J. B. Peterson im ZEIT-Interview – Zusammenfassung, Analyse, Kommentar

Als erste große deutsche Zeitung, hat ausgerechnet die relativ feministische ZEIT sich die Ehre gegeben, dem äußerst einflussreichen politisch-unkorrekten kanadischen Denker Jordan B. Peterson ein Interview (Paywall) zu geben. Das Interview wird in der Schweiz stattgefunden haben, wo Peterson gerade auf Tour ist. Das Interview ist fair, ausführlich (5 Seiten) und mit gebotener Seriösität und kritischer Distanz. Auf einen Teaser und eine Einleitung, die Peterson erst einmal ins falsche Licht rücken sollen, wurde natürlich trotzdem nicht verzichtet:

„Junge Männer haben gar nichts“

Der kanadische Bestsellerautor Jordan B. Peterson ist der globale Star einer neuen Männlichkeitsbewegung. Er hält das Patriarchat für naturgegeben.

Die Überschrift soll wohl suggerieren, Peterson meine, dass junge Männer total arm dran und ausgebeutet sind, während Frauen alles hätten. Dergleichen will Peterson mit diesem Satz aber nicht zum Ausdruck bringen, sondern etwas völlig anders, was ohne Zusammenhang unverständlich ist. Ich werde unten darauf eingehen. Weiter heißt es, Peterson sei „Star einer neuen Männlichkeitsbewegung“, was dann in den Zusammenhang mit „dem Patriarchat“ gestellt wird. Das ist wörtlich nicht falsch, doch die ZEIT hantiert hier mit Begriffen, die ohne Kontext irreführend sind. Dieser Teaser mit seinen Schlagworten dient in erster Linie dazu, Peterson als einen Geschlechterkrieger vorzustellen, was jedoch eine grobe Verzerrung seines Werkes darstellt. Doch auch dazu unten mehr. Zunächst zum Einleitungstext:

Jordan B. Peterson gilt manchen als „einflussreichster Intellektueller der westlichen Welt“ („New York Times“). Sein Buch „12 Rules for Life“, das einfache Regeln für ein gelungenes Leben herleitet, wurde weltweit mehr als zweieinhalb Millionen Mal verkauft. Petersons YouTube-Kanal hat 1,8 Millionen Abonnenten, auf Twitter folgt ihm eine Million, auf einer Art Welttournee sprach er bereits vor mehr als 250.000 Menschen. Manche seiner meist männlichen Verehrer nennen sich „Hummer“, weil Peterson deren archaisches Dominanzverhalten als Beispiel für die patriarchalische menschliche Gesellschaft dient. Sein 20 Jahre altes, verrätseltes Hauptwerk über das Entstehen von Mythen und Glaubenssystemen [ZEIT meint: Maps of Meaning] fand kaum 500 Käufer – jetzt, im Zuge seines plötzlichen Erfolgs, ist es auf Deutsch erschienen („Warum wir denken, was wir denken“, mvg Verlag). Das späte zweite Leben des 56-Jährigen begann erst vor wenigen Jahren mit seinem öffentlichen Kampf gegen Political Correctness und mit teils irritierenden Thesen zum Verhältnis der Geschlechter. Für Empörung sorgte etwa sein Tweet, man werde für die Frage gekreuzigt, ob Feministinnen den Islam deshalb nicht kritisierten, weil sie sich unbewusst nach männlicher Dominanz sehnten. […]

In dieser Zusammenfassung ist immerhin nichts inhaltlich falsch; doch entscheidende Informationen fehlen hier in so auffälliger Weise, dass ich böse Absicht vermute: Peterson ist ordentlicher Professor der Toronto University und in erster Linie ist er nicht Feminismuskritiker oder überhaupt politischer Denker, sondern akademischer und klinischer Psychologe! Er beschäftigt sich mit Religion, Bibel, Literatur, Evolutionsbiologie, Ethik und Gesellschaft aus psychologischer (jungianischer) Perspektive und nur nebenbei kommt es vor, dass er die letzten Wasserstandsmeldungen zum Geschlechterkampf kommentiert. Es ist ein grundsätzliches Problem der (deutschen) Medien, dass Peterson als Wissenschaftler nicht ernst genommen wird und in erster Linie als eine Art politischer Provokateur wahrgenommen (und verunglimpft) wird, wie der nächste Satz bezeugt:

Heute ist er ein Star der Maskulinisten, die die Männlichkeit gegen die Anfeindungen des Feminismus verteidigen – und der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung. […]

Ah ja. Was die ZEIT unter „Maskulinisten“ versteht und wie viele Jahre Höllenfeuer es laut der Redaktion nach sich zieht, wenn man Männlichkeit gegen den Feminismus verteidigt, kann man sich gut vorstellen, wenn Peterson im selben Satz erst einmal mit dem Rechtsextremismus in Verbindung gebracht wird. Vorsicht Kinder, das ist Bäh! Jeremy-Pascal, nimm sofort den Atommüll aus dem Mund!! Ob es diverse Rechtsextreme gibt, die Peterson etwas abgewinnen können, ist nicht von Interesse. Seine Zielgruppe sind sie jedenfalls nicht. Seine politische Grundhaltung ist liberal-konservativ. In seinen Vorträgen geht er regelmäßig auf die totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts ein und sucht z.B. nach gemeinsamen Ursachen von Kommunismus und Faschismus. Im Interview selbst behauptet die ZEIT noch einmal, dass sein Publikum rechtsextrem ist, was Peterson zurückweist.

Aber halten wir uns nicht länger mit dem manipulativen „linksextremen“ Vorgeplänkel auf. Ich werde im folgenden wichtige Teile des langen Interviews passagenweise zitieren, ggf. zusammenfassen, analysieren und kommentieren:

 

Gleichstellungsfrage

Das erste Thema ist natürlich – wie könnte es anders sein – die ökonomische Ungleichheit von Mann und Frau. Peterson rattert routiniert herunter, was er zu Gender Pay Gap und Gender Mainstreaming zu sagen hat. Chancengleichheit ist nicht gleich Ergebnisgleichheit, weibliche Präferenz zur Kinderbetreuung und Pflege, männliche Präferenz zur Karriere und hoch bezahlten Berufen, etc… altbekannte Dinge halt, die jeder halbwegs belesene Feminismuskritiker so oder so ähnlich erklären würde und für die man eigentlich kein Interview mit Peterson machen müsste. Die ZEIT und die bürgerlich-feministische Leserschaft lassen sich das alles aber vorsichtshalber noch einmal durchkauen, um die Tatsache, dass freie Frauen eher keine Männerrolle einnehmen wollen, ganz langsam und allmählich zu verdauen. Wahrscheinlich hätte die ZEIT auch ein Interview mit Albert Einstein gemacht, um sich noch einmal erklären zu lassen, wie man eine Glühbirne … aber lassen wir das.

Dann geht Peterson kurz auf seine bedeutende Theorie von „agreeableness“ und „non-agreeableness“ ein und führt diese beiden gegensätzlichen Charaktermerkmale als Faktor für die durchschnittlich niedrigere Bezahlung von Frauen ein:

[…] Frauen sind auch konfliktscheu. Und konfliktscheue, verträgliche [„agreeable“] Menschen verdienen weniger, weil sie für sich selbst nicht so gut verhandeln.

Agreeable und non-agreeable bzw. disagreeable sagen aus, inwiefern Menschen bereit sind, Widerspruch zu leisten und ich gehe davon aus, dass er diese Begriffe im englischen Original benutzt hat. Peterson erklärt in seinen Vorträgen regelmäßig, dass agreeableness eine tendenziell weibliche Eigenschaft ist und non-agreeableness tendenziell männlich. Dies wirkt sich natürlich (unter anderem) auf den Lohnanspruch aus. Ich persönlich würde allerdings nicht sagen, dass Frauen „nicht so gut verhandeln“, sondern ich würde eher meinen, dass sie eine andere Zielsetzung haben. Sie haben ganz einfach nicht den eigenen Anspruch, möglichst viel bei einer Gehaltsverhandlung heraus zu holen, weil dies ihren sozialen Status nicht erhöht. Bei der Frage, welche Chancen Peterson dem umgekehrten Ernährermodell (Karrierefrau, Hausmann) einräumt, kommt er auf die Frage des sozialen status selbst zu sprechen:

Peterson: Ich glaube nicht, dass das funktioniert, insbesondere weil Frauen den niedrigeren Status ihrer Männer nicht tolerieren können, der damit verbunden ist.

Dies ist natürlich eine Verallgemeinerung, was die ZEIT auch prompt bemängelt. Doch diese Verallgemeinerung ist als soziologisches Modell aufzufassen und nicht als Aussage über Einzelfälle. Des weiteren sollte man bei Peterson beachten, dass er in der Regel als Psychologe über unterbewusstes Handeln spricht. Wenn er also davon redet, dass Frauen von Männern Status und Geld verlangen, dann meint er nicht unbedingt, dass sie das bewusst tun.

Männlichkeitskrise und Sexualität

Peterson soll zum Incel-Terroristen von Toronto Stellung nehmen, den er angeblich in Schutz genommen haben soll. Peterson weist das zurück und erklärt stattdessen, dass er nur versucht habe, die psychischen Beweggründe des Täters nach zu vollziehen:

Nur die Zugehörigkeit zu einer schwachsinnigen Organisation ist keine Erklärung. Ich habe gesagt, dass der junge Mann böse auf Gott war, weil die Frauen ihn zurückgewiesen hatten. […]

Um das Thema „böse auf Gott“ wird es später noch ausführlicher gehen.

ZEIT: Sie haben aber auch gesagt, dass „erzwungene Monogamie“ für [Incels] eine Lösung wäre. Das ist verstörend.

Peterson: Das ist in erster Linie ein anthropologischer Fachbegriff und bezeichnet die sozialen Normen, die langfristige monogame Beziehungen fördern. Es gibt eine starke Neigung vieler Kulturen zu erzwungener Monogamie, auch Gesetze können dies begünstigen. Ein Grund dafür ist, dass polyamore Kulturen extrem gewalttätig werden. Jeder weiß das.

Petersons Ausführungen sind hier recht plump. Soweit ich weiß, ist er der Meinung, dass eine monogame gesellschaftliche Ordnung sicher stellt, dass kein Mann zu kurz kommt und daher nicht aggressiv wird. Das mag schon sein, doch was das nun mit den Incels zu tun haben soll, bleibt schleierhaft. Dass „jeder weiß“, dass „polyamore Kulturen extrem gewalttätig werden“ ist mir neu. Die Tyranneien des 19. und 20. Jahrhunderts waren jedenfalls nicht „polyamor“ und die Gewalttätigkeit in der modernen islamischen Gesellschaft, auf die Peterson hier möglicherweise anspielt, hat mit Polyamorie nichts zu tun. Sehr schwacher Teil, doch es folgt ein stärkerer:

ZEIT: Was läuft falsch bei jungen Männern? Sie reden oft über deren Probleme.

Peterson: Das, was immer falsch lief. Warum sind sie für eine vernünftige Frau nicht attraktiv? Junge Männer haben gar nichts, keine Begabung, keine Fähigkeiten, keine Erfahrung. Sie haben Jugend und Potenzial, das ist schon was, aber …

ZEIT: Das gilt genauso auch für junge Frauen, oder?

Peterson: Keineswegs. Junge Frauen sind schön und attraktiv.

ZEIT: Junge Männer nicht?

Peterson: Das ist nicht dasselbe.

ZEIT: Warum?

Peterson: Weil Männer keine Babys haben.

ZEIT: Wie meinen Sie das?

Peterson: Männer und Frauen wählen einander auf unterschiedliche Weise. Eine wichtige Eigenschaft für die Paarungsattraktivität ist die Jugend von Frauen. Sie ist für Männer in Bezug auf Frauen viel wichtiger als umgekehrt – das gilt für alle Kulturen, denn Jugend bei Frauen wird mit Fruchtbarkeit assoziiert. Nicht bei Männern, jedenfalls kaum. Männer und Frauen wählen einander nach Intelligenz, Humor, physischer Attraktivität aus – aber es gibt eben Unterschiede.

ZEIT: Und die jungen Männer?

Peterson: Sie haben sich noch nicht etabliert, also sind viele von ihnen nicht besonders attraktiv. Frauen auf Datingsites bewerten 85 Prozent der Männer unterdurchschnittlich, bei Männern ist es fifty-fifty.

Das ist übrigens der Zusammenhang, aus dem die ZEIT die Artikelüberschrift gerissen hat. Ich denke, inhaltlich ist dem nichts weiter hinzuzufügen. Peterson führt dann weiter aus, dass sich diese Situation heute durch Digitalisierung, Pornofizierung und den „Kollaps traditioneller Heiratsstrukturen“ verschärft hat, doch dieser Teil ist dann leider wieder ziemlich vage gehalten. Er will darauf hinaus, dass die Krise junger Männer durch die traditionelle Ehe überwunden werden kann und casual sex mit Vorsicht zu genießen ist.

Außergewöhnlich interessant dabei ist, dass Sexualmoral auf dem ersten Blick etwas für Konservative, für Traditionalisten wie mich zu sein scheint. Aber gerade die radikale Linke hat einen Knoten in der Unterhose wegen der sexuellen Übergriffe. Die #MeToo-Bewegung ist überall. In 20 amerikanischen Staaten haben wir Gesetze, die die ausdrückliche Zustimmung zu Sex regeln, und es gibt sexuelle Verhaltensregeln an den Universitäten, nach denen Sie jeden kleinen Schritt in einer intimen Beziehung vorher mündlich verhandeln müssen. Das gute alte sexuelle Tabu, das wir glaubten, los zu sein, manifestiert sich bei der radikalen Linken noch stärker, und das heißt doch was.

Ja sehr richtig, das heißt sehr wohl etwas. Doch was, lässt Peterson dabei leider offen, weswegen ich hier mal eine Interpretation dieses Befundes wage: Die zeitgenössische feministische Prüderie, dieser neue Viktorianismus, entspringt in einer Verdrängung der tabuisierten („sexistischen“) erotischen Wünsche und einer Projektion dieser auf die „toxische Männlichkeit“. Diese Projektion, diese Beschämung des Gegenübers, ist für die gut-bürgerliche akademische mehr oder weniger feministische junge Generation die einzige Möglichkeit der Offenbarung des eigenen hochpeinlichen natürlichen Trieblebens (neben der Pornographie versteht sich). Gerade bei Metoo und im feministischen Sexualstrafrecht offenbart sich in diesem Sinne der starke Wunsch nach sexueller patriarchaler Unterwerfung. Die Feministinnen von heute sind zumindest von dominanter Männlichkeit offensichtlich völlig fasziniert, so viel steht fest. Man erkennt es ja schon an dem verklemmten Verhältnis des Feminismus zum Islam, das Peterson ja schon süffisant kommentiert hat (siehe oben). Und damit kommen wir zum nächsten Thema: Dem „Patriarchat“, das Jordan Peterson, ja für naturgegeben halten soll, wie die ZEIT im Teaser schon vorlaut heraus prusten musste. Doch was genau heißt das?

 

Chaos und order

Peterson: […] Soziale Hierarchien repräsentieren Ordnung – und sie sind männlich. […] Die Gesellschaft ist ein Patriarchat – das bedeutet, sie ist männlich dominiert. Das genau ist mein Punkt, es ist eine natürliche Kategorie. Die andere Frage ist: Warum steht das Weibliche für Chaos? Zunächst: Irgendetwas muss Chaos sein, denn das ist der Gegenspieler von Ordnung. Da ist aber noch mehr, denn das Weibliche ist die Natur, Mutter Natur – ein Prozess, der Reproduktion organisiert. Während menschliche Weibchen sexuell selektiv sind, sind sie die Natur. Das ist nicht nur symbolisch. Natur ist, was auswählt, das ist die darwinistische Definition. Und das sind die Frauen. […]

Um das zu verstehen, ist zunächst eine Erläuterung zu Petersons Grundbegriffen von chaos und order von Nöten. Chaos ist zunächst nichts böses oder schlechtes, sondern die unberührte Natur, die jenseits von Gut und Böse ist. Diese assoziiert Peterson mit dem weiblichen Prinzip, wie er es in dem Abschnitt erklärt. Order (also Ordnung) ist das schöpferische männliche Prinzip – die menschliche (oder auch göttliche) Ordnung. Weiblich und männlich sind hier zunächst als Symbolisierungen zu verstehen. Diese Konzepte hat sich Peterson nicht selbst ausgedacht, sondern sie aus seinen Studien zu Mythen, Bibel, Brauchtum und der analytischen Psychologie Carl Jungs entnommen bzw. abgeleitet. Sie bezeichnen, um es noch einmal zu betonen, ein Phänomen des Unterbewusstseins. Auf die konkrete menschliche (Geschlechter-)Ordnung sind diese Prinzipien nur bedingt anzuwenden. Diesbezüglich sagte Peterson einmal den netten Satz: „Männer testen Ideen, Frauen testen Männer“. Peterson erteilt allerdings einer patriarchalen sozialen Ordnung eine klare Absage (leider ohne dies zu begründen). „Das Patriarchat“, das Peterson für naturgegeben hält, wie uns die ZEIT am Anfang weismachen wollte, ist also nicht das fiese Weinstein-Hitler-Unterdrücker-Patriarchat aus der lüsternen feministischen Fieberfantasie, sondern er redet über den psychologischen Vaterarchetypus aus der analytischen Psychologie von Jung, bzw. – wie ich persönlich es nenne – das Patriarchat der Seele. Und dieses Patriarchat existiert heute wie vor 10000 Jahren. Es ist nun mal naturgegeben. Unterdrückung ist es, es zu verleugnen. Wenn Peterson nun sagt „Die Gesellschaft ist ein Patriarchat“, meint er, dass der Ursprung jeder gesellschaftlichen Ordnung dem Vaterarchetypus entspringt, wodurch jede Rebellion gegen die Ordnung eine Rebellion gegen den psychologischen Vater ist, wie im folgenden vielleicht deutlicher wird:

Peterson: Betrachten wir die symbolische Repräsentation – sagen wir Ordnung-Männlichkeit. Sie teilt sich in zwei gleich mächtige archetypische Unterkategorien, eine ist positiv, die andere negativ. Die positive ist der weise König, die negative der Tyrann. Der Tyrann allein, glauben die Radikalen, sei unsere Kultur. Aber das ist nicht nur so – man kann es fälschlicherweise so sehen, weil jede Kultur auch ein Monster ist. Die menschliche Geschichte ist vom ersten Tag an von Blut und Katastrophen gezeichnet. Jede soziale Struktur bringt auch Schreckliches hervor. Aber man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Radikalen kritisieren das Patriarchat nur für seine blutige und brutale Seite.

Peterson als PC-Gegner

Machen wir weiter mit etwas weniger abstrakten Themen. Wie ich ja schon angemerkt habe, krankt die mediale Peterson-Rezeption daran, ihn in erster Linie als einen politischen Provokateur o.ä. wahrzunehmen. Wenn man sich die vorangegangenen Passagen anschaut, ist das allerdings nicht verwunderlich. Seine Thesen sind unvermeidbar politisch, eben weil sie politisch-unkorrekt sind.

Peterson: […] Es ist kompliziert, weil ich vor einigen Jahren in diese politische Debatte verwickelt wurde, worüber ich nicht sehr glücklich bin, aber …

ZEIT: Sind Sie nicht?

Peterson: Nein, überhaupt nicht! Ich finde das sehr anstrengend. Die Politiker in Kanada haben damit begonnen, Dinge zu beeinflussen, in die sie sich verdammt noch mal besser nicht eingemischt hätten.

ZEIT: Sie meinen die Sprache?

Peterson: Die Regulierung der öffentlichen Rede – das ist ein großer Fehler. Ich fand das nicht akzeptabel, aber ich bin nicht erfreut, in diesen hitzigen Streit hineingezogen worden zu sein.

Und weiter unten:

ZEIT: Macht es Ihnen nicht auch große Freude, diese ganzen Linken zu provozieren?

Peterson: Nein. Nein. Es klingt abgefahren, aber ich genieße das nicht. Ich bin eher konfliktscheu. Die Folgen davon, diese Konflikte nicht auszutragen, schrecken mich aber noch mehr. Als klinischer Psychologe weiß ich, was es bedeutet, Probleme ungelöst zu lassen.

Und im weiteren Verlauf:

Eine Reihe von wissenschaftlichen Artikeln erscheint demnächst im American Psychologist, der Flaggschiffpublikation meiner Zunft, die hervorheben, was gegen Mikroagression unternommen werden muss. […]

… was aus seiner Sicht auf das Verbot von Sarkasmus, wütenden Äußerungen und Witzen hinauslaufen wird. An anderer Stelle betont er eindringlich die Wichtigkeit der freien Rede und des freien Denkens an den Universitäten, deren Grenzen Peterson ja selber regelmäßig aufgezeigt bekommt.

 

Peterson als Person

ZEIT: In Ihrem ersten Buch schreiben Sie, den archetypischen Helden charakterisiere „die Weigerung, Bedeutung für Sicherheit zu opfern“. Sind Sie das?

Peterson: Ja, definitiv.

ZEIT: Sie sind also ein Held?

Peterson: Das ist ein Ideal.

[…] Schon vor langer Zeit habe ich einen Entschluss gefasst: Ich berechne nicht die Konsequenzen dessen, was ich sage. Ich sage, was ich denke. Das ist ein ganz anderer Seinszustand. Ein fundamentales Element des Glaubens an die Macht der Wahrheit ist, dass man nicht plant. Wie bei diesem Interview. Ich bin nicht hier hereingekommen und habe gedacht: „Das will ich erreichen.“ Sondern: „Sie werden mir Fragen stellen, und ich werde Ihnen so gut antworten, wie ich nur kann.“

Diese Grundeinstellung ist meiner Meinung nach der wesentliche Grund dafür, dass er so souverän wirkt und nicht wie ein Funktionär, der sein Programm abarbeitet. Bei seinen Vorträgen hat er meist nur einen groben roten Faden, meistens schweift er lange ab und lässt sich von seinen Gedanken treiben, ohne sie groß zu steuern. Er verlässt sich in gewisser Weise darauf, von einer höheren Weisheit als der bewussten eigenen gelenkt zu werden. Bzw. wie er es formuliert:

Das Problem mit der Planung ist, dass man bestenfalls das bekommt, was man will. Sie bekommen nie das, was besser ist als das, was Sie wollen. […]

Dies lässt Petersons Vorträge zu etwas außergewöhnlichen werden, was ihn zusammen mit seinen Ratschlägen und Ermahnungen an sein Publikum bisweilen wie einen Prediger wirken lässt.

ZEIT: Und doch wirkt es, wenn man die Verehrung der Menschen sieht, als seien Sie auf dem Weg, eine Art Glaubensführer zu werden.

Peterson: Religiöse Annahmen liegen dem Weltbild aller Menschen zugrunde.

Der Begriff „religiös“, den Peterson hier verwendet ist unpräzise. Gemeint ist das archetypische Unterbewusstsein. Leider antwortet er nicht direkt auf die Frage, die darauf anspielt, dass er vielen Menschen Hoffnung, (männliches) Selbstbewusstsein und vor allem Orientierung gibt. Petersons Hauptfeind ist nämlich nicht die PC oder der Marxismus oder dergleichen, sondern eigentlich der Nihilismus, den er als Rebellion gegen Gott auffasst. Einer seiner wichtigsten Referenzen ist Friedrich Nietzsche, der bekanntlich formuliert hat, dass der moderne Mensch „Gott getötet“ hat und der sich nun den Kopf darüber zerbrach, wie diese Verbindung wieder hergestellt werden kann. Carl Jung hat Nietzsches Werk weitergeführt, indem er Gott in der menschlichen Psyche wiederfand, wenn man so will. Peterson wiederum ist, wie schon mehrfach dargestellt, in erster Linie Jungianer. Ein religiöser Führer ist er damit nicht, weil Peterson kein religiöses Dogma und keine konkrete Gottesvorstellung vermittelt und auf dem Boden der Naturwissenschaft bleibt. Auch wenn er getauft ist, ist sein Weltbild konfessionslos, aber keineswegs atheistisch und auch nicht wirklich agnostisch. Petersons Verständnis von Gott psychologisch und greift auch hin und wieder in die Mystik hinein. Seine Vorträge können daher wie Predigten wirken und sind durchaus auch dazu gedacht den Glauben an Gott, bzw. wie Peterson es häufig nennt „das Göttliche“ zu stärken bzw. zu entdecken.

[…] Ich spreche zu den Menschen über die Schwierigkeiten ihres Lebens und darüber, dass diese unvermeidbar sind. Die Vorträge sind sehr dunkel. Aber je mehr sich die Menschen den dunklen Dingen stellen, desto besser können sie sich vorstellen, sie zu überwinden. Es gibt keinen radikalen Optimismus ohne vorherigen radikalen Pessimismus. Die gesamte psychologische Literatur über die erfolgreiche Behandlung psychischer Störungen basiert auf dieser Idee.

Mit viel Leidenschaft und Energie redet Peterson in seinen Vorträgen über die Massenmorde des 20. Jahrhunderts, Psychopathen und die Hölle auf Erden, die man erfährt, wenn man sein Leben nicht in den Griff bekommt. „Catastrophy“, „pathologic“, „bitter and resentful“, „literally hell“ und weitere sind Worte die jeder auswendig mitsprechen kann, der sich ein paar der Vorträge angeschaut hat. Die hellen und schönen Seiten der Welt bzw. der Psyche, die Liebe, das Paradies, die Ausschweifung kommen dagegen eher kurz.

ZEIT: Haben Sie jemals nachts wachgelegen und sich gefragt, ob Sie die Büchse der Pandora geöffnet haben?

Peterson: Jede einzelne Nacht. Und das meine ich todernst.

Peterson ist ein eher düsterer Typ, der in tiefe menschliche Abgründe geschaut hat, aber eben daraus seine Weisheit bezieht. Er gibt gelegentlich ein Carl-Jung-Zitat zum besten, dass auch in diesen Zusammenhang passt: „Die meisten Menschen finden Gott nicht, weil sie nicht tief genug suchen.“

 

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Die westliche Familienform als historische Voraussetzung des Feminismus

In diesem Blogpost präsentiere ich ein weit ausholendes historisches Argument zum Thema »Historische Voraussetzungen des Feminismus«. Es ist darum ausholend und auch etwas umständlich, weil es ein Fragment einer »deep history« der okzidentalen, also abendländischen, Gesellschaften seit der Antike ist. Es verlängert die kritische Frage, inwieweit die moderne Frauenbewegung eigentlich über ihre eigenen historischen Voraussetzungen Bescheid weiß, über den Angelpunkt der Aufklärung hinaus in die Vergangenheit des europäischen Mittelalters und dessen antike Voraussetzungen. Meine anhand der genannten historischen Literatur gewonnene Kernthese lautet, dass es nicht nur der Eintritt in moderne gesellschaftliche Verhältnisse mit den technologischen und medizinischen Befreiungseffekten war, der die Entstehung einer eigenständigen Frauenemanzipationsbewegung ermöglicht hat, sondern zudem die bis auf antike Voraussetzungen zurückgehende »westliche Familienform« – also genau jene Form der Familie, die in der feministischen Überlieferung als perfides patriarchales Herrschaftsinstrument denunziert wird. Tatsächlich hat diese Familienform jedoch welthistorisch präzedenzlose Befreiungseffekte gehabt, ohne die die moderne individualistische bürgerliche Gesellschaft einschließlich ihrer vergleichsweise liberalen Geschlechterbeziehungen nicht möglich gewesen wäre.

Weiterlesen „Die westliche Familienform als historische Voraussetzung des Feminismus“

Letztens an der Tür: Feministen

Es folgt ein Gastartikel von Ariellus.

Kennen Sie das? Die Türe klingelt, und schon machen Sie sich auf den Weg. Also, nun, es war kein Besuch angekündigt, und es ist zu spät für die Post – das kann nur bedeuten, dass die Zeugen Jehovas mal wieder vor der Tür stehen. Gott, denken Sie sich, sie sind ja ein geduldiger Mensch, aber mir kann niemand vor die Türe kommen, und mir einfach einen Glauben aufschwatzen. Nein, nein! Sie öffnen trotzdem die Tür, weil Sie schlichtweg zu freundlich sind – und die Zeugen Sie bereits gesehen haben. Wär ja blöd, jetzt wieder weg zu gehen. Na gut. Nachdem Sie die Tür geöffnet haben, sagen zwei freundliche, aber nicht besonders attraktive Frauen:

„Wir möchten mit ihnen über das Patriarchat reden“

Etwas erstaunt sind Sie ja – das Patriarchat? Was ist das jetzt neues? Auf die Frage, ob man Sie hereinbitten würde, antworten Sie mit ja, natürlich.

Die Gläubigen breiten vor ihnen einiges an Papier aus, und ein paar kleine Bücher. „Das Patriarchat ist allumfassend. Das Patriarchat ist allmächtig. Es erfasst unser aller Leben, ohne dass wir es merken oder wollen. Wir können uns auch nicht dagegen wehren“. Die Rednerin nimmt einen tiefen Atemzug. Die andere tätschelt ihr auf die Schulter, und sagt, leise, „trigger dich nicht“. „Ist schon gut“ kommt eine leise Antwort, zwischen schnellen Atemzügen.

Die Rednerin holt tief Luft; neues Feuer glüht in ihren Augen auf, als sie sagt „Das einzige, was das Patriarchat aufhalten kann, ist Feminismus.“ Sie tippt auf ein Buch vor ihr. „Wenn sich Frauen und Männer zusammenschließen und an die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau glauben“, die Frau holt erneut tief Luft und ruft „dann können Mann und Frau gleichberechtigt sein!“

Auf das Widerhallen der siegreichen Worte im Raum folgt verwirrtes Schweigen. Sie denken sich, nun gut, Gleichberechtigung ist nichts schlechtes. Aber, Sie denken sich auch, dass Frauen hierzu erst einmal benachteiligt sein müssten. Sie stellen die Frage, inwiefern Frauen benachteiligt sein müssen.

„Frauen werden durch die Gesellschaft zu Bürgern zweiter Klasse erzogen, und das ist nicht fair! Frauen können genau so viel wie Männer, und das beweisen die Feministinnen jeden Tag!“

Ihnen gefällt der Gedanke, Männer und Frauen gleich zu behandeln, und deswegen fragen Sie begeistert: „Hm, was halten Sie davon Frauen gegen Männer im Sport gleichzusetzen? Beispielsweise könnten doch weibliche Weltmeister im Boxen gegen männliche Weltmeister im Boxen kämpfen.“

Verwirrtes Schweigen folgt der Frage, während die Redeführerin in ihren Zetteln sucht „Wir brauchen mehr Frauen in den harten Wissenschaften, und müssen mehr Frauen dazu bringen, klassische Männerberufe zu erlernen! Denn Frauen sind genau wie Männer, nur die Sozialisierung unterscheidet uns!“

Auch dieser Gedanke gefällt ihnen gut, und Sie fragen nach, wozu Frauen in Männerberufe gebracht werden sollen. „Um Gleichberechtigung zu erreichen!“, schallt es Ihnen entgegen. Sie sind beeindruckt aufgrund des heiligen Eifers, der Ihnen entgegenweht. Sie sagen „Und, welchen Männerberuf haben Sie erobert?“

„Ich bin Master in Genderwissenschaften.“

„Aha.“

Sie betrachten die beiden Feministinnen. Sie scheinen etwas nervös in den Schriften zu blättern, bis eine laut aufschreit: „Der Mann unterdrückt die Frau systemisch! Ein Mann genießt Privilegien, die eine Frau nicht hat, ohne dass er sich diesen bewusst wäre!“

Naja, Sie, als Mann, wollen ja niemanden unterdrücken und sagen den Feministinnen „Nun gut! Welches Recht habe ich denn als Mann, das eine Frau nicht hat?“

Die Stille im Raum hat fast hörbar den Geduldsfaden der Rednerin zerrissen. Die Frauen werden zunehmend ungehalten. „Sei eine starke Feministin, denn du weißt, in der Höhle des Mannes wird das Lamm ängstlich und schwach“, hört man es leise murmeln.

Die Redeführerin, sichtlich angeschlagen, blättert konzentriert in ihren Büchern und Schriften „in der heiligen Schrift muss doch irgendwo ein Argument sein, das ihn überzeugt“, hörte man sie murmeln. Sie überfliegt folgende Zeilen:

„Jener, der ungläubig ist an den Feminismus, den soll Schämung und Schande einherfahren, denn er ist ein Misogynist, und der schlimmste Sünder unter der Sonne. Schimpf und Schande soll ihm durch den Feminismus widerfahren, denn dieser glaubt nicht an die Erlösung durch den Feminismus. Der Ungläubige ist deswegen ein Sünder, da er dem Patriarchat dient, den Männern untertan ist. Dies ist die Anbetung falscher Götzen, und der Feminismus untersagt dies!“

Sie blickt von ihrer Schrift auf, blickt wieder herab um festzustellen, dass der Text selbst misogyn ist, da er die Nomen nach Rechtschreibung gendert.

Sie ist jedoch jetzt wütend genug. „Sie sind bloß ein Frauenhasser, ein ekelhaftes Sexistenschwein, das nicht versteht, dass der Feminismus auch Ihnen gutes bringen will! Wenn sie Scheißsau nur an Gleichberechtigung glauben würden, wären wir alle glücklich!“ Sie wendet sich zur anderen starken und emanzipierten Feministin, und sagt „Lass uns gehen“.

Sie kramen ihr Papier zusammen, und verlassen ohne ein Wort die Wohnung. Etwas verwirrt und durcheinander schauen Sie sich um – Ihnen war nicht bewusst, dass diese einfachen Fragen die Feministen so aufwühlen würden. Ein Zettel fällt Ihnen ins Auge, er scheint ein Flugblatt zu sein, und Sie beginnen Ihn zu lesen:

„Ich, als Ungläubige_r, gelobe hiermit feierlich dem Feminismus zu dienen und in jedem wachen Moment die hier abzulegenden Eide beim Herzen zu befolgen:

1) Feminismus im Himmelreich

Der Feminismus ist meine Erlösung. Er erlöst mich vom Übel der Welt, dem Patriarchat, und gibt mir die Macht, in jeder Situation als Sieger_in gleichberechtigt herauszugehen. Ich verliere mein Ich, und steige auf zum Feminist. Denn der Feminismus leitet mich an, zu einer Welt beizutragen, in der alle gleich und gleichberechtigt sind.

Wisse, Feministin: all deine Probleme sind die Probleme alle Frauen und umgekehrt. Alles was Feminismus nicht gutheißt, ist somit gegen alle Frauen gerichtet, und misogyn. Alles, was misogyn ist, entspricht und entspringt dem Patriarchat. Dies ist Sünde.

2) Der Teufel – das Patriarchat

Als Feministin stehe ich in der Welt dem Patriarchat gegenüber. Dies ist in der Schrift bekannt als das Übel, und der Teufel, und das Patriarchat hat Schlechtes über die Welt gebracht, denn es hat geurteilt zwischen Mann und Frau, zwischen schön und hässlich. Es ist misogyn, denn es verachtet den Wunsch der absoluten Gleichberechtigung des Feminismus, und der Aufhebung aller sozialen, ökonomischen und sexuellen Grenzen.

3) Die unreine, unfeministische Welt

Als Feministin ich von Ungläubigen und Heiden umgeben. Die lediglich ungläubigen Frau_innen und Männer_innen und Andergeschlechtliche_innen erkennen nicht den Teufel im Patriarchat an. Doch auch sie tun das Sündhafte, denn durch Unglauben dienen sie ihm unwillentlich. Feminismus akzeptiert neue Gläubige der Gleichberechtigung jederzeit. Jedoch weiterhin Ungläubige sollen als Aussätzige behandelt werden. Sie sollten ausgeschlossen werden vom Gemeinwohl, und dem Unrat der Straßen beigefügt werden, denn sie sind misogyn, und Feminismus duldet keine Misogynie.

Doch wehe, Feministin! Es gibt solche, die dem Teufel dienen. Männerrechtler und Maskulinisten dienen dem Patriarchat. Sie sind nicht nur Ungläubige, sondern die Heiden. Sie fröhnen dem Laster, und sind voller Sünde. Feminismus ist erzürnt über diese Un-Menschen, und leitet jede Feministin an, Schimpf und Schande über diese regnen zu lassen. Denn die die dem Teufel dienen, haben ihre Menschlichkeit bereits abgelegt. Es ist somit nur gerecht, diese als solche zu behandeln. Feminismus wünscht dies. Wisse: Es ist einen Akt der Nächstenliebe, die Karriere der Un-Menschen zu zerstören, denn dann werden sie die Wahrheit erkennen, in Wohl und Himmelreich des Feminismus.

Denn die dies ist absolut: das Himmelreich der Gleichberechtigung wird kommen. Und der Feminismus wird über die Sünder urteilen und richten. Und jene, die gesündigt haben im Auge des Feminismus, werden ausgeschlossen und in Schimpf und Schande hinfort gejagt, denn sie sind geringer als Tiere. So steht es geschrieben, und so folgt die gute Feministin, Amen.

4) Fürchte dich vor dem Mann.

Ich erkenne an, dass insbesondere der Mann eine Saat des Teufels ist, und als dieser den Kern des Patriarchats in sich trägt. Ich habe ihn daher zu fürchten, und all seine Akte als misogyn einzuschätzen, sofern er nicht als wiedergeborener und reiner Feminist angesehen ist. Ich kontrolliere ihn und halte ihn klein; denn er ist das Spiegelbild des Feindes – das Patriarchat. Als dieser setzt er die Vergewaltigungskultur durch, in der jede Frau jederzeit vergewaltigt werden kann.

Sexuelle Intentionen des Mannes sind oder sind nicht Vergewaltigungsintentionen, abhängig vom Grad der Gleichberechtigung den er in sich zu erkennen gibt.

5) Vergewaltigungskultur

Ich erkenne an, dass das Patriarchat Werkzeuge nutzt, um Frauen klein zu halten. Alle Werkzeuge des Patriarchats sind Vergewaltigung. Sei es Gewalt gegen Frauen, sexuelle Belästigung oder ähnliches.

Vergewaltigung durchzieht die Lüfte die wir atmen, und den Boden auf den wir stehen. Vergewaltigung ist allgegenwärtig und kann sich jederzeit in allem, was insbesondere der Mann tut, manifestieren. Vergewaltigung ist Sünde und soll als diese betrachtet werden. Das Thema anders zu betrachten, sei es humoristisch, ist Häresie und wird von Feminismus bestraft.

In grundsätzlich allem, was die Frau in einem Patriarchat tut, kann dadurch festgestellt werden, dass Vergewaltigung zu einem größeren oder kleineren Grad existiert, denn ohne wahre Gleichberechtigung ist jede Handlung in einem Patriarchat erzwungen, also eine Vergewaltigung der Frau. Feminismus duldet dies nicht.

6) Die heilige Schrift

So erkenne ich feierlich an, dass alles, was ich in diesem Schwur geleistet habe, die Wahrheit und die reine Wahrheit ist. So wahr ich mich dazu bekenne, eine Hure zu sein auf einem Slutwalk, oder zu behaupten, alle sexuelle Interaktion sei buchstäbliche Vergewaltigung, so wahr ist die Schrift, denn mein Feminismus ist nur durch sie definiert.

Alles was der Schrift zuwider läuft, in Wort oder Klang, ist Häresie. Feminismus duldet keine Gotteslästerung, und wird Schimpf und Schande über seine Feinde hernieder regnen lassen, wenn diese es wagen, zu widersprechen, sei es mit Fragen, sogenannten Fakten oder Studien, die anders verlautbaren als die in der Schrift offenbarte Wahrheit.

So gebe ich mein Wohl hin, auf dass das Himmelreich des Feminismus komme, in der alle Gleichberechtigung auf die Frauen hernieder fahre, und dass alles nicht gleichberechtigte unter dem Höllenfeuer der sozialen Ausgrenzung leide, damit alle Menschen die Herrlichkeit des Feminismus erkennen.

Durch mich allein lebt Feminismus, meine Herrin und Göttin, die in der Einigkeit des Heiligen Geistes der Gleichberechtigung mit mir lebt und herrscht in alle Ewigkeit,

Amen„

Etwas verwirrt legen Sie den Flyer beiseite, und setzen sich einen Moment hin.

Vielleicht haben die Zeugen Jehovas Recht. Es gibt doch einen Teufel.