Fundstück: Radikalfeministinnen gegen intersektionale Feministinnen

Es ist Zeit, die strategischen Popcorn-Reserven anzubrechen: Unter dem Titel „Berliner Szene: Die Hetzfeministinnen“ schießt die Emma gegen die Netzfeministinnen (die poststrukturelle, intersektionale Genderfeministinnen sind). Da kann es eigentlich nur Gewinner geben.

Es kommt auch zu allerlei unfreiwillig amüsanten Formulierungen, dem Vorwurf etwa, die Netzfeministinnen etwa würden Menschen mit der falschen Meinung einfach den Mund verbieten und sie diskreditieren. Wie Fefe bereits sehr treffend kommentierte:

Das ist bei Emma natürlich völlig ausgeschlossen, dass Kritiker mit plumpen Parolen mundtot gemacht werden sollen!1!!

Alles Evolution brachte eine Twitter-Ernte als Artikel. Eine unvollständige Auswahl an Höhepunkten:

  1. Ist die Emma jetzt dem Patriarchat zuzurechnen?
  2. Hat der Artikel bei der Emma absichtlich keine namentlich genannte Autorin, damit die Netzfeministinnen nicht wie üblich die berufliche Existenz eines Kritikers durch eine konzertierte Aktion vernichten können?
  3. Müsste nach der Logik „einem Opfer muss immer geglaubt werden“, die vom poststrukturellen, intersektionellen Genderfeminismus eingefordert wird, der Emma nicht pauschal recht gegeben werden, wenn sie sich über Ausgrenzung beklagt?

In der Zwischenzeit hat Christian Schmidt den Zwist dankenswerterweise in einem richtigen Artikel aufgearbeitet: „Emma-Feminismus“ vs „Netzfeminismus“: EMMA bezeichnet Anne Wizorek, Jasna Strick, Teresa Bücker etc als Hetzfeministen. Hier wird auch auf die Unterschiede in den Ideen eingegangen, der hinter den beiden Feminismusvarianten steckt. Solche Erklärungen halte ich – abseits von allem Amüsement – für sehr wichtig.

Es hat einen großen Nutzen, einmal einige Punkte zu nennen, in denen Alice Schwarze und Co einerseits und Anne Wizorek und Co andererseits gegensätzliche Ansichten vertreten. Zum einen ist das Prostitution (dagegen / dafür), zum anderen Islam (grundsätzlich böse / grundsätzlich gut). Da ist es nämlich kein Wunder, dass es soviel „Antifeminismus“ gibt: Man wird immer einem bestimmten feministischen Weltbild widersprechen, egal was man vertritt. Auch eine abwägende Haltung zu Prostitution oder Islam ist damit immer antifeministisch.

Was sich in diesem Konflikt abzeichnet, ist eine Wachablösung wie in der englischsprachigen Welt, hier allerdings verschärft, weil es in Deutschland jahrzehntelang eigentlich nur eine einzige Feministin gab, die Autorität und Geltung hatte: Alice Schwarzer. Die jungen Feministinnen müssen deswegen eine Emanzipation gegen Schwarzer durchführen, weil diese so lange alles weggebissen hat, was sich als Alternative zu ihr hätte bilden können. Weil Erneuerung so lange abgeblockt wurde, muss sie nun mit einem Knall kommen. Die im Emma-Artikel aufgeführten früheren Szenen („Girlies“ aus den 1990ern, Alphamädchen aus den 2000ern) dienen da als warnende Beispiele!

Zu den zitierten Debatten aus den 1970ern mit den diversen „Widersprüchen“ empfehle ich die Erklärung von Leszek in einem Kommentar, der darstellt, wie aus dem Haupt/Nebenwiderspruch die Intersektionalitätstheorie ursprünglich als fortschrittliche These entgegengestellt wurde.

Am Ende geht es bei dem Konflikt natürlich ums liebe Geld. Hier konkurrieren Alice Schwarzer (Geld ins Ausland geschafft) und Anne Wizorek (Posten von der Regierung bekommen).

Egal, wie es ausgeht: Es ist sehr angenehm, zu erleben, wie sich zwei männerfeindliche Feminismusvarianten gegenseitig anfeinden!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Das Lied wurde im Zusammenhang mit dem Zoff schon leicht abgewandelt von den Weltraumaffen auf Twitter zitiert.

Freundeskreis: A-N-N-A

Werbeanzeigen

Fundstücke: Patriarchatssitzung, radikalfeministische Weltsicht und der leider doch misslungene Comic

Via Kommentar von gerks bei Erzählmirnix bin ich auf folgenden Comic gestoßen:

//platform.twitter.com/widgets.js
(Quelle)

Da musste ich doch gleich an die Patriarchatssitzung denken, auf der ich folgenden kritische Frage stellte:

Wenn wir jede einzelne Frau (bzw. jeden einzelnen Menschen, der nicht weiß/heterosexuell/männlich ist) unterdrücken können und das bis in den Alltag von jedem durchdrücken können, wenn wir durch Rollenbilder in Werbung und Popkultur und abwertende Sprüche jede Frau auf Linie bringen können: Ja, warum gewöhnen wir als erstes einigen Frauen nicht das ständige Meckern ab? Das mögen wir Männer doch gar nicht. Wieso lassen wir das also zu?

Wie’s so ist, man schaut sich mal um nach weiteren interessanten Beiträgen und so fand ich dann eine Analyse des radikalfeministischen Blicks auf diese Welt:

//platform.twitter.com/widgets.js
Quelle)

Ein dritter Comic, diesmal ursprünglich von Lauren Southern, zeigt allerdings sehr deutlich die Probleme von überzogener Satire:

//platform.twitter.com/widgets.js
(Quelle)
Hier ist der Rassismus im Ergebnis doch deutlich zu erkennen: Eine rein WEISSE Fläche!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Ist denn die ganze Welt verrückt geworden?“ ist die passende Frage bei manchen Absurditäten, die durch die Medien geistern (und dann wenigstens zu solchen Comics inspirieren).

The Go-Go’s: The Whole World Lost Its Head

Warum ein verprügelter Mann viele Fragen bei mir aufwirft

Via Genderama stieß ich vor einigen Tagen zuerst auf die aberwitzige Meldung: Ein 50 Jahre alter Mann geht abends mit einer 10-jährigen spazieren. Das finden einige Leute verdächtig, verfolgen ihn. Nach einigen Beschimpfungen als „Kinderschänder“ und „Pädophiler“ wird der Mann schließlich verprügelt.

Am Ende stellt sich heraus:

  1. Das war der Vater des Mädchens!
  2. Warum die Mutter nicht dabei war? Die besuchte gerade einen Kurs – der Mann hielt ihr den Rücken frei und kümmerte sich um die Tochter.

Die Meldung machte bereits die Runde. Sie ist so ungeheuerlich, dass sie auch aushalb der männerrechtlichen Szene gut verstanden werden kann und entsprechend kommentiert wird. Vorsicht ist allerdings dahingehend geboten, dass bisher nur die offizielle Polizeiversion geschildert wird. Wer weiß, was die Gegenseite oder Zeugen aussagen werden und was sich am Ende eines Verfahrens herausstellt? Allerdings ist bereits der Bericht alleine in der Lage, einen gewissen Eindruck zu vermitteln. Vor diesem Hintergrund kommen mir die folgenden Fragen angemessen vor:

Radikalfeministinnen behaupten, wir lebten in einer „Rape Culture„, in der Vergewaltigungen bewusst hingenommen und die Täter fast immer laufengelassen werden. (Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung sind es nach unserem Rechtssystem nur Verdächtige oder Angeklagte, aber das beweist ja schon, wie ungerecht es ist…) Inwiefern könnte sich die permanente Darstellung von Beschuldigten als „schuldig ohne Beweis“ und unserer Justiz als untätig auf die Bereitschaft von Leuten auswirken, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen?

Männer werden gerne als „das dümmere Geschlecht“ portraitiert. Männliche Sexualität gilt als primitiv, böse und so gerade noch gezügelt. Ja, es wird in radikalfeministischer Umgebung sogar angenommen, dass Männer vergewaltigen, wenn man sie nicht aufklärt, weil sie einfach nicht wissen, dass das falsch ist und das ansonsten von Natur aus machen würden. Inwieweit könnte das negative Männerbild dazu beitragen, bei Männern gleich das allerschlechteste anzunehmen und überall den Hintergrund eines Sexualverbrechens zu wittern?

In den Debatten um Familien und Kinder werden Männer als die Schuldigen ausgemacht; von ihnen wird das Bild rückständiger, egoistischer Menschen gezeichnet, die eigentlich gar kein tiefergehendes Interesse an Beziehungen haben. Welche Botschaft sendet der Generalverdacht gegen einen Familienvater, der sich um seine Tochter kümmert und seine Frau unterstützt, an all diejenigen Männer, die unsicher sind und nicht wissen, ob sie eine Familie gründen sollen?

Und als Metafrage: Wie wirkt es sich wohl auf den sozialen Frieden aus, wenn die Angehörigen einer Gruppe als von Natur aus minderwertig, dumm und böse dargestellt werden?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Inzwischen gilt harmloses Spazierengehen als verdächtig… da erinnert man sich wehmütig an die Zeiten, als das noch kein Problem war.

The Bangles: Walking Down Your Street

Nostalgie-Fundstück: Scot W. Stevenson 1995 über das Internet

Ein ziemlich lustiger Text ist neulich 20 Jahre alt geworden. Geschrieben hat ihn kein geringerer als Scot W. Stevenson, Autor des Blogs USA erklärt. Auslöser war, dass die deutschen Medien völlig einseitig und negativ über dieses neue Ding namens Internet berichteten. Das mutet heute wie aus ferner Vergangenheit an – zumindest bezogen auf das Internet an sich.

Ansonsten ist jedoch verblüffend, wie sehr doch manche Inhalte vollkommen in die Jetztzeit passen. Stevenson empfiehlt Journalisten, ihre negativen Texte über das Internet mit bestimmten Zielgruppen als Lesern zu verfassen. Dazu zählt – wohl auch, weil nach Stevensons Angaben bereits damals die EMMA negative Artikel über das Internet enhielt – auch die Gruppe der radikalen Feministinnen. Hierbei warnt Stevenson zunächst davor, Frauenrechtlerinnen und radikale Feministinnen zu verwechseln:

Zur Unterscheidung sollten Sie die Kernsätze der beiden Gruppen beachten:
Frauenrechtlerin: „Die Frau wird in und von der Gesellschaft ungerecht behandelt. Das muß durch bessere Gesetze und fairere soziale Konventionen geändert werden.“
Radikalfeministin: „Männer sind böse.“

Der Text ist in Gänze lesenswert. Ich möchte jedoch noch zwei Abschnitte besonders hervorheben:

Bemerken Sie, daß wegen der unter Radikalfeministinnen üblichen Dogmata einige Aussagen immer implizit in Ihrem Bericht enthalten sein werden, auch wenn Sie es selbst vielleicht gar nicht gewußt haben. So zum Beispiel:

Das Ziel allen männlichen Tuns und Schaffens ist die Unterdrückung der Frau. Jede neue Technologie oder deren Anwendung durch Männer kann also, auch wenn der genau Mechanismus auf dem ersten Blick nicht sichtbar sein sollte, nur diesem einen Zweck dienen.

Pornographie ist die Ursache für Vergewaltigungen (…)

Frauen können sich nur frei in einer Gruppe entfalten, wenn sie keine Männer enthält. Reine Frauengruppen sind der einzige Weg zur weiblichen Selbstverwirklichung.

Das Bild vom Internet als frauenfeindlichem Ort sei auch deswegen gut zu verkaufen, weil der Frauenanteil so gering sei (ja, hier schimmert wieder durch, dass es 1995 war). Da dieser stets wachse, könne man unter anderem zu folgender Gegenmaßnahme greifen, damit einem nicht das Thema verloren ginge:

„Die Macht der sich selbsterfüllenden Prophezeihung“. Im Gegenzug heißt das: wenn Sie immer und immer wieder den Frauen erzählen, daß es keine Frauen im Internet gibt, und daß Frauen dort nur angefeindet werden, werden Frauen weder Lust haben, ins Internet zu kommen, noch neugierig sein, was dort passiert. Damit bleibt der Frauenanteil schön niedrig, und Sie haben noch auf Jahre hin gutes Material für weitere Reportagen.

Man übertrage das auf Frauen in der Wissenschaft und schon hat man die Argumentation zweier Fälle der letzten Monate (Matt Taylor, Tim Hunt).

Was mich beim Nachlesen erstaunt hat: Wie deutlich schon vor 20 Jahren vor radikalem Feminismus gewarnt wurde, der nichts mit der berechtigten Vertretung von Fraueninteressen zu tun hatte.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es Lucas Schoppe gerade erwähnt hat: 1996 gab es diesen Werbespot, in dem eine junge, gutaussehende Angehörige der Arbeiterklasse von einer Gruppe Bürohengste objektifiziert wurde… ach nein, die Geschlechter waren ja umgekehrt, da war das natürlich in Ordnung!

Das verwendete Lied heißt „I Just Wanna Make Love To You“, die Version war die von Etta James (kennt man etwa vom „Zurück in die Zukunft“-Soundtrack). Einige Jahre nach ihr nahmen auch die Rolling Stones eine Version auf – sie erschien auf ihrem ersten Album und auch als B-Seite einer Single.

Etta James: I Just Wanna Make Love To You

The Rolling Stones: I Just Wanna Make Love To You