Wechselmodell: Ein kaum vermeidbares Dilemma

Lucas Schoppe kommentiert in einem lesenswerten Artikel die Tipps, die eine Anwältin aus Falkensee auf ihrer Internetseite Müttern gibt, die ihren Exmann vom gemeinsamen Kind fernhalten wollen. Die Anwältin höhnt über moderne Männer, die sich anmaßen, einen Anteil an der Kindererziehung zu haben und geht dabei ganz selbstverständlich davon aus, dass die Mutter mit ihrem Alleinanspruch auf das Kind schon irgendwie recht haben wird und es daher völlig legitim ist, auch moralisch (und rechtlich) hochgradig fragwürdige Waffen gegen den Vater einzusetzen, um das Wechselmodell (getrennte Eltern wechseln sich mit der Betreuung ab) zu verhindern. Völlig unverblümt rät sie Müttern, dass sie den Vater bei den Kindern schlechtreden sollen, gezielt Streitereien anfangen und Gerüchte über „abartige Neigungen“ des Vaters in die Welt setzen sollen. Forist ‚Billy Coen‘ schrieb einen längeren Kommentar dazu, der mir besonders ins Auge gefallen ist und den ich hier vollständig zitiere:

Billy Coen

22. Juli 2019 um 17:44 Uhr

Warum zum Henker wird eigentlich solcher Mischpoke nicht konsequent die Zulassung entzogen, wenn sie derlei Hetze auf ihren Homepages verbreiten? Wir reden hier ja nicht nur von der Empfehlung, mal ein bisschen Radau zu machen. Nein, denn ich glaube, dass jeder weiß, was mit „abartigen Neigungen“ gemeint ist. Genau das, was hier unter anderem beschrieben wird: https://vater.franzjoerg.de/der-missbrauch-des-missbrauchsvorwurfs-als-politisch-gesteuerte-methode/

Das ist ein unverblümter Aufruf zu einer Straftat: der bewusst und absichtsvoll getätigten Bezichtigung einer schweren Straftat eines Unschuldigen. Bezeichnenderweise ist es eine Straftat, die allgemein wenig und in diesem Kontext so gut wie nie geahndet wird, selbst wenn sich sowohl die Äußerung der Unterstellungen wie auch die letztliche Feststellung deren nicht vorhandenen Wahrheitsgehaltes vor Gericht, also vor Richtern und Anwälten, vollzogen hat.

Die vollkommene Entmenschlichung von Vätern ist hierbei ohnehin schon weit jenseits von Gut und Böse. Dass man keinerlei Skrupel hat, die wenige Zeit, die der in der Regel in Vollzeit tätige Vater mit seinem Kind verbracht hat, um Kind und Frau von seinem Einkommen zu versorgen, wird dadurch ermöglicht, indem man den üblichen feministischen Gipfeltrugschluss bemüht, dass er das nur macht, um seine Karriere voranzutreiben, die es ihm dann ja auch ermöglichen würde, bei geteilter Kindessorge ein viel leichteres Leben zu führen, als die arme, arme Mutter. Das alles natürlich einhergehend mit der immer wieder üblichen Unterstellung, dass er ohnehin eigentlich nur Vollzeit arbeitet, um möglichst wenig Zeit mit dem Kind und den unfassbaren Belastungen des Haushaltes verbringen zu müssen.

Dass gewiss weit mehr als 90 % der Männer weit von dem entfernt sind, was man landläufig unter „Karriere machen“ versteht, lässt man da natürlich unter den Tisch fallen, denn die Erwähnung von Männern, die beschissenen Drecksjobs nachgehen, einfach weil das Geld für die Familie ja irgendwo herkommen muss, würde es schwerer machen, sie argumentativ im Entsorgungsfalle als rücksichtslosen Abschaum darzustellen, der es eh nicht anders verdient hat.

Hier wird genau (frei nach Warren Farrell) die Urtragödie des Mannes sichtbar: der ihm zugetragene Anteil an der Sorge für Frau und Kind wird bei Bedarf als Argument herangezogen, um ihn nach Belieben von seinem Kind zu trennen.

Dass das aber auch grundsätzlich mit derartiger Kälte vermittelt werden kann, liegt daran, dass diese Anwältinnen, die ganzen Mutterlobbyistinnen, die Vertreter in den zuständigen Ministerien und das ganze andere misandrische Moralprekariat sich rigoros des Abgleiches ihrer wahnhaften, hassgetriebenen Hetze mit der Realität verweigern.

Mein kleiner ist jetzt drei Jahre alt. Er ist, zumindest derzeit, in einer ziemlichen Papaphase. Heißt: fast immer, wenn man ihn fragt, wer denn gerade mal was machen solle (ihn baden, ihn umziehen, ihm was vorlesen, mit ihm spielen), kommt als Antwort: „Papa!“. Manchmal ist das so extrem, dass ich schon versuche, ein wenig zu moderieren, weil mir meine Frau (wir sind zwar noch nicht verheiratet, aber der Einfachheit halber nenne ich sie immer so) bisweilen leid tut, weil ich nicht möchte, dass sie sich zurückgesetzt fühlt, zumal sie auch sehr liebevoll mit dem Kleinen umgeht, sich um sehr vieles kümmert und bemüht ist, alles für ihn zu tun.

Vor dem Hintergrund dessen, wie die Beziehung zwischen mir und meinem Sohn ist und wenn ich mir dann vorstelle, meine Frau würde im Trennungsfall eine derartige Schweinenummer abziehen, wie sie von den Anwältinnen beschrieben und gewiss auch schon öfters mit Mandantinnen umgesetzt wurde, bin ich sicher, dass das sehr tiefe Narben in der Seele meines Sohnes hinterlassen würde. Und in meiner gewiss auch.

Dabei verweigere ich mich aber der selbstverliebten Annahme, dass ich dabei gewiss nur eine gaaaaaaaanz große Ausnahme unter den ansonsten klar mehrheitlich völlig desinteressierten und pflichtvergessenen Vätern wäre. Ich weiß zwar, dass die damit einhergehende Selbstüberhöhung diese misandrischen Narrative auch für einige Männer sehr attraktiv macht, aber ich erachte es als nicht erstrebenswert, mich selbst nur über die Abwertung anderer aufzuwerten.

Es werden da Heerscharen von Vätern und Kindern kaputtgespielt. Dabei wird den Vätern jegliche Empathie entzogen, indem man sie grundsätzlich nur als patriarchale, stinkreiche, an nichts als ihrem Job und eigenen Wohlergehen interessierte Karrieristen skizziert. Hunderttausende von Menschen werden zu zweidimensionalen Flächen degradiert, auf die man wild alles projizieren kann, was man für sich persönlich an Gründen gebrauchen kann, um nicht doch in einem Moment der Schwäche einem Anflug von Mitgefühl zu erliegen. Und dabei wird dann noch so viel auf diese Fläche projiziert, dass selbst die betroffenen Kinder nicht mehr von Interesse sind, denn der Papa wäre ja eh nicht gut für sie.

Und dabei muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass diese ganzen Spinner voll und ganz davon überzeugt sind, wir lebten in einem Patriarchat, was ja erkennbar auch die Meinung dieser Anwältinnen ist, wenngleich dort immer dargestellt als mütterfeindliche Rechtsprechung. Das ist dann der auch in vielen anderen Bereichen getätigte Kniff, um kognitive Dissonanzen aufzulösen: Dieser Quatsch ist nämlich angenehm vielseitig in seiner Deutung. Verweist man auf Dinge, die in unserer Gesellschaft Männer klar schlechter stellen, kann immer gesagt werden, dass dies nun mal die Kehrseiten des männergemachten Patriarchats wären (vulgo: selber Schuld). Kommen dann aber Dinge auf den Tisch, wo Männer gar rechtlich regelrecht wie Dreck behandelt werden, kann das Patriarchat zumindest noch als Legitimation herhalten, denn in diesem frauenunterdrückenden Konstrukt ist jede Benachteiligung von Männern keinesfalls als Antithese zu verstehen, sondern ist nur absolut berechtigter Ausgleich für die Leiden, die Frauen seit Jahrmilliarden auszustehen hatten und haben. Denn merke: kein brutal entsorgter Vater und kein im sozialen Zwangsdienst zu Tode gekommener Mann kann auch nur annähernd das Schicksal aufwiegen, welches Frauen erfahren, wenn sie das Unbill des Patriarchats dazu zwingt, zwischen Halbtagsstelle und Chefposten wählen zu müssen…

Ein Kommentar dazu meinerseits:

Ich stimme dem Artikel von Schoppe und Billy Coens Kommentar weitgehend zu, möchte aber zwei Sachen anmerken. Zuerst etwas leicht verdauliches:

„Dass gewiss weit mehr als 90 % der Männer weit von dem entfernt sind, was man landläufig unter „Karriere machen“ versteht, lässt man da natürlich unter den Tisch fallen“

Stimmt natürlich. Aber ich glaube, die Anwältin bedient hier eine gewisse ökonomische Klientel. Ihre Kanzlei sitzt in Falkensee, im Speckgürtel von Westberlin. Potsdam und Charlottenburg sind nah. Ihre Klienten (bzw. ihre Opfer) werden wahrscheinlich tatsächlich oft wohlhabende Karrieristen sein, wie sie in der Gegend viele wohnen. Ich vermute, dass es auch gerade in diesem („progressiven“) Milieu besonders viele Väter überhaupt den Anspruch haben, nach einer Trennung gleichermaßen an der Erziehung beteiligt zu werden, was sich dann in dem Hohn der Anwältin über den „modernen Mann“, der „50% ein[fordert] und zwar exakt“, niederschlägt.

Meine zweite Anmerkung wird für manche etwas schwerer verdaulich sein und ich hoffe, dass ich damit niemanden verletze:

Im Falle der Trennung mit sehr kleinen Kindern (sagen wir mal grob 0-5 Jahre; in nenne sie hier der Einfachheit halber pädagogisch unscharf „Kleinkinder“) kann ich die Position der Mutter, die die Kinder für sich behalten will und dies auch mit schmutzigen Mitteln durchsetzt, durchaus nachvollziehen, denn ein Wechselmodell ist in diesem Alter unangemessen. Es ist ein Dilemma für den Trennungsmann, für dass es keine vernünftige Lösung gibt, denn die Frau hat aus gutem Grund das Vorrecht auf ihr Kleinkind. Die Beziehung zur Mutter geht im Kleinkindalter unbedingt vor, denn erst später, wenn sich das Kind von der engen Beziehung zur Mutter löst, kommt die Rolle des Vaters verstärkt zum tragen. Der Frau steht dieses Vorrecht meiner Meinung nach selbst dann zu, wenn sie sich im Sorgerechtsstreit dem Mann gegenüber asozial verhält, in dem sie z.B. das Kleinkind gezielt vom Mann entfremdet. Das ist für den Mann zwar tragisch, die ungebrochene, intensive Beziehung des Kleinkindes zur Mutter ist den gerechtfertigten Ansprüchen des Trennungsvaters an dieser Stelle jedoch übergeordnet. Ein Vater kann bzw. sollte die spezifische Mutterrolle (bedingungslose und direkte Fürsorge, Zärtlichkeit) i.d.R. nicht ersetzen, allein schon, um seine spezifische Rolle als Vater (bedingte und indirekte Fürsorge, Regelvermittlung durch Spiel und Bestrafung für Fehlverhalten) nicht zu gefährden. Wenn nun also bei Sorgerechtskonflikten in Zukunft das Wechselmodell für Kleinkinder möglich ist, wäre es daher vielleicht durchaus so, wie es auf der Seite dieser unsäglichen Anwältin beschrieben wird: „Will die Mutter das Wechselmodell nicht […] zwingt der BGH sie, das Verhältnis zum Vater zu verschlechtern.“

Was soll sie sonst tun, wenn ihr ansonsten droht, ihr natürliches Vorrecht auf das Kleinkind zu verlieren?

Das alles gilt selbstverständlich nicht, wenn sich die Mutter als grob verantwortungslos dem Kind gegenüber erwiesen hat. Außerdem wäre es natürlich ideal, wenn es erst gar nicht zur Trennung von Eltern kommt. Gerade bei kleineren Kindern sollte diese die absolute Ausnahme sein, denn die Konflikte, die daraus entstehen, können eben gerade für den Mann völlig unlösbar sein. Das Wechselmodell als rechtlicher Standart, würde diesen Konflikt in der von der Anwältin dargestellten Weise sogar noch verschärfen.

Ich bin offen für Kritik und hoffe, dass dieser Kommentar nicht als Hohn verstanden wird, denn als das ist er keineswegs gemeint. Ich möchte an dieser Stelle allen Vätern, die in einer solchen Situation sind, wünschen, dass sie über ihren Schmerz hinwegkommen und eine neue Familie mit einer zuverlässigeren Frau gründen können.

Kurznachrichten vom 11.01.2019

Arne ist noch in der Winterpause und ich habe schon lange nichts mehr geschrieben, also…

1: Eine Studie der Uni Rostock hat ergeben, dass Männer nach einer Trennung diese besser verkraften, wenn sie – Trommelwirbel! Tusch! – ihre Kinder noch sehen dürfen. NDR-Info hat dazu ein Radio-Feature. Bei dem Beitrag weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Zum einen entfahren einem ständig loriotekse „Ach!“, „Ach was!“, „Da seid ihr jetzt auch schon drauf gekommen?“, zum anderen ist man ja schon froh, wenn solche Themen überhaupt mal im Mainstream-Radio stattfinden, und das sogar durchgängig positiv im Interesse der Väter, mit einem Plädoyer für das Wechselmodell. Und ohne feministisches Dazwischengrätschen.

2: Eine Leserzuschrift bei Michael Klonovskys Acta Diurna hat angesichts der Attacke auf den AfD-MdB Frank Magnitz eine interessante Feststellung zu Geschlechterrollenverteilung gemacht, die ich mir erlaube, hier fast komplett wiederzugeben:

Von linker Seite hört man jetzt Argumente wie: Gewalt gegen ‚Nazis‘ die Hass schüren sei legitim oder wer Hass sät, wird Hass ernten oder ähnliches wie, eine andere Sprache verstünden diese Leute nicht usw. Jetzt also, wenn es in ihrem Sinn passt, dann ist Gewalt ok, richtig und legitim.

Aber, gehen wir mal davon aus, dass die Angreifer höchstwahrscheinlich männlich waren. Ist das dann am Ende nicht ein Eingeständnis, für das Grobe, für die Drecksarbeit auf Männer angewiesen zu sein? Ohne Männer kann also Kampf gegen ‚rechts‘ in ihrem Sinne nicht stattfinden. Grüne, Feministen und Buntisten sind auf Männer, hinlangende, Brutalität anwendende Männer angewiesen. Wenn es ihren Zwecken dient, dann ist Gewalt von Männern wieder gut und nützlich.

Und weils gerade zum Thema passt, Hadmut Danisch hat zum selben Thema, aber in einem anderen Lebensbereich ähnliche Beobachtungen gemacht.

Fundstück: „Mehr Vater wagen“

Das Grußwort zum Zweiten Deutschen Gender-Kongress, auf den ich bereits hingewiesen hatte, hat es in sich:

Ein halbes Jahrhundert nach Willy Brandts legendärer Aufforderung an uns alle, „mehr Demokratie zu wagen“, würde er uns heute vermutlich dazu auffordern, „mehr Vater“ zu wagen. Gerade mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl und die fortschreitende Männerdiskriminierung. Wer sich nur in den Echokammern seines immer gleichen Meinungsumfeldes aufhält, wird niemals das genießen, was unsere Demokratie ausmacht: „Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit“.

Na, das ist doch mal ein knackiger Spruch: Mehr Vater wagen.

Das drückt in wenigen Worten aus, was wirklich anliegt. Genügend Männer wären bereit, Verantwortung zu übernehmen – der Staat macht es ihnen nur unnötig schwer bis unmöglich, das auch zu tun. Vater Staat ist ein schlechter Ersatzvater.

Hier wird genannt, was Lutz Bierend bei fatherleft und als Superlutz immer wieder angeführt hat. Auch Lucas Schoppe hat es ständig auf der Tagesordnung.

Es passt zur FDP, die das Wechselmodell als Standard fordert. Es spricht aber auch SPD-ler alter Schule an, die sich wehmütig daran erinner, für was ihre Partei mal unter Willy Brandt stand.

Und ganz nebenbei wird auch noch angesprochen, wo wir wirklich mehr „Diversity“ benötigen: Bei den Meinungen! Das ist immer noch das beste Rezept gegen eine postfaktische Gesellschaft.

Also, das wäre auch etwas zum Hingucken für Manuela Schwesig. Wenn sie denn wollte.

Das Grußwort steht derzeit bei www.genderkongress.org und vaeter-netzwerk.de. Dauerhaft wird es bei Genderama nachzulesen sein.

Aktualisierung: Lucas Schoppe zum selben Thema.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um Väter geht, die (wieder) am Leben ihrer Kinder teilhaben…

John Williams: Father and Son Reunited