Was sind bitte „Gezielte Desinformation zur Destabilisierung eines Staates“? Das liegt immer auch im Auge des Betrachters. Aus Sicht der Eliten kann das jede Kritik an den herrschenden Verhältnissen sein.

Der ansonsten überstrapazierte Vergleich mit den Nazis trifft diesmal: Schon die Nazis gaben vor, „Fake News“ zu bekämpfen. Die Nachdenkseiten haben hierzu eine studentische Hausarbeit von Tobias Jaecker gefunden:

Um die Presse in den Griff zu bekommen, bedienten sich die Nationalsozialisten zunächst des Instruments der Notverordnungen, die der Reichspräsident erlassen konnte. Mit der „Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933 wurden Beschlagnahmung und Verbot von Druckschriften geregelt. Unter der Verantwortung von Reichsinnenminister Frick wurde ein umfangreicher Katalog von Verbotsgründen erarbeitet. Darunter fielen etwa die Verbreitung „unrichtiger Nachrichten“ und der Aufruf zum Streik.

Die Nazis im O-Ton (Quelle: Dokumentarchiv.de):

„Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933
„Periodische Druckschriften können verboten werden (…) wenn in ihnen offensichtlich unrichtige Nachrichten enthalten sind, deren Verbreitung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden. (…) Zuständig für das Verbot einer periodischen Druckschrift sind die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen.“

Es ist alles nicht neu: In den letzten Jahren haben wir eine ganze Reihe von Initiativen erlebt, um unter dem Deckmantel einer guten Sache Zensurinstrumente einzuführen. Zunächst waren es die Netzsperren gegen Kinderpornographie. Dann wollte die EU Antifeminismus verbieten. Vor den Vereinten Nationen durften sich Anita Sarkeesian und Zoë Quinn darüber ausheulen, was für schreckliche Sachen ihnen im Internet passieren würden: Es gäbe tatsächlich Leute, von denen sie kritisiert würden! Sie forderten Schutz – wobei der Vorwurf der „Nachstellung“ sich für sie nicht nur auf illegale Aktivitäten erstrecke, sondern auch so fürchterliche Beschimpfungen wie „Du bist eine Lügnerin“ oder „Du bist doof“. Das Wehklagen hatte woanders durchaus Erfolg: Google machte machte den Bock zum Gärtner.

Wie schnell solche Mechanismen, um Leute mit abweichender Meinung zum Schweigen zu bringen, entgleiten können, hätte man eigentlich aus der Geschichte lernen können. Nun hat Donald Trump noch einmal exemplarisch vorgeführt, was „die Geister, die sie riefen“ bedeutet.

Welch Ironie, dass ausgerechnet „Der Postillon“ besonders vielseitig über Fake News berichtet:

  1. Ratgeber: Alles, was Sie jetzt über Fake-News wissen müssen
  2. Bundeskanzler Hubert Dreher will Fake-News unter Strafe stellen
  3. Hat Fake-News verbreitet: Türkischer Journalist zu 5 Jahren Haft verurteilt
  4. Teenager (15) endlich fertig damit, unter jedes einzelne YouTube-Video „Fake!“ zu schreiben – der vielfach vergessene Ursprung der Fake-News-Vorwürfe

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Um „News“ wieder in einen positiven Zusammenhang zu bringen:

Huey Lewis & The News – Perfect World