Matschos Albtraum

Es folgt ein Gastbeitrag von honeyinheaven. Sie war ursprünglich ebenfalls als fester Autor vorgesehen, hat sich dann aber kurz vor dem Start des Blogs zurückgezogen. Den folgenden Text hatte sie bereits fertig.

Als Matthias Schojewski, den alle zu seiner Freude nur Matscho nannten, erwachte, fühlte er sich, als hätte er zehn Runden mit einem der Klitschkos hinter sich – den KO-Schlag mit eingeschlossen. Mitunter allerdings täuschte der erste Eindruck, und als er sich Minuten später aus der Decke gewühlt hatte, stellte er fest, dass er zumindest keine Kopfschmerzen hatte. Dennoch beschloss er, sowohl das Frühstück – zu wenig Zeit – als auch die Rasur – Rasierer in seinem Zustand eindeutig zu laut – zu canceln, um noch rechtzeitig zu seiner Arbeit in der Werbeagentur zu kommen. Das Saufen unter der Woche war eindeutig nichts für ihn. Als er wenig später auf die Straße trat, ging es ihm dank der frischen Luft etwas besser. Und doch war da dieses merkwürdige Gefühl, das etwas nicht stimmte.
Auf dem Weg zur S-Bahn kam ihn eine junge Frau seines Alters entgegen, die etwas größer war als er mit seiner eher bescheidenen Größe von wenig mehr als 1,75. Na da würde er doch gleich richtig fit werden! Matscho setzte den Blick auf, von dem er überzeugt war, dass ihm keine Frau widerstehen konnte und blickte der Dame auf die Oberweite. Merkwürdigerweise sah diese nun aber nicht peinlich berührt zur Seite, sondern fixierte ihn ihrerseits. Für eine Sekunde war er irritiert, aber als sie vorbei war, wollte er sich unbedingt noch einen Blick auf ihren Hintern gönnen. Als er sich umdrehte, erschrak er so sehr, dass er seine Tasche fallen ließ – die Dame hatte sich ebenfalls umgedreht und betrachtete offenbar im Weitergehen reichlich ungeniert sein Gesäß. Was war denn heute los?
Am Kiosk kaufte er sich schnell die BILD. Nicht, dass ihm etwas an den Schlagzeilen in dieser „Zeitung“ gelegen war, obwohl das Blatt und vor allem sein Chef-Kolumnist sich als eine der wenigen gegen diesen unseligen feministischen Zeitgeist stemmten. Aber geschenkt – ihm ging es weit mehr um das Mädchen von Seite Eins, die ihm die Fahrt zur Arbeit versüßen würde.
Apropos süß – als er an einem Gerüst vorbei ging, hörte er plötzlich Stimmen und dann ein lautes weibliches Gekicher. Dann Pfiffe.
„Hey, Schatzi…hallo Süßer…bist du auch so heiß wie du aus schaust?“ Erneut Gelächter.
Als er sich einigermaßen entrüstet umdrehte und nach oben blickte, traf ihn fast der Schlag. Dort auf dem Gerüst stand eine Horde Bauarbeiterinnen, die noch immer pfiffen und grölten und sich offenbar einen Spaß mit ihm machten. Es waren tatsächlich Frauen – manche muskulös, manche tätowiert, und die Vorarbeiterin – oder hieß das dann Polierin – hatte eine Zigarette im Mundwinkel und einen gewaltigen Bierbauch. Frauen. Als Bauarbeiterinnen. Er sollte definitiv weniger trinken. Am Ende war Matscho froh, als er die S-Bahn-Haltestelle erreicht hatte.
Sollte dort endlich wieder alles normal sein? Nicht wirklich. Dass ihm eine Frau schon wieder auf den Po glotzte, ignorierte er tapfer. Die Werbeplakate aber konnte er nicht übersehen, auch wenn er sich das gewünscht hätte. Auf dem einen war ein männliches Glied abgebildet, das nur sehr knapp von einem knallengen Leoparden-String bedeckt war. „Ich kann 24 Stunden abspritzen!“ stand in großen Lettern darunter. Auf dem zweiten war ein Mann zu sehen, dessen Gesichtsausdruck selbst mit Wohlwollen nur als grenzdebil durchging. Er stand neben einer größeren Frau, die gerade etwas grillte und reichlich besitzergreifend schaute: „Ich mag Frauen mit Kohle!“ war hier die Unterschrift. Und Matscho wurde klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Und dass dieses „etwas“ über einen normalen Kater weit hinaus ging. Wie konnte es eine Agentur denn wagen, Männer SO darzustellen? Das musste er nachher gleich seinen Kollegen erzählen.
In der S-Bahn setzte er sich an den Gang und holte sogleich die BILD aus der Tasche. Endlich wieder Normalität. Mal sehen, welches Mädchen sich heute zeigte. Die Vorfreude verwandelte sich innerhalb einer Sekunde in Entsetzen, und es kostete ihn einige Überwindung, nicht mitten in der Bahn laut aufzuschreien. Dort, wo sonst das heiße Girl von Seite Eins war, prangerte jetzt ein fast nackter Kerl. „Hans im Glück wartet auf den nächsten F…“ hatte ein sogenannter Journalist reichlich ungelenk darunter gedichtet. Matscho presste die Hände auf die Schläfen und begann, dieselben zu massieren. Waren denn jetzt alles verrückt geworden? Oder war er etwa krank?
Achtlos warf er die Zeitung auf den leeren Platz neben sich. Da bemerkte er, dass eine Oma, die ihm schräg gegenüber saß, direkt auf seine Hose starrte und dabei einen lüsternen Blick aufgesetzt hatte, den er von Frauen dieses Alters weder kannte noch erwartete. Hektisch blickte er selbst nach unten – hatte er in der Eile vergessen, den Reissverschluss zu schließen? Nein. Alles okay. Als er erneut zu der Alten schaute, grinste sie breit. Und zum ersten, aber nicht zum letzten Mal an diesem Tag wünschte sich Matscho, aus diesen Albtraum zu erwachen.
Bei der Arbeit ging die Verwirrung weiter. Eine Arbeitskollegin, die sonst schon rot wurde, wenn er sie mit einem „Hallo Mausi“ begrüßte, nannte ihn nun die ganze Zeit Schatzi, und niemand schien dies als komisch zu empfinden. Schlimmer waren allerdings die Sekunden, die er mit drei Frauen aus der Chefetage im Aufzug verbringen musste. Alle drei grinsten ihn fröhlich an, machten dann einen Männerwitz („Was ist ein Typ im Regenmantel? Ein Ganzkörperkondom!“ Hahaha…) und brachen in schallendes Gelächter aus, als wäre er überhaupt nicht anwesend.
Etwas später erhielt ein Kollege offenbar einen Anruf von zu Hause, stürmte sogleich zur Chefin, um dann mit hochrotem Kopf nach draußen zu gehen. Kaum hatte den Raum verlassen, legten die Frauen los.
„Na, typisch Alleinerzieher! Und wir müssen dann seine Arbeit mit machen! Soll er sich doch ne Frau suchen, die für ihn und den Balg zahlt! Was haben denn wir damit zu tun?“ Und als dann in Erwartung vollster Zustimmung in seine Richtung geschaut wurde, war die Stimme plötzlich gönnerhaft. „Na, Kleiner, du machst das intelligenter, gell?“ In jener Sekunde hatte Matscho das Gefühl, dass sein Kopf einer roten Verkehrsampel gleichen musste.
Trotz allem beschloss er nach der Arbeit noch in seinen Klub zu gehen. Natürlich gehörte der Laden nicht wirklich ihm, aber er war Stammgast. Und heute war doch Donnerstag – da bekamen die Weiber immer ein Glas Sekt gratis, was somit Frauenüberschuss und freie Auswahl für ihn bedeuten würde. Dort war bestimmt noch alles beim Alten!
Als er eine Stunde später mit einem Glas Sekt an der Bar stand – heute ein Glas Frei-Sekt für alle Männer – und alle Hände damit zu tun hatte, eine sehr hartnäckige Schwarzhaarige, die überhaupt nicht sein Typ war, abzuwehren, wusste er, dass offenbar gar nichts mehr in Ordnung war. Auch auf sein drittes höfliches „Nein“ gab die Schwarzhaarige nicht auf, und Matscho konnte den Geruch von Bier und Nikotin riechen, als sie sich zu ihm herüber beugte. Auf der Tanzfläche vorhin war es noch immer schlimmer gewesen. Dort hatten ihn zwei Frauen beim Tanzen in die Zange genommen, und ganz egal, wie oft er sich weg gedreht hatte – sie schienen diese Zeichen, dass er kein Interesse hatte, einfach nicht zu verstehen. Als die Schwarzhaarige nun wie selbstverständlich ihre Hand auf sein Knie legte und dieselbe dann langsam aber stetig nach oben schob, war es um seine Selbstbeherrschung endgültig geschehen.
„Lass mich jetzt in Ruhe! Ich will nichts von dir!“
Das Gesicht der Frau wechselte innerhalb eines Moments von lüstern auf eisige Ablehnung. Ihre Augen waren jetzt eine einzige Drohung, und ihre Fäuste waren geballt, als wollte sie gleich auf ihn los gehen.
„Dann verpiss dich doch! Bist wohl ne Schwuchtel, oder was?“
Schwuchtel! Er! Eine Schwuchtel! Er! Er war Matscho, und er war ganz bestimmt nicht schwul. Und überhaupt…und plötzlich bemerkte er, dass er schrie und schrie und offenbar nicht mehr aufhören konnte. Er schrie noch, als er längst erwacht war und Schweiß überströmt in seinen Kissen lag.
Ein Traum. Alles war nur ein Traum gewesen. Real war allerdings der Kater, der ihn jetzt plagte. Er hatte Angst vor dem, was er da draußen gleich erleben würde, aber es half nichts – er musste zur Arbeit. Ganz vorsichtig verließ er dieses Mal das Haus und schaute sich mehrmals um. Eine besondere Anspannung überfiel ihn, als er an besagtem Gerüst vorbei kam. Innerlich wappnete er sich gegen alles, aber es passierte nichts. Über ihm arbeiteten die Bauarbeiter und schenkten ihm, dem Geschlechtsgenossen logischerweise keinerlei Beachtung. Etwas später hastete eine junge Frau an ihm vorbei. Dieses Mal drehte sich Matscho nicht nach ihrem Hintern um. Und als er am Kiosk angelangt war, beschleunigte er plötzlich den Schritt. Er hatte auf die „Zeitung“ zum ersten Mal seit Jahren keine Lust mehr.

Die Mär von der Unterdrückung der Frauen in fernen Ländern und Zeiten

Selbst viele Kritiker des Feminismus sind der Meinung, dass der Feminismus grundsätzlich viel Gutes erreicht habe, aber jetzt ein wenig zu weit gegangen sei. In der Vergangenheit seien Frauen unterdrückt worden und in den meisten nicht-westlichen Ländern sei das immer noch der Fall, nur hier im Westen in den letzten paar Jahrzehnten hätten Frauen nun mehr Rechte und weniger Pflichten als Männer.

So verbreitet sie auch seien mag, diese Ansicht ist nicht nur falsch, sie zeugt auch davon, wie tief verwurzelt der Gynozentrismus in uns ist. Selbst diejenigen die viele der Unwahrheiten und einseitigen Darstellungen des Feminismus durchschaut haben und festgestellt haben, dass Frauen in unserer Gesellschaft keine hilflosen Opfer sind, sind trotzdem sofort bereit dies über Frauen in anderen Ländern und zu anderen Zeiten zu glauben. Dabei ist das Vorgehen gleich wie bei allen anderen feministischen Lügen: man sucht sich bestimmte Fakten heraus die darauf hindeuten könnten, dass Frauen schlechter behandelt werden als Männer, ignoriert dabei alle nicht-sexistischen Erklärungen und ignoriert alle Fakten die darauf hindeuten könnten, dass Männer schlechter behandelt werden. Schon sieht es aus, als würden Frauen unterdrückt.

So weisen Feministen heutzutage darauf hin, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, dass Frauen „unterrepräsentiert“ sind in Führungspositionen, im Militär und in Naturwissenschaft und Technik. Angesichts der Tatsache, dass keiner Frauen von diesen Beschäftigungen ausschließt, ist die naheliegendste Erklärung, dass Männer und Frauen fundamental verschieden sind und unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben haben und daher unterschiedliche Entscheidungen treffen. Diese Erklärung wird jedoch ignoriert um stattdessen krude Thesen über Lohndiskriminierung, gläserne Decken und Männerseilschaften zu avancieren, die einfach so in den Raum geworfen werden und anscheinend keinerlei Belegs bedürfen. Fakten die auf eine Diskriminierung von Männern hindeuten könnten werden geflissentlich ignoriert. Beispielsweise, dass Männer früher sterben, öfter Selbstmord begehen, öfter obdachlos sind und öfter Opfer von Gewalt werden.

Mit historischer Unterdrückung läuft die Sache ähnlich. Frauen durften nicht wählen, konnten bestimmte Berufe nicht ergreifen, verheiratete Frauen konnten teilweise kein eigenes Eigentum besitzen und waren so von ihrem Mann abhängig (das war vor allem im angloamerikanischen Rechtssystem der Fall). Dabei ist patriarchalische Unterdrückung bei weitem nicht die einzige oder die beste Erklärung für diese Phänomene. Es stimmt natürlich, dass Frauen später als Männer das Wahlrecht bekommen haben, allerdings waren es in den meisten Staaten nur wenige Jahrzehnte zwischen allgemeinem Männerwahlrecht und allgemeinem Wahlrecht auch für Frauen. Auch kann es keineswegs als Unterdrückung gelten, nicht wählen zu dürfen. Wäre das der Fall, dann müssten heute Kinder, Jugendliche und Ausländer gleichermaßen als unterdrückt gelten. Wählen zu dürfen bringt sehr wenige persönliche Vorteile. Immerhin ist eine einzelne Stimme quasi bedeutungslos, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausgang der Wahl von einer Stimme abhängt ist verschwindend gering. Der einzige vernünftige Grund warum ein fehlendes Wahlrecht problematisch sein könnte, ist dass Männer ihr Wahlrecht dazu nutzen könnten um Politiker zu wählen, die im Interesse von Männern herrschen und dabei die Interessen von Frauen vernachlässigen.

Es gibt jedoch wenige Hinweise darauf, dass dies tatsächlich der Fall war. Auch aus theoretischer Sicht gibt es viel was gegen diese These spricht. Erstens ist es allgemein wenig sinnvoll, eigennützig zu wählen. Eine einzelne Stimme hat kaum eine Chance den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Wählen bietet daher die perfekte Gelegenheit, altruistisch zu handeln, da die persönlichen Kosten davon verschwindend gering sind. Es ist also sinnvoll diejenigen Parteien und Kandidaten zu wählen, von denen man glaubt sie repräsentieren am besten das Gemeinwohl. Das steigert das Selbstwertgefühl und tut gut fürs Gewissen, und das alles bei vernachlässigbar geringen Kosten.

Und selbst wenn man von egoistischen Wählern ausgeht, macht es wenig Sinn für Männer, für frauenfeindliche Politiker zu stimmen. Immerhin würde ein Mann der das tut damit auch all seinen weiblichen Verwandten, Freunden und Bekannten schaden. Es mag durchaus sinnvoll erscheinen im Interesse seiner eigenen Volksgruppe, Religion oder Rasse zu wählen, denn die meisten Verwandten und Freunde die ein Mann hat werden in der Regel diese Eigenschaften teilen, doch mit dem Attribut Geschlecht ist dies nicht der Fall. Und so gibt es auch viele historische Beispiele für Katholiken die im katholischen Interesse wählen, Protestanten die im protestantischen Interesse wählen, Weiße die im Interesse von Weißen wählen, etc.

Beim Verhältnis zwischen Männern und Frauen sieht das anders aus. Zwar gab es einige Gesetze und gesellschaftliche Normen die Frauen gegenüber Männern benachteiligten, umgekehrt gab es aber auch viele Gesetze und Normen die Frauen bevorzugten. Frauen wurden nicht zum Kriegsdienst gezwungen, wurden für Verbrechen in der Regel milder bestraft und verrichteten meistens weniger anstrengende und weniger gefährliche Arbeit als Männer. Interessanterweise bestehen die meisten dieser weiblichen Privilegien heute immer noch, während so ziemlich alle männlichen Privilegien beseitigt wurden. Die orthodoxe Sicht, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten hundert Jahren hin zu mehr Gleichberechtigung bewegt hat ist also völlig falsch.

Das Verhältnis der Geschlechter zueinander ist stattdessen immer ungleicher geworden. Vor hundert Jahren durften Frauen nicht wählen, aber dafür ließen Millionen von Männern in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs ihr Leben. Wäre ich vor die Entscheidung gestellt, entweder mein Wahlrecht zu verlieren oder aufs Schlachtfeld geschickt zu werden, ich würde keine Sekunde zögern meine Stimme aufzugeben. Ich glaube daher nicht, dass Frauen es damals tatsächlich schlechter hatten als Männer. Heute haben Frauen fast überall das gleiche Wahlrecht wie Männer, doch in den Staaten in denen es noch militärischen Zwangsdienst gibt, sind meistens trotzdem nur Männer betroffen. Männer erhalten immer noch härtere Strafen für das gleiche Verbrechen und es sind immer noch fast ausschließlich Männer die die besonders gefährlichen, anstrengenden und schmutzigen Arbeiten verrichten.

Ähnlich wie das historische Geschlechterverhältnis ist auch die heutige Lage in vielen nicht-westlichen Ländern, insbesondere im Nahen Osten. Sowohl von Seiten des Feminismus, als auch in den Medien hört man immerzu wie sehr Frauen in diesen Gesellschaften unterdrückt werden. Und in der Tat gibt es dort einige Belange in denen Frauen benachteiligt werden. Vom Kopftuchzwang in der Öffentlichkeit, über teilweise eingeschränkte Berufswahl, bis hin zu Diskriminierung im Erbrecht.

Was aber wie so oft ignoriert wird, ist dass es auch weibliche Sonderrechte gibt und Bereiche in denen Männer schlechter behandelt werden. Ein gutes Gegengewicht zur vorherrschenden feministischen Meinung ist Ali Mehraspands Artikel „The myth of patriarchal oppression in Iran„, in dem am Beispiel des Irans viele dieser weiblichen Privilegien und männlichen Sonderpflichten aufgezeigt werden. So müssen zum Beispiel alle Männer zwei Jahre lang Militärdienst unter teils sehr widrigen Bedingungen leisten. Auch bietet das dortige Sozialsystem viel umfangreichere Hilfe für bedürftige Frauen als für bedürftige Männer an, obwohl der weit überwiegende Teil der dafür verwendeten Steuern von Männern gezahlt wird.

Allgemein gilt, dass in eher „traditionellen“ Kulturen tendenziell Männer mehr Rechte und Freiheiten haben, aber Frauen dafür weniger Pflichten und mehr Sicherheit. Welches Geschlecht dabei besser wegkommt ist eine Frage der persönlichen Bewertung und der persönlichen Vorlieben des jeweiligen Individuums. Doch pauschal zu behaupten, dass Frauen unterdrückt und Männer die Unterdrücker sind ist eine völlige Verzerrung der reellen Bedingungen. Wer sich, wie das im Feminismus überwiegend geschieht, einzig auf die Nachteile von Frauen konzentriert und alle Vorteile schlicht ausblendet, wird sich nie ein ausgewogenes Bild von der Lage verschaffen können.

All dies sollte nicht dahingehend missverstanden werden, dass ich die bestehenden Nachteile die Frauen in vielen nicht-westlichen Ländern haben gutheiße. Im Gegenteil denke ich, dass alle rechtlichen Ungleichheiten beseitigt werden sollten und Gesetze die die Freiheit von Frauen einschränken abgeschafft werden sollten. Gleichzeitig sollte aber auch das gleiche für Männer gelten. Doch solange der Glaube an die Unterdrückung der Frau so weitverbreitet ist, wird es keine ausgewogenen Änderungen an Gesetzen oder gesellschaftlichen Normen geben.

Fundstück: Jörg, der Obdachlose vom Leopoldplatz in Berlin

Da wir hier im Blog darüber diskutiert haben, ob Jungs weinen dürfen und wann das für Männer gilt, hier ein kleines Video, in der der Obdachlose Jörg eine bewegende Geschichte erzählt.

Ich weiß nicht, ob es mehrere Anläufe gebraucht hat, um dieses Video zu produzieren und wieviel Material gedreht wurde, um am Ende etwa dreieinhalb Minuten zu bekommen. Es beeindruckt mich, mit welch klarer Stimme und wie direkt dieser Mann aus seinem Leben berichtet.

Jörg hat einen Sohn, der jetzt etwa 21 Jahre alt ist. Das letzte Mal gesehen hat er ihn, als er 6 war. An dieser Stelle ihm Video muss er weinen – ein starker Kontrast zum Rest, den er recht nüchtern erzählt.

Es ist ein konkretes Beispiel für einen Vater, der sein Kind nicht mehr sehen durfte. Umgekehrt gibt es viele verantwortungslose Väter, die sich nicht für ihre Kinder interessieren. Beides schreckliche Dinge.

Jörg erwähnt, dass er vor Karstadt sitzt, der Titel des Videos erwähnt den Leopoldplatz, und wenn man die Bilder des Videos mit den Aufnahmen von Google Streetview vergleicht, kann man sehr leicht herausfinden, wo Jörg sitzt. Es ist direkt an der U-Bahnhaltestelle Leopoldplatz. Als ich letzte Woche in Berlin war, habe ich ihn besucht und ihm ein wenig Kleingeld gegeben.

(gefunden via Genderama)

Aktualisierung 20.03.2014: Die Reaktionen sowohl von Stephan Fleischhauer als auch von Wolle Pelz zeigen mir, dass mein Verweis auf einen Beitrag von Robin missverständlich ist. Es geht mir nicht um den werdenden Vater aus ihrer Geschichte (der ist ja noch keiner!), sondern um Robins Vater. Für dieses Missverständnis bin ich verantwortlich, weil ich den kleinen, aber feinen Verweis ohne weiteren Kommentar gesetzt habe.

Aber noch ein anderer Punkt ist mir wichtig, weil es bei mir so ankam, als würde ich mir durch einen Verweis auf Robin ihre Positionen zu eigen machen: Wer Robin als Person ist, muss dabei überhaupt nicht diskutiert oder beleuchtet werden, denn das spielt für meine Beurteilung keine Rolle. Selbst die bösesten Menschen überhaupt (Nazikommunisten?) haben bestimmte Rechte verdient, in diesem Fall den Kontakt zum Vater. Dass bei diesen Rechten gerade nicht darauf geguckt wird, wen sie betreffen: Das ist doch der Rotz, den wir so lieben!

Ein zweiter Kritikpunkt kam von Wolle Pelz (Artikel siehe oben):
„Ich kann auch nicht feststellen, wer den Artikel verfasst hat.“

Ich habe das eine Weile gar nicht verstanden. Schließlich ist mein Pseudonym klar und deutlich zu lesen, wenn man den Artikel auf der Hauptseite des Blogs liest. Aber dann ging mir ein Licht auf: Ich hatte für den Eintrag die Vorlage „Video“ gewählt. Dabei scheint der Autorenname nicht oben im Artikel selbst angezeigt zu werden! Das ist eine Eigenart des WordPress-Themas „Twenty Ten“, die ich noch nicht kannte und die ohne Zweifel kontraproduktiv ist. Ich habe den Eintrag daher so geändert, dass wieder die Standardvorlage verwendet wird.

Immerhin habe ich bei allen Beiträgen von mir eine Sache konsequent eingehalten: Ich habe sie immer in die Kategorie „Graublau“ eingeordnet und beim bisher einzigen Gastbeitrag, den ich eingestellt habe, den Autor ausdrücklich erwähnt. Über die Kategorie war der Autor also die ganze Zeit ermittelbar – wenn das auch, zugegeben, ein ziemlicher Umweg ist.

Oh, und falls jemand die Popkultur vermisst hat: Die taucht am Ende des Videos auf! 🙂

Warum ich pseudonym blogge

Es ging ja schon heiß her beim Geschlechterallerlei. Obwohl das Blog offiziell erst im April so richtig losgeht, gab es bereits die erste Kritik am modus operandi: So wurde mir in der Diskussion zu meinem Artikel über den Männerstreik vorgeworfen, anonym aufzutreten und damit nicht glaubwürdig zu sein. Nun habe ich meinen Standpunkt in der Diskussion dargelegt, aber nachdem Martin Domig alias Flussfänger es noch in einem eigenen Beitrag aufgriff, möchte ich noch einmal „Butter bei die Fische“ geben und Inhalte nennen, die ich mit meinem Klarnamen zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht veröffentlichen möchte, die ich aber doch für wichtig halte.

Die ersten Kommentare, mit denen ich mich in dieser Filterblase bemerkbar machte und den Status des stummen Mitlesers verließ, betrafen den Artikel Männergesundheitsbericht 2013 und psychische Gesundheit.

Die Kernpunkte zusammengefasst:

  • Depressionen sind die wichtigste psychische Erkrankung bei Männern.
  • Depressionen werden bei Männern häufig nicht erkannt und führen zu Selbstmord.
  • Depressionen kollidieren mit den sozialen Anforderungen an einen Mann, so dass mit Ausgrenzung rechnen muss, wer sich zu seiner Krankheit bekennt.
  • Depressionen äußern sich bei Männern anders als man es erwartet, etwa durch Aggression statt durch Traurigkeit.

Ich habe damals als Betroffener bei Alles Evolution einige Punkte genannt, die nach meiner Erfahrung viele Außenstehende nicht erwarten:

„1. Aggression oder Wut sind tatsächlich “das letzte Aufgebot”, was man noch hat. Voran ging bei mir eine Phase, in der ich tief traurig war, was aber nicht akzeptiert wurde (“reiß Dich zusammen”, “wird schon wieder”, “jetzt ist auch mal gut”, “Du darfst Dich nicht beklagen”). Aggressivität äußert sich meist (auch) durch Aktivität und kann leicht als “überengagiertes Durchsetzungsvermögen” missverstanden werden (in Wahrheit ist man nie so wenig bei der Sache wie in dieser Zeit). Hinzu kommt, dass man sich mit aggressivem Auftreten tatsächlich an einigen Stellen im Leben durchsetzt. Das mag einen Sympathien kosten, aber man kann nicht alles haben und wenn man vorher der “gute” Kerl war, der sich selbst immer als “Verlierer” bei gemäßigtem Auftreten wahrgenommen hat, dann ist das pädagogisch eine fatale Lektion. (Das war jetzt alles bezogen aufs Berufsleben.)

Leider wird man gerade im Berufsleben schnell als “schwach” verhöhnt, wenn man zu erkennen gibt, dass es einfach zuviel ist. Da Männer tendenziell eher Vollzeit arbeiten und Berufsleben für sie eine größere Rolle spiel (Versorgerfunktion, egal ob sie akut gefragt ist oder nicht), trifft sie das besonders hart.

2. Es ist einer der Hauptirrtümer der jetzigen Zeit, dass man Depression mit “kraftlos in der Ecke sitzen und weinen” gleichsetzt. Es ist schon viel erreicht, dass man über Depressionen spricht und dass es Männer-Beispiele gibt, die Erfolg hatten (Sebastian Deisler, Robbie Williams).

Nach meiner Erfahrung können Leute mit Depression durchaus lachen, aktiv sein, kreativ sein usw. Es ist eher das Gefühl der Sinnlosigkeit (was die langfristige Zukunft / das eigene Leben angeht) und die Kraftlosigkeit (die meist eher psychische Erschöpfung ist), die eine Depression ausmachen. Depressive scheinen von negativen Ereignissen stärker getroffen zu werden (und eine Äußerung dessen wird bei Männern gerne als “weinerlich”, “sensibel” usw. gebrandmarkt, so dass sie diese Gefühle und Gedanken in Zukunft für sich behalten). Dieser stärkere emotionale Einschlag kann natürlich umgekehrt gerade Kreativität beflügeln (weil man sich einer Sache “ganz hingeben” kann), was dann wiederum zu Ergebnissen führt, mit denen man Leute beeindruckt.

Diese Aktivität und Kreativität macht es insbesondere bei Männern schwer, Depressionen zu erkennen und zu verstehen. Sie kann aber auch gleichzeitig ein wichtiger Weg aus der Depression heraus sein.

3. Es hat wenig Sinn, Leidensvergleiche zwischen Frauern und Männern anzustellen. Das lenkt zu sehr von der eigentlichen Aufgabe ab: Aus der Depression wieder herauszukommen. Letzten Endes können Medikamente und Therapie einen unterstützen, aber den Großteil der Arbeit muss man ohnehin selbst haben. Außerdem kann nichts “positive Erfahrungen im echten Leben” ersetzen.

Bei allem, was geschafft habe, kann ich mir immer sagen, dass ich das eben “wie ein Mann” angepackt habe, weil ich agiert und nicht reagiert habe. Es ist kein Zufall, dass die Popkultur voll von Beispielen ist, in denen ein “sympathischer Außenseiter” irgendwie den Durchbruch schafft – auch gegen Widerstände aus seinem Umfeld.

4. Ich rate jedem Mann mit Depressionen, sich gut zu überlegen, wem er sich anvertraut. Selbst bei guten Freunden oder Familienangehörigen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sie das verstehen, weil (wie oben aufgeführt) die bei Männern auftretenden Signale nicht als zu einer Depression gehöhrend wahrgenommen und damit als Krankheitsbild verstanden werden. Andererseits kann ich auch berichten, dass ich in meinem Umfeld genügend Leute habe, die mich verstanden haben oder es im Laufe der Behandlung gelernt haben.

Es gibt eine spezielle männliche Perspektive auf Depressionen und dabei sowohl besondere Hindernisse als auch besondere gute Verhaltensweisen. Da die Anzahl der Selbstmorde bei Männern um ein Vielfaches höher ist als bei Frauen, lohnt es sich, auch ein wenig Zeit auf diese Perspektive zu verwenden.

Was das Weinen angeht: Männer werden darauf trainiert, nicht in der Öffentlichkeit zu weinen. Bei Depressionen denkt man, die Leute würden ständig weinen. Das schlimmste Sympton auf der Skala ist jedoch, wenn man überhaupt nicht mehr weinen kann. Das fällt bei Männern natürlich nicht so schnell auf.

Hier gibt es eine schöne Parallele zum Märchen, in dem die Königstochter ihren Vater “wie das Salz” liebt und er sie daraufhin verstößt. Anschließend wird alles Gold im Königreich zu Salz und die Leute merken, wie wichtig so etwas Bitteres, nur in geringen Maßen Genießbares wie das Salz ist. Ohne es ist alles andere irgendwie fad. Genauso verhält es sich mit dem Weinen.

Noch eine Märchenparallele gefällig? Heinrich, der Diener des Froschkönigs, war so betrübt über die Verwandlung seines Herrn, dass er sich eiserne Bande um sein Herz legen ließ. Als der Eiserne Heinreich dann auf dem Kutschbock sitzt und den erlösten Herrn und seine Frau kutschiert, da kracht es einige Male ganz laut. Erschrocken über das Geräusch, fragt der König, ob die Kutsche zerbrechen würde. Da sagt der treue Diener: Keine Angst, das sind nur die eisernen Bande, die von meinem Herzen fallen. So fühlt es sich an, wenn man aus der Depression wieder herauskommt.“

Es gab auf diese ersten zwei Kommentare direkt eine Reaktion von Robin. Sie erwähnte ihre eigenen Erfahrungen, die sie in dem sehr lesenswerten Artikel „Man ist nur ein Opfer, wenn man in der Ecke sitzt und weint.“ zusammengefasst hat.

Ich antwortete damals: „Mein Eindruck ist scheinbar komplementär: Bei mir als Mann lobt man eigene Aktivität, aber jedes Anzeigen von “das ist mir jetzt zuviel” oder “da fehlt mir die Kraft für” sorgt für Irritationen.“

Unter dem Artikel “Der männliche und der weibliche Defekt” sprach ich es noch einmal an:

„Interessante Sache, die hier in den Kommentaren vor kurzer Zeit schon aufkam. Da schilderten Mann und Frau, wie gegensätzlich mit ihnen umgegangen wird bei Krankheit.

Von einer Frau wird erwartet, dass sie doch bitte das arme Opfer ist. Offensives Umgehen hingegen stößt auf Widerspruch.

Bei einem Mann wird begrüßt, wenn er aktiv ist und Dinge tut. Wenn er jedoch anzeigt, dass eine Situation/Aufgabe für ihn zuviel ist und er sie nicht tun will/kann, wird ihm das übel genommen.

Ich sehe hier deutliche Parallelen. Und gesund(heitsfördernd) ist diese Einstellung offensichtlich nicht.“

Ich habe damals kommentiert, weil ich einfach nicht schweigen wollte und meinte, mit meinen Erfahrungen etwas zu dem Diskurs beitragen zu können, aber pseudonym, weil ich mir andererseits auch bewusst war, wie gefährlich offene Bekenntnisse eines Tages werden können. Diese Lösung ist alles andere als perfekt, ich bin mir ihrer Nachteile bewusst, aber ich kann mir derzeit nichts Besseres vorstellen.

Wenn ich dann noch Fragen lese, wie sie letztens noch durch die Blogblase gingen, sinngemäß warum Männer nicht zu ihren Gefühlen stehen, dann muss eine gute Antwort aus meiner Sicht so lang und ausführlich werden, dass selbst Kommentare an ihre Grenzen stoßen. Darum möchte ich hier bloggen.

Eigentlich sollte das Thema „Eine männliche Sicht auf Depressionen“ mein erster Beitrag fürs Geschlechterallerlei werden. Es ist dann aber so viel geworden, dass ich den Artikel nicht fertig bekam. Da der mir besonders am Herzen lag, habe ich ihn nicht mit Biegen und Brechen heruntergeschrieben, sondern lieber andere Themen zuerst abgehandelt.

Letzten Endes wurde es aber auch zuviel Material für einen Eintrag. Zudem ist es wichtig, ein bestimmtes Maß an Allgemeinwissen voraussetzen zu können. Deswegen kommt also zuerst dieser Text hier zur Einstimmung.

Natürlich kann das wie eine reine Show aus Zitaten und Resteverwertung wirken. Ich denke aber, das alles mal zusammengestellt in einem Artikel ist schon viel wert und kann zum Weiterlesen animieren.

Erzählmirnix ist, man höre und staune, in erster Linie keine humorvolle Comicautorin, sondern Psychologin und Psychotherapeutin. Sie hat eine Reihe von Artikeln zu dem Thema veröffentlicht, zum humorvolle, an denen man dennoch den Ernst des Themas erkennt:

Dann gab es aber noch eine Interviewserie. Daran erkennt man, wie schade es ist, dass in letzter Zeit nur noch Comics erschienen sind (bei den Artikeln kann man sich ja nie sicher sein, ob sie nicht irgendwann gelöscht werden, weil sie nicht mehr gefallen… Erzählmirnix zeigt hier die Mentalität eines Wikipedia-Admins).

Insbesondere das letzte Interview sollte Hoffnung machen und zeigen, dass Depressionen kein ewiges Schicksal sind. Das ist natürlich noch einen eigenen Blogartikel wert… doch schauen wir einmal in die Runde. Da gibt es ja noch mehr Leute mit Depressionen:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Doch selbst da ist die Welt ausnahmsweise mal nicht in Ordnung:

Es gibt viele Lieder, die mir zu dem Thema einfallen, aber am ehesten denke ich Moment an dieses hier. Die Single und das dazugehärige Album waren auch so passend mit Schwarzweißfotos illustriert…

U2: Beautiful Day

Wozu man Männer noch gebrauchen kann

Neulich hat mich eine Bekannte gefragt, wofür man Männer denn heutzutage überhaupt noch gebrauchen könne.

Meine Fresse, schoss es mir durch den Kopf: Keine Ahnung! Zum Grillieren vielleicht? Oder für die Müllabfuhr..? Männer tragen ja  den Müllsack nicht nur bis vor die Haustüre, sondern fahren ihn von dort aus auch noch gleich bis zur nächsten Kehrichtdeponie! Oder haben sie schon einmal eine Müllfrau gesehen? Für die Kanalreinigung dürfte man sie wahrscheinlich ebenfalls noch ganz gut gebrauchen können, denke ich. Oder für das Verlegen von Strom-, Gas-, Telefon- und Wasserleitungen: Schliesslich brauchen wir ja Licht in der Küche, wenn wir spätabends noch schnell den Abwasch erledigen wollen, nicht? Oder mit einem Latte Macchiato in der Hand in einem Versandhauskatalog blättern. 80 Prozent aller Kaufentscheide werden übrigens von Frauen gefällt, wussten Sie das?

Item, zurück zum Thema: Männer planen ganze Städte, ziehen sie hoch, bauen Strassen, Wege, Autobahnen und Schienennetze, unterhalten Kraftwerke, bauen Staudämme, karren Rohstoffe, Nahrungsmittel und sonstige Güter 24 Stunden lang zu Wasser, zur See, zu Land oder auf dem Luftweg um die Welt, entwickeln und programmieren hochkomplexe Computernetzwerke, Schreibprogramme, Webbrowser und Apps für die ebenfalls von ihnen ersonnenen Smartphones, Laptops, Desktops und Tablets, gründen Firmen, schaffen weltweit Millionen von Arbeitsplätzen und gehen für sie mitunter halsbrecherische, unternehmerische Risiken ein. Sie retten Leben als Feuerwehrmänner, Polizisten oder Sicherheitsangestellte, ziehen Dämme um Städte bei Hochwasserkatastrophen, füllen zehntausende von Sandsäcken von Hand ab, evakuieren Menschen mit Helikoptern aus gefährdeten Gebieten, löschen Waldbrände, schneiden Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen mit Blechschneidern aus ihren Autos, suchen nach Verschütteten in Erdbebengebieten, stecken auf Ölbohrplattformen knietief im giftigem Bohrschlamm, entwickeln alternative Energiegewinnungsformen sowie Medikamente gegen alle möglichen Gebrechen und Krankheiten, erfinden ununterbrochen neue Dinge, die unser Leben angenehmer gestalten sollen, bauen Raketen, planen Missionen zum Mars, sind auf den Mond geflogen, springen mit dem Fallschirm aus genau 38’969,4 Metern Höhe auf die Erde, haben die Quantenmechanik ergründet, den tiefsten Punkt im Meer erkundet und den Mount Everest bestiegen, LSD entdeckt, den Reissverschluss erfunden sowie die Evolutionstheorie verfasst, zünden das Feuerwerk an Grossanlässen mit Netzwerkcomputern, organisieren Open-Air-Konzerte, Loverides, Filmfestivals und Freilichtspiele, veranstalten Sportanlässe, sind als Mäzene tätig, eröffnen gemeinnützige Stiftungen, gründen Hilfswerke wie die Médicines Sans Frontières- und sind im Notfall erst noch zuverlässig und pünktlich zur Stelle, wenn der Abfluss verstopft ist, das Türschloss kaputt- oder das Auto plötzlich nicht mehr anspringt!

Männer sind sozusagen die Heinzelmännchen unserer Zivilisation: Sie erledigen all diese Jobs ohne Murren, Jahr für Jahr, bei gutem und bei schlechtem Wetter, ob es regnet oder schneit, kalt ist oder warm, Tag und Nacht. Das ist für sie ganz selbstverständlich, dafür sind sie da, das ist ihre Aufgabe, das ist ihre Bestimmung! Und glauben Sie mir: Viele von ihnen würden noch so gerne einen Teil davon abgeben, denn das alles ist manchmal verdammt anstrengend..!

Fundstück: Männertränen

Evilmichi fragte gestern, ob Jungs weinen dürfen. Ich finde einige Kommentare unter dem Artikel sehr wichtig. „Männer und ihre Gefühle“ ist sowieso ein wunderbares Thema für dieses Blog.

Aber bevor ich näher darauf eingehe (ich habe schon etwas in Planung, das sich – auch – damit beschäftigt), erst einmal ein wenig Material. Das Wiki „TV Tropes“, welches zum Beispiel auf Doppelmoral eingeht und dabei wie selbstverständlich Sexismus gegen Männer behandelt (neben Sexismus gegen Frauen und Sexismus gegen beide Geschlechter), hat einen Artikel namens Manly Tears.

Dabei geht es darum, wann Tränen von Männern akzeptabel sind. Es folgen zahlreiche Beispiel aus der Popkultur, aber auch aus dem wahren Leben (Real Life). Dabei wird unter anderem verwiesen auf den Artikel „When Is It Okay for a Man to Cry?“ aus dem Blog „The Art of Manliness“ (Untertitel: „reviving the lost art of manliness“).

Beide Quellen, also sowohl der TV-Tropes-Artikel als auch der Blogeintrag, sind eine Diskussion wert. Ich finde sie deswegen ansprechend, weil sie nicht normativ vorgehen („Wie sollte es sein?“), sondern positiv („Wie ist es?“) und sich daher nicht mit irgendwelchen Wunschvorstellungen befasse, sondern mit der Welt, wie sie im Moment ist. Außerdem nennen sie sowohl Positiv- als auch Negativbeispiele, was viel besser zur Unterscheidung geeignet ist.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal liegt das Lied auf der Hand.

The Cure: Boys Don’t Cry

Warum ich keinen Männerstreik brauche – aber mehr als nur ein Jahr des Mannes

Ich gestehe: Wahrscheinlich betreibe ich hier nur Wortklauberei. Dieser Text zeigt die Sicht eines männlichen Single-Junggesellen ohne Kinder unter 40.

Streik – was ist das?

Einen Streik kenne ich aus der Arbeitswelt: Die Arbeiter, jeder für sich zu unbedeutend, um etwas auszurichten, schließen sich zusammen und legen die Arbeit nieder. Typische Ziele sind höhere Löhne (als sie in Tarifverhandlungen angeboten wurden) oder Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Entscheidend ist, wie groß der Schaden für das Unternehmen ist, denn davon hängt ab, ob es sich lohnt, einzulenken. Wird nur in einem Werk gestreikt und kann der Ausfall woanders aufgefangen werden, ist ein Streik witzlos. Gleiches gilt, falls ein großes Heer an Arbeitswilligen zur Verfügung steht, das statt der Streikenden die Arbeit übernehmen will. Daraus ergibt sich, dass in einigen Branchen leichter gestreikt werden kann als in anderen.

Die Streikenden haben daher ein hohes Interesse daran, dass alle (oder so viele wie möglich) mitmachen, denn damit steht und fällt der Streik. Gewerkschaften versuchen möglichst viele Arbeiter unter sich zu vereinen, damit nicht einzelne ihrem persönlichen (eventuell nur kurzfristigen) Nutzen folgen und als Streikbrecher fungieren. Die Unternehmensführung könnte ja lukrativere Bedingungen für diejenigen in Aussicht stellen, die nicht streiken.

Männerstreik? Welcher Männerstreik?

Was habe ich alles unter dem Etikett Männerstreik gefunden! Etwa junge Männer, die nicht den höchsten und besten Bildungsabschluss anstreben, den sie erreichen könnten; Männer um die 30, die in absehbarer Zeit keine Partnerschaft und Heirat anstreben; Berufstätige, die nicht alle Mühe darauf verwenden, die Karriereleiter nach oben zu klettern, sondern lieber eine solide Stelle anzielen, bei der ihnen noch Zeit für Hobbys bleibt, oder irgendwann aus dem Arbeitstrott, den sie als Hamsterrad empfinden, ganz aussteigen.

Aber was ist denn daran ein Streik? Üblicherweise gehören dazu Demonstrationen und Protestaktionen mit Symbolwert und Medienaufmerksamkeit, die Sympathie bei anderen Bevölkerungsgruppen erzeugen und Druck auf die andere Seite ausüben soll. Wenn gestreikt wird und die Leute machen erst einmal eine schöne Reise, gehen zum Basteln in den Hobbykeller oder bringen einige lange vor sich hergeschobene Arzttermine hinter sich, wird das dem Ziel und den Mitteln des Streiks nicht gerecht.

Weder haben sich die angeblich streikenden Männer abgesprochen, noch haben sie Forderungen aufgestellt – und schon gar nicht gibt es einen Druck auf die Männer, dass alle so handeln sollen. In meinem Bekanntenkreis etwa heiraten die Leute und gründen Familien – vielleicht später als ihre Eltern, wahrscheinlich mit größerer finanzieller Unsicherheit, und sicherlich mit all den Schwierigkeiten, die ein Familienleben mit sich bringt. Aber sie tun es. Wer es kann und will, ohne sich völlig zu verrenken, der macht es.

Und diejenigen Männer, die das Wagnis Ehe eingehen, sind doch keine „Verräter an der Sache aller Männer“. Im Gegenteil, darüber freue ich mich! Homosexuelle Männer, die sowieso nicht im klassischen gesellschaftlichen Anforderungskatalog vorkommen, haben offensichtlich Spaß am Körperlichen, an der männlichen Sexualität. Sollen sie haben! Ist doch super!

Wenn ich dann noch lese, wie negativ die unter Männerstreik beschriebenen Phänomene interpretiert und lauthals beklagt werden, kann ich nur zu dem Schluss kommen: Entweder es gibt keinen Streik (ich habe noch keine Aufforderung erhalten), oder er schlägt kolossal fehl.

Warum ein Männerstreik nicht funktionieren könnte

Doch stellen wir uns einen Moment vor, ein Allgemeiner Männerbund würde sich gründen und alle Männer unter seinen Fittichen zum Streik aufrufen. Zwar hätte jeder das Recht, nach wie vor seinen Interessen wie oben beschrieben nachzugehen, aber einmal die Woche (oder im Monat) gäbe es Demonstrationen in großen deutschen Städten, man organisierte Leserbriefwellen, es gäbe Bücher der Vordenker (der Streik wäre zur Not auf viele Jahre ausgelegt) und Veranstaltungen noch und nöcher. Nur eines dürften die Männer nicht: Sich so verhalten, wie es bisher von ihnen eingefordert wurde.

Gehen wir davon aus, dass die Mitgliedschaft in diesem Allgemeinen Männerbund freiwillig wäre oder dass es zumindest die Möglichkeit gäbe, ihm nicht anzugehören, selbst wenn man dafür Nachteile in Kauf nehmen müsste (als unsolidarisch gelten, von anderen geschnitten werden, eventuell sogar einige Stellen nicht bekommen). Dann hätte ich persönlich einen hohen Anreiz, nicht mitzumachen. Ich könnte auch ohne diese Organisation tun, was ich will. Sollte durch den Streik jedoch tatsächlich ein eklatanter Mangel an Männern entstehen, könnte ich davon hervorragend profitieren: Ich könnte, wenn ich wollte, eine bessere Position im Berufsleben bekommen, ohne mich entspechend abzurackern (wenn es wenige Kandidaten gibt, die Stelle aber besetzt werden muss, muss man nehmen, wen man kriegen kann). Bei der Damenwelt würden meine Chancen beträchtlich steigen, ohne dass ich einen Fingerschnipp dafür tun müsste. Für jeden, der bei knapperer Verfügbarkeit von Männern gewinnen würde, würde es sich lohnen, auszuscheren. Damit würde der Streik sabotiert.

In der Spieltheorie nennt man so etwas ein Gefangenendilemma: Könnten sich die Spieler wirksam absprechen, würden alle Beteiligten mehr erreichen; weil sie es aber nicht können, handelt jeder nach seinem unmittelbaren Vorteil. Schließlich kann ein „unkooperatives Verhalten“ nicht geahndet werden. Die fehlende Sanktionsmöglichkeit für „nicht kooperiende“ Männer würde einen Streik aussichtslos machen.

Ich glaube auch, dass ein Appell an „männliche Solidarität“ wirkungslos verpuffen würde. Wie Christian bei Alles Evolution bereits treffend bemerkte, mögen Männer Männer weniger als Frauen Frauen. Männer mögen sich zwar in allen möglichen Organisationen zusammenschließen, insgesamt jedoch konkurrieren sie untereinander und haben wenig Interesse, alle Männer mitzuziehen.

Das ist alles normal – denn wir wollen es insgesamt nicht anders

Doch schauen wir noch einmal auf die erwähnten Phänomene. Probleme sind sie ja nur, wenn bei der gegebenen Lage mehr drin wäre. Aber was ist die Ausgangslage?

Die Reallöhne in Deutschland – einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt – sind gesunken. 2005 gab ein Artikel mit dem Titel „Generation Praktikum“ einem neuen Zustand einen Namen: Gut ausgebildete Leute, die dennoch (zumindest in den ersten Jahren) kein Bein auf den Boden bekommen.

Selbst bei der Sendung „hart aber fair“ gab es einen bemerkenswert ehrlichen Film: Moderator Frank Plasberg hatte auch ohne abgeschlossenes Studium kein Problem, eine sichere Stelle zu finden; die jungen Leute, die heute mit Abschluss in seine Fußstapfen treten wollen, erhalten befristete Verträge.

Das Gros der jungen Leute ist besser ausgebildet als ihre Elterngeneration, arbeitet härter, bekommt aber dafür weniger: Arbeitsleistung lohnt sich im direkten Vergleich weniger. Ob das gerecht ist, ob das die Zeiten so erfordern, ob schlaue Leute nicht einfach auswandern sollten – all das steht auf einem anderen Blatt Papier und soll hier nicht weiter interessieren.

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Wer im Beruf die primäre Erfüllung sieht, verzichtet weitgehend auf andere Interessen. Was ansonsten so an Leben stattfindet, muss nebenher laufen. Das Risiko besteht darin, dass man eines Tages den Job verliert und dann nichts anderes mehr hat, auf das die eigene Identität fundiert.

Viele Menschen sind jedoch risikoscheu. Für sie bietet sich ein anderer Weg an: Pfeif auf den Aufstieg, es ist ja bereits Karriere genug, nicht gefeuert zu werden und regelmäßig eine Gehaltserhöhung zu bekommen, die nicht durch die Inflation aufgefressen wird. Zum Ausgleich dafür, dass mehr Unsicherheit im Leben herrscht, muss auch mehr Freiraum für andere Interessen da sein.

Damit eng verknüpft ist jedoch die männliche Attraktivität. Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Insgesamt sind die Männer also automatisch unattraktiver geworden. (Es kommt wohl auch nicht von ungefähr, dass in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten nach dem Zerfall der Sowjetunion die Selbstmordrate unter Männern stark anstieg, unter Frauen jedoch nicht, siehe folgendes PDF, Seiten 30-31)

Auch in dieser Hinsicht bieten sich wenigstens zwei Optionen: Entweder Partnerschaft, Ehe und Familie sind so wichtig, dass man doch in den sauren Apfel beißt und sich abrackert, um Karriere zu machen oder zumindest soviel Geld zu verdienen, um zum Ehemann und Vater zu taugen. Interessanterweise tauscht man hier bewusst eine Freiheit gegen die andere ein. Die Forderung, dass man „Frau und keine Karriere“ endlich unter einen Hut bringen können muss, klingt völlig abstrus. („Karriere“ ist denn auch weniger wie im klassischen Sinne ein steter Aufstieg, sondern eher ein solides Einkommen.)

Oder dem Fuchs sind die Trauben, die er nicht erreichen kann, zu sauer. Dann kann man sich jedoch wenigstens die Anstrengung sparen, das ganze Leben darauf auszurichten, ein attraktiver Heiratskandidat zu sein, und sich um seinen eigenen Kram kümmern. Für einige bedeutet das, an sich selbst zu arbeiten oder sich durch Frauen aufreißen die Hörner abzustoßen. Da die Wette darauf, dass man die Stelle behält und die Frau einen nicht verläßt, insgesamt unsicherer geworden ist, erreicht man wenigstens das Minimalziel, seinen eigenen Interessen nachgegangen zu sein.

Irgendwann ist vielleicht der Punkt erreicht, an dem man das lange genug gemacht hat. Dann kann man sich immer noch binden und wenn man inzwischen Geld angesammelt hat, umso besser. In den frühen Jahren nach Studium oder Ausbildung ist jedoch Illusion – das geht nicht mehr so wie vor noch ein oder zwei Generationen.

Und sollten Frauen und Männer in Deutschland aus welchen Gründen auch immer zu oft keine Lust mehr aufeinander haben – Globalisierung hilft! Dafür gibt’s doch den Latin Lover und die heiße Russin (eigentlich natürlich „den Südländer“ und „die Mittel- und Osteuropäerin“).

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es jedoch Abstufungen. Die Leute heiraten ein paar Jahre später, gehen ein größeres Risiko ein, zu scheitern, setzen vielleicht weniger Kinder in die Welt als sie es ein oder zwei Generationen vorher gemacht hätten. Sie werden insgesamt betrachtet mit mehr Anstrengung weniger erreichen als ihre Eltern.

Das soll der Untergang des Abendlandes sein? Wie konnte sich das Abendland dann nur so lange halten?

Nach diesen Kriterien verhält sich ein Großteil der Männer äußerst vernünftig – ebenso wie ein Großteil der Frauen. Denn was hat man ihnen, sowohl Männern als auch Frauen, eingetrichtert?

Bindet Euch nicht zu früh! Stellt hohe Anforderungen an Euch selbst! Geht nicht zu schnell Kompromisse ein! Lebt lieber alleine als in einer unglücklichen Beziehung!

Es läuft darauf hinaus, dass man Entscheidungen trifft und mit ihnen lebt. Das ist das Verhalten eines modernen Menschen, der weniger durch vorgefertigte Bilder festgelegt wird als seine Vorfahren. Was ist daran schlecht?

Wenn wir gesamtgesellschaftlich – falls dieses „gesamt“ überhaupt möglich ist – etwas anderes wollten, müssten wir auch anders handeln, also anderes fordern. Doch wer möchte ernsthaft das Rad der Geschichte um einige Jahrzehnte zurückdrehen, um zurück zu den alten Verhältnissen zu kommen? Ich nicht und ich meine auch nicht, dass das geht. Von irgendeiner Gruppe zu verlangen, sie möge doch klein beigeben und sich mit weniger zufrieden geben, wird nicht funktionieren.

Und gesamtwirtschaftlich etwas ändern – dieses Fass möchte ich gar nicht aufmachen. Wenn wir das wollten und könnten, würden wir es tun. Da es nicht geschieht, kann der Leidensdruck insgesamt nicht so groß sein. Also wo ist das Problem?

Ein Jahr des Mannes? Dutzende!

2014 wurde als Jahr des Mannes angekündigt. Wenn ich mir durchlese, was unter diesem Stichwort erschienen ist, finde ich bisher „die üblichen Verdächtigen“ unter den Forderungen und Bewegungen.

Zwei grundlegende Erkenntnisse vermisse ich jedoch:
1. Das beste Rezept für ein Jahr des Mannes ist aus meiner Sicht ein Jahr, in dem ich als Mann mein eigenes Leben lebe. Politik, Gesellschaft, Welt… wenn ich das alles ändern muss, um glücklich zu werden, bin ich zum traurig sein verurteilt. Stattdessen sollte ich mich fragen, was mir gefällt und wie ich selbst aktiv und kreativ sein kann. Wenn ich das dann umsetze, muss das reichen. Das wird ja wohl mehr als nur mir selbst eine Freude bereiten, womit ich mir auch keine Sorgen um mich als soziales Wesen machen muss.
2. Wieso soll sich das nur auf ein Jahr beschränken? Der richtige Weg ist doch, in jedem Jahr Zeit für mich und meine Interessen zu haben.

Es gibt keinen ungeschriebenen Vertrag, nach dem ein Mann ohne jeden Grund Opfer bringen muss, und falls es das als gesellschaftlichen Konsens je gegeben hat, wurde dieser Vertrag gekündigt. Aber ohne Vertrag gibt es auch keine Pflicht zur Arbeit und damit keinen Grund zum Streiken.

Was vom „Streike“ übrig blieb

Vielleicht muss man manche Dinge unter dem Stichwort „Männerstreik“ bringen, damit sie Gehör finden. Ich mag solche (für mich falschen) Etikettierungen aber nicht. Und was wird unter anderem als Rezept angegeben?

„Hören Sie damit auf, Frauen die Tagesordnung bestimmen zu lassen, was die Themen Geschlechterpolitik, Beziehungen und Reproduktion angeht.“

Ein Mann, der das zuläßt, ist ein Waschlappen! Wie könnte der jemals streiken?

„Setzen Sie durch, dass Sie in Ihrer Partnerschaft besser behandelt werden. Sie müssen nicht grob werden, aber lernen Sie, Grenzen zu setzen. Wenn Sie Ihre Partnerin nicht respektiert, weisen Sie sie zurecht, auch vor Freunden. Frauen hassen es, öffentlich zur Rede gestellt zu werden.“

Ein Mann, der das… oh, ich wiederhole mich. Aber auch das hat nichts mit Streik zu tun, sondern mit modernem Leben.

„Und falls Sie von Ihrer Frau verlassen werden: Lassen Sie sich nicht von Ihrer Ritterlichkeit oder kulturell erzeugten Minderwertigkeitsgefühlen leiten, so dass Sie sich die Schuld am Scheitern Ihrer Beziehung geben. Es war die Entscheidung Ihrer Frau zu gehen.“

Entscheidungen und die damit verbundene Verantwortung… das hatte ich doch weiter oben schon. Also Frauen wie ganz normale Menschen behandeln. Klingt immer noch nicht nach Streik.

„Schützen Sie sich dagegen, unfreiwillig zum Vater gemacht zu werden.“

Mal abgesehen davon, dass jeder Verantwortung für Verhütung hat: Man denke, wie ich erst gestern schrieb, an die Kinder und was es wohl für ein „tolles“ Leben sein muss, wenn sie ohne vernünftiges Verhältnis zu ihrem Vater aufwachsen. Die Folgen der Vaterlosigkeit werden unterschätzt.

Also, so wie ich das sehe: Alles keine Streikmittel, sondern ganz normale Maßnahmen für ein verantwortungsvolles Leben!

Zusammengefasst: Männer steigen nicht aus der Gesellschaft aus, sondern machen richtig mit, indem sie unterschiedliche Wege gehen. Das Verhalten der jungen Generation ist den geänderten Lebensbedingungen geschuldet, auf die angemessen reagiert wird. Insgesamt wollen wir alle das auch so.

Ich glaube, dass es genug Frauen gibt, die mit solchen verantwortungsbewussten Männern zusammenleben wollen. Dafür braucht es keinen Kampf, nur eine vernünftige Suche, Offenheit und Neugier! 🙂

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Der Titel entspricht dem, was ich meine: Dass wir bekommen, was wir insgesamt auch gar nicht anders wollen (auch wenn es runtergebrochen auf eine einzelne Person immer fürchterlich ungerecht sein kann – aber es geht hier ja um das Gesamtbild). Gerade die erste Strophe, in der Michi Beck fragt, warum alles so doof ist, passt hervorragend – und nebenbei kann ich Bewegtbilder von einem Mann in Frauenkleidern mit pinkem Federschmuck in dieses Blog schmuggeln. 😉

Die Fantastischen Vier: Ernten was wir säen

Warum ich gerne ein Mann bin

Die Psychologin Erzählmirnix hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie empathisch genug ist, um Männerprobleme zu verstehen, und das sogar mit Humor ausdrücken und auf den Punkt bringen kann. Vor fast zwei Wochen wagte sie es dann, in einem Kommentar bei Alles Evolution über Vorteile des Mann-Seins nachzudenken. Die Diskussion wurde aus meiner Sicht schnell unangenehm – sehr schade! Am Ende habe ich es mir gespart, da noch meinen Senf dazuzugeben.

Aber neues Blog, neues Glück: Jetzt kann ich meine Perspektive schildern – nicht mehr und nicht weniger. Ich gestehe: Es gab einige Jahre, in denen ich dachte, dass es Frauen leichter haben. Sicher, das mag für die jungen, gutaussehenden Frauen gelten im Vergleich zu den jungen, nicht besonders angesehenen Männern.

Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch mehr und mehr heraus, dass es doch gar nicht so schlecht ist, ein Mann zu sein. Und spätestens wenn der homosexuelle Adrian geradezu ein Loblied auf Männer anstimmt, da wird mir ganz warm ums Herz.

Also, kein Grund zum Jammern, im Gegenteil: Ich kann es immer wieder genießen, ein Mann zu sein, ohne neidisch auf die Frauen und ihre möglichen Vorteile zu schielen – oder auf andere Männer, denen es scheinbar noch besser geht als mir. Hier sind fünf Gründe dafür:

5. Mein Aussehen ist nicht irrelevant, aber nicht der erste Faktor für meine Attraktivität. Da ich nicht wie Quasimodo aussehe (das ist nur ein unausrottbares Klischee über intensive Internetnutzer 😉 ), kann ich an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen, um meine Wirkung auf andere zu verbessern. Garderobe, Manieren, Wortwahl… es gibt viele Möglichkeiten, charmant und charismatisch zu wirken.

4. Ich starte zwar später als fürs andere Geschlecht „interessante Person“ ins Leben, bleibe aber auch länger frisch. Daher muss ich mich nicht so beeilen, sondern kann Zeit darauf verwenden, mich meinen Interessen zu widmen. Dazu kommt, dass ich jünger aussehe, als ich bin. In meiner Jugend hat mir das schwer zu schaffen gemacht. Jetzt hat sich das in einen Vorteil umgekehrt, den ich zudem länger auskosten kann.

3. Es fällt mir leichter, für verschiedene Anlässe passend angezogen zu sein. Ich kann eine gute Hose, ein Hemd mit Kragen und eine Krawatte zur Arbeit anziehen, damit einkaufen gehen und am Abend in Restaurant oder Kneipe. Im Zweifelsfall kann ich den Schlips später am Tag weglassen, aber ansonsten benötige ich weniger Ausrüstung, um eine für den Rest der Welt akzeptable Außenwirkung zu erzielen.

2. Es ist immer wieder schön zu erleben, was ich mit meiner Stimme alles machen kann. Ich bin Tenor und kann daher die Höhen und Tiefen beim Singen richtig auskosten. Es ist einfach ein steter Quell von Lebensfreude. Aber auch im normalen Alltag kann ich mit ruhiger, fester und tiefer Stimme meinen Standpunkt klarmachen, vertrauensvoll und beruhigend wirken – oder mit klarer, heller und fröhlicher Stimme offen, freundlich und begeisterungsfähig sein. Selbst wenn mich eine Erkältung erwischt, muss das noch nicht das Ende sein: Dann geht die Stimme nicht unbedingt weg, sondern rutscht nach unten, so dass ich auch einmal etwas ausprobieren kann, was ich sonst nicht habe.

1. Ich werde an meinen Taten gemessen und das wird ermutigt. Das ist natürlich ein Ideal, welches immer wieder gepredigt, aber nur selten erreicht wird. Auch ich habe einige Ungerechtigkeiten im Leben erfahren. Die Grundstimmung ist jedoch so, dass ich positive Rückmeldung bekomme für das, was ich tue, und nicht das, was ich bin. Oder noch anders ausgedrückt: Das, was ich bin, definiert sich durch das, was ich tue. Und inzwischen kann ich auf Fähigkeiten zurückgreifen, die ich vor fast 20, ja manchmal sogar 30 Jahren erworben habe. Aber am allerschönsten ist, dass ich nicht stehenbleiben muss, sondern immer weitermachen und etwas Neues ausprobieren kann. Das wird sogar erwartet, so dass man mich darin bestärkt. Es ist wohl deswegen so, dass ich dann „ganz bei mir“ bin, wenn ich mich in eine Tätigkeit vertiefen kann.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Niemand kann meine Bemerkungen zur Schönheit und Ausdruckskraft der männlichen Stimme besser illustrieren als Roy Orbison.

Roy Orbison: I Drove All Night