Fundstück: Die Geister, die sie riefen…

Also damit konnte ja wohl niemand rechnen: Donald Trump benutzt das „safe space“-Konzept gegen Kritiker. Wie Fefe ebenfalls zu bedenken gibt: Was, wenn Donald Trump Anti-„hate speech“-Gesetzgebungen (Kriterium: „fühle mich traumatisiert“) durchzieht?

Genau das passiert, wenn man irgendwelche schwammigen Begriffe ins Feld führt, um andere Leute, deren Meinungen einem nicht passen, zum Verstummen zu bringen: Dieselben Regelungen werden dann irgendwann vom ideologischen Gegner gegen einen selbst angewandt.

Das ist aber nur ein Vorgeschmack. Was bei Einschränkung der Meinungsfreiheit anfängt, setzt sich über Überwachung fort und geht hin bis zum Mord. Wie Fefe zum dritten richtig schrieb:

Bei neuen Ermächtigungsgesetzen für Polizei, Dienste und Militär warne ich seit Jahren davor, dass selbst wenn wir unserer Regierung jetzt trauen, dass sie keinen Scheiß macht mit solchen Befugnissen, dann muss man doch im Hinterkopf behalten, dass die nächste Regierung möglicherweise aus verrückten Triebtätern besteht.
(…)
Mir fällt gerade auf, dass Trump sich auch hervorragend zur Illustration dieses Punktes eignet. Obama hat in den USA eine Drohnenmord- und Geheimdienst-Massenüberwachungs-Infrastruktur aufgebaut, die weltweit ihresgleichen sucht. Und jetzt sitzt Donald Trump an diesen Knöpfen. Kann jederzeit weltweit jeden beschnüffeln und gezielt von einer Drohne ermorden lassen.

Die Logik, mit der so etwas installiert wird, ist natürlich immer dieselbe: Wir wollen doch nur gegen das Böse™ kämpfen und da kommen wir mit herkömmlichen Mitteln nicht weiter!

Die Sache nimmt jedoch noch eine weitere gruselige Wende: Die Sache mit der Überwachung und den Drohnen war ja schon immer falsch. Es schienen nur viele gehemmt zu sein, einen jungen, charismatischen Präsidenten dafür zu kritisieren. Spätestens jetzt, wo klar ist, an wen diese Instrumente demnächst gehen, könnte doch auch der letzte aufwachen und darauf kommen, dass Barack Obama der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit da keinen Gefallen getan hat.

Journalisten trauen sich jedoch auf breiter Front noch nicht einmal, Barack Obama überhaupt darauf anzusprechen. Der Aufwachen-Podcast 157 (“ Everybody loves Obama“) hat die gesamte Peinlichkeit im Detail. Tilo Jung erzählt zunächst, wie er auf der Pressekonferenz seine Frage zu den Drohnen nicht stellen durfte („Tilo fragt Obama (nichts)“). Dann kommt das unsägliche Interview von ARD und Spiegel, das statt richtigen Fragen anscheinend nur aus Gefühlen, Belanglosigkeitenen und Vereinfachung besteht („Spon und ARD fragen Obama“). Und die werfen dem einfachen Volk Dummheit vor!

So einfach kommt man von absurden Nischenthemen zur großen Weltpolitik. Es wird Zeit, dass es wieder eine Debatte gibt, denn dieses Schweigen und zum Schweigen bringen kann nichts Gutes hervorbringen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Es ist so leicht und einfach, „den“ Amerikanern Dummheit vorzuwerfen… dabei ist offensichtlich, dass sie darauf kein Monopol haben.

Green Day: American Idiot

Kurznachrichten vom 09.10.2016

1: Don Alphonso untersucht bei der FAZ die diesjährigen Zahlen der angezeigten Sexualstraftaten auf dem gerade beendeten Oktoberfest. Schon deshalb, weil Netzfeministinnen in ihrer #ausnahmslos-Kampagne das Oktoberfest immer wieder gerne als Beispiel dafür hernahmen, dass Sexismus und sexuelle Übergriffe auch unter Bio-Deutschen gang und gäbe seien.

Nun, tatsächlich hat sich die Zahl der Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr von 21 auf 31 erhöht, und das trotz niedrigerer Besucherzahlen. Aber:

Bei den festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um 2 deutsche Staatsangehörige und 16 ausländische Staatsbürger (darunter 6 Asylbewerber).

Einer der beiden deutschen mutmasslichen Täter ist dem Vernehmen nach ein männlicher Busfahrer, der sich an einem betrunkenen Mann oral verging. […]

Seriös muss man sagen: Es gab 2016 nach bisherigem Stand der Ermittlungen bei einem 17 Tage dauernden Fest mit 5,6 Millionen Besuchern 1 einzigen festgenommenen deutschen, heterosexuellen, mutmasslich weissen Sexualstraftäter. Die grosse Mehrheit der Ermittelten stammt nicht aus Deutschland. In der einzigen Nacht auf der Domplatte liegen bei einer vierstelligen Menschenmenge mit überwiegend Migrationshintergrund 430 Anzeigen wegen Sexualstraftaten vor. Man kann es nicht vergleichen.

So sieht sie aus, die deutsche „Rape Culture“.

2: Die taz befindet, mit der Aussage

Außerdem müssen wir deutlich machen, dass die neuen Freiheiten in der Lebensgestaltung ein Angebot und keine Vorgabe sind. (…) Es geht darum, dass jeder nach seiner Fasson leben kann und nicht darum, traditionelle Lebensformen abzuwerten oder die Individualisierung ins Extrem zu treiben. Auf Individualismus darf nicht zum Egoismus werden, sonst wird gesellschaftlicher Zusammenhalt unmöglich. So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen – und das ist auch gut so.

bediene sich

Winfried Kretschmann des klassischen Repertoires homophober Propaganda von rechts.

Die FAZ hält die Aussage immerhin nur für „gewagt“.

So ist das heutzutage: Wenn man darauf hinweist, dass Heterosexualität eben das normale Verhalten ist, ist das schon „homophob“, selbst wenn man Schwulen und Lesben gleiche Rechte zugestehen will.

3: Ebenfalls bei der taz:  Ein Bericht über die Kultur der Trigger Warnings, Safe Spaces und Microaggressions an amerikanischen Universitäten und wie diese Kultur langsam auch nach Deutschland kommt.

4: Eine eher amüsante Posse: Es gibt einen kleinen Wirbel um Umweltministerin Barbara Hendricks, die im Iran mit einem Mann verwechselt wurde. Die iranische Politikerin Massumeh Ebtekar hatte ihr bei einem Besuch in Deutschland die Hand gegeben. Fremden Männern die Hand zu geben ist in Iran für gläubige islamische Frauen, besonders für Spitzenpolitikerinnen, ein absolutes Tabu. Aufgrund von Videoaufnahmen war bei vielen Iranern der Eindruck entstanden, das sei so.

Wäre es eine Meldung wert gewesen, wenn Ebtekar tatsächlich auf einen Mann getroffen wäre? Während es hier im Westen regelmäßig für Aufregung sorgt, wenn sich ein muslimischer Politiker weigert, einer Politikerin die Hand zu geben, kräht im umgekehrten Fall kein Hahn danach. Auf den wirren Gedanken, dass man von Frauen dasselbe Verhalten verlangen könnte wie von Männern, kommen auch nur diese merkwürdigen Männerrechtler.

5: Wie die meisten wohl schon wissen, ist ein kompromittierendes, 11 Jahre altes Video von Donald Trump aufgetaucht, aufgrunddessen ihm Sexismus und sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Auf Alles Evolution wird darüber bereits diskutiert.

6: Ein Ausflug zur Kultur: Das wohl meistgespielte Stück in fränkischem Dialekt hat 40jährigen Geburtstag. Was das mit Männerrechten zu tun hat? Das sollte alleine aus dem Titel hervorgehen, der ist nämlich: „Schweig, Bub!

Es geht darin vordergründig um ein Familienfest, eine Konfirmationsfeier, die mehr und mehr aus den Fugen gerät. Eine gewisse Tragikomik entfaltet das Stück vor allem dadurch, dass es den erwachsenen Figuren um alles mögliche geht, nur nicht um den, um den es eigentlich gehen sollte, den Konfirmanden. Der wird nämlich nur zurückgewiesen und hat die Klappe zu halten. Insofern könnte man es auch als ein sozialkritisches Lehrstück über die Konditionierung von Jugendlichen betrachten.

Das Stück von Fitzgerald Kusz wurde inzwischen in 13 Dialekte übersetzt. Ich kann es nur wärmstens empfehlen, weil es sich eben nicht an die verlogenen Traditionen des klassischens Volkstheaters hält, sondern diese mit mehr Realismus durchbricht. Vom Stellenwert her in Franken dürfte man es inzwischen mit dem Analogon „Brandner Kaspar“ in Bayern vergleichen können.

Kurznachrichten vom 01.02.2016

1: François Hollande begnadigt Frau nach Mord an brutalem Ehemann. Sie hatte ihn mit drei Schüssen aus einem Gewehr aus nächster Nähe niedergestreckt, nachdem sie es in 47 Jahren Ehe nicht geschafft hatte, ihn zu verlassen. Nun überlegen wir uns kurz, was passieren würde, wenn ein Mann seine Frau nach 47 Jahren Ehe-Hölle hinterrücks erschießt. Könnte er auf Begnadigung hoffen? Undenkbar. Aber Frauen dürfen sowas…

(von Graublau: siehe hierzu Uepsilonniks über einen EMMA-Beitrag oder Frauen morden nicht – sie töten nur? von Gerhard Amendt)

2: Vor zwei Tagen war in Genderama zu lesen, dass Richard Dawkins, emeritierter Oxford-Professor in Evolutionsbiologie und einer der Wortführer der Neuen Atheisten („Der Gotteswahn„) von der Northeast Conference on Science & Skepticism (NECSS) ausgeladen wurde, weil er einen Tweet retweetet hat, in dem in einem Video auf satirische Weise Feminismus mit Islamismus verglichen wird. Dieses Video habe ich vor einiger Zeit ebenfalls schon hier verlinkt. Der Vorgang wurde von Christina Hoff Sommers wie folgt kommentiert:

In einem Blogbeitrag von Michael Nugent verteidigt dieser das Satire-Video sowie Dawkins, und weist auf die lange Tradition von Satire-Songs hin. Dawkins hat enttäuscht reagiert und, aber dennoch seinem Unverständnis Ausdruck gebracht:

“De-platformed for tweeting an irrelevant joke song? Ah well, ‘Always look on the bright side of life.’ Incidentally, would Monty Python have been de-platformed for that? No, don’t be silly, Life of Brian was only satirising Christianity.”

Den auslösenden Tweet hat er inzwischen gelöscht, weil er darauf hingewiesen wurde, dass in dem Video reale Personen karikiert werden und diese aufgrund des Videos Drohungen erhalten hätten. Einerseits ist das durchaus nobel, andererseits ist es höchst fragwürdig, Satire aus dem Verkehr zu ziehen, nur weil eventuell irgendwelche Idioten auf den Zug aufspringen und die Kritisierten belästigen oder gar bedrohen. Abgesehen davon ist es ja eine beliebte Taktik von Feministinnen und SJWs allgemein, zu behaupten, eine fundierte und moderate oder auch etwas aggressivere satirische Kritik hätte andere (sog. Hater) zu schlimmen Drohungen animiert (die allerdings selten nachgewiesen werden), um damit auch die ursprüngliche Kritik zu delegitimieren.

Ergänzend dazu (von Graublau zusammengesucht):

a) ein Video als Reaktion von Sargon of Akkad, auf dessem Kanal das beanstandete Lied veröffentlicht wurde

b) die Reaktion von fefe (der ja ebenfalls in den Kurznachrichten vorkam).

3: Dazu passte auch dieser Vorgang: Die Fehde zwischen Techblogger Sascha Pallenberg und der Netzfeministin Yasmina Banaszczuk, die seinerzeit als #fappygate bekannt wurde, scheint wieder hoch zu kochen.

4: Und weil auch das gerade so schön dazu passt: Diese etwas ältere South Park-Parodie über Safe Spaces wurde mir in die Timeline gespült:

5: Man kann von der AfD ja halten, was man will, aber in Sachen Gender-Mainstreaming sind sie manchmal auch vorbildlich. Gestern entspann sich eine absurde Diskussion um den von der AfD geforderten Schießbefehl für illegal ins Land einreisende Flüchtlinge. Beatrix von Storch (AfD) stellte klar:

Ein Kommentator auf Facebook schrieb dazu: „Das ist Schwachsinn. Wollt Ihr etwa Frauen mit Kindern an der grünen Wiese den Zutritt mit Waffengewalt verhindern?“ Von Storch antwortete: „Ja“.

Kurz darauf musste sie noch einmal präzisieren, dass dies natürlich nicht für die Kinder gelte. Trotzdem scheint die Vorstellung eines Schießbefehls auch gegen weibliche Flüchtlinge für die Empörten es noch einmal einen Tick schlimmer zu machen.

Ich finde diese Empörung auch ziemlich künstlich. Nur weil es die AfD ist, die Selbstverständlichkeiten ausspricht? Selbstverständlich dürfen Grenzschützer illegal Einreisende kontrollieren. Und wenn diese versuchen, sich durch Flucht der Kontrolle zu entziehen, und nach mehrmaliger Aufforderung nicht anhalten, darf nach evtl. einem Warnschuß auch scharf geschossen werden. Nichts weiter meinen Petry und von Storch, wenn sie „ultima ratio“ sagen. Das ist so Gesetz, das war zu allen Zeiten so und das dürfte so ziemlich jeder andere Staat der Welt auch so handhaben. Woher soll denn ein Grenzschützer wissen, ob es sich um einen harmlosen Flüchtling und nicht etwa um einen Schmuggler handelt, bevor er ihn nicht kontrolliert hat?

Auch der Vergleich mit dem Schießbefehl an der DDR-Grenze ist absurd. Dort ging es darum, die Ausreise der eigenen Bürger zu verhindern. Worum es jetzt geht, ist, die unkontrollierte Einreise von Fremden zu verhindern. Man kann das natürlich auch ablehnen und befürworten, auf diese Kontrolle zu verzichten. Aber trotzdem ist der Vergleich schlichtweg unzulässig.

6: Ein bemerkenswertes Interview, in dem es generell um die Vertrauenskrise der Medien geht. Wolfgang Herles, immerhin ehemaliger Leiter des ZDF-Studios in Bonn, bis 2015 dann Redaktionsleiter und Moderator der ZDF-Kultursendung aspekte, also ein deutscher Top-Journalist und ZDF-Interner, spricht Tacheles, hier der Ausschnitt:

7: Auf ARTE gibt es anlässlich der Berlinale 2015 eine Kurzfilmreihe über „Paare – Eine Kurzfilmreihe auf der Couch“. Die Filme sind auch online zu sehen. In Clip 3 karikiert Samuel Finzi den „richtigen Mann“. Das ist allerdings so sehr überzeichnet, dass man es kaum erst nehmen kann. Den Rest habe ich noch nicht angesehen. Wer mag und empörenswertes findet, darf das gerne kommentieren.

8: Auf Edition F findet ein Mann „10 Gründe, warum Mann in einer Beziehung nicht auf die Pille bestehen sollte„. Witzigerweise ist der Mensch so nebenbei Gründer der Kondomfirma „einhorn“, wie er immerhin selbst zugibt.

9: (von Graublau) Noch etwas ganz vom Thema ab, das geht ja traditionell beim letzten Beitrag und es mag viele Blogger betreffen.
Habt Ihr Euch so wie Tom174 darüber geärgert, dass der WordPress.com-Editor so schlecht geworden ist? Keine Sorge, Ihr findet den alten nach wie vor, ist nur ein Extraklick auf „WP-Admin“ in der Navigationsleiste. Tom war entzückt! 🙂

Warum überhaupt dieses Gehampel? Technischer Hintergrund ist, dass wordpress.com von PHP auf JavaScript umgestiegen ist und in dem Zusammenhang offensichtlich „mobile-Endgeräte-freundlicher“ werden wollte (spricht, für Laptops und Desktop-Computer muss es zwangsweise schlechter werden – geht ja nicht anders). Es geht dabei nur um dem Admin-Teil um das eigentliche WordPress herum – welches ja selbst einen Admin-Teil, inklusive dem alten Editor hat.