Kurznachrichten vom 11.05.2016

So, nach langen Wochen, in denen ich einfach mal was anderes lieber gemacht habe, raffe ich mich mal wieder auf, einen Überblick über aktuelle Artikel und Ereignisse zu geben.

1: Jan Fleischhauer vom SPIEGEL stellt die These auf, #aufschrei und die mediale Vernichtung von Rainer Brüderle wäre der Kulminationspunkt und Startschuss für die rechte soziale Gegenbewegung gegen die ausufernde Political Correctness gewesen.

Die einzige Gruppe von Menschen, über die man herziehen darf, bis die Schwarte kracht, sind die Zurückgebliebenen, die im Verdacht stehen, mit Leuten wie Petry oder Trump zu sympathisieren. Das sind die Hinterwäldler, die mit der Moderne nicht zurechtkommen und deshalb an überkommenen Vorstellungen kleben. Dass sich niemand gern von neunmalklugen Dies-und-das-Studenten sagen lässt, er habe den Anschluss verpasst, sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Komischerweise gehört Einfühlungsvermögen nicht zu den stärksten Seiten der Antidiskriminierungsexperten.

Richtig. Ausgerechnet die, die „Emphathie“ wie einen Mercedesstern vor sich her tragen, beweisen immer wieder, dass sie so gut wie Null davon haben und stattdessen selbstverliebte Narzissten sind. Danisch kommentiert das so:

Wobei ich den „Rechtsruck” ja schon lange nur für eine Art Notwehr gegen linke Diktatur halte, nicht für Ausdruck rechter Positionen. Würde aber meine These stützen, dass das Anwachsen des rechten Flügels keineswegs von Rechten oder dem vielbeschworenen „Rechtspopulismus” verursacht wird, sondern eine schiere Abstoßungs- oder Abwehrreaktion gegen die überkochende linke totalitäre Meinungsdiktatur und Hetzjagd ist.

2: In der ZEIT beklagt Elisa Gutsche – haltet Euch fest – zuwenig Feminismus in der SPD.

Jedoch sollte sich die SPD nicht nur allein auf Geschlechtergerechtigkeit im Berufsleben konzentrieren, sondern auch auf andere Themenbereiche. So sind die Grünen und die Linken weitaus konsequenter und progressiver beim Thema sexuelle und reproduktive Rechte von Frauen. Das Feld hier den Grünen und Linken zu überlassen wäre fatal.

Wenn es nach ihr ginge, müsste den jungen Frauen das Leben so leicht wie nur irgend möglich gemacht werden. Dass das manchmal auch bedeutet, den Männern das Leben schwerer zu machen, interessiert sie nicht. Oder ist ihr vielleicht sogar recht. Macht nur weiter so, wenn Ihr auch die letzten Männer noch vergraulen wollt!

3: Der Tech-Blogger Sascha Pallenberg (MobileGeeks), auch bekannt geworden durch das sogenannte #fappygate, hat mal wieder Ärger mit Feministinnen, weil er einen kritischen Artikel über das Sponsoring der re:publica 2016 durch die Firma Eyeo GmbH, die den Werbeblocker AdblockPlus herstellt, geschrieben hat. Angeblich blockt AdblockPlus nämlich Werbung, auf die freie kleine Bloggingportale dringend angewiesen sind, was denen die Einnahmen wegbrechen lässt, andererseits soll Werbung doch durchgelassen werden, wenn der Werbetreibende nur genug an Eyeo bezahlt. Klingt nach einer windigen Sache und hat mit Freiheit im Netz, für das ja angeblich die re:publica stehen will, wirklich nichts zu tun. Ganz im Gegenteil.

Das Pikante daran ist nun, dass Laura S. Dornheim, bekannte Feministin und m.W. Mitinitiatorin von #aufschrei jetzt neuen Chef-Lobbyistin der Eyeo GmbH ist und den Deal mit der re:publica eingefädelt hat. Das anzuprangern reicht schon, um sich den Unmut der Allies zuzuziehen, denn eine Frau zu kritisieren, das geht ja nun mal gar nicht.

Fefe hat das dann auch nochmal gebührend kommentiert.

4: Es wurde ja bereits mehrfach berichtet, dass Ronja von Rönne, die letztes Jahr mit ihrem Rant „Warum mich der Feminismus anekelt“ Furore gemacht hat, den Axel-Springer-Preis dafür bekommen sollte und diesen abgelehnt hat. Es wurde auch gemunkelt, sie sei reumütig zum Feminimus zurückgekehrt, bzw. wollte nicht als Galeonsfigur der Antifeministen gelten. Was allerdings fehlte, war ihr eigenes Statement, das m.W. kaum einer beachtet hat. Das sei hiermit nachgeholt.

5: Vor einigen Tagen versuchte eine Gruppe von erfahrenenen Wikipedia-Autoren, einen Artikel über „Gender Biomedizin“ in der Wikipedia zu platzieren und stieß dabei aber auf den harten Widerstand der Genderfeministinnen in der Wikipedia, worauf der Artikel noch am selben Tag als angeblich irrelevant zur Löschung freigegeben wurde. Die durchaus rennomierte Dawkins-Foundation dokumentiert den Artikel und den Vorgang.

6: Der ehemalige Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, hat auf einer Abschlussfeier der University of Michigan die absurde Safe-Space-Kultur angeprangert.

7: Im Tagesspiegel gab es letzte Woche einen Artikel über die Antifa Demo in dem 300-Seelen-Dorf, in dem der thüringische AfD-Chef Björn Höcke wohnt. Den Antifas wurde letztlich verboten, direkt vor Höckes Haus zu demonstrieren. Um das Thema geht es mir gar nicht, sondern mehr um eine Skurrilität am Rande in diesem Artikel, über die ich gestolpert bin, eine Aussage des thüringischen Innenministers:

Ein Missbrauch dieses Grundrechts werde durch die Thüringer Polizei nicht toleriert werden. „Unsere Beamtinnen und Beamtinnen sind auf alles vorbereitet“, versicherte Poppenhäger – und unterstützte ausdrücklich die Position von Ramelow.

Jetzt frage ich mich: Hat der das wirklich so gesagt? Oder hat sich der Journalist da vertan? Und warum fällt sowas beim Korrekturlesen gar nicht mehr auf? Gibts da überhaupt wen, der Korrektur liest? Aber eigentlich ist es nur ein Zeichen dafür, dass diese Phrasen so dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass wirklich niemand mehr genau hinschaut.

Ach ja, um dann doch mal Off-Topic zu werden: Die Antifa hat auch was verlautbart:

Stephan Maßdorf vom Anti-Demonstrationsbündnis hatte in einem Interview mit der „Jungle World“ erklärt, die Linkspartei und die AfD würden nur „sehr wenig“ unterscheiden. […] „Beide können sich mit dem Gemeinschaftskult, der hier herrscht, ganz gut arrangieren.“ Die Linkspartei habe mit ihrem Ost- und Regionalkult den Nährboden geschaffen für die AfD.

Alles Nazis, auch die Linken! Da hab ich eigentlich keine Fragen mehr.

8: Zum Abschluss mal wieder ein wunderbarer Comic von Jesus and Mo, halb On-, halb Off-Topic:

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Warum ich diese drei Skandale bemerkenswert finde, Teil 1

Mit der Nachsilbe „-gate“ lockt man heutzutage keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Sie wird inzwischen für alles verwendet, was zwischenzeitlich im Internet für (seien wir ehrlich: durchaus willkommene) Aufregung gesorgt hat.

Dennoch gibt es drei „Gates“ des Jahres 2014, an die ich noch einmal erinnern möchte. Sie sind drei Beispiele dafür, wie es nicht gelungen ist, die radikalfeministische Sichtweise durchzusetzen. Das finde ich beachtlich angesichts der Aussichtslosigkeit, mit der bisher – in der medialen Öffentlichkeit – bei Debatten stets diejenige Haltung gewann, die als „feministisch“ ausgegeben wurde, so zumindest meine Wahrnehmung. Der so präsentierte Standpunkt war dann modern, gut und damit alternativlos, alles andere Ressentiments von Ewiggestrigen oder herumheulenden Verlierern, die mit der heutigen Realität nicht Schritt halten konnten.

Zwei Einschränkungen an den Lesewert der folgenden Ausführungen möchte ich gleich vorweg machen: Es handelt sich weder um eine tiefgreifende Analyse noch um ein irgendwie empirisch unterlegtes Werk, sondern einzig um meine Einschätzung und gegebenenfalls Meinung. Außerdem ergibt sich darauf nicht automatisch ein Kochrezept, wie man in Zukunft vorgehen sollte, denn längst nicht alles ist von der eigenen Handlung abhängig, sondern knüpft an Vorbedingungen an, die entweder erfüllt sind oder nicht.

Ich fange an mit dem kleinsten der dreien. Beim Schreiben des Artikels wurde es soviel Text, dass ich schließlich mein ursprüngliches Ziel, alles in einem Rutsch abzuhandeln, aufgeben musste.

Fappygate – und Sascha Pallenberg

Die Ganzkurzfassung: Yasmina Banaszczuk alias FrDingens und Sascha Pallenberg haben sich auf Twitter wegen einer Nichtigkeit gefetzt. Dabei ging Frau Dingens, die den Streit auch vom Zaun gebrochen hatte, irgendwann verbal unter die Gürtellinie, was Pallenberg mit gleichen Mitteln konterte. Das wollte Banaszczuk als Skandal verkaufen und forderte Solidarität (für sich) und Sanktionen (für den Gegner). Das klappte jedoch nicht, so dass sie schließlich ihr Twitterkonto löschte.

Zum selben Thema die etwas längere Diskussion:

Zwei Leute streiten sich im Internet – und das auch noch bei Twitter! Also damit konnte ja wohl niemand rechnen! Dagegen sieht die Meldung „Sack Reis in China umgefallen“ wie die nächste Titelschlagzeile aus. Die ganze Geschichte wäre auch nicht weiter erinnernswert, wenn sie nicht ein größeres Nachspiel gehabt hätte.

Das F in Feminismus steht für Freiheit.

(Anne Wizorek: Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute, S. 312; Fettschrift im Original)

Es ist bei einem Streit für Außenstehende meistens klüger, sich nicht auf eine Seite zu stellen. Dennoch finde ich Sascha Pallenbergs Reaktion souveräner. In seinem Kommentar – Yasmina Banaszczuk und die Hetzjagd der “Femtrolle” dokumentiert er den Streit (ich gehe hierbei davon aus, dass dies korrekt geschieht).

Aufschrei-Initiatorin Anne Wizorek nahm diesen Artikel zum Anlass, zu fordern, man möge Sascha Pallenberg keinen Platz mehr auf der re:publica geben. Das ist eine für sie sehr wichtige Konferenz (siehe o.g. Buch, S. 230), bei der sie stolz war, eine Feministin untergebracht zu haben (siehe o.g. Buch, S. 238; gemeint ist „re:publica 2011 – Jaclyn Friedman – How Feminist Digital Activism Is Like the Clitoris“; der Vortrag bei Youtube).

Nun teile ich Anne Wizoreks Haltung zu Hollaback nicht und ich habe bereits zwei perfide Stellen in ihrem Buch analysiert. Hier erlebt man jedoch in Reinform, wie sie sich Freiheit in den Farben des Feminismus vorstellt: Es geht darum, die Kritiker zum Verstummen bringen zu lassen (gut dokumentiert etwa mit genau diesem Beispiel bei Don Alphonso).

Sascha Pallenberg hatte in seinem Artikel, den Anne Wizorek offenbar verdammenswert findet, Aufschrei als wichtige Aktion bezeichnet. Er nahm auch den Sexismus-Vorwurf persönlich und führte aus, wie er Frauen auf techniklastigen Veranstaltungen auf die Bühne gebracht habe (ergänzt darum, dass diese Frauen später recht erfolgreich in ihrem Beruf geworden sind). Er lud seine Kontrahentin in eben jenem Beitrag ein, bei der nächsten re:publica aufzutreten. Er ergänzte in seinem nachfolgenden Beitrag „Kommentar: Diskussion anstatt Eskalation – Letzte Anmerkungen zu #fappygate„, wie er seit Jahren gegen Sexismus kämpfe, den etwa seine Firmenmitgründerin erlebe. Das entspricht nicht dem Sexisten aus dem Lehrbuch oder dem vom Sexismus ahnungslosen Mann, sondern klingt wie jemand, der sich der Problematik bewusst ist und sich aktiv dagegen einsetzt.

Und ausgerechnet dieser Mann sollte nun auf einer Konferenz keinen Platz mehr haben, auf die er seine Gegnerin in der Sache ausdrücklich eingeladen hatte? Da fiel er doch aus allen Wolken. Er war, völlig überraschend, nicht besonders angetan von Anne Wizoreks Buch und schrieb eine entsprechende Rezension. Im Rahmen der Diskussion über das Buch gab er via Facebook Einblicke, wie sich seine Wahrnehmung durch die Reaktion auf das „Fappygate“ verändert hat:

leider erweist diese Filterblase einer wichtigen Bewegung einen Baerendienst. Diese ganze Geschichte ist eher ein Paradebeispiel fuer narzisstische Persoenlichkeiten. Das ist alles sehr sehr schade, denn die damalige #aufschrei Kampagne hatte ich damals in aller Konsequent unterstuetzt. Leider habe ich viel zu spaet erkannt, in welcher bunten Welt Wizorek und Co. leben.

Der Streit von vor ein paar Wochen war rueckblickend Augen oeffnend.

Nach meinen Erfahrungen mit Frau Dingens, die selbstverstaendlich nun abermals wie Phoenix aus der Asche aufsteigt (im Rahmen meiner Recherche habe ich da relativ schnell ein bekanntes Schema erkennen koennen) und versucht subtil gegen mich nachzutreten, ist das was die „Zeugen Wizoreks“ auffuehren leider sehr vorhersehbar.
Die Rethorik, die verzweifelten Versuche den ueberschaubaren Mob zu mobilisieren…. all dies durfte ich ganz persoenlich waehrend der #Fappygate Geschichte erfahren.

Nur mich wirft sowas nicht aus der Bahn. IM Gegenteil, ich finde es durch motivierend sich einer derartig hasserfuellten und radikalisierten Sub-Bewegung entgegenzustellen. Die Menschen beim Namen zu nennen, die einem „die Beine brechen“ oder auf den „Kopf scheissen“ wollen.

Anne Wizoreks damalige Reaktion, sprich dafuer zu sorgen dass mich Veranstaltungen wie die re:publica mich nicht mehr einladen, zeigt ganz einfach wessen Geistes Kindes sie ist. Ein zur Selbstreflektion unfaehiges Maedchen, das in der #aufschrei Luftblase ihre finale Chance sah endlich was auf den Weg zu bringen, was sich auch finanziell auszahlt.

Was Sascha Pallenberg gerettet hat? Ich kann es nicht beurteilen. Vielleicht ist er wirklich eine so große Persönlichkeit in der Szene (die ich nicht kenne) und zu bekannt und vernetzt, als dass man ihn jetzt nebenbei brandmarken und entsorgen konnte. Vielleicht war Frau Dingens eine Nummer zu klein und er eine Nummer zu groß – absolut oder im Verhältnis zueinander. Beachtlich finde ich, dass er glaubhaft und ganz elegant vorweisen konnte, wie er sich selbst gegen Sexismus eingesetzt hat und dass er mit Kritikern lieber redet. Für eine Verurteilung durch den Radikalfemininus spielte das zwar keine Rolle, aber für einen unbeteiligten Zuschauer muss es doch absurd gewirkt haben, auf wen da eingedroschen werden sollte.

Das Fappygate ist aus der Rückschau denn auch in zweierlei Hinsicht interessant:
Zum einen wurde hierbei der Bann gebrochen, dass „die Feministen“ immer Recht bekommen (bzw. diejenigen, die sich als solche bezeichnen und als Vertreter der reinen Lehre auftreten). Zum anderen wurde dabei jemand, der von den ursprünglichen Aktionen überzeugt war und es von dem eigentlichen Ziel nach wie vor ist, nachhaltig von der Gruppe der Radikalen abgeschreckt, so dass er inzwischen gegen sie auftritt. Interessant auch, dass Sascha Pallenberg auf Facebook dann Hinweise von Arne Hoffmann entgegennahm und sich etwa einen Artikel von Lucas Schoppe durchlas, dem er zustimmte.

Abschließend möchte ich Pallenberg noch aus seinem zweiten Blogeintrag zitieren. Da sagte er etwas, das zu einem Fundstück, in dem es um die Wahl der Mittel geht, sehr gut passt:

Wir koennen nicht Toleranz fuereinander einfordern, wenn wir uns selbst wie die intolerantesten Trottel verhalten.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dieses Lied passt aufgrund seines Hintergrundes zum Auslösers des „Skandals“.

Cyndi Lauper: She Bop