Kurznachrichten vom 01.06.2017

1: Der Schlager der Woche in geschlechterpolitischer Hinsicht ist natürlich der Wechsel im Ministerium für alle außer Männer (=BMFSFJ). Manuela Schwesig verlässt den Ministerposten, durchbricht eine weitere gläserne Decke und wird Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird also quasi die Vorpommeranze.

Ihr folgt Katharina Barley (ebenfalls SPD) im Amt der Familienministerin. Der Tagesspiegel schreibt:

Ihre Aufgabe sieht sie dabei vor allem im Kampf um grundsätzliche Haltungen. In den knapp vier Monaten bis zur Bundestagswahl gebe es keine großen Gesetzgebungsvorhaben mehr, sagte Barley am Dienstag in Berlin. Aber es gebe laufende Projekte und „vor allem die große Linie, die gesellschaftspolitische Linie, und um die geht es.“ Wie man zu Gleichberechtigung, Vielfalt und Demokratie stehe, sei eine „grundsätzliche Frage“.

Mit anderen Worten: Es wird sich nichts groß ändern. Für Männerbewegte eher eine schlechte Nachricht. Es war aber auch nichts anderes zu erwarten, solange die SPD dieses Ministerium besetzt hält.

2: Menstruation ist völlig unnötig und nur eine fiese Verschwörung der vermaledeiten Fleischesser, findet eine vegane Feministin. Durch Veganismus könne frau sich davon befreien, berichtet die Brigitte, deren Journalistin anscheinend nicht ganz davon überzeugt ist.

3: Katrin Göring-Eckhard begrüßte auf dem gerade beendeten Kirchentag Zuhörer mit der Ansprache „Liebe Kinderinnen und Kinder“ und kassierte dafür einen Shitstorm. Daraufhin beteuerte sie, dass sie das doch gar nicht ernst gemeint habe. Das sei „Selbstironie“ gewesen. Nun ja, immerhin kommt es in letzter Zeit nicht nur bei AfDlern vor, dass man hinterher darauf besteht, das wäre ja alles anders gemeint gewesen. Auch die Politkorrekten hauen einfach mal nen Spruch raus (Margot Käßmann!) und hinterher ist man eben absichtlich missverstanden worden. Man sollte allerdings als politischer Beobachter schon sehr darauf achten, wer wem was durchgehen lassen will und wem nicht. Ein wirklich vernünftiger, ausgewogener Beitrag zum Thema Käßmanns kleinem Arierparagraphen kam übrigens von Gerd Buurmann.

4: Das „guerilla sculpting“ in der New Yorker Wall Street geht weiter. Eine feministische Bildhauerin hatte vor einigen Monaten eine Skulptur namens „Fearless Girl“ einer anderen Skulptur eines kraftvollen Bullen gegenüber gestellt, wodurch sich dieser Bildhauer beleidigt fühlte, weil die zweite Skulptur die positive Ausstrahlung seines Bullen in eine negative verwandele (m.E. zurecht). Pikant an der Geschichte war, dass beide Bildhauer keine Genehmigung zum Aufstellen von der Stadtverwaltung eingeholt hatten. Soweit zur Vorgeschichte.

Jetzt hat ein dritter Bildhauer eine dritte Skulpur hinzugestellt, um wiederum das „Fearless Girl“ lächerlich zu machen, nämlich einen kleinen Hund, der ihr ans Bein pinkelt.

pissed_fearless_girl

Das finden jetzt allerdings einige Frauen frauenfeindlich:

But many female passers-by Monday said “Fearless Girl” has come to represent women taking on Wall Street — and just about anybody else standing up to financial firms — and that Gardega’s peeing dog is misogynistic.

Ich find’s ok. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Zur Gleichberechtigung gehört, dass das auch Frauen nicht erspart bleibt.

5: Onyx macht sich mal wieder zum Horst. Zitate aus dem Zusammenhang reißen, nicht verlinken, damit auch keiner ihre Behauptungen überprüfen kann, erst behaupten, dass niemand einem Statement in einem Blog-Kommentar (das nur sie verwerflich findet und alleine ausreichend, um die ganze Männerrechtsbewegung zu „entlarven“) widersprochen habe, dann zurückrudern mit der Einschränkung, dass niemand SOFORT widersprochen hat, oder halt nur lau. Will aus einer Mücke einen Elefanten machen, hat aber allenfalls den Mückenschiß dazu. Wie man das eben von Onyx kennt. Ach, wer sich den Quatsch antun will, selber nachlesen…

6: Bei den Störenfriedas leidet eine Autorin namens Nimue unter dem „manspaining“ ihres Freundes, der sich als „misogynes Arschloch“ herausstellt, weil er ihr einen Tipp gibt, wie sie ihre Vagina in fortgeschrittenem Alter in Form hält. Leider findet sie später heraus, dass er dummerweise recht hat und sie diese Info vorher von ihrer (evtl.) inkompetenten Frauenärztin nicht bekommen hat.

Warum hat mir das meine Frauenärztin nicht gesagt? Warum weiß ich das nicht über meinen eigenen Körper? Warum muss mich mein Freund darüber aufklären und damit meiner berechtigten Kritik an seinen Vorstellungen einer engen Vagina jede Grundlage entziehen?

Schuld an alledem ist danach dann weder ihre Frauenärztin noch ihre Faulheit, ein paar der in die Hunderte oder Tausende gehenden Aufklärungsbücher, die sich auf dem Markt befinden, zu lesen, sondern das „ständige, vollinvasive Vorgehen der Gynäkologie“, das „Ausdruck männlicher Gewalt über Frauenkörper“ ist. Schuld ist natürlich auch die Pornoindustrie, die falsche Vorstellungen verbreitet. Ach was? Und ich dachte immer, das seien seriöse Dokumentarfilme!

Also, wenn ich das richtig verstehe, übt ihre Frauenärztin durch ihr Nichtwissen männliche Gewalt auf sie aus. Kann man so sehen. Oder auch nicht. Ein wirklich amüsantes Beispiel von Realsatire.

7: Wieder ein wenig off topic: Der linke Philosoph Slavoj Žižek lässt sich in der NZZ (wo sonst) über Political Correctness aus, speziell in der Queer-Szene. Durchaus lesenswert:

Ironischerweise ist nun bei diesem Umzug die Vergangenheit fast spiegelbildlich verkehrt. Jetzt ist es die Heterosexualität, die geduldet ist, wobei erwartet wird, dass die heterosexuelle Mehrheit ihre Präferenzen nicht mehr mit allzu viel Stolz zur Schau stellt. Dies würde sofort als heterosexistisch denunziert. […]

Alle haben sich an die offizielle Sprachregelung zu halten, alle haben das angeblich subversive Potenzial alternativer, in Wahrheit jedoch privilegierter Lebensentwürfe zu loben und zu preisen.

Fundstück: „Mehr Vater wagen“

Das Grußwort zum Zweiten Deutschen Gender-Kongress, auf den ich bereits hingewiesen hatte, hat es in sich:

Ein halbes Jahrhundert nach Willy Brandts legendärer Aufforderung an uns alle, „mehr Demokratie zu wagen“, würde er uns heute vermutlich dazu auffordern, „mehr Vater“ zu wagen. Gerade mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl und die fortschreitende Männerdiskriminierung. Wer sich nur in den Echokammern seines immer gleichen Meinungsumfeldes aufhält, wird niemals das genießen, was unsere Demokratie ausmacht: „Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit“.

Na, das ist doch mal ein knackiger Spruch: Mehr Vater wagen.

Das drückt in wenigen Worten aus, was wirklich anliegt. Genügend Männer wären bereit, Verantwortung zu übernehmen – der Staat macht es ihnen nur unnötig schwer bis unmöglich, das auch zu tun. Vater Staat ist ein schlechter Ersatzvater.

Hier wird genannt, was Lutz Bierend bei fatherleft und als Superlutz immer wieder angeführt hat. Auch Lucas Schoppe hat es ständig auf der Tagesordnung.

Es passt zur FDP, die das Wechselmodell als Standard fordert. Es spricht aber auch SPD-ler alter Schule an, die sich wehmütig daran erinner, für was ihre Partei mal unter Willy Brandt stand.

Und ganz nebenbei wird auch noch angesprochen, wo wir wirklich mehr „Diversity“ benötigen: Bei den Meinungen! Das ist immer noch das beste Rezept gegen eine postfaktische Gesellschaft.

Also, das wäre auch etwas zum Hingucken für Manuela Schwesig. Wenn sie denn wollte.

Das Grußwort steht derzeit bei www.genderkongress.org und vaeter-netzwerk.de. Dauerhaft wird es bei Genderama nachzulesen sein.

Aktualisierung: Lucas Schoppe zum selben Thema.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um Väter geht, die (wieder) am Leben ihrer Kinder teilhaben…

John Williams: Father and Son Reunited

Fundstücke: Osterhöschen

Den Hauptartikel hat Lion dankenswerterweise gestern schon geliefert. („ARD – Ansichten rassiger Damen-Popos“ – herrliche, dieses MAD-Zitat im Titel!) Ein paar Anmerkungen und eine Auswahl der schönsten Kommentare wollte ich aber noch bringen.

Das war abzusehen

Genderama zitierte, dass es angeblich kürzlich aufgrund einer lächelnden Frau (!) eine Beschwerde wegen sexistischer Werbung gab. Dazu läßt sich ganz abgeklärt sagen: Hier würde nur Realität, was doch schon vor Jahren angekündigt wurde: Denn sexistisch ist eine Werbung ja schon durch grundlos lächeln und glücklich sein – bei Frauen, wohlgemerkt! Denn bei der Sexismusbekämpfung müssen die Geschlechter unterschiedlich behandelt werden.

Ich erwarte, dass der neu eingesetzte Feministische Wächterrat ungetrübt durch gesunden Menschenverstand oder Toleranz seine abstrusen Maßstäbe umsetzt. Christian Schmidt beurteilte die Einsetzung von Stevie Schmiedel so:

Schmiedel ist die vollkommen falsche für ein solches Monitoring, weil ihr dafür die notwendige Distanz fehlt. Sie wäre, wenn sie die Überzeugungen vertritt, mit denen Pinkstinks wirbt, eine Extremistin, die die Darstellung von Geschlechterrollen verbieten will, bei der man also keine Hausfrau Wäsche waschen sehen dürfte ohne einen Wettbewerbsverstoß (!) zu begehen. Ich habe jedenfalls nicht gesehen, dass sie sich von diesem Plänen des Vereins, dessen Vorstand sie ist, distanziert.

Jemand, in dessen Welt die Wäsche waschende Ehefrau bereits Sexismus ist, der einen Wettbewerbsverstoß darstellt (statt einem Ansprechen des typischen Kunden) ist nicht geeignet, eine solche Überwachung durchzuführen.

Es steht dem Staat nämlich gar nicht zu, sich auf diese Weise in die Lebensweise der Menschen einzumischen und die von ihnen durchgeführte Arbeitsteilung als sexistisch abzuwerten, unabhängig davon, ob sie einem passt oder nicht.

Dass Schwesig Personen mit solch radikalen Ansichten zu Wächtern macht ist bedenklich.

Verschieben der Maßstäbe

Und es soll keiner glauben, dass in den Augen dieser Fanatiker noch irgendeine Werbung mit leichtbekleideten Frauen harmlos oder angemessen wäre. Die Maßstäbe werden immer weiter verschoben und dabei gegen „das jeweils schlimmste“ gerichtet, was noch übriggeblieben ist, was inzwischen glückliche, gutaussehende schlanke Frauen sind.

Erinnern wir uns an eine geplante Plakataktion von Pinkstinks (bei Alles Evolution gezeigt): Danach wäre die Reaktion auf eine BH-Werbung „sexy yes“ und die Bewertung „Manche Frauen lieben es, Dessous zu tragen“ – d.h., so eine Werbung wäre nach Pinkstinks 2016 ok.

Im Blog Scheidende Geister wird darauf hingewiesen, dass im Fall des „Osterhöschen“-Fotos ein Bezug zum Produkt eindeutig vorhanden ist:

Der Unterwäschehersteller Palmers postet ein Bild mit Frauen in Unterwäsche. Das ist für einen Unterwäschehersteller keine ungewöhnliche Sache.

Auch Frauen in Unterwäsche zu zeigen, wenn man Werbung für Frauenunterwäsche macht, wird jedoch, wie ebenfalls bei Genderama berichtet, vom Österreichischen Werberat als „herabwürdigend“ und „sexualisierend“ kritisiert. Mir fehlt nur noch eine Reaktion von Pinkstinks selbst, die ins selbe Horn stößt.

Best of Kommentare

Bei Alles Evolution kritisieren die Leser statt Sexismus vielmehr, dass die Frauen zu offensichtlich aus Photoshopistan kommen. In mehreren Artikeln und Kommentaren wird außerdem das „body shaming“ gegenüber schlanken, schönen Menschen kritisiert:

Nadja Hermann alias Erzählmirnix:

Wenn man schlanke Frauen „abgemagert“, „verhungert“ oder kindlich nennt, ist das eine Beleidigung, nicht mehr und nicht weniger.

Alice (bei Alles Evolution):

Was mir immer zu diesem Kindervergleichen einfällt, sei es bei „zu dünn“ oder „zu rasiert“ oder was auch immer … Wenn das reichen würde um wie ein Kind auszusehen, dann hätten wir die Lösung für Pädophile gefunden.

Miria weist darauf hin, dass das body shaming von Frauen kommt:

Warum haben Frauen es nötig, so auf anderen herumzuhacken?
Wie unzufrieden muss man eigentlich mit sich selbst sein, um die Körper anderer Frauen mit solchen sexistischen, beleidigenden Begriffen zu beschreiben?

Christian Schmidt mit einer äußerst vernünftigen Erklärung (bei Fettlogik überwinden):

Es geht eben nicht darum, was tatsächlich gesund oder besser wäre, es geht darum, sich in intrasexueller Konkurrenz aufzustellen.
Den Leuten ist bewußt, dass die Damen auf den Bildern klasse aussehen. Also bleibt nur der Gesundheitsaspekt um sich zu rechtfertigen: Die sind ein schlechtes Vorbild, treiben Kinder in den Magerwahn, Frauen werden zu Objekten gemacht etc.

Assoziation als Maßstab? Da geht noch einiges!

Mehrere Kommentatoren nehmen nehmen die Begründung, das Foto sei allein schon aufgrund einer Assoziation, welche eine (in Zahlen: 1) Person beim Betrachten habe, zu verdammen, ins Visier bzw. aufs Korn:

Dirk M. Jürgens (DMJ) bei Alles Evolution:

Dass „Ich habe beim Betrachten an etwas völlig anderes gedacht, also ist das schlimm!“ jetzt schon als Argument gilt, ist aber ein weiterer Tiefpunkt. Wenn sich jemand beim Anblick der Beklagenden an seine eigene, ihn misshandelnde Mutter erinnert fühlt, bringt das dann sie in die moralische Pflicht, ihr Aussehen zu verändern?

Nick (bei Alles Evolution):

Also wenn ich das Bild sehe denke ich, dass die Frauen gerade einen Mann in ein verfallenes Haus in einer gottverlassenen Gegend honeygetrappt und umgebracht haben. Nun überlegen sie, wie sie am besten die Leiche beseitigen! Ich habe mal zu Agentinnen recherchiert und kenne solche Bilder! Ich weiß, wovon ich spreche, und ihr nicht!

aranxo bei Fettlogik überwinden:

Ein analoges Beispiel zur Verdeutlichung. Ich bin manchmal etwas schräg drauf und deswegen fällt mir bei der Floskel „Grenzen überwinden“ folgendes Bild ein:

(gezeigt werden Wehrmachtssoldaten, die 1939 den Schlagbaum an der polnischen Grenze niederreißen)

Wenn ich jetzt argumentieren würde wie Milborn, würde ich die Floskel „Grenzen überwinden“ als imperialistisch brandmarken, weil ich eben mit meinen Erfahrungen auf diese Assoziation gekommen bin. Und deswegen haben gefälligst alle anderen „Grenzen überwinden“ ebenfalls als imperialistisch zu sehen und gefälligt nie wieder zu verwenden.

Und was das andere angeht: Islamisten produzieren Bilder. Wir produzieren Bilder, die ähnlich aussehen, aber einen komplett anderen Bedeutungsinhalt haben. Wenn wir uns es jetzt versagen, ähnliche Bilder trotz komplett anderen Bedeutungsinhalts zu machen, nur weil der IS ähnliches macht, dann überlassen wir ihm die Handlungsmacht und richten uns nach dem aus, was der IS treibt. D.h. wir sind nicht mehr Herr unserer eigenen Bilder, sondern vom IS abhängig. Und damit lassen wir uns seine Agenda aufdrücken. Was genau war daran nicht zu verstehen?

xyz bei Fettlogik überwinden, an eine Kommentatorin gerichtet:

Was sagen Sie denn zu denen, die Bilder von Moslems sehen und sagen: „Das erinnert mich an meine Recherchen von „menschenverachtenden Terroristen“?

Aber leben Sie gerne weiter in ihrer verbitterten feministisch verseuchten Moralapostel-Gedankenwelt, weil Sie keinen Spaß an den Dingen empfinden können, an denen andere Menschen Spaß haben. Und es gibt halt Frauen, die Spaß an ihrer Figur, ihrer Freizügigkeit und dem Spiel ihrer Reize haben, was in der Natur bei einem Lebewesen, was sich über Sex fortpflanzt auch nicht unnatürlich erscheint.

Und tut mir leid, aber wenn ich Feministinnen sehe oder höre, dann habe ich gewöhnlich aufgrund meiner Recherchen das Bild von asozialen rosinenpickenden Menschenhasserin im Kopf, die allen anderen ebenfalls ihre verbitterten Lebensweisheiten womensplainen wollen.

Und dann ist doch alles in bester Ordnung, dass jeder seine eigenen Vorstellungen über Personen, Situationen und die Welt bildet.

Der „Kampf gegen Sexismus“ ist aufgewärmtes 19. Jahrhundert

Nick (bei Fettlogik überwinden):

Ich finde es recht schwer zu übersehen, dass hier der gute alte Sittlichkeitsdiskurs des 19. Jahrhunderts auf feministisch fortgeführt wird. Und natürlich sind die abgebildeten Frauen „arme Dinger“ – damals hätten die Sittlichkeitsaktivistinnen sie wohl „gefallene Mädchen“ genannt und in Arbeitshäuser sperren lassen – „zu ihrem eigenem Besten“.

Das Bodyshaming besteht nmE vor allem auch darin, dass den Frauen aufgrund ihrer angeblichen „Anpassung an die Schönheitsideale“ – anhand ihrer körperlichen Erscheinung und ohne Ansehen der Person – tendenziell abgesprochen wird, Menschen zu sein, die einen zu achtenden eigenen Willen haben. Sie seien „zu schwach“, um sich gegen „die Schönheitsnormen“ „zu wehren“. Sie werden nicht für voll genommen.

Die Assoziation mit Menschenhandel schlägt dem Fass den Boden aus. Das ist nun wirklich ein unverhohlener Rekurs auf den „white slavery“-Diskurs des 19. Jahrhunderts. Ein Diskurs, mit dem nicht nur grobe Menschenrechtsverletzungen, wie beispielsweise Zwangssterilisierungen, legitimiert wurden, sondern auch einer, der extrem Rassistisch war.

So funktioniert die Ausgrenzung von Minderheiten: Die Männer der Opfergruppe werden dämonisiert, und die Frauen der Opfergruppe werden pädagogisiert. Beides ist aus menschenrechtlicher Sicht brandgefährlich, weil es eben die Idee der Gleichheit an Freiheit und Würde unterminiert.

Ich behaupte, dass _jeder_ mit einem Mindestmaß an Sensibilität anhand der Körperhaltung sofort den Unterschied zwischen dem Bild und Fotos aus dem Menschenhandel erkennen müsste. Die Frauen liegen entspannt beieinander, als ob sie sich über eine Party gestern unterhalten würden. Aber dieser Ausdruck wird eben den Frauen prinzipiell abgesprochen – buchstäblich ohne Ansehen der Person. Ganz abgesehen davon, dass da kein Müll, sondern Zweige in einem sauberem Haus herumliegen.

Wer solche Assoziationen pflegt verrät sehr viel über sich selbst. Und was er oder sie da über sich verrät, hat nun wirklich gar nichts mit einer angeblichen Sensibilität für Menschenhandel zu tun, das ist sehr billige Heuchelei.

Rohrschach

Und zum Schluss noch ein schöner Lacher:

aranxo (bei Fettlogik überwinden):

Lass es mich mit einem Witz ausdrücken (Achtung, nicht jugendfrei):
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Ein Psychiater legt seinem Patienten Tintenklecksbilder vor und bittet ihn, zu sagen, was er darin sieht. Beim ersten Bild sagt der Patient: „Zwei achtjährige Jungen, die sich gegenseitig einen blasen.“ Der Psychiater zieht die Augenbraue hoch, sagt aber nichts. Beim zweiten Bild: „Ein Mann, der einem Esel in den Hintern f….“ Und schließlich beim dritten Bild: „Eine Frau, die einen Akku-Schrauber als Dildo benutzt“ Schließlich meint der Psychiater: „Sie haben aber schon eine sehr ausgeprägte sexuelle Phantasie.“ Daraufhin der Patient: „Was kann ich denn dafür, wenn Sie mir lauter perverse Bilder vorlegen?“
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Das ist genau das, was passiert, wenn Feministinnen auf die Suche nach Sexismus gehen. Sie sehen ihn überall, weil sie ihn überall sehen WOLLEN.

Das war aber noch gar nicht der Lacher, sondern: Diesen Rohrschach-Test… gibt es doch schon längst als Comic! 😀
http://knowyourmeme.com/photos/918973-social-justice-warrior

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenigstens ein Lied mit Ostern im Titel…

Marillion: Easter

Novelle des Mutterschutzgesetzes vergeigt. Danke für nichts, Frau Schwesig.

Seit 1952 wurde das Mutterschutzgesetz nicht mehr überarbeitet, so schreibt es die Zeit. In der Sache kommt nicht viel. Ein bisschen mehr ökonomische Verwertbarkeit der Schwangeren, nicht überraschend in einer Zeit in der Feminismus oftmals nur der Deckmantel des Neoliberalismus ist. Ansonsten haben die Männer 1952 in urpatriachalen, frauenunterdrückenden Zeiten ihren Job zugunsten der Mutter anscheinend ganz gut gemacht. Auch nach 65 Jahren gibt es keinen Bedarf an grundsätzlichen Änderungen.

Oder?

Zwei Dinge haben sich jedoch definitiv verändert. Erstens, das immer lautere Gejammere darüber, daß Frauen die meiste „Carearbeit“ verrichten. Unbezahlt und nicht gewertschätzt. Man kann es natürlich auch als Privileg betrachten, dass überwiegend Frauen von der Last befreit sind, für die Familie die essentiellen Grundlagen zu erarbeiten. Oder dass die Partnerwahlkriterien von Frauen so gar nicht mit der staatlich gewünschten innerfamiliärlichen Aufgabenverteilung kompatibel sind. Zweitens, dass immer weniger überhörbar Väter vor und nach Scheidungen ihren Anteil an der Kinderbetreuung fordern.

Also, was fehlt an der Novelle des Mutterschutzgesetzes? Qualitätsmedien, da kommt Ihr nie drauf. Denn da müßtet Ihr ja wenigstens mal in die Kommentare unter euren Artikeln schauen.

Wäre es tatsächlich so abwegig, zumindest für ein paar Tage den werdenden Vätern Sonderurlaub zu garantieren? Wie wäre es denn mit der netten Geste, dass man dem Arbeitgeber wenigstens Dienstreisen zur ausberechneten Zeit der Niederkunft verbietet? In den Kommentaren wird angemerkt, dass Väter leer ausgehen selbst wenn es starke Komplikationen bei der Geburt gibt, nicht mal im Todesfall wird der Vater minimalst abgesichert.

Es gibt wohl kaum eine so verletzliche Situation für Mutter und Kind als die Geburt. In der sie mehr oder weniger angewiesen ist auf Schutz. Habt Ihr Feministinnen mal wieder nicht aufgepaßt? Oder ist Vater Staat doch mal wieder eh der einzig wahre, gute Patriarch?
Aber auch werdende Väter haben rund um die Geburt nicht nur viel zu tun, nein auch bei ihnen passiert viel. Eher nichts physisch, wohl aber psychisch.

Fazit: Danke für nichts, Frau Schweswig!

Kurznachrichten vom 30.03.2017

Nach langer Zeit mal wieder… Hier sind auch ein paar Links dabei, die nicht so frisch sind, die ich aber weder bei Genderama noch sonstwo entdecken konnte.

1: Brandneu dagegen: Der Schweizer Männerforscher Prof. Walter Hollstein darf bei der FAZ unter dem Titel „Männer haben keine Zukunft“ seine Position zur Jungen- und Männerkrise darlegen. Er zeigt auf, dass das Desavouieren von Männlichkeit inzwischen zu ernsthaften Problemen in der Gesellschaft geführt hat. Wenn man Männer fürs Funktionieren auch noch nieder macht anstatt sie zu belohnen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn diese keine Lust mehr haben zu funktionieren.

2: Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Auftrag des Deutschen Hochschulverbandes eine Umfrage über die Arbeitssituation und -zufriedenheit der Hochschullehrer durchgeführt. Dabei ist unter anderem folgendes heraus gekommen:

Massiv verschoben hat sich auch die Einschätzung der Frage, ob Frauen oder Männer bessere Chancen an der Universität haben. Auf die Frage „Haben Ihrem Eindruck nach weibliche Nachwuchswissenschaftlerinnen geringere oder größere Chancen, eine Anstellung an der Hochschule zu bekommen, als gleich begabte männliche Kollegen?“ antworteten 1976 37 Prozent der Professoren, Frauen hätten geringere Chancen. Lediglich ein Prozent hielten sie für bevorzugt, die übrigen sagten, sie hätten gleiche Chancen oder äußerten sich unentschieden. Dieses Bild hat sich heute umgekehrt: 2016 antworteten noch 10 Prozent der Professoren, Frauen hätten geringere Chancen, während 44 Prozent ihnen bessere Chancen zuschrieben. Bei dieser Frage gibt es naheliegenderweise große Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Befragten, doch auch die Frauen sagten mit einer knappen relativen Mehrheit von 48 zu 44 Prozent, Frauen hätten mindestens die gleichen Chancen auf eine Anstellung an der Universität wie Männer. […] Aus einer Frauendiskriminierung ist nach dem Eindruck einer Mehrheit der Hochschullehrer eine Männerdiskriminierung geworden.

3: Alicia Keys macht im Netz mit folgendem Foto Furore:

Die Berliner Zeitung berichtet von Protesten dagegen.

4: Linda Sarsour, Mitorganistatorin des „Women’s March“ und offene Befürworterin der Scharia, meint, als Feministin könne man nicht gleichzeitig Zionistin sein.

Tja, wenn man als Bewegung schon gemeinsame Sache mit Islamisten macht, braucht man sich nicht zu wundern, dass man sich damit auch den Antisemitismus mit ins Boot holt.

5: Die Grünen schaufeln sich fröhlich weiter ihr eigenes Grab: Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz verteidigt die Kinderehe, vulgo die von im Ausland geschlossenen Ehen von Zuwanderern.

6: Frauenministerin Manuela Schwesig versorgt mehr und mehr ihr eigenes Klientel mit Jobs. Stevie Schmiedel von PinkStinks soll jetzt in ihrem Auftrag den Deutschen Werberat kontrollieren, ob der auch genug Rügen gegen „sexistische“ Werbung ausspricht.

7: Anlässlich des Luther-Jahres wollte eine Düsseldorfer Jugendkirche mit einer frechen Kampagne für das Reformationsjubiläum mit Luther-Sprüchen auf Kondomen werben. Da war z.B. das Luther-Zitat „Hier stehe ich und kann nicht anders“ bzw. auch „Es wird genagelt bis der Papst kommt“ oder „Für Huren und Heilige“ auf der Packung aufgedruckt. Eigentlich recht witzig, wie ich finde. Die rheinische Landeskirche sah das aber ganz anders und stoppte die Aktion. Denn angeblich fühlten sich dadurch „Opfer sexueller Gewalt“ diskriminiert und die Kondome verbreiteten ein „sexistisches Menschenbild“. Hier das merkwürdige Rechtfertigungsvideo der Kirche:

„Mädchen und Frauen“ hätten sich gegen die Aktion gewehrt. Welche, sagt er nicht. Wie man von „Hier stehe ich und kann nicht anders“ auf sexuelle Gewalt kommen kann, ist mir ein ziemliches Rätsel. Wobei, für einen bestimmten Schlag Feministinnen ist Sex ja eh dasselbe wie Gewalt.

Logik ist inzwischen in gesellschaftlichen Debatten irrelevant geworden. Es muss sich nur irgendwer betroffen fühlen, schon ziehen alle den Schwanz ein. Sagte ich eben „irgendwer“? Das stimmt ja nun nicht ganz, man muss schon zu einer offiziell anerkannt marginalisierten Gruppe gehören, dann geht was. Gehört man aber zu den offiziell privilegierten, hat man die Arschkarte gezogen. Da kann man so betroffen sein, wie man will, es hört eh keiner zu.

8: Bleiben wir kurz bei der Kirche: Der Salzburger Bischof und Moraltheologe Andreas Laun hat heftig gegen die Gender-Ideologie gewettert, allerdings in einer Wortwahl, bei der ich mich scheue zu sagen, dass ich prinzipiell in der Sache auf seiner Seite stehe, aber aus ganz anderen Gründen als der Bischof. Besonders an folgender Textpassage stört sich dann auch queer.de:

Besonders gefällt dem Teufel bei dieser Lüge, dass es irgendwie gestörte Männer und Frauen gibt, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren und damit seine Lüge zu bestätigen scheinen.

Ich habe nun mit Gott und Teufel wenig am Hut, und Homosexuelle als gestörte Menschen zu bezeichnen halte ich für ziemlich abenteuerlich und auch beleidigend. Besonders aberwitzig wird es, wenn ausgerechnet er als katholischer Geistlicher behauptet:

Die Gleichberechtigung ist längst ein anerkanntes Prinzip, gerade auch für Christen.

Irgendwie muss ich den päpstlichen Beschluss verpasst haben, dass Frauen jetzt auch in der katholischen Kirche Priesterinnen werden dürfen. Kann mir da mal wer ein Update geben? Aber andererseits: Jeder Verein hat seine eigenen Regeln, und niemand ist verpflichtet, weiter in einem Verein zu bleiben, dessen Regeln ihm (oder speziell: ihr) nicht passen. (Die speziellen Regeln beim Austritt aus dem Islam lasse ich jetzt mal unberücksichtigt…)

9: Die Autohersteller Holden und Kia sowie die australische Elektronikmarkt-Kette JB Hi-Fi setzen Google unter Druck und haben ihre Werbung bei YouTube eingestellt, solange YouTube-Besitzer Google nicht sicherstellen kann, dass keine Werbung von ihnen vor anti-feministischen Videos gezeigt wird. Das wiederspreche ihrer firmeninternen Diversity-Politik. (Der Artikel ist leider nur lesbar, wenn man sich kostenlos als User anmeldet). Die Vergehen waren:

The series of videos by one YouTube user centred around a men’s rights movement known as MGTOW (Men Going Their Own Way) – a group of straight men who will not date women and believe feminism has ruined society.

One included an edited segment from Ten Network’s Studio 10 that showed an interview with controversial author Peter Lloyd, who wrote the book Stand by Your Manhood. The video insults the Ten hosts, including calling former Australian of the Year Ita Buttrose a „hag“.

Another video is titled „‚Feminism A Mental Disease MGTOW“.

Fundstück: Eine Brille für Schwesig

MANNdat haut in letzter Zeit ordentlich Artikel raus und gibt sich dabei einerseits bissig, liefert andererseits aber auch Fakten. Gute Mischung!

Die neueste Aktion heißt „Eine Brille für Schwesig„. Der Sinn dahinter:

Warum sieht die deutsche Geschlechterpolitik nur Frauen? Vielleicht ist es nur eine Sehschwäche des politischen Establishments. In der Kampagne „Eine Brille für Schwesig“ wollen wir vom Internationalen Frauentag bis zur Bundestagswahl 2017 regelmäßig Denkanstöße liefern, die den Blick auf das unsichtbare Geschlecht immer ein Stückchen weiter schärfen. Die Kampagne können Sie auch auf Facebook oder Twitter verfolgen.

Und so muss man es wohl auch machen: Eigene Inhalte anbieten und gleichzeitig in den sozialen Medien präsent sein.

Der Witz ist: Natürlich braucht Manuela Schwesig keine Brille – was da geschieht, ist alles volle Absicht einer Überzeugungstäterin. Und natürlich wird Schwesig all die Ausführungen nicht lesen – ebensowenig wie sonst jemand vom BMFSFJ. Aber es wird genügend Leute auf der Galerie geben, die all das wahrnehmen werden, inklusive dem Ignorieren durch Ministerin und Ministerium. Insofern hat MANNdat auch eine gute Antwort gefunden auf all die desillusionierten Kritiker, die bemängeln, Aktive würden zu naiv an die Sache gehen.

Mal sehen, was noch unter dem Stichwort bei manndat.de oder dem Hashtag #EineBrilleFürSchwesig bei Twitter erscheint!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Sogar Buddy Hollys Brille hat man in der Zwischenzeit wiedergefunden – da kann es mit einer für Schwesig doch nicht so schwer sein!

Die Ärzte: Buddy Hollys Brille

Warum ich von der SPD einen weiblichen Kanzlerkandidaten erwartet hätte

Wir sind inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem Satiremagazine wie der Postillon bessere Nachrichten bringen als die echten Journalisten. Man lese sich das fiktive Interview mit Sigmar Gabriel durch – da werden die wichtigsten Punkte klar benannt. Wenn man umgekehrt aus dem Aufwachen-Podcast auf die offizielle Berichterstattung schaut und sieht, wie da der SPD-Ortsverein aus der Heimat von Martin Schulz auf dessen Kanzlerkandidator reagiert, dann wirkt das alles nicht nur überflüssig, sondern auch inszeniert (wie Stefan Schulz und Tilo Jung bereits sehr treffend feststellen).

Aber wenn so eine Entscheidung ohnehin von oben herab getroffen wird, ohne die Basis irgendwie einzuspannen, dann könnte man doch noch ganz andere Optionen umsetzen. In einem Punkt sind mir erst die Augen aufgegangen, als ich einen Kommentar von xyz bei Alles Evolution las:

Wenn man dann noch bedenkt, dass die SPD als streng männerhassende Partei schon wieder keine Frau an die Spitze lässt und Martin Schulz auch nicht unbedingt den optischen Bedürfnissen weiblicher Wähler entspricht, könnte das auch noch so manche weibliche Wählerstimme kosten.

Es ist schon fast tragisch. Da plärrt eine wie Frau Schwesig herzzerreißend jahrelang zusammen mit ihrem Wackeldackel Heiko Maas, dass Frauen die bemitleidenswertesten Geschöpfe seien und selbst in der frauenpampernden SPD lässt sich kaum eine Frau finden, die bereit wäre, Verantwortung für den Saftladen zu übernehmen.

Da steckt viel Wahrheit drin: Warum eigentlich nicht Manuela Schwesig antreten lassen und besser sein als die Grünen, die nicht genügend Frauen finden, die politisch arbeiten wollen? Die SPD ist doch für nichtfeministische Männer ohnehin unwählbar und der SPD sind Männer herzlich egal.

Das wäre doch endlich die Gelegenheit, die männliche Gesellschaft überwinden, so wie es im Grundsatzprogramm steht. Schwesig könnte sofort zur Tat schreiten und aufklären, ob eine Frau als Kanzler nicht 20% weniger verdient. In ihrem Kabinett kann sie 50% Frauen in den Ministerposten durchsetzen.

Nach zwei Männern ist es endlich Zeit für einen weiblichen Merkel-Herausforderer. Nur so läßt sich die Quote von mindestens 30% bei den Spitzenpositionen erfüllen!

Für heutige „Linke“ sind Fragen von Klasse oder Gerechtigkeit kein Thema mehr und junge Linke haben ohnehin den Bezug zur Unterschicht verloren. Die SPD kann sich konsequent als Partei der Karrierefrauen und Studienabbrecherinnen präsentieren. Und sollte es trotz allem mit der Wahl nicht klappen, kann die Kandidatin im Zweifelsfall immer noch Vizekanzlerin werden und eine weitere gläserne Decke durchstoßen.

Also, alte Dame SPD, jetzt mal nicht so lahm! Wer dezidiert Frauen fördern will, muss mit gutem Beispiel voranschreiten.

Bitte nicht von sozialromantischen Ausführungen irritieren lassen! Das sind alles nur Sozialdemokraten alter Schule, das erledigt sich von selbst.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Wir wählen SPD“ und „Wir sind für Europa“ – ja, da haben wir doch gleich ein passendes Lied für den Wahlkampf!

Funny van Dannen: Luftballon

Schon sieben Prozent Überwachungsstaat – Lohngleichheitsgesetz und Gender Pay Gap

Es folgt ein Gastartikel von Jonas.

Wenn es einen toten Winkel gibt, der im Verdacht steht, unfeministische Unmoral zuzulassen, muss dieser ausgeleuchtet werden. In Zeiten des zunehmend autoritären Staatsfeminismus bedeutet das, dass ein Überwachungsstaat eingerichtet werden muss. Die Frauenquote war hierfür ein Anfang. Denn was braucht man, um zu garantieren, dass die gesetzlichen Frauenquoten in privaten Unternehmen durchgesetzt werden? Staatliche Kontrolle. Ein bisschen staatliche Kontrolle privater gesellschaftlicher Bereiche ist noch kein Überwachungsstaat. Aber viel und umfangreiche Kontrolle schon. Und auf diesem Weg befinden wir uns. Denn nun müssen sich die privaten Unternehmen wieder dem Auge des Staates entblößen und man sollte sich auf der Zunge zergehen lassen wofür. Für sieben Prozent irgendetwas.

Für sieben Prozent Steuerhinterziehung? Nein, das wäre ja noch halbwegs nachvollziehbar, denn das Geld gehört ja dem Staat. Für sieben Prozent zu wenig Feuerlöscher? Dafür würde man kein extra Gesetz erlassen, das die Unternehmensfreiheit weiter einschränkt, obwohl sieben Prozent Feuerlöscher zu wenig durchaus schlimme Folgen haben könnten. Nein, es handelt sich um sieben Prozent durchschnittlichen Lohnunterschied zwischen Frau und Mann, deren Ursache man nicht genau kennt und wo die Regierung vermutet, dass sie durch frauendiskriminierende Praktiken in den Unternehmen zustande kommen. Auch das, es sei klar und deutlich festgestellt, ist noch kein Überwachungsstaat. Aber das Lohngleichheitsgesetz, das neue Gesetz zur Beseitigung des bereinigten Gender-Pay-Gaps (bGPG) offenbart ein besorgniserregendes Verständnis von den Aufgaben und den Grenzen staatlicher Gewalt und zeigt damit: Der Überwachungsstaat wird kommen, denn wer vor der Frauenquote nicht zurückgeschreckt ist und danach noch eine zweite Salve auf die Unternehmensfreiheit abfeuert, der wird auch weitere nicht scheuen oder sogar für „überfällig“ halten. Dies eine Gesetz ist zwar nur ein kleines Mosaiksteinchen, das erst mal noch nicht viel anrichten wird, aber das Bild, das entstehen soll, ist schon ungefähr klar und weitere Steinchen werden folgen. Nun haben wir also für sieben Prozent irgendwas schon sieben Prozent Überwachungsstaat. Kurios übrigens, dass der feministische Staat durch das neue Lohngleichheitsgesetz nicht selber überwacht, sondern die Unternehmen verpflichtet, sich selbst zu überwachen und die Kosten für die dadurch entstehende Bürokratie selbst zu tragen. Das wäre so, wie wenn der DDR-Dissident die Wanze, die in seinem Wohnzimmer spioniert (weil die Stasi errechnet hat, dass eine siebenprozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass er Westradio hört) selbst kaufen und einbauen muss. Also liebe Frau Ministerin Schwesig, wie wäre es denn, wenn sie für ihre Marotten, die sie an den privaten Unternehmen auslassen, eine Ausgleichszahlung für den zusätzlichen Papierkram anbieten würden? Das wäre etwas lächerlich aber sehr gerecht.

Früher dachte ich immer, der Überwachungsstaat wird wegen der „Terrorabwehr“ eingeführt. Das wird er auch bestimmt, doch heute glaube ich, dass der feministische Überwachungsstaat noch schneller sein wird. Da wird heutzutage schon mal die gesamte (!) Privatwirtschaft unter den Generalverdacht des „Sexismus“ gestellt. Wie wär’s denn für 2020 mit Überwachungskameras in den Betrieben um „sexistische Kommentare“ und „Belästigung“ am Arbeitsplatz effektiv zu bekämpfen? Das Videomaterial muss von der Regierung und der Frauenbeauftragen des Unternehmens regelmäßig gesichtet werden. Ach so, und die Kameras muss natürlich der Arbeitgeber bezahlen, der kann das allen beschäftigten weißen heterosexuellen Männern dann vom Lohn abziehen, weil noch 0,7% bGPG übrig sind. Dann haben wir endlich Gerechtigkeit. Quatsch, sagen jetzt die sozialdemokratischen bis linksradikalen Gesellschaftsingenieurinnen und Gesellschaftsingenieure, ein bisschen Unfreiheit.. was soll schon passieren, es ist doch für eine gute Sache. Ein braves und fortschrittliches Unternehmen, das peinlich darauf achtet, genug Quotenfrauen vorweisen zu können und keinen statistisch erfassbaren bGPG zu erzeugen, hat ja schließlich nichts zu verbergen! Doch wer die Freiheit aufgibt um Gerechtigkeit herzustellen, wird am Ende beides verlieren. Abgesehen davon, dass „Gerechtigkeit“ hier Ansichtssache ist. Ist die Existenz eines bGPG denn überhaupt ungerecht?

Ich persönlich vermute, dass der bGPG hauptsächlich dadurch zustande kommt, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen etwas zurückhaltender sind und auch gar nicht die Absicht haben, maximalen Lohn aus ihrer Arbeit herauszuholen. Traditionellerweise sind ja nicht sie die Hauptverdiener der Familie, sondern der Ehemann. Desweiteren werden Frauen bei schweren körperlichen Arbeiten aus offensichtlichen Gründen vielleicht durchschnittlich weniger bezahlt, was im bGPG nicht unbedingt berechnet wird. Und auch bei nicht körperlichen Arbeiten wird die Leistung des einzelnen Mitarbeiters nun mal zum Glück nicht durch staatliche Statistik, sondern durch den Unternehmer bewertet. Wenn ein Unternehmer hierbei „politisch unkorrekt“ bewertet, muss man diese Entscheidung akzeptieren, anstatt den Unternehmer pauschal unter den Verdacht des „Sexismus“ zu stellen. Es kann ja einfach sein, dass Frauen halt durchschnittlich (durchschnittlich!) etwas weniger oder weniger wertvolle Leistung erbringen und sie dementsprechend bezahlt werden. Das wäre doch kein Weltuntergang. Vielleicht aber ist ein großer Teil dieser sieben Prozentpunkte tatsächlich durch echte Diskriminierung bedingt. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon? Niemand, denn die sieben Prozent sind ja nicht umsonst durch die Statistik nicht erklärt. Kann und muss man so was überhaupt wissen? Ist das nicht eigentlich ziemlich alberne Erbsenzählerei? Die These jedenfalls, dass das alles „Sexismus“ ist, der so fies und verheerend ist, dass der Staat gleich die Unternehmensfreiheit (die ein Grundrecht ist) beschneiden muss um ihn zu bekämpfen, ist
jedenfalls sehr gewagt. Aber warum denken Regierung und Öffentlichkeit so? Weil sie eine
paranoide Angst vor der Sünde des Sexismus haben. Weil ihnen die eigene Moral höher steht, als die Wirtschaftsfreundlichkeit, die politische Vernunft, die Freiheit und letztendlich das Grundgesetz. Und weil sie dumme Materialisten sind, den der Unterschied, ob sie nur einen Flachbildfernseher oder einen Flachbildfernseher mit Sky-Abo haben, äußerst wichtig und hochpolitisch ist. Kurz: Weil sie fortschrittliche Mainstream-Staatsfeministen sind.

Warum ich die Eltern für vernünftiger halte als Manuela Schwesig und das Allensbach-Institut

Ein Bekannter von mir, der Naturwissenschaften studiert hat, sagte einmal folgendes über bezahlte Studien im Auftrag von Politik und Unternehmen: Auf dem Formular zum Ausfüllen sollte stets Platz sein, damit das gewünschte Ergebnis auch eingetragen wird.

Via Frankfurter Erklärung bin ich vor ein paar Tagen auf eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aufmerksam geworden: „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ (die Studie als PDF). Launisch kommentiert wurde die Berichterstattung darüber bereits von Klaus Kelle: N24 weiß, was Frauen wünschen. Kelle fasst die Ergebnisse der Studie völlig anders zusammen:

Eine neue Studie aus Allensbach bestätigt, was jeder weiß, der mit offenen Augen durch diese Gesellschaft geht.

Die traditionelle Familie aus Mann, Frau und Kindern lebt nicht nur, sie ist weiterhin ein wahres Erfolgsmodell. Und spätestens mit der Geburt des erstens Kindes nehmen die meisten Paare die tradierten Rollenmodelle an – ER, der Berufstätige und „Ernährer“, SIE, die Frau, die sich um ihre Kinder kümmert. Das Interessanteste dabei: die Paare entscheiden sich freiwillig und einvernehmlich für dieses Modell, weil nämlich insbesondere die Frauen die Zeit mit ihren kleinen Kindern nicht als Last, sondern als großes Glück empfinden.

N24 hingegen, so Kelle, spreche davon, dass Frauen vor allem mehr arbeiten wollen. Das ist für sich genommen gar nicht falsch, zumindest wenn sie bereits arbeiten. Neulich wies „der VÄTER Blog“ etwa auf den Mythos Fachkräftemangel hin: „Fachkräftemangel? – Unterbeschäftigte Erwerbstätige wollen mehr arbeiten.„. Klare Sache, 3 Millionen Beschäftigte wollen mehr arbeiten, hingegen eine Million weniger. Nur gilt das für Männer und Frauen gleichermaßen, ist also rein statistisch kein spezielles Frauenproblem.

Es blieb die Frage, ob Klaus Kelle richtig lag. Die Frankfurter Erklärung wies zusätzlich noch auf einen Artikel der Frankfurter Rundschau hin: Studie: Vater Vollzeit, Mutter Hausfrau.

Da wurde ich schon skeptischer. So lautete eine Bildunterschrift: „Das Konzept einer glücklichen Familie. Doch nach wie vor setzt sich schnell das Konzept der traditionellen Rollenverteilung durch.“ Darin steckt die Wertung, die traditionelle Rollenverteilung sei unvereinbar mit einer glücklichen Familie. Das sollten die Ehepartner doch noch wohl selbst entscheiden dürfen. Selbst wenn das nur 20% wollen (ausgedachtes Beispiel, solange ich die Quelle nicht wiederfinde. Ich hatte vage eine Statistik von Alles Evolution im Kopf, bei der 20% der Frauen Hausfrau sein wollten, 60% ein wenig arbeiten und Kinder haben und 20% nur Karriere, finde den Beitrag aber nicht mehr).

Manuela Schwesig wird damit zitiert, bei vielen Familien liefen Wunsch und Wirklichkeit auseinander – so als ob das allein schon dramatisch wäre, obwohl das im Leben doch oft passiert. Die Grafik in dem Artikel weckte dann vollends meine Skepsis, denn sie enthielt als Kriterium für die richtige, politisch gewollte Aufgabenteilung die Formulierung „So viele halten diese Form für ideal, wenn man auf nichts Rücksicht nehmen müsse“.

Auf zwei Zugfahrten nahm ich mir die Zeit und las mir tatsächlich die gesamte Studie durch. 67 Seiten ist ein schaffbares Pensum.

Die Kurzfassung: Eine Menge „was wir schon immer wussten“ bzw. gesunder Menschenverstand. (Dabei ist es durchaus nützlich, diese Sachverhalte noch einmal ausdrücklich bestätigt zu bekommen.)

S. 4: 43 Prozent der Elternpaare haben ein Kind in ihrem Haushalt, 40 Prozent haben zwei Kinder, 17 Prozent drei oder mehr Kinder.

Das sind ja extrem wenig Kinder, wenn man bedenkt, dass für demographische Stabilität 2,1 gebraucht werden. Hier wurden nur Paare befragt, die bereits Kinder hatten. Selbst wenn die meisten zwei Kinder hätten, müsste es immer noch einige mit mindestens drei Kindern geben. Das ist der erste interessante Sachverhalt, der nicht weiter untersucht wird.

S. 4: In 24 Prozent der Familien verfügen die Väter über einen höheren Schulabschluss als die Mütter, in 27 Prozent haben die Mütter den höheren Schulabschluss. In 49 Prozent der Familien haben beide Partner den gleichen Schulabschluss erreicht.

Also Gleichberechtigung – mit leichten prozentualen Vorteilen für die Frauen.

S. 4: In über drei Vierteln der Haushalte erzielen zwei Personen Einkommen – in etwa jedem fünften Haushalt erzielt nur eine Person Einkommen (einschließlich Elterngeld, Mieteinkommen etc.). In 82 Prozent der Familien ist der Mann der Hauptverdiener.

Also die klassische Aufteilung: Mann Hauptverdiener, Frau evtl. Teilzeit.

S. 5: Nach der Geburt des ersten Kindes und nach den teils kürzeren, teils längeren Elternzeiten, verändern sich die Erwerbskonstellationen der Elternpaare erheblich. In vielen Familien reduzieren die Mütter ihre Berufstätigkeit oder scheiden ganz aus dem Beruf aus, während die Väter Vollzeit berufstätig bleiben. Die vor der Geburt bestehende Dominanz der Vollzeit/Vollzeit-Konstellationen verliert sich und macht einer Vielzahl unterschiedlicher Modelle Platz. Vor allem bestimmen dann Konstellationen mit einer Vollzeitbeschäftigung des Vaters und einer Teilzeitbeschäftigung der Mutter das Bild, wobei aber der zeitliche Umfang dieser Teilzeitarbeit stark variiert.

Also auch hier: Normalität in Anbetracht der veränderten wirtschaftlichen Lage: Ein Gehalt reicht heutzutage meistens nicht mehr; vor dem ersten Kind arbeiten beide Partner voll. „Ein Kind verändert alles.“ und „Ein Kind erfordert Zeit.“

S. 6: Beachtlich: Vor der Geburt des ersten Kindes arbeiten Männer 43 Stunden, Frauen nur 37. Warum?

S. 8 ebenso, dazu: Vater nach dem letzten Kind wieder auf 43 statt 42 Stunden. Männer haben die Wahl zwischen Vollzeit und Vollzeit.

S. 9: 2005-2015: Der Anteil gar nicht oder kaum berufstätiger Frauen geht zurück, Wachstum bei Berufstätigen mit mehr als 15 Wochenstunden und Vollzeit.

S. 9: Durch diese Entwicklung wird das vorherrschende Muster aber noch nicht außer Kraft gesetzt. Nach wie vor wirkt das berufliche Zurückstecken der Mütter beim ersten Kind lange nach. Das lässt sich aus den Berufsverläufen von Frauen erkennen. Lediglich bis etwa zum 30. Lebensjahr ist die Mehrheit der Frauen Vollzeit berufstätig. Danach liegt der Anteil Vollzeit erwerbstätiger Frauen deutlich unter 50 Prozent. Die Weichenstellungen im Zusammenhang mit der Familiengründung betreffen Frauen nicht nur für eine kurze Phase, sondern erweisen sich für viele als berufs- und lebensprägend.

Wer hätte das gedacht? Ein Kind verändert das ganze Leben… nur der Vater darf vorher wie nachher ackern. Viel interessanter: Dass es inzwischen als normal gilt, das erste Kind nicht vor 30 zu bekommen.

S. 12: Das ist also das Ziel der Studie: die Idealvorstellungen von Eltern umsetzen. Was diese Idealvorstellungen sind, dazu kommen wir später noch.

S. 13 und 17: Lesenswerte Zitate.

S. 18: Die meisten Eltern hatten von vornherein feste Vorstellungen, wie eine solche Aufteilung aussehen könnte (58 Prozent).

S. 19: Dabei stimmten die grundsätzlichen Vorstellungen von Männern und Frauen meist überein. Die Aufgabenteilung verlief für 87 Prozent ohne Kontroversen

Die Leute wussten mehrheitlich vorher, was sie wollten, und fanden ohne größeren Streit gemeinsam eine Aufgabenteilung. Klingt doch gut und nach Menschen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen.

S. 19: Grundsätzlich erklären sich 90 Prozent der Mütter und Väter mit der Aufgabenteilung zufrieden (55 Prozent) oder sogar sehr zufrieden (35 Prozent). Das bedeutet aber nicht, dass die getroffene Aufteilung auch bereits der Wunschaufteilung entspräche. Viele Eltern fänden eine andere Aufteilung ideal und hätten sich unter anderen
Rahmenbedingungen auch für eine andere Aufteilung entschieden (vgl. Kapitel 5 sowie Schaubild 23). Bei diesen Eltern signalisiert die geäußerte Zufriedenheit eher die Überzeugung, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste gemacht zu haben.

Noch einmal die Betonung, dass Zufriedenheit nicht das Ideal bedeutet. Beachtlich, dass die meisten entsprechend der Rahmenbedingungen das beste gemach haben.

S. 26: Hauptgründe dafür, dass Väter trotz ihres Wunsches nach einer Elternzeit ihre Berufstätigkeit nicht unterbrachen, waren die Furcht vor Einkommensverlusten bei 60 Prozent dieser Väter, vor Nachteilen im Beruf (38 Prozent) und vor Problemen bei der Organisation im Betrieb (35 Prozent, Mehrfachangaben).
(…)
Ähnliche Befürchtungen halten viele Väter, die in Elternzeit gehen, davon ab, mehr als jene zwei Monate Elternzeit zu beanspruchen, die vom Elterngeld als „Partnermonate“ abgedeckt werden. Dabei hätten sich 54 Prozent der Väter, die nach ihrer
Elternzeit bereits wieder in ihren Beruf zurückgekehrt sind, eine längere Elternzeit gewünscht.

Mit anderen Worten: verantwortungsvolle, moderne Männer.

S. 27: Duch den erkennbaren Wandel der Muster könnte es Vätern in Zukunft leichter fallen, ihre Wünsche nach einer Elternzeit zu realisieren. Ein konkretes Beispiel dafür liefert ein befragter Vater, der sich erst beim zweiten Kind zu einer Elternzeit entschloss, weil in seinem Betrieb inzwischen „jeder“ angehende Vater von der Elternzeit
Gebrauch mache.

Na also!

S. 28 Die Aufteilung der Berufsarbeit wird durch Leitbilder und Idealvorstellungen zur Berufstätigkeit und zur Kinderbetreuung beeinflusst. Zugleich machen sich persönliche Voraussetzungen wie etwa die Berufserfahrungen und die Einkommensverteilung vor der Geburt bemerkbar. (…) Mütter, die bereits vor der Geburt der Kinder im Beruf viel Verantwortung hatten oder gut verdienten, kehren nach der Elternzeit eher auf Vollzeitstellen oder in eine längere Teilzeit zurück als andere.
(…)
Allerdings wirken sich solche Faktoren vor allem auf die Erwerbsbeteiligung der Mütter aus. Die Beschäftigung der meist Vollzeit berufstätigen Väter variiert nach der Geburt der Kinder ungleich weniger.

Mit anderen Worten: Wer ist freier?

Zitate S. 29 (Motive der Aufteilung) zusammengefasst: Mann verdient mehr, Frau wollte für das Kind da sein.

S. 29 Bei ihren Beschreibungen der Aufteilungsprozesse weisen die Mütter und Väter drei Einflüssen besondere Bedeutung zu: Den Wünschen der Mutter, Zeit mit dem Kind zu verbringen, die 70 Prozent als besonders bedeutsam für ihre Aufteilung betrachten, den Wünschen der Mutter, das Kind in den ersten Jahren selbst zu betreuen (66 Prozent), sowie der Einkommensverteilung vor Geburt des Kindes (60 Prozent).

S. 30 die beiden wichtigsten Aspekte (92 und 87 %): Wünsche der Mutter!

S. 31: Etwa die Hälfte der Eltern verfolgt das Leitbild einer spezialisierenden Aufgabenteilung, bei der sich der Vater vor allem um die Berufsarbeit und die Mutter vorwiegend um die Betreuung und Erziehung der Kinder kümmert.
(…)
Von daher handelt es sich hier meist um das Ideal einer „partiellen“ Spezialisierung, in der die Mutter nach längerer Elternzeit in kürzerer Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung wieder berufstätig ist.

S. 31/32: Das Leitbild hat sich seit 1982 stark gewandelt; damals war Berufstätigkeit der Mutter noch wenig beliebt. Frage: Hat die Entwicklung der Löhne etwa etwas damit zu tun?

S. 33: So legen 32 Prozent der Mütter und Väter besonderen Wert auf Elternzeiten von Vätern und 25 Prozent erklären: „Ich finde es für eine Familie am besten, wenn beide Eltern gleich viel arbeiten und sich die Kinderbetreuung gleichermaßen aufteilen“.

Also eine Minderheit.

S. 37: Besonders deutlich unterscheiden sich die Leitbilder in Westdeutschland und Ostdeutschland (vgl. Schaubild 16). International vergleichende Studien zeigen, dass in Ostdeutschland ähnliche Leitbilder vorherrschen wie beispielsweise in Frankreich oder in Schweden. In Westdeutschland war dagegen über Jahrzehnte ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber der Fremdbetreuung kleiner Kinder prägend sowie auch das Leitbild der spezialisierten Aufgabenteilung zwischen den Partnern.

(Als Quelle dient eine Ministeriumsveröffentlichung!)

Ach, die bösen Westdeutschen! Wollen einfach nicht, was andere wollen. Vergleichsfrage: Wie ist das Einkommen in Ostdeutschland im Vergleich zu Frankreich und Schweden?

S. 39 Zitate: Wer mehr verdient… und das ist der Mann.

S. 39: Dabei wird die scheinbare Offenheit, wer nun die Berufs- und wer die Familienarbeit übernimmt, in der Praxis allerdings dadurch konterkariert, dass berufstätige Männer vor der Geburt des ersten Kindes weitaus häufiger das größere Einkommen erzielen. 46 Prozent der Väter berichten, vor der Geburt des Kindes deutlich mehr verdient zu haben als ihre Partnerinnen.

Wie kommt das, wo doch Frauen im Schnitt sogar leicht bessere Abschlüsse haben? Liegt es daran, dass sie weniger Stunden pro Woche arbeiten?

S. 40 Zitat: Frau hat vorher mehr verdient, wollte aber fürs Kind da sein

S. 40: Hier setzen sich die Betreuungswünsche der Mütter häufig gegenüber dem ökonomischen Kalkül durch.

Die bösen Frauen! Wollen einfach nicht in rein ökonomischen Kategorien denken, sondern ihre Wünsche durchsetzen.

S. 40/41: Dort, wo beide Elternteile vor der Geburt nach eigener Angabe „gut“ verdienten, entscheiden sich sogar 39 Prozent der Paare für eine stärker berufsorientierte Erwerbskonstellation mit dem Vater in Vollzeit und der Mutter ebenfalls in
Vollzeit oder in längerer Teilzeit (Schaubild 21). Insgesamt umfasst der Anteil der Mütter, die in diesen Familien in Vollzeit oder längerer Teilzeit in den Beruf zurückkehren, 44 Prozent.

Die Zahl kann man unterschiedlich interpretieren, nur ist deutlich, dass in diesen Familien offenbar mehr als eine Möglichkeit realistisch ist.

S. 41/42: Erkennbar wirken sich zudem die Chancen zur Erzielung eines höheren Einkommens aus. In den Familien, in denen die Mutter ein Studium abgeschlossen hat, sind nach der Elternzeit beim ersten Kind 37 Prozent in der Konstellation Vollzeit/Vollzeit oder Vollzeit/längere Teilzeit berufstätig (vgl. Schaubild 21). In vergleichsweise vielen der Familien mit akademisch gebildeter Mutter sind die Mütter nach der Elternzeit beim ersten Kind auch in Vollzeit oder längerer Teilzeit berufstätig, ohne dass der Vater Vollzeit berufstätig wäre (13 Prozent); insgesamt entscheiden sich 50
Prozent dieser Mütter für eine Tätigkeit in Vollzeit oder längerer Teilzeit.

Auch andere „Ressourcen“ mit Bedeutung für einen Beruf wie etwa Berufserfahrung und berufliche Anknüpfungsmöglichkeiten wirken in Richtung einer stärkeren Erwerbsbeteiligung von Müttern nach der Elternzeit. Gerade Mütter, die als Fachkräfte oder verantwortliche Mitarbeiterinnen ein besseres Einkommen erzielen können als andere, knüpfen nach der Elternzeit zu weit überdurchschnittlichem Anteil an ihre frühere Tätigkeit wieder an.

Mit anderen Worten: Akademikerinnen haben die größte Chance, eine andere als die klassische Konstellation auszuleben. Wichtig ist dabei, dass sie ein gutes Einkommen erzielen.

S. 42/43 Ein Teil der Eltern erlebt die unterschiedliche Verteilung der Einkommen von Mann und Frau vor Geburt der Kinder aber auch als Hindernis für die Verwirklichung der eigentlich gewünschten Aufteilung. 33 Prozent der Mütter und Väter erklären: „Wenn bei uns die Gehälter anders verteilt gewesen wären, hätten wir uns vermutlich für eine andere Aufteilung von Berufstätigkeit und Kinderbetreuung entschieden“

Wo ist da das Hindernis? Es bedeuter doch nur: Wären die Verhältnisse anders, würden wir anders handeln. Beachtlich auch, dass dem nur ein Drittel zugestimmt hat – eine überwiegende Mehrheit hätte nichts anders gemacht!

„Gut“, dass nicht die Anschlussfrage gestellt wurde, was die Partner jeweils gelernt / studiert haben und zu welchen Bedingungen sie arbeiteten. Wer weiß, was dann für Unterschiede herausgekommen wären, die natürlich eine bestimmte Aufteilung der Aufgaben naheliegend machten. (Das unterschiedliche Gehalt und die unterschiedliche Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche hatten wir ja schon.)

S. 44 Beträchtlichen Einfluss auf die Aufgabenteilung nehmen zudem die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Man beachte: Es geht nicht um „Kind und Karriere“! Interessant bei den Zitaten, dass flexible Arbeitszeitregelungen angesprochen werden. Ich kann nur vermuten, dass diese sich immer mehr durchsetzen, weil sie der Lebensrealität immer mehr Paare entsprechen. Das wäre tatsächlich einmal ein an der Realität orientierter Untersuchungsgegenstand!

S. 50: Zitate: Ideal ist halb und halb, das geht aber aus finanziellen oder organisatorischen Gründen nicht. Wer hätte das gedacht, dass man sich z.B. koordinieren muss und deswegen nicht jeder bei der Arbeit erscheinen kann, wann er will?

S. 50: Wenn sie auf nichts Rücksicht nehmen müssten, würden insgesamt 47 Prozent der Eltern eine Konstellation wählen, in der beide Partner gleich oder annähernd gleich lange im Beruf arbeiten. Dabei würden sich die 8 Prozent der Eltern für eine Vollzeit/Vollzeit-Konstellation entscheiden bzw. 11 Prozent für eine Konstellation mit dem Vater in Vollzeit und der Mutter in längerer Teilzeit. Diese Konstellationen in denen zur Zeit 31 Prozent der Eltern beschäftigt sind, werden von 19 Prozent als ideal betrachtet. Attraktiver ist eine Konstellation, in der beide Elternteile in Teilzeit berufstätig sind. 28 Prozent der Mütter und Väter finden eine solche Konstellation für sich persönlich ideal.

Beachtlich: Mutter Vollzeit, Vater weniger als Vollzeit wird nicht aufgeführt. Nur 8 Prozent wollen beide Vollstoff arbeiten… und wer hätte das gedacht? Mit zwei halben Stellen kommt man in Zeiten, in denen ein volles Gehalt meist nicht mehr reicht, eventuell nicht über die Runden.

S. 51: Eltern mit höheren Familieneinkommen können sich eher als andere eine solche gleiche oder annähernd gleiche Aufteilung vorstellen (58 Prozent); bereits jetzt arbeiten rund 40 Prozent dieser Eltern in einer solchen Konstellation.

Mit anderen Worten: Eine Stelle, in der die Frau viel verdient, ist eine gute Voraussetzung für gleiche Aufgabenteilung.

S. 53 Zitate

Ich würde meine Frau gerne noch mehr entlasten, aber durch meinen Job gibt es da ja einige Einschränkungen. Gerade jetzt, wo wir wieder ein neues Baby haben, wäre ich gerne vor allem abends frei und früher zuhause, um die Kleinen immer gemeinsam ins Bett bringen zu können, aber wie heißt es manchmal so schön: Das Leben ist kein Wunschkonzert – also machen wir das Beste daraus für alle Beteiligten. (Vater, 42 Jahre, Mutter 24 Monate in Elternzeit, zugleich 20 Stunden Teilzeit berufstätig, West)

Mein Lieblingszitat aus der ganzen Studie!

S. 54: Für die Mütter entsteht aus der Erfahrung der meist dauerhaft ungleichen Verteilung häufig der Eindruck, keine guten Möglichkeiten für eine gleichgewichtige Aufteilung der Familienarbeit sowie für eine stärkere Erwerbsbeteiligung zu haben. Das trägt zum Gesamturteil vieler Mütter bei, dass eine wirkliche Gleichberechtigung der Frau noch lange nicht verwirklicht ist.

Sind Männer besser dran, weil sie nach wie vor aus finanziellen und organisatorischen Gründen kaum eine Alternative zur Vollzeitarbeit haben? Die Statistiken vorher zeigten, dass die Frauen deswegen öfter zu Hause bleiben, weil sie sich es wünschen. Da ist zumindest ein Wunsch verwirklicht.

Die Fragestellung ist allerdings auch Grütz:

S. 55: „Zum Thema Gleichberechtigung: Wie ist Ihr Eindruck: Ist die Gleichberechtigung der Frau weitgehend verwirklicht, oder muss da noch einiges getan werden, damit Mann und Frau bei uns gleichberechtigt sind?“

Das sind keine sich ausschließenden Alternativen. Ich finde, dass die Gleichberechtigung der Frau weitgehend verwirklich ist und gleichzeitig noch einiges getan werden muss, damit Mann und Frau bei uns gleichberechtigt sind.

S. 60: Voraussetzungen für eine gleiche oder annähernd gleiche Aufteilung sind also vor allem
• geeignete Betreuungsmöglichkeiten,
• gute betriebliche Möglichkeiten für Mütter und Väter, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, was geeignete Arbeitszeitmodelle mit einschließt,
• familienpolitische Maßnahmen, die Hürden für eine weniger ungleiche Aufteilung verringern,
• die Bereitschaft beider Elternteile, sich bei der Familienarbeit wie auch bei den beruflichen Plänen gegenseitig zu unterstützen.

Keine überraschend neuen Erkenntnisse, aber es schadet auch nicht, das noch einmal empirisch zu belegen. Vor allem sieht man, dass es mehrere, voneinander recht getrennte Faktoren sind, die alle zusammenkommen müssen, damit es klappt.

Das Blog Familienschutz wies noch auf einen Artikel der Zeit hin, der sich ebenfalls mit der Studie beschäftigt: „Wenn Väter täten, was sie wollen„.

Da finden sich dann Formulierungen wie:

Väter wollen zwar für ihre Kinder da sein, doch sie sind nicht bereit, die Nachteile, die Frauen dafür in Kauf nehmen, zu akzeptieren.

Den Nachteil, dass ihrem Wunsch Vorrang eingeräumt wird, Zeit mit dem Kind zu verbringen (wie es in der Studie steht)? Den Nachteil, zumindest eine gewisse Wahl zu haben, wieviel sie arbeiten wollen? (Mehrmals wird in der Studie als wichtiger Faktor dafür das Einkommen der Frau genannt – sprich: Frauen, die arbeiten wollen, sollten zusehen, dass sie ordentlich verdienen.)

Wenn ein Vater die Hauptlast des Geldverdienens auf sich nimmt, damit die Frau mehr Zeit für die Kinder hat, ist das doch gut! Es zeugt auch von einer vernünftigen Aufgabenverteilung und einem realistischen Blick auf die Welt, so wie er bei den Familien aus der Studie durch die Bank deutlich wird.

Höher als in anderen Ländern ist in Deutschland im Übrigen auch der Anteil der Frauen, der kinderlos bleibt. Dies habe damit zu tun, dass Frauen in Deutschland noch immer nahegelegt werde, man müsse sich zwischen Karriere und Kindern entscheiden, vermutet Schwesig.

Leider steht in der Studie zu beiden Sachverhalten nichts, aber auch gar nichts drin. Letzteres ist also reine Spekulation, die man einfach bei dieser Gelegenheit wieder auspackt.

Ich könnte genauso mutmaßen: Wird in Deutschland noch immer stärker als anderswo auf Männer und Väter eingedroschen mit dem Klischee, sie seien verantwortungslos? Wenn sie nicht arbeiten, sind sie Taugenichtse, wenn sie arbeiten, nehmen sie den Frauen die Karrieremöglichkeiten weg bzw. handeln nicht gleichberechtigt… welche zögerliche Mann möchte mit diesen Negativbildern in Deutschland Vater werden?

Bleibt die Frage, was Politik tun kann, um Eltern zu ermöglichen, eine Aufteilung zu finden, mit der beide zufrieden sind.

Eine Aussage, die so nicht durch die Studie gedeckt wird. Die meisten sind ja der Überzeugung, dass sie den Umständen entsprechend das beste gemacht haben.

Auch das von ihr geplante Entgeltgleichheitsgesetz gehe in diese Richtung. Schließlich sei ungleiche Bezahlung einer der Hauptgründe dafür, dass eher Frauen als Männer ihre Erwerbstätigkeit für Kinder reduzieren.

Auch das steht nicht in der Studie. Stattdessen reduzieren Frauen dann vermehrt, wenn sie deutlich weniger verdienen als ihr Mann. Das tritt erstaunlich häufig auf, obwohl Frauen durchschnittlich leichter besser gebildet sind. Allerdings arbeiten sie auch deutlich weniger Wochenstunden vor der Geburt des ersten Kindes.

Ich freue mich jedoch auf jedes Gesetz, das dann die Gehälter offenlegt und mit dem sich dann zeigen läßt, dass wir tatsächlich bei gleichem Lohn für gleiche Arbeit angelangt sind. Der Mythos Gender Pay Gap könnte dann endlich als die radikalfeministische Dolchstoßlegende erkannt werden, die er eigentlich ist.

An manchen anderen Faktoren kann die Politik dagegen wenig ändern. Solange in Unternehmen Teilzeitkräfte keine Karrierechancen haben oder Frauen noch immer bevorzugt Berufe arbeiten, in denen man nun mal nicht besonders gut verdient, dürfte auch die partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit schwierig bleiben.

Immerhin noch ein Fünkchen Wahrheit am Ende des Artikels: Die Politik kann nur begrenzt steuern; es ist auch generell fraglich, ob sie sich in die Lebensentwürfe von Menschen einmischen soll, die großen Teilen in Harmonie einen Weg finden. Wenn es sich finanziell lohnt, eben nicht alles 50/50 aufzuteilen, wäre es bescheuert, etwas anderes anzustreben, wenn man dafür keine starke Präferenz hat.

Frauen haben insofern eine große Steuerungsmöglichkeit, als sie selbst entscheiden können, was sie studieren bzw. zu was sie sich ausbilden lassen, wieviel sie dann arbeiten – und wen sie als Partner nehmen. Alle drei Faktoren bestimmen, ob es sich für die Familie lohnt, wenn sie wieder arbeiten geht (und der Mann dafür beruflich kürzer tritt), oder ob es ein harter Einschnitt wäre.

Aber auch Männer kommen in der Studie erstaunlich gut weg: Sie haben eine weitestgehend moderne Einstellung, legen auf Harmonie und Unterstützung der Frau wert.

Überhaupt zeichnet die Studie ein Bild von realistisch durchs Leben gehenden Menschen, die in Kooperation Entscheidungen treffen und damit leben, weil sie eine Familie gründen wollen. Nichts könnte weiter vom Geschlechterkrieg „Männer gegen Frauen“ entfernt sein, den uns einige radikale Aktivisten predigen. Ich muss Klaus Kelle also nach dem Lesen der Studie mit seiner Beurteilung zustimmen.

Einen Punkt möchte ich besonders hevorheben: Die Formulierung „Wenn sie auf nichts Rücksicht nehmen müssten“ (S. 50), mit der die „ideale“ Situation beschrieben wird. Hier ist die Allensbach-Studie erstaunlich dumm.

Wenn ich auf nichts Rücksicht nehmen müsste, würde ich erst gar nicht mehr arbeiten gehen! Das wäre für mich ideal.

Sich für etwas zu entscheiden bedeutet auch immer auf die anderen Möglichkeiten zu verzichten. Das Leben ist kein Schlaraffenland.

Oder wie es der Schwulemiker (alias Adrian) formulierte:

Es kann aber nicht jeder so leben wie er möchte, weil wir in einer Welt knapper Ressourcen leben und daher wirtschaften müssen. Weil wir in Gesellschaft leben und daher das eigene Interesse stets mit den Interessen aller anderen in Balance gebracht werden muss.

Das Leben ist kein Ponyhof!

Genau das haben die Befragten in der Studie verstanden – im Gegensatz zu den Leuten, die die Studienergebnisse formuliert haben. Oder wie der Vater in meinem Lieblingszitat auf S. 53 sagte: Das Leben ist kein Wunschkonzert – also machen wir das Beste daraus für alle Beteiligten.

Wenn das auch bei Manuela Schwesig ankommen würde und sie begreifen würde, dass die meisten Paare da weiter sind als sie selbst es ist, dann könnten wir uns über realitätsorientierte Familienpolitik unterhalten – ohne die stets implizierten Scheuklappen, dass die Frauen Opfer der Verhältnisse sind und die Männer rückschrittliche Egoisten.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Nach soviel Lesen etwas leichte Unterhaltung.

Sister Sledge: We Are Family