Die westliche Familienform als historische Voraussetzung des Feminismus

In diesem Blogpost präsentiere ich ein weit ausholendes historisches Argument zum Thema »Historische Voraussetzungen des Feminismus«. Es ist darum ausholend und auch etwas umständlich, weil es ein Fragment einer »deep history« der okzidentalen, also abendländischen, Gesellschaften seit der Antike ist. Es verlängert die kritische Frage, inwieweit die moderne Frauenbewegung eigentlich über ihre eigenen historischen Voraussetzungen Bescheid weiß, über den Angelpunkt der Aufklärung hinaus in die Vergangenheit des europäischen Mittelalters und dessen antike Voraussetzungen. Meine anhand der genannten historischen Literatur gewonnene Kernthese lautet, dass es nicht nur der Eintritt in moderne gesellschaftliche Verhältnisse mit den technologischen und medizinischen Befreiungseffekten war, der die Entstehung einer eigenständigen Frauenemanzipationsbewegung ermöglicht hat, sondern zudem die bis auf antike Voraussetzungen zurückgehende »westliche Familienform« – also genau jene Form der Familie, die in der feministischen Überlieferung als perfides patriarchales Herrschaftsinstrument denunziert wird. Tatsächlich hat diese Familienform jedoch welthistorisch präzedenzlose Befreiungseffekte gehabt, ohne die die moderne individualistische bürgerliche Gesellschaft einschließlich ihrer vergleichsweise liberalen Geschlechterbeziehungen nicht möglich gewesen wäre.

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Letztens an der Tür: Feministen

Es folgt ein Gastartikel von Ariellus.

Kennen Sie das? Die Türe klingelt, und schon machen Sie sich auf den Weg. Also, nun, es war kein Besuch angekündigt, und es ist zu spät für die Post – das kann nur bedeuten, dass die Zeugen Jehovas mal wieder vor der Tür stehen. Gott, denken Sie sich, sie sind ja ein geduldiger Mensch, aber mir kann niemand vor die Türe kommen, und mir einfach einen Glauben aufschwatzen. Nein, nein! Sie öffnen trotzdem die Tür, weil Sie schlichtweg zu freundlich sind – und die Zeugen Sie bereits gesehen haben. Wär ja blöd, jetzt wieder weg zu gehen. Na gut. Nachdem Sie die Tür geöffnet haben, sagen zwei freundliche, aber nicht besonders attraktive Frauen:

„Wir möchten mit ihnen über das Patriarchat reden“

Etwas erstaunt sind Sie ja – das Patriarchat? Was ist das jetzt neues? Auf die Frage, ob man Sie hereinbitten würde, antworten Sie mit ja, natürlich.

Die Gläubigen breiten vor ihnen einiges an Papier aus, und ein paar kleine Bücher. „Das Patriarchat ist allumfassend. Das Patriarchat ist allmächtig. Es erfasst unser aller Leben, ohne dass wir es merken oder wollen. Wir können uns auch nicht dagegen wehren“. Die Rednerin nimmt einen tiefen Atemzug. Die andere tätschelt ihr auf die Schulter, und sagt, leise, „trigger dich nicht“. „Ist schon gut“ kommt eine leise Antwort, zwischen schnellen Atemzügen.

Die Rednerin holt tief Luft; neues Feuer glüht in ihren Augen auf, als sie sagt „Das einzige, was das Patriarchat aufhalten kann, ist Feminismus.“ Sie tippt auf ein Buch vor ihr. „Wenn sich Frauen und Männer zusammenschließen und an die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau glauben“, die Frau holt erneut tief Luft und ruft „dann können Mann und Frau gleichberechtigt sein!“

Auf das Widerhallen der siegreichen Worte im Raum folgt verwirrtes Schweigen. Sie denken sich, nun gut, Gleichberechtigung ist nichts schlechtes. Aber, Sie denken sich auch, dass Frauen hierzu erst einmal benachteiligt sein müssten. Sie stellen die Frage, inwiefern Frauen benachteiligt sein müssen.

„Frauen werden durch die Gesellschaft zu Bürgern zweiter Klasse erzogen, und das ist nicht fair! Frauen können genau so viel wie Männer, und das beweisen die Feministinnen jeden Tag!“

Ihnen gefällt der Gedanke, Männer und Frauen gleich zu behandeln, und deswegen fragen Sie begeistert: „Hm, was halten Sie davon Frauen gegen Männer im Sport gleichzusetzen? Beispielsweise könnten doch weibliche Weltmeister im Boxen gegen männliche Weltmeister im Boxen kämpfen.“

Verwirrtes Schweigen folgt der Frage, während die Redeführerin in ihren Zetteln sucht „Wir brauchen mehr Frauen in den harten Wissenschaften, und müssen mehr Frauen dazu bringen, klassische Männerberufe zu erlernen! Denn Frauen sind genau wie Männer, nur die Sozialisierung unterscheidet uns!“

Auch dieser Gedanke gefällt ihnen gut, und Sie fragen nach, wozu Frauen in Männerberufe gebracht werden sollen. „Um Gleichberechtigung zu erreichen!“, schallt es Ihnen entgegen. Sie sind beeindruckt aufgrund des heiligen Eifers, der Ihnen entgegenweht. Sie sagen „Und, welchen Männerberuf haben Sie erobert?“

„Ich bin Master in Genderwissenschaften.“

„Aha.“

Sie betrachten die beiden Feministinnen. Sie scheinen etwas nervös in den Schriften zu blättern, bis eine laut aufschreit: „Der Mann unterdrückt die Frau systemisch! Ein Mann genießt Privilegien, die eine Frau nicht hat, ohne dass er sich diesen bewusst wäre!“

Naja, Sie, als Mann, wollen ja niemanden unterdrücken und sagen den Feministinnen „Nun gut! Welches Recht habe ich denn als Mann, das eine Frau nicht hat?“

Die Stille im Raum hat fast hörbar den Geduldsfaden der Rednerin zerrissen. Die Frauen werden zunehmend ungehalten. „Sei eine starke Feministin, denn du weißt, in der Höhle des Mannes wird das Lamm ängstlich und schwach“, hört man es leise murmeln.

Die Redeführerin, sichtlich angeschlagen, blättert konzentriert in ihren Büchern und Schriften „in der heiligen Schrift muss doch irgendwo ein Argument sein, das ihn überzeugt“, hörte man sie murmeln. Sie überfliegt folgende Zeilen:

„Jener, der ungläubig ist an den Feminismus, den soll Schämung und Schande einherfahren, denn er ist ein Misogynist, und der schlimmste Sünder unter der Sonne. Schimpf und Schande soll ihm durch den Feminismus widerfahren, denn dieser glaubt nicht an die Erlösung durch den Feminismus. Der Ungläubige ist deswegen ein Sünder, da er dem Patriarchat dient, den Männern untertan ist. Dies ist die Anbetung falscher Götzen, und der Feminismus untersagt dies!“

Sie blickt von ihrer Schrift auf, blickt wieder herab um festzustellen, dass der Text selbst misogyn ist, da er die Nomen nach Rechtschreibung gendert.

Sie ist jedoch jetzt wütend genug. „Sie sind bloß ein Frauenhasser, ein ekelhaftes Sexistenschwein, das nicht versteht, dass der Feminismus auch Ihnen gutes bringen will! Wenn sie Scheißsau nur an Gleichberechtigung glauben würden, wären wir alle glücklich!“ Sie wendet sich zur anderen starken und emanzipierten Feministin, und sagt „Lass uns gehen“.

Sie kramen ihr Papier zusammen, und verlassen ohne ein Wort die Wohnung. Etwas verwirrt und durcheinander schauen Sie sich um – Ihnen war nicht bewusst, dass diese einfachen Fragen die Feministen so aufwühlen würden. Ein Zettel fällt Ihnen ins Auge, er scheint ein Flugblatt zu sein, und Sie beginnen Ihn zu lesen:

„Ich, als Ungläubige_r, gelobe hiermit feierlich dem Feminismus zu dienen und in jedem wachen Moment die hier abzulegenden Eide beim Herzen zu befolgen:

1) Feminismus im Himmelreich

Der Feminismus ist meine Erlösung. Er erlöst mich vom Übel der Welt, dem Patriarchat, und gibt mir die Macht, in jeder Situation als Sieger_in gleichberechtigt herauszugehen. Ich verliere mein Ich, und steige auf zum Feminist. Denn der Feminismus leitet mich an, zu einer Welt beizutragen, in der alle gleich und gleichberechtigt sind.

Wisse, Feministin: all deine Probleme sind die Probleme alle Frauen und umgekehrt. Alles was Feminismus nicht gutheißt, ist somit gegen alle Frauen gerichtet, und misogyn. Alles, was misogyn ist, entspricht und entspringt dem Patriarchat. Dies ist Sünde.

2) Der Teufel – das Patriarchat

Als Feministin stehe ich in der Welt dem Patriarchat gegenüber. Dies ist in der Schrift bekannt als das Übel, und der Teufel, und das Patriarchat hat Schlechtes über die Welt gebracht, denn es hat geurteilt zwischen Mann und Frau, zwischen schön und hässlich. Es ist misogyn, denn es verachtet den Wunsch der absoluten Gleichberechtigung des Feminismus, und der Aufhebung aller sozialen, ökonomischen und sexuellen Grenzen.

3) Die unreine, unfeministische Welt

Als Feministin ich von Ungläubigen und Heiden umgeben. Die lediglich ungläubigen Frau_innen und Männer_innen und Andergeschlechtliche_innen erkennen nicht den Teufel im Patriarchat an. Doch auch sie tun das Sündhafte, denn durch Unglauben dienen sie ihm unwillentlich. Feminismus akzeptiert neue Gläubige der Gleichberechtigung jederzeit. Jedoch weiterhin Ungläubige sollen als Aussätzige behandelt werden. Sie sollten ausgeschlossen werden vom Gemeinwohl, und dem Unrat der Straßen beigefügt werden, denn sie sind misogyn, und Feminismus duldet keine Misogynie.

Doch wehe, Feministin! Es gibt solche, die dem Teufel dienen. Männerrechtler und Maskulinisten dienen dem Patriarchat. Sie sind nicht nur Ungläubige, sondern die Heiden. Sie fröhnen dem Laster, und sind voller Sünde. Feminismus ist erzürnt über diese Un-Menschen, und leitet jede Feministin an, Schimpf und Schande über diese regnen zu lassen. Denn die die dem Teufel dienen, haben ihre Menschlichkeit bereits abgelegt. Es ist somit nur gerecht, diese als solche zu behandeln. Feminismus wünscht dies. Wisse: Es ist einen Akt der Nächstenliebe, die Karriere der Un-Menschen zu zerstören, denn dann werden sie die Wahrheit erkennen, in Wohl und Himmelreich des Feminismus.

Denn die dies ist absolut: das Himmelreich der Gleichberechtigung wird kommen. Und der Feminismus wird über die Sünder urteilen und richten. Und jene, die gesündigt haben im Auge des Feminismus, werden ausgeschlossen und in Schimpf und Schande hinfort gejagt, denn sie sind geringer als Tiere. So steht es geschrieben, und so folgt die gute Feministin, Amen.

4) Fürchte dich vor dem Mann.

Ich erkenne an, dass insbesondere der Mann eine Saat des Teufels ist, und als dieser den Kern des Patriarchats in sich trägt. Ich habe ihn daher zu fürchten, und all seine Akte als misogyn einzuschätzen, sofern er nicht als wiedergeborener und reiner Feminist angesehen ist. Ich kontrolliere ihn und halte ihn klein; denn er ist das Spiegelbild des Feindes – das Patriarchat. Als dieser setzt er die Vergewaltigungskultur durch, in der jede Frau jederzeit vergewaltigt werden kann.

Sexuelle Intentionen des Mannes sind oder sind nicht Vergewaltigungsintentionen, abhängig vom Grad der Gleichberechtigung den er in sich zu erkennen gibt.

5) Vergewaltigungskultur

Ich erkenne an, dass das Patriarchat Werkzeuge nutzt, um Frauen klein zu halten. Alle Werkzeuge des Patriarchats sind Vergewaltigung. Sei es Gewalt gegen Frauen, sexuelle Belästigung oder ähnliches.

Vergewaltigung durchzieht die Lüfte die wir atmen, und den Boden auf den wir stehen. Vergewaltigung ist allgegenwärtig und kann sich jederzeit in allem, was insbesondere der Mann tut, manifestieren. Vergewaltigung ist Sünde und soll als diese betrachtet werden. Das Thema anders zu betrachten, sei es humoristisch, ist Häresie und wird von Feminismus bestraft.

In grundsätzlich allem, was die Frau in einem Patriarchat tut, kann dadurch festgestellt werden, dass Vergewaltigung zu einem größeren oder kleineren Grad existiert, denn ohne wahre Gleichberechtigung ist jede Handlung in einem Patriarchat erzwungen, also eine Vergewaltigung der Frau. Feminismus duldet dies nicht.

6) Die heilige Schrift

So erkenne ich feierlich an, dass alles, was ich in diesem Schwur geleistet habe, die Wahrheit und die reine Wahrheit ist. So wahr ich mich dazu bekenne, eine Hure zu sein auf einem Slutwalk, oder zu behaupten, alle sexuelle Interaktion sei buchstäbliche Vergewaltigung, so wahr ist die Schrift, denn mein Feminismus ist nur durch sie definiert.

Alles was der Schrift zuwider läuft, in Wort oder Klang, ist Häresie. Feminismus duldet keine Gotteslästerung, und wird Schimpf und Schande über seine Feinde hernieder regnen lassen, wenn diese es wagen, zu widersprechen, sei es mit Fragen, sogenannten Fakten oder Studien, die anders verlautbaren als die in der Schrift offenbarte Wahrheit.

So gebe ich mein Wohl hin, auf dass das Himmelreich des Feminismus komme, in der alle Gleichberechtigung auf die Frauen hernieder fahre, und dass alles nicht gleichberechtigte unter dem Höllenfeuer der sozialen Ausgrenzung leide, damit alle Menschen die Herrlichkeit des Feminismus erkennen.

Durch mich allein lebt Feminismus, meine Herrin und Göttin, die in der Einigkeit des Heiligen Geistes der Gleichberechtigung mit mir lebt und herrscht in alle Ewigkeit,

Amen„

Etwas verwirrt legen Sie den Flyer beiseite, und setzen sich einen Moment hin.

Vielleicht haben die Zeugen Jehovas Recht. Es gibt doch einen Teufel.