Fundstück: Tom Wellbrock über Depressionen

In einem Artikel bei den Neulandrebellen namens „Depressionen: Das gefährliche „Uns-geht-es-gut-Paradoxon““ stellt Tom Wellbrock einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Druck in der Arbeitswelt her:

Zudem hat die Zunahme von Depressionen sachliche Gründe. Die [sic!] Druck am Arbeitsplatz wird immer größer, Zeitarbeit und befristete Arbeitsverträge erhöhen die Belastung zusätzlich. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden, Wochenendarbeit und die Aussicht darauf, jederzeit austauschbar zu sein, verstärken die Wahrscheinlichkeit, dass psychische Probleme zunehmen.

Den Zusammenhang zwischen Depressionen und Selbstmord erwähnt Wellbrock dankenswerterweise gleich in der Einleitung. Dass in wirtschaftlich mauen Zeiten die Suizidraten bei Männern in die Höhe schnellen, ist längst nachgewiesen – zum Beispiel in den USA und in Osteuropa.

Es hat schon seinen Grund, warum ich Depressionen für ein wichtiges Männerthema halte: Männern wird weniger Mitleid zuteil (gender empathy gap) – genau das wäre aber nötig, um ihnen zuzugestehen, dass sie im Falle von Depressionen Hilfe benötigen. Denn alleine, so schreibt es auch Wellbrock völlig richtig, ist es nur sehr schwer, Depressionen zu bewältigen:

Einmal in den Strudel der dunklen Gedanken hineingezogen, ist es ohne Hilfe schwer bis gar nicht möglich, sich der Depression zu entziehen.

Dazu kommt das – ebenfalls erwähnte – allgemeine Missverständnis, dass sich Menschen mit Depressionen „nur mal zusammenreißen“ müssen oder sich anstellen würden. Die Beschämung als „schwach“ dürfte insbesondere auf Männer eine fatale Wirkung haben.

Außerdem schlägt Wellbrock den Bogen von dem von oben verkündeten Optimismus und der unten erlebten Realität:

Auch das stetig zu hörende „Es geht uns gut“ bewirkt bei Menschen mit Depressionen alles andere als Optimismus, können sie doch diese These nicht teilen, sei es wirtschaftlich, emotional oder – wie so oft – weder in dem einen noch in dem andere Bereich.

In einem früheren Artikel, auf den er in den Kommentaren verweist, stellte er die These auf, dass Depressionen und Passivität ein gewolltes politisches Mittel seien. Gar nicht abwegig: Wer will schon aufbegehren, wenn er oft nur mit allergrößter Mühe den Alltag bewältigt? Da fehlt der lange Atem für Veränderung.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Angela Merkel hatte das Internet als Neuland bezeichnet, was die Neulandrebellen zu ihrem Blognamen inspirierte. Dann bringe ich auch ein Lied mit „Land“ im Namen…

Clannad: Strange Land

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Fundstück: Globalisierung erhöht die Suizidrate in den USA

Die Nachdenkseiten wiesen gleich zweimal auf einen Artikel von Thomas Fricke hin, der sowohl bei Spiegel online als auch WirtschaftsWunder erschienen ist. Unter dem Titel „Donald Trump und der Freihandel – Globalisierung kann tödlich sein“ bespricht er eine Studie namens „Trade Liberalization and Mortality: Evidence from U.S. Counties“ von Justin R. Pierce und Peter K. Schott (Entwurf vom Dezember 2015 als PDF). Dabei wurde untersucht, „welche Wirkung es auf die Menschen in besonders betroffenen Regionen in Amerika hatte, als im Herbst 2000 der Handel mit China stark liberalisiert wurde.“

Wo die neue Konkurrenz besonders stark zunahm, fielen Jobs weg – und es gab in den Jahren darauf deutlich mehr Suizide und Drogentote; oft stieg auch die Zahl der Alkoholtoten.
(…)
Noch während der Neunzigerjahre hätten die Suizidraten in etwa stagniert. Merklich nach oben gingen die Fälle erst um das Jahr 2000 – als die Importbarrieren fielen. Damals beschleunigte sich auch die Zunahme der Todesfälle durch Drogenkonsum. Wo die Arbeitslosenquote um 2,6 Prozentpunkte stieg, schnellte die Suizidrate im Schnitt um fast ein Drittel hoch. Kein Zufall, sondern im Wirkungszusammenhang, wie die Experten über diverse Gegenchecks herausfanden.
(…)
Nun hat sich natürlich nicht jeder, der seinen Job verlor (oder zu verlieren drohte), das Leben genommen, klar. Die Diagnose der beiden Experten lässt aber erahnen, welche seelischen Folgen der Bruch des Jahres 2000 auf Menschen etwa im viel zitierten Industrieraum des Rust Belts hatte.
(…)
Nach Auswertung von Pierce und Schott gilt der Befund steigender Todesraten vor allem für weiße Männer. Jene Gruppe von Arbeitern, die eben auch überproportional in jenen Industrien arbeiteten.

Das finde ich in zweierlei Hinsicht beachtlich: Zum einen ergibt sich hier dasselbe Bild wie bei den Suizidziffern Osteuropas: In wirtschaftlich oder gesellschaftlich unsicheren Zeiten gehen diese bei Männern in die Höhe.

Zu anderen: Vielleicht waren die weißen Männer im Rust Belt doch nicht so doof bei der US-Präsidentschaftswahl. Vielleicht haben, wie schon mehrfach als Gegenthese in den Raum gestellt wurde, vielmehr die Massenmedien (und die Linke) diese Leute und ihre Bedürfnisse völlig aus den Augen verloren und hängen lieber Verschwörungstheorien nach, als ihre Wahrnehmung der Realität zu prüfen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um „Nicht aufgeben!“ geht, fällt mir immer ein Lied von Chicane aus dem Jahr 2000 ein. Das gibt es in vielen Versionen, zuletzt ist mir diese hier aufgefallen:

Chicane feat. Bryan Adams – Don’t Give Up (Reboot 2013)

Fundstück: Suizidziffern Osteuropa

Eine bemerkenswerte Quelle, über die ich schon immer mal bloggen woltte: Suizid-Statistik – Aktuelle statistisch-epidemiologische Daten zu Deutschland und Osteuropa mit Kommentaren (PDF) aus dem Jahr 2008.

Ganz nüchtern zeigen diese Folien, warum Selbstmord (bzw. Suizidprävention) ein wichtiges Thema für Männer ist oder sein sollte – und mittelbar auch Depressionen, denn Suizide stehen meistens in Verbindung mit ihnen. Für den Fall der Fälle gibt es gute Empfehlungen wie „Was tun, wenn nichts mehr geht?“.

Heute möchte ich jedoch auf etwas anderes zu sprechen kommen, genauer gesagt, Seite 32, Bild 14 der erwähnten Quelle. Dort sieht man die Entwicklung der Suizidstatistiken von Männern und Frauen für Russland, Weißrussland, Litauen und Estland (laut Überschrift auch Lettland, aber das hat man anscheinend vergessen in der Grafik).

Bei Männern zeigt sich ein starker Anstieg in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, während sich bei Frauen kaum Schwankungen bemerkbar machen. Die Autoren sehen es ähnlich (vgl. folgende Seite), weisen auf gesellschaftliche und politische Umstände hin.

Gleiche Entwicklungen finden sich dort für Tötungsverbrechen, Risikoverhalten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Mortalität insgesamt; einen inversen Verlauf nimmt entsprechend die allgemeine Lebenserwartung (s. Bild 15)

Quelle: Felber W, Winiecki P. Suizid-Statistik – aktuelle ausgewählte statistisch-epidemiologische Daten zu Deutschland und Osteuropa mit Kommentaren.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Suizidraten fielen in den 1980er Jahren, und aus dieser Zeit stammt das folgende Lied, zu dem Billy Joel während seiner Tournee durch die Sowjetunion inspiriert wurde.

Billy Joel: Leningrad

Kurznachrichten vom 06.09.2016

1: Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hält das neue Frauenförderungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen wegen der darin allzu offen vertretenen Frauenbevorzugung für verfassungswidrig. Sciencefile.org und Hadmut Danisch kommentieren.

2: Bei der ZEIT sinniert man über den neuen Mann. Zunächst wird es etwas sonderbar:

Sagt ein Mann, dass er wegen des Kindes keine Zeit habe, kann man die Bewunderung fast greifen: So ein toller, emanzipierter Mann! Frauen in exakt derselben Situation müssen sich rechtfertigen: Wie, Sie müssen los? Sind Sie so unemanzipiert? Kann das nicht ihr Mann machen? Die alten Zuständigkeiten, sie schimmern bei allem guten Willen überall noch durch.

Das mag ja vielleicht im Betriebsklima bei der ZEIT so sein, im normalen Leben ist es m.E. andersrum. Da hat man das Verständnis für die Frauen, die ihre Kinder abholen müssen. Und der Mann wird gefragt, ob er denn keine Frau zuhause habe.

Aber dann kriegt der Artikel die Kurve:

Der Sexismus und das Herablassende gegenüber dem jeweils anderen ist offenbar keine Frage des Geschlechts, sondern nicht mehr als eine Verlockung gesellschaftlicher Macht. Wo immer Feministinnen die Diskussion beherrschen, ist Häme gegenüber Männern nicht weit. Alle Männer pauschal als „Penisträger“ zu verunglimpfen? Gar kein Problem! Ohne Widerspruch von der „Problemzone älterer Mann“ zu schwadronieren? Total in Ordnung.

Man muss nicht einmal den simplen Gegentest machen und die entsprechenden Begriffe auf Frauen münzen, um zu merken: So geht das nicht. Seit wann bitte ist „Penisträger“ ein akzeptables Synonym für die Gesamtheit aller Männer? Warum widerspricht keiner? Weil Männer sich nicht zu widersprechen trauen, aus Angst, dass ihnen das sofort wieder als Schwäche ausgelegt wird? Warum ist es vollkommen in Ordnung, von der „Problemzone älterer Mann“ zu sprechen? Ohne wenigstens verstehen zu wollen, warum manche älteren Männer sich so angegriffen fühlen?

Dass diese Schubladen auch dazu führen, dass die wohlgesinnten Männer in ihren politischen, gesellschaftlichen und familiären Überzeugungen einfach übergangen werden, ist ein Drama: Wenn ich als Mann sowieso und immer ein Schwein bin, denkt sich der moderne Mann, warum dann überhaupt noch die Mühen? Vor allem aber: War Feminismus nicht einmal ein inklusives Angebot, zum Vorteil von Frauen und Männern?

Durchaus lesenwert.

3: Der SPIEGEL stellt eine Studie vor, nach der Männer mehr als andere Männer verdienen, wenn sie in Gleitzeit arbeiten, während es diesen Unterschied bei Frauen nicht in dem Maße gibt.

Zu diesem Ergebnis sind die Soziologinnen Yvonne Lott und Heejung Chung von der [DGB-nahen] Hans-Böckler-Stiftung und der University of Kent in einer Untersuchung gekommen. […] Die Forscherinnen begründen die Unterschiede mit der ungleichen Verteilung unbezahlter Arbeit: Weil Haushalt und Kinderbetreuung nach wie vor überwiegend in der Verantwortung von Frauen liegen, nutzten viele Frauen flexible Arbeitszeiten in erster Linie, um ihren familiären Pflichten nachkommen zu können. Männer konzentrierten sich dagegen traditionell auf die Erwerbsarbeit und seien daher eher geneigt, länger zu arbeiten.

Das klingt natürlich wieder so, dass Männer nur deswegen mehr verdienen, weil sie sich vor der Hausarbeit drücken. Man könnte das allerdings auch ganz anders interpretieren. Z.B. so, dass Männer zu einem höheren Anteil in  der freien Wirtschaft arbeiten, wo man erst in den hochqualifizierten und damit besser bezahlten Jobs flexible Arbeitszeiten gegenüber dem Arbeitgeber durchdrücken kann. Während im öffentlichen Dienst, wo sich Frauen mehr hingezogen fühlen, eben nicht mehr bezahlt wird, wenn der Job flexible Arbeitszeiten erlaubt, sondern eben stur nach Tarif.

4: Auch beim SPIEGEL: Ein Bericht, der sich mit Suiziden beschäftigt und immerhin auch betont, dass laut Statistischem Bundesamt die Betroffenen zu 3/4 Männer sind.

5: Plan International macht in einer neuen Kampagne weiter mit der üblichen Einseitigkeit zu Gunsten von Mädchen. Heute flatterte mir ein Werbebrief ins Haus und schon auf dem Cover ist der Slogan

Mädchen haben es noch schwerer…

zu finden. Drinnen geht es genauso weiter. Sechs Bilder von Mädchen, kein einziger Junge dabei. Und dann die Slogans:

Mädchen brauchen Ihre Unterstützung!

Plan macht sich stark für Mädchen.

Reichen Sie einem Mädchen die Hand!

Zwar darf man auf dem Spende-Formular tatsächlich noch selbst entscheiden, wenn man lieber einen Jungen unterstützen möchte, aber wer traut sich das nach diesem Trommelfeuer noch?

Im Text wird dann klar gemacht, wohin die Reise geht:

Grundsätzlich helfen wird allen Kindern in Not – egal ob Mädchen oder Jungen. Plan startete jedoch eine Bewegung für die Belange der Mädchen.

woraufhin eine Reihe von Aktionen vorgestellt wird, die nur Mädchen zugute kommen. Das einzige Projekt, in dem Jungen erwähnt werden, nennt sich ziemlich unspezifisch

Projekte mit Jungen zur Gleichberechtigung

Ich fürchte, es geht dabei nicht darum, Jungs zu erklären, dass sie dieselben Rechte wie Mädchen haben, sondern wie sie Mädchen angemessen zu behandeln haben. Und jetzt, wo ich nochmal auf der Website gesucht habe, wird auch klar, dass meine Vermutung richtig war. Plan meint damit:

Gleichberechtigung: Wir bestärken Jungen darin, sich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen und sich für ihre und die Rechte von Mädchen einzusetzen.

Was kann es wichtigeres geben für Jungs als schon in jungen Jahren Selbstkritik zu üben!

6: Die Schweizer Nationalratspräsidentin Christa Markwalder empfing eine Kuwaitische Delegation in einem knappen Minikleid. Darüber gab es wohl einige Diskussionen in der Schweiz, die Reaktion der Kuwaitis ist nicht zu mir durchgedrungen. Den Fotos nach zu urteilen waren die Herren jedoch relativ entspannt.

7: Das gerade aktuelle Thema Kuckuckskinder nimmt die Zeitschrift Cicero wie folgt aufs Korn:

 

 

Fundstück: Was tun, wenn nichts mehr geht?

Als Ende Juli ein Blogger seinem Leben ein Ende setzte, brachte das Blog „holy fruit salad!“ aus diesem Anlass einen absolut lesenswerten Text rund um Handlungsmöglichkeiten, wenn man entweder selbst das Gefühl hat, man könne nicht mehr, oder diesen Eindruck bei einem anderen Menschen hat. Hut ab vor diesen praktischen Tipps! Absolut richtig auch, die Verbindung zwischen Selbstmord und Depressionen herzustellen. Ich möchte nicht einmal ein bestimmtes Zitat aus dem Text bringen, denn er ist wirklich gut konsumierbar, generelle Ratschläge und persönliche Erfahrungen wechseln sich ab und sind gut voneinander getrennt. Das ist ein Text, wie er mir zu dem Thema noch gefehlt hat!

In der Geschlechterdebatte allgemein scheinen Selbstmord und Depressionen zunächst wenig zu suchen zu haben. Allerdings sind beide wichtige Themen für Männer, denn zum einen bringen sich diese vielfach häufiger um, zum anderen werden Depressionen bei ihnen schwieriger erkannt und behandelt, weil die Krankheit immer noch als „Schwäche“ angesehen wird (welche Männer natürlich nicht haben dürfen) und weil sie oft keine „klassischen“ Symptome aufweisen (was sowieso Schwachsinn ist, weil diese ganz unterschiedlich ausfallen können).

Es sei aber auch noch einmal explizit gesagt: Unabhängig von Geschlecht, Weltanschauung und was weiß ich noch – ich wünsche niemandem diese Krankheit!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich muss zugeben, dass ich die Freundeskreis-Reggae-Version sogar noch lieber mag, aber manchmal soll es ruhig das Original sein.

Ton Steine Scherben: Halt Dich an Deiner Liebe fest

Fundstück: 10 Jahre Genderama

Genderama wird 10 Jahre alt und Arne Hoffmann nutzt die Gelegenheit, um daran zu erinnern, dass in den angelsächsischen Ländern schon eine Menge männerrechtlicher Aktionen laufen, während hierzulande immer noch lieber diskutiert als gehandelt wird. Ich hatte in meinem letzten regulären Beitrag sozusagen mein Leib- und Magenthema gefunden und mir überlegt, Politiker anzuschreiben.

Gestern hatte Arne Hoffmann noch auf den 3. Wissenschaftlichen Männerkongress hingewiesen und heute einen Bericht als Gastbeitrag veröffentlicht. Beim Durchlesen der 11 Forderungen an die Politik fand ich direkt „mein“ Thema wieder:

„Zwei wesentliche Gründe für die Unterdiagnostizierung von Depression bei Männern sind die Angst vor Stigmatisierung bei den Betroffenen und ein geschlechterbezogener Verzerrungseffekt in der Depressionsdiagnostik zugunsten weiblicher Symptome. Depressivität kann sich bei Männern jedoch auch unter der Tarnkappe von Aggressivität, Suchtmittelmissbrauch, Hyperaktivität oder Risikoverhalten manifestieren.“

Also, Schluss mit dem Zögern – wann, wenn nicht jetzt, und wer, wenn nicht wir? Ich habe daher eine E-Mail aufgesetzt und an sämtliche 37 Mitglieder des Ausschusses für Gesundheit geschrieben:

„Betreff: Depression und Suizidprävention

<Anrede>

am 10. September war der Welttag der Suizidprävention. Wenige Tage davor ist zum selben Thema ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erschienen. (1) Aufmerksamkeit erregte das Thema nur kurz zuvor durch den Selbstmord des Schauspielers Robin Williams. Ihm kann niemand mehr helfen – jedoch gibt es noch viele unbekannte Fälle.

Laut Forschung stehen 90% aller Selbstmorde in Zusammenhang mit einer Depression. Gleichzeitig ist die Selbstmordrate von Männern um ein Vielfaches höher als die von Frauen. (2) Es wird davon ausgegangen, dass Depressionen bei Männern seltener erkannt werden, etwa weil sie andere Symptome aufweisen, und andererseits noch gesellschaftliche Tabus darüber bestehen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. (3) Zwar ist etwa ein spezieller Männergesundheitsbericht mit dem Schwerpunkt auf der psychischen Gesundheit erschienen; dieser ist jedoch – im Gegensatz zum Frauengesundheitsbericht – nicht kostenlos zu beziehen. (4)

Nun mag es auf den ersten Blick der Intuition widersprechen, das Augenmerk verstärkt auf Depression und Suizidprävention bei Männern zu richten. Allerdings betrifft jeder Selbstmord im Schnitt sechs andere Menschen. (5) Ein toter Mann fehlt als Ehemann, Vater, Sohn, Bruder, Freund. Aus volkswirtschaftlicher Sicht geht wertvolle Arbeitskraft verloren, die unter dem Strich ins Gesundheitssystem einzahlt.

Sie sind Mitglied des Ausschusses für Gesundheit. Mich interessiert daher Ihre Meinung zu folgenden Fragen:

Ist ein kostenlos erhältlicher Männergesundheitsbericht ein vernünftiger erster Schritt zu mehr Allgemeinbildung zu den Themen psychische Störungen? (Man kann es auch als Schritt zu Gleichberechtigung sehen, da ein entsprechender Bericht für Frauen wie erwähnt existiert.) Falls ja, wie läßt sich das in die Wege leiten, das heißt, was kann ein einzelner Bürger wie ich dazu beitragen? Falls nein, was wäre Ihr Alternativvorschlag?

Angesichts der erdrückenden Zahlen in der Suizidstatistik: Was sind aus ihrer Sicht geeignete Schritte, um die Problematik speziell bei Männern zu entschärfen? Ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, der Erkennung und Behandlung von Depressionen bei Männern mehr Aufmerksamkeit zu widmen?

Mich würde allgemein ihre Ansicht über die Themen Depression und Suizid interessieren. Das sind keine leichte Themen, aber da es um den Unterschied zwischen Leben und Tod geht, auch sehr sinnvolle. Vielleicht ist es für Sie abseits der Tagespolitik interessant, sich dazu zu äußern.

Freundliche Grüße

<Vorname Nachname>

Quellen:
(1) http://docs.dpaq.de/7819-who_world_suicide_report_embargo.pdf
(2) http://gleichmass.wordpress.com/2014/01/31/fachbeiratin-prof-dr-a-moller-leimkuhler-im-interview-uber-mannliche-depression/
(3) http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Psychiatrie-und-Psychotherapie/de/forschung/psysozio/schwerpunkte/gender/index.html
(4) http://www.stiftung-maennergesundheit.de/start/hauptnavigation/projekte/aktuelle-projekte/maennergesundheitsbericht-2013.html
(5) http://www.suizidpraevention-deutschland.de/informationen/kurzinfo-suizid.html

(Ich habe absichtlich keinen Bezug auf den Männerkongress genommen. Als Namen und Adresse habe ich die Daten eines Bekannten verwendet, der sich freundlicherweise damit einverstanden erklärt hat.)

Klar, die E-Mail hätte ich auch an sämtliche Stellvertreter schicken können. Und an die Mitglieder des Ausschusses für Forschung sowie deren Stellvertreter. Und gezielt an die Abgeordneten aus meinem Wahlkreis (wegen Heimatbezug). Und je nach Partei etwas anders formulieren können.

Und ganz ehrlich, natürlich ist das Internetaktivismus. Das wird die Welt nicht ändern. Das wird eine Nachricht unter vielen sein, wenn sie überhaupt durch den Spamfilter geht. Um in der Politik etwas zu erreichen, muss man Lobbyarbeit betreiben oder mit vielen Wählerstimmen sprechen.

Aber andererseits: Vielleicht hat wirklich ein Abgeordneter Interesse, liest sich das durch und antwortet. Und selbst wenn nicht: Dann hätte ich wenigstens ein Skandal-Thema für den nächsten Artikel… in diesem Sinne: Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!

Und für all die Besserwisser und Perfektionisten da draußen: Sagt mir, was Ihr geschrieben hättet und an wen Ihr eine E-Mail richten würdet! Dann kann ich wenigstens etwas lernen – und eine Konkurrenz von Ideen soll ja zu besseren Ergebnissen führen.

Warum ich Depressionen für ein wichtiges Männerthema halte

Robin Williams – gut für Aufmerksamkeit

Der Selbstmord von Robin Williams ist einen Monat her. Bisher habe ich (in meiner Filterblase, natürlich) keinen längeren Artikel gelesen, der sich damit befasst und die Zusammenhänge aufzeigt zwischen diesem einzelnen Schicksal, spezifischen Problemen von Männern und den Zielen der Männerrechtsbewegung.

(Das letzte Wort ließe sich ersetzen durch „humanistischen Bewegung“, „Leute, die sich für Gleichberechtigung einsetzen“ oder „Menschen, die sich für alle gleichermaßen engagieren wollen“. Da diese drei Gruppen und ihre Bezeichnungen jedoch kaum auf Widerspruch stoßen dürften, „Männerrechtsbewegung“ hingegen nach wie vor neutral bis negativ konnotiert ist, lohnt es sich am ehesten gerade mit diesem Begriff umzugehen und aufzuzeigen, was die Leute dahinter zur Debatte beizutragen haben.)

Kurz darauf eingegangen ist Wolfgang Wenger ist (gefunden via Genderama). Allerdings weist der Inhalt des Artikels zwei problematische Elemente auf:

Zum einen bekommt ein berühmter Schauspieler die Ehre erwiesen, nachdem er sich umgebracht hat. Zum anderen läßt sich nur erahnen, wie viele namenlose Männer, als Scheidungsopfer oder Trennungsväter, fertig mit der Welt sind, aber auch am Leben – und keine Aufmerksamkeit bekommen, denn es interessiert anscheinend keinen.

Hier kann der verhängnisvolle Werther-Effekt zum Tragen kommen. Die Botschaft lautet dann: Erst mit dem Tod hast Du wieder einen Wert und eine unbedingte Würde, bekommst Mitleid und Anteilnahme zugestanden.

Nichts auf der Welt kann Robin Williams wieder lebendig machen. Wir sollten uns den Lebenden widmen, nicht den Toten.

Das Schicksal Robin Williams‘ kann also nur als Aufhänger dienen, um auf bestimmte Themen hinzuweisen. Da ich mich für Männerrechte interessiere, möchte ich diese Steilvorlage nicht ungenutzt verstreichen lassen, um zu zeigen, dass ich etwas zu sagen habe.

Zum anderen bleibt ein reiner Nachruf zu sehr auf der beschreibenden Ebene. Es reicht doch nicht, zu fragen: Was ist passiert? Die Frage muss lauten: Was ließe sich denn konkret ändern, damit das in anderen Fällen nicht passiert? Es gibt doch genügend andere Menschen, die noch zu retten sind. In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder ein, was Arne Hoffmann im Interview mit MANNdat gesagt hat:

„So erfreulich die in den letzten Jahren entstandene maskulistische Bloggerszene ist, so bedauerlich ist es zugleich, wie sehr sich die meisten von uns noch darauf beschränken, innerhalb der eigenen Filterbubble zu lamentieren, zu analysieren, zu kommentieren und zu diskutieren. Zahllose Blogposts und endlos lange Kommentarspalten helfen uns aber nur begrenzt. Allmählich wären Beiträge dringend geboten, die Aktionen initiieren, um die Positionen und Argumente der Männerbewegung so vielen Leuten wie möglich bekannt machen.“

Selbstmord und Depressionen

Doch zunächst noch ein Schwenk zurück. Vorgestern, am 10. September, war der Welttag der Suizidprävention. Auch darüber habe ich leider hier in der Blogblase nichts gelesen – erst mit meinen Recherchen für passende Verweise zu diesem Artikel bin ich darauf gestoßen.

Gleichmaß e.V. , erst kürzlich mit dem Sonderberaterstatus von der UN versehen, hat sich jedoch rund um dieses Thema außerordentlich verdient gemacht. Der Verein hat unter anderem die Fachbeirätin Prof. Dr. rer. soc. Anne-Marie Möller-Leimkühler, die sich in einem Interview mit dem BR über männliche Depression kurz zusammengefasst so äußerte:

„Unter anderem spricht sie auch das sogenannte Genderparadox an, demzufolge Männern zwar nur halb so oft wie Frauen eine Depression diagnostiziert wird, diese demgegenüber aber eine 3-4 mal so hohe Suzidrate aufweisen. Den durchgeführten Suizid(versuch)en wiederum ging in 90% der Fälle eine nicht diagnostizierte Depression voraus.“ (Anmerkung: Je nachdem, wo man nachschlägt, variieren diese Zahlen etwas. Drastisch sind sie oder oder so.)

Das fasst den Zusammenhang zwischen Selbstmord und Depressionen kurz und knapp zusammen: Nicht jede Depression führt zum Selbstmord (etwa jede sechste), aber Selbstmord hat meistens mit Depressionen zu tun. Und natürlich macht die höhere Selbstmordrate damit Depressionen zu einem Männerthema. Es ist eine Frage von Leben und Tod. Mehr Unterschied kann es nicht machen.

Depressionen bei Männern – ein ignoriertes Thema

Zugegeben, ich habe den WHO-Bericht zur Suizidprävention (PDF, Englisch; gefunden via Flussfänger) nur überflogen. Interessant ist (siehe ab Seite 20), dass Selbstmord bei Männern im Vergleich zu Frauen global fast doppelt so häufig vorkommt, in Europa jedoch sogar viermal so oft. Wenngleich sich Männer überall häufiger selbst töten als Frauen, gibt es also starke regionale Unterschiede – ein Grund mehr, sich dem Phänomen lokal zu widmen!

Die Forschung vermutet, dass bei Männern Depressionen seltener diagnostiziert werden als bei Frauen – was die erwähnte höhere Lebensgefahr bedeutet. Als Erklärungen dienen:

  • Männer ignorieren ihre Gesundheit, gehen später zum Arzt
  • falsches gesellschaftliches Signal: Hilfe in Anspruch nehmen gilt als Schwäche
  • bei gleichem Verhalten gegenüber dem Arzt wird bei Frauen eher auf Depressionen getippt
  • Männer weisen andere Symptome auf, die nicht klassischerweise mit Depressionen in Zusammenhang gebracht werden (Aggressivität, Alkoholmissbrauch)

Aus ganz verschiedenen Gründen – die außerdem zusammen auftreten können – haben Männer also schlechtere Karten, wenn es darum geht, eine Depression zu bewältigen. Denn von alleine kommt man da praktisch nicht mehr heraus; wer das ernsthaft glaubt, hat das Problem nicht verstanden.

Nun mag hinzukommen, dass Männer generell weniger Mitleid (oder Empathie) entgegengebracht wird (so dass das Anzeigen eigener Hilflosigkeit, das bei Depressionen nun wirklich angemessen und auch sehr angebracht wäre, weniger nützt) und/oder dass Männer weniger stark als Opfer wahrgenommen werden (bzw. die Hilfsbereitschaft ihnen gegenüber geringer ist). Ich meine, im Zusammenhang mit dem Konzept des entbehrlichen Mannes („the disposable male“), das mit ein wenig Nachdenken mit der gesamten Menschheitsgeschichte – heutzutage eingeschlossen! – in Einklang gebracht werden kann, so etwas gelesen zu haben, finde aber den Blogartikel und/oder die wissenschaftliche Quelle nicht mehr wieder.

Das wäre aber ohnehin nur das Sahnehäubchen in der Argumentation. Die Angst vor sozialer Isolation, wenn es mal ein Problem gibt, ist wohlbegründet:

„Selbst moderne, emanzipierte Frauen reagieren manchmal verschreckt, wenn ihr Mann wirklich einmal Schwäche zeigt. Therapeuten berichten, dass Frauen erst von ihrem Mann einfordern, Gefühle zu zeigen – und ihn genau dann verlassen, wenn er negative Gefühle, beispielsweise Depressionen, eingesteht. So haben diese Frauen sich das mit der Partnerschaft auf Augenhöhe dann nämlich doch nicht vorgestellt.“

(Das bedeutet allerdings eben nicht, dass man bei psychischen Problem sich niemandem anvertrauen sollte. Im Gegenteil, beim Kampf gegen Depressionen muss im Zweifelsfall alles andere hintenanstehen. Bei der Wahl zwischen einer offiziell intakten Beziehung und dem eigenen Leben sollte die Präferenz klar sein.)

Diesen Tatsachen trägt etwa der Männergesundheitsbericht 2013 Rechnung. Die Stiftung Männergesundheit schreibt dazu:

„Der Bericht zeigt, dass seelische Leiden bei Männern ein Tabu darstellen, woraus sich Defizite in der Diagnostik und Versorgung psychischer Erkrankungen bei Männern ergeben.“

(Die Befürchtung sozialer Stigmatisierung ist der Grund, warum ich pseudonym blogge.)

Hier gibt es im Namen der Gleichberechtigung gleich zwei Felder zu beackern. Offensichtlich ist es erstens für das Überleben vieler Männer wichtig, speziell zu Depressionen und besserer Diagnostik forschen. So etwas wie der Männergesundheitsbericht 2013 scheint genau das richtige zu sein. Warum ist der nicht kostenlos verfügbar? Den Frauengesundheitsbericht (PDF) bekommt man doch schließlich ebenfalls „einfach so“.

Zweitens mag eine vollständige Gleichbehandlung von Mann und Frau zwar Utopie sein, weil sich manche Ansichten und Bewertungen so tief eingebrannt haben, dass man sie nicht mehr wahrnimmt (vgl. „the disposable male“, siehe oben) und sie entsprechend schwer ändern kann. Dies darf aber nicht bedeuten, dass man nicht gesellschaftliche Konventionen aufbricht, die sich im Krisenfall als entscheidende Blockade erweisen. („Reiß Dich zusammen“ – Beschämung, „Wenn ein Mann Probleme hat, soll er selbst sehen, wie er klar kommt.“ – Nichterkennen, dass hier eingegriffen werden muss.) Eine würdige Aufgabe, die auch modernen Männern und Frauen wie schon erwähnt noch viel abverlangt.

Doch selbst wenn einem Männer an sich egal sind oder man annimmt, dass diese im Fall von Depressionen selbst für sich verantwortlich sind (es gehört zu einer psychischen Erkrankung wie einer Depression, dass man diese Verantwortung eben nicht mehr vollständig alleine wahrnehmen kann), gäbe es noch Gründe, sich um Depressionen bei Männer zu sorgen. Zum einen sind Männer volkswirtschaftlich und gesellschaftlich gesehen nützliche Packesel, die viel arbeiten und Geld heranschaffen. Depressionen verhindern genau das. Zum anderen sind von jedem Selbstmord geschätzt sechs weitere Menschen betroffen. Es gehört zur Natur von menschlichen Gemeinschaften, dass die Schicksale ihrer Mitglieder miteinander verwoben sind. (Inwieweit es vor diesem Hintergrund sinnvoll sein kann, ein Geschlecht zu verteufeln oder mit seinen Anliegen komplett zu ignorieren, muss jemand anderes erläutern – ich kann es nicht.)

Depressionen und Selbstmord – kein Schicksal

Es ist schon bedrückend, dass ein Filmthema für einen Hauptdarsteller Realität wurde: Selbstmord taucht mehrfach in Robin Williams‘ Filmen auf – mir wollen alleine spontan drei einfallen. Als erfolgreicher Hollywood-Schauspieler mag er wenig mit unserer Lebensrealität zu tun gehabt haben, doch sein Fall berührt.

Robin Williams‘ Leben endete mit Selbstmord. Er litt an Depressionen, hatte mehrere Scheidungen hinter sich, dadurch Geldsorgen und war daher in seiner Lebensführung stark eingeschränkt. Da der berufliche Erfolg zuletzt ausgeblieben war, hätte er – der großen Karriere zum Trotz – Aufträge annehmen müssen, die ihm nicht gefielen.

Das sind bereits mehrere Antworten auf einmal auf die Frage: Was bringt Männer aus der Spur?

(Klassische Männerthemen wären: Zahlvater, entsorgter Vater, Kuckucksvater, Scheidungsopfer / ansonsten: häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, PTBS zum Beispiel bei Soldaten / von Linksliberalen werden ferner thematisiert: Zwangsheirat, sexuelle Orientierung, Fremdenfeindlichkeit / dazu der „gläserne Boden“: Männer fallen leichter durch alle sozialen Raster, ferner die Vermutung, dass es gerade bei schweren Situationen es weniger Empathie für Männer gibt)

Andererseits muss auch gesagt werden: Nicht jede Krise oder schlechte Situation führt zu Depressionen. Umgekehrt können auch erfolgreiche Menschen Depressionen haben (siehe Robert Enke). Es wäre also falsch, hier eine Art „unentrinnbares Schicksal“ hineinzuinterpretieren. Man darf sich nicht alleine an den negativen Fällen aufhalten. Dazu folgendes Video (gefunden via Iphelgold), von 58:00 bis 1:00:10:

Manfred Lütz: Irre! Das Problem sind die Normalen!

Hier wird noch einmal der Fall Robert Enke angesprochen, aber auch eine sehr wichtige Tatsache: Die meisten Depressionen sind heilbar.

Wenn Depressionen unausweichlich und vorprogrammiert zu Selbstmord führen würden, dann wäre es egal, ob man etwas tut oder nicht. Aber weil dem nicht so ist, kommt es darauf an, zu handeln.

Was tun?

Womit wir wieder bei Arne Hoffmann wären. Als Gleichmaß e.V. Unterstützung für ein Männerhaus von der Politik erhielt, kommentierte er das wie folgt:

„Sobald man seine politischen Aktivitäten nicht darauf beschränkt, in Blogs und Foren miteinander zu plaudern, sind auch Erfolge für Männer möglich.“

Das hatte bei mir gesessen! Der Stachel saß tief.

Was wäre bei diesem Thema eine vernünftige Forderung? Grob beschreibt das etwa
MANNdat:

„Depressionen müssen bei Männern stärker erforscht und besser behandelt werden. Diese Krankheit wird bei Männern häufig nicht als solche erkannt oder sie wird ignoriert, obwohl beispielsweise knapp dreimal so viele Männer wie Frauen Suizid begehen (bei Jugendlichen sind es sogar geschätzt neunmal so viel).“

Vor einigen Monaten hat Lucas Schoppe (wie schon andernorts vorgeschlagen) Politiker angeschrieben. Politischer werden – oder zumindest ein Thema an Politiker herantragen – zeigt, dass einem eine Sache wichtig ist. Wenn das genügend viele machen, kann es irgendwann nicht mehr ignoriert werden. „Das bewegt die Wähler“ ist ein Argument. Vielleicht schade, dass es so laufen muss, aber hey, so weiß man wenigstens, in welche Richtung man arbeiten muss, also nicht über die Art der Lösung klagen.

Was wäre eine Forderung, um sich an Abgeordnete zu wenden? Ganz konkret ein kostenloser Männergesundheitsbericht (vor dem Hintergrund psychischer Erkrankungen wie Depressionen und der erhöhten Selbstmordrate), etwas weiter gefasst die bessere Forschung – und die Frage nach Maßnahmen, die dafür unternommen werden. Aber vielleicht lohnt sich auch die allgemeine Frage, wofür sich der Abgeordnete angesichts der bedrückenden Statistik (und anlässlich des Welttags der Suizidprävention) einzusetzen gedenkt.

Frage in die Runde: Macht jemand mit?

Oh, und wenn wir schon über Männergesundheit und Aufmerksamkeit erregen sprechen: Wollen wir gemeinsam etwas zum Movember machen? (Noch steht auf dem Internetauftritt nichts, aber woanders gibt es etwa ein lustiges Foto von Thomas Hitzsperger mit Erklärung, worum es geht.) Es ist zwar noch über eineinhalb Monate hin, aber nicht, dass wir das schon wieder verpassen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das sehr gut zum Thema passt.

R.E.M.: Everybody Hurts