Manspreading-Alarm in Madrid

Wie im guten alten 16. Jahrhundert erreicht uns das Gold aus Amerika über Spanien. Der spanische Verkehrskonzern EMT untersagt „Manspreading“ (also breitbeiniges Sitzen von Männern in der Öffentlichkeit) und schließt sich damit dem neusten feministischen Moraltrend aus der Neuen Welt an. Nachdem spanische femi-Aktivisten(die nach manchen Quellen ‚Mujeres en Lucha‘ und nach manchen Quellen ‚Microrrelatos Feministas‚ heißen) über eine Online-Pedition Stimmung gegen das patriarchale Ritual des „Manspreading“ gemacht haben, ist der Stadt-eigene (nicht private!) Verkehrsbetrieb EMT am 7. Juni darauf eingegangen und schmückt von nun an die Busse der spanischen Hauptstadt mit Warnschildern, die ein Männchen dabei zeigen wie es breitbeinig sitzt (während daneben frei ist) und zeigt durch ein Kreuz an, dass das Männchen sich falsch verhält. Gemütlich machen verboten, besonders für Männer? Na gut; darunter steht „Respektier den Platz der anderen“. Man kann das Schild also auch einfach nur so interpretieren, dass es EMT darum geht, grundsätzlich das -in der Tat störende- Verhalten zu unterbinden, dass sich Fahrgäste (egal ob männlich oder weiblich oder Apache-Helikopter) zu sehr ausbreiten (egal ob durch breitbeiniges Sitzen der Herren oder Handtasche abstellen bei den Damen oder Rotorblätter umherwirbeln bei den Apache-Helikoptern) und anderen Fahrgästen damit den Platz wegnehmen. Doch diese Interpretation wäre leider nur die halbe Wahrheit. Denn EMT und die Madrider Stadtverwaltung möchten dies explizit als Kampf gegen „Manspreading“ und als „Gleichstellung“ verstanden wissen. „Die EMT hat die Initiative in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbehörde der Stadt Madrid ins Leben gerufen.“, schreibt die WELT, welche die Maßnahme übrigens angemessen findet (war’n die nicht irgendwie konservativ oder so?) und der amtliche Twitterkanal der Stadt stellt dies unter #manspreading.

Was ist so schlimm daran? Fahrgäste offiziell aufzufordern, anderen genug Platz zu lassen, ist in Ordnung. Aber das Fehlverhalten zu gendern, wie es beim Kampf gegen „Manspreading“ passiert, ist ungerecht. Erstens wird mit zweierlei Maß gemessen, da vergleichbares Verhalten bei Frauen ja ok zu sein scheint und zweitens bekämpft die Aktion nicht direkt das Wegnehmen von Platz sondern eine bestimmte Sitzhaltung an sich, gerade weil sie bevorzugt von Männern eingenommen wird und als „Dominanzgebaren“ oder dergleichen Unsinn interpretiert wird, egal ob damit tatsächlich jemanden der Platz weggenommen wird oder nicht. Und das nenne ich staatliche Schikane von Männern. Oder im Jargon der Maskulisten: sexistische Diskriminierung.

Bei Ze.tt (gehört zu ZEIT-Online) kommentiert übrigens der unvergleichlich stupide Till Eckert, der uns schon mit seinem Jahrhundertwerk  „Wie Männer den Feminismus unterstützen können“ viele tragikomische Minuten beschert hat.

Wer spanisch kann, sollte sich auch auf jeden Fall mal die offizielle Website der Madrider Stadtverwaltung zu Gemüte führen:

https://diario.madrid.es/

Feminismus und Kampf gegen „Macho-Gewalt“ scheinen dort für die linke Stadtregierung (Podemos und PSOE unter Bürgermeisterin Manuela Carmena) explizit Staatsraison zu sein. Aber mein Spanisch reicht nicht aus um da tiefer einzudringen.

 

Kurznachrichten vom 27.05.2017

1: Serdar Somuncu findet Promi-Frauen nervig, die sich zum Feminismus bekennen, um ihren Marktwert zu steigern.

2: Don Alphonso greift noch einmal die Übergriffe in einem Tübinger Kulturzentrum auf und stellt diese in einen größeren Zusammenhang.

3: Zwei Tage nach dem Attentat von Manchester hat eine Journalistin das größte Problem unserer Gesellschaft entdeckt, nämlich mal wieder Männer, die sich in der U-Bahn breitbeinig hinsetzen (sog. „manspreading“). Und natürlich machen das Männer nicht, um bequem zu sitzen, sondern um Dominanz und Macht auszustrahlen. Ja nee, is klar. Haben ja auch ein paar Gender-„Forscher“ gesagt. Dann muss es ja stimmen.

4: Auch die Jusos Berlin nutzen den Vatertag/Christi Himmelfahrt, um Männer als „root of all evil“ hinzustellen:

vatertag

So ein wenig Aufruf zur Straftat ist auch ganz schick, wenn es um die gute Sache geht. Wo da allerdings „gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse“ zelebriert werden, wenn ein paar junge Männer sich voll laufen lassen, ist mir ziemlich unklar. Wenn junge Frauen pöbeln, wie bei Femen oder auf dem 2. Deutschen Gender-Kongress, dann ist das natürlich gerechtfertigter Protest.

5: Eine Frau hat sich mit 9 Jahren in einen Bahnhof verliebt und fühlt sich seitdem mit ihm verheiratet. Kann mir mal eben jemand sagen, welches Gender das ist? Ich hab das grad nicht parat.

6: Die Vulgäre Analyse, der Doktorant und die „Übermenschen“ Dorian und Imp diskutieren zwei feministische Artikel nämlich:

Recht spaßig gemacht, manchmal ein wenig abgleitend in pubertären Humor, aber dennoch ok und ganz lustig.

7: Noch mal ernst und tatsächlich ein wenig Off Topic, aber dennoch will ich auf den m.E. ausgewogenen Artikel von Lucas Schoppe über den islamistischen Terroranschlag in Manchester und die Verantwortung von muslimischen Mitbürgern hinweisen.

Kommentator Gereon meint dazu gleich im ersten Kommentar:

Ach Herr Schoppe.
Jetzt auch Nazi?
Willkommen im Club.

Das bringt es leider auf den Punkt. Wer sich der herrschenden Anordnung widersetzt, nämlich Ruhe bewahren, hinnehmen, Kerzen anzünden und nationale Symbole beleuchten, ansonsten aber schulterzuckend weitermachen wie bisher, wer sich erlaubt auf den Elefanten im Raum hinzuweisen, den von den „Guten“ niemand sehen will, der ist ganz schnell ein Rassist und Nazi.