Warum ich mich über diese Karriereweisheit bei Star Trek freue

Die Serie „Star Trek: The Next Generation“ (TNG) beleuchtet in einer ihrer späten Folgen einen interessen Aspekt zu Karriere und Risiken. Es ist zwar weder eine meiner Lieblingsfolgen noch ist sie als eine der wichtigsten Folgen in die Star-Trek-Geschichte eingegangen, aber trotzdem lohnt sich ein Blick.

Wer TNG trotz des Alters und Popularität der Serie noch nicht kennt und sie noch sehen will, der lese bitte nicht weiter.

In der Episode „Tapestry“ in der 6. Staffel geraten mehrere hochrangige Offiziere der Enterprise in einen Hinterhalt. Dabei wird Captain Jean-Luc Picard lebensgefährlich verletzt: Sein künstliches Herz, das er nach einem Zwischenfall zu Beginn seiner Karriere vor dreißig Jahren erhalten hat, setzt aus.

Unverhofft findet er sich auf einer weißen Umgebung wieder – aber nicht mit Gott, sondern Q, dem allmächtigen, aber auch aufdringlichen Wesen, das der Crew der Enterprise seit der ersten Folge zu schaffen macht und sie in unregelmäßigen Abständen besucht. Nach einer der üblichen Diskussionen zwischen den beiden bringt Q Picard in der Zeit zurück.

Er ist wieder ein frischgebackener Fähnrich (Ensign), der die letzten Tage vor Erhalt seines Kommandos mit seinen beiden Freunden von der Akademie verbringt. In diese Zeit fällt auch der Zwischenfall, der ihn sein Herz gekostet hat. Q stellt Picard die Aufgabe, dieses Mal nicht fast zu sterben. Tatsächlich schafft es Picard, dem entscheidenden Konflikt aus dem Weg zu gehen, doch um den Preis, durch sein untypisch ausweichendes Verhalten beide Freundschaften zu zerstören.

Plötzlich befindet er sich zurück auf der Enterprise – jedoch nicht als Captain, sondern nur deutlich niedrigerer wissenschaftlicher Offizier (Lieutenant junior grade). Zum Vergleich: Das ist der Rang, den der etwas komplizierte Reginald Barclay innehat oder Worf in den ersten zwei Staffeln. Für Picard nach dreißig Jahren Offiziersdienst in der Sternenflotte ein allzu bescheidenes Ergebnis – zumal man ihm bescheinigt, nie herausragend gewesen und generell Risiken aus dem Weg gegangen zu sein. Er wird also als ungeeignet zum Führungsoffizier befunden, hat aber auch nicht etwa eine alternative Karriere als Wissenschaftler hingelegt (Archäologie war doch seine Leidenschaft!), sondern ein relativ beschauliches Leben ohne großen Fokus auf irgendetwas geführt.

Zum Glück für Picard hat der Spuk schnell ein Ende und er steht wieder vor Q. Der erinnert ihn daran, was für Risiken er auf sich genommen hat – etwa ein Außenteam geführt, um einen Botschafter zu retten, oder das Kommando an Bord eines Schiffes übernommen, als der Captain im Kampf getötet worden war.

Am Ende entscheidet sich Picard, lieber zu sterben als so ein für ihn langweiliges Leben zu führen, und erwacht schließlich in seiner normalen Zeit auf der Krankenstation, dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen.

Das eigentliche Thema dieser Episode – „Was wäre, wenn ich etwas anders gemacht hätte im Leben?“ – ist ein beliebtes Motiv in Fantasy- und Science-Fiction-Filmen, wird aber ebenfalls in „normalen“ Serien oder romantischen Filmen eingesetzt. Es ist für Normalsterbliche relativ einfach nachvollziehbar, bietet Schauspielern den Reiz, in der „alternativen Zeit“ einen Charakter ganz anders darzustellen und kann aus einem gewohnten Setting noch einmal etwas Neues abgewinnen.

Dabei gibt es üblicherweise zwei Versionen: Der Protagonist ist der Meinung, er habe sein ganzes Leben verpfuscht, und sieht dann die alternative Welt, in der es vielen Menschen deutlich schlechter geht (deswegen fungiert als Auslöser für die Reise gerne ein Engel). Oder die Originalrealität ist schlecht und muss durch einen Eingriff in der Vergangenheit „repariert“ werden (was natürlich moralische Implikationen mit sich bringt: wer darf das und wie stark?).

In diesem Fall verhält es sich anders: Picard hatte ein gutes Leben, einzig der drohende Tod ist der Auslöser, etwas anders zu machen. Dabei wird ein klarer Zusammenhang zwischen Karriere und Risiken aufgezeigt. Mit „Risiken“ sind hier keine temporären Rückschläge oder finanzielle Durststrecken gemeint, sondern tatsächliche Gefahr für Leib und Leben, die hier sogar drastisch vor Augen geführt wird. Dieses „nur weil er solche Risiken einging, konnte er so hoch aufsteigen“ ist eine Weisheit, die sich auf die Welt außerhalb von Star Trek und Fernsehserien sehr gut anwenden läßt. Es ist ein guter Punkt für jede Diskussion, warum Leute in Spitzenpositionen aufsteigen – zusammen mit der Tatsache, dass Picard keine eigene Familie hat, wie übrigens die meisten von den Brückenoffizieren der Enterprise, im Gegensatz zu ihren Untergebenen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Hurra, hurra, ich flieg‘ mit Picard / was für ein Glück, ich flieg‘ mit Jean-Luc“ und „ich bleib‘ Deanna Troi treu“ – herrliche Zeilen!

J.B.O. – Der Star Trek (+ Intro „Sound Trek“)

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Fundstück: Las Balkanieras: „Warum Sabine?“ oder „Als Frau in der Friendzone“

Resolute Nuss weist in einem Kommentar auf die Gefahr hin, sich den Spaß an der Popkultur dadurch kaputtzumachen, dass man alles analysiert. Das halte ich für eine sehr gute Warnung – gerade, um sie auf sich selbst anzuwenden: Habe ich inzwischen schon so einen Tunnelblick, dass ich überall „mein Thema“ sehe? Muss ich ständig aufzeigen, dass hier „meine Theorie“ am Werk ist? Gilt nie „es ist, was es ist„, sondern muss alles eine versteckte Bedeutung haben, die in Richtung meines Weltbildes deutet? Ich möchte das mal an einem ganz konkreten Beispiel ausführen, das sowieso schon als Artikelidee vorgemerkt war.

Las Balkanieras: Warum Sabine?

Las Balkanieras besingen hier, ganz einfach ausgedrückt, das Thema „Als Frau in der Friendzone„. Ein völliges unverdächtiges Stück Popkultur, möchte man sagen. Mir fallen daran mindestens drei positive Aspekte auf:

  1. Wenn schon sich beklagen, dann wenigstens tanzbar!
  2. Mit all dem Aufgezählten wirkt es so übersteigert, dass es auch Unterhaltungswert hat.
  3. Den Frust kreativ zu verwenden, halte ich für gute Idee.

Dasselbe Lied – kaputtanalysiert

Eine so positive, schöne, unbeschwerte Welt kann man natürlich nicht so stehenlassen. Da muss doch irgendetwas ganz schreckliches dran sein, schließlich ist nichts „einfach so“ oder „unschuldig“! Wie müsste der Text des Liedes gedeutet werden, wenn hier ein Mann über eine Frau schmachten und man die Maßstäbe von poststrukturellen Feminismus anwenden würde?

„Du liebst mich nicht (…) und ich weiß, dass Du mich nicht siehst / Warum nicht ich?“ – Der Refrain enthält gleich mehrfach unbegründete Vorwürfe. Hier wird die Realität nicht akzeptiert.

„Vor jedem Tag küss ich Dein Bild auf meinem Nachttisch“ – Wenn das ein Mann über eine Frau singt, ist das „creepy“ und Objektifizierung.

„Jeden Morgen im Büro bring ich Dir Kaffee Latte“ – Hier beklagt sich jemand darüber, nicht geliebt zu werden, nur weil er irgendwelche Gefallen tut! Klarer Fall „ich mache soviel für Dich, da habe ich doch mehr verdient“!

„Zur Mittagspause plan‘ ich Essen beim Chinesen“ – ohne die Frau vorher zu fragen! Hier wird jemand gar nicht erst nach seinen Wünschen gefragt.

„[Er] ist doch farblos“ – Typisches Friendzone-Gejammer. Lernt endlich, die Wahl einer Frau zu akzeptieren!

Dann kommt noch verstärkend eine Zeile, die stark an eine Werbung aus den 1990ern erinnert:

Jade-Mascara-Werbung: „Was hat sie, was ich nicht habe?“

Also völlig von Neid zerfressen.

Durch das ganze Lied zieht sich eine Aufzählung, wie attraktiv die singende Person eigentlich ist und wieviel sie dafür tut. Auch das soll die Wahl der Frau delegitimieren.

„Ich weiß eines Tages kommt die Gelegenheit / Um Dich zu kriegen, zahl‘ ich jeden Preis“ – Das klingt erst recht creepy, so etwas könnte auch ein späterer Stalker oder Vergewaltiger singen (wobei Männer natürlich alle potentielle Vergewaltiger sind).

Sprich, kaum dreht man die Verteilung der Geschlechter in dem Lied um, kann man aus dem Text beliebig Belege dafür finden, in was für einer Hölle Frauen in der westlichen Welt leben und wie sie die ganze Zeit mit Propaganda beballert werden, um in Angst zu leben und ja nicht aufzumucken. Das hat natürlich mit der Realität, in der ich lebe, nichts zu tun. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie man quasi aus dem Nichts Vorwürfe und Betroffenheit generieren kann.

Las Balkanieras zum Lied

Um wieder in die normale Welt zurückzukommen und weil ich den Artikel mit etwas Positivem beenden möchte: Zwei Mitglieder der Band haben eigene Deutungen und Erklärungen aufgenommen.

Filozofija

Es gehe natürlich nicht um eine konkrete Person. Sabine sei ein Symbol für die Frauen, die sagten, sie seien besser als man selbst. Auch wenn man sich nicht „selbst optimiere“, habe man das Recht, glücklich zu sein.

Analyse: Sei kein Klaffi!

Sabine sei emanzipiert; eine unabhängige Frau, die wisse, was sie wolle. Solange man das ganze Schönheitsprogramm aber für den Mann mache und nicht für sich selbst, finde der Mann einen langweilig. Männer wollen keinen „Klaffi“ (also ein Schoßhündchen) – und Las Balkanieras auch nicht. Was immer man auch tun wolle, man tue es für sich. Auch in einer Beziehung sei das ständige Hinterhertelefonieren falsch. Eine gute Frau frage nicht, wo ihr Mann sei, sie wisse es.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mit demselben Beat (oder Riddim) von Mungo’s HiFi erschien bereits 2012 in Belgien das folgende Lied.

Lisa Bennett: Apple Tree

Fundstücke: Alternative Deutungen zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“

Als ich schrieb, warum ich „Groundhog Day“ so toll finde, gab es darauf unverhofft viele Reaktionen. Am interessantesten sind dabei diejenigen, welche meiner Deutung widersprechen oder andere Aspekte hervorheben.

only_me:

Kehrseite: Ein Film, der zelebriert, dass Männer keine Human Beings, sondern Human Doings sein müssen, um akzeptiert zu werden.

Das stößt mir sauer auf, während ich es mit einem „Das ist halt so“-Seufzer akzeptiere.

crumar findet den Film großartig und schreibt gleich mehrere Kommentare, die ich hier stückweise gemeinsam verwurste, in der Hoffnung, dass man trotzdem noch einen Sinn erkennt:

Zum Kommentar von only_me:

Kehrseite 2: Die Moral von der Geschichte ist, nur eine Frau kann einen Mann erretten.
Um das von only me gesagte aufzugreifen: Der Mann ist demnach „damsel in doing“.

Zu meiner These, dass Phil Rita am Ende nicht nötig habe:

Natürlich hat er sie nötig – sie schlafen am Schluss gemeinsam ein, ohne dass es zu sexuellen Handlungen kommt, nachdem er durch seine Taten sein reines Herz bewiesen hat und damit das ihre gewann.
Voila: Errettung und Erlösung!
Ist dir das nicht aufgefallen?
Die männliche Hölle der Unendlichkeit des einen Tages (Hamsterrad) tauscht er ein gegen das, worauf er zunächst verzichtet (Sex), um die „echte“ Unendlichkeit dann *durch das Weib* zu erhalten. Lieferung in der Regel nach 9 Monaten.

Zur Pointe, dass Phil eine ganze Weile versucht, Rita herumzubekommen, und gerade dann, wenn es möglich wäre, er es doch nicht macht:

Normalerweise hätten wir ein Signal für den dann stattfindenden Sex > Nahaufnahme leidenschaftlicher Kuss zum Beispiel – Blende.
Das findet hier nicht statt und es findet nicht statt, weil KEIN SEX die Pointe ist.

Der VERZICHT auf das gängige Klischee, diese Frau – als Ziel – herum zu bekommen widerspricht *einem* Handlungsstrang des Films, in dem gezeigt wird, wie er versucht, diese Frau herum zu bekommen.

*Rückwärts gerechnet* – ab ERRETTUNG und ERLÖSUNG lässt sich nun feststellen, welche Mittel zum Erfolg geführt haben.
Und eines der Mittel war demzufolge die Preisgabe des *männlichen ZIELS* diese Frau herum zu bekommen; ergo (ohne Preisschild) Sex mit ihr zu haben.
Demnach ist ERFOLG Preisgabe des – ursprünglichen – männlichen Ziels.
Noch einmal: *Errettung und Erlösung* durch PREISGABE des ursprünglichen männlichen Ziels.

Wir waten hier also knietief in einem WEIBLICHEN Narrativ.
Es ist egal, welches Geschlecht die Drehbuchautoren haben, es sind Frauen, die Frauen gewinnen lassen wollen oder Männer, die exakt das Selbe wollen.

Das gesamte Narrativ ist zutiefst sexistisch.
Es ist komplett unmöglich die „gender“ zu tauschen, weil dem Publikum sofort der Betrug um die Ohren fliegen würde.

Zur (nur scheinbar gegenseitigen) Vertrautheit, die zwischen Phil und Rita am Ende besteht:

Aus *seiner* Perspektive hat er unendlich viele Tage mit ihr verbracht, in zahllosen dates.
Er kennt wahrscheinlich ihre Lebensgeschichte besser als sie selbst.
D.h. das *Erfahrungs*gefälle männlich vs. weiblich ist Bestandteil der Konstruktion der Geschichte.
An dieser Stelle schon könntest du das Geschlecht nicht tauschen – versuche dem Publikum zu vermitteln, dass Frauen 20 Anläufe unternehmen, um das erste date zu einem Erfolg zu machen.
Niemand würde es dir abkaufen.

Diese „Vertrautheit“ aus seiner Perspektive ist also real und Resultat seiner Bemühungen über x-Tage hinweg.
Wir sehen die Entwicklung, seine Entwicklung, wir sehen den Prozess und der Prozess ist die „katalytische Wirkung“.
Um so mehr er sich zu dem entwickelt, was *sie* in einem Mann sehen will und an diesem attraktiv findet – was zuuuuuuuufälligerweise (Kucklick brüllt) Hand in Hand geht mit seiner Entwicklung hin zu einem sozialen, fürsorglichen usw. Menschen – desto mehr hingezogen fühlt sie sich zu ihm.
Für *ihn* wird dieser Prozess jedoch *erst* zu einem Erfolg, wenn sie vom *Ergebnis* des Prozesses überzeugt ist und diesen – taraaa – als PRODUKT ersteigert.

Tausche hier das Geschlecht und ein feministischer shitstorm in Tsunami-Größe würde dich hinwegfegen!
Jede Feministin würde diese Geschichte einem unterdrückerischen Patriarchat zuschreiben, das Frauen durch internalisierte Frauenfeindlichkeit zur Selbstoptimierung zwingt, um patriarchalen Normen zu entsprechen, denen sie niemals genügen kann.
Und als ob das nicht schon schlimm genug ist, Anne, wird sie sexuell objektifiziert, auf einer Auktion wie ein Stück Fleisch angepriesen und als Ware (Zwangsprostitution!) versteigert!!!
Dass Hollywood sich überhaupt jemals getraut hat, solche sexistischen Filme abzuliefern…

Aber zurück zum Film selbst.
Graublau schreibt: „Es war für mich immer gerade die Pointe, dass Phil Rita ins Bett bekommt, als er es nicht mehr braucht.“
In einem Film werden die Motive der Figuren per Drehbuch konstruiert und nichts spricht aus einer männlichen Perspektive dafür, dass ein Mann Sex „nicht mehr braucht“.
Hingegen alles dafür, die Drehbuchschreiber/-innen waren der festen Überzeugung, er *soll* Sex nicht mehr brauchen *wollen*.

Denn gerade mit dem „freiwilligen Verzicht“ (laut Drehbuch) auf sein ursprüngliches Ziel findet die männliche Seele Läuterung.
Und darf friedlich einschlafen, Amen (so weit ich mich erinnern kann, gab es wenigstens am nächsten Morgen Sex).
(…)
Ganz ehrlich: Mann liegt im Bett neben seiner Traumfrau (Andie MacDowell war hotttttttttttttttttt!), die einen am gleichen Abend auch noch ersteigert hat….und schläft ein. Wäre Bill Murray nicht die Filmfigur, sondern ein realer Mann gewesen, ich hätte ihn in den Hintern getreten.

Und schließlich nochmals an mich gerichtet:

Du begehst einen klassischen Fehler, nämlich die Geschichte NICHT RÜCKWÄRTS zu betrachten.
Das ist nämlich die weibliche Perspektive – alle Schritte zu betrachten, die EX POST zu diesem ERFOLG geführt haben.
Du fragst und siehst aus einer vorwärts gerichteten männlichen Perspektive, die für die Dynamik des Films KEINERLEI Rolle gespielt hat.
Der Clou ist, die männliche Perspektive auszuhebeln, indem dieser EINE Tag immer wiederholt wird, was männliches Fortschrittsdenken per se beerdigt.
Im Gegenteil: „Da zieht Phil doch eine coole Nummer ab. Ebenso die Sache mit der Eisskulptur: In erster Linie eine persönliche Fähigkeit, mit der man außerdem Leute beeindrucken kann.“
Schatz, was hat es ihm denn gebracht?
Was war das RESULTAT seiner HANDLUNG?!
War es ein Erfolg oder ein Misserfolg?
Mit der Verweigerung einer Rechenschaftslegung ist dies die ENTEIGNUNG eines individuellen, männlichen Lerneffekts.

Du drehst den männlichen frame ins Absurde, ohne den weiblichen zu begreifen.

„Aber ein reines Herz wäre nicht auf solche Showeffekte wie den Bandauftritt ausgelegt“ – es ist die weibliche Version davon.
Die weibliche Version der Showeffekte ist, den Bandauftritt hinzubekommen, ergo muss er individuell DAVOR Klavier lernen.
Das ist demnach KEINE individuelle Entscheidung.
Die Präsentation des Films ergeht sich darin, dir eine Logik zu präsentieren, als WÄRE es seine eigene.

Rechne RÜCKWÄRTS, was in weiblichen Augen *dieser Mann* an Fähigkeiten besitzen muss, um *diese Frau* zu bezaubern und du hast die Hälfte des Films entzaubert.
Demnach ist es kein Geheimnis mehr, wenn ich dir die weibliche LÖSUNG präsentiere: „Sie schlafen am Schluss gemeinsam ein, ohne dass es zu sexuellen Handlungen kommt, nachdem er durch seine Taten sein reines Herz bewiesen hat und damit das ihre gewann.
Voila: Errettung und Erlösung!“

Und JETZT konstruiere einen Film, in dem ALLE männlichen Handlungen auf diese LÖSUNG zulaufen.
Das ist nämlich der weibliche frame und dieser ist die GRUNDKONSTRUKTION des Films.

Und schließlich, diesmal an Fiete gerichtet:

Wer die Analyse der Popkultur auf Ideologien von Männlichkeit und Weiblichkeit vernachlässigt oder unterlässt, wird nicht weit kommen.

Natürlich kannst du in einem Märchen die klassische Situation des aristokratischen Prinzen setzen, der die Prinzessin rettet (feministisch: damsel in distress).
Aus einer *männlichen Perspektive* jedoch sind die Bemühungen verbunden mit der Versprechung, sämtliche Bemühungen würden auf einen Gewinn = Belohnung hinauslaufen.
In einer solchen Gleichung muss der Gewinn immer mehr oder mindestens gleich viel wert sein wie die Summe der Bemühungen, sonst wäre das Versprechen der Belohnung eine Farce. Oder sie wären bspw. eine Sühne für eine Untat, wie die zwölf Taten des Halbgotts Herakles im Dienste des König Eurystheus.
Das ist ein abrechenbares Geschäft auf rationaler Basis (Zwölf Taten auf der To-Do-Liste. Check.).
So rational wird es aber nicht aufgeführt, denn es ist schließlich ein Märchen und der Held tut es aus wahrer Liebe, nicht wahr?!

Wo kämen wir hin, wenn der Held eingangs *von sich aus* abwägen würde, wie viele und welche solcher Taten ihm zumutbar erschienen?
Sagen wir, der Prinz/Held/Halbgott dieser Geschichte bietet: „Zehn!“
„Hallo, in der Geschichte sind es aber ZWÖLF!“
„Ok, einigen wir uns auf elf!“ – hier fällt die griechische Mythologie in Ohnmacht.

Damit will ich aufzeigen, dass das Geschäft „Bemühung“, „Aufgaben“ darauf basiert, sie haben aus männlicher Perspektive *niemals* eine VHB.
Anders herum: Ein Mann erfüllt die Aufgaben, die ihm gestellt werden und bezieht *aus der Erfüllung* dieser einen Sinn (für die eigene Existenz, seine Männlichkeit usw.) PUNKT
Damit verzichtet er auf eigene Ansprüche an den Handlungsverlauf der Geschichte BEVOR sie überhaupt begonnen hat oder genauer gesagt: Er wird *seiner eigenen* Agenda enteignet und die Beurteilung des „Sinns“ der eigenen Bemühungen wird anderen überlassen.

Schön und „modern“ (= bürgerlich) an dem „Murmeltier“ ist, dass es dieses Muster vorführt, aber verbirgt, DASS es dieses Muster vorführt.

Die Erwartungen der Heldin/Prinzessin werden niemals artikuliert, bzw. die Autoren des Drehbuchs ERSPAREN es IHR, diese zu artikulieren.
Wahre Liebe in der bürgerlichen Gesellschaft muss authentisch sein!

Authentisch ist hier, wenn sich alle weiblichen Forderungen an einen Mann sich realisieren, weil “ he just got it!“ – ohne diese Forderungen explizit zu benennen und damit abrechenbar zu machen.
Darin ähnelt die Herangehensweise dem Märchen und der Mythologie.
Außer natürlich, dass es keinen Preis/Belohnung geben kann, denn das wäre sexistisch.
Und: Weil es hier *nicht* um ein rationales, abrechenbares Geschäft gehen kann, denn *wenn es ein Geschäft wäre*, dann wäre es keine wahre Liebe.

Wie rettet sich das moderne Märchen, insbesondere und damit meine ich *vor allem für Frauen* aus diesem Dilemma?
Neu und modern ist, der Held soll das weiblich unausgesprochene *von sich aus wollen sollen*.
Dieser Mann ist nicht nur seiner eigenen Agenda enteignet, externalisiert den Sinn für seine eigenen Bemühungen, sondern er WILL das aus tiefstem Herzen SELBST, weil ihn das zu einem BESSEREN Menschen macht, der die Belohnung darin sieht, dass es ihn zu einem besseren Menschen macht.
Rein zufällig ist es aber die Frau, die hier definiert, was ein „besseres Mensch“ im Detail bedeutet und rein zufällig ist es ein GESCHÄFT in diesem Film: Sie ersteigert das fertige Produkt, zu dem sich der Mann a. aus „eigenem Antrieb“, b. „selber“ gemacht hat.
Uuups.

Diese Illusion von Freiwilligkeit und freiwilliger männlicher Unterwerfung im Film wird auf „moderne“ Art aufgeführt und es ist wichtig, diese Ideologie in ihrem Bezug auf Mythologie und Märchen darzustellen.
Damit wir diesem etwas entgegenzusetzen haben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Von „I Got You Babe“ gab es auch eine höchst unromantische Version…

Cher with Beavis & Butthead – I Got You Babe

Warum mir der Mann mit dem Metal-T-Shirt nicht aus dem Kopf geht

Die Begegnung ist schon eine Weile her. Ich erinnere mich aber immer wieder daran:

Ich bin im europäischen Ausland unterwegs. Es ist Wochenende, ich stehe am Rande einer Fußgängerzone, in der sich jede Menge Läden zum Einkaufen befinden. Die Geschäfte machen langsam zu, es wird bald dunkel, die Leute eilen mit Tüten und Taschen nach Hause. Es ist ein richtiger Strom an Menschen raus aus der Innenstadt.

Eine Gruppe Männer in orange hat jedoch die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Sie sind gekommen, um die Spuren des Konsums zu beseitigen. Ihre Arbeit hier beginnt gerade erst.

Während die Einkäufer und Spaziergänger miteinander reden, gehen sie an den Saubermachern vorbei, ohne sie weiter zu beachten – so als ob diese gar nicht existieren würden. Ich bin zutiefst erstaunt, als ich bemerke: Diese Männer sind unsichtbar!

Keiner grüßt sie, niemand schwatzt mit ihnen – so als ob sie zu einer Schicht der Unberührbaren gehören würde. Es scheint kein „reiche Einheimische, arme Ausländer“-Gegensatz zu sein, denn die Männer von der Straßenreinigung sehen nicht anders als die anderen aus.

Da fällt mir an dem, der mir am nächsten arbeitet, etwas auf: Seine orangefarbene Jacke ist auf, darunter trägt er ein Metal-T-Shirt. Na, das ist doch sympathisch, denke ich mir und lächele. Dann schaue ich genauer hin und erkenne sogar Band und Album wieder: „Valley of the Damned“, das Debüt von DragonForce.

Ich bin hin und weg und weise meine Begleitung auf das T-Shirt hin. Das bekommt auch der Mann mit, den ich daraufhin freundlich anspreche. Tolles T-Shirt, guter Musikgeschmack, auf die Band bin ich Ende 2000 gestoßen, als sie noch DragonHeart hieß und ihr erstes Demo-Album draußen hatte. Ein kurzer Plausch von 2-3 Minuten, dann wünsche ich ihm noch einen schönen Tag und gehe weiter.

Was ich bis heute nicht vergessen habe: Wie erfreut der Mann über die Aufmerksamkeit schien; dass er mit jemandem reden und den Arbeitsalltag vergessen konnte, dass ihm jemand etwas Nettes gesagt hat.

Es wird viel über unsichtbare Männer geschrieben. Ich habe an dem Tag tatsächlich einen getroffen. Und nach dieser Begegnung habe ich mir oft überlegt: Wie viele Unsichtbare es wohl noch gibt, an denen ich nach wie vor so einfach vorbeigehe?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die heute Liederauswahl liegt auf der Hand…

DragonForce: Valley of the Damned

Nostalgie-Fundstück: Abenteuer eines Junggesellen von Wilhelm Busch

In den letzten Tagen habe ich mir noch einmal den ersten Teil der Knopp-Trilogie von Wilhelm Busch zu Gemüte geführt. Sie ist zum Beispiel komplett im Projekt Gutenberg nachzulesen. Bei Youtube findet man verschiedene gesprochene Fassungen.

Der erste Teil heißt „Abenteuer eines Junggesellen“. Der Protagonist Tobias Knopp, ein Privatier ( = das bedeutete früher „braucht nicht arbeiten“, nicht wie heute „elegante Umschreibung für pleite“) ist wie schon im Titel erwähnt Junggeselle, wird um den Bauch rum deutlich breiter, auf dem Kopf allerdings ist mit Haaren nicht mehr viel los. Er wird des ruhigen Lebens zu Hause überdrüssig und bekommt auch ein wenig Torschlusspanik („Wer wird um mich weinen, wenn ich alleine sterbe?“). Also besucht er sowohl alte Freunde und Bekannte.

Die Klischeecharaktere, auf die er dabei trifft, sind erstaunlich zeitlos geblieben:
– Die ehemalige vergebens Angebetete, die inzwischen nicht mehr ganz so frisch ist und mit ihrem Hund zusammen lebt (die „crazy cat lady“ des 19. Jahrhunderts)
– Der Mann mit der untreuen Ehefrau
– Der Mann, der gegenüber seiner Ehefrau untreu ist
– Der Vater, der seinen Sohn zu lasch erzieht
– Der Vater, der seinen Sohn zu streng erzieht
– Der ehemaligs feierfreudige Kumpan, der inzwischen völlig unter der Fuchtel seiner frommen Frau steht
– Der Mann, dem die Kinder auf der Nase herumtanzen
– Der Mann, der die Ehe als Hölle empfindet und den Tod seiner Frau sogar feiert
– Der Vater mit heiratsfähiger Tochter, bei der sich der Protagonist durch Ungeschick um die mögliche Chance bringt
– Der Eremit, der angeblich den großen Durchblick hat und alles Weltliche verachtet, aber eine unerreichbare Frau verehrt und ansonsten ordentlich dem Alkohol zuspricht

Es gibt, wie erwähnt, noch zwei weitere Teile, bei deren Titel man schon weiß, wie der erste Teile am Ende ausgeht. Dennoch lesenswert! Wilhelm Busch ist übrigens Zeit seines Lebens Junggeselle geblieben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hat rein thematisch nichts mit Busch zu tun, ich spreche den Bandnamen nur so aus…

Bush: Swallowed

Fundstück: Frauen in der Musikindustrie

Dummerjan schrieb bei Alles Evolution zwei interessante Kommentare, die ich hier (mit leicht korrigierter Rechtschreibung und Zeichensetzung) vollständig wiedergeben möchte:

Da ich ja am Bodensatz (wie so oft) der Musikindustrie unterwegs bin, dort wo die Anfänger, Wannabes, Loser und so weiter daheim sind, glaube ich hier mal aus dem Nähkästchen plaudern zu können.

Absolut zentrale Beobachtung: Junge hübsche Frau mit ausgeprägten Brüsten so um die 20, die am Klavier oder an der Gitarre etwas dahinhaucht, bekommt immer Bonusbeifall. Egal, wie scheiße sie ist.

Zweite zentrale Beobachtung: Wenn Frau im Schlabberlook und ohne Alarmmakeup daherkommt, ist Vorsicht geboten. Die sind meistens ziemlich gut. Egal, wie scheiße sie aussehen.

Zusammenfassung: Es gibt immer einen Tussenbonus. Der hängt sehr am Alter und der äußeren Erscheinung der Person. Hilft aber nicht weiter als bis zum dritten Lied.

Hier eine Liste der 15 erfolgreichsten YOutube Stars:
http://mashable.com/2011/01/23/found-fame-youtube/#1NKuybDz3Oq4

Aufgabe:
1. Wieviele Frauen (Mädchen), wieviele Männer (Jungs)?
2. Wieviele sind heute noch im Geschäft?

Errinert Euch, meine These war:
1. Frauen haben einen Startvorteil in der Industrie.
2. Der Startvorteil verpufft sehr schnell.

Einige Bestandteile kann man relativ leicht nachvollziehen: Natürlich haben es attraktive Menschen leichter und natürlich wirkt das Aussehen bei Frauen stärker. Der Rest ist eine weitere Überlegung wert.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hier ein Beispiel für eine Sängerin, die ich tatsächlich nicht besonders gutaussehend finde, die aber eine so gute Nummer abliefert, dass sie zum Teil gar nicht verstanden wird.

Giulia Becker: Verdammte Schei*e

Fundstück: Wenn berühmte romantische Filme feministisch wären

Durch Zufall bin ich auf folgendes Video gestoßen:

MTV Braless: If Famous Movie Romances were Feminist

Wenn man das Gesicht von Laci Green in den ersten Sekunden sieht, weiß man schon, wie der Hase läuft: Romantische Komödien sind im Grunde Propaganda, um Frauen einzutrichtern, wie sie zu leben hätten. Mit „vernünftigen“ Maßstäben würden die Geschichten gar nicht funktionieren.

Es ist schade, dass eine an sich lustige Idee – Filme auf die Schippe nehmen – politisch so verbrämt wird, dass das Ergebnis keinen Spaß mehr macht. Dabei könnte man es belassen, aber ich habe ja immer das Bedürfnis, das noch einmal zu kommentieren.

romantische Filme – eine Ausgeburt des Teufels, äh, der Männer?

Hatten wir nicht vor einem Jahr erst die Unterstellung, dass Männer grunsätzlich romantische Filme hassen? Wenn das so wäre, wer ist dann das ausschließliche Publikum für solche Filme? Wie gut ist ein Geschäftsmodell, das darauf basiert, Propagandafilme zu zeigen, in denen den Zuschauern etwas eingetrichtert wird, was sie gar nicht wollen? Sind Filme, die an den Interessen der Zielgruppe vorbeigehen, erfolgreich?

Wer steckt also hinter der Verschwörung? Steuern Männer, organisiert im Patriarchat, die Filmindustrie, und produzieren Filme, die sie selbst hassen, um die Frauen bei der Stange zu halten? Ist das nicht unpraktisch, weil die Frauen den Männern dann mit der Romantik den Männern in den Ohren liegen und sie versuchen, mit in diese Filme zu schleppen? Wäre es bei so einer universalen Steuerungsmöglichkeit nicht viel praktischer, die Botschaft so herüberzubringen, dass man als Verschwörer keine solchen Nachteile erleidet?

Hier wird ein typisch weibliches Konsumgut abgelehnt. Was Frauen mögen, ist nicht ok bzw. es kann gar nicht sein, dass Frauen das aus freien Stücken mögen.

Ist Realismus ein Erfolgsrezept?

In wie vielen Filmen geht es um die Überwindung von Grenzen (alleine diese Formulierung wird wahrscheinlich zahlreiche Leute re-traumatisieren), darüber, dass Leute über sich selbst, die Umstände, die Gesellschaft mit ihren Regeln hinauswachsen? Ist nicht das sogar gerade ein Teil der Romantik? Sind Romantik und Vernunft, „schön brav und realistisch sein“, nicht Gegensätze? War die romantische Ehe nicht ein Bruch mit der traditionell arrangierten Ehe?

Hier wird Kunst mit den Scheuklappen der Moral versehen: Es darf nur gezeigt werden, was auch mit den Werten der richtigen Lehre zu vereinbaren ist. Was waren es für Gesellschaften, die so vorgegangen sind, und wie sah ihre Kunst aus?

Was ist das „feministische“ Rechtsverständnis?

Es ist nur eine kurze Szene, aber sie spricht Bände: Wer sich zu einer 17-jährigen hingezogen fühlt, sei demnach ein Pädophiler.

Das ist Wasser auf den Mühlen derer, die behaupten, Feminismus wolle erwachsene Menschen infantilisieren. Sicher, mit 17 ist man weder in den USA noch in Deutschland volljährig. Aber die Welt ist auch nicht schwarzweiß: Man wird an eine 17-jährige andere Anforderungen bezüglich geistiger Reife und eigener Verantwortung stellen können als an ein präpubertäres Mädchen.

Aber fragen wir mal umgekehrt: In welchen Gesellschaften ist es denn in Ordnung und dasselbe, mit einem präpubertären Mädchen eine Beziehung zu haben wie mit einer 17-jährigen? Wie beurteilt poststruktureller Genderfeminismus die Werte und Moral dieser Gesellschaften?

Fazit

Laut dem Video
– basiert Feminismus auf einer Verschwörungstheorie gegen Frauen
– akzeptiert Feminismus nicht die Freiheit von Frauen, wenn sie sich anders entscheiden als gewünscht
– versteht Feminismus nicht, was Pädophilie ist und kriminalisiert Unschuldige

Alles in allem dieselbe Wirkung wie ein plumpes antifeministisches Propagandavideo. Danke für nichts, MTV und Laci Green!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als MTV „rebellisch“ und „unkorrekt“ war?

Beavis and Butthead Music Video