Kurznachrichten vom 01.06.2017

1: Der Schlager der Woche in geschlechterpolitischer Hinsicht ist natürlich der Wechsel im Ministerium für alle außer Männer (=BMFSFJ). Manuela Schwesig verlässt den Ministerposten, durchbricht eine weitere gläserne Decke und wird Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird also quasi die Vorpommeranze.

Ihr folgt Katharina Barley (ebenfalls SPD) im Amt der Familienministerin. Der Tagesspiegel schreibt:

Ihre Aufgabe sieht sie dabei vor allem im Kampf um grundsätzliche Haltungen. In den knapp vier Monaten bis zur Bundestagswahl gebe es keine großen Gesetzgebungsvorhaben mehr, sagte Barley am Dienstag in Berlin. Aber es gebe laufende Projekte und „vor allem die große Linie, die gesellschaftspolitische Linie, und um die geht es.“ Wie man zu Gleichberechtigung, Vielfalt und Demokratie stehe, sei eine „grundsätzliche Frage“.

Mit anderen Worten: Es wird sich nichts groß ändern. Für Männerbewegte eher eine schlechte Nachricht. Es war aber auch nichts anderes zu erwarten, solange die SPD dieses Ministerium besetzt hält.

2: Menstruation ist völlig unnötig und nur eine fiese Verschwörung der vermaledeiten Fleischesser, findet eine vegane Feministin. Durch Veganismus könne frau sich davon befreien, berichtet die Brigitte, deren Journalistin anscheinend nicht ganz davon überzeugt ist.

3: Katrin Göring-Eckhard begrüßte auf dem gerade beendeten Kirchentag Zuhörer mit der Ansprache „Liebe Kinderinnen und Kinder“ und kassierte dafür einen Shitstorm. Daraufhin beteuerte sie, dass sie das doch gar nicht ernst gemeint habe. Das sei „Selbstironie“ gewesen. Nun ja, immerhin kommt es in letzter Zeit nicht nur bei AfDlern vor, dass man hinterher darauf besteht, das wäre ja alles anders gemeint gewesen. Auch die Politkorrekten hauen einfach mal nen Spruch raus (Margot Käßmann!) und hinterher ist man eben absichtlich missverstanden worden. Man sollte allerdings als politischer Beobachter schon sehr darauf achten, wer wem was durchgehen lassen will und wem nicht. Ein wirklich vernünftiger, ausgewogener Beitrag zum Thema Käßmanns kleinem Arierparagraphen kam übrigens von Gerd Buurmann.

4: Das „guerilla sculpting“ in der New Yorker Wall Street geht weiter. Eine feministische Bildhauerin hatte vor einigen Monaten eine Skulptur namens „Fearless Girl“ einer anderen Skulptur eines kraftvollen Bullen gegenüber gestellt, wodurch sich dieser Bildhauer beleidigt fühlte, weil die zweite Skulptur die positive Ausstrahlung seines Bullen in eine negative verwandele (m.E. zurecht). Pikant an der Geschichte war, dass beide Bildhauer keine Genehmigung zum Aufstellen von der Stadtverwaltung eingeholt hatten. Soweit zur Vorgeschichte.

Jetzt hat ein dritter Bildhauer eine dritte Skulpur hinzugestellt, um wiederum das „Fearless Girl“ lächerlich zu machen, nämlich einen kleinen Hund, der ihr ans Bein pinkelt.

pissed_fearless_girl

Das finden jetzt allerdings einige Frauen frauenfeindlich:

But many female passers-by Monday said “Fearless Girl” has come to represent women taking on Wall Street — and just about anybody else standing up to financial firms — and that Gardega’s peeing dog is misogynistic.

Ich find’s ok. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Zur Gleichberechtigung gehört, dass das auch Frauen nicht erspart bleibt.

5: Onyx macht sich mal wieder zum Horst. Zitate aus dem Zusammenhang reißen, nicht verlinken, damit auch keiner ihre Behauptungen überprüfen kann, erst behaupten, dass niemand einem Statement in einem Blog-Kommentar (das nur sie verwerflich findet und alleine ausreichend, um die ganze Männerrechtsbewegung zu „entlarven“) widersprochen habe, dann zurückrudern mit der Einschränkung, dass niemand SOFORT widersprochen hat, oder halt nur lau. Will aus einer Mücke einen Elefanten machen, hat aber allenfalls den Mückenschiß dazu. Wie man das eben von Onyx kennt. Ach, wer sich den Quatsch antun will, selber nachlesen…

6: Bei den Störenfriedas leidet eine Autorin namens Nimue unter dem „manspaining“ ihres Freundes, der sich als „misogynes Arschloch“ herausstellt, weil er ihr einen Tipp gibt, wie sie ihre Vagina in fortgeschrittenem Alter in Form hält. Leider findet sie später heraus, dass er dummerweise recht hat und sie diese Info vorher von ihrer (evtl.) inkompetenten Frauenärztin nicht bekommen hat.

Warum hat mir das meine Frauenärztin nicht gesagt? Warum weiß ich das nicht über meinen eigenen Körper? Warum muss mich mein Freund darüber aufklären und damit meiner berechtigten Kritik an seinen Vorstellungen einer engen Vagina jede Grundlage entziehen?

Schuld an alledem ist danach dann weder ihre Frauenärztin noch ihre Faulheit, ein paar der in die Hunderte oder Tausende gehenden Aufklärungsbücher, die sich auf dem Markt befinden, zu lesen, sondern das „ständige, vollinvasive Vorgehen der Gynäkologie“, das „Ausdruck männlicher Gewalt über Frauenkörper“ ist. Schuld ist natürlich auch die Pornoindustrie, die falsche Vorstellungen verbreitet. Ach was? Und ich dachte immer, das seien seriöse Dokumentarfilme!

Also, wenn ich das richtig verstehe, übt ihre Frauenärztin durch ihr Nichtwissen männliche Gewalt auf sie aus. Kann man so sehen. Oder auch nicht. Ein wirklich amüsantes Beispiel von Realsatire.

7: Wieder ein wenig off topic: Der linke Philosoph Slavoj Žižek lässt sich in der NZZ (wo sonst) über Political Correctness aus, speziell in der Queer-Szene. Durchaus lesenswert:

Ironischerweise ist nun bei diesem Umzug die Vergangenheit fast spiegelbildlich verkehrt. Jetzt ist es die Heterosexualität, die geduldet ist, wobei erwartet wird, dass die heterosexuelle Mehrheit ihre Präferenzen nicht mehr mit allzu viel Stolz zur Schau stellt. Dies würde sofort als heterosexistisch denunziert. […]

Alle haben sich an die offizielle Sprachregelung zu halten, alle haben das angeblich subversive Potenzial alternativer, in Wahrheit jedoch privilegierter Lebensentwürfe zu loben und zu preisen.

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Kurznachrichten vom 20.02.2016

1: Das britische Magazin Metro berichtet von einer feministischen Kampagne, die Sexroboter verbieten lassen will:

But feminist campaigners are claiming that the machines encourage users to think of women as ‘objects’ and prostitutes.

Research director of the Campaign Against Sex Robots Lydia Kaye says, ‘the very business idea of sex robots is modelled on the already existing businesses of the sex trade and the porn industry.

Kaye draws attention to advanced, artificially intelligent models which can be programmed to be submissive – and which could say, ‘Owww’ when spanked.

Was es alles so gibt…

Jakob Zurawinski von der Facebook-Gruppe „Gender mich nicht voll!“ kommentiert m.E. durchaus richtig:

Wovor haben die Feministinnen eigentlich Angst? Ist es nicht im Grunde die Lösung all der Erste-Welt-Probleme, wenn sich diese ach-so-schwanzgesteuerten Männer an Robotern vergehen anstatt Frauen reihenweise zu vergewaltigen (=Sex ohne schriftliche Genehmigung)?

Der Rest seines Posts ist allerdings zu rustikal, um hier zitiert zu werden. Mit dem Thema hat sich im September schon Janet Bloomfield in einem längeren Artikel auseinander gesetzt.

2: Lucas Schoppe stellt auf seinem Blog man tau einmal die beiden hier und hier schon vorgestellten Texte über männliche Feministen von Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer einerseits und Nadia Shehadeh andererseits gegenüber. Sehr amüsant zu lesen.

3: Von innerfeministischen Inkonsistenzen zu einem Streit innerhalb einer anderen obskuren Ideologie: Ich habe mich heute beim Surfen auf Veganer-Seiten verlaufen. Innerhalb dieser Szene gibt es auch Sexismus-Vorwürfe:

Am Ende des Interviews erfahren wir, wie es um den „Schaden“ für die Figur der stillenden Frau bestellt ist. Um diesen müsse man sich keine Sorgen machen, denn Mütter die „mit Hingabe und Überzeugung“ stillen, seien davon nicht betroffen. Nicht genug, dass Dahlke hier esoterisches Geschwurbel mit der Fortschreibung des sexistischen und gleichsam lookistischen Frauenbildes, vom niemals alternden Frauenkörper kombiniert. Im letzten Teil dieses Absatzes  legt er nach und erzählt die Geschichte von einer leiblichen Mutter von 6 Kindern und „ihrer fabelhaften Figur die Männer in Seminaren regelmäßig nervös macht“.

Das ist jetzt also schon Sexismus, wenn man darauf hinweist, dass Stillen nicht unbedingt dazu führen muss, dass der Körper außer Form gerät. Oops, jetzt war ich wohl selber sexistisch. „Außer Form geraten“, darf man so etwas überhaupt über Frauenkörper sagen, wo doch jeder weiß, dass alle Frauen genauso schön sind? Und es darauf auch überhaupt nicht ankommen darf?

Schon alleine beim Logo der Seite indyvegan.org musste ich schon ziemlich schmunzeln. Für mich klingt das nach einem Konflikt zwischen linksradikal-feministischen Spinnern und rechts-esoterischen Spinnern. Wers mag, es hat einiges an Amüsement- aber auch Facepalm-Potential.

4: Und weiter zu den nächsten Obskurantisten: Der Papst hält Verhütung inzwischen für moralisch vertretbar. Allerdings nur, wenn es der Bekämpfung der Zika-Seuche dient. Wenn das mal kein Fortschritt ist…

5: OT-Thema des Tages: Christian Klar, Ex-RAF-Terrorist und Kopf der zweiten RAF-Generation, arbeitet inzwischen im Bundestagsbüro des LINKE-Politikers Dieter Dehm und betreut da angeblich dessen Webauftritt. Bekannt wurde das erst, als Dehm für Klar einen Bundestags-Hausausweis beantragte, dies aber wegen Sicherheitsbedenken abgelehnt wurde. Die WELT, der Tagesspiegel und die Junge Freiheit berichten.

Ich bin ein wenig zwiegespalten. Einerseits finde ich Resozialisierung eine prinzipiell gute Sache. Andererseits kann ich mir lebhaft vorstellen, was auf der linken Seite des politischen Spektrums los wäre, wenn in ca. 15-20 Jahren Beate Zschäpe Tippse in einem Bundestagsbüro eines AfD-Abgeordneten wird. Aber die LINKEN können uns sicher erklären, warum das alles ETWAS GANZ ANDERES ist.