Fundstücke: Adrian, Tristan Rosenkranz und Lucas Schoppe zu „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ von Arne Hoffmann

Christian Schmidt hat bei „Alles Evolution“ Artikel zu verschiedenen Büchern veröffentlicht, in denen er Leser fragt, wie diese ihnen gefallen haben. Ich halte es für sinnvoll, einige der Besprechungen separat zu veröffentlichen, weil man sie dadurch leichter wiederfindet und auch direkt auf sie verweisen kann. Besprechung von einführender Literatur in ein Thema – übrigens ausdrücklich auch solche der „Gegenseite“ – hat ohnehin mehr Platz in den Blogs verdient.

Nachdem es letzte Woche um „Männerbeben“ ging, ist diesmal „Plädoyer für eine linke Männerpolitik, ebenfalls von Arne Hoffmann.

Adrian (Schwulemiker):
Männer, jetzt geht’s los!

Tristan Rosenkranz (Gleichmaß e.V.)

Ich hab das Buch auch gelesen und verbleibe mit wenigen Worten bei einer absoluten Empfehlung: faktensatt, extrem gut und weitläufig recherchiert, unaufgeregt und gerechtfertigterweise als Standardwerk zu bezeichnen. Wer meint, schon hinreichend über die Felder männlicher Benachteiligung zu wissen, wird mit diesem Buch noch zahlreiche Fakten dazu gewinnen.

Lucas Schoppe (man tau):

Auch ich hab das Buch gelesen, und auch ich finde, dass es ein Standardwerk von Geschlechterdiskussionen ist. Wer es nicht kennt, und wer sich damit nicht ernsthaft auseinandergesetzt hat, kann nicht für sich beanspruchen, auf dem Stand der Diskussion zu sein. (Das gilt also vermutlich für den größten Teil feministischer Gender-Anbieter.)

Das liegt einerseits an dem hier schon mehrfach erwähnten unendlichen Faktenreichtum. Anstatt (im Stile des Twitter-Feminismus à la Wizorek) einfach zu behaupten und um das eigene Selbstgefühl zu kreisen oder (im Stile des hermetisch-akademischen Feminismus à la Butler) abstrakt und losgelöst zu formulieren, belegt Arne alles, was er schreibt, vielfach – und dies mit einer weltweiten Perspektive. Gerade auch dieser ungeheure Faktenreichtum hat es mir übrigens sehr schwer gemacht, eine einzelne Rezension darüber zu schreiben.

Übrigens wäre das m.E. ein sehr sinnvolles Projekt, um das Buch zu unterstützen. Ein so extrem belegreicher Text braucht eigentlich dringend ein Register, um die Orientierung darin zu erleichtern und die Fakten auch leicht zugänglich und auffindbar zu machen. Vielleicht könnte man das auch in einer gemeinsamen Arbeit erstellen – wenn sich verschiedene Akteure jeweils ein Kapitel vornehmen. Ich würde jedenfalls gern auch in Vorleistung treten und für ein Kapitel schon einmal anfangen.

Das Buch hat noch einen zweiten Aspekt, der wichtig ist: nämlich einen tief traurigen. Arne tritt für einen integralen Antisexismus ein – eine geschlechterübergreifende Politik, die sich gegen Diskriminierungen von Frauen UND Männern richtet. Die Linke aber, die Bündnispartner für eine solche humane – und eben nicht nur: feministische – Geschlechterpolitik sein könnte, gibt es nicht mehr. Oder: Sie wird zumindest institutionell nicht mehr vertreten. Eigentlich hätten sich Politiker der Grünen, der Linken oder der Sozialdemokraten begeistert oder zumindest interessiert auf dieses Buch stürzen müssen, um damit die Diskussionen in ihren Parteien auf eine andere Grundlage zu stellen.

Stattdessen gibt es dort nur – wie ja gerade die Verleumdungen des Bundesforum Männer-Vorsitzenden Rosowski gegen den Gender-Kongress wieder zeigen – desinformierende Abwehrhaltungen.

Überhaupt hatte Leszek damals, als das Buch erschien, meiner eben formulierten Einschätzung dazu mit sehr guten Gründen widersprochen. Auch wenn die Bündnispartner in den Parteien fehlten, hätte die Formulierung einer linken Männerpolitik für die männerpolitischen Diskussionen selbst eine sehr wichtige Bedeutung gehabt. (…)

So oder so: Wer geschlechterpolitisch auf dem Stand der Diskussion sein will, kommt um das Buch wirklich nicht herum.

Lucas Schoppes ursprüngliche Rezension:
Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht)

Leszeks Erwiderung:
Über den Sinn linker Männerpolitik

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich finde dieses Lied sehr passend zum Buch, weil es sehr ernst klingt, aber auch einen hoffnungsvollen Unterton hat. Außerdem geht es um Unterstützung in schlechten Zeiten.

The Pretenders: I’ll Stand By You

Fundstücke: klaus, Leszek und djadmoros zu „Männerbeben“ von Arne Hoffmann

Christian Schmidt hat bei „Alles Evolution“ Artikel zu verschiedenen Büchern veröffentlicht, in denen er Leser fragt, wie diese ihnen gefallen haben. Ich halte es für sinnvoll, einige der Besprechungen separat zu veröffentlichen, weil man sie dadurch leichter wiederfindet und auch direkt auf sie verweisen kann. Besprechung von einführender Literatur in ein Thema – übrigens ausdrücklich auch solche der „Gegenseite“ – hat ohnehin mehr Platz in den Blogs verdient.

Den Anfang soll hier Männerbeben von Arne Hoffmann machen.

klaus:

Für mich war das Buch ein Augenöffner.
Ich fand es faszinierend, zu erleben, wie anders die Dinge aussehen, wenn man die Perspektive wechselt.
Vieles in Bezug auf die Geschlechterverhältnisse, das diffus/punktuell in meinem Kopf rumgeisterte, plötzlich so umfassend und strukturiert zu lesen, war toll.
Im Freundeskreis habe ich das Buch meist als „Rote Pille“ bezeichnet, denn genauso hat es auf mich gewirkt.
Für mich gehört es in die Klasse der Bücher, die man mehrfach kauft, und dann verschenkt.

(ursprünglich veröffentlicht unter „Sind Frauen die besseren Menschen?„, gemeint war aber „Männerbeben“, wie aus einem Kommentar direkt darunter hervorgeht)

Leszek:

Arne Hoffmanns 2007 erschienenes Buch „Männerbeben“ ist insgesamt ein gelungener Nachfolger seines ersten männerrechtlichen Standardwerkes „Sind Frauen bessere Menschen?“
Dass „Männerbeben“ das vorherige Werk trotzdem nicht erreichen kann, liegt wesentlich daran, dass „Sind Frauen bessere Menschen?“ neben Warren Farrells „Mythos Männermacht“ wohl das beste zusammenfassende Buch zu männerrechtlichen Anliegen und ihrer wissenschaftlichen Fundierung ist, dass je geschrieben wurde.

Aber auch „Männerbeben“ ist lesenswert, enthält im ersten Teil nochmal eine einführende Darstellung der wichtigsten männerrechtlichen Themen; erklärt und begründet, warum Männerfeindlichkeit in unserer Gesellschaft ein signifikantes Problem ist; liefert lesenswerte kritische Analysen zum Zustand des vorherrschenden Feminismus; beschreibt die Entstehung der Männerrechtsbewegung in Deutschland und erklärt worin sich die auf Gleichberechtigung abzielende Männerrechtsbewegung von der pro-feministischen Männerbewegung einerseits und von konservativen Traditionalisten andererseits unterscheidet; beinhaltet eine der ersten Kritiken an den Radikalen innerhalb der Männerrechtsbewegung; enthält ein Plädoyer für Rollenfreiheit für Männer und gibt Tipps für konstruktives männerrechtliches Engagement.

Im zweiten Teil folgen dann Interviews mit mehreren Personen, wodurch verschiedene Perspektiven und Zugänge zur Männerrechtsbewegung verdeutlicht werden.

Das Buch enthält also sowohl eine verständliche Einführung in männerrechtliche Kernthemen, des Weiteren auch Informationen und Analysen, die im Vorgängerband noch nicht behandelt wurden als auch eine sympathisierende, aber nicht unkritische Darstellung der Entstehung der Männerrechtsbewegung in Deutschland und ihrer Entwicklung bis zum Jahre 2007.

djadmoros:

Ich habe das Buch im Sommer 2011, also etwa vier Jahre nach dem Erscheinen, gelesen, und für mich war es ein großartiges Buch – wie von einem Kommentator bereits formuliert, tatsächlich die »rote Pille«, die mein ebenso chronisches wie diffuses Unbehagen mit feministischen und Geschlechterthemen zu einem klaren Urteil verdichtet hat.

Aufgrund meiner biografischen Situation (einer zum Glück insgesamt kooperativ, einvernehmlich und kindgerecht verlaufenen Scheidung, die mich zwischendurch aber dennoch auf eine emotionale Achterbahn gechickt hat) war ich genau damals »reif« für ein Buch dieser Art (sonst wäre es mir nicht erst mehrere Jahre nach Erscheinen aufgefallen). Das Buch hat mich durch seine »dichte Beschreibung« gesellschaftlicher und persönlicher Szenen beeindruckt, weil ich mich in vielen der dort geschilderten Episoden wiedergefunden habe.

Wem diese Bewertung zu enthusiastisch erscheint, der möge bedenken, dass ich meinen ersten Kontakt mit einer Männerbewegung schon Ende der 80er Jahre, kurz vor dem Mauerfall hatte, als man nur zwischen amerikanischen Schwitzhüttenritualen à la Robert Bly und Volker Elis Pilgrims »Untergang des Mannes« die Wahl hatte. Für mein intellektuell geprägtes Selbstbild war nach eher kurzer als langer Zeit beides eine Zumutung. Und im Vergleich dazu ist Arnes Buch nichts weniger als eine kopernikanische Revolution!

Aber davon wisst ihr jungen Dinger höchstens aus den Geschichtsbüchern – sogar Arne selbst ist jünger als ich!😀

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bücher können dabei helfen, Dinge richtig zu verstehen.

The Pretenders: Don’t Get Me Wrong